Melanie kennt Ihr vielleicht schon aus dem letzten Adventskalender, für den sie einige Anleitungen gestiftet hat. Ich freue mich sehr, daß sie nun auch bei der Portrait-Serie mitmacht:
Meine erste Erinnerung an Nadeln und Wolle ist, wie ich als Kind Meter um Meter an Luftmaschenschlangen produzierte. Garn hatten wir immer im Haus, da meine Mutter damals noch viel strickte, und ich verbrachte wirklich viel Zeit damit. Doch irgendwann wurde es mir wohl doch zu langweilig, oder vielleicht wusste ich auch nicht mehr, wohin mit all den Häkelschnüren…
Ein paar Jahre später brachte mir meine Mutter bei, wie man rechte und linke Maschen strickt und so fertigte ich einen Schal für einen Freund an. Aus zwanzig verschiedenen Garnstärken und Qualitäten, und natürlich rollte er sich wie verrückt. Ich muss es dem Empfänger wohl hoch anrechnen, dass er das scheußliche Teil tatsächlich getragen hat…
Wiederentdeckt habe ich das Stricken dann erst kurz nachdem meine erste Tochter zu Welt kam. Wie so viele Frauen - irgendwie scheinen kleine Kinder da einen Instinkt in uns zu wecken und wir wollen etwas mit unseren Händen schaffen, behüten, warm und weich einpacken. Jedenfalls stürzte ich mich mit viel Begeisterung und Liebe in dieses neue Hobby und steckte jede freie Sekunde hinein.
Inzwischen haben wir drei kleine Kinder und dementsprechend gering ist die Anzahl meiner freien Sekunden, aber trotzdem versuche ich so viel Zeit wie möglich fürs Stricken und Designen zu erübrigen.
Ich liebe es, eine Idee zu entwickeln - vom ersten Gedanken, der erst noch eine Weile im Kopf hin- und hergeschoben werden muss, von ersten Zeichnungen oder kleinen Musterstückchen, Garn- und Farbwahl bis schließlich richtig angeschlagen werden darf und ein neues Projekt langsam wächst.
So viele Menschen wollen immer wissen, wo die Inspiration dazu herkommt. Von überall! Ich sehe irgendwo eine tolle Farbkombination, oder die Art, wie eine Decke Falten wirft, oder wie ein Gegenstand einen Schatten auf den Boden wirft, und natürlich betrachte ich aufmerksam die Menschen unterwegs. Manches behalte ich im Gedächtnis, und wenn ich eine Idee besonders toll finde, versuche ich sie schnell zu skizzieren.
Vieles verwerfe ich auch wieder, so wie beispielsweise die Idee, 1200m Alpaka Lace in einen I-Cord zu verwandeln, um daraus dann einen Cowl zu stricken. Den hätte ich dann iCowl genannt. Tja, immerhin der Name hatte was
(Anmerkung der Redaktion: 1200 m Lace zu einem I-Cord verarbeiten?
Nach wie vielen Gläsern Rotwein kommt man denn auf so irrsinnige Ideen?
)
Manche Anleitungen schreibe ich erst einmal auf, ehe ich stricke, zumindest im Groben, andere widerum notiere ich während des Strickens und ganz selten stricke ich auch erst einmal komplett fertig und notiere dann erst - aber das birgt natürlich die Gefahr, dass man nachher eben doch nicht mehr so haargenau weiß, was man da gemacht hat…
Ich mag einfache Designs - das liegt vermutlich daran, dass ich abends, wenn die drei Kleinen im Bett sind, nicht mehr viel Konzentration übrig habe für komplizierte Charts und tausend Zahlen. Trotzdem soll es nicht langweilig werden: Ein Strickstück mit dem besonderen Pfiff, einem interessanten Detail oder cleverer Konstruktion, dabei aber leicht nachzustricken - das finde ich klasse.
Ich bin verliebt in Tücher und Handstulpen. Ich mag es, wie man langweilige Outfits damit ein bisschen aufpeppen kann und dass man beides zu (fast) jeder Jahreszeit tragen kann. Und ich liebe es, neue Techniken zu lernen und auszuprobieren. Und seien wir mal ehrlich - man lernt wirklich nie aus, oder? Aber mit Ravelry, wo ich sehr aktiv bin, und vielen anderen tollen Seiten im Internet steht einem ja ein wahrer Wissensschatz zur Verfügung, in dem man sich richtig austoben kann.

(Copyright Foto: Carrie Bostick Hoge)
Es ist gar nicht übertrieben, wenn ich sage, dass Ravelry mein Leben ziemlich verändert hat. Ich habe so viele tolle Strickerinnen kennengelernt, quer verteilt über den ganzen Globus, ich habe so viel Neues gelernt, habe mir ein nebenberufliches Standbein aufgebaut und freue mich jeden Tag, dass ich ein Teil von dieser tollen Community sein darf und so viele schöne Projekte und Ideen sehen kann. Es ist schön, dass ich mit meinen Designs ein bisschen dazu beitragen kann!
Danke, liebe Tina, für diese tolle Serie! Ich möchte unbedingt noch ganz viele weitere Portraits deutscher Strickdesigner lesen, also los - traut Euch!
Melanies Website: www.mairlynd.de
Bei Ravelry: www.ravelry.com/designers/melanie-berg
Melanies Gruppe bei Ravelry: www.ravelry.com/groups/designs-by-melanie-berg









































































