Historische Anleitungen/vintage knitting patterns

Strickbuch-Antiquität

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Das wollte ich Euch ja noch zeigen – ich habe mir nämlich eine echte Antiquität geleistet. Um dieses Buch bin ich erstmal eine ganze Weile herumgeschlichen, denn es war wirklich teuer, über 130 €.

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Aber ich konnte nicht anders, ich musste es einfach haben.

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Und ich habe den Kauf nicht bereut, denn es ist ein wunderschönes Stück und unglaublich gut erhalten.
Erstaunt war ich allerdings über die Größe, mit 15,5 x 12,5 cm hat es gerade mal Taschenkalender-Format.

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Nach Angaben des Verkäufers wurde es um 1880 gedruckt und die Signatur auf dem Vorsatzblatt bestätigt, daß es mindestens 120 Jahre alt ist – wer wohl Agnes Huber war und was sie daraus gestrickt hat?

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Das Buch ist zum einen eine Mustersammlung und zum anderen gibt es Anleitungen für verschiedene Projekte:

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Das Ganze ist so eine Art Sammelband und besteht auch acht einzelnen Büchern mit jeweils 60 – 100 Seiten. Sehr schade finde ich, daß man -vermutlich um Platz zu sparen- in diesem Sammelband die Vorworte weggelassen hat, dabei sind gerade diese doch stets sehr interessant.

Eine frühere Ausgabe (1844) eines der Bücher kann man sich bei der Goethe-Universität kostenlos herunterladen. Einen weiteren Band findet man bei Max Musterdieb (auch ansonsten eine interessante Seite zum Thema historische Handarbeiten).

Hier kann man noch eine andere Ausgabe eines Einzelbandes sehen, die sogar farbig illustriert ist.

Alle drei sind übrigens in meinem Exemplar nicht enthalten, Frau Leander war also offenbar sehr produktiv.

Über den Winter habe ich mir vorgenommen, einige der Muster ohne Abbildung nachzustricken – das stelle ich mir spannend vor zu sehen, wie die Muster letztlich aussehen. Das Maltheserkreuz aus dem Exemplar bei der Goethe-Universität habe ich schon mal vor einiger Zeit ausprobiert und es kommt wirklich ein richtiges Maltheserkreuz heraus. Allerdings habe ich dabei gleich festgestellt, daß man beim Nachstricken höllisch aufpassen muss, weil die Zeichensetzung nicht immer stimmt und sich auch der eine oder andere Fehler eingeschlichen hat. Hach ja, es geht doch nichts über eine anständige Strickschrift :-)

Tipps für Sammler antiquarischer Strickliteratur

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Einige von Euch wollten ja wissen, woher ich das schöne alte Büchlein habe.
In diesem Fall habe ich es über ZVAB gefunden und incl. Versand 9,70 € bezahlt, das war also ein echter Glücksgriff.

Falls ich Euch nun angesteckt habe, hier ein paar Tipps:

1. Verschiedene Quellen regelmäßig durchforsten

  • Ebay

Kategorie: Antiquitäten & Kunst > Antiquarische Bücher > Haus, Hobby & Garten > Handarbeit
Teilweise landen die Sachen allerdings auch in anderen Kategorien, aber in dieser findet man die meisten Treffer.

Ansonsten am besten nach bestimmten Titeln suchen.
Titel alter Handarbeitsbücher findet man z.B. üer ZVAB oder auch über Google Books. Dort git es auch einige sehr alte Bücher im Volltext, dieses zum Beispiel. Und über die Verweise auf ähnliche Bücher findet man dann nochmal wieder andere Titel.

Sehr interessante Sachen findet man oft auch auf den Antiquariats-Plattformen:

Viele Sachen trifft man allerdings auf allen Plattformen wieder.

Dort suche ich dann einmal nach einem Titel mit “stricken” und in einer zweiten Suche nach dem Stichwort “stricken” (beides bringt oft unterschiedliche Treffer), jeweils in Verbindung mit dem Zeitraum bis 1960.

