Techniken & Tips/techniques & tips

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Gesammelte Netzfundstücke, um Euch vom Stricken abzuhalten :wink:

Wie man die Lücke, die beim Abketten von rund gestrickten Sachen entsteht, am schönsten schließt, kann man hier bestens bebildert anschauen.

Im gleichen Blog: Mit dem Linen Stitch (Webmuster?) entsteht eine interessante Textur, die mehr wie Gewebe als wie Gestrick aussieht. Dürfte aber ziemlich nervig zu stricken sein.

Dann habe ich kürzlich durch ihren Kommentar hier bei mir Connies Blog Wockensolle entdeckt. Schaut mal rein, ich finde Connies Beiträge sehr interessant und der Zusatz “Knitting Intelligence” erscheint mir wirklich passend.

Hier ist eine japanische Seite mit wunderschönen Fair Isle-Sachen. Als Kontrastprogramm etwas zum Gruseln (danke Silvia :grin: ) und hier (danke Marianne :grin: ) gruselt mich nicht nur das löcherige Gestrick, sondern vor allem auch der Preis :shock:

Abschließend noch ein nettes Filmchen - auf was für Ideen die Leute doch kommen:

Mari, der ist für Dich :grin:

Ein Oberteil sitzt in der Regel besser, wenn man es mit Schulterschrägungen arbeitet. Schließlich sind unsere Schultern in der Regel zum Arm hin leicht abfallend - es sei denn, wir benutzen Schulterpolster :wink:
Strick ist zwar elastisch und passt sich bis zu einem gewissen Grad der Körperform an, trotzdem sorgen Schulterschrägungen für ein bessere Passform, insbesondere bei Schnitten mit Armkugeln:

Zieht man von der Gesamtschulterbreite (A) die gewünschte Halsausschnittbreite (B) ab und teilt das Ergebnis durch 2, erhält man die Breite einer Schulter (C).
Und bevor ein Geometrie-Schlaumeier jetzt protestiert :wink: Ich weiß daß die Diagonale länger ist als die Horizontale - aber die Schulterschrägung ist in der Zeichnung überzogen dargestellt, in der Praxis macht das keinen nennenswerten Unterschied.

Eine Schrägung erzielt man, indem man die Reihen nach und nach kürzer werden lässt - entweder durch abketten oder durch verkürzte Reihen:

Die Anzahl der Maschen, die man für eine Schulter hat, ist natürlich abhängig von der Maschenprobe.

Die Tiefe der “Stufen” (in o.g. Beispiel 6 Maschen) bestimmt, wie steil die Schulterschrägung wird - je kürzer die Stufen, desto steiler die Treppe bzw. Schulter.

Die Anzahl der Schultermaschen geteilt durch die Maschenzahl für eine Stufe ergibt die Anzahl der Stufen.
Im Umkehrschluß: Die Anzahl der Schultermaschen geteilt durch die Anzahl der Stufen ergibt die Maschenzahl für eine Stufe. Ich mache in der Regel 3, maximal 4 Stufen, das ergibt eine ausreichende, nicht zu steile Schrägung. Bei sehr dickem Garn würde ich sogar nur 2 Stufen nehmen.

Beispiel: Ich habe 24 Maschen pro Schulter und möchte 3 Stufen haben. Dann nehme ich pro Stufe 8 Maschen.

Alle Stufen sollten gleich tief sein - geht es beim Teilen nicht auf, darf man aber auch mal eine M mehr oder weniger nehmen, das macht keinen wesentlichen Unterschied.

Beispiel: Ich habe 30 Schultermaschen und möchte 4 Stufen haben. Dann mache ich 2 Stufen mit 8 Maschen und zwei Stufen mit 7 Maschen (die tieferen Stufen mache ich zuerst, aber das ist nicht zwingend notwendig).

Faustregel: Je mehr Reihen man auf 10 cm hat und je mehr Schultermaschen zur Verfügung stehen, desto mehr Stufen sind möglich, ohne daß die Schulterschrägung zu steil wird.

Aber wie stricke ich denn nun die Stufen?
Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Stufen durch abketten
Hierfür werden immer am Reihenanfang, also in jeder 2. Reihe, die Anzahl der Maschen für eine Stufe abgekettet.
In der Anleitung steht dann so etwas wie: Beim Rückenteil für die Schulterschrägung beidseitig 2 x je 8 M und 2 x je 7 M abketten.
Das bedeutet:
Reihe 1 - 4: Am Reihenanfang 8 M abketten, Reihe zu Ende stricken.
Reihe 5 - 8: Am Reihenanfang 8 M abketten, Reihe zu Ende stricken.

