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Einfach mal drauflos stricken… Teil 4

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Bei Jacken beginne ich grundsätzlich immer mit dem (im Tragen) linken Vorderteil. Das ist zum einen einfach Gewohnheit, aber es hat auch einen tieferen Sinn – zumindest dann, wenn ich die Blende gleich mitstricke. Denn links kommen bei mir immer die Knöpfe hin, wie sich das für Damenbekleidung gehört (warum das so ist, dazu gibt es die -allerdings umstrittene- Zofentheorie)

Würde ich mit dem rechten Vorderteil anfangen und die Blende gleich mitstricken, müsste ich dabei gleichzeitig die Knopflöcher platzieren. Zu dem Zeitpunkt weiß ich aber noch gar nicht, wie lang die Blende wird und somit auch nicht, in welchem Abständen ich die Knopflöcher machen muss. Es ist also (auch bei angestrickten Blenden) viel einfacher, zuerst die Knopfblende zu stricken, weil ich dann ganz genau weiß, wieviele Reihen diese hat und mir ausrechnen kann, wo die Knopflöcher hingehören.
Außerdem kann ich auf diese Weise auch -z.B. bei Rippenblenden- die Anzahl der Knöpfe so bestimmen, daß sie immer entweder auf einer Rippe oder zwischen einer Rippe sind. Ich mag es nicht, wenn das uneinheitlich ist.

Was für mich als Perfektionist auch gar nicht geht, ist die Anweisung (vor allem in englischsprachigen Anleitungen): „Lege die Knöpfe in gleichmäßigen Abständen auf die Blende und markiere dann am gegenüberliegenden Teil die Position der Knopflöcher“. Das ist mir viel zu ungenau. Und außerdem total umständlich, ausrechnen geht viel schneller und einfacher (wer nicht rechnen mag, für den gibt es den Knopfloch-Kalkulator).

Nun muss ich aber erstmal ausrechnen, wieviele Maschen ich überhaupt anschlagen muss. Beim Rückenteil hatte ich 161. Die Blende stricke ich gleich mit, muss dafür also keine Maschen abziehen, aber natürlich die Überlappung berücksichtigen. Die Blende soll in etwa 4 cm breit werden, das sind 11 M. 161 + 11 = 172, geteilt durch 2 ergeben sich 86 M pro Vorderteil.
Da ich vorne aber für Bauch und Busen ein bisschen mehr Platz brauche, gebe ich nochmal 5 M dazu, dann habe ich auch wieder eine ungerade Maschenzahl für das Perlmuster. Und ich will dazu eine Patent-Randmasche über 3 M haben. Alles zusammen also 94 M.

Da bei der Patent-Randmasche jede Masche de facto nur in jeder 2. R gestrickt wird, zieht sich der Rand in der Höhe etwas zusammen. Das macht aber gar nichts, denn Strick ist ja zum Glück elastisch. Beim Stricken braucht man ihn nur ab und zu mal kräftig in die Höhe ziehen und schon passt er sich wunderbar an und man bekommt eine sehr saubere Kante, die sich bei diesem Muster auch nicht rollt. Für offen bleibenden Kanten also eine sehr feine Lösung, bei der auch die Rückseite gut aussieht:

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Der Musterpart ist beendet, nun geht es an die Tasche. Hie habe ich mit den türkisen Stecknadeln markiert, wo ich sie hinhaben möchte (die gelben Nadeln markieren die Breite der Blende):

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Die Tasche wird also 32 M vom rechten Rand entfernt sein und eine Breite von 37 M haben. Zuerst wollte ich die Taschenmaschen in der Hinreihe abketten, das sah aber ein bisschen dürftig aus:

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Also werde ich erst in der Rückreihe abketten. Zunächst stricke ich aber schnell den Taschenbeutel, dennn den brauche ich gleich. Hierfür schlage ich zwei M mehr als die gewünschte Taschenbreite an und stricke dann so lange glatt rechts, bis die Tasche so tief ist, wie ich sie haben möchte. Die Taschenmaschen bleiben auf der Nadel, die werden gleich beim Einfügen der Tasche abgestrickt.

In der Rückreihe passieren nun einige Dinge gleichzeitig. Erst kommen die 3 Randmaschen, dann die 11 Blendenmaschen. Nun wird rot angesetzt für den roten Streifen. Nach 11 roten Maschen kette ich die 37 Taschenmaschen ab. Hierfür nehme ich einen extra Faden, sonst habe ich die Grundfarbe nachher an der anderen Seite der Tasche, wo ich sie gar nicht gebrauchen kann. Ich könnte sie zwar auch wieder mit zurück nehmen, habe dann aber Spannfäden, das muss ja nicht sein. Dann vernähe ich lieber zwei Fäden mehr und kann beim Vernähen die Ecken der Taschen gleich noch zusätzlich verstärken.

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Ich kette in diesem Fall mit rechten Maschen ab, damit sie auf der Vorderseite links erscheinen. Gerade hier ist sehr festes Abketten besonders wichtig, die die Taschenkante Stabilität erhält. Das darf sich auch ruhig etwas zusammenziehen, es dehnt sich sowieso sehr schnell wieder aus, wenn man die Tasche benutzt. Wenn die Taschenkante von vorherein schon labberig ist, hängt sie nach kurzer Zeit unschön nach unten und nach vorne, das mag ich gar nicht leiden.

Als nächstes wird der Taschenbeutel eingefügt. Hierzu stricke ich einfach anstelle der 37 abgeketteten die 39 M des Taschenbeutels ab und arbeite die Reihe dann ganz normal zu Ende. In der nächsten Hinreihe wird die letzte M vor dem Taschenbeutel mit der ersten M des Taschenbeutels per SSK zusammengestrickt. Das gleiche passiert am Ende der Tasche, da stricke ich die letzte M des TB mit der nächsten M re zusammen. So komme ich wieder auf 37 Taschenmaschen, die Taschen-Eckrandmaschen liegen hinter den M vom Hauptgestrick und ich habe noch eine kleine Verstärkung an den Ecken.

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Bim Übergang zwischen Blende und rotem Streifen muss ich die Fäden natürlich jedes Mal miteinander verkreuzen, damit es keine Löcher gibt. Danach muss ich die Grundfarbe leider neu ansetzen, sonst hätte ich an der Blende eine Reihe zuviel, weil ich nur 5 R rot habe – mit 6 R wäre das nicht passiert (typischer Fall von nicht weit genug voraus gedacht…). Aber gut, damit kann ich leben. Ist aber im Moment ein ganz schönes Fadengewurschtel:

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Inzwischen ist das Chaos aber beseitigt:

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Die Tasche zeichnet sich außen relativ stark ab – eigentlich mag ich das nicht so leiden, aber ich weiß auch nicht, wie man es ändern könnte. Außer vielleicht mit einem doppelten Taschenbeutel, den man nicht festnäht, aber der trägt dann so auf.

Ich hoffe das gibt sich nach dem Waschen wenigstens noch etwas:

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Ab jetzt wird es wieder entspannt – bis 35 cm Höhe muss ich außer an die Tailierung -die ich wie beim Rückenteil mache- an nicht weiter denken. Dann aber muss ich mir langsam Gedanken um den Schalkragen machen. Hierzu in der nächsten Folge mehr.

Einfach mal drauflos stricken… Teil 3

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Ich habe mich für eine Musterwiederholung in der Schulterpartie entschieden, allerdings mit einem schmaleren roten Streifen. Ob das später wirklich gut aussieht oder ob es eventuell „too much“ ist, werde ich sehen, wenn das erste Vorderteil fertig ist. Notfalls kann ich die paar Zentimeter immer noch ribbeln und neu stricken.

Nun geht es aber erstmal an die Schulterschrägungen und den rückwärtigen Halsausschnitt.

Die Breite des Halsausschnitts mache ich immer nach Gefühl, für eine normal breiten Ausschnitt für mich ungefähr 22 cm (ohne Blende). Das entspricht bei meiner MaPro 61,6 M, abgerundet also 61 und es verbleiben für jede Schulter (109 – 61 = 48 : 2 =) 24 M.

Mein Armausschnitt soll 21 cm hoch werden. Den Halsausschnitt beginne ich am Rückenteil meistens 4 Reihen bevor die gewünschte Armausschnitthöhe erreicht ist (= 2 Reihen vor Beginn der Schulterschrägung), da reicht mir normalerweise ein ganz flacher Ausschnitt. Damit er trotzdem ein bisschen Form bekommt, nehme ich in den folgenden beiden Hinreihen am Halsausschnittrand je 1 M ab, wieder 1 bis 2 M vom Rand entfernt und symmetrisch, d.h. auf der einen Halsseite nach links geneigt, auf der anderen nach rechts.

Das bedeutet für meinen insgesamt 61 M breiten Halsausschnitt, daß ich die mittleren 57 M abkette und die verbleibenden 4 M in den nächsten beiden Hinreihen abnehme. Die Abkettkante sollte stabil sein, also schön fest abketten. Das sieht ordentlicher aus und der Ausschnitt bleibt besser in Form. Aber natürlich nicht so fest, daß sich die Kante zusammenzieht.

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Bei sehr halsnahen Pulloverausschnitten muss der Kopf natürlich noch durchpassen, aber das ist normalerweise erst beim Abketten der Ausschnittblende ein Problem und dafür gibt es den sewn bind-off).

Üblicherweise kette ich in einer Hinreihe ab und arbeite dann zuerst die (im Tragen) linke Schulter des Rückenteils.

Die Schulterschrägung teile ich immer in 3 möglichst gleiche „Portionen“ auf (wenn sich die Zahl nicht durch 3 teilen lässt, dann z.B. 7, 7 und 8) und arbeite sie mit verkürzten Reihen. In meinem Fall besteht jede Portion aus 24 : 3 = 8 M.

Für die linke Schulter bedeutet das: In der erste Hinreihe nach dem Halsausschnitt bis 8 M vor Reihenende stricken, wickeln, wenden und die Rückreihe stricken. In der nächsten Hinreihe bis 16 M vor Reihenende stricken, wickeln, wenden, Rückreihe. In der nächsten Hinreihe wieder über alle M arbeiten, dabei die Wicklungen mit den umwickelten M zusammenstricken. Die Abnahmen am Halsausschnitt darf man natürlich nicht vergessen, die werden gleichzeitig gemacht. Hier habe ich sie übrigens nur 1 M von Rand entfernt gemacht, damit das Muster nicht unterbrochen wird.

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Abschließend werden die Maschen stillgelegt – sie werden später zusammen mit den Schultermaschen des Vorderteils abgekettet und man hat eine wunderbar saubere und stabile Schulternaht, viel schöner und flacher als eine zusammengenähte.

Die rechte Schulter wird gegengleich gestrickt. Hier muss natürlich in den Rückreihen verkürzt werden, d.h. ich setze den Faden auf der Rückseite neu an, arbeite zwei Reihen und beginne in der folgenden Rückreihe mit den verkürzten Reihen. Dadurch wird diese Schulteseite natürlich eine Reihe länger als die andere Seite, das macht aber nichts. Erstens fällt die eine Reihe Unterschied gar nicht auf und zweitens ist es ja an den Vorderteilen genau umgekehrt (da ist die linke Schulter eine Reihe höher) und gleich sich somit wieder aus.

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Das Rückenteil ist nun fertig und ich kann das erste Vorderteil anschlagen. Hierzu in Kürze mehr.