Da bei diesen Plattformen oft keine Bilder vorhanden sind, sollte man sich die Beschreibung immer gut durchlesen.
Achtung: Oft wird “stricken” und “sticken” verwechselt (oder vertippt), da muss man aufpassen, was das Buch tatsächlich beinhaltet.

Wenn man einen interessanten Titel gefunden hat, zusätzlich danach googeln – manchmal findet man im Netz Bilder oder man entdeckt ihn noch woanders günstiger.

Das hier habe ich z.B. kürzlich bei Ebay gefunden – incl. Versand habe ich 15,10 € dafür bezahlt, dafür ist es aber auch ausgezeichnet erhalten. Es ist die erste Auflage des Standardwerkes von Maria Natter vom März 1950. Das Buch wurde immer wieder neu aufgelegt und erweitert, zuletzt ist es als “Bassermann-Handbuch Stricken” 1999 erschienen.

Es ist übrigens gerade wieder auf Ebay – Startpreis 1 €.

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2. Wucherpreise nicht unterstützen – manche Verkäufer glauben, nur weil ein Buch oder Heft alt ist, können sie dafür viel Geld nehmen

Ich zahle nicht mehr als 2 oder 3 Euro für eine alte Zeitschrift, für Bücher bis zu 15 Euro. Mehr nur bei ganz besonderen Exemplaren oder wenn mir genau dieses Heft noch fehlt. Da bin ich auch stur und verzichte lieber, als daß ich solche unverschämten Preise unterstütze. Mit ein wenig Geduld taucht jedes Werk irgendwann auch für einen niedrigeren Preis wieder auf. Und wenn nicht, dann soll es halt nicht sein.

Allerdings habe ich gestern gerade einen sehr verrückten und sehr teuren Kauf getätigt – das musste ich einfach haben. Mehr dazu, wenn das Buch ankommt…

Wenn der Ebay-Verkäufer Preisvorschläge anbietet, ruhig mal einen machen – viele Verkäufer versuchen erstmal hoch zu pokern. Neulich habe ich ein Buch von 49 € auf 10 € runtergehandelt. Das klappt längst nicht immer, aber einen Versuch ist es allemal wert.

3. Auf die Anzahl der Seiten achten – manche der alten Hefte/Bücher haben sehr wenige Seiten, dafür muss der Preis dann auch entsprechend niedrig sein, sonst lohnt es sich nicht.

4. Bei Heften aufpassen, daß die Schnittmuster- und Arbeitsbögen noch dabei sind, sonst fehlen die Anleitungen. Ohne dient das Heft zwar immer noch zur Inspiration und oft kann man ja auch nach dem Bild stricken, aber dann sollte der Preis entsprechend gering sein.

5. Was man von alten Büchern und Heften nicht erwarten darf

  • Exakte Anleitungen – früher hat man nach einem Papierschnitt gestrickt, den man sich zuvor selbst angefertigt hat. Angaben über die Formgebung fehlen daher in der Regel völlig. Die meisten Anleitungen geben nur einen allgemeinen Überblick, wie das Modell zu arbeiten ist, ausreichende Strickkenntnisse wurden vorausgesetzt.
  • Verschiedene Größen – die meisten Modelle wurden nur in einer, maximal zwei Größen angegeben – wenn überhaupt. Da die meisten Frauen früher Nähkenntnisse hatten, waren sie in der Lage, einen Schnitt mit den gewünschten Maße zu zeichnen und dann entsprechend zu stricken. Zitat aus “Weber’s Handarbeitsbücher Band 1 Stricken mit Strickmuster” vom August 1948: “Hat man den Schnitt in seinen einzelnen Teilen nach der zu arbeitenden Größe auf starkes Papier angefertigt, wird der Mascheanschlag nach der Arbeitsprobe errechnet. Durch wiederholtes Auflegen der Teile auf den Schnitt kontrolliert man die fortschreitende Arbeit”.
  • Strickschriften – die wurden erst ab den 1930er Jahren nach und nach immer häufiger benutzt. In den ganz alten Bücher und Heften sind die Muster nur reihenweise in Worten beschrieben. In sehr alten Werken gibt es oft nicht einmal eine Zeichnung oder ein Foto, wie das Ergebnis aussehen wird.
  • Exakte Angaben über das zu verwendende Garn und dessen Lauflänge. Eine typische Angabe ist z.B. “man verwende 250g mittelstarkes Wollgarn”. Ebenso gibt es erst seit Mitte des letzten Jahrhunderts allmählich Angaben zur Maschenprobe. Vielleicht gab es eine Art “Standard” für bestimmte Nadelstärken (z.B. könnte der Standard für 2,5er Nadeln 30 M gewesen sein) und die Strickerinnen haben diesen Standard im Unterricht gelernt. Hat nun jemand fester oder lockerer gestrickt, wusste er das und hat die Nadelstärke entsprechend angepasst. Das ist aber nur eine Vermutung von mir, falls jemand da Genaueres weiß, wäre ich für eine Erklärung sehr dankbar.