(die eine Reihe Versatz in der Höhe macht übrigens gar nichts - das gleich sich auch aus, weil das Vorderteil dann genau umgekehrt ist: Beim Rückenteil fängt die linke Schulter eine Reihe später an, beim Vorderteil ist es die rechte Schulter, die eine Reihe später begonnen wird)

Hat man keinen Halsausschnitt, werden in der nächsten Reihe die verbleibenden M abgekettet.
Strickt man gleichzeitig einen Halsausschnitt, wird die Schulterschrägung wird für jede Seite getrennt gearbeitet und danach sollten alle M abgekettet sein.

Damit die Schulterschrägung einen stufenlosen Rand erhält, gibt es einen kleinen Trick (der funktioniert übrigens für alle Rundungen z.B. auch bei Armkugeln):

Die übergezogene M zählt dann als erste abgekettete M.

Statt dieser Methode kann man auch die letzten beiden M der Vorreihe zusammenstricken und kettet dann jeweils 1 M weniger ab.

2. Stufen durch verkürzte Reihen

Die -wie ich finde- elegantere Methode zum Stricken einer Schulterschrägung ist das Arbeiten mit verkürzten Reihen. Gleichzeitig hat diese Methode den Vorteil, daß man die Schultermaschen zum Schluß zusammenstricken kann - das erspart Näharbeit und sieht zudem sehr ordentlich aus.

Bleiben wir beim vorgenannten Beispiel:  Beim Rückenteil für die Schulterschrägung beidseitig 2 x je 8 M und 2 x je 7 M abketten.

Anstatt nun abzuketten, arbeite ich so:

Reihe 0 (ich fange eine Reihe eher an, nämlich mit einer Rückreihe): Stricken, bis noch 8 M auf der linken Nadel übrig sind, wickeln, wenden (ich arbeite am liebsten mit Wickelmaschen, jede andere Methode zur Löchervermeidung beim wenden geht aber auch)

Reihe 1 (Hinreihe):  Stricken, bis noch 8 M auf der linken Nadel übrig sind, wickeln, wenden

Reihe 2 + 3: Stricken, bis noch 16 M (8 + 8 ) auf der linken Nadel übrig sind, wickeln, wenden

Reihe 4 + 5:  Stricken, bis noch 23 M (8 + 8 + 7) auf der linken Nadel übrig sind, wickeln, wenden

Reihe 6 + 7:  Stricken, bis noch 30 M (8 + 8 + 7 + 7) auf der linken Nadel übrig sind, wickeln, wenden

Reihe 9 + 10: Reihe wieder ganz durchstricken, dabei die Wicklungen mit den umwickelten M zusammenstricken (oder den Umschlag oder die Doppelmasche abstricken, je nach gewählter Methode)

Habt Ihr einen Halsausschnitt und arbeitet beide Seiten getrennt, gelten die geraden Reihenzahlen für die eine Schulter und die ungeraden Reihenzahlen für die andere Schulter.

Nun habt Ihr eine schöne Schrägung, aber die Masche sind trotzdem noch alle auf der Nadel. Die legt Ihr still und strickt später die Schultermaschen von Rücken- und Vorderteil per 3-needle-bind-off zusammen.

Und so sieht das dann fertig aus - hier etwas steiler, da kürzere Stufen:

Hier nur ganz flach, da sind die Stufen länger (und die Reihen weniger hoch, das ist mit dünnerem Garn und Nadeln gestrickt):

Danke an Gabi für die mitternächtliche Inspiration zu diesem Beitrag :grin:

Verkürzte Reihen sind genial, weil sie so vielfältige Möglichkeiten bieten, ein Strickstück zu formen. Ich benutze sie gerne für Schulterschrägungen, damit ich die Schultermaschen später zusammenstricken kann. Stufiges abketten und zusammennähen gehört für mich der Vergangenheit an. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind z.B. Brust”abnäher” (Keile), abgerundete Ecken, Schalkragen, von oben eingestrickte Armkugeln oder auch die weithin beliebte Bumerangferse.

Und natürlich kann man mit verkürzten Reihen auch kunstvolle Farbmuster erschaffen, wie z.B. Ruth Kindla, Gabriele Kluge oder Heidrun Liegmann zeigen.

Das Gegenteil von verkürzten Reihen sind übrigens verlängerte Reihen - das Prinzip ist aber das Gleiche:

  • Bei verkürzten Reihen wendet man in der ersten Reihe relativ spät und strickt in den folgenden Reihen jeweils weniger Maschen, bevor man wendet.

Beispiel: Reihe 1 - 50 M stricken, wenden, Reihe 3 - 30 M stricken, wenden, Reihe 5: 10 M stricken, wenden, Reihe 7: Wieder über alle M stricken

  • Bei verlängerten Reihen wendet man relativ früh in der ersten Reihe und strickt in den folgenden Reihen jeweils mehr Maschen, bevor man wendet (das benutzt man z.B. für eingestrickten Armkugeln).

Beispiel: Reihe 1 - 10 M stricken, wenden, Reihe 3 - 20 M stricken, wenden, Reihe 5: 30 M stricken, wenden, Reihe 7: Wieder über alle M stricken

Wenn man allerdings eine Reihe einfach nur mittendrin wendet und zurück strickt, ergibt sich ein unschönes Loch. Um das zu verhindern, gibt es mehrere Methoden.

  • Die einfachste Methode: Nach dem Wenden die erste M nur abheben und den Faden fest anziehen. Das Ergebnis gefällt mir aber nicht sonderlich, die Wendestelle sieht irgendwie unsauber aus.
  • Etwas besser wird es, wenn man nach dem Wenden einen Umschlag macht und dieser später, wenn man wieder über alle M strickt, den Umschlag mit der nächsten Masche zusammenstrickt. Das Ergebnis finde ich aber auch nicht wirklich überzeugend.
  • Eine Methode, auf die viele deutsche Strickerinnen schwören, ist die sogenannte Doppelmasche. Die gibt keine Löcher, ich mag sie aber trotzdem irgendwie nicht.
  • Meine bevorzugte Methode sind Wickelmaschen, auf englisch wrap & turn. Da muss man beim Zusammenstricken bloß ein bisschen aufpassen, wie man die Wicklung mit der umwickelten Masche zusammenstrickt, damit auf der Vorderseite kein sichtbarer Querfaden verbleibt.

Richti genial finde ich aber die Methode mit der Haarklammer, die Eunny Jang in diesem Video zeigt. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber das sieht wirklich überzeugend ordentlich und sehr einfach aus. Es beginnt bei Minute 5:58 (vorher zeigt sie die Umschlagmethode und die Wickelmethode):

Welche Methode bevorzugt Ihr für verkürzte Reihen?

Im Internet gibt es ja mittlerweile eine unüberschaubare Masse an Videos zum stricken lernen und zu Stricktechniken aller Art. Da findet sich nahezu die gesamte Bandbreite stricktechnischen Wissens, von der einfachen rechten Masche über komplette Sockenlehrgänge bis hin zum richtigen Falten des Baby Surprise Jackets. Die Qualität der Videos ist dabei sehr unterschiedlich, von unscharf-verwackelt bis top-professionell ist alles drin.

Mich machen viele Videos einfach nur rasend, weil oft erstmal minutenlang gequatscht wird, bis dann das wesentliche in wenigen Sekunden gezeigt wird. Am liebsten würde ich diejenige dann kräftig schütteln und anblaffen: “Mensch, Mädel, sabbel nicht, komm’ auf den Punkt!” :mrgreen:
In der Regel schaue ich mir sowieso lieber Zeichnungen in einem Buch an, da kann ich notfalls so lange wie Schwein ins Uhrwerk draufstarren, bis es “klick” macht, anstatt andauernd start-stop-start-stop zu drücken. Ich bin ohnehin schon immer der Lerntyp gewesen, der lieber in einem Buch nachschlägt als sich etwas zeigen oder erklären zu lassen.

Aber viele Strickende empfinden bewegte Bilder als sehr hilfreich. Besonders gut gemacht finde ich da die Lehrvideos von Berroco. Die sind zwar auf englisch, aber man versteht sie auch sehr gut ohne Sprachkenntnisse.

Hier wird z.B. der Matratzenstich gezeigt:

Und hier wie man eine Armkugel einsetzt:

Maschen verkreuzen leicht gemacht:

Weitere gute Sammlungen von Lehrvideos findet Ihr z.B. bei
DROPS Design (erklärender deutscher Text und ganz ohne Gequassel :grin: )
Nadelspiel/Elizzza (sehr umfangreich, aber dadurch auch etwas unübersichtlich - Suchfunktion nutzen)
KnittingHelp.com (besonders empfehlenswert: Die Zusammenstellung der unterschiedlichen Methoden für Zunahmen und Abnahmen)
Interessant sind auch die Videos der Designerin Cat Bordhi
Frau Strickpraxis hat ebenfalls ein paar sehr lehrreiche Videos und Tutorials im Angebot (siehe Menüleiste)
Und hier noch eine umfangreiche Zusammenstellung des japanischen Garnherstellers Pierrot (dort findet man auch Videoerklärungen zu den japanischen Strickschrift-Symbolen und -was man selten irgendwo gezeigt findet- meine bevorzugte Methode des Zusammennähens)

Und wer wie ich lieber Zeichnungen betrachtet, schaut auf die Seiten der Vogue Knitting: Grundlagen und fortgeschrittene Techniken (alle Zeichnungen stammen übrigens aus Vogue Knitting The Ultimate Knitting Book - meine Strickbibel).
Sehr gut ist auch die Rubrik Techniques with Theresa in der Knitty.

