Leserfragen

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Janine fragt:

Hast du dich bei z.B. bei der Verena oder anderen anderen Auftraggebern als freie Designerin beworben oder ist die Verena auf dich zugekommen? Also ist jetzt etwas kompliziert geschrieben- was ich meine ist- wie bist du in den Verteiler gekommen, der dir dann die Themen zu der nächsten Zeitschrift schickt?

Das habe ich hier schon mal geschrieben.

Anke fragt:

Könntest Du bitte, falls Du das hast, von dem Modell unten in der Mitte ein größeres Foto einstellen, bei dem man das Muster besser sieht und ggf. so ähnlich nachstricken kann?

Leider habe ich da auch kein größeres Foto.

Und Ull-Rike fragt ganz viel :grin:

Mich würde nämlich ganz besonders interessieren, wie Du gelernt hast, aus einer Idee im Kopf ein fertiges Strickstück zu fabrizieren.

Bist Du Autodidakt?
Hast Du Lehrgänge, Workshops oder ähnliches besucht?
Hast Du Dein Wissen aus Büchern?

Ja. Ich lerne am besten aus Büchern bzw. lesenderweise im Internet. Und ganz viel habe ich aus dem englischsprachigen “Strickwissens-Pool” gelernt.
Seminare sind nicht mein Ding, da langweile ich mich schnell, weil das Lerntempo der Teilnehmer zu unterschiedlich ist. Ich habe noch nie einen Strickkurs besucht. Zum Thema stricken gibt es heutzutage auch nicht mehr so sehr viel, was ich nicht weiß (oder ich weiß zumindest, wo ich nachgucken kann). Ich wäre vermutlich ein ganz schrecklicher Seminarteilnehmer, weil ich gelegentlich zur Besserwisserei neige :roll:
Ein Nähkurs wäre wegen der Schnittechnik bestimmt noch sehr interessant. Von den Schneiderinnen kann ich noch mächtig viel lernen, das merke ich immer wieder, wenn von denen mal entsprechende Kommentare hier im Blog kommen, wie z.B. zur asymmetrischen Armkugel. Bloß daß ich ja gar keine Lust zum Nähen habe. Hm.
Videos machen mich ganz wuschig, weil das meistens eeeewig dauert, bis die dann mal zur Sache kommen. Da spule ich dann vor, verpasse die eine einzige entscheidende Stelle, muss wieder zurückspulen, das war dann natürlich wieder zu weit, also wieder vor…neee, da gucke ich mir lieber Fotos/Zeichnungen an. Da kann ich dann so lange draufstarren, bis ich verstanden habe, wie es geht. Aber ich bin sehr textorientiert, oftmals verstehe ich eine geschriebene Erklärung besser als die Zeichnung dazu.

Hast Du immer und immer wieder probiert?

Ähm…was muss man denn immer und immer wieder probieren? Wenn ich was machen will, gucke ich wie es geht und dann mache ich das. Wenn ich ribbeln muss, dann fast immer aus Doofheit, weil ich gepennt habe (ich kann sehr gut falsch rum zopfen :mrgreen: dadurch lernt man aber auch, einen Zopf noch 16 Reihen später wieder umzudrehen…) oder nicht richtig gelesen habe.

Wie oft bist Du an der Ausführung gescheitert?

Hm, Du meinst, daß ich irgendwas nicht hinbekommen habe? Nie. Manchmal wird etwas ein bisschen anders, als ich das ursprünglich geplant habe, aber das sehe ich nicht als Scheitern, sondern als kreativen Entstehungsprozess :wink:

Oder bist Du einfach ein Naturtalent, das gar nicht erklären kann, wie es von der Idee zum fertigen Strickstück kommt?

Naja, ich denke schon, daß ich Talent zum Stricken habe. Und ich lerne halt schnell und merke mir das dann meistens auch für den Rest meines Lebens (wenn es mich interessiert). Der Rest ist dann einfach Erfahrung, ich habe ja schon hunderte von Pullovern und Jacken gestrickt, da lernt man mit der Zeit, wie man welche Formen hinbekommt, was geht und was nicht geht usw. Und man kann viele Sachen auch prima bei anderen Modellen abgucken, das Rad muss ja nicht jedes Mal neu erfunden werden :wink: Wenn ich z.B. eine Art Kragen machen will, den ich noch nie gemacht habe und mir nicht so recht vorstellen kann, wie das funktioniert, dann suche ich mir ein Modell, das den gleichen oder einen ähnlichen Kragen hat und gucke, wie hat die Designerin das gelöst.

Wenn ich mir z. B. eine tolle Jacke mit aufwändigen Mustern und interessanten Schnittdetails im Kopf vorstelle, würde die Umsetzung bei mir schon daran scheitern, dass ich viel zu viele einzelne Musterproben machen müsste, von denen ich dann ja noch lange nicht wüsste, wie sie in einen Schnitt zu bringen sind.

Musterproben? Maschenproben? Igitt *schüttel* :mrgreen: Ich mach’ das nach Gefühl :wink:
Eigentlich fange ich einfach an zu stricken, denn die Maschenzahl weiß ich ja anhand der Nadelstärke (ich hab’ bei 3er Nadeln z.B. immer 28 – 29 M auf 10 cm). Bei Mustern, die eine andere Maschenprobe als glatt rechts haben, weil sie sich z.B. zusammenziehen, mache ich das auch nach Gefühl. Meistens geht es gut, ansonsten merke ich nach ein paar Zentimetern, daß es nicht passen wird und ribbele dann halt (nachdem ich gemessen habe natürlich, damit es beim 2. Versuch hinhaut). Und dann stricke ich halt so, daß es die Form bekommt, die ich haben will. Nun haben meine Sachen aber auch keine besonders ausgefallenen Schnitte, bei denen man ganz viel überlegen und rechnen müsste.

Kannst Du uns dazu Tipps geben, wie man so etwas – vielleicht erstmal an einfacher geschnittenen Stücken, lernt?

Au, das ist schwer, ich weiß ja eben selbst nicht so genau, wie ich das gelernt habe. Also genau genommen habe ich nie lernen gelernt :wink: Ich musste mich auch in der Schule nie hinsetzen und “pauken”, irgendwie ist das, was wichtig war (und ein Haufen unwichtiges Zeug) immer einfach so hängen geblieben.
Als Tip würde ich sagen, ganz viele Sachen stricken. Und versuchen zu verstehen, was man da eigentlich tut und warum. Auf englisch gibt es den schönen Begriff “read your knitting”. Was passiert, wenn ich dieses mache und was geschieht, wenn ich jenes nicht mache.
Beispiel: Wieso sieht es z.B. bei Streifenmustern blöd aus, wenn ich linke Maschen über rechten Maschen in einer anderen Farbe stricke, was passiert da, wie läuft denn der Faden, wie bildet sich eigentlich die Masche? Und wie kann man diesen Effekt absichtlich als Designelement nutzen?
Noch’n Beispiel: Welchen Effekt erreiche ich durch nach links und nach rechts gerichtete Abnahmen? Wie läuft die Maschenlinie? Wann mache ich betonte Abnahmen und wann lieber nicht? Wie baue ich Zu- oder Abnahmen am besten in Rippenmuster ein?
Gucken, was hat die Designerin oder der Designer gemacht, um dieses oder jenes zu erreichen. Also nicht nur stur nachstricken, sondern dabei denken :wink:
Und aus Fehlern lernen: Warum ist etwas nicht so geworden, wie ich das wollte und wie kann ich es beim nächsten Mal anders machen?

Benutzt Du auch den PC für Deine Entwürfe (wenn es z. B. um Farbkompositionen geht)?

Für Farbzusammenstellungen gucke ich mir Farbkarten an. Am besten natürlich “richtige”, das heißt keine Fotos im Internet, sondern Fädchen. Die kann man nebeneinander halten und gucken, ob es zusammenpasst. Auf die Idee, mit einem Grafikprogramm Farben zusammenzustellen bin ich ehrlich gesagt noch gar nicht gekommen. Wenn ich keine Fädchen habe, stelle ich mir im Kopf vor, wie das zusammen aussieht.

Man könnte vielleicht auch Muster aus Musterbüchern einscannen und gucken, wie die zusammen aussehen. Habe ich aber auch noch nie gemacht.

Den PC benutze ich nur, um die Anleitung und die Strickschrift zu schreiben. Und neuerdings auch, um die Schnittzeichnung zu machen, mit der Hand gemalt sieht das doch ziemlich amateurhaft aus.
Vor einiger Zeit habe ich mir mal den Strickrechner zugelegt, in der irrigen Hoffnung, daß ich mir die Umrechnerei in andere Größen damit erleichtern kann. Aber der kann keine stufenlosen Rundungen. Also müsste ich die Berechnungen des Programms doch wieder abändern, dann kann ich es auch gleich zu Fuß machen.

Leserfragen: Wie entstehen Tichiros Designs?

Kürzlich fragte Melanie in einem Kommentar zur aktuellen Verena:

Ich wollte schon immer wissen, wie entstehen deine Designs für z.B. Verena?
Bekommst du ein Thema vorgegeben und du überlegst dir etwas passendes oder gibst du ein fertiges Strickstück / einen Entwurf an Verena und es wird in die Zeitschrift genommen wenn es thematisch passt?
Hast du weiterhin die Rechte an der Anleitung usw. oder “gehört? das Design nun der Zeitschrift?
Bist du eine “feste? Designerin und musst eine bestimmte Anzahl an Stücken pro z.B. Jahr liefern oder geschieht das auf Anfrage bzw. wenn du eine gute Idee hast?

Aaaaalso das ist so *tieflufthol* :wink:

Für die Verena gibt es für jedes Heft einen Themenplan. Der wird knapp ein halbes Jahr vor Erscheinungstermin des Heftes erstellt und an die Designer, mit denen die Verena zusammenarbeitet, gemailt. Die meisten Designer arbeiten für bestimmte Garnhersteller, es gibt aber auch ein paar freie, so wie mich. Meistens sind es ungefähr acht Themen (incl. der Kindermodelle).

Die Themen sehen so aus (Beispiele aus dem Themenplan für die Verena Winter 2011)

Nicht immer landen die Themen auch so im Heft, oft wird der Titel noch geändert oder ein Thema fällt weg, weil zu wenig passende Entwürfe eingereicht werden. Manche Entwürfe werden auch kurzerhand einem anderen Thema zugeordnet, weil sie da besser reinpassen.

Die Stilbeispiele sind eine feine Sache, weil man damit eine Vorstellung bekommt, wie die Chefredakteurin sich das Thema vorstellt. Andererseits sind sie auch gefährlich, wenn man nämlich ein Modell besonders schön findet (ich fand z.B. das mittlere bei “sanfte Kontraste” ganz toll), neigt man dazu, einen sehr ähnlichen Entwurf zu machen, was natürlich nicht im Sinne des Erfinders ist.

Manchen Themen liegen mir auf Anhieb und ich habe sofort Ideen dazu. Zu anderen fällt mir rein gar nichts ein, das sind dann meistens auch die Themen, wo die gewünschten Modelle nicht mein Stil sind. Aber ich muss ja auch nicht zu jedem Thema was einreichen. Andere Themen erschließen sich mir erst nach ein paar Tagen. Das Gartenthema, zu dem ich ja die Latzhose gemacht habe, war zuerst rein gar nichts für mich. Und plötzlich hatte ich die Vorstellung von einer Frau, die in einer Latzhose im Garten rumpusselt :grin:

Sobald ich den neuen Themenplan habe, geht mein Gehirn auf “Designmodus” und dann können mich alle Sachen, die ich sehe, plötzlich auf Ideen bringen. Ich liege im Bett und sehe Pullover vor mir (und stehe wieder auf, um sie schnell zu zeichnen).

Meine Entwürfe entstehen fast vollständig nur vor meinem inneren Auge. Oft habe ich auch Ideen, wenn ich meine Musterbücher durchblättere. Erst wenn ich das Modell relativ klar und deutlich im Kopf habe, zeichne ich es und das ist auch der schwierigste Teil, denn im Zeichnen bin ich eine absolute Niete. Es ist ein bisschen besser geworden, seitdem ich das übe, aber professionell werden meine Entwurfszeichnungen wohl nie aussehen *seufz*, da fehlt mir einfach das Talent. Aber bis jetzt hat es gereicht um verständlich darzustellen, was ich mir vorstelle.

Gerne baue ich auch Techniken ein, mit denen ich mich gerade beschäftigt habe, z.B. die Braids für die Rapunzel-Jacke hatte ich damals gerade für ein Skript für einen Kurs bearbeitet und in meinem nächsten Verena-Modell werden Smokmaschen eine Rolle spielen…

Manchmal hat man auch ganz großartige Ideen, nur um dann beim genaueren Durchdenken festzustellen, daß das stricktechnisch gar nicht oder nur sehr kompliziert machbar ist. Und andere Ideen muss man wieder verwerfen, weil sie zeitlich nicht zu schaffen sind. Einen kompletten Fair Isle-Pullover oder eine Jacke mit vielen aufwendigen Zopfmustern schaffe ich in sechs Wochen einfach nicht, da muss man realistisch bleiben.

Und wenn es mal richtig gut läuft, vergehen von der Idee bis zur fertigen Zeichnung nur Minuten. Das Kleid (das eigentlich eine Tunika sein sollte) z.B. ist entstanden, als ich eigentlich schon alle Entwürfe für die Frühjahrs-Verena abgeschickt hatte. Und plötzlich war das Modell einfach da, fix und fertig in meinem Kopf und wollte unbedingt raus – ich musste es nur noch abmalen :grin:

Nun hat man also zu einem oder mehreren Themen einen oder mehrere Entwürfe und reicht diese bei der Verena ein. Das geht per Post oder auch per Mail. Die Profis schicken in der Regel auch noch eine gestrickte Musterprobe mit, die bekommen von “ihren” Herstellern ja immer Muster der neuesten Garne. Bei mir ist es so, daß ich mein Wunschgarn vorschlage und dann mit der Chefredakteurin abkläre, ob das auch genommen werden kann. Manchmal läuft z.B. das Garn oder meine Wahlfarbe aus und wäre zum Erscheinungstermin des Heftes gar nicht mehr erhältlich oder von dem Hersteller sind schon genug andere Modelle im Heft, dann muss ich umdisponieren. Aus diesen Gründen hätte es auch wenig Sinn, ein fertiges Stück einzureichen.
Für die Modelle im letzten Heft hat mich z. B. Frau Schulz “gebucht”, da nehme ich dann natürlich auch Garne, die mein Auftraggeber herstellt bzw. vertreibt.

Zeitlich sieht es so aus, daß man für die Erstellung der Entwürfe ungefähr drei Wochen hat. Ein paar Tage nach der “Entwurfs-Deadline” erfährt man dann, ob ein oder mehrere Modelle angenommen wurden und kann mit dem Stricken loslegen, sobald man das Garn bekommen hat (das wird in der Regel vom Hersteller gestellt). Für die Anfertigung aller Modelle hat man insgesamt ungefähr sechs Wochen Zeit. Deswegen habe ich auch allerhöchstens zwei Modelle in einem Heft, mehr schaffe ich einfach nicht. Die Profis haben dafür natürlich ihre Strickerinnen. Der Fertigstellungstermin muss zwingend eingehalten werden, denn die Modelle gehen schon wenige Tage später auf die Reise zum Fotoshooting (da muss man halt manchmal auch mit schmerzenden Händen stricken :wink: ).
Natürlich kann es immer mal passieren, daß man nicht fertig wird, weil man krank geworden ist o.ä., dann muss die Chefredakteurin sehen, wie sie die für das Modell vorgesehene Seite füllt. Zuverlässigkeit ist hier aber wirklich das oberste Gebot, wenn man mehrfach Termine nicht einhält, kann man davon ausgehen, daß man keine Aufträge mehr bekommt.

Die Anleitung hat ein paar Tage länger Zeit und muss glücklicherweise nur in der Größe geschrieben werden, in der man gestrickt hat. Die Umrechnung in andere Größen und die Anpassung an einen einheitlichen Verena-Sil machen professionelle Anleitungsschreiberinnen.

Das Urheberrecht am Design und an der ursprünglichen Anleitung verbleibt natürlich (zumindest nach deutschem Recht) immer bei mir. Das Verwertungsrecht habe ich aber an die Verena abgegeben bzw. an meinen Auftraggeber verkauft, so daß ich selbst mit dem Design und der Anleitung nichts mehr machen kann, ohne das mit dem Inhaber des Verwertungsrechtes abgeklärt zu haben. Ich dürfte also die Anleitung z.B. nicht mehr selbst via Ravelry verkaufen.

Wenn ich direkt für die Verena arbeite, darf ich das Modell anschließend behalten. Arbeite ich für einen anderen Auftraggeber, muss ich meine “Babies” schweren Herzens zur Adoption freigeben. Die werden dann in der Regel zu Ausstellungstücken, viele Garnfirmen stellen die Modelle z.B. den Wollgeschäften leihweise zur Verfügung.

Eine “feste” Designerin in dem Sinne, daß ich eine bestimmte Anzahl von Designs für die Verena abliefern muss, bin ich nicht. Ich bekomme zwar immer den Themenplan, kann aber selbst bestimmen, ob und wieviele Modelle ich machen möchte. Ich muss ja zum Glück auch nicht davon leben (das wäre ein ziemlich hartes Brot und ohne Strickerinnen sowieso gar nicht möglich).

Ich bin sozusagen eine “Designerhure” :mrgreen: – ich verkaufe mich an jeden, der ein Modell von mir haben möchte. Vorausgesetzt, ich kann meinen Stil treu bleiben und das Garn, das ich verwenden soll, gefällt mir. Ich würde nie etwas entwerfen, was ich selbst nicht tragen würde (ob ich es figurmäßig könnte, steht auf einem anderen Blatt :wink: ) Und natürlich muss ich gerade Zeit dafür haben und der Preis sollte auch stimmen.

Wie das bei anderen Strickpublikationen, z.B. der Stricktrends läuft, weiß ich nicht, aber ich denke, das wird von den Abläufen her ähnlich sein. Ich weiß allerdings nicht, ob es da auch Themenpläne gibt. Bei dem ANNA-Kinderheft war es z.B. so, daß die Redakteurin mich gefragt hat, ob ich ein paar Entwürfe machen möchte, da war ich in der Gestaltung völlig frei, wichtig war nur, daß ich ein Garn von Lang Yarns verwende (die waren in dem Fall mein “Freier” :mrgreen: ).

Mittlerweile habe ich auch schon einen ganzen Sack voller Entwürfe “auf Halde”, ich reiche ja immer mehr ein, als genommen werden und die bekommt dann auch kein anderer mehr. Da habe ich einfach den Ehrgeiz, daß jeder Auftraggeber ganz frische Ideen bekommt, die noch kein anderer gesehen hat. Ich nehme mir immer vor, die anderen Modelle nach und nach abzuarbeiten und zu veröffentlichen, aber irgendwie kommt immer wieder was dazwischen. Naja, dann kann ich damit später vielleicht meine Rente aufbessern… :wink:

Leserfragen: Unterschiedliche Maschenproben innerhalb eines Strickstücks

Dann will ich doch gleich mal die Frage von Martine aufgreifen :grin:

Wie berechnet man Ärmelschrägen richtig, wenn das Muster sich innerhalb des Ärmels von unten nach oben ändert und sich sehr unterschiedliche Maschenproben ergeben? DAS Problem hatte ich bei progressiven Musteränderungen schon oft. Ich nehme meistens einfach ein Stück Papier, pause einen Ärmel von einem Pulli ab und lege meine Arbeit immer wieder darauf, um zu sehen, wo ich zunehmen soll :oops: . Das geht mathematisch sicher eleganter und präziser, oder? Tipp für mich?

Du bist echt Spezialistin im knifflige Fragen stellen, oder? :wink:

Meinst Du sowas wie: Unten glatt rechts, über’m Ellenbogen Zopfmuster und und oben kraus?
Gegenfrage: Wie würdest Du das am Körperteil lösen? Doch sicherlich nicht, indem Du alle benötigten Maschen zum Ausgleich der unterschiedlichen Breiten am Rand zunimmst? Und damit ist Deine Frage auch schon fast beantwortet. Du gleichst die Breite innerhalb der Reihe zu Beginn bzw. am Ende des jeweiligen Musters aus. Und die Zunahmen am Rand bleiben in gleichmäßige Abständen wie bei jedem anderen Ärmel auch.
Wenn die Maschenprobe auch in der Höhe sehr unterschiedlich ist (z.B. glatt rechts/kraus rechts) würde ich die Abnahmen im sich in der Höhe zusammenziehenden Teil einfach in etwas größeren Abständen machen (z.B. alle 10 statt alle 6 R).

Das heißt natürlich im Umkehrschluß, daß man theoretisch für jedes Muster eine gewaschene(!) Maschenprobe haben muss, um auszurechen, wieviele Maschen man zum Breitenausgleich braucht. Mit ausreichend Strickerfahrung kann man das aber auch nach Gefühl machen :wink: und notfalls verbleibende kleine Abweichungen durch Spannen ausgleichen.

Eine Fair Isle-Bordüre, die sich ja meistens etwas mehr zusammenzieht als normales glatt rechts-Gestrick gleiche ich aus, indem ich mit der Nadelstärke einen halben Millimeter hochgehe.

Der Trick mit dem Auflegen auf Papier klappt nur bei uns Brettstrickern, weil sich die Muster da nach dem Waschen in der Breite -wenn überhaupt- nur noch minimal verändern. Einem durchschnittlichen etwas-lockerer-Stricker kann es nämlich leicht passieren, daß sich die unterschiedlichen Muster nach dem Waschen auch wieder unterschiedlich entspannen (Zöpfe gehen z.B. mehr auseinander als glatt rechts). Dann wird mit Pech aus der vorher schön gerade hoch gehenden Kante auf einmal eine Schlangenlinie :shock: Das kann man dann aber eventuell (je nach verwendetem Garn) noch retten, wenn man die sich stärker zusammenziehenden Teile so spannt, daß wieder eine gerade Linie entsteht.

Meine Ärmelzunahmen sind übrigens in der Regel nach rd. 25 cm beendet, dann bin ich über dem Ellenbogen und ab da hat der Rest meines Arms sowieso überall den gleichen Umfang (kein Spinat, keine Bizeps :mrgreen: ). Meine Standardzunahme ist daher immer in jeder 6. Reihe beidseitig 1 M, bis die gewünschte Breite erreicht ist.

Leserfragen: Welche Menge auf Vorrat kaufen?

Die heutige Frage kommt von Elvira aus Österreich:

Ich habe vor zwei Jahren wieder zum Stricken angefangen und seitdem eigentlich immer „projektbezogen“ Wolle gekauft. D.h. ich habe zu einem Pulli, der mir gefiel, die passende Wolle gekauft, oder zu einem schönen Garn ein passendes Projekt gesucht, sodass ich immer wusste, wieviel Wolle ich kaufen soll.
Wie handhabst Du das bei einem spontanen Wollkauf, der einfach Deinen Stash bereichern soll? Ich bin da total unsicher. Oft ist zwar ein Richtwert für einen Pulli angegeben, doch der gilt für einen simplen glatt rechts gestrickten Pulli. Was ist nun, wenn ich später etwas Aufwendigeres draus stricken will? Und andersrum will ich nicht drei, vier Restknäuel übrig haben.
Vielleicht bin ich da noch etwas zu übervorsichtig und unentspannt, aber ich bin einfach unsicher, wie viel Wolle ich nehmen soll, wenn mir mal eine schöne so über den Weg laufen sollte. Und für solche Fälle sollte man schon gewappnet sein, oder?

Ich kaufe ja so gut wie nie projektbezogen, sondern eigentlich immer auf Vorrat. Die Verbrauchsangaben auf der Banderole sind für mich uninteressant, da sie sich auf die Maschenprobe der Banderole beziehen, und die ist in den allermeisten Fällen für ein -für meinen Geschmack- viel zu lockeres Gestrick. Ich würde also sowieso fast immer mehr verbrauchen als angegeben.
Früher habe ich immer vorsichtshalber 700 – 750 g gekauft, heute nehme ich 500 – 600 g, weil ich weniger wiege. Das ist für die meisten Oberteile in meiner Größe und für meine Lieblingslänge erfahrungsgemäß völlig ausreichend. Wenn ich mir aus dem Garn evtl. einen aufwendigen Zopfpullover vorstellen könnte, nehme ich machmal auch noch ein oder zwei Knäuel mehr, das reicht dann aber auch auf jeden Fall.
Meistens habe ich dann ein oder mehrere Restknäuel, aber das macht mir nichts aus. Entweder habe ich noch andere Farben von dem gleichem Garn, mit dem ich sie verarbeiten könnte, wenn nicht, verschenke ich sie an Kleinteilestricker. Lieber vier Knäule übrig haben, als daß auf den letzten 5 cm das Garn ausgeht. Da ist mir die Sicherheit wichtiger als Geld zu sparen.

Wie haltet Ihr das, liebe Leser?

Leserfragen: Farb- und Stilberatung

Heute fragt Katharina aus Italien:

Hallo Tina,

mir ist aufgefallen, dass du sehr unterschiedliche Farben für deine Strickwerke auswählst. Manche sind aus der warmen Farbpalette wie Rapunzel, Chestnut und Olivia, während andere aus der kalten Farbpalette stammen, wie Saone oder Anke. Vielleicht ist das Absicht? Vielleicht werden die Farben auf dem Bildschirm stark verzerrt?

Bei vielen anderen Strickern ist mir das auch aufgefallen. Mir stellt sich die Frage: Wie stehen Stricker eigentlich zur Frage der Farb- und Stilberatung? Ist das etwas, was gemieden wird, weil es die Kreativität behindert oder geradezu gesucht wird, weil Stricken es ermöglicht, Kleidungsstücke in der richtigen Größe, dem eigenen Stil und der richtigen Farbe herzustellen? Für mich ist Stricken geradezu notwendig, denn in Norwegen sind Kleidungsstücke für Zierliche in Frühlingsfarben Mangelware. Eine Farb- und Stilberatung, die ich vor 12 Jahren in Lüneburg gemacht habe, hat mir dabei sehr geholfen.

Tja, eine Stilberatung hatte ich noch nie. Ich würde sowas sehr interessant finden, aber ich bin zu geizig, um dafür Geld auszugeben :wink:
Eine Kurz-Farbberatung habe ich mal von Cleo bekommen, da hat sich herausgestellt, daß ich ein Frühlings-/Herbst-Mischtyp bin. Was bedeutet, daß ich einige Farben, die ich sehr gerne mag, gar nicht gut tragen kann (z.B. hellblau). Das gelbliche Khakigrün vom Middlefield-Pullover ist z.B. eine, die ich ohne Cleo gar nicht gewählt hätte, aber sie hatte recht, die steht mir. Und nun weiß ich auch, warum ich in einem hellgrauen Pullover immer irgendwie blöd aussehe.
Letztendlich pfeif’ ich darauf aber, wenn mir eine Farbe gefällt, dann trage ich sie auch, wobei das Wohlfühlen in bestimmten Farben oft tagesformabhängig ist.

Wie sind Eure Erfahrungen zum Thema?

Leserfragen: Lauflänge + Material herausfinden

Martina fragt:

Ich habe 7 Knäuel Wolle, insgesamt 357 g. Aber das ist auch schon meine einzige Info zu dieser Wolle. Wie kann ich möglichst einfach herausfinden wie die Lauflänge ist bzw. was für ein Projekt ich damit überhaupt stricken kann, damit ich nicht zum Schluß feststelle, dass ich zu wenig Wolle habe? Und hat vielleicht jemand Ideen wie man feststellt, woraus das Garn ist? Ich weiss, dass Baumwolle brennt und Polyacryl “schmort”, gibt es noch mehr Tests? Bin sehr gespannt auf die Tipps deiner Leserinnen!

Ich auch :grin:

Den Kokeltest kenne ich auch, ansonsten kann ich anhand der Optik und Haptik eines Garns oftmals eine Vermutung über die Zusammensetzung anstellen. Aber da habe ich auch schon gewaltig daneben gelegen.

Für die Bestimmung der Lauflänge würde ich 10 Meter abwickeln und die mit einer Briefwaage wiegen. Gesamtgewicht geteilt durch das Ergebnis der Briefwaage x 10 = Gesamtlauflänge.

Leserfragen: Ominöse Strickjacke gesucht

Claudia schreibt:

Hallo Tina, ich habe eine Frage und hoffe Deine zahlreiche Leserschaft kann mir helfen. Seit lägerem geistert eine wundervolle Strickjacke im Perlmuster durch die Blogs. Verliebt habe ich mich in ein graues Modell, mit Falten im unteren Bereich. Ich hatte mir mal gespeichert wo ich die gesehen habe, um sie nachzustricken. Nun sind die Notizen nicht mehr auffindbar und in den diversen Blogs finde ich die Jacke aktuell auch nicht. Hat jemand Tipps für mich, woher ich die Anleitung beziehen kann? Es würde mich wirklich sehr freuen.

Also mir fällt auf Anhieb nichts ein (obwohl ich das Gefühl habe, daß mir die Jacke bekannt vorkommt), habt Ihr eine Ahnung, welche Jacke das sein könnte?