Techniken & Tips/techniques & tips

Einfach mal drauflos stricken… Teil 4

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Bei Jacken beginne ich grundsätzlich immer mit dem (im Tragen) linken Vorderteil. Das ist zum einen einfach Gewohnheit, aber es hat auch einen tieferen Sinn – zumindest dann, wenn ich die Blende gleich mitstricke. Denn links kommen bei mir immer die Knöpfe hin, wie sich das für Damenbekleidung gehört (warum das so ist, dazu gibt es die -allerdings umstrittene- Zofentheorie)

Würde ich mit dem rechten Vorderteil anfangen und die Blende gleich mitstricken, müsste ich dabei gleichzeitig die Knopflöcher platzieren. Zu dem Zeitpunkt weiß ich aber noch gar nicht, wie lang die Blende wird und somit auch nicht, in welchem Abständen ich die Knopflöcher machen muss. Es ist also (auch bei angestrickten Blenden) viel einfacher, zuerst die Knopfblende zu stricken, weil ich dann ganz genau weiß, wieviele Reihen diese hat und mir ausrechnen kann, wo die Knopflöcher hingehören.
Außerdem kann ich auf diese Weise auch -z.B. bei Rippenblenden- die Anzahl der Knöpfe so bestimmen, daß sie immer entweder auf einer Rippe oder zwischen einer Rippe sind. Ich mag es nicht, wenn das uneinheitlich ist.

Was für mich als Perfektionist auch gar nicht geht, ist die Anweisung (vor allem in englischsprachigen Anleitungen): „Lege die Knöpfe in gleichmäßigen Abständen auf die Blende und markiere dann am gegenüberliegenden Teil die Position der Knopflöcher“. Das ist mir viel zu ungenau. Und außerdem total umständlich, ausrechnen geht viel schneller und einfacher (wer nicht rechnen mag, für den gibt es den Knopfloch-Kalkulator).

Nun muss ich aber erstmal ausrechnen, wieviele Maschen ich überhaupt anschlagen muss. Beim Rückenteil hatte ich 161. Die Blende stricke ich gleich mit, muss dafür also keine Maschen abziehen, aber natürlich die Überlappung berücksichtigen. Die Blende soll in etwa 4 cm breit werden, das sind 11 M. 161 + 11 = 172, geteilt durch 2 ergeben sich 86 M pro Vorderteil.
Da ich vorne aber für Bauch und Busen ein bisschen mehr Platz brauche, gebe ich nochmal 5 M dazu, dann habe ich auch wieder eine ungerade Maschenzahl für das Perlmuster. Und ich will dazu eine Patent-Randmasche über 3 M haben. Alles zusammen also 94 M.

Da bei der Patent-Randmasche jede Masche de facto nur in jeder 2. R gestrickt wird, zieht sich der Rand in der Höhe etwas zusammen. Das macht aber gar nichts, denn Strick ist ja zum Glück elastisch. Beim Stricken braucht man ihn nur ab und zu mal kräftig in die Höhe ziehen und schon passt er sich wunderbar an und man bekommt eine sehr saubere Kante, die sich bei diesem Muster auch nicht rollt. Für offen bleibenden Kanten also eine sehr feine Lösung, bei der auch die Rückseite gut aussieht:

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Der Musterpart ist beendet, nun geht es an die Tasche. Hie habe ich mit den türkisen Stecknadeln markiert, wo ich sie hinhaben möchte (die gelben Nadeln markieren die Breite der Blende):

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Die Tasche wird also 32 M vom rechten Rand entfernt sein und eine Breite von 37 M haben. Zuerst wollte ich die Taschenmaschen in der Hinreihe abketten, das sah aber ein bisschen dürftig aus:

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Also werde ich erst in der Rückreihe abketten. Zunächst stricke ich aber schnell den Taschenbeutel, dennn den brauche ich gleich. Hierfür schlage ich zwei M mehr als die gewünschte Taschenbreite an und stricke dann so lange glatt rechts, bis die Tasche so tief ist, wie ich sie haben möchte. Die Taschenmaschen bleiben auf der Nadel, die werden gleich beim Einfügen der Tasche abgestrickt.

In der Rückreihe passieren nun einige Dinge gleichzeitig. Erst kommen die 3 Randmaschen, dann die 11 Blendenmaschen. Nun wird rot angesetzt für den roten Streifen. Nach 11 roten Maschen kette ich die 37 Taschenmaschen ab. Hierfür nehme ich einen extra Faden, sonst habe ich die Grundfarbe nachher an der anderen Seite der Tasche, wo ich sie gar nicht gebrauchen kann. Ich könnte sie zwar auch wieder mit zurück nehmen, habe dann aber Spannfäden, das muss ja nicht sein. Dann vernähe ich lieber zwei Fäden mehr und kann beim Vernähen die Ecken der Taschen gleich noch zusätzlich verstärken.

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Ich kette in diesem Fall mit rechten Maschen ab, damit sie auf der Vorderseite links erscheinen. Gerade hier ist sehr festes Abketten besonders wichtig, die die Taschenkante Stabilität erhält. Das darf sich auch ruhig etwas zusammenziehen, es dehnt sich sowieso sehr schnell wieder aus, wenn man die Tasche benutzt. Wenn die Taschenkante von vorherein schon labberig ist, hängt sie nach kurzer Zeit unschön nach unten und nach vorne, das mag ich gar nicht leiden.

Als nächstes wird der Taschenbeutel eingefügt. Hierzu stricke ich einfach anstelle der 37 abgeketteten die 39 M des Taschenbeutels ab und arbeite die Reihe dann ganz normal zu Ende. In der nächsten Hinreihe wird die letzte M vor dem Taschenbeutel mit der ersten M des Taschenbeutels per SSK zusammengestrickt. Das gleiche passiert am Ende der Tasche, da stricke ich die letzte M des TB mit der nächsten M re zusammen. So komme ich wieder auf 37 Taschenmaschen, die Taschen-Eckrandmaschen liegen hinter den M vom Hauptgestrick und ich habe noch eine kleine Verstärkung an den Ecken.

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Bim Übergang zwischen Blende und rotem Streifen muss ich die Fäden natürlich jedes Mal miteinander verkreuzen, damit es keine Löcher gibt. Danach muss ich die Grundfarbe leider neu ansetzen, sonst hätte ich an der Blende eine Reihe zuviel, weil ich nur 5 R rot habe – mit 6 R wäre das nicht passiert (typischer Fall von nicht weit genug voraus gedacht…). Aber gut, damit kann ich leben. Ist aber im Moment ein ganz schönes Fadengewurschtel:

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Inzwischen ist das Chaos aber beseitigt:

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Die Tasche zeichnet sich außen relativ stark ab – eigentlich mag ich das nicht so leiden, aber ich weiß auch nicht, wie man es ändern könnte. Außer vielleicht mit einem doppelten Taschenbeutel, den man nicht festnäht, aber der trägt dann so auf.

Ich hoffe das gibt sich nach dem Waschen wenigstens noch etwas:

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Ab jetzt wird es wieder entspannt – bis 35 cm Höhe muss ich außer an die Tailierung -die ich wie beim Rückenteil mache- an nicht weiter denken. Dann aber muss ich mir langsam Gedanken um den Schalkragen machen. Hierzu in der nächsten Folge mehr.

Einfach mal drauflos stricken… Teil 3

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Ich habe mich für eine Musterwiederholung in der Schulterpartie entschieden, allerdings mit einem schmaleren roten Streifen. Ob das später wirklich gut aussieht oder ob es eventuell „too much“ ist, werde ich sehen, wenn das erste Vorderteil fertig ist. Notfalls kann ich die paar Zentimeter immer noch ribbeln und neu stricken.

Nun geht es aber erstmal an die Schulterschrägungen und den rückwärtigen Halsausschnitt.

Die Breite des Halsausschnitts mache ich immer nach Gefühl, für eine normal breiten Ausschnitt für mich ungefähr 22 cm (ohne Blende). Das entspricht bei meiner MaPro 61,6 M, abgerundet also 61 und es verbleiben für jede Schulter (109 – 61 = 48 : 2 =) 24 M.

Mein Armausschnitt soll 21 cm hoch werden. Den Halsausschnitt beginne ich am Rückenteil meistens 4 Reihen bevor die gewünschte Armausschnitthöhe erreicht ist (= 2 Reihen vor Beginn der Schulterschrägung), da reicht mir normalerweise ein ganz flacher Ausschnitt. Damit er trotzdem ein bisschen Form bekommt, nehme ich in den folgenden beiden Hinreihen am Halsausschnittrand je 1 M ab, wieder 1 bis 2 M vom Rand entfernt und symmetrisch, d.h. auf der einen Halsseite nach links geneigt, auf der anderen nach rechts.

Das bedeutet für meinen insgesamt 61 M breiten Halsausschnitt, daß ich die mittleren 57 M abkette und die verbleibenden 4 M in den nächsten beiden Hinreihen abnehme. Die Abkettkante sollte stabil sein, also schön fest abketten. Das sieht ordentlicher aus und der Ausschnitt bleibt besser in Form. Aber natürlich nicht so fest, daß sich die Kante zusammenzieht.

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Bei sehr halsnahen Pulloverausschnitten muss der Kopf natürlich noch durchpassen, aber das ist normalerweise erst beim Abketten der Ausschnittblende ein Problem und dafür gibt es den sewn bind-off).

Üblicherweise kette ich in einer Hinreihe ab und arbeite dann zuerst die (im Tragen) linke Schulter des Rückenteils.

Die Schulterschrägung teile ich immer in 3 möglichst gleiche „Portionen“ auf (wenn sich die Zahl nicht durch 3 teilen lässt, dann z.B. 7, 7 und 8) und arbeite sie mit verkürzten Reihen. In meinem Fall besteht jede Portion aus 24 : 3 = 8 M.

Für die linke Schulter bedeutet das: In der erste Hinreihe nach dem Halsausschnitt bis 8 M vor Reihenende stricken, wickeln, wenden und die Rückreihe stricken. In der nächsten Hinreihe bis 16 M vor Reihenende stricken, wickeln, wenden, Rückreihe. In der nächsten Hinreihe wieder über alle M arbeiten, dabei die Wicklungen mit den umwickelten M zusammenstricken. Die Abnahmen am Halsausschnitt darf man natürlich nicht vergessen, die werden gleichzeitig gemacht. Hier habe ich sie übrigens nur 1 M von Rand entfernt gemacht, damit das Muster nicht unterbrochen wird.

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Abschließend werden die Maschen stillgelegt – sie werden später zusammen mit den Schultermaschen des Vorderteils abgekettet und man hat eine wunderbar saubere und stabile Schulternaht, viel schöner und flacher als eine zusammengenähte.

Die rechte Schulter wird gegengleich gestrickt. Hier muss natürlich in den Rückreihen verkürzt werden, d.h. ich setze den Faden auf der Rückseite neu an, arbeite zwei Reihen und beginne in der folgenden Rückreihe mit den verkürzten Reihen. Dadurch wird diese Schulteseite natürlich eine Reihe länger als die andere Seite, das macht aber nichts. Erstens fällt die eine Reihe Unterschied gar nicht auf und zweitens ist es ja an den Vorderteilen genau umgekehrt (da ist die linke Schulter eine Reihe höher) und gleich sich somit wieder aus.

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Das Rückenteil ist nun fertig und ich kann das erste Vorderteil anschlagen. Hierzu in Kürze mehr.

Einfach mal drauflos stricken… Teil 1

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MelanieP, hierzu hast Du den Anstoß gegeben :-)

Einfach drauflos zu stricken ist gar nicht so schwer. Mittlerweile stricke ich nur noch ganz selten nach Anleitung. Und wenn, dann ändere ich sowieso so viel ab, daß die Anleitung oft nur noch als grober Anhaltspunkt dient.

Wenn ich eine Idee habe, exitiert zunächst nur ein ungefähres Bild in meinem Kopf, dann suche ich mir ggf. in meinen Musterbüchern die Muster zusammen, die ich verwenden will, aber die genauen Details incl. Formgebung ergeben sich erst beim Stricken.

Mein aktuelles Projekt ist auch gerade wieder so ein „designing by knitting“-Teil. Vielleicht ist es ja ganz interessant und hilfreich, wenn ich den Werdegang mal dokumentiere. Obwohl es hier kein echtes „designing“ ist, denn ich habe mich an einem bereits existierenden Modell orientiert.

Ausgangspunkt und Inspiration war diese wunderschöne Jacke namens City Trip von Hinterm Stein (deren Designs ich sowieso fast alle toll finde, genau mein Beuteschema).

Das Manko für mich: Sie ist nahtlos von oben gearbeitet, eine Vorgehensweise, mit der ich einfach nicht richtig warm werde. Ich mag Nähte und ich hasse es, Ärmel in Runden zu stricken. Eine Konstruktion von unten finde ich außerdem viel leichter nachzuvollziehen und zu ändern. Vermutlich spielt da aber auch einfach die Gewohnheit eine ganz große Rolle.
Ach ja, und sie wäre mir auch viel zu dick, sie ist mit worsted weight-Garn (95-100 m auf 50 g), 4,5er Nadeln und 20 M auf 10 cm gearbeitet. Eine Yeti-Jacke reicht 😉

Die Anleitung kann ich mir also sparen, da ich sowieso fast alles neu berechnet und die Konstruktion auf Einzelteile von unten umgestellt hätte.

Zweite Inspiration war ein Garn, das ich in einer Schublade wiederentdeckt hatte, als ich eigenlich etwas ganz anderes gesucht habe (das passiert mir übrigens ständig…Euch auch?). Von der Super Yak von Monika Design (50% Super Yak, 50% Merino, LL 115 m auf 25 g) hatte ich von einem anderen Projekt noch knapp 225 g in weinrot übrig, dazu kommen 300 g in grau/karamelgelb-meliert, die ich vor längerer Zeit von einer Leserin günstig erwerben konnte.

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Keine der beiden Farben würde für ein komplettes Oberteil ausreichen, also werde ich sie kombinieren – den Körper in grau/karamelgelb-meliert, die Ärmel in weinrot. Klingt erstmal komisch, passt aber wirklich wunderbar zusammen.

Ich habe den Vorteil, daß ich so gut wie nie eine Maschenprobe brauche und deswegen wirklich einfach drauflos stricken kann. Dadurch, daß ich so fest stricke, ändert sich meine Maschenprobe nach dem Waschen nur sehr, sehr selten, und wenn, dann so minimal, daß es sich auf die Passform nicht negativ auswirkt (außer bei Garnen mit Seidenanteil, die wachsen auch bei mir).
Zum anderen weiß ich aus Erfahrung, welche Maschenprobe ich bei welcher Nadelstärke haben werde. Das haut in 95% der Fäll hin, die anderen 5% muss ich dann eben nach 5 cm ribbeln.

Die Super Yak ist für mich ein Garn für 3 mm-Nadeln, was eine Maschenprobe von 28 cm in glatt rechts bedeutet. Die ganze Vorarbeit besteht bei mir daher tatsächlich nur aus wenigen Sekunden rechnen, wieviele Maschen ich -ggf. unter Berücksichtigung von Mustersätzen- anschlagen muss.

Angeschlagen habe ich hier für das Rückenteil 161 M, was rechnerisch einer Breite von 57,5 cm entspricht (ja, ich bin wieder reichlich moppelig geworden in den letzten Jahren 😕 ). Nachgemessen am großen Strickstück kommt das auch exakt hin.

Als Muster habe ich eine Art erweitertes Perlmuster gewählt, das ich beim Autumn Rain Cardigan abgeguckt habe. Die rechten und linken Maschen werden hier nur in den Hinreihen versetzt, die Rückreihen werden durchgängig links gestrickt. Wenn ich mir jetzt im Nachhinein die Projektfotos von City Trip angucke, hat Jutta dieses Muster auch benutzt, bei mir wirkt es bloß etwas anders, weil meine Maschen kleiner sind.

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Das Muster habe ich so weit hoch gestrickt, bis es mir breit genug erschien, letztlich sind es 11,5 cm geworden. Als optischer Abschluß dient eine Hinreihe linker Maschen.Während ich daran gearbeitet habe, habe ich darüber nachgedacht, wie ich den doch recht kontrastreichen Farbunterschied zwischen Körper und Ärmel etwas abmildern könnte. Zuerst wollte ich nach dem Blendenmuster eine schmale Biese in weinrot einarbeiten (an den Ärmel dann genau umgekehrt), aber das sah irgendwie blöd aus.

Also habe ich einfach 5 Reihen glatt rechts gestrickt und nochmal eine Linksmaschenreihe in der Hauptfarbe als Trennung vom darauf folgenden glatt rechts-Gestrick. Die Taschenbeutel sollen später auch weinrot werden, das blitzt dann beim Tragen leicht hervor und düfte ganz hübsch aussehen. Falls ich es mir später doch noch anders überlege, kann ich aus dem Streifen immer noch eine Biese nähen.

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Danach war es auch höchste Zeit, mit der Taillierung zu beginnen, damit diese später nicht zu weit oben sitzt. Da ich erst nach dem Muster Abnahmen arbeiten wollte, muss ich nun relativ schnell abnehmen, hier 5x in jeder 4. Reihe beidseitig je 1 M. Die Zunahmen mache ich danach aber nur noch in jeder 8. Reihe. Das passt auch zu meiner Körperform, die Kurve Hüfte/Taille ist bei mir ausgeprägter als der Übergang Taille/Brust.

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Jetzt kann ich erstmal entspannt weiterstricken, bis ich meine Standardhöhe bis zum Armausschnitt von 39 cm ab Abschlag erreicht habe (Gesamtlänge ab hchstem Schulterpunkt später um die 62 cm). Sobald ich dort angekommen bin, werde ich messen, wieviele Maschen ich für die Armausschnitte wegnehmen muss, damit ich auf meine Schulterbreite von 39 cm komme. Rein rechnerisch müssten das 52 M, also 26 pro Seite sein, aber ich messe und zähle das vorsichtshalber immer nochmal am Strickstück nach.

Wie ich die Armausschnitte formen werde, erzähle ich Euch dann, wenn ich soweit bin.

Das 1-Maschen-Knopfloch

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Das einfachste Knopfloch von allen ist das 1-Maschen-Knopfloch.
Je nach Garnstärke und Strickfestigkeit ist es groß genug für Knöpfe bis ca. 15 mm Durchmesser.

Hierfür strickt man 2 Maschen mustergemäß zusammen und macht danach einen Umschlag.
Es geht auch umgekehrt: Erst der Umschlag, dann mustergemäß zusammenstricken.

In der Rückreihe wird der Umschlag dann ebenfalls mustergemäß abgestrickt.

Ob man den Umschlag von oder nach der Abnahme macht, ist im Prinzip gehupft wie gesprungen.
Ich tendiere jedoch dazu, die Variante zu wählen, die die Abnahme dichter an den Rand legt. Zum einen sitzt einen Knopfblende besser, wenn das Knopfloch nicht mittig, sondern etwas weiter weg vom Rand ist und zum zweiten ist die zusammengestrickte Masche einen Tick stabiler. Wenn also in zusammengeknöpftem Zustand etwas Zug auf das Knopfloch ausgeübt wird, leiert es weniger aus.

Es macht jedoch einen deutlichen Unterschied, ob man eine nach links oder eine nach rechts gerichtete Abnahme arbeitet.

Faustregel: Die Masche, in die ich bei einer Abnahme zuerst einsteche, ist die Masche die später obenauf, also sichtbar ist. Die andere Masche verschwindet dahinter.

Diese Tatsache ist wichtig, weil das Muster durch das Knopfloch möglichst unverändert bleiben sollte.

Hier könnt Ihr den Unterschied bei der Abnahme vor dem Knopfloch sehen – beim rechten Knopfloch mit nach rechts geneigter Abnahme wandert die Maschenreihe unter dem Kopfloch nach rechts und überlagert die Maschenreihe vor dem Knopfloch.

Beim linken Knopfloch mit nach links geneigter Abnahme bleibt die Maschenreihe vor dem Knopfloch unverändert erhalten, die Masche unter dem Knopfloch verschwindet dahinter:

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Bei der Abnahme nach dem Knopfloch verhält es sich genau umgekehrt – rechts die nach links geneigte Abnahme, die Abnahme überlagert die Maschenreihe nach dem Knopfloch.
Beim linken Knopfloch habe ich danach eine nach rechts geneigte Abnahme gestrickt, so bleibt die Maschenreihe erhalten:

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Fazit: Die Abnahme sollte sich immer in Richtung des Knopflochs neigen.

Erst die Abnahme, dann der Umschlag = nach links geneigte Abnahme (SSK bzw. 2 M li zus.str.) arbeiten

Erst der Umschlag, dann die Abnahme = nach rechts geneigte Abnahme (2 M re zus.str. bzw. SSP) arbeiten

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Und hier noch zwei Varianten für ein etwas größeres Knopfloch.

1. das 2-Maschen-Knopfloch ohne Abketten

HInreihe: SSK, Doppelumschlag, 2 M re zus.str.
Rückreihe:Die erste Schlinge des Umschlags normal, die zweite Schlinge verschränkt abstricken.
Das Abstricken kann mustergemäß erfolgen; es funktioniert gleichermaßen mit rechten wie mit linken Maschen.

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2. Das tiefergestochene Knopfloch

Wird zunächst wie das normale 1-Maschen-Knopfloch gearbeitet.
In der folgenden Hinreihe wird jedoch nicht in die Masche über dem Knopfloch eingestochen, sondern direkt in das Knopfloch.

Wenn das Knopfloch noch ein bisschen größer werden soll, kann man das in der folgende Rückreihe wiederholen.
Über noch mehr Reihen würde ich es allerdings nicht machen, weil das Gestrick dann verzogen wird.

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Die verflixte zweite Masche

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Ein Problem, das mich nun schon seit etlichen Jahren nervt, ist die verflixte zweite Masche.

Meine Randmaschen sind alle schön fest und ordentlich, aber zweite Masche am rechten Rand ist mal groß und mal klein. Am linken Rand habe ich das Problem nicht, aber ich habe schon von mehreren Strickerinnen gehört, daß es bei ihnen sogar an beiden Seiten auftritt.

Je unelastischer das Garn, um so deutlicher tritt der Effekt hervor – bei Wolle ist es nur minimal, abr ganz schlimm ist es bei Baumwollgarnen:

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Lana Grossa empfiehlt, die ersten 3 – 4 M jeder Reihe sehr fest und die letzten 3 – 4 M sehr locker zu stricken, aber da funktioniert bei mir überhaupt nicht, und die Erklärung des Problems mit dem Stückchen Garn, daß sich von Masche zu Masche schiebt, sowie die Erklärung, warum die Lösung funktionieren soll, halte ich auch für Blödsinn.
„Die zu festen letzten Maschen der Reihe (die ersten der Vorreihe) werden durch das Stückchen mehr Faden auf die normale Größe erweitert“ ist definitiv totaler Quatsch, den die Größe der Maschen, die ich abstricke, ist bereits festgelegt, da kann ich auch einen halben Meter Faden durchziehen, die werden dadurch kein Stück weiter.

Gestern habe ich mich nun endlich einmal hingesetzt und das Problem genau analsiert. Es hat sich herausgestellt, daß die lockere Masche immer die zweite Masche am Reihenanfang ist, genauer sogar nur das Maschenbeinchen, das dichter am Rand ist. Diese nun besonders fest anzuziehen, bringt aber wenig bis überhaupt keine Verbesserung.

Eine Lösung (die auch gegen zu lockere Randmaschen hilft) ist es, die zweite Masche immer verschränkt zu stricken. Aber das hilft auch nicht in allen Fällen.

Dann bin ich auf die Idee gekommen, die Kombinationsmethode (combined knitting) ins Spiel zu bringen, die hilft ja schließlich auch, wenn die letzte Rechtsmaschenreihe einer Rippe oder eines Zopfes zu groß gerät.

Verursacher des Problems ist hier allerdings keine Linksmasche, sondern die Randmasche selbst scheint an ihre Nachbarin ein Stückchen Faden abzugeben. Totzdem ist die Lösung fast die gleiche, nämlich combined knitting.

Zunächst habe ich probiert, nur die zweite Masche combined zu stricken. Das Ergebnis ist eine deutliche Verbesserung – die Maschen sind zwar immer noch einen Tick lockerer, aber es sieht längst nicht mehr so schlimm aus:

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Das hat mich aber immer noch nicht 100%ig zufriedengestellt und so habe ich einen weiteren Versuch mit zwei combined gestrickten Maschen, nämlich der 2. und 3. Masche an den Rändern gemacht. Und siehe da, so ist es fast perfekt – damit kann ich jetzt wunderbar leben:

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Selbst am linken Rand sieht man einen kleinen Unterschied:

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Aber bei den rechten Maschen ist der Unterschied echt krass, vor allem, wenn man vorher und nachher direkt nebeneinander betrachtet:

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Und so geht’s:

Bei der zweiten und dritten Masche am Reihenanfang muß der Faden immer „eastern„, also nicht von vorne nach hinten, sondern genau andersherum, nämlich von hinten nach vorne über die Nadel gelegt werden. In der Folgereihe wird in diese beiden Maschen dann wie zum verschränkt stricken eingestochen und normal abgestrickt.

Bei Rechtsmaschen sieht das so aus – einstechen wie zum rechts stricken, aber den Faden andersherum wickeln (bitte die Masche auf der Nadel ignorieren, es geht nur um den Faden):

Die beiden Maschen liegen nun anders orientiert auf der Nadel. In der nächsten Reihe werden diese beiden Maschen wie links verschränkte Maschen gestrickt, um die Orientierung wieder rückgängig zu machen.

Linksmaschen werden so gestrickt – auch hier wird der Faden von hinten nach vorne (eastern), also genau andersherum, als die meisten von uns es gewohnt sind, gewickelt:

In der nächsten Reihe werden die beiden Maschen wie rechts verschränkte Maschen gestrickt.

Habt Ihr das Problem auch? Kennt Ihr vielleicht noch eine andere Lösung?
Über Rückmeldungen, ob meine Methode auch bei Euch funktioniert, würde ich mich sehr freuen.

Videotipp: Ein Sack voller Stricktricks

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Bei Interweave ist mal wieder Sale – viele digitale Magazine und Videos sind stark reduziert.

Durch Zufall habe ich dabei diesen zweiteiligen Workshop entdeckt:

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Ich bin noch am Gucken, aber schon nach zwei Dritteln des ersten Teils kann ich den Workshop ganz klar empfehlen – für den reduzierten Preis von umgerechnet rd. 5,50 € ist er sein Geld mehr als wert.

Patty Lions gibt viele kleine Tipps, die das Strickerleben leichter und das Gestrick schöner machen, alles in einem sehr gut verständlichen Englisch und so deutlich und nachvollziehbar gefilmt, daß man auch versteht worum es geht, wenn man die Sprache nicht 100%ig beherrscht (diejenigen, die nur wenig oder gar kein englisch verstehen, werden allerdings doch zu wenig mitbekommen, um ausreichend Nutzen aus dem Workshop zu ziehen).

Besonders positiv finde ich, daß sie auch immer genau erklärt, warum ein Problem überhaupt erst entsteht und weshalb der jeweilige Tipp das Problem löst. So lernt man, sein Gestrick und das Verhalten von Maschen wirklich zu verstehen.

Und auch als Profi lernt man noch den einen oder anderen pfiffigen Trick, sei es nun der Norwegian Purl Cast-On oder der SSK für Faule 😉

Ihr müsst Euch allerdings sputen, der Sale geht nur noch bis zum 26.4. um 23.59 Uhr MST, also bei uns der 27.4. um 7.59 Uhr.

Kreuzanschlag mit linken Maschen

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Der weltweit vermutlich am meisten verwendete Maschenanschlag ist der einfache Kreuzanschlag (auf englisch „long tail cast-on“). Er eignet sich für die meisten Zwecke, ist elastisch, aber nicht zu locker und sieht immer ordentlich aus.

Die meisten Strickenden mögen optisch die Vorderseite dieses Anschlags lieber, weil sie Rechtsmaschen ähnelt, wohingegen die Rückseite wie eine Linksmaschenreihe aussieht.
Das bedeutet allerdings auch, daß man beim Flachstricken die erste Reihe als Rückreihe arbeiten muss, damit die „schöne“ Seite später auf der Außenseite ist.

Wusstet Ihr aber, daß man den Kreuzanschlag auch so arbeiten kann, daß die Seiten vertauscht sind? Dabei ist die Linksmaschenreihe vorne und die „schöne“ Seite ist hinten:

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Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • man kann beim Flachstricken mit einer Hinreihe beginnen
  • wenn man in Runden strickt und z.B. ein kraus gestricktes oder ein Perlmuster-Bündchen hat, passt die Linksmaschenreihe besser ins Maschenbild
  • für Rippenmuster kann man den Rechts-Kreuzanschlag mit dem Links-Kreuzanschlag kombinieren und bekommt eine perfekt zum Rippenmuster passende Anschlagkante

Dabei ist der Links-Kreuzanschlag nicht schwerer zu stricken als der normale. Im Prinzip werden bloß die Arbeitsschritte an der Daumen- und an der Zeigefingerschlaufe vertauscht.

Begonnen wird wie üblich mit einem Laufknoten.
Die Fadenhaltung ist exakt die gleiche wie beim Rechts-Kreuzanschlag.

Schritt 1: Von hinten in die Zeigefingerschlaufe von unten einstechen:

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Schritt 2: Den hinteren Faden der Daumenschlaufe von unten holen:

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Schritt 3: Den Faden durch die Zeigefingerschlaufe ziehen:

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Schritt 4: Zeigefinger aus der Schlaufe ziehen, den Faden anziehen, fertig.

Die Schritte 1 bis 4 stets wiederholen.

Wen man das ein paar Mal gemacht hat, geht es einem genauso leicht von der Hand wie der normale Kreuzanschlag.