Abschließend möchte ich noch allen, die mit Englisch keine Probleme haben, den großartigen Blog TECH-knitting ans Herz legen (am besten im Index stöbern). Was dort an Wissen geboten wird, geht weit über den gewöhnlichen Stricktellerrand hinaus.

Viel Spaß beim stöbern, gucken und lernen :grin:

 …oder: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? :wink:

Kann man über Umschläge überhaupt mehr als nur ein paar Worte schreiben? Ist doch eigentlich nur den Faden von vorne nach hinten über die Nadel legen - oder???

Kann man - dieser Artikel beweist es. Am besten finde ich ja die Anekdote am Anfang - da geht es darum, daß eine Kundin im Wollgeschäft steif und fest behauptet hat, daß man als “continental knitter”, d.h. so, wie die meisten von Euch stricken (mit dem Faden über der linken Hand) keine Umschläge arbeiten könne, die (gewollte) Löcher produzieren, man würde immer nur Zunahmen erhalten. Und die Mitarbeiterin des Wollgeschäfts konnte sie partout nicht vom Gegenteil überzeugen. Über so viel Borniertheit dürft Ihr jetzt alle mal herzhaft lachen und Euch fragen, wie Ihr es bloß geschafft habt, Eure Lace-Tücher zu stricken :mrgreen:

Wir denken über Umschläge in der Regel nicht weiter nach - Faden über die Nadel schmeissen, gut is’. Anderenorts braucht der Strickende offenbar eindeutigere Erklärungen, denn in britischen Anleitungen findet man neben dem gewöhnlichen yo = yarn over= Umschlag auch die Abkürzungen yfwd,  yfrn, yon und yrn.

Da wird tatsächlich danach unterschieden, was für Maschen vor und nach dem Umschlag kommen:

yfrn (= yarn forward round needle) ist ein Umschlag zwischen zwei rechten Maschen

yrn (yarn round needle) ist ein Umschlag zwischen zwei linken Maschen

yfwd (yarn forward) ist ein Umschlag nach einer rechten und vor einer linken Masche

yon (= yarn over needle) ist ein Umschlag nach einer linken und vor einer rechten Masche

Und wenn Ihr jetzt fragt “Hä? Und wozu soll diese Unterscheidung gut sein?”, kann ich Euch darauf leider auch keine Antwort geben, ich habe keine Ahnung. Falls Euch diese Abkürzungen über den Weg laufen, denkt Euch einfach “die spinnen, die Briten” und macht einen Umschlag :wink:

Interessanter wird’s, wenn man Umschläge “falsch” rum macht, nämlich von hinten nach vorne. Oder wenn man darüber nachdenkt, welche unterschiedlichen Effekte durch unterschiedliches Abstricken des Umschlags entstehen. Oder wie man mit Hilfe von Umschlägen Knopflöcher stricken kann. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden…

Bedauerlicherweise gibt es bei uns keine Stricksendung im Fernsehen - in den USA schon, nämlich Knitting Daily.
Die Sendungen kann man auch auf DVD oder als Download kaufen, was aber ein teurer Spaß wird, denn mittlerweile sind sie schon in der 9. Staffel.

Viele Einzelbeiträge kann man hier aber auch kostenlos anschauen - klickt Euch mal durch, damit seid Ihr eine Weile beschäftigt :wink: Die “preview”-Videos sind nicht wirklich interessant, viele von den anderen dafür um so mehr. Die, die kein englisch verstehen, können sich immerhin an den Aufnahmen von schönen Garnen und Strickstücken erfreuen und einiges versteht man ja auch nur durch’s Zuschauen. Und bei manchen Strickbegriffen hat man auch ein Aha-Erlebnis, weil man endlich mal hört, wie die eigentlich ausgesprochen werden. Mir ging es z.B. mit “gauge” so.

Hier eine kleine Auswahl von Beiträgen, die ich besonders interessant finde (und ich bin auch noch lange nicht durch mit allen Videos):

Für viele der in den Sendungen vorgestellten Projekte gibt es die Anleitung auch kostenlos, man muss sich nur einmalig registrieren lassen.

Wer sich schon mal mit englischsprachigen Anleitungen befasst hat, ist sicherlich auch schon mal über Begriffe wie “DK” oder “worsted weight yarn” gestolpert. Aber was ist das eigentlich und wozu soll das gut sein?

In den USA gibt es das sogenannte “Standard Yarn Weight System“, entwickelt vom “Craft Yarn Council of America”, einem US-Industrieverband. Mit diesem System wird die Dicke eines Garnes standartisiert und Garne werden somit leichter vergleichbar und ersetzbar:

Wir hier im deutschsprachigen Raum sind es gewohnt, die Stärke eines Garns anhand der Lauflänge abzuschätzen. Was eigentlich ziemlich blödsinnig ist, denn je nach Material und Zwirnung können zwei Garne mit identischer Lauflänge eine ganz unterschiedliche Dicke und somit auch völlig unterschiedliche Maschenproben haben. Ein Baumwollgarn mit 130 m Lauflänge auf 50 m ist z.B. deutlich dünner als ein Kaschmirgarn mit der gleichen Lauflänge. Klar, Baumwolle hat ja auch ein viel höheres spezifisches Gewicht. Von daher würde die beiden Garne in unserem Beispiel (für ein gleich dichtes Gestrick) komplett unterschiedliche Maschenproben erfordern, müssten demzufolge mit ganz verschiedenen Nadelstärken verstrickt werden. Wer glaubt, daß er jedes Garn durch ein anderes mit gleicher Lauflänge ersetzen kann, kann damit ganz bös auf die Nase fallen.
An den auf der Banderole empfohlenen Nadelstärken bzw. angegeben Maschenproben kann man sich auch nicht wirklich orientieren, da jeder Hersteller eine andere Strickfestigkeit bevorzugt. Zwei identische Garne würden z.B. bei einem Hersteller, der auf ein extrem lockeres Gestrick setzt, eine ganz andere Nadelstärkenempfehlung erhalten als bei einem Hersteller, dessen Designabteilung festeres Gestrick schön findet.

Das Standard Yarn Weight System hat da einen ganz anderen und meiner Meinung nach viel sinnvolleren Ansatz. Es unterteilt die Garne nach deren tatsächlicher Dicke (”weight” hat hier nicht direkt etwas mit Gewicht zu tun). Wenn Ihr die Tabelle betrachtet seht Ihr, daß jeder Garnstärke ein Maschenzahlenbereich auf 10 cm (4 inches, also genau genommen 10,16 cm) sowie ein empfohlener Nadelstärkenbereich zugeordnet ist. Das macht es sehr leicht, ein Garn durch ein anderes zu ersetzen, denn zwei DK weight-Garne sind immer (mit winzigen Abweichungen) gleich dick, egal aus welchem Material sie bestehen und wie sie verzwirnt sind.

Aber wie stellt man nun fest, ob ein Garn fingering, DK oder bulky ist, wenn es nicht auf der Banderole angegeben ist? Hierfür gibt es die “wraps per inch (WPI)”-Methode. Dabei wickelt man das Garn gleichmäßig um ein Lineal. Nicht zu locker, aber auch nicht überdehnt. Die einzelnen Wicklungen werden so zusammengeschoben, daß sie glatt und lückenlos nebeneinander liegen. Nun kann man zählen, wieviele Wicklungen auf einen Zoll/inch, also 2,54 cm kommen. Je mehr Wicklungen, desto dünner das Garn. In einer Tabelle (hier die von Ravelry, dort ist das System noch etwas differenzierter) kann man dann ablesen, in welche Kategorie das Garn gehört:

Eine praktische Anwendung für die ganze Sache ist z.B. der Ersatz eines in einer englischen Anleitung verwendeten Garns, das es hier nicht zu kaufen gibt. Dazu schaut man einfach bei Ravelry in der Garn-Datenbank nach, welche Stärke das Garn hat. Nun kann man die Datenbank nach allen Garnen mit gleicher Stärke filtern, ggf. auch nach gleicher oder ähnlicher Materialzusammensetzung. Und bekommt als Ergebnis alle Garne, die ohne weiteren Umrechenaufwand als Ersatzgarne taugen. Die Wahrscheinlichkeit, daß dabei auch Garne sind, die wir hier problemlos kaufen, können ist ziemlich hoch. Und wenn nicht, geht Ihr das nächste Mal mit einem Lineal ins Wollgeschäft :wink:

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