Techniken & Tips/techniques & tips

Der estnische Wickelnupp

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Also ehrlich – Ihr seid ja alle genauso verrückt wie ich :-D
Es sind bisher schon über 40 Bestellungen für das estnische Musterbuch zusammengekommen, so viele Exemplare haben die bestimmt gar nicht auf Lager. Aber die können ja beim Verlag nachbestellen, denke ich.

Nun aber erstmal zur versprochenen Erklärung für den flachen Nupp.
Als “Nupp” werden in der estnischen Strickerei alle knubbeligen Maschengebilde bezeichnet, egal ob kleines Knötchen oder dicker Bobbel.

Der Wickelnupp ist im Prinzip nichts anderes als eine Methode um Maschen zu umwickeln. Umwickelte Maschen hatten wir ja schon mal bei dem Smokmuster des japanischen Pullovers kennengelernt.

Die Esten lösen das aber viel eleganter und einfacher.

Ich zeige Euch einen Wickelnupp über zwei Maschen, aber natürlich gehen auch drei, vier oder noch mehr Maschen.
Zuerst bis zu den Maschen stricken, die umwickelt werden sollen. Dann mit der rechten Nadel zwischen der zweiten und dritten Masche auf der linken Nadel einstechen:

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Den Arbeitsfaden von hinten nach vorne um die rechte Nadel legen – also genau umgekehrt wie bei einer normalen rechten Masche:

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Den Faden durchziehen:

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Und schön lang ziehen:

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Mit der linken Nadel in die Fadenschlinge gehen:

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Und eine rechte Masche (diesmal ganz normal) durch die Fadenschlinge holen:

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Jetzt die zuerst gestrickte Schlinge von der linken Nadel schubsen – die soeben gestrickte rechte Masche bleibt auf der rechten Nadel:

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Jetzt werden die beiden umwickelten Maschen wie zum links stricken abgehoben::

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Im letzten Schritt wird die erste Masche auf der rechten Nadel über die beiden abgehobenen Maschen gezogen:

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Fertig:

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Ein bisschen muss man das Ganze üben, vor allem muss man den Schlingenfaden schön lang machen und bei den darauf folgenden Maschenoperationen -insbesondere beim Überziehen- darauf achten, daß man ihn nicht wieder zu fest zieht, sonst kommt so ein kleiner Knubbel nach vorne, der eigentlich hinten bleiben soll – siehe grüner Kreis:

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Am besten eignet sich dafür denke ich ein elastisches und nicht zu rutschiges Garn. Mit allen Arten von Schurwolle wird es vermutlich deutlich besser klappen und schöner aussehen als z.B. mit Baumwolle oder Seide.

Tip: Wenn man viele Wicklungen in relativ dichten Abständen übereinander setzt, zieht sich das Gestrick durch die abgehobenen Maschen in der Höhe zusammen und wird auch etwas weniger elastisch (das habe ich damals bei dem Japaner erfahren müssen). Um das zu vermeiden, strickt man die Maschen vor dem Wickeln ab (hinterher sieht doof aus, habe ich ausprobiert) und hebt sie zurück auf die linke Nadel. Dann wird normal gewickelt, wie oben gezeigt.
Ich habe das eben mal mit mehreren Maschenzahlen ausprobiert und durch das vorherige Abstricken ist das Einstechen zwischen den Maschen einfacher und die Nupps werden sogar noch hübscher und gleichmäßiger. Der zusätzliche Arbeitsschritt lohnt sich also in jedem Fall!

Auch Rippenmuster lassen sich prima umwickeln – damit kann man z.B. mal ein etwas anderes Bündchen stricken:

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Diese und noch viel mehr schicke estnische Maschenoperationen findet Ihr in Merike Saarniits Video-Workshop Creative Estonian Knitting.

Estnisch stricken

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Kürzlich habe ich mir ja im Sonderverkauf bei Interweave einige Videos zugelegt, unter anderem auch Creative Estonian Knitting:

Ein paar “behind the scenes”-Fotos könnt Ihr bei Pinterest anschauen.

Das Video habe ich mir nun kürzlich angesehen und es hat mir sehr gut gefallen. Im Moment ist es übrigens gerade wieder heruntergesetzt – für umgerechnet knapp 9 € lohnt sich das meiner Meinung nach auf jeden Fall (@ Silvia: Warum hast Du nur zwei Sterne vergeben?).

Erstens mag ich Merike Saarniit sehr gerne, vor allem ihre Stimme finde ich klasse, da könnte ich stundenlang zuhören. Inzwischen hatte ich mit ihr auch via Ravelry Mailkontakt und das ist eine ganz liebe und sehr sympathische Frau.
Zweitens habe ich einige interessante Maschenoperationen gelernt und Muster gesehen, die ich in dieser Art noch nicht kannte – das eröffnet wieder ganz neue Möglichkeiten.

Ganz toll fand ich auch die im Hintergrund gezeigte Jacke, leider gibt es dafür jedoch keine Anleitung:

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Irgendwann muss ich die mal nach den Bildern stricken – allerdings mit etwas weniger sackigem Schnitt.

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Am meisten hatte es mir aber dieses estnische Musterbuch angetan, das Merike zu Beginn des Videos zeigt:

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Man sieht nicht allzuviel von dem Buch, aber das, was man sieht, weckt Begehrlichkeiten:

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Merike sagt zwar im Video, daß das Buch keine Strickschriften beinhaltet und alle Muster nur in Worten beschrieben werden, aber Strickbücher in Sprachen, die ich nicht verstehe, haben mich ja noch nie abgeschreckt ;-) Also habe ich neulich einen Abend auf der Internet-Jagd nach diesem Buch verbracht.

Nun ist es ja nicht so, als wenn es keine estnischen Musterbücher auf englisch gäbe. Aber das sind alles Lace-/Lochmuster, die mich nur am Rande interessieren.

Da gibt es zum Beispiel Knitted Lace of Estonia:

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For einigen Jahren machte das Buch Haapsalu Shawl Furore in der internationalen Strickwelt:

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Leider ist das Buch in Deutschland derzeit nicht erhältlich, aber bei Loop in London gibt es noch einige wenige Exemplare.

Es gibt auch einen Nachfolger: Haapsalu Scarves

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Ansonsten wäre da noch Folk Knitting in Estonia, das ich auch besitze. Da sind ebenfalls ein paar interessante Dinge drin (Stichworte: braids und vikkel stitches), aber es beschäftigt sich in erster Linie mit mehrfarbigen Mustern, insbesondere für Socken und Handschuhe.

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Mich interessieren aber vor allem Texturmuster und davon schienen in dem Silmuskudumine einige sehr spannende drin zu sein. Nach einiger Googelei habe ich dann herausgefunden, daß die Erstausgabe im Jahr 1957 erschienen ist und danach diverse Male neu aufgelegt wurde, es gibt sogar eine Version auf russisch.

Und die neueren Auflagen enthalten Strickschriften – hurra! Mit Hilfe der ISBN habe ich dann auch schnell einen Versender in Estland gefunden, der das Buch zu einem sehr günstigen Preis verkauft. Die Versandkosten waren zwar teuer als das Buch, aber das war es mir wert. Insgesamt habe ich 33,13 € bezahlt und nach einer Woche war es schon da:

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Es ist gebunden, hat 270 Seiten, schönes dickes Papier und beinhaltet insgesamt 227 Muster – alle mit Strickschriften im Anhang. Die meisten Muster sind einfarbig und zu meiner großen Freude sind kaum Lacemuster enthalten. Natürlich gibt es Überschneidungen mit anderen Musterbüchern, aber ich habe doch eine ganze Anzahl von Mustern gefunden, die mir so noch in keiner Mustersammlung über den Weg gelaufen sind. Hier ein paar Beispiele:

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Die Strickschriften sind ein bisschen kniffelig, denn sie enthalten neben einigen bekannten auch einen ganzen Haufen Symbole, die ich noch nie gesehen habe:

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Für einige davon findet man hier eine Erklärung auf englisch, aber längst nicht für alle. Ist aber gar nicht schlimm, denn sie sind größtenteils durch eine Zeichnung erklärt – die Muster sind also mit ein wenig Ehrgeiz durchaus nachstrickbar. Und wenn es hart auf hart kommt, kann ich im Notfall immer noch Merike fragen.

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Einen Blick ins Buch findet Ihr auch hier.

Und wie man diese schicken flachen Wickel-”Nupps” macht, erkläre ich Euch dann morgen:

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Budenzauber Blocking?

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Im US-amerikanischen Bereich wird ja ein Riesen-Budenzauber um das Thema “Blocking” gemacht.
Wie blocke ich dieses und jenes Strickstück, kann man dieses oder jenes Garn blocken, blocke ich besser nass oder nur mit Dampf usw. usw.

Heute habe ich bei Ravelry gelesen, daß jemand ein ganzes Buch mit möglichst detaillierten Infos über Blocking sucht und bei Craftsy gibt es sogar einen Kurs zum Thema.

Nun hatte ich “blocking” für mich bisher immer mit “spannen” übersetzt. Neulich jedoch fragte dann eine Strickerin bei Ravelry im “Techniques”-Forum, wie sie denn einen Alpaka-Schal “blocken” soll. Meine Antwort: “Wenn es nicht gerade ein Lace-Muster ist, brauchst Du den gar nicht zu blocken, wasche ihn einfach, zupfe ihn in Form und lasse ihn liegend trocknen”. Woraufhin ich umgehend darüber aufgeklärt wurde, daß die von mir beschriebene Vorgehensweise auch blocking sei. Aha…?!

Ich finde es völlig faszinierend, daß man um dieses Thema so einen Riesen-Budenzauber betreibt und eine regelrechte Wissenschaft daraus macht. Da wird gespannt, festgesteckt, gedämpft, eingesprüht, mit nassen Handtüchern bedeckt oder komplett gewässert, man kann besondere Blocking-Matten, Blocking-Boards und Blocking-Pins kaufen und, und, und… Ich warte auf den Tag, an dem spezielle Blocking-Mikrofasertücher, große, flache Wet-Blocking-Wannen und Steam-Blocking-Bügeleisen mit Maschenschutz angeboten werden :mrgreen:

Mit ist klar daß man Lace spannen muss, erst dadurch enfaltet sich das Muster und seine Schönheit kommt zur Geltung. Aber da macht man doch auch nur das Strickstück nass, steckt es fest und lässt es trocknen, das ist wahrlich keine hohe Kunst, über die man Bücher schreiben könnte.

Und alle anderen Sachen? Ich mache mir darum überhaupt keinen Kopf, warum auch? Ich nähe die Teile zusammen, dann wird das Ganze in der Maschine gewaschen, hingelegt (auf dem Bett, die Rückenlehne meines Sessels oder im Zweifelsfall einfach auf dem Teppich), ein bisschen zurechtgezupft und getrocknet, fertig. Das ist für mich nichts, was einen besonderen Namen verdient.

Wie haltet Ihr das? Betreibt Ihr da irgendwelchen besonderen Aufwand? Und wenn ja, was macht Ihr und warum?

Craftsy-Tip (nicht nur) für Lockerstricker: Improve Your Knitting

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Ich liebe ja inzwischen die Craftsy-Kurse und lasse die auch gerne nebenher zur Berieselung laufen.
Im Moment sind mal wieder alle Kurse preisreduziert und kosten nur 15 Euro.