Einfach mal drauflos stricken… Teil 2

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Die 39 cm sind erreicht, nun geht es an die Armausschnitte.

Die Messung hat ergeben, daß die gewünschten 39 cm Schulterbreite 110 M entsprechen. 161 M habe ich, also muss ich natürlich auch eine ungerade Maschenzahl übrig behalten und runde daher auf 109 M ab. Demzufolge sind 52 M abzunehmen, genau wie ich gestern anhand der Maschenprobe errechnet habe.

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Theoretisch dürfte es da ja auch nie eine Abweichung geben, aber es gibt durchaus nicht wenige Strickerinnen, bei denen die Strickfestigkeit von der Tagesform abhängig ist und da kann es immer mal zu unterschiedlichen Maschenproben innerhalb eines Strickstücks kommen. Da muss man dann die Maschenprobe an mehreren Stellen auszählen und einen Durchschnittswert für die Berechnungen zugrunde legen.
Oder man hat ein gute Laune-Projekt, ein schlechte Laune-Projekt, ein „ich bin total müde, will aber noch nicht ins Bett“-Projekt usw. 😉

Bei 52 insgesamt abzunehmenden Maschen ergeben sich 26 pro Seite. Mein Abnahmeschema für den Armausschnitt ist immer gleich, bloß die Maschenzahlen variieren: Zuerst x M abketten, dann x mal in jeder R (also auch in den Rückreihen), x mal in jeder 2. R und x in jeder 4. R je 1 M abnehmen.

Für das erste x, also die Zahl der abzukettenden M, nehme ich normalerweise zwischen 1/3 und 1/2 der Gesamtabnahme, in diesem Fall also 12 M. Das zweite x sollte eine ungerade Maschenzahl sein, damit ich die darauffolgenden Abnahmen in jeder 2. bzw. 4. R in den Hinreihen machen kann (was aber eigentlich nicht zwingend notwendig ist, ist nur Macht der Gewohnheit). Die letzte Abnahmen sind bei mir (fast) immer 3 x in jeder 2. R und 2 x in jeder 4. R, also insgesamt 5. Von 26 M gehen 12 und 5 ab, verbleiben für die Abnahmen in jeder R also 9.

Die Abnahmen arbeite ich immer 2 M vom Rand entfernt, in musterbedingten Ausnahmefällen nur 1 M vom Rand weg. Bei 2 M Abstand werden die Ränder in bisschen schöner, finde ich.

Die Randmaschen sieht man übrigens auf dem Bild nicht, die sind nach hinten weggeklappt:

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Früher habe ich die Abnahmen immer so gemacht, daß die Neigung der Rundung folgt, mittlerweile stricke ich sie aber oft auch entgegengesetzt, weil ich es ganz schön finde, wenn da nicht dieser „Streifen“ entsteht. Das ist aber reine Geschmackssache und kommt oft auch auf das Muster an.

Wenn die Abnahmen der Rundung folgen sollen, wird am Reihenanfang eine nach links geneigte Abnahme gestrickt (SSK bei re M, 2 M li zus.str. bei li M), am Reihenende eine nach rechts geneigte Abnahme (2 M re zus.str. bei re M, SSP bei li M). Will man es gegenläufig haben, macht man es genau umgekehrt.

Dadurch, daß immer nur eine Masche abgenommen wird und diese etwas vom Rand entfernt ist, ergibt sich eine stufenlose Rundung, die sich später sehr gut zusammennähen lässt und aus der sich auch im Fall von z.B. Halsausschnitten sehr leicht und sauber Maschen aufnehmen lassen. In den meisten Anleitungen gibt es leider immer noch stufige Abnahmen, die ersetzte ich grundsätzlich durch meine stufenlosen.

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Nun geht es weiter gerade hoch und währenddessen überlege ich mir, ob ich die Musterung des unteren Teils und ggf. den dunkelroten Streifen in der Schulterpartie nochmal wiederhole

Einfach mal drauflos stricken… Teil 1

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MelanieP, hierzu hast Du den Anstoß gegeben :-)

Einfach drauflos zu stricken ist gar nicht so schwer. Mittlerweile stricke ich nur noch ganz selten nach Anleitung. Und wenn, dann ändere ich sowieso so viel ab, daß die Anleitung oft nur noch als grober Anhaltspunkt dient.

Wenn ich eine Idee habe, exitiert zunächst nur ein ungefähres Bild in meinem Kopf, dann suche ich mir ggf. in meinen Musterbüchern die Muster zusammen, die ich verwenden will, aber die genauen Details incl. Formgebung ergeben sich erst beim Stricken.

Mein aktuelles Projekt ist auch gerade wieder so ein „designing by knitting“-Teil. Vielleicht ist es ja ganz interessant und hilfreich, wenn ich den Werdegang mal dokumentiere. Obwohl es hier kein echtes „designing“ ist, denn ich habe mich an einem bereits existierenden Modell orientiert.

Ausgangspunkt und Inspiration war diese wunderschöne Jacke namens City Trip von Hinterm Stein (deren Designs ich sowieso fast alle toll finde, genau mein Beuteschema).

Das Manko für mich: Sie ist nahtlos von oben gearbeitet, eine Vorgehensweise, mit der ich einfach nicht richtig warm werde. Ich mag Nähte und ich hasse es, Ärmel in Runden zu stricken. Eine Konstruktion von unten finde ich außerdem viel leichter nachzuvollziehen und zu ändern. Vermutlich spielt da aber auch einfach die Gewohnheit eine ganz große Rolle.
Ach ja, und sie wäre mir auch viel zu dick, sie ist mit worsted weight-Garn (95-100 m auf 50 g), 4,5er Nadeln und 20 M auf 10 cm gearbeitet. Eine Yeti-Jacke reicht 😉

Die Anleitung kann ich mir also sparen, da ich sowieso fast alles neu berechnet und die Konstruktion auf Einzelteile von unten umgestellt hätte.

Zweite Inspiration war ein Garn, das ich in einer Schublade wiederentdeckt hatte, als ich eigenlich etwas ganz anderes gesucht habe (das passiert mir übrigens ständig…Euch auch?). Von der Super Yak von Monika Design (50% Super Yak, 50% Merino, LL 115 m auf 25 g) hatte ich von einem anderen Projekt noch knapp 225 g in weinrot übrig, dazu kommen 300 g in grau/karamelgelb-meliert, die ich vor längerer Zeit von einer Leserin günstig erwerben konnte.

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Keine der beiden Farben würde für ein komplettes Oberteil ausreichen, also werde ich sie kombinieren – den Körper in grau/karamelgelb-meliert, die Ärmel in weinrot. Klingt erstmal komisch, passt aber wirklich wunderbar zusammen.

Ich habe den Vorteil, daß ich so gut wie nie eine Maschenprobe brauche und deswegen wirklich einfach drauflos stricken kann. Dadurch, daß ich so fest stricke, ändert sich meine Maschenprobe nach dem Waschen nur sehr, sehr selten, und wenn, dann so minimal, daß es sich auf die Passform nicht negativ auswirkt (außer bei Garnen mit Seidenanteil, die wachsen auch bei mir).
Zum anderen weiß ich aus Erfahrung, welche Maschenprobe ich bei welcher Nadelstärke haben werde. Das haut in 95% der Fäll hin, die anderen 5% muss ich dann eben nach 5 cm ribbeln.

Die Super Yak ist für mich ein Garn für 3 mm-Nadeln, was eine Maschenprobe von 28 cm in glatt rechts bedeutet. Die ganze Vorarbeit besteht bei mir daher tatsächlich nur aus wenigen Sekunden rechnen, wieviele Maschen ich -ggf. unter Berücksichtigung von Mustersätzen- anschlagen muss.

Angeschlagen habe ich hier für das Rückenteil 161 M, was rechnerisch einer Breite von 57,5 cm entspricht (ja, ich bin wieder reichlich moppelig geworden in den letzten Jahren 😕 ). Nachgemessen am großen Strickstück kommt das auch exakt hin.

Als Muster habe ich eine Art erweitertes Perlmuster gewählt, das ich beim Autumn Rain Cardigan abgeguckt habe. Die rechten und linken Maschen werden hier nur in den Hinreihen versetzt, die Rückreihen werden durchgängig links gestrickt. Wenn ich mir jetzt im Nachhinein die Projektfotos von City Trip angucke, hat Jutta dieses Muster auch benutzt, bei mir wirkt es bloß etwas anders, weil meine Maschen kleiner sind.

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Das Muster habe ich so weit hoch gestrickt, bis es mir breit genug erschien, letztlich sind es 11,5 cm geworden. Als optischer Abschluß dient eine Hinreihe linker Maschen.Während ich daran gearbeitet habe, habe ich darüber nachgedacht, wie ich den doch recht kontrastreichen Farbunterschied zwischen Körper und Ärmel etwas abmildern könnte. Zuerst wollte ich nach dem Blendenmuster eine schmale Biese in weinrot einarbeiten (an den Ärmel dann genau umgekehrt), aber das sah irgendwie blöd aus.

Also habe ich einfach 5 Reihen glatt rechts gestrickt und nochmal eine Linksmaschenreihe in der Hauptfarbe als Trennung vom darauf folgenden glatt rechts-Gestrick. Die Taschenbeutel sollen später auch weinrot werden, das blitzt dann beim Tragen leicht hervor und düfte ganz hübsch aussehen. Falls ich es mir später doch noch anders überlege, kann ich aus dem Streifen immer noch eine Biese nähen.

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Danach war es auch höchste Zeit, mit der Taillierung zu beginnen, damit diese später nicht zu weit oben sitzt. Da ich erst nach dem Muster Abnahmen arbeiten wollte, muss ich nun relativ schnell abnehmen, hier 5x in jeder 4. Reihe beidseitig je 1 M. Die Zunahmen mache ich danach aber nur noch in jeder 8. Reihe. Das passt auch zu meiner Körperform, die Kurve Hüfte/Taille ist bei mir ausgeprägter als der Übergang Taille/Brust.

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Jetzt kann ich erstmal entspannt weiterstricken, bis ich meine Standardhöhe bis zum Armausschnitt von 39 cm ab Abschlag erreicht habe (Gesamtlänge ab hchstem Schulterpunkt später um die 62 cm). Sobald ich dort angekommen bin, werde ich messen, wieviele Maschen ich für die Armausschnitte wegnehmen muss, damit ich auf meine Schulterbreite von 39 cm komme. Rein rechnerisch müssten das 52 M, also 26 pro Seite sein, aber ich messe und zähle das vorsichtshalber immer nochmal am Strickstück nach.

Wie ich die Armausschnitte formen werde, erzähle ich Euch dann, wenn ich soweit bin.

Neues Projekt: Senfjacke

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In Ermangelung einer zündenden Idee zur Namensgebung trägt mein neues Projekt erstmal den Farbnamen, wobei ich es wieder mal nicht schaffe, die Farbe treffend wederzugeben. Es ist die Farbe 50 der Yak von Lang Yarns, die im Original allerdings längst nicht so schrill ist wie auf der Farbkarte, sondern ein richtig tolles Senfgelb.

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Die Jacke ist mein eigenes Design und wenn sie so gut wird, wie ich mir das vorstelle, will ich diesmal auch eine Anleitung dafür schreiben.Die Ärmel werden schlicht glatt rechts und sie soll einen Polokragen bekommen.

Das Muster nennt sich in meinem Musterbuch „Diagonalkaros“ und hat den -für eine Jacke allerdings unwichtigen- Vorteil, daß es von beiden Seiten gleich aussieht:

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Hier sieht man schön, daß die Yak ganz leicht meliert ist, dadurch wirkt das Gestrick immer lebendiger, finde ich.

Erwähnte ich schon mal, daß ich das Garn heiß und innig liebe? 😉 Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch ein einziges Garn verstricken dürfte, wäre es die Yak.

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Vielleicht fällt Euch ja ein origineller Name für die Jacke ein?

Preview: Greener than green

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Fast fertig ist meine neue Jacke aus der Niki von Lana Grossa, ein Garn, das schon seit etlichen Jahren in meinem Vorrat schlummerte.

Ganz simpel, nur glatt rechts, Rippen und ein Raglanschnitt (von unten gestrickt) – genau das richtige, wenn man nach einem langen Arbeitstag nicht mehr denken, aber trotzdem gerne noch ein bisschen stricken möchte.

Eine Anleitung gibt es nicht, die habe ich einfach so drauflos gestrickt.

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Nun muss ich noch die Unterarmmaschen schließen und die Fäden vernähen.

Nach dem Waschen werde ich dann noch über eine Verschlußlösung nachdenken, weil sie bei mir dank deutlich größeren Balkons doch um einiges weiter aufklafft als an der Puppe. Mal sehen, was das Waschen in dieser Hinsicht noch bewirkt, ich schätze aber nicht allzuviel, da 100% Microfaser.

Hitch Pullover – Fortschritte

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Da ich erstmal wissen muss, wie breit die Zopfpasse wird, bevor ich die Körperteile fertigstelle, habe ich schon mal mit dem Ärmel angefangen.

Auch hier zeigt sich leider wieder, daß die Designerin das Ganze nicht so richtig durchdacht hat – oder ihr die Feinheiten einfach egal sind.
Das Bündchen hat 2 re/2 li Rippen, das Zopfmuster hingegen hat zu Beginn zwischen den beiden Zopfsträngen 4 Maschen – d.h. die Bündchenrippen gehen, wenn man den Pullover anleitungsgemäß strickt, nicht in die Zopfrippen über, sondern der eine Zopfstrang „wächst“ aus einer Rechtsrippe, der andere aber aus einer Linksrippe.
Auch die seitlichen Muster stimmen nicht mit den Rippen überein.
Das sieht man auch auf diesem Projektfoto, wenn auch etwas verschwommen (wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, würde ich der Undeutlichkeit Absicht unterstellen…):

Sowas ist natürlich Murks – dabei ist das doch so leicht zu lösen. Man braucht nur in der ersten Reihe des Zopfmusters über der mittleren Linksrippe 2 M zuzunehmen (oder 2 M abzunehmen, falls man -wie ich- eine Rechtsrippe in der Mitte hat) und schon passt alles. Den Maschenzahlenausgleich macht man einfach am Reihenanfang und -ende.

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Aber der Pullover ist ohnehin nicht ganz symmetrisch, was zwar nicht wirklich auffällt, aber mich trotzdem stört. Wenn ich 2re/2li in Runden stricke, muss ich mit 1 M re anfangen und mit 1 M re enden, sonst habe ich auf jeder Körperteilhälfte 2 M re am Anfang und 2 M li am Ende – zumindest wenn ich den Rundenanfang wie üblich auf die Mitte der linken Seite lege. Beim Ärmel genauso.

Das Zopfmuster lasse ich übrigens so wie es ist. nach dem Waschen dürfte es ungefähr 9,5cm breit werden und somit nur 1 cm schmaler als beim Original. Ich denke, der Unterschied ist nicht so gravierend, daß ich mir um eine Verbreiterung Gedanken machen müsste (sonst hätte ich alle Zopfstränge um je 1 M breiter gemacht).