Techniken & Tips/techniques & tips

kfb improved

kfbimprovedsm

Eine der gebräuchlichsten Methoden um eine Masche zuzunehmen ist die Verdoppelung, bei der die gleiche Masche zunächst rechts, dann rechts verschränkt abgestrickt wird, auf englisch “kfb” (knit front and back).

Der Nachteil bei dieser Methode: Es ergibt sich ein unschöner kleiner Querfaden, ähnlich wie bei einer linken Masche, der vor allem bei einem glatt rechts-Maschenbild sehr störend wirkt.

Im Blog von La Maison Rililie habe ich nun eine Alternativmethode gefunden, bei der dieser Querfaden nicht entsteht:

kfbimproved

Das Ergebnis ist mehr oder weniger das gleiche wie bei einer “russischen” Zunahme (lifted increase), welche immer noch meine bevorzugte Zunahmemethode ist. Allerdings kann diese bei manchen Mustern schlecht machbar sein, wenn z.B. die Zunahmen dicht übereinander erfolgen (Stichwort: contiguous). Da ist dann die verbesserte Verdoppelung eine gute Alternative.

Funky Grandpa – I-Cord bind off

IMG_1284sm

Einige von Euch hatten gefragt, wie ich die Kante an der Blende der Streifenjacke gemacht habe.
Das ist ein sogenannter “I-Cord bind off”, den hatte ich hier schon mal erklärt.

Zu Beginn der Abkettreihe (Hinreihe) habe ich zwei Maschen neu aufgestrickt:

IMG_1283

Und dann geht es einmal um die ganze Blende herum:
*2 M re, SSK (improved), 3 M zurück auf die linke Nadel*. Die verbleibenden 3 M normal abketten.
Das dauert ewig, aber das Ergebnis lohnt die Mühe:

IMG_1284

Auf der Rückseite sieht es dann so aus:

IMG_1285

Der Panthrische massiert unterdessen die Wollvorräte, damit sich keine Motten einnisten:

IMG_1277sm

Ösenknöpfe annähen

IMG_1269sm

Knöpfe annähen gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.
Von daher war ich ganz begeistert über den kleinen Kniff zum Annähen von Knöpfen mit Öse, den mir Konny von der Wollboutique verraten hat.

IMG_1269

Wenn man nämlich die Öse durch das Gestrick durchdrückt und dann einfach auf der Rückseite den Faden mehrmals durchzieht, läßt sich so ein Ösenknopf ganz schnell und leicht annähen:

IMG_1270

Außerdem sitzt der Knopf dann etwas dichter am Gestrick und baumelt nicht so herum (was vor allem bei schweren Knöpfen schnell passiert). Genug Abstand zum Knöpfen bleibt immer noch:

IMG_1271

Ich verwende übrigens immer das Original-Strickgarn zum Knöpfe annähen, das hält viel besser als wenn man sie mit Nähgarn annäht. Bei mir hat sich noch nie ein Knopf gelockert oder gelöst.

Und das Annähen geht zudem schneller, weil man weniger oft durchstechen muss, 3 – 4 x reicht völlig aus.

Bei dickem Garn,das man schwer oder gar nicht durch die Knopflöcher bekommt, drehe ich den Faden auf und teile ihn.

Muschelanschlag

muschelanschlag1

Den kannte ich auch noch nicht – gefällt mir, das ist mal was ganz anderes:

Auch falls Euch das nicht die Bohne interessieren sollte, bitte bis Minute 7.40 vorspulen – zumindest, wenn Ihr Katzen mögt :-)

Die Anleitung für die Socken, die Ekaterina zu Beginn des Videos zeigt, könnt Ihr bei Ravelry kaufen.

muschelanschlag

Ihre Mütze Glacier Express finde ich übrigens auch sehr klasse:

glacierexpress

Von unten nahtlos mitgestrickte Armkugel – so geht’s

IMG_1135

Fertig :-D

IMG_1128

Tragefotos am lebendigen Objekt reiche ich noch nach, wenn ich die Anleitung für die Jacke komplett geschrieben habe. Aber hier schon mal an der wilden Hilde:

IMG_1129

Die Armkugel sitzt wirklich so gut, wie ich das gehofft hatte – im Prinzip genau so wie eine eingenähte auch. Die kleine senkrechte Falte kommt davon, daß ich sie liegend getrocket habe, die geht beim Tragen weg, denke ich (und wenn nicht, gehe ich mit dem Bügeleisen drüber):

IMG_1138

Übrigens habe ich im Eifer des Gefechts völlig vergessen, eine Schulterschrägung und einen rückwärtigen Halsausschnitt einzubauen. Die Jacke sitzt trotzdem gut, aber das kommt auf die “Methoden-Verbesserungsliste”.

Nein, Hilde hat keine schlechte Haltung – nur die Fotografin kann offensichtlich nicht gerade gucken:

IMG_1134

Von den Knöpfen hatte ich von keiner Farbe genug – da aber alle drei Farben, die ich davon hatte, gut gepasst haben, habe ich einfach von jeder Farbe  welche angenäht. Ist mal was anderes, finde ich, und passt gut zu den Streifen:

IMG_1131

IMG_1136

Aber nun zur Frage aller Fragen: Wie macht man das?

Gudrun hatte mich darauf hingewiesen, daß in Elizabeth Zimmermanns Knitting Workshop ebenfalls eine von unten nahtlos mitgestrickte Armkugel drin ist (also nix mit Patent anmelden ;-) ).
Nachem ich mir das angeguckt hatte, fiel mir auch wieder an, daß ich das vor Jahren schon mal gelesen hatte. Es ist also gut möglich, daß ich mir das im Unterbewusstsein gemerkt habe.

Meine Armkugel ist aber trotzdem noch etwas anders, denn sie bildet eine gerundete Armkugel genau nach.

Der Schnitt eines Modells mit Armkugeln sieht in der Regel in etwa so aus:

Damit die Rundung stufenlos wird, nimmt man beidseitig immer nur eine Masche pro Reihe ab – idealerweise ein bis zwei Maschen vom Rand entfernt (= betonte Abnahmen), dann lässt es sich später einfacher zusammennähen.

Mein Standardarmkugel für eine Maschenprobe von 27- 30 M x 38 – 42 R (3er Nadeln) wird beispielsweise so gestrickt:

Armausschnitt (für mich 19 – 20 cm hoch)
Beidseitig 7 – 9 M (je nach MaPro) abketten.
Ab der nächste Hinreihe 5 – 9 x in jeder Reihe, 3 x in jeder 2. Reihe und 2 x in jeder 4. Reihe beidseitig je 1 M betont abnehmen.

Armkugel
Ausgangsmaschenzahl (für meinen Oberarmumfang) zwischen 96 und 106, je nach Maschenprobe
Beidseitig 7 – 9 M (wie beim Armausschnitt) abketten.
Ab der nächsten Hinreihe beidseitig je 1 M wie folgt betont abnehmen:
5 x in jeder Reihe
2 x in jeder 2. Reihe
6 – 7 x in jeder 4. Reihe
in jeder 2. Reihe, bis 44-45 M übrig sind (je nachdem, ob man eine gerade oder ungerade Ausgangsmaschenzahl hat)
5 x in jeder Reihe (34 – 35 M verbleiben)
Zu Beginn der nächsten 4 Reihen je 4 Maschen abketten
die verbleibenden 18-19 M abketten

Das Schema der Reihenabstände funktioniert übrigens für jede Größe und Maschenprobe, nur die Anzahl der jeweiligen Abnahmen variiert natürlich.

Bei der nahtlos mitgestrickten Armkugel habe ich erstmal nichts anderes gemacht. Im nachfolgenden Beispiel nehme ich die Maschenzahlen der zuvor beschriebenen Armkugel. Die müsst Ihr natürlich entsprechend Eurer eigenen Maschenprobe anpassen.

Zuerst habe ich Rücken- und Vorderteile am Stück bis zu den Armausschnitten hochgestrickt und in der letzten Hinreihe die Unterarmmaschen abgekettet:

armkugelvonunten_0001

Die Maschen auf dem Seil oder auf der Nadel stillegen (das Arbeitsknäuel dranlassen, damit arbeiten wir später über alle Teile weiter) und nun erstmal beide Ärmel bis zum Beginn der Armkugel stricken. ich habe sie flach gestrickt, weil ich lieber nähe als kleine Umfänge rundzustricken, aber man kann natürlich die Ärmel auch genauso gut rundstricken.

Da ich den Faden sowieso abschneiden muss, kann ich ausnahmsweise beide Seiten in der gleichen Reihe abketten, d.h. hat der Ärmel die gewünschte Länge, werden in der nächsten Hinreihe 7 – 9 M abgekettet, dann die Reihe weiterstricken, bis noch 7 – 9 M übrig sind und die verbleibenden M wieder abketten. Faden abschneiden (beim Rundstricken kettet Ihr dann eben am Rundenanfang und am Rundenende ab) und die Maschen stillegen (wieder auf dem Seil oder einer gleich großen oder kleineren Nadel, damit Ihr sie später bequem gleich wieder abstricken könnt).

Jetzt kommt alles auf eine Nadel – wir beginnen mit einer Rückreihe:
Die Maschen des linken Vorderteils bis zur ersten “Lücke” stricken. Maschenmarkierer setzen. Mit der gleichen Nadel und dem gleichen Faden die Maschen des ersten Ärmels abstricken. Maschenmarkierer setzen. Die Maschen des Rückenteils bis zur zweiten “Lücke stricken”. Maschenmarkierer setzen. Die Maschen des zweiten Ärmels abstricken. Maschenmarkierer setzen. Die Maschen des rechten Vorderteils abstricken.

Jetzt wird am Körperteil und an den Ärmeln genauso oft und in den gleichen Abständen abgenommen, als wenn man in Eintelteilen strickt. Um den Überblick zu behalten, nehmt Ihr am besten zwei Reihenzähler oder macht Euch zwei Strichlisten.

Die Abnahmen werden jeweils mit einer Masche Abstand von den Maschenmarkierern gemacht.
Vor dem Markierer strickt Ihr eine nach rechts geneigte Abnahme (bei glatt rechts also in Hinreihen 2 M re zus.str., in Rückreihen SSP)
Nach dem Maschenmarkierer strickt Ihr eine nach links geneigte Abnahme (bei glatt rechts in Hinreihen SSK, in Rückreihen 2 M li zus.str.)

Wenn alle Körperteilabnahmen erledigt sind, wird nur noch an den Ärmeln weiter abgenommen.

Wenn alle Ärmelabnahmen erledigt sind und bei einer separat gestrickten Armkugel als nächstes der Teil mit dem Abketten zu Beginn der nächsten 4 Reihen käme (d.h. in vorgenanntem Beispiel, wenn noch 34 bzw. 35 Ärmelmaschen übrig sind), kommt der spannende Teil.

Bisher haben wir ja nichts anderes gemacht, als Reihe mit Reihe 1 zu 1 zu verbinden.
So mache ich das beim Einnähen einer Armkugel auch: Der Part mit den Abnahmen wird im Verhältnis 1 zu 1 an das Körperteil genäht.
Im oberen Teil der Armkugel dagegen, also in dem Teil, wo nicht abgenommen, sondern abgekettet wird, werden Maschen an Reihen genäht.
Wie Ihr ja wisst, sind Maschen jedoch breiter als Reihen hoch sind. In der Regel liegt das Verhältnis bei glatt rechts zwischen 2 zu 3 und 3 zu 4. D.h. daß 2 Maschen so breit sind wie 3 Reihen hoch oder 3 M so breit wie 4 Reihen hoch sind.
Aus diesem Grund kann man z.B. auch beim Anstricken von Blenden nicht aus jeder Reihe eine Masche aufnehmen, sondern muss jede 3. bzw. 4. Reihe überspringen, sonst wird die Blende zu breit und wellt sich.