Improve Your Knitting gibt es derzeit sogar für nur 7,50 € (danke an Domic für den Tip), den habe ich mir natürlich gleich geholt. Für den Preis kann man ja nichts falsch machen und oft gibt es solche Sonderpreise nur für sehr kurze Zeit. Und man bekommt tatsächlich sein Geld zurück, wenn man nicht vollkommen zufrieden ist – habe ich auch schon ausprobiert, klappt einwandfrei und unkompliziert.

Ich habe gerade erst angefangen den Kurs zu gucken, aber kann ihn schon mal wärmstens all jenen empfehlen, die Probleme damit haben, daß sie sehr locker und/oder ungleichmäßig stricken und gerne etwas dagegen tun möchten.

Gestern habe ich z.B. bei jemandem gelesen, daß er mit 3er Nadeln nicht mehr als 20 M/10 cm schafft – das ist nun wirklich extrem locker. Völlig okay, wenn es demjenigen so gefällt, aber das macht das Nachstricken von vielen Sachen nahezu unmöglich, wenn man nicht komplett umrechnen oder mit 1,5er Nadeln stricken möchte. Und es ist doch sehr schade, wenn man in der Modellauswahl so eingeschränkt ist, nur weil man partout nicht fester stricken kann.

Patty Lyons zeigt gleich in der ersten Lektion ganz genau die Ursachen, die zu sehr großen und/oder ungleichmäßigen Maschen führen (z.B. zu tiefes Einstechen in die Masche) und erklärt auch, was man dagegen tun kann.

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Ich guck’ dann mal weiter, da kommen noch mehr interessante Sachen, wie z.B. combined knitting oder auch der portugiesische Strickstil, den ich ganz spannend finde.

Übrigens ist so etwas wie Craftsy auch auf deutsch gerade im Aufbau. Nennt sich Makerist und macht einen ganz guten Eindruck, auch wenn die Kursauswahl zum Thema Stricken noch sehr dürftig ist. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Patent, Patent

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Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit überkommt mich seltsamerweise der unwiderstehliche Drang einen Zauberballschal zu stricken. Vermutlich, weil diese Zeit immer extrem stressig ist und man bei so einem Schal nun wirklich überhaupt nicht denken muss, was sehr erholsam sein kann.

Dieses Jahr wird es aber nicht der übliche Streifenschal, sondern einer im zweifarbigen Patent aus zwei Zauberbällen Stärke 6 in der Farbe Schokoladenseite:

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Sieht ein bisschen schief und krüppelig aus, aber das zupfe ich nach dem Waschen schon noch zurecht.

Die andere Seite sieht so aus:

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Für meinen Geschmack schon beinahe ein bisschen zu bunt, aber für graue Wintertage eigentlich genau das Richtige.

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In den 80ern habe ich relativ häufig Patent gestrickt: Vollpatent, Halbpatent und auch zweifarbiges Patent. Heutzutage sieht man Patentmuster nur noch selten, offenbar sind sie aus der Mode gekommen. Dabei ist gerade Vollpatent für Schals eine feine Sache, weil es auf beiden Seiten gleich aussieht und ein dickes, kuscheliges Gestrick ergibt. Außerdem ist es sehr einfach und flüssig zu stricken.

Nancy Marchant hat zum Thema ein ganzes Buch geschrieben und seit einiger Zeit gibt es dazu auch einen Craftsy-Kurs, den mit die liebe, verrückte Anja neulich einfach so geschenkt hat (Tip am Rande: derzeit kosten alle Craftsy-Kurse nur 15 €). Seit ich den geguckt habe, schwirren mir Patentmuster, besonders zweifarbige, im Kopf herum, denn damit kann man ja wirklich tolle Sachen machen.

Sowas wie den Alex Scarf von Nancy Marchant zum Beispiel (die Anleitung dazu ist im Craftsy-Kursmaterial enthalten) – der ist dann allerdings überhaupt nicht mehr mindless:

Oder auch sowas – das ist der Rodekool Scarf aus der Knitty Deep Fall 2010:

Besonders genial finde ich diese schwarz-weiße Version:

Aber natürlich lassen sich auch Oberteile im Patentmuster stricken. Allerdings sollte man dafür möglichst dünne Garne nehmen, weil das Gestrick doppelt so dick wie glatt rechts wird und dabei wahnsinnig viel Garn frisst. Und man sollte eine deutlich kleinere Nadelstärke als üblicherweise für das Garn wählen, da Patentmuster sehr locker werden. Da sie außerdem extrem in die Breite gehen, ist eine ausreichend große, gewaschene Maschenprobe für Kleidungsstücke sehr wichtig.

Das Haarlem Jacket (ebenfalls von Nancy Marchant) finde ich ganz großartig:

Patentmuster lassen sich mit tiefergestochenen Maschen oder mit Umschlägen stricken – ich bevorzuge die “Masche mit Umschlag abheben”-Variante, die geht mir viel schneller von der Hand.

Auf der Website von Nancy Marchant findet Ihr eine ausführliche Anleitung zu Patentmustern sowie einige kostenlose Anleitungen.

Der Craftsy-Kurs ist auch sehr gut, allerdings zeigt sie fast ausschließlich die “englische” Strickweise mit der Fadenführung in der rechten Hand, was gerade beim “Masche mit Umschlag abheben” verwirrend anders ausssieht als wir “continental”-Stricker das machen.

Wer es lieber auf deutsch erklärt haben möchte, guckt bei Liane oder die Videos von Elizzza.

Habt Ihr schon mal Patent gestrickt? Mögt Ihr Patenmuster?

Am Anfang war das Garn…

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Stricken liegt wieder ganz klar im Trend. Demzufolge möchten immer mehr junge oder auch nicht mehr ganz so junge Menschen stricken lernen. Nun ist das heute in Zeiten des Internets nicht mehr schwer, Videos zum Stricken lernen gibt es wie Sand am Meer.

Aber  viele Anfänger stellen sich die Frage: Womit fange ich eigentlich an und was brauche ich wirklich als Grundausstattung?

Das klassische Erstprojekt ist der Schal. Aber es spricht auch nichts dagegen, gleich mit einem einfachen Pullover anzufangen, habe ich damals auch gemacht, hat auch geklappt. Früher hat man das Stricken mit Socken als erstem Projekt gelernt – die finde ich aber für einen Anfänger total ungeeignet, das ist viel zuviel Fummelkram.

Am besten ist, wenn Du das Ding, das Du als erstes stricken möchtest, wirklich un-be-dingt haben willst. Dann bleibst Du nämlich auch am Ball, wenn es mal ein bisschen schwieriger werden sollte oder länger dauert, als Du gedacht hast.

Such’ Dir ein einfarbiges Modell, das glatt rechts oder mit einem einfachen, regelmäßigen Muster aus rechten und linken Maschen gearbeitet wird, z.B. ein Rippenmuster. Von Zopf- oder Lochmustern würde ich für das erste Projekt noch die Finger lassen, da müsstest Du Dich auf zu viele Sachen gleichzeitig konzentrieren.

Dein erstes Modell sollte aus einem Garn mit einer glatten Struktur gearbeitet sein, damit Du die Maschen gut erkennen kannst. Nichts Fusseliges, Fransiges, Superflauschiges, auch wenn Du es noch so schön finden solltest.

Das Garn sollte gut verzwirnt sein, damit Du nicht versehentlich nur eines Teil des Fadens beim Abstricken erwischt und unschöne Schlaufen entstehen. Ein gut verzwirntes Garn erkennst Du, wenn Du den Faden zwischen Daumen und Zeigefinger so rollst, daß sich die Verzwirnung aufdreht – wenn Du wieder loslässt, sollte es sich in den Ursprungszustand zurückrollen. Je fester die Einzelfädchen umeinander gedreht (verzwirnt) sind, um so besser.