Die Schule des Strickens

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Ich habe einen neuen antiquarischen Schatz in meiner Strickbibliothek:

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Das 65-seitige Heftchen ist 107 Jahre alt und hat zwei Weltkriege fast unbeschadet überstanden – ach, könnte es doch bloß sprechen, was hätte es spannende Geschichten zu erzählen….

Der Preis ist überklebt und auf dem Innentitel zusätzlich geschwärzt, was eventuell ein Hinweis darauf ist, daß das Buch ein Geschenk war – ich habe versucht, den Aufkleber abzupuhlen, weil mich ja mal interessiert hätte, was das Büchlein ursprünglich gekostet hat, aber den kriegt man nicht mehr ab. Wenn ich ihn gegen das Licht halte, meine ich aber ganz schwach 80 Pf. zu erkennen.

Kann übrigens jemand den Vornamen der ursprünglichen Besitzerin entziffern? Ich werde daraus irgendwie nicht schlau.

Erstaunlicherweise ist darin sogar ein Anschlag, den ich noch nicht kannte – oder habt Ihr schon mal etwas vom Bortenanschlag gehört?

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Nebst Anleitungen für verschiedene Kleidungsstücke beinhaltet das Büchlein auch eine Sammlung von interessanten Mustern.
Faszinierend finde ich, wie detailliert und gut ausgeführt die Zeichnungen sind:

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Diese Herrenjacke könnte man ohne weiteres auch heute noch tragen:

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Und weil so ein wunderbarer antiquarischer Schatz geteilt und für die Nachwelt erhalten werden sollte, habe ich das komplette Büchlein für Euch eingescannt. Ihr könnt es hier es als PDF herunterladen (oder oben einfach auf das Titelbild klicken).

Das erste Strickbuch der Welt

Wiist Ihr, wann das (vermutlich) erste Strickbuch der Welt erschienen ist? Bereits im Jahr 1800 – es war ein deutsches Buch namens “Die Kunst zu Stricken in ihrem ganzen Umfange” von einem Herr Johann Friedrich Netto.

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Die Einleitung hat auch nach 214 Jahren nichts von ihrem Wahrheitsgehalt verloren:

“Die gewöhnliche Beschäftigung der Damen in Gesellschaften, das Stricken, kann zugleich eine der angenehmsten für sie werden, wenn sie etwas mehr als das Alltägliche von dieser Kunst verstehen und gute Muster zum Nachahmen vor sich haben. Allein nur wenige Damen haben das Glück bei ihrem Unterrichte mehr als das Gewöhnliche zu erlernen, und zwar aus dem natürliche Grunde, weil die Lehrerinnen selbst selten etwas mehr verstehen”.

Das passt doch zu Euren Erfahrungen mit den Handarbeitsfräuleins in der Schule ;-)

Ein Exemplar befindet sich in der Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin – PK und dankenswerterweise wurde es digitalisiert – man kann es kostenlos ansehen und auch als PDF herunterladen (das dauert allerdings, es sind immer 223 MB).

Sehr interessant sind alleine schon die alten Bezeichnungen: Eine rechte Masche nannte man “glatt”, eine linke war “geknüttet” und verschränkt abgestrickt bekam man eine “umgewandte” oder “verwendete” Masche.

Im Begriff “geknüttet” zeigt sich die Wortverwandtschaft zum englischen “knit”, was dort aber eine rechte M bzw. die Tätigkeit des Strickens als solche ist. Herr Netto weist in einer Fußnote darauf hin, daß man in Niedersachen unter “Knütten” das Stricken allgemein verstehe. Gibt es unter Euch welche aus Niedersachsen, die den Begriff noch kennen und eventuell sogar noch verwenden?

Wenn man sich das Buch durchliest, gelangt man allerdings -zumindest aus heutiger Sicht- zu dem Eindruck, daß der gute Herr Netto den Mund mit dem Titel “vollständige und gründliche Einweisung” doch arg voll genommen hat – didaktisch ist das Buch meiner Meinung nach völlig unzulänglich und von Vollständigkeit sicherlich auch für damalige Verhältnisse weit entfernt.

Bermerkenswert finde ich die am Ende des Buches enthaltenen Tafeln mit zahlreichen Einstrickmotiven und -bordüren, die jeweils einmal in Farbe und einmal in schwarz-weiß dargestellt werden:

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Obwohl viele der Muster sehr hübsch und sicherlich auch heute noch brauchbar sind, haben dummerweise offenbar weder der Herr Lehmann, der die Tafeln entworfen und gestochen hat, noch Herr Netto dabei bedacht, daß Maschen breiter als hoch sind und so einige der Motive beim Nachstricken deutlich in der Breite verzerrt ausfallen werden.

Was mich erneut daran zweifeln lässt, daß der Herr Netto wirklich so viel Ahnung vom Stricken hatte, wie er vollmundig behauptete:

“Die Leserinnen werden also sehen, daß ich mich nicht unberufenerweise zum Lehrer einer Kunst aufgeworfen habe, die gewöhnlich nur von ihrem Geschlecht ausgeübt wird…”

Trotzdem ist das Buch natürlich ein hochinteressantes Stück Strick-Zeitgeschichte und ich finde es immer wieder großartig, daß solche alten Literaturschätze eingescannt und dadurch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dings vom Dach :-)

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Vor ein paar Tagen schrieb mich Anja an. Sie und Ihre Mutter hatten einen Stapel alter Handarbeitshefte im Haus der Großeltern gefunden und sie konnte ihre Mutter gerade noch daran hindern, die alten Schätze wegzuwerfen, weil sie sich daran erinnert hat, daß ich historische Strickhefte sammele.

Nun bin ich glückliche Besitzerin von vielen schönen neuen alten Heften – 1000 Dank, liebe Anja!

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Bei Ravelry habe ich meine Neuzugänge schon erfasst und mit Erstaunen festgestellt, daß in meiner Vintage Knitting-Abteilung schon über 600 Hefte und Bücher stehen :shock: Kein  Wunder, daß ich neue Schränke brauchte…

Ostereier

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Ich habe in meiner Strickbibliothek für Euch nach Ostereiern gesucht – hier sind ein paar Leckereien für Euch. Aber nicht alle auf einmal essen ;-) Ein Klick auf’s Bild bringt Euch zum PDF mit der Anleitung.

Aus “Trio Die neue Strickmode Heft 8″ (60er Jahre):

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Aus “Constanze Strickmode Herbst/Winter 86/87″:

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Aus “Constanze Strickmode Frühjahr/Sommer 1989″:

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Aus “Constanze Strickmode Herbst/Winter 88/89″:

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Und weil’s so schön zu Ostern passt – Häschensachen :-D

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Neue alte Strickhefte

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Ich habe mal wieder neue Hefte für das Archiv historischer Strickzeitschriften gescannt.
Mit einem Klick auf’s Bild öffnet sich das PDF.

Junghans Strickfreundin – mit freundlicher Genehmigung von Junghans Wolle:

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Die Jacke finde ich richtig klasse (im Heft 4):

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Die Schachenmayrin 9/33:

Die Schachenmayrin 11/33:

Die Schachenmayrin 12/33:

Und als Bonus noch ein süßer Frühlingspulli von 1955:

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Viel Spaß beim Stöbern :-D