Techniken & Tips/techniques & tips

Budenzauber Blocking?

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Im US-amerikanischen Bereich wird ja ein Riesen-Budenzauber um das Thema “Blocking” gemacht.
Wie blocke ich dieses und jenes Strickstück, kann man dieses oder jenes Garn blocken, blocke ich besser nass oder nur mit Dampf usw. usw.

Heute habe ich bei Ravelry gelesen, daß jemand ein ganzes Buch mit möglichst detaillierten Infos über Blocking sucht und bei Craftsy gibt es sogar einen Kurs zum Thema.

Nun hatte ich “blocking” für mich bisher immer mit “spannen” übersetzt. Neulich jedoch fragte dann eine Strickerin bei Ravelry im “Techniques”-Forum, wie sie denn einen Alpaka-Schal “blocken” soll. Meine Antwort: “Wenn es nicht gerade ein Lace-Muster ist, brauchst Du den gar nicht zu blocken, wasche ihn einfach, zupfe ihn in Form und lasse ihn liegend trocknen”. Woraufhin ich umgehend darüber aufgeklärt wurde, daß die von mir beschriebene Vorgehensweise auch blocking sei. Aha…?!

Ich finde es völlig faszinierend, daß man um dieses Thema so einen Riesen-Budenzauber betreibt und eine regelrechte Wissenschaft daraus macht. Da wird gespannt, festgesteckt, gedämpft, eingesprüht, mit nassen Handtüchern bedeckt oder komplett gewässert, man kann besondere Blocking-Matten, Blocking-Boards und Blocking-Pins kaufen und, und, und… Ich warte auf den Tag, an dem spezielle Blocking-Mikrofasertücher, große, flache Wet-Blocking-Wannen und Steam-Blocking-Bügeleisen mit Maschenschutz angeboten werden :mrgreen:

Mit ist klar daß man Lace spannen muss, erst dadurch enfaltet sich das Muster und seine Schönheit kommt zur Geltung. Aber da macht man doch auch nur das Strickstück nass, steckt es fest und lässt es trocknen, das ist wahrlich keine hohe Kunst, über die man Bücher schreiben könnte.

Und alle anderen Sachen? Ich mache mir darum überhaupt keinen Kopf, warum auch? Ich nähe die Teile zusammen, dann wird das Ganze in der Maschine gewaschen, hingelegt (auf dem Bett, die Rückenlehne meines Sessels oder im Zweifelsfall einfach auf dem Teppich), ein bisschen zurechtgezupft und getrocknet, fertig. Das ist für mich nichts, was einen besonderen Namen verdient.

Wie haltet Ihr das? Betreibt Ihr da irgendwelchen besonderen Aufwand? Und wenn ja, was macht Ihr und warum?

Craftsy-Tip (nicht nur) für Lockerstricker: Improve Your Knitting

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Ich liebe ja inzwischen die Craftsy-Kurse und lasse die auch gerne nebenher zur Berieselung laufen.
Im Moment sind mal wieder alle Kurse preisreduziert und kosten nur 15 Euro.

Improve Your Knitting gibt es derzeit sogar für nur 7,50 € (danke an Domic für den Tip), den habe ich mir natürlich gleich geholt. Für den Preis kann man ja nichts falsch machen und oft gibt es solche Sonderpreise nur für sehr kurze Zeit. Und man bekommt tatsächlich sein Geld zurück, wenn man nicht vollkommen zufrieden ist – habe ich auch schon ausprobiert, klappt einwandfrei und unkompliziert.

Ich habe gerade erst angefangen den Kurs zu gucken, aber kann ihn schon mal wärmstens all jenen empfehlen, die Probleme damit haben, daß sie sehr locker und/oder ungleichmäßig stricken und gerne etwas dagegen tun möchten.

Gestern habe ich z.B. bei jemandem gelesen, daß er mit 3er Nadeln nicht mehr als 20 M/10 cm schafft – das ist nun wirklich extrem locker. Völlig okay, wenn es demjenigen so gefällt, aber das macht das Nachstricken von vielen Sachen nahezu unmöglich, wenn man nicht komplett umrechnen oder mit 1,5er Nadeln stricken möchte. Und es ist doch sehr schade, wenn man in der Modellauswahl so eingeschränkt ist, nur weil man partout nicht fester stricken kann.

Patty Lyons zeigt gleich in der ersten Lektion ganz genau die Ursachen, die zu sehr großen und/oder ungleichmäßigen Maschen führen (z.B. zu tiefes Einstechen in die Masche) und erklärt auch, was man dagegen tun kann.

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Ich guck’ dann mal weiter, da kommen noch mehr interessante Sachen, wie z.B. combined knitting oder auch der portugiesische Strickstil, den ich ganz spannend finde.

Übrigens ist so etwas wie Craftsy auch auf deutsch gerade im Aufbau. Nennt sich Makerist und macht einen ganz guten Eindruck, auch wenn die Kursauswahl zum Thema Stricken noch sehr dürftig ist. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Patent, Patent

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Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit überkommt mich seltsamerweise der unwiderstehliche Drang einen Zauberballschal zu stricken. Vermutlich, weil diese Zeit immer extrem stressig ist und man bei so einem Schal nun wirklich überhaupt nicht denken muss, was sehr erholsam sein kann.

Dieses Jahr wird es aber nicht der übliche Streifenschal, sondern einer im zweifarbigen Patent aus zwei Zauberbällen Stärke 6 in der Farbe Schokoladenseite:

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Sieht ein bisschen schief und krüppelig aus, aber das zupfe ich nach dem Waschen schon noch zurecht.

Die andere Seite sieht so aus:

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Für meinen Geschmack schon beinahe ein bisschen zu bunt, aber für graue Wintertage eigentlich genau das Richtige.

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In den 80ern habe ich relativ häufig Patent gestrickt: Vollpatent, Halbpatent und auch zweifarbiges Patent. Heutzutage sieht man Patentmuster nur noch selten, offenbar sind sie aus der Mode gekommen. Dabei ist gerade Vollpatent für Schals eine feine Sache, weil es auf beiden Seiten gleich aussieht und ein dickes, kuscheliges Gestrick ergibt. Außerdem ist es sehr einfach und flüssig zu stricken.

Nancy Marchant hat zum Thema ein ganzes Buch geschrieben und seit einiger Zeit gibt es dazu auch einen Craftsy-Kurs, den mit die liebe, verrückte Anja neulich einfach so geschenkt hat (Tip am Rande: derzeit kosten alle Craftsy-Kurse nur 15 €). Seit ich den geguckt habe, schwirren mir Patentmuster, besonders zweifarbige, im Kopf herum, denn damit kann man ja wirklich tolle Sachen machen.

Sowas wie den Alex Scarf von Nancy Marchant zum Beispiel (die Anleitung dazu ist im Craftsy-Kursmaterial enthalten) – der ist dann allerdings überhaupt nicht mehr mindless:

Oder auch sowas – das ist der Rodekool Scarf aus der Knitty Deep Fall 2010:

Besonders genial finde ich diese schwarz-weiße Version:

Aber natürlich lassen sich auch Oberteile im Patentmuster stricken. Allerdings sollte man dafür möglichst dünne Garne nehmen, weil das Gestrick doppelt so dick wie glatt rechts wird und dabei wahnsinnig viel Garn frisst. Und man sollte eine deutlich kleinere Nadelstärke als üblicherweise für das Garn wählen, da Patentmuster sehr locker werden. Da sie außerdem extrem in die Breite gehen, ist eine ausreichend große, gewaschene Maschenprobe für Kleidungsstücke sehr wichtig.

Das Haarlem Jacket (ebenfalls von Nancy Marchant) finde ich ganz großartig:

Patentmuster lassen sich mit tiefergestochenen Maschen oder mit Umschlägen stricken – ich bevorzuge die “Masche mit Umschlag abheben”-Variante, die geht mir viel schneller von der Hand.

Auf der Website von Nancy Marchant findet Ihr eine ausführliche Anleitung zu Patentmustern sowie einige kostenlose Anleitungen.

Der Craftsy-Kurs ist auch sehr gut, allerdings zeigt sie fast ausschließlich die “englische” Strickweise mit der Fadenführung in der rechten Hand, was gerade beim “Masche mit Umschlag abheben” verwirrend anders ausssieht als wir “continental”-Stricker das machen.

Wer es lieber auf deutsch erklärt haben möchte, guckt bei Liane oder die Videos von Elizzza.

Habt Ihr schon mal Patent gestrickt? Mögt Ihr Patenmuster?

Am Anfang war das Garn…

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Stricken liegt wieder ganz klar im Trend. Demzufolge möchten immer mehr junge oder auch nicht mehr ganz so junge Menschen stricken lernen. Nun ist das heute in Zeiten des Internets nicht mehr schwer, Videos zum Stricken lernen gibt es wie Sand am Meer.

Aber  viele Anfänger stellen sich die Frage: Womit fange ich eigentlich an und was brauche ich wirklich als Grundausstattung?

Das klassische Erstprojekt ist der Schal. Aber es spricht auch nichts dagegen, gleich mit einem einfachen Pullover anzufangen, habe ich damals auch gemacht, hat auch geklappt. Früher hat man das Stricken mit Socken als erstem Projekt gelernt – die finde ich aber für einen Anfänger total ungeeignet, das ist viel zuviel Fummelkram.

Am besten ist, wenn Du das Ding, das Du als erstes stricken möchtest, wirklich un-be-dingt haben willst. Dann bleibst Du nämlich auch am Ball, wenn es mal ein bisschen schwieriger werden sollte oder länger dauert, als Du gedacht hast.

Such’ Dir ein einfarbiges Modell, das glatt rechts oder mit einem einfachen, regelmäßigen Muster aus rechten und linken Maschen gearbeitet wird, z.B. ein Rippenmuster. Von Zopf- oder Lochmustern würde ich für das erste Projekt noch die Finger lassen, da müsstest Du Dich auf zu viele Sachen gleichzeitig konzentrieren.

Dein erstes Modell sollte aus einem Garn mit einer glatten Struktur gearbeitet sein, damit Du die Maschen gut erkennen kannst. Nichts Fusseliges, Fransiges, Superflauschiges, auch wenn Du es noch so schön finden solltest.

Das Garn sollte gut verzwirnt sein, damit Du nicht versehentlich nur eines Teil des Fadens beim Abstricken erwischt und unschöne Schlaufen entstehen. Ein gut verzwirntes Garn erkennst Du, wenn Du den Faden zwischen Daumen und Zeigefinger so rollst, daß sich die Verzwirnung aufdreht – wenn Du wieder loslässt, sollte es sich in den Ursprungszustand zurückrollen. Je fester die Einzelfädchen umeinander gedreht (verzwirnt) sind, um so besser.

Zara_1926Und das Garn sollte relativ elastisch sein, damit Du leicht in die Maschen einstechen kannst. Eine gute Wahl ist z.B. ein Merinogarn mit einer Lauflänge zwischen 80 und 130 m. Reine Baumwolle oder Seide dagegen sind z.B. sehr unelastisch, davon lass’ für den Anfang bitte die Finger. Ein elastisches Garn erkennst Du daran, daß sich der Faden etwas dehnt und dünner wird, wenn Du daran ziehst.

Viele Anfänger glauben, daß sie zum Üben erstmal ein ganz billiges Garn aus Polyacryl nehmen sollten. Mach’ das nicht! Stricken ist in hohem Maße ein haptisches Vergnügen, diese Freude nimmst Du Dir mit billigem Garn (außerdem quietscht Polyacryl beim stricken). Es macht viel mehr Spaß, mit einem guten Garn aus schönem Material zu lernen. Wenn Du nicht so viel Geld hast, dann schau’ nach Sonderangeboten, davon gibt es im www genug (eine gute Quelle für preiswerte Restposten ist z.B. die Wollmaus). Du kannst auch ein Mischgarn mit einem Teil Polyacryl nehmen, die kosten auch nicht so viel, aber dann sollte der Poly-Anteil maximal 50% betragen und nach Möglichkeit eine Microfaser sein, die fühlt sich nämlich deutlich schöner an und trägt sich auch angenehmer.

Als Nadelstärke für Dein Erstprojekt ist alles zwischen 4 und 5,5 mm ideal. Mit kleineren Nadeln dauert es noch zu lange, mit dickeren Nadeln wirst Du zwar schneller fertig, die Nadeln sind aber zu dick, um die Feinmotorik beim Stricken gut üben zu können.

Idealerweise nimmst Du für die ersten Sachen, die Du nach einer Anleitung strickst, das darin angegebene Originalgarn. Damit ist es nämlich am einfachsten, auf die geforderte Maschenprobe zu kommen und die Wahrscheinlichkeit, daß Dein Projekt so aussieht wie das Original, ist am größten. Vor allem für Oberteile (oder auch Mützen), wo es auf die Passform ankommt, ist eine exakt übereinstimmende Maschenprobe extrem wichtig. Bei einem Schal dagegen ist es nicht ganz so tragisch, wenn der ein bisschen breiter oder schmaler wird, da kannst Du also auch ruhig ein anderes Garn benutzen.

Als Stricknadeln solltest Du Rundstricknadeln nehmen, die sind am vielseitigsten verwendbar. Man kann damit auch flach stricken :wink: Am besten nimmst Du eine in 60 cm Länge, die ist für die meisten Strickprojekte -egal ob schmal oder breit- völlig ausreichend. Zum Rundstricken größerer Teile, für die Magic Loop-Technik oder für lange Blenden brauchst Du später eventuell auch längere Nadeln, aber für den Anfang sind die 60er genau richtig. Komm’ bitte nicht auf die Idee, daß Du ja nur einen 20 cm breiten Schal stricken möchtest und daher 40 cm Rundstricknadeln auch reichen würden – die haben nämlich kürzere Nadelspitzen und liegen sehr schlecht in der Hand.

Ob Du lieber mit Holz-, Metall-, Plastik- oder Karbonnadeln strickst, musst Du selbst herausfinden. Für den Anfang würde ich Metallnadeln nehmen, denn Strickanfänger stricken oft sehr fest und die Maschen rutschen auf Metall einfach besser, weil Metall glatter ist.

Auch die Entscheidung, ob Du feste Nadeln nimmst oder eins der Systeme mit austauschbaren Nadelspitzen, bleibt Dir überlassen. Beide haben Vor- und Nachteile. Ich würde für den Anfang erstmal eine feste Nadel nehmen, weil die etwas preisgünstiger sind. Außerdem neigen manche Schraubnadeln dazu, beim Stricken aufzugehen, wenn man sie nicht bombenfest angezogen hat und gerade für einen Anfänger ist es eine mittelschwere Katastrophe, wenn plötzlich die Maschen runterfallen 8-O

Die Marke ist für den Anfang ziemlich egal (da entwickelt später jeder seine eigenen Vorlieben, ich persönlich schwöre seit einiger Zeit auf ChiaoGoo) – achte aber auf das Seil! Ganz billige Nadeln haben oft noch durchsichtige Plastikseile (die hatte man früher immer). Die neigen dazu, sich zu kringeln (vor allem, wenn sie lange in der Tüte waren), was beim Stricken sehr stört. Einfache Faustregel: Seil farbig = gut, Seil hell und fast durchsichtig = schlecht.

Willst Du trotzdem erstmal alte Rundstricknadeln nehmen, die Du vielleicht geschenkt bekommen hast und bei denen sich das Seil kringelt, gibt es einen Trick: Leg’ das Seil für ein bis zwei Minuten in sehr heißes, fast kochendes Wasser und zieh’ es dann stramm, bis es sich abgekühlt hat, dann gehen die Kringel in den meisten Fällen wieder raus.

Jetzt hast Du also Garn, Stricknadeln und eine Anleitung. Was brauchst Du noch?

  • Eine Sticknadel mit stumpfer Spitze, um später die Fäden zu vernähen und Strickteile zusammenzunähen
  • Eine Schere – da brauchst Du keine spezielle, eine Nagelschere tut es genauso gut wie eine Haushaltsschere. Wenn Du Dir eine Schere kaufen möchtest, nimm’ eine möglichst kleine, das ist praktischer, wenn Du Dein Strickzubehör für unterwegs mitnehmen möchtest.
  • Ein Maßband – wenn Du Dir eins kaufst, dann am besten gleich eins, wo auf der einen Seite cm und auf der anderen inch (Zoll) sind, denn es wird irgendwann der Tag kommen, an dem Du nach einer amerikanischen Anleitung stricken willst und die haben ganz oft nur inch-Angaben. Du kannst zwar auch problemlos inch in cm umrechnen, aber die Mühe kannst Du Dir dann sparen. Und mit so einem Maßband kann man auch schnell mal gucken, wieviel cm denn eigentlich 17,25″ sind.
  • Ein Zählrahmen für die Maschenprobe – damit kannst Du die Maschen und Reihen viel leichter und genauer zählen als mit einem Maßband

  • Eine Häkelnadel, um fallengelassene Maschen wieder hochzuholen oder Maschen aufzunehmen (z.B. für einen Kragen). Ideal ist eine in Stärke 2 für dünne Garne und eine in Stärke 4 für dicke Garne. Welche Du da nimmst, ist ziemlich egal, es darf ruhig die billigste sein, die Du findest. Ich benutze seit etliche Jahren so eine.
  • Sobald Du mehrere Stricknadeln in verschiedenen Stärken hast, ein Nadelmaß, damit Du weiß, welche Nadelstärke Deine Nadeln haben. Ja, ich weiß, Du tust sie natürlich immer gleich wieder in die entsprechende Tüte – aber irgendwann kommt der Tag, wo Du das nicht machst und plötzlich nicht mehr weiß, ob das jetzt die 4er oder die 4,5er ist… :cool:
  • Papier und Stift – für Notizen und Strichlisten zum Reihen zählen. Wenn Du Strichlisten doof findest, gibt es verschiedenste Arten von Reihenzählern und sogar Reihenzähler-Apps.
  • Ein paar Sicherheitsnadeln in verschiedenen Größen – um Stellen im Gestrick zu markieren oder wenn Du mal ein paar Maschen stillegen musst. Zum markieren kannst Du übrigens auch Büroklammern nehmen, Dir einfach eine Schlaufe aus einem Stück Faden knoten, Dir Maschenmarkierer selber basteln undundund… guck mal hier in den Kommentaren, da sind jede Menge Ideen.
  • Wenn Du mehr Maschen stillegen musst, als auf eine Sicherheitsnadel passen, ist ein Maschenraffer sehr praktisch. Zur Not tut es aber auch eine andere Stricknadel in der gleichen oder einer kleineren Stärke. Du kannst die Maschen auch mit der Sticknadel auf ein Stückchen Garn fädeln, aber es ist dann relativ fummelig, die Maschen später wieder auf die Stricknadel zu nehmen.
  • Wenn Du später Zopfmuster stricken möchtest, braucht Du eine Zopfmusternadel (eine dünne reicht – die geht auch für dickes Garn). Man kann aber auch ohne Hilfsnadel verzopfen, da musst Du ausprobieren, was Du einfacher findest.
  • Ein Grundlagenbuch – muß nicht gleich zu Anfang sein, aber wenn Du Dir relativ sicher bist, daß Stricken Dein Hobby werden wird, dann gehört so ein Buch in jeden Strickerhaushalt. Klar, man kann auch alles im Internet nachgucken, aber so ein Buch ist stromunabhängig, immer schnell zur Hand und beim Durchblättern findet man auch oft interessante Dinge, die man im Internet vielleicht nie entdeckt hätte.

Und das war’s auch schon – bis auf die Wolle kostet die absolut notwendige Erstausstattung weniger als 30 €. Natürlich gibt es noch jede Menge anderen nützlichen oder weniger nützlichen Schnickschnack auf dem Markt, aber wirklich brauchen tust Du davon erstmal nichts. Da kannst Du im Laufe Deines Strickerlebens dann immer noch gucken, was Du hilfreich und praktisch findest.

Die verflixte letzte Masche

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Das Problem kennt fast jeder, denke ich:

Beim Abketten ist die letzten Masche immer ein bisschen zu lang gezogen und sieht unschön aus, wenn die Abkettkante z.B. bei Blenden offen bleibt und nicht in einer Naht verschwindet.

In Stricken: Das Standardwerk erklärt Steffi zwei verschiedene Möglichkeiten, um diese langgezogene Masche zu vermeiden:

1. Die letzte M der Abkettreihe abheben. Mit der linken Nadel von hinten nach vorne in die Randmasche unter der letzten M einstechen und diese Randmasche auf die linke Nadel heben. Die abgehobene M der Abkettreihe wieder zurück auf die linke Nadel geben und diese beiden Maschen gemeinsam abketten. Das Ergebnis sieht recht ordentlich aus.

2. Abketten, bis noch 2 M übrig sind. Die letzte M der Reihe re stricken und die beiden verbleibenden M wieder zurück auf die linke Nadel nehmen.Nun in die ungekehrte Richtung abketten, d.h. die letzte M über die vorletzte M ziehen. Faden durchziehen, abschneiden.
Diese Lösung finde ich allerdings vom Ergebnis her nicht so hübsch. Wer das Buch hat, kann sich ja mal das Bild auf S. 60 angucken, aus urheberrechtlichen Gründen kann ich das hier leider nicht zeigen.

Ich löse das Problem dagegen ganz einfach beim Vernähen des Fadens.

Dazu drehe ich das Strickstück so, daß ich die Rückseite vor mir habe. Unterhalb der letzten Masche befindet sich so ein Knübbelchen – zumindest beim Nahtrand und beim Knötchenrand, wie das bei angehobenen Randmaschen aussieht, weiß ich nicht, die stricke ich nie, weil ich sie unschön finde.

Durch den Linksmaschenbogen neben diesem Knübbelchen steche ich von oben nach unten ein:

Und ziehe den Faden gerade so fest an, daß sich eine ordentliche Ecke ergibt:

Faden vernähen, fertig:

Gerade bei Blenden sieht das sehr ordentlich aus, finde ich:

Einen Schalkragen stricken

Damit meine Antonia nicht ganz so schmucklos ausfällt, habe ich ihr einen Schalkragen verpasst:

Seltsamerweise gibt es im Netz nicht allzuviel zum Thema Schalkragen – sind die nicht mehr modern? Auf deutsch findet man so gut wie gar nichts, aber auch auf englisch sind die Suchergebnisse nicht wirklich ergiebig. Zumindest eine gut bebildete Anleitung habe ich bei tin can knits gefunden.

Auch in den Grundlagenbüchern, die ich besitze, ist die Ausbeute sehr mager und die Erklärungen, die ich gefunden habe, eher seltsam.

Das Ultimate Knitting Book von Vogue (eigentlich meine Strickbibel) schlägt vor, den Kragen getrennt zu stricken und anzunähen, die Formgebung erfolgt durch Neuanschlagen von Maschen – eine wenig elegante Lösung, finde ich.

Hanna Jaacks bietet immerhin zwei Varianten für Jacken, längs mitgestrickt und quer angestrickt. Anstatt bei letzterer Variante jedoch mit verkürzten Reihen zu arbeiten, beginnt sie mit der Maschenaufnahme erstmal nur im Nacken und nimmt in jeder Reihe mehr Maschen aus dem V-Ausschnitt auf, bis sie letztlich alle Maschen einschließlich der Knopfblenden auf der Nadel hat. Außerdem finde ich ihre Beschreibung recht knapp und so komisch formuliert, daß ich sie bestimmt 5 x lesen musste, bis mir klar war, was sie eigentlich genau meint – aber vielleicht bin ich mittlerweile auch nur durch die Ausführlichkeit englischer Anleitungen verdorben :wink:

Katharina Buss äußert sich noch am Ausführlichsten zum Thema, bei ihr gibt es die Varianten längs und quer jeweils für Pullover und für Jacken. Die quer gestrickte Version arbeitet sie jedoch ebenfalls mit einer stufenweisen Maschenaufnahme und die Beschreibung ist mit zwei kurzen Absätzen noch knapper als bei Frau Jaacks gehalten.

Und Steffi schweigt sich zum Thema lieber gleich ganz aus :wink:

Ich arbeite meinen Schalkragen fast genauso wie tin can knits das in ihrem Blog beschreibt.

Zunächst werden die Maschen aus den vorderen Kanten und dem Halsausschnitt in einem Rutsch aufgenommen (ich habe das natürlich auf einer Nadel und nur für’s Foto auf drei Nadeln verteilt):

Dann teile ich die Maschen ein. Wir haben zum einen zwei gerade senkrechte Stücke (hier je 70 M), dort entstehen später die Knopfblenden. Dann gibt es die Schrägungen des V-Ausschnitts (je 40 M) und den rückwärtigen Halsteil incl. Schultern (60 M).

Je weniger M ich für den Halspart einteile, desto höher wird der Kragen im Nacken, weil ich dann umso mehr verkürzte Reihen arbeiten muss, bis ich das Ende des V-Ausschnitts erreicht habe.

Man kann auch in der ersten oder zweiten Reihe nach der Maschenaufnahme in Nackenbereich noch Maschen zunehmen, wenn man den Kragen flacher liegend haben möchte. Wenn er ganz flach aufliegen woll, muss man sogar alle 2 bis 3 M je eine M zunehmen. Ich habe es nicht gemacht und er sitzt trotzdem gut, aber ich glaube, mit ein paar Zunahmen wäre der Sitz tatsächlich noch besser, das werde ich also beim nächsten Mal bedenken.

Der Schalkragen wird nun mit verkürzten Reihen gearbeitet. In diesem Fall habe ich jede Reihe um 2 M verlängert, man kann aber auch mehr Maschen nehmen, wenn der Schalkragen schmaler werden soll. Für die Schalkragen, die ich bisher gearbeitet habe, hat sich aber der 2-Maschen-Rhythmus bewährt.

Nach dem Maschen aufnehmen bin ich an der unteren Ecke des linken Vorderteils und beginne mit einer Rückreihe. Ich stricke in unserem Beispiel 170 M bis zum vorderen Rand der rechten Schulter, bis kurz vor die Stelle, wo die V-Ausschnitt-Schrägung anfängt (grüner Strich). Dann wende ich (ich arbeite mit Wickelmaschen) und stricke 60 M in die andere Richtung, bin dann also am blauen Strich.

Wieder wenden und diesmal 2 M über die vorherige Wendestelle hinausstricken, also 62 M arbeiten. Dabei komme ich über die erste umwickelte M und stricke die Wicklung mit der Masche zusammen.  Wenden und in der anderen Richtung ebenfalls 2 M über die vorherige Wendestelle hinausarbeiten, es werden also 64 M gestrickt. Nicht vergessen: Jedes Mal die vorherige Umwicklung mit ihrer M zusammenstricken.

Nach diesem System geht es munter weiter, jede Reihe wird zwei Maschen über die vorherige Wendestelle hinaus gearbeitet, jede R wird also 2 M länger als die davor.

Nach einger Zeit sieht der Kragen so aus:

Das Ganze mache ich so lange, bis ich am unteren Ende des V-Ausschnitts angelangt bin:

Ab jetzt wird wieder über alle Maschen gearbeitet, dabei entstehen die Knopfblenden (Knopflöcher nicht vergessen!). Wenn die Knopfblenden die gewünschte Breite erreicht haben, alle Maschen abketten, dabei im Bereich des “Schals” möglichst locker abketten.

Der fertige Schalkragen in der flachen Seitenlage:

Und so sieht er umgeklappt aus:

Wenn die Reihenzahl nicht stimmt…

Danke an Daniela für die Anregung zu diesem Beitrag :smile:

Ganz viele Strickende haben das Problem, daß sie bei ihrer Maschenprobe zwar auf die geforderte Maschenzahl kommen, aber ihre Reihenzahl von der angegebenen mehr oder weniger stark abweicht. Und wenn man die Reihenzahl passend macht, stimmt die Maschenzahl nicht mehr.

Die Abweichung kommt dadurch zustande, daß jeder Mensch eine etwas andere Strickweise hat. Auch das verwendete Garn kann dazu beitragen. Gleiche Strickfestigkeit in der Breite muss nicht zwingend auch gleiche Strickfestigkeit in der Höhe nach sich ziehen.

Üblicherweise beträgt das Verhältnis zwischen Maschen und Reihen bei glatt rechts irgendetwas zwischen 2 zu 3 und 3 zu 4. D.h. , daß beispielsweise auf 24 M in der Breite zwischen 32 (2 zu 3) und 36 (3 zu 4) Reihen kommen. Je nach Muster kann das Verhältnis aber auch völlig anders sein. Kraus rechts hat z.B. in der Regel ein Verhältnis von 1 zu 2.

Das ist aber alles gar nicht weiter tragisch und kein Grund zur Verzweiflung. Wichtig ist in erster Linie die Maschenprobe in der Breite. Wenn Eure Maschenzahl auf 10 cm stimmt, könnt Ihr die Reihenzahl in den allermeisten Fällen anhand der Zentimeter-Angaben in der Anleitung bzw. im Schnitt anpassen.

Nun kann es natürlich vorkommen, daß in der Anleitung gar keine Zentimeter angegeben werden, sondern da nur steht: “stricke x Reihen”. Dann müsst Ihr diese Reihenangaben anhand der in der Anleitung angegebenen Maschenprobe in Zentimeter umrechnen. Die Formel dafür ist:
Reihenzahl : Original-ReihenMapro x 10 = Zentimeter

Beispiel: Die Abnahmen für die Taillierung sollen lt. Anleitung in jeder 8. Reihe gemacht werden. Die Original-ReihenMapro sind 36 R auf 10 cm. Ihr rechnet also: 8 : 36 x 10 = 2,22 cm. D.h. die Abnahmen macht Ihr alle 2 – 2,5 cm, je nachdem, wie das mit Euren Reihen am besten hinkommt.

Wenn Ihr wollt, könnt Ihr auch gleich die Reihenzahl der Anleitung auf Eure Reihenzahl umrechnen. Die Formel dafür lautet:
Reihenzahl : ReihenMapro der Anleitung x Eure Reihenmapro = Reihenzahl, die Ihr stricken müsst

Tip: Auch wenn es üblich ist, daß man nur in den Hinreihen abnimmt, so spricht doch nichts dagegen, das auch in den Rückreihen zu tun, wenn es dann mit dem Abstand besser hinkommt.

Problematisch wird es nur bei Mustern, die in der Höhe einen langen Rapport haben, z.B. bei aufwendigen Zopfmustern. Wenn man da einfach nach Zentimetern stricken würde, endet man oft mit unvollständigen Mustersätzen. Hierfür gibt es unterschiedliche Lösungen, je nachdem, wie stark die eigene Reihenzahl von der angegebenen abweicht:

1. Man hat mehr Reihen auf 10 cm, als die Anleitung vorgibt

Lösung a) die gleiche Anzahl von Mustersätzen wie vorgegeben stricken, dann wird das Strickstück allerdings kürzer. Um wieviel kürzer, kommt darauf an, wie stark Eure Reihenzahl abweicht.
Rechenweg: Gesamtlänge : Eure Mapro x Original-ReihenMaPro = Eure Gesamtlänge.
Habt Ihr z.B. 35 R statt 30 R und der Pullover ist im Original 60 cm lang, würde Eure Version 60 : 35 x 30 = nur 51,4 cm lang werden.

Das kann man ausgleichen, indem man das Bündchen etwas länger macht und/oder an einer günstigen Stelle mehr Reihen in den Mustersatz einbaut. Man könnte z.B. an einer Stelle des Mustersatzes den Abstand zwischen zwei Verzopfungen von 6 auf 8 Reihen verlängern.

Lösung b) einen Mustersatz mehr stricken. Dann wird das Strickstück länger. Um wieviel länger, kann man auch wieder ausrechnen.
Beispiel: Der Original-Pullover ist 65 cm lang, nämlich 5 cm Bündchen und 4 Mustersätze á 15 cm, jeder Mustersatz hat 46 Reihen, macht insgesamt 184 R für das Muster. Die Original-Reihen-MaPro ist also 46 : 15 x 10 = 30,66 gerundet 30,5 R. Ihr habt 36 R auf 10 cm.
Strickt Ihr jetzt 5 Mustersätze, sind das 5 x 46 = 230 R. 230 : 36 x 10 = 63,88 cm + 5 cm Bündchen = 68,88 cm Gesamtlänge. Also knapp 4 cm Unterschied.

Ist Euch das zuviel, könnt Ihr das Bündchen etwas kürzer machen und/oder an einer günstige Stelle Reihen im Mustersatz weglassen, z.B. den Abstand zwischen zwei Verzopfungen verringern.

2. Man hat weniger Reihen auf 10 cm, als die Anleitung vorgibt

Lösung a)  die gleiche Anzahl von Mustersätzen wie vorgegeben stricken, dann wird das Strickstück allerdings länger. Der Rechenweg ist der Gleiche wie unter 1 a) beschrieben.

Ausgleichen könnt Ihr das, indem Ihr das Bündchen kürzer macht und/oder Reihen im Mustersatz weglasst.

Lösung b) einen Mustersatz weniger stricken. Dann wird das Strickstück kürzer. Gerechnet wird wie bei 1 b) und der Ausgleich erfolgt über das Bündchen oder über zusätzliche Reihen im Mustersatz.