Zara_1926Und das Garn sollte relativ elastisch sein, damit Du leicht in die Maschen einstechen kannst. Eine gute Wahl ist z.B. ein Merinogarn mit einer Lauflänge zwischen 80 und 130 m. Reine Baumwolle oder Seide dagegen sind z.B. sehr unelastisch, davon lass’ für den Anfang bitte die Finger. Ein elastisches Garn erkennst Du daran, daß sich der Faden etwas dehnt und dünner wird, wenn Du daran ziehst.

Viele Anfänger glauben, daß sie zum Üben erstmal ein ganz billiges Garn aus Polyacryl nehmen sollten. Mach’ das nicht! Stricken ist in hohem Maße ein haptisches Vergnügen, diese Freude nimmst Du Dir mit billigem Garn (außerdem quietscht Polyacryl beim stricken). Es macht viel mehr Spaß, mit einem guten Garn aus schönem Material zu lernen. Wenn Du nicht so viel Geld hast, dann schau’ nach Sonderangeboten, davon gibt es im www genug (eine gute Quelle für preiswerte Restposten ist z.B. die Wollmaus). Du kannst auch ein Mischgarn mit einem Teil Polyacryl nehmen, die kosten auch nicht so viel, aber dann sollte der Poly-Anteil maximal 50% betragen und nach Möglichkeit eine Microfaser sein, die fühlt sich nämlich deutlich schöner an und trägt sich auch angenehmer.

Als Nadelstärke für Dein Erstprojekt ist alles zwischen 4 und 5,5 mm ideal. Mit kleineren Nadeln dauert es noch zu lange, mit dickeren Nadeln wirst Du zwar schneller fertig, die Nadeln sind aber zu dick, um die Feinmotorik beim Stricken gut üben zu können.

Idealerweise nimmst Du für die ersten Sachen, die Du nach einer Anleitung strickst, das darin angegebene Originalgarn. Damit ist es nämlich am einfachsten, auf die geforderte Maschenprobe zu kommen und die Wahrscheinlichkeit, daß Dein Projekt so aussieht wie das Original, ist am größten. Vor allem für Oberteile (oder auch Mützen), wo es auf die Passform ankommt, ist eine exakt übereinstimmende Maschenprobe extrem wichtig. Bei einem Schal dagegen ist es nicht ganz so tragisch, wenn der ein bisschen breiter oder schmaler wird, da kannst Du also auch ruhig ein anderes Garn benutzen.

Als Stricknadeln solltest Du Rundstricknadeln nehmen, die sind am vielseitigsten verwendbar. Man kann damit auch flach stricken :wink: Am besten nimmst Du eine in 60 cm Länge, die ist für die meisten Strickprojekte -egal ob schmal oder breit- völlig ausreichend. Zum Rundstricken größerer Teile, für die Magic Loop-Technik oder für lange Blenden brauchst Du später eventuell auch längere Nadeln, aber für den Anfang sind die 60er genau richtig. Komm’ bitte nicht auf die Idee, daß Du ja nur einen 20 cm breiten Schal stricken möchtest und daher 40 cm Rundstricknadeln auch reichen würden – die haben nämlich kürzere Nadelspitzen und liegen sehr schlecht in der Hand.

Ob Du lieber mit Holz-, Metall-, Plastik- oder Karbonnadeln strickst, musst Du selbst herausfinden. Für den Anfang würde ich Metallnadeln nehmen, denn Strickanfänger stricken oft sehr fest und die Maschen rutschen auf Metall einfach besser, weil Metall glatter ist.