Achtung, Mathephobiker: Bitte den nächsten Absatz überspringen! ;-)

Habt Ihr z.B. eine Maschenprobe von 26 M x 39 M, ist das Verhältnis 2 zu 3, bei einer Maschenprobe von 27 M x 36 R ist das Verhältnis genau 3 zu 4.
Wenn Ihr das Verhältnis ausrechnen wollt, teilt Ihr die Maschenzahl durch die Reihenzahl und wandelt das Ergebnis in einen Bruch um.
Beispiel: Ihr habt eine Maschenprobe von 24 M x 36 M. 24 geteilt durch 36 ergibt 0,75. 0,75 als Bruch sind 3/4, also ist das ein Verhältnis von 3 zu vier.

Deswegen kann man im oberen Teil der Armkugel nicht einfach eine Masche an eine Reihe nähen, das gibt Falten. Ich nähe normalerweise 3 M an 4 Reihen, überspringe also jede 4. Reihe am Körperteil:

armkugelvonunten_0002

Ich habe mir also überlegt, wie ich diese Verbindung auch am Stück hinkriegen könnte. Das geht nur mit verkürzten Reihen, denn während das Körperteil jetzt ja noch ein ganzes Stück in die Höhe wachsen muss, fehlen an der Armkugel nur noch 5 Reihen.

Mein Lösungansatz sieht folgendermaßen aus:

armkugelvonunten_0003

Teil 1 rechtes Vorderteil

Reihe 1 (Hinreihe): Bis zum ersten MM stricken, 1 M re, SSK, wenden (ohne Wickelmasche o.ä.)
Reihe 2 (Rückreihe): Die erste M auf der rechten Nadel zurück auf die linke Nadel geben. SSP, li M bis zum Reihenende.
Reihe 3: Bis zum ersten MM stricken, 1 M re, SSK, wickeln & wenden
Reihe 4: alle M li (ohne Abnahme)

Teil 2 Rückenteil

Reihe 5: Bis zum ersten MM stricken, 1 M re, SSK (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), bis 3 M vor den zweiten MM stricken (hier wird also wieder eine Reihe am Ärmel gestrickt), 2 M re zus.str., bis zum dritten MM stricken, 1 M re, SSK, wenden (ohne wickeln)
Reihe 6: Die erste M auf der rechten Nadel zurück auf die linke Nadel geben. SSP, li M bis zum zweiten MM, 1 M li, 2 M li zus.str., wickeln & wenden
Reihe 7: Bis zum dritten MM stricken (keine Abnahme am rechten Ärmel), 1 M re, SSK, wickeln & wenden
Reihe 8: li M bis zum zweiten MM (keine Abnahme am linken Ärmel), 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), wickeln & wenden

Teil 3 linkes Vorderteil

Reihe 9: Bis zum dritten MM stricken, 1 M re, SSK, bis 3 M vor den vierten MM stricken, 2 M re.zus.str., re M bis zum Reihenende
Reihe 10: Bis zum vierten MM stricken, 1 M li, 2 M li zus.str., wickeln & wenden
Reihe 11: re M bis zum Reihenende (ohne Abnahme)
Reihe 12: li M bis zum vierten MM, 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), wickeln & wenden
Reihe 13: re M bis zum Reihenende (ohne Abnahme)

zurück auf Los :-)

Reihe 14: Bis zum vierten MM stricken, 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), bis zum zweiten MM stricken, 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), Reihe zu Ende stricken.

Jetzt haben wir an den Körperteilen jeweils 6 Reihen gestrickt, an den Ärmeln aber nur 2 Reihen und an jedem Ärmel wurden beidseitig je 4 M abgenommen, jeder Ärmel hat also noch 26 bzw. 27 M.

Nun die Reihen 1 – 14 noch einmal stricken. Danach verbleiben pro Ärmel 18 bzw. 19 M, zwischen den “Abnahmelinien” liegen 14 bzw. 15 M.

Diese letzten Maschen werden nun nach dem gleichen Prinzip abgenommen:

Teil 1 Vorderteil

Die Reihen 1 – 4  so oft wiederholen, bis die Hälfte der Ärmelmaschen des rechten Ärmels zwischen den Abnahmelinien minus 1 (in unserem Beispiel 6 bei gerade Maschenzahl, 7 bei ungerader Maschenzahl) “aufgebraucht” sind.

Teil 2 Rückenteil

Reihe 5 einmal stricken. Dann wieder zwischen den MM 2 und 3 so lange hin- und her “pendeln” (und dabei in jeder 4. Reihe nicht abnehmen), bis am rechten Ärmel alle Ärmelmaschen zwischen den Abnahmelinien aufgebraucht sind, enden mit einer Rückreihe. Wenden, ohne zu wickeln.

Nun das rechte Vorderteil so umklappen, daß die glatt rechts Seiten aufeinander liegen, also die Rückseiten des Gestricks außen sind. Die Maschen des rechte Vorderteils mit den Rückenteilmaschen zusammenstricken und dabei abketten. Die beim Abketten verbleibende Masche auf die linke Nadel nehmen.

Jetzt die Rückenteilmaschen, die zum Halsausschnitt gehören, auch abketten. Achtung, nicht im Eifer des Gefechts zu weit abketten, die Masche, die zur linken Schulter gehören, müssen noch auf der Nadel bleiben.

Teil 3 linkes Vorderteil

Reihe 9 einmal stricken. Die Reihen 10 – 13 so oft wiederholen, bis am linken Ärmel alle Ärmelmaschen zwischen den Abnahmelinien aufgebraucht sind. Ob Ihr hier mit einer Hinreihe oder einer Rückreihe endet, ist egal.

Nun das linke Vorderteil so umklappen, daß die glatt rechts Seiten aufeinander liegen, also die Rückseiten des Gestricks außen sind. Die Maschen des linken Vorderteils mit den Rückenteilmaschen zusammenstricken und dabei abketten.

Fertig – uff :-)

Klingt auf den ersten Blick total kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach, wenn man es strickt.

Wer gut aufgepasst hat, wird bemerkt haben, daß zum Schluß die zwei Maschen am Rand jeden Ärmels letztendlich in den Körperteilen landen. Bei meiner Jacke macht das nicht viel aus, da habe ich 29 M auf 10 cm, die 2 Maschen machen also nur einen guten halben Zentimeter mehr Breite aus. Bei einer MaPro mit weniger Maschen sollte man das aber vorher bei der Berechnung der Schulterbreite berücksichtigen.

Nun bleibt an dieser Methode noch zu verbessern:

  • die bisher fehlende Schulterschrägung
  • der Einbau eines rückwärtigen Halsausschnitts

Darüber werde ich mir dann beim nächsten Modell Gedanken machen.

Eine komplette Anleitung für die Jacke schreibe ich noch, aber erstmal ist Halva dran, auf die ja einige von Euch auch schon warten.

Der estnische Wickelnupp

IMG_1122

Also ehrlich – Ihr seid ja alle genauso verrückt wie ich :-D
Es sind bisher schon über 40 Bestellungen für das estnische Musterbuch zusammengekommen, so viele Exemplare haben die bestimmt gar nicht auf Lager. Aber die können ja beim Verlag nachbestellen, denke ich.

Nun aber erstmal zur versprochenen Erklärung für den flachen Nupp.
Als “Nupp” werden in der estnischen Strickerei alle knubbeligen Maschengebilde bezeichnet, egal ob kleines Knötchen oder dicker Bobbel.

Der Wickelnupp ist im Prinzip nichts anderes als eine Methode um Maschen zu umwickeln. Umwickelte Maschen hatten wir ja schon mal bei dem Smokmuster des japanischen Pullovers kennengelernt.

Die Esten lösen das aber viel eleganter und einfacher.

Ich zeige Euch einen Wickelnupp über zwei Maschen, aber natürlich gehen auch drei, vier oder noch mehr Maschen.
Zuerst bis zu den Maschen stricken, die umwickelt werden sollen. Dann mit der rechten Nadel zwischen der zweiten und dritten Masche auf der linken Nadel einstechen:

IMG_1011

Den Arbeitsfaden von hinten nach vorne um die rechte Nadel legen – also genau umgekehrt wie bei einer normalen rechten Masche:

IMG_1019

Den Faden durchziehen:

IMG_1027

Und schön lang ziehen:

IMG_1035

Mit der linken Nadel in die Fadenschlinge gehen:

IMG_1042

Und eine rechte Masche (diesmal ganz normal) durch die Fadenschlinge holen:

IMG_1050

IMG_1057

Jetzt die zuerst gestrickte Schlinge von der linken Nadel schubsen – die soeben gestrickte rechte Masche bleibt auf der rechten Nadel:

IMG_1068

Jetzt werden die beiden umwickelten Maschen wie zum links stricken abgehoben::

IMG_1087

Im letzten Schritt wird die erste Masche auf der rechten Nadel über die beiden abgehobenen Maschen gezogen:

IMG_1104

Fertig:

IMG_1115

Ein bisschen muss man das Ganze üben, vor allem muss man den Schlingenfaden schön lang machen und bei den darauf folgenden Maschenoperationen -insbesondere beim Überziehen- darauf achten, daß man ihn nicht wieder zu fest zieht, sonst kommt so ein kleiner Knubbel nach vorne, der eigentlich hinten bleiben soll – siehe grüner Kreis:

IMG_1119

Am besten eignet sich dafür denke ich ein elastisches und nicht zu rutschiges Garn. Mit allen Arten von Schurwolle wird es vermutlich deutlich besser klappen und schöner aussehen als z.B. mit Baumwolle oder Seide.

Tip: Wenn man viele Wicklungen in relativ dichten Abständen übereinander setzt, zieht sich das Gestrick durch die abgehobenen Maschen in der Höhe zusammen und wird auch etwas weniger elastisch (das habe ich damals bei dem Japaner erfahren müssen). Um das zu vermeiden, strickt man die Maschen vor dem Wickeln ab (hinterher sieht doof aus, habe ich ausprobiert) und hebt sie zurück auf die linke Nadel. Dann wird normal gewickelt, wie oben gezeigt.
Ich habe das eben mal mit mehreren Maschenzahlen ausprobiert und durch das vorherige Abstricken ist das Einstechen zwischen den Maschen einfacher und die Nupps werden sogar noch hübscher und gleichmäßiger. Der zusätzliche Arbeitsschritt lohnt sich also in jedem Fall!

Auch Rippenmuster lassen sich prima umwickeln – damit kann man z.B. mal ein etwas anderes Bündchen stricken:

Wickelnupp1

Diese und noch viel mehr schicke estnische Maschenoperationen findet Ihr in Merike Saarniits Video-Workshop Creative Estonian Knitting.

Estnisch stricken

Silmuskudumine_0001sm

Kürzlich habe ich mir ja im Sonderverkauf bei Interweave einige Videos zugelegt, unter anderem auch Creative Estonian Knitting:

Ein paar “behind the scenes”-Fotos könnt Ihr bei Pinterest anschauen.

Das Video habe ich mir nun kürzlich angesehen und es hat mir sehr gut gefallen. Im Moment ist es übrigens gerade wieder heruntergesetzt – für umgerechnet knapp 9 € lohnt sich das meiner Meinung nach auf jeden Fall (@ Silvia: Warum hast Du nur zwei Sterne vergeben?).

Erstens mag ich Merike Saarniit sehr gerne, vor allem ihre Stimme finde ich klasse, da könnte ich stundenlang zuhören. Inzwischen hatte ich mit ihr auch via Ravelry Mailkontakt und das ist eine ganz liebe und sehr sympathische Frau.
Zweitens habe ich einige interessante Maschenoperationen gelernt und Muster gesehen, die ich in dieser Art noch nicht kannte – das eröffnet wieder ganz neue Möglichkeiten.

Ganz toll fand ich auch die im Hintergrund gezeigte Jacke, leider gibt es dafür jedoch keine Anleitung:

estnischejacke1

Irgendwann muss ich die mal nach den Bildern stricken – allerdings mit etwas weniger sackigem Schnitt.

estnischejacke2

Am meisten hatte es mir aber dieses estnische Musterbuch angetan, das Merike zu Beginn des Videos zeigt:

kudumine2

Man sieht nicht allzuviel von dem Buch, aber das, was man sieht, weckt Begehrlichkeiten:

kudumine1

Merike sagt zwar im Video, daß das Buch keine Strickschriften beinhaltet und alle Muster nur in Worten beschrieben werden, aber Strickbücher in Sprachen, die ich nicht verstehe, haben mich ja noch nie abgeschreckt ;-) Also habe ich neulich einen Abend auf der Internet-Jagd nach diesem Buch verbracht.

Nun ist es ja nicht so, als wenn es keine estnischen Musterbücher auf englisch gäbe. Aber das sind alles Lace-/Lochmuster, die mich nur am Rande interessieren.

Da gibt es zum Beispiel Knitted Lace of Estonia:

knittedlaceestonia

For einigen Jahren machte das Buch Haapsalu Shawl Furore in der internationalen Strickwelt:

haapsalushawl

Leider ist das Buch in Deutschland derzeit nicht erhältlich, aber bei Loop in London gibt es noch einige wenige Exemplare.

Es gibt auch einen Nachfolger: Haapsalu Scarves

haapsaluscarves

Ansonsten wäre da noch Folk Knitting in Estonia, das ich auch besitze. Da sind ebenfalls ein paar interessante Dinge drin (Stichworte: braids und vikkel stitches), aber es beschäftigt sich in erster Linie mit mehrfarbigen Mustern, insbesondere für Socken und Handschuhe.

folkknitting

Mich interessieren aber vor allem Texturmuster und davon schienen in dem Silmuskudumine einige sehr spannende drin zu sein. Nach einiger Googelei habe ich dann herausgefunden, daß die Erstausgabe im Jahr 1957 erschienen ist und danach diverse Male neu aufgelegt wurde, es gibt sogar eine Version auf russisch.

Und die neueren Auflagen enthalten Strickschriften – hurra! Mit Hilfe der ISBN habe ich dann auch schnell einen Versender in Estland gefunden, der das Buch zu einem sehr günstigen Preis verkauft. Die Versandkosten waren zwar teuer als das Buch, aber das war es mir wert. Insgesamt habe ich 33,13 € bezahlt und nach einer Woche war es schon da:

Silmuskudumine_0001

Es ist gebunden, hat 270 Seiten, schönes dickes Papier und beinhaltet insgesamt 227 Muster – alle mit Strickschriften im Anhang. Die meisten Muster sind einfarbig und zu meiner großen Freude sind kaum Lacemuster enthalten. Natürlich gibt es Überschneidungen mit anderen Musterbüchern, aber ich habe doch eine ganze Anzahl von Mustern gefunden, die mir so noch in keiner Mustersammlung über den Weg gelaufen sind. Hier ein paar Beispiele:

Silmuskudumine_0002 Silmuskudumine_0004 Silmuskudumine_0005 Silmuskudumine_0006 Silmuskudumine_0007 Silmuskudumine_0008

Die Strickschriften sind ein bisschen kniffelig, denn sie enthalten neben einigen bekannten auch einen ganzen Haufen Symbole, die ich noch nie gesehen habe:

Silmuskudumine_0009

Für einige davon findet man hier eine Erklärung auf englisch, aber längst nicht für alle. Ist aber gar nicht schlimm, denn sie sind größtenteils durch eine Zeichnung erklärt – die Muster sind also mit ein wenig Ehrgeiz durchaus nachstrickbar. Und wenn es hart auf hart kommt, kann ich im Notfall immer noch Merike fragen.

Silmuskudumine

Einen Blick ins Buch findet Ihr auch hier.

Und wie man diese schicken flachen Wickel-”Nupps” macht, erkläre ich Euch dann morgen:

Silmuskudumine_0003