Techniken & Tips/techniques & tips

Henley-Ausschnitt – so geht’s

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Anke fragte kürzlich:

Schon immer suche ich eine Anleitung für einen Auschnitt wie beim Strickmarathonpullover. Ich finde es so toll, daß der gleich mitgestrickt wird. Würdest du so freundlich sein und den Tip im Blog weitergeben?

Mache ich gerne, liebe Anke. Als ich eben die Pullover für Fotos rausgesucht habe, ist mir aufgefallen, daß ich diese Ausschnittform schon richtig oft gestrickt habe, das war mir gar nicht bewusst.

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Bevor Du jetzt einwendest, daß Du sowas doch gar nicht gemeint hast – guck mal was passiert, wenn man den Ausschnitt nicht schließt:

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Das Prinzip ist nämlich das gleiche, der Unterschied kommt nur durch die Länge der Blende, die fehlenden Knöpfe und den Kragen zustande:

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Un so geht’s:

Zunächst strickst Du das Vorderteil (von unten) bis zu der Stelle, wo der Ausschnitt anfangen soll.
Jetzt musst Du Dir überlegen, wie breit die Blende werden soll, d.h. wieviele Maschen Du pro Blendenseite haben möchtest.

Nun nimmst Du die Anzahl der Maschen, die Du auf der Nadel hast, ziehst davon die Anzahl der Blendenmaschen für eine Seite ab. Das Ergebnis teilst Du durch 2. Das ist die Maschenzahl pro Seite ohne Blendenmaschen.

Beispiel: Du hast 99 M und Deine Blende soll pro Seite 5 M breit sein.
99 – 5 = 94. 94 : 2 = 47 M pro Seite + jeweils 5 Blendenmaschen.

Das funktioniert genau, wenn Du
a) eine ungerade Grundmaschenzahl und eine ungerade Maschenzahl für die Blende hast
oder
b) eine gerade Grundmaschenzahl und eine gerade Maschenzahl für die Blende hast

Willst Du gerade und ungerade kombinieren, musst Du in der letzten Reihe vor dem Ausschnitt in der Mitte eine Masche abnehmen (theoretisch kannst Du auch zunehmen, aber eine Abnahme ist in der Regel weniger sichtbar).

In der nun folgenden Hinreihe strickst Du die Anzahl der Maschen, die Du gerade für eine Seite ermittelt hast und legst die restlichen Maschen still. In unserem Beispiel wären das 47 M zu stricken und 52 werden stillgelegt. Nun wirst Du sagen: “Äh, Moment mal, dann ist der Ausschnitt doch gar nicht in der Mitte”. Doch ist er, wart’s ab… ;-)

Jetzt wird zuerst die im Tragen linke Seite gearbeitet.
Wenden und die gewünschten Maschenzahl für eine Blendenseite neu aufstricken (in unserem Beispiel hast Du dann 52 M insgesamt). Dieser neu angeschlagene Teil wird später am unteren Ende hinter die andere Seite der Blende genäht.

Nun arbeitest Du die neu aufgestrickten Maschen immer im Blendenmuster und die übrigen Maschen im Grundmuster.

So weit gerade hochstricken, wie Du möchtest, das hängt von der gewünschten Tiefe des Halsaus-schnitts ab. Sobald diese errreicht ist, kettest Du die Blendenmaschen in einer Rückreihe ab und arbeitest den Rest des Halsausschnitts, wie Du möchtest.

Wenn Du mit der linken Seite des Vorderteils fertig bist, nimmst Du die stillgelegten Maschen wieder auf und arbeitest die im Tragen rechte Seite.

Du beginnst mit einer Hinreihe, strickst die ersten x Maschen im Blendenmuster (nicht neu anschlagen) und die restlichen Maschen im Grundmuster. Das wären in unserem Beispiel von den 52 stillgelegten M 5 als Blende und 47 im Grundmuster – guck, nun hast Du auf jeder Seite 47 M im Grundmuster und die Blende ist genau in der Mitte :-D )
Dadurch, daß Du hier für die Blende die bereits vorhandenen Maschen benutzt, hast Du später am unteren Ende der Blende keine sichtbare Naht.

Achtung! Falls Du die Blende zuknöpfen möchtest (was für den Henley-Ausschnitt typisch ist), musst Du auf dieser rechten Seite die Knopflöcher einarbeiten.

Theoretisch kannst Du auch genau umgekehrt vorgehen und die rechte Seite zuerst stricken.
Falls Du aber Knöpfe dranhaben möchtest, würde ich immer die Seite zuerst stricken, an der die Knöpfe angenäht werden sollen, üblicherweise also bei Frauen die linke Seite. Dann weißt Du nämlich später bei der Knopflochblende genau, wieviele Reihen die Blende hat und kannst die Knopflöcher exakt verteilen.

Wichtig: Die Knopfseite ist immer die Seite, die hinter die andere Blende kommt – wenn Du es nämlich umgekehrt machst, guckst Du ziemlich blöd aus der Wäsche, wenn Du den Pullover zum ersten Mal zuknöpfen willst (frag’ mich mal, woher ich da weiß… :wacko: ).

Variation: Mitgestrickter Umschlagkragen

Diese Variante habe ich von Kim Hargreaves gelernt, als ich die Salina gestrickt habe.

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Gearbeitet wird wie zuvor beschrieben, aber anstatt irgendwann die Maschen abzuketten und einen Halsausschnitt zu arbeiten, wird weiter gerade hoch gestrickt und das Blendenmuster in jeder zweiten Reihe um eine M erweitert – so lange, bis das Muster so breit ist wie der gewünschte Halsausschnitt.

Hat das Vorderteil die gewünschte Länge erreicht, werden die Kragenmaschen stillgelegt und die Schultermaschen verbunden.
Die Maschen der rechten Kragenhälfte wieder aufnehmen und abstricken, dann aus dem rückwärtigen Halsausschnitt Maschen aufnehmen und zum Schluß die Maschen der linken Kragenhälfte aufnehmen und abstricken. Nun über alle M im Kragenmuster arbeiten, bis der Kragen die gewünschte Länge erreicht hat.

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Der Nachteil bei Salina: Das Kragenstückchen im Nacken ist zu kurz, das klappt immer wieder nach oben.

Beim Striper Sweater habe ich daher eine verbeserte Version gestrickt. Hier sind im Nacken viel mehr Reihen und damit der Kragen vorne nicht zu überdimensional wird, habe ich die letzten Zentimeter mit verkürzten Reihen gearbeitet:

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So sitzt der Kragen optimal:

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Blende abketten

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In den meisten Anleitungen wird empfohlen im Muster abzuketten, weil die Abkettkante dann elastischer wird. Das mache ich allerdings nur sehr selten, weil mir das nicht sonderlich gefällt – irgendwie fehlt da was, es sieht ein bisschen aus wie einfach abgeschnitten:

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Je nach Garn und Muster kann die Kante sogar wellig wirken, denn eine rechts abgekettete M kippt nach vorne, eine links abgekettete dagegen nach hinten.

Ich kette Blenden daher fast immer entweder komplett rechts oder komplett links ab, je nach Blendenmuster. Auch Halsausschnittmaschen kette ich immer rechts ab, denn dadurch entsteht unter der Abkettreihe eine Rechtsmaschenreihe, die sich wunderbar zum Aufnehmen von Maschen für den Kragen eignet.

Ich finde, die dadurch entstehende Maschenreihe gibt der Blende einen besonders klaren und sauberen Abschluß. So sieht es aus, wenn man alle M rechts abkettet:

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Auf der anderen Seite bzw. wenn man alle M links abkettet, sieht es dann so aus. Das passt jetzt zu einem Rippenmuster nicht so gut, sieht aber z.B. bei Perlmusterblenden hübsch aus:

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Mangelnde Elastizität braucht man dabei übrigens nicht zu fürchten, denn die meisten Blenden brauchen sich ja gar nicht zu dehnen. Eine Ausnahme sind nur eng anliegende Halsausschnitte oder Rollkragen, da kette ich die Maschen dann aber sowieso nicht ab, sondern benutze die Abnähmethode von Elizabeth Zimmermann.

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Eine der gebräuchlichsten Methoden um eine Masche zuzunehmen ist die Verdoppelung, bei der die gleiche Masche zunächst rechts, dann rechts verschränkt abgestrickt wird, auf englisch “kfb” (knit front and back).

Der Nachteil bei dieser Methode: Es ergibt sich ein unschöner kleiner Querfaden, ähnlich wie bei einer linken Masche, der vor allem bei einem glatt rechts-Maschenbild sehr störend wirkt.

Im Blog von La Maison Rililie habe ich nun eine Alternativmethode gefunden, bei der dieser Querfaden nicht entsteht:

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Das Ergebnis ist mehr oder weniger das gleiche wie bei einer “russischen” Zunahme (lifted increase), welche immer noch meine bevorzugte Zunahmemethode ist. Allerdings kann diese bei manchen Mustern schlecht machbar sein, wenn z.B. die Zunahmen dicht übereinander erfolgen (Stichwort: contiguous). Da ist dann die verbesserte Verdoppelung eine gute Alternative.

Funky Grandpa – I-Cord bind off

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Einige von Euch hatten gefragt, wie ich die Kante an der Blende der Streifenjacke gemacht habe.
Das ist ein sogenannter “I-Cord bind off”, den hatte ich hier schon mal erklärt.

Zu Beginn der Abkettreihe (Hinreihe) habe ich zwei Maschen neu aufgestrickt:

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Und dann geht es einmal um die ganze Blende herum:
*2 M re, SSK (improved), 3 M zurück auf die linke Nadel*. Die verbleibenden 3 M normal abketten.
Das dauert ewig, aber das Ergebnis lohnt die Mühe:

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Auf der Rückseite sieht es dann so aus:

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Der Panthrische massiert unterdessen die Wollvorräte, damit sich keine Motten einnisten:

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Ösenknöpfe annähen

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Knöpfe annähen gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.
Von daher war ich ganz begeistert über den kleinen Kniff zum Annähen von Knöpfen mit Öse, den mir Konny von der Wollboutique verraten hat.

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Wenn man nämlich die Öse durch das Gestrick durchdrückt und dann einfach auf der Rückseite den Faden mehrmals durchzieht, läßt sich so ein Ösenknopf ganz schnell und leicht annähen:

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Außerdem sitzt der Knopf dann etwas dichter am Gestrick und baumelt nicht so herum (was vor allem bei schweren Knöpfen schnell passiert). Genug Abstand zum Knöpfen bleibt immer noch:

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Ich verwende übrigens immer das Original-Strickgarn zum Knöpfe annähen, das hält viel besser als wenn man sie mit Nähgarn annäht. Bei mir hat sich noch nie ein Knopf gelockert oder gelöst.

Und das Annähen geht zudem schneller, weil man weniger oft durchstechen muss, 3 – 4 x reicht völlig aus.

Bei dickem Garn,das man schwer oder gar nicht durch die Knopflöcher bekommt, drehe ich den Faden auf und teile ihn.

Muschelanschlag

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Den kannte ich auch noch nicht – gefällt mir, das ist mal was ganz anderes:

Auch falls Euch das nicht die Bohne interessieren sollte, bitte bis Minute 7.40 vorspulen – zumindest, wenn Ihr Katzen mögt :-)

Die Anleitung für die Socken, die Ekaterina zu Beginn des Videos zeigt, könnt Ihr bei Ravelry kaufen.

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Ihre Mütze Glacier Express finde ich übrigens auch sehr klasse:

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Von unten nahtlos mitgestrickte Armkugel – so geht’s

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Fertig :-D

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Tragefotos am lebendigen Objekt reiche ich noch nach, wenn ich die Anleitung für die Jacke komplett geschrieben habe. Aber hier schon mal an der wilden Hilde:

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Die Armkugel sitzt wirklich so gut, wie ich das gehofft hatte – im Prinzip genau so wie eine eingenähte auch. Die kleine senkrechte Falte kommt davon, daß ich sie liegend getrocket habe, die geht beim Tragen weg, denke ich (und wenn nicht, gehe ich mit dem Bügeleisen drüber):

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Übrigens habe ich im Eifer des Gefechts völlig vergessen, eine Schulterschrägung und einen rückwärtigen Halsausschnitt einzubauen. Die Jacke sitzt trotzdem gut, aber das kommt auf die “Methoden-Verbesserungsliste”.

Nein, Hilde hat keine schlechte Haltung – nur die Fotografin kann offensichtlich nicht gerade gucken:

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Von den Knöpfen hatte ich von keiner Farbe genug – da aber alle drei Farben, die ich davon hatte, gut gepasst haben, habe ich einfach von jeder Farbe  welche angenäht. Ist mal was anderes, finde ich, und passt gut zu den Streifen:

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Aber nun zur Frage aller Fragen: Wie macht man das?

Gudrun hatte mich darauf hingewiesen, daß in Elizabeth Zimmermanns Knitting Workshop ebenfalls eine von unten nahtlos mitgestrickte Armkugel drin ist (also nix mit Patent anmelden ;-) ).
Nachem ich mir das angeguckt hatte, fiel mir auch wieder an, daß ich das vor Jahren schon mal gelesen hatte. Es ist also gut möglich, daß ich mir das im Unterbewusstsein gemerkt habe.

Meine Armkugel ist aber trotzdem noch etwas anders, denn sie bildet eine gerundete Armkugel genau nach.

Der Schnitt eines Modells mit Armkugeln sieht in der Regel in etwa so aus:

Damit die Rundung stufenlos wird, nimmt man beidseitig immer nur eine Masche pro Reihe ab – idealerweise ein bis zwei Maschen vom Rand entfernt (= betonte Abnahmen), dann lässt es sich später einfacher zusammennähen.

Mein Standardarmkugel für eine Maschenprobe von 27- 30 M x 38 – 42 R (3er Nadeln) wird beispielsweise so gestrickt:

Armausschnitt (für mich 19 – 20 cm hoch)
Beidseitig 7 – 9 M (je nach MaPro) abketten.
Ab der nächste Hinreihe 5 – 9 x in jeder Reihe, 3 x in jeder 2. Reihe und 2 x in jeder 4. Reihe beidseitig je 1 M betont abnehmen.

Armkugel
Ausgangsmaschenzahl (für meinen Oberarmumfang) zwischen 96 und 106, je nach Maschenprobe
Beidseitig 7 – 9 M (wie beim Armausschnitt) abketten.
Ab der nächsten Hinreihe beidseitig je 1 M wie folgt betont abnehmen:
5 x in jeder Reihe
2 x in jeder 2. Reihe
6 – 7 x in jeder 4. Reihe
in jeder 2. Reihe, bis 44-45 M übrig sind (je nachdem, ob man eine gerade oder ungerade Ausgangsmaschenzahl hat)
5 x in jeder Reihe (34 – 35 M verbleiben)
Zu Beginn der nächsten 4 Reihen je 4 Maschen abketten
die verbleibenden 18-19 M abketten

Das Schema der Reihenabstände funktioniert übrigens für jede Größe und Maschenprobe, nur die Anzahl der jeweiligen Abnahmen variiert natürlich.

Bei der nahtlos mitgestrickten Armkugel habe ich erstmal nichts anderes gemacht. Im nachfolgenden Beispiel nehme ich die Maschenzahlen der zuvor beschriebenen Armkugel. Die müsst Ihr natürlich entsprechend Eurer eigenen Maschenprobe anpassen.

Zuerst habe ich Rücken- und Vorderteile am Stück bis zu den Armausschnitten hochgestrickt und in der letzten Hinreihe die Unterarmmaschen abgekettet:

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Die Maschen auf dem Seil oder auf der Nadel stillegen (das Arbeitsknäuel dranlassen, damit arbeiten wir später über alle Teile weiter) und nun erstmal beide Ärmel bis zum Beginn der Armkugel stricken. ich habe sie flach gestrickt, weil ich lieber nähe als kleine Umfänge rundzustricken, aber man kann natürlich die Ärmel auch genauso gut rundstricken.

Da ich den Faden sowieso abschneiden muss, kann ich ausnahmsweise beide Seiten in der gleichen Reihe abketten, d.h. hat der Ärmel die gewünschte Länge, werden in der nächsten Hinreihe 7 – 9 M abgekettet, dann die Reihe weiterstricken, bis noch 7 – 9 M übrig sind und die verbleibenden M wieder abketten. Faden abschneiden (beim Rundstricken kettet Ihr dann eben am Rundenanfang und am Rundenende ab) und die Maschen stillegen (wieder auf dem Seil oder einer gleich großen oder kleineren Nadel, damit Ihr sie später bequem gleich wieder abstricken könnt).

Jetzt kommt alles auf eine Nadel – wir beginnen mit einer Rückreihe:
Die Maschen des linken Vorderteils bis zur ersten “Lücke” stricken. Maschenmarkierer setzen. Mit der gleichen Nadel und dem gleichen Faden die Maschen des ersten Ärmels abstricken. Maschenmarkierer setzen. Die Maschen des Rückenteils bis zur zweiten “Lücke stricken”. Maschenmarkierer setzen. Die Maschen des zweiten Ärmels abstricken. Maschenmarkierer setzen. Die Maschen des rechten Vorderteils abstricken.

Jetzt wird am Körperteil und an den Ärmeln genauso oft und in den gleichen Abständen abgenommen, als wenn man in Eintelteilen strickt. Um den Überblick zu behalten, nehmt Ihr am besten zwei Reihenzähler oder macht Euch zwei Strichlisten.

Die Abnahmen werden jeweils mit einer Masche Abstand von den Maschenmarkierern gemacht.
Vor dem Markierer strickt Ihr eine nach rechts geneigte Abnahme (bei glatt rechts also in Hinreihen 2 M re zus.str., in Rückreihen SSP)
Nach dem Maschenmarkierer strickt Ihr eine nach links geneigte Abnahme (bei glatt rechts in Hinreihen SSK, in Rückreihen 2 M li zus.str.)

Wenn alle Körperteilabnahmen erledigt sind, wird nur noch an den Ärmeln weiter abgenommen.

Wenn alle Ärmelabnahmen erledigt sind und bei einer separat gestrickten Armkugel als nächstes der Teil mit dem Abketten zu Beginn der nächsten 4 Reihen käme (d.h. in vorgenanntem Beispiel, wenn noch 34 bzw. 35 Ärmelmaschen übrig sind), kommt der spannende Teil.

Bisher haben wir ja nichts anderes gemacht, als Reihe mit Reihe 1 zu 1 zu verbinden.
So mache ich das beim Einnähen einer Armkugel auch: Der Part mit den Abnahmen wird im Verhältnis 1 zu 1 an das Körperteil genäht.
Im oberen Teil der Armkugel dagegen, also in dem Teil, wo nicht abgenommen, sondern abgekettet wird, werden Maschen an Reihen genäht.
Wie Ihr ja wisst, sind Maschen jedoch breiter als Reihen hoch sind. In der Regel liegt das Verhältnis bei glatt rechts zwischen 2 zu 3 und 3 zu 4. D.h. daß 2 Maschen so breit sind wie 3 Reihen hoch oder 3 M so breit wie 4 Reihen hoch sind.
Aus diesem Grund kann man z.B. auch beim Anstricken von Blenden nicht aus jeder Reihe eine Masche aufnehmen, sondern muss jede 3. bzw. 4. Reihe überspringen, sonst wird die Blende zu breit und wellt sich.

Achtung, Mathephobiker: Bitte den nächsten Absatz überspringen! ;-)

Habt Ihr z.B. eine Maschenprobe von 26 M x 39 M, ist das Verhältnis 2 zu 3, bei einer Maschenprobe von 27 M x 36 R ist das Verhältnis genau 3 zu 4.
Wenn Ihr das Verhältnis ausrechnen wollt, teilt Ihr die Maschenzahl durch die Reihenzahl und wandelt das Ergebnis in einen Bruch um.
Beispiel: Ihr habt eine Maschenprobe von 24 M x 36 M. 24 geteilt durch 36 ergibt 0,75. 0,75 als Bruch sind 3/4, also ist das ein Verhältnis von 3 zu vier.

Deswegen kann man im oberen Teil der Armkugel nicht einfach eine Masche an eine Reihe nähen, das gibt Falten. Ich nähe normalerweise 3 M an 4 Reihen, überspringe also jede 4. Reihe am Körperteil:

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Ich habe mir also überlegt, wie ich diese Verbindung auch am Stück hinkriegen könnte. Das geht nur mit verkürzten Reihen, denn während das Körperteil jetzt ja noch ein ganzes Stück in die Höhe wachsen muss, fehlen an der Armkugel nur noch 5 Reihen.

Mein Lösungansatz sieht folgendermaßen aus:

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Teil 1 rechtes Vorderteil

Reihe 1 (Hinreihe): Bis zum ersten MM stricken, 1 M re, SSK, wenden (ohne Wickelmasche o.ä.)
Reihe 2 (Rückreihe): Die erste M auf der rechten Nadel zurück auf die linke Nadel geben. SSP, li M bis zum Reihenende.
Reihe 3: Bis zum ersten MM stricken, 1 M re, SSK, wickeln & wenden
Reihe 4: alle M li (ohne Abnahme)

Teil 2 Rückenteil

Reihe 5: Bis zum ersten MM stricken, 1 M re, SSK (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), bis 3 M vor den zweiten MM stricken (hier wird also wieder eine Reihe am Ärmel gestrickt), 2 M re zus.str., bis zum dritten MM stricken, 1 M re, SSK, wenden (ohne wickeln)
Reihe 6: Die erste M auf der rechten Nadel zurück auf die linke Nadel geben. SSP, li M bis zum zweiten MM, 1 M li, 2 M li zus.str., wickeln & wenden
Reihe 7: Bis zum dritten MM stricken (keine Abnahme am rechten Ärmel), 1 M re, SSK, wickeln & wenden
Reihe 8: li M bis zum zweiten MM (keine Abnahme am linken Ärmel), 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), wickeln & wenden

Teil 3 linkes Vorderteil

Reihe 9: Bis zum dritten MM stricken, 1 M re, SSK, bis 3 M vor den vierten MM stricken, 2 M re.zus.str., re M bis zum Reihenende
Reihe 10: Bis zum vierten MM stricken, 1 M li, 2 M li zus.str., wickeln & wenden
Reihe 11: re M bis zum Reihenende (ohne Abnahme)
Reihe 12: li M bis zum vierten MM, 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), wickeln & wenden
Reihe 13: re M bis zum Reihenende (ohne Abnahme)

zurück auf Los :-)

Reihe 14: Bis zum vierten MM stricken, 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), bis zum zweiten MM stricken, 1 M li, 2 M li zus.str. (dabei gleichzeitig die Wicklung mit abstricken), Reihe zu Ende stricken.

Jetzt haben wir an den Körperteilen jeweils 6 Reihen gestrickt, an den Ärmeln aber nur 2 Reihen und an jedem Ärmel wurden beidseitig je 4 M abgenommen, jeder Ärmel hat also noch 26 bzw. 27 M.

Nun die Reihen 1 – 14 noch einmal stricken. Danach verbleiben pro Ärmel 18 bzw. 19 M, zwischen den “Abnahmelinien” liegen 14 bzw. 15 M.

Diese letzten Maschen werden nun nach dem gleichen Prinzip abgenommen:

Teil 1 Vorderteil

Die Reihen 1 – 4  so oft wiederholen, bis die Hälfte der Ärmelmaschen des rechten Ärmels zwischen den Abnahmelinien minus 1 (in unserem Beispiel 6 bei gerade Maschenzahl, 7 bei ungerader Maschenzahl) “aufgebraucht” sind.

Teil 2 Rückenteil

Reihe 5 einmal stricken. Dann wieder zwischen den MM 2 und 3 so lange hin- und her “pendeln” (und dabei in jeder 4. Reihe nicht abnehmen), bis am rechten Ärmel alle Ärmelmaschen zwischen den Abnahmelinien aufgebraucht sind, enden mit einer Rückreihe. Wenden, ohne zu wickeln.

Nun das rechte Vorderteil so umklappen, daß die glatt rechts Seiten aufeinander liegen, also die Rückseiten des Gestricks außen sind. Die Maschen des rechte Vorderteils mit den Rückenteilmaschen zusammenstricken und dabei abketten. Die beim Abketten verbleibende Masche auf die linke Nadel nehmen.

Jetzt die Rückenteilmaschen, die zum Halsausschnitt gehören, auch abketten. Achtung, nicht im Eifer des Gefechts zu weit abketten, die Masche, die zur linken Schulter gehören, müssen noch auf der Nadel bleiben.

Teil 3 linkes Vorderteil

Reihe 9 einmal stricken. Die Reihen 10 – 13 so oft wiederholen, bis am linken Ärmel alle Ärmelmaschen zwischen den Abnahmelinien aufgebraucht sind. Ob Ihr hier mit einer Hinreihe oder einer Rückreihe endet, ist egal.

Nun das linke Vorderteil so umklappen, daß die glatt rechts Seiten aufeinander liegen, also die Rückseiten des Gestricks außen sind. Die Maschen des linken Vorderteils mit den Rückenteilmaschen zusammenstricken und dabei abketten.

Fertig – uff :-)

Klingt auf den ersten Blick total kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach, wenn man es strickt.

Wer gut aufgepasst hat, wird bemerkt haben, daß zum Schluß die zwei Maschen am Rand jeden Ärmels letztendlich in den Körperteilen landen. Bei meiner Jacke macht das nicht viel aus, da habe ich 29 M auf 10 cm, die 2 Maschen machen also nur einen guten halben Zentimeter mehr Breite aus. Bei einer MaPro mit weniger Maschen sollte man das aber vorher bei der Berechnung der Schulterbreite berücksichtigen.

Nun bleibt an dieser Methode noch zu verbessern:

  • die bisher fehlende Schulterschrägung
  • der Einbau eines rückwärtigen Halsausschnitts

Darüber werde ich mir dann beim nächsten Modell Gedanken machen.

Eine komplette Anleitung für die Jacke schreibe ich noch, aber erstmal ist Halva dran, auf die ja einige von Euch auch schon warten.