Techniken & Tips/techniques & tips

Hebemaschen – Teil 1

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Hebemaschen sind eine interessante Möglichkeit, um mit wenig Aufwand sehr dekorative Muster zu stricken.

Man kann sie einfarbig oder mehrfarbig arbeiten. Letztere haben oft auch eine sehr ansehnliche Rückseite, eignen sich also z.B. wunderbar für Schals.

Es besteht sogar die Möglichkeit, Jacquard- bzw. Fair Isle-Muster mit Hilfe von Hebemaschen zu stricken – dabei arbeitet man nur mit jeweils einer Farbe pro Reihe, muss aber dafür jede Reihe zweimal oder noch öfter stricken, je nachdem, wieviele Farben in einer Reihe vorkommen. Manche finden diese Technik einfacher, ich persönlich finde sie viel zu zeitraubend.
Elizzza hat das Ganze dann noch auf die Spitze getrieben – für mich keine Alternative (mit den ganzen Umschlägen würde ich total wuschig werden), aber manch einer mag damit besser zurecht kommen.

Was ist denn nun eigentlich eine Hebemasche?

Eine Hebemasche ist nichts anderes als eine Masche, die nicht abgestrickt wird, sondern nur von einer Nadel auf die andere gehoben wird. Auf englisch heißt das “slip stich”.

Das Abheben kann auf zwei Arten erfolgen:

  • Sofern die Anleitung nichts anderes erwähnt, sticht man in die Masche wie zum Linksstricken ein (purlwise) und hebt die Masche von der linken auf die rechte Nadel.

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  • Man kann auch wie zum Rechtsstricken einstechen (knitwise), das führt aber dazu, daß die Masche anders herum orientiert auf der rechten Nadel landet und zu einer verschränkten Masche wird, wenn man sie in der Folgereihe normal abstrickt (normal heißt hier die in Westeuropa übliche Art, also nicht eastern oder combined). Diese Art die Masche abzuheben wird in Hebemaschenmustern aber nur sehr selten verwendet.

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(Zeichnungen von Vogue Knitting, die sehr gute Technik-Erklärungen auf ihrer Seite haben – alle stammen aus meinem Lieblings-Grundlagenbuch Vogue Knitting the Ultimate Knitting Book)

Hebemaschen ziehen das Gestrick in der Höhe zusammen, ein Muster mit vielen Hebemaschen braucht also für die gleiche Höhe deutlich mehr Reihen und somit auch mehr Garn als z.B. glatt rechts. Dadurch -und durch die Spannfäden- wird das Gestrick außerdem dicker und schwerer.
Gleichzeitig kann man sich diese Tatsache aber zunutze machen, um sehr plastische Muster zu erzielen. Bei meinem Novembermorgen habe ich z.B. ein Hebemaschenmuster gearbeitet:

In der Folgereihe kann eine Hebemasche links oder rechts abgestrickt werden oder sogar erneut abgehoben werden, je nachdem, was das Muster erfordert. Will man eine Hebemasche über mehrere Reihen “transportieren”, sollte man ihr zuvor mehr Faden zugestehen – hierzu mehr in Teil 2.

Den unbenutzten Faden kann man auf der Rückseite oder auch auf der Vorderseite der Arbeit mitführen – das ergibt jeweils unterschiedliche Mustereffekte.

Macht man mit dem unbenutzten Faden gleichzeitig mit dem Abheben einen Umschlag und strickt in der nächsten Reihe die Hebemasche mit dem Umschlag zusammen, erhält man -voilá- ein Patentmuster.

Zum Thema zweifarbige Hebemaschenmuster gibt es von Fiona Goberstein einen Video-Workshop (z.Zt. auf 8 USD heruntergesetzt), den ich persönlich aber zu “amerikanisch” finde (sprich, eine im Prinzip sehr simple Sache wird in epischer Breite erklärt).

Craftsy bietet ebenfalls einen Kurs namens My First Slip-Stitch Afghan an  – den habe ich nicht gesehen, abr eigentlich sind alle Craftsy-Kurse von hoher Qualität.

Eine sehr umfangreiche Mustersammlung von Hebemaschenmustern in Krausgestrick ist Barbara Walkers Mosaic Knitting, das leider nur noch für relativ viel Geld erhältlich ist. Das Original kam schon 1976 heraus, 1997 wurde es neu aufgelegt.

Eine ganze Menge an Musterbeispielen aus dem Buch findet sich beim Walker Treasury Project.

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Was man aus Mosaik-Hebemaschenmustern machen kann, zeigen zum Beispiel diese beiden Modelle von Barbara Gregory – die Anleitungen sind kostenlos in der Knitty erschienen (ein Klick auf’s Bild führt Euch zur Anleitung):

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Auch in Pop Knitting gibt es vier Kapitel, die sich Hebemaschenmustern widmen. Etliche davon habe ich bisher in keiner anderen Mustersammlung gesehen.

Ansonsten gibt es in vielen Mustersammlungen auch eine Abteilung mit Hebemaschenmustern – sowohl einfarbigen als auch mehrfarbigen.

In Teil 2 dieser Miniserie werden wir uns mit den einfarbigen Mustern beschäftigen und in Teil 3 folgen dann die mehrfarbigen. Ihr werdet staunen, was man mit Hebemaschen alles machen kann – da gibt es weit mehr als nur abgewandelte Jacquardmuster.

Garne ersetzen mit Yarnsub

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Garne zu ersetzen ist ein Thema, bei dem sich doch recht viele Strickende unsicher sind.
Die Garn-Datenbank von Ravelry bietet da schon eine große Hilfe, aber man muss natürlich auch die richtigen Filter setzen, um ein brauchbares Ergebnis zu bekommen.

Deborah hat mir nun einen Link zu Yarnsub geschickt:

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Yarnsub macht das Ersetzen von Garnen sehr einfach. Einfach den Namen des zu ersetzenden Garnes eingeben, auf “search” klicken, das Garn ggf. aus einer Vorschlagsliste auswählen, fertig.

Ich habe das mal stichprobenweise ausprobiert und fand die Ergebnisse sehr brauchbar, obwohl es sich noch um eine Beta-Version handelt. Selbst meine geliebte Adesso, die es ja schon ewig nicht mehr gibt, wurde gefunden und die vorgeschlagenen Ersatzgarne wären auch meine erste Wahl gewesen. Ich vermute, daß Yarnsub die Daten aus der Ravely-Datenbank bezieht.

Dier Ergebnisse listen die Punkte auf, in denen das Ersatzgarn mit dem Originalgarn übereinstimmt und geben auch Hinweise auf eventuelle Abweichungen. Kriterien sind dabei neben der Lauflänge, empfohlenen Maschenprobe und Zusammensetzung u.a. auch die Struktur, Elastizität, Haltbarkeit, Zwirnung usw.

Bei einigen Ersatzgarnen wird gleich ein Foto mitgeliefert, ich denke, daß mit der Zeit zu allen Garnen Fotos eingepflegt werden, so daß man auch die Optik der Garne vergleichen kann.
Überdies berücksichtigt das Programm unterschiedliche Knäuelgrößen und leichte Abweichungen in der Lauflänge und errechnet, wieviel Knäuel des Ersatzgarns man pro Knäuel Originalgarn braucht.

Einziges -kleines- Manko, vor allem für uns hier in Europa: Das Programm berücksichtigt (noch?) nicht, ob man die vorgeschlagenen Ersatzgarne im eigenen Land kaufen kann.

Meiner Meinung nach ist Yarnsub schon jetzt eine tolle Sache und wird in Zukunft bestimmt für viele eine große Hilfe sein :good:

Gleichmäßige Zöpfe

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Viele Strickerinnen haben bei Zöpfen das Problem, daß die letzte rechte Maschenreihe am linken Rand des Zopfes ein bisschen lockerer aussieht als der Rest des Zopfes.
Das liegt am Übergang zwischen der letzten rechten Masche des Zopfes und der nachfolgenden linken Masche. Der Querfaden ist an dieser Stelle ein kleines bisschen länger, weil der Weg des Fadens von einer rechten zu einer linken Masche ein Fitzelchen länger ist, und dadurch lockert sich die rechte Masche.

Die rechte Masche besonders fest anzuziehen bringt herzlich wenig, weil sie sich erst lockert, wenn die linke Masche danach abgestrickt ist. Die linke Masche nochmal nachzuziehen bringt da schon mehr, ist aber auch keine optimale Lösung. Insbesondere unelastische und/oder glatte Garne sind da nämlich sehr bockig und bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit -nämlich dem Abstricken der folgenden Masche- lockert sich das Ganze doch wieder.

Was wirklich hilft, ist ein kleiner Kniff, den Lucy Neatby in diesem Video zeigt:

Kurz gesagt strickt sie die erste linke Masche nach dem Zopf “eastern“, d.h. sie wickelt den Faden anders herum um die Nadel:

In der Rückreihe wird diese Masche wie rechts verschränkt abgestrickt, bloß daß sie durch die andere Orientierung auf der Nadel dadurch nicht verschränkt wird, sondern einfach wieder “richtig” herum, d.h. in der “western”-Orietierung auf die Nadel kommt (richtig in Anführungszeichen, weil beim eastern oder combined stricken die andere Orientierung genauso “richtig” ist).

Noch kürzer gesagt: Die erste linke Masche nach dem Zopf wird combined gestrickt.

Dieser Kniff funktioniert übrigens auch bestens für Rippenmuster, das hatte ich hier ja schon mal gezeigt.

Randmaschen für alle Zwecke

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Strickanfänger stehen häufig vor der Frage “Was ist eigentlich eine Randmasche und wie strickt man die?”

Randmaschen sind nichts Geheimnisvolles, sondern nur ganz normale Maschen, bloß daß sie sich am Rand des Strickstücks befinden, sprich die erste und die letzte Masche einer jeden Reihe ist eine Randmasche.

Wenn nichts anderes angegeben ist, sind die Randmaschen bei einer Anleitung in der angegebenen Maschenzahl enthalten, man muß also nicht noch zusätzlich 2 Maschen anschlagen.

Normalerweise werden Muster nicht bis zum Rand durchgestrickt, sondern beginnen bzw. enden vor der Randmasche. Man kann durchaus auch mit zwei oder drei Randmaschen arbeiten, um z.B. dem Rand mehr Stabilität zu verleihen oder ihn besonders zu betonen.

Bei manchen englischen Anleitungen ist mir allerdings aufgefallen, daß dort ohne Randmaschen (auf englisch “selvedge stitch” oder “edge stitch”) gearbeitet wird. d.h. die Randmaschen werden im Muster gearbeitet. Das finde ich weniger schlau, vor allem bei Lochmustern, wo unter Umständen ein Loch direkt neben der Randmasche liegt – das ist bei späteren Zusammennähen oder Maschen aufnehmen sehr unpraktisch. In solchen Fällen würde ich zwei Randmaschen zusätzlich anschlagen.

Randmaschen können auf verschiedene Art und Weise gestrickt werden. Welche man wählt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • soll der Rand später offen bleiben, z.B. bei einem Schal?
  • werden daraus noch Maschen z.B. für eine Blende aufgenommen oder wird dieser Rand später mit einem anderen Teil zusammengenäht?
  • zieht sich das Muster in der Höhe zusammen, wie z.B. kraus rechts oder Patent?

Für Kanten, aus denen später Maschen aufgenommen werden oder die zusammengenäht werden sollen, ist der Nahtrand die beste Lösung – schließlich heißt der ja nicht von ungefähr so ;-)
Beim Nahtrand werden die Randmaschen in der Hinreihe rechts, und in der Rückreihe links gestrickt, die Randmaschen werden also glatt rechts gearbeitet.
Ein fest ausgeführter Nahtrand eignet sich auch sehr gut für offenen Kanten, die später nur von der Vorderseite her sichtbar sind (z.B. senkrecht mitgestrickte Knopfblenden), da die Randmaschen zur Rückseite hin wegklappen und sich somit eine sehr sauber aussehende Kante ergibt:

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Zieht sich das Muster in der Höhe zusammen, sollte man den Knötchenrand stricken. Hierbei werden die Randmaschen in Hin- und Rückreihen immer rechts (oder immer links, das Ergebnis ist gleich, nennt sich dann aber “Schweizer Rand”) gestrickt. Die Randmasche werden also kraus gearbeitet und ziehen sich daher -passend zum Gestrick- ebenfalls in der Höhe zusammen. Der Knötchenrand ist auch ideal für Perlmuster.
Der Knötchenrand eignet sich auch sehr gut für offen bleibende Ränder, da der Rand damit sehr sauber wird.

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Doppelter Knötchenrand – hier werden zwei M am Rand kraus gestrickt:

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Grundsätzlich sollten sowohl der Nahtrand als auch der Knötchenrand möglich fest gearbeitet werden – die Maschen sollten lieber etwas kleiner als das übrige Gestrick sein, aber auf keinen Fall größer bzw. lockerer, sonst wird der Rand unordentlich und ungleichmäßig.

Für Patentgestrick findet sich bei EliZZZa eine spezielle Methode, bei der mit drei Randmaschen gearbeitet wird. Habe ich noch nicht ausprobiert, sieht aber gut aus.

Für offen bleibende Kanten ist auch die I-Cord-Randmasche eine hübsche und sehr ordentliche Lösung.

Bei eliZZZa habe ich außerdem noch den Verkreuzrand und den Strukturrand gefunden, beide finde ich aber sehr unattraktiv.

Für Tücher finde ich den Lochrand hübsch und er hat den Vorteil, daß er beim Spannen nachgibt. Hierfür in der Hinreihe die erste M re stricken, danach einen Umschlag machen. Vor der letzten M ebenfalls einen Umschlag machen und die letzte M re stricken. In der Rückreihe die Randmaschen mit dem Umschlag links zusammenstricken.

Immer noch wird häufig der Kettrand empfohlen, bei der die Masche entweder am Reihenanfang oder am Reihenende nur abgehoben wird – davon gibt es verschiedene Varianten. Von dieser Art Randmasche rate ich jedoch dringend ab. Erstens finde ich das Ergebnis nicht sonderlich hübsch, weil die Randmaschen damit sehr groß und locker werden und zweitens ist er zum zusammennähen im Matratzenstich und erst recht zum Maschen aufnehmen ungeeignet, weil man für zwei Reihen jeweils nur einen Querfaden hat.

Nähte werden damit weniger stabil und im schlimmsten Fall löcherig, weil die großen, losen Randmaschen samt der dazugehörigen lockeren Querfäden zu sehr nachgeben.
Maschenaufnahmen im üblichen Rhythmus von 3 M aus 4 R (oder 2 aus 3, was ich bevorzuge) sind nicht möglich, es sei denn, man holt aus einem Loch zwei Maschen – das wird aber m.E. nicht sonderlich ordentlich. Auch hierfür geben die Randmaschen und Querfäden zudem zu sehr nach, die Aufnahmereihe wird locker und im schlimmsten Fall löcherig.

Wenn Kettrand, dann nur bei offen bleibenden Kanten – meiner Meinung nach trotzdem keine sonderlich schöne Lösung. Aber das ist wirklich Geschmackssache, ich kenne auch Strickende, die darauf schwören. Also haut mich bitte nicht, falls der Kettrand Eure allerliebste Randmasche ist – Euer Gestrick muss nur Euch gefallen, nicht mir ;-)

Das gleiche gilt für die Patent-Randmasche, bei der die erste M mit einem Umschlag wie zum links stricken abgehoben wird und die letzte M mit dem Umschlag rechts zusammengestrickt wird. Hier stört mich außerdem, daß der rechte und der linke Rand unterschiedlich aussehen.

Zum Schluß noch ein paar Tipps für ordentliche und feste Randmaschen:

  • Die Randmaschen immer nur ganz vorne an der Nadelspitze abstricken und nur so weit wie gerade eben nötig einstechen
  • Nach dem Abstricken der ersten M am Reihenanfang den Faden nochmal nachziehen und evtl. mit der rechten Nadel nochmal ein bisschen “nachruckeln” – dadurch wird sowohl die aktuell gestrickte Randmasche als auch die der Vorreihe kleiner.
  • Wenn die ersten beiden Tipps nicht (genug) helfen: Die Randmaschen selbst oder besser noch die zweite bzw. vorletzte M jeder Reihe verschränkt stricken.
  • Zu- und Abnahmen nicht direkt am Rand, sondern eine oder zwei M davon entfernt machen. Zunahmen aus dem Querfaden können die Randmasche verziehen, daher diese Zunahmen möglichst 2 M von Rand entfernt stricken.

Welche Randmasche bevorzugt Ihr für welchen Zweck und warum?

Henley-Ausschnitt – so geht’s

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Anke fragte kürzlich:

Schon immer suche ich eine Anleitung für einen Auschnitt wie beim Strickmarathonpullover. Ich finde es so toll, daß der gleich mitgestrickt wird. Würdest du so freundlich sein und den Tip im Blog weitergeben?

Mache ich gerne, liebe Anke. Als ich eben die Pullover für Fotos rausgesucht habe, ist mir aufgefallen, daß ich diese Ausschnittform schon richtig oft gestrickt habe, das war mir gar nicht bewusst.

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Bevor Du jetzt einwendest, daß Du sowas doch gar nicht gemeint hast – guck mal was passiert, wenn man den Ausschnitt nicht schließt:

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Das Prinzip ist nämlich das gleiche, der Unterschied kommt nur durch die Länge der Blende, die fehlenden Knöpfe und den Kragen zustande:

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Un so geht’s:

Zunächst strickst Du das Vorderteil (von unten) bis zu der Stelle, wo der Ausschnitt anfangen soll.
Jetzt musst Du Dir überlegen, wie breit die Blende werden soll, d.h. wieviele Maschen Du pro Blendenseite haben möchtest.

Nun nimmst Du die Anzahl der Maschen, die Du auf der Nadel hast, ziehst davon die Anzahl der Blendenmaschen für eine Seite ab. Das Ergebnis teilst Du durch 2. Das ist die Maschenzahl pro Seite ohne Blendenmaschen.

Beispiel: Du hast 99 M und Deine Blende soll pro Seite 5 M breit sein.
99 – 5 = 94. 94 : 2 = 47 M pro Seite + jeweils 5 Blendenmaschen.

Das funktioniert genau, wenn Du
a) eine ungerade Grundmaschenzahl und eine ungerade Maschenzahl für die Blende hast
oder
b) eine gerade Grundmaschenzahl und eine gerade Maschenzahl für die Blende hast

Willst Du gerade und ungerade kombinieren, musst Du in der letzten Reihe vor dem Ausschnitt in der Mitte eine Masche abnehmen (theoretisch kannst Du auch zunehmen, aber eine Abnahme ist in der Regel weniger sichtbar).

In der nun folgenden Hinreihe strickst Du die Anzahl der Maschen, die Du gerade für eine Seite ermittelt hast und legst die restlichen Maschen still. In unserem Beispiel wären das 47 M zu stricken und 52 werden stillgelegt. Nun wirst Du sagen: “Äh, Moment mal, dann ist der Ausschnitt doch gar nicht in der Mitte”. Doch ist er, wart’s ab… ;-)

Jetzt wird zuerst die im Tragen linke Seite gearbeitet.
Wenden und die gewünschten Maschenzahl für eine Blendenseite neu aufstricken (in unserem Beispiel hast Du dann 52 M insgesamt). Dieser neu angeschlagene Teil wird später am unteren Ende hinter die andere Seite der Blende genäht.

Nun arbeitest Du die neu aufgestrickten Maschen immer im Blendenmuster und die übrigen Maschen im Grundmuster.

So weit gerade hochstricken, wie Du möchtest, das hängt von der gewünschten Tiefe des Halsaus-schnitts ab. Sobald diese errreicht ist, kettest Du die Blendenmaschen in einer Rückreihe ab und arbeitest den Rest des Halsausschnitts, wie Du möchtest.

Wenn Du mit der linken Seite des Vorderteils fertig bist, nimmst Du die stillgelegten Maschen wieder auf und arbeitest die im Tragen rechte Seite.

Du beginnst mit einer Hinreihe, strickst die ersten x Maschen im Blendenmuster (nicht neu anschlagen) und die restlichen Maschen im Grundmuster. Das wären in unserem Beispiel von den 52 stillgelegten M 5 als Blende und 47 im Grundmuster – guck, nun hast Du auf jeder Seite 47 M im Grundmuster und die Blende ist genau in der Mitte :-D)
Dadurch, daß Du hier für die Blende die bereits vorhandenen Maschen benutzt, hast Du später am unteren Ende der Blende keine sichtbare Naht.

Achtung! Falls Du die Blende zuknöpfen möchtest (was für den Henley-Ausschnitt typisch ist), musst Du auf dieser rechten Seite die Knopflöcher einarbeiten.

Theoretisch kannst Du auch genau umgekehrt vorgehen und die rechte Seite zuerst stricken.
Falls Du aber Knöpfe dranhaben möchtest, würde ich immer die Seite zuerst stricken, an der die Knöpfe angenäht werden sollen, üblicherweise also bei Frauen die linke Seite. Dann weißt Du nämlich später bei der Knopflochblende genau, wieviele Reihen die Blende hat und kannst die Knopflöcher exakt verteilen.

Wichtig: Die Knopfseite ist immer die Seite, die hinter die andere Blende kommt – wenn Du es nämlich umgekehrt machst, guckst Du ziemlich blöd aus der Wäsche, wenn Du den Pullover zum ersten Mal zuknöpfen willst (frag’ mich mal, woher ich da weiß… :wacko: ).

Variation: Mitgestrickter Umschlagkragen

Diese Variante habe ich von Kim Hargreaves gelernt, als ich die Salina gestrickt habe.

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Gearbeitet wird wie zuvor beschrieben, aber anstatt irgendwann die Maschen abzuketten und einen Halsausschnitt zu arbeiten, wird weiter gerade hoch gestrickt und das Blendenmuster in jeder zweiten Reihe um eine M erweitert – so lange, bis das Muster so breit ist wie der gewünschte Halsausschnitt.

Hat das Vorderteil die gewünschte Länge erreicht, werden die Kragenmaschen stillgelegt und die Schultermaschen verbunden.
Die Maschen der rechten Kragenhälfte wieder aufnehmen und abstricken, dann aus dem rückwärtigen Halsausschnitt Maschen aufnehmen und zum Schluß die Maschen der linken Kragenhälfte aufnehmen und abstricken. Nun über alle M im Kragenmuster arbeiten, bis der Kragen die gewünschte Länge erreicht hat.

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Der Nachteil bei Salina: Das Kragenstückchen im Nacken ist zu kurz, das klappt immer wieder nach oben.

Beim Striper Sweater habe ich daher eine verbeserte Version gestrickt. Hier sind im Nacken viel mehr Reihen und damit der Kragen vorne nicht zu überdimensional wird, habe ich die letzten Zentimeter mit verkürzten Reihen gearbeitet:

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So sitzt der Kragen optimal:

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Blende abketten

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In den meisten Anleitungen wird empfohlen im Muster abzuketten, weil die Abkettkante dann elastischer wird. Das mache ich allerdings nur sehr selten, weil mir das nicht sonderlich gefällt – irgendwie fehlt da was, es sieht ein bisschen aus wie einfach abgeschnitten:

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Je nach Garn und Muster kann die Kante sogar wellig wirken, denn eine rechts abgekettete M kippt nach vorne, eine links abgekettete dagegen nach hinten.

Ich kette Blenden daher fast immer entweder komplett rechts oder komplett links ab, je nach Blendenmuster. Auch Halsausschnittmaschen kette ich immer rechts ab, denn dadurch entsteht unter der Abkettreihe eine Rechtsmaschenreihe, die sich wunderbar zum Aufnehmen von Maschen für den Kragen eignet.

Ich finde, die dadurch entstehende Maschenreihe gibt der Blende einen besonders klaren und sauberen Abschluß. So sieht es aus, wenn man alle M rechts abkettet:

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Auf der anderen Seite bzw. wenn man alle M links abkettet, sieht es dann so aus. Das passt jetzt zu einem Rippenmuster nicht so gut, sieht aber z.B. bei Perlmusterblenden hübsch aus:

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Mangelnde Elastizität braucht man dabei übrigens nicht zu fürchten, denn die meisten Blenden brauchen sich ja gar nicht zu dehnen. Eine Ausnahme sind nur eng anliegende Halsausschnitte oder Rollkragen, da kette ich die Maschen dann aber sowieso nicht ab, sondern benutze die Abnähmethode von Elizabeth Zimmermann.

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Eine der gebräuchlichsten Methoden um eine Masche zuzunehmen ist die Verdoppelung, bei der die gleiche Masche zunächst rechts, dann rechts verschränkt abgestrickt wird, auf englisch “kfb” (knit front and back).

Der Nachteil bei dieser Methode: Es ergibt sich ein unschöner kleiner Querfaden, ähnlich wie bei einer linken Masche, der vor allem bei einem glatt rechts-Maschenbild sehr störend wirkt.

Im Blog von La Maison Rililie habe ich nun eine Alternativmethode gefunden, bei der dieser Querfaden nicht entsteht:

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Das Ergebnis ist mehr oder weniger das gleiche wie bei einer “russischen” Zunahme (lifted increase), welche immer noch meine bevorzugte Zunahmemethode ist. Allerdings kann diese bei manchen Mustern schlecht machbar sein, wenn z.B. die Zunahmen dicht übereinander erfolgen (Stichwort: contiguous). Da ist dann die verbesserte Verdoppelung eine gute Alternative.