Auch die Entscheidung, ob Du feste Nadeln nimmst oder eins der Systeme mit austauschbaren Nadelspitzen, bleibt Dir überlassen. Beide haben Vor- und Nachteile. Ich würde für den Anfang erstmal eine feste Nadel nehmen, weil die etwas preisgünstiger sind. Außerdem neigen manche Schraubnadeln dazu, beim Stricken aufzugehen, wenn man sie nicht bombenfest angezogen hat und gerade für einen Anfänger ist es eine mittelschwere Katastrophe, wenn plötzlich die Maschen runterfallen 8-O

Die Marke ist für den Anfang ziemlich egal (da entwickelt später jeder seine eigenen Vorlieben, ich persönlich schwöre seit einiger Zeit auf ChiaoGoo) – achte aber auf das Seil! Ganz billige Nadeln haben oft noch durchsichtige Plastikseile (die hatte man früher immer). Die neigen dazu, sich zu kringeln (vor allem, wenn sie lange in der Tüte waren), was beim Stricken sehr stört. Einfache Faustregel: Seil farbig = gut, Seil hell und fast durchsichtig = schlecht.

Willst Du trotzdem erstmal alte Rundstricknadeln nehmen, die Du vielleicht geschenkt bekommen hast und bei denen sich das Seil kringelt, gibt es einen Trick: Leg’ das Seil für ein bis zwei Minuten in sehr heißes, fast kochendes Wasser und zieh’ es dann stramm, bis es sich abgekühlt hat, dann gehen die Kringel in den meisten Fällen wieder raus.

Jetzt hast Du also Garn, Stricknadeln und eine Anleitung. Was brauchst Du noch?

  • Eine Sticknadel mit stumpfer Spitze, um später die Fäden zu vernähen und Strickteile zusammenzunähen
  • Eine Schere – da brauchst Du keine spezielle, eine Nagelschere tut es genauso gut wie eine Haushaltsschere. Wenn Du Dir eine Schere kaufen möchtest, nimm’ eine möglichst kleine, das ist praktischer, wenn Du Dein Strickzubehör für unterwegs mitnehmen möchtest.
  • Ein Maßband – wenn Du Dir eins kaufst, dann am besten gleich eins, wo auf der einen Seite cm und auf der anderen inch (Zoll) sind, denn es wird irgendwann der Tag kommen, an dem Du nach einer amerikanischen Anleitung stricken willst und die haben ganz oft nur inch-Angaben. Du kannst zwar auch problemlos inch in cm umrechnen, aber die Mühe kannst Du Dir dann sparen. Und mit so einem Maßband kann man auch schnell mal gucken, wieviel cm denn eigentlich 17,25″ sind.
  • Ein Zählrahmen für die Maschenprobe – damit kannst Du die Maschen und Reihen viel leichter und genauer zählen als mit einem Maßband

  • Eine Häkelnadel, um fallengelassene Maschen wieder hochzuholen oder Maschen aufzunehmen (z.B. für einen Kragen). Ideal ist eine in Stärke 2 für dünne Garne und eine in Stärke 4 für dicke Garne. Welche Du da nimmst, ist ziemlich egal, es darf ruhig die billigste sein, die Du findest. Ich benutze seit etliche Jahren so eine.
  • Sobald Du mehrere Stricknadeln in verschiedenen Stärken hast, ein Nadelmaß, damit Du weiß, welche Nadelstärke Deine Nadeln haben. Ja, ich weiß, Du tust sie natürlich immer gleich wieder in die entsprechende Tüte – aber irgendwann kommt der Tag, wo Du das nicht machst und plötzlich nicht mehr weiß, ob das jetzt die 4er oder die 4,5er ist… :cool:
  • Papier und Stift – für Notizen und Strichlisten zum Reihen zählen. Wenn Du Strichlisten doof findest, gibt es verschiedenste Arten von Reihenzählern und sogar Reihenzähler-Apps.
  • Ein paar Sicherheitsnadeln in verschiedenen Größen – um Stellen im Gestrick zu markieren oder wenn Du mal ein paar Maschen stillegen musst. Zum markieren kannst Du übrigens auch Büroklammern nehmen, Dir einfach eine Schlaufe aus einem Stück Faden knoten, Dir Maschenmarkierer selber basteln undundund… guck mal hier in den Kommentaren, da sind jede Menge Ideen.
  • Wenn Du mehr Maschen stillegen musst, als auf eine Sicherheitsnadel passen, ist ein Maschenraffer sehr praktisch. Zur Not tut es aber auch eine andere Stricknadel in der gleichen oder einer kleineren Stärke. Du kannst die Maschen auch mit der Sticknadel auf ein Stückchen Garn fädeln, aber es ist dann relativ fummelig, die Maschen später wieder auf die Stricknadel zu nehmen.
  • Wenn Du später Zopfmuster stricken möchtest, braucht Du eine Zopfmusternadel (eine dünne reicht – die geht auch für dickes Garn). Man kann aber auch ohne Hilfsnadel verzopfen, da musst Du ausprobieren, was Du einfacher findest.
  • Ein Grundlagenbuch – muß nicht gleich zu Anfang sein, aber wenn Du Dir relativ sicher bist, daß Stricken Dein Hobby werden wird, dann gehört so ein Buch in jeden Strickerhaushalt. Klar, man kann auch alles im Internet nachgucken, aber so ein Buch ist stromunabhängig, immer schnell zur Hand und beim Durchblättern findet man auch oft interessante Dinge, die man im Internet vielleicht nie entdeckt hätte.

Und das war’s auch schon – bis auf die Wolle kostet die absolut notwendige Erstausstattung weniger als 30 €. Natürlich gibt es noch jede Menge anderen nützlichen oder weniger nützlichen Schnickschnack auf dem Markt, aber wirklich brauchen tust Du davon erstmal nichts. Da kannst Du im Laufe Deines Strickerlebens dann immer noch gucken, was Du hilfreich und praktisch findest.

Die verflixte letzte Masche

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Das Problem kennt fast jeder, denke ich:

Beim Abketten ist die letzten Masche immer ein bisschen zu lang gezogen und sieht unschön aus, wenn die Abkettkante z.B. bei Blenden offen bleibt und nicht in einer Naht verschwindet.

In Stricken: Das Standardwerk erklärt Steffi zwei verschiedene Möglichkeiten, um diese langgezogene Masche zu vermeiden:

1. Die letzte M der Abkettreihe abheben. Mit der linken Nadel von hinten nach vorne in die Randmasche unter der letzten M einstechen und diese Randmasche auf die linke Nadel heben. Die abgehobene M der Abkettreihe wieder zurück auf die linke Nadel geben und diese beiden Maschen gemeinsam abketten. Das Ergebnis sieht recht ordentlich aus.

2. Abketten, bis noch 2 M übrig sind. Die letzte M der Reihe re stricken und die beiden verbleibenden M wieder zurück auf die linke Nadel nehmen.Nun in die ungekehrte Richtung abketten, d.h. die letzte M über die vorletzte M ziehen. Faden durchziehen, abschneiden.
Diese Lösung finde ich allerdings vom Ergebnis her nicht so hübsch. Wer das Buch hat, kann sich ja mal das Bild auf S. 60 angucken, aus urheberrechtlichen Gründen kann ich das hier leider nicht zeigen.

Ich löse das Problem dagegen ganz einfach beim Vernähen des Fadens.

Dazu drehe ich das Strickstück so, daß ich die Rückseite vor mir habe. Unterhalb der letzten Masche befindet sich so ein Knübbelchen – zumindest beim Nahtrand und beim Knötchenrand, wie das bei angehobenen Randmaschen aussieht, weiß ich nicht, die stricke ich nie, weil ich sie unschön finde.

Durch den Linksmaschenbogen neben diesem Knübbelchen steche ich von oben nach unten ein:

Und ziehe den Faden gerade so fest an, daß sich eine ordentliche Ecke ergibt:

Faden vernähen, fertig:

Gerade bei Blenden sieht das sehr ordentlich aus, finde ich: