Garn der Woche/yarn of the week

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Nun hae ich endlich mal das schöne Yak/Kamelhaargarn, das Herr Pascuali mir vor ein paar Wochen freundlicherweise zum Testen überlassen hat, verstrickt. Was daraus geworden ist, sehr Ihr weiter unten. Aber zunächst einmal ein paar Worte zum Garn.

Die Caya besteht aus 70% Yak und 30% Kamelhaar. Sie kommt in 50g-Strängen daher, die jeweils eine Lauflänge von ca. 125 m haben. Der Preis liegt bei 9,89 € pro Strang, was für diese Zusammensetzung völlig angemessen ist. Es gibt nur diese eine Farbe, ich denke mal, das ist der Naturton der Fasern, ein sehr hübsches helles Beige:

In der Nahaufnahme sieht das Garn haarig aus, das piekst aber überhaupt nicht, sondern ist herrlich schmuseweich:

Nun stellte sich natürlich als erstes die Frage: Was mache ich daraus? Ich hatte 200 g, das reicht nicht für ein Oberteil. Mütze trage ich nicht, Handschuhe sind mir zu fummelig, Tücher trage ich nicht. Also habe ich zuerst an einen Schal gedacht.

Der erste Versuch mit einem Muster aus einem meiner japanischen Musterbücher:

Das Muster sah hübsch aus, die Caya geht auch gut für Lochmuster, aber die Rückseite hat mir überhaupt nicht gefallen und die sieht man bei einem Schal nun mal zwangsläufig. Außerdem war mir gerade überhaupt nicht danach, 1,80 m Lochmuster zu stricken.

Also habe ich geribbelt, rumprobiert (nach dem dritten Mal ribbeln löst sich der Faden übrigens auf) und mich letztendlich für einen Cowl nach eigenem Entwurf entschieden.

Das Garn strickt sich sehr gut, es gleitet angenehm und schnell über die Nadeln und ist zwar nicht allzu fest, aber dennoch ausreichend verzwirnt. Der Faden ist schön gleichmäßig, hat jedoch ab und zu mal etwas ungleichmäßige Stellen, wo die Verzwirnung lockerer ist.

Das Maschenbild vor dem Waschen:

Und nach dem Waschen - viel gleichmäßiger, aber das Gestrick fühlt sich seltsamerweise auch deutlich dünner an als vorher. Ungewaschen hat es mir ehrlich gesagt besser gefallen, da hatte es mehr Griff. Ansonsten ist es aber herrlich weich, kuschelig und warm. Mein Bauchgefühl und die Halo, die sich auf dem Gestrick bildet, sagt mir aber, daß es vermutlich etwas pillen wird. Das ist aber nun mal der Preis, den man für Kuscheligkeit so gut wie immer zahlen muss, wichtig ist nur, daß sich das Pilling in erträglichen Grenzen hält.

Mit 3,5er Nadeln komme ich auf 22 M/10 cm in glatt rechts nach dem Waschen. Das ist für meine persönliche Strickfestigkeitsvorliebe hart an der Grenze - die beiden Stränge, die ich noch übrig habe, werde ich auf jeden Fall mit 3er Nadeln stricken.

Ja, und das isser nun, der Cowl - vor dem Waschen schrumpelig:

Nach dem Waschen fein und glatt:

Ich habe das Ding “Drunken Rib Cowl” getauft, weil die Rippen Schlagenlinien fahren :grin:

Die schönen handgearbeiteten Holzknöpfe hat mir mal eine liebe Mandantin aus Patagonien mitgebracht:

Um den Hals rum fühlt er sich toll an, schön warm und so leicht, daß man ihn kaum bemerkt:

Auf der Website wird behauptet, daß das Garn nicht flust, dem muss ich leider widersprechen. Ich hatte für die Fotos ein schwarzes Shirt an, das hinterher mit lauter Mini-Fusseln übersät war. Hier kann man das so ein bisschen erkennen:

Fazit: Ein wunderbares Garn in einer edlen Zusammensetzung - das würde ich gerne nochmal für ein “richtiges” Kleidungsstück nehmen.

Und wer den Cowl leiden mag und gerne nachstricken würde - bitteschön, hier habt Ihr die Anleitung :grin: Zum Ravelry-Download hier entlang.

Gabi T. ist schuld :wink: Gabi ist von diesem Alpaka-Garn absolut begeistert und hat hartnäckig versucht, mir das nahezubringen, obwohl ich immer wieder betont habe, daß Alpaka und ich einfach keine Freunde sind. Schließlich hat sie sogar den Firmeninhaber Sven angestiftet, mir doch mal ein Probeknäuel zu schicken - da musste ich meinen Widerstand aufgeben :grin:

Ein Grund, warum ich Alpaka nicht mag: Es piekst mich! Kratzige Wolle wie Shetlandgarn ist kein Problem, das kann ich sogar auf der bloßen Haut tragen, aber die feinen Sichelhärchen von Alpaka finde ich unangenehm. Selbst Baby-Alpaka finde ich grenzwertig, das piekt zwar längst nicht so schlimm, aber ich merke es doch.

Als das Päckchen ankam, habe ich mir natürlich sofort ein Knäuel an die Wange gedrückt - angeblich sollte dieses Baby-Alpaka ja weich wie Kaschmir sein und überhaupt nicht pieksen. Weich ist es tatsächlich, sehr weich sogar. Den Vergleich mit Kaschmir finde ich allerdings gewagt, Kaschmir ist doch noch eine ganz andere Hausnummer, allein schon vom Eigengewicht her. Pieksen tut die fair Alpaka aber wirklich nicht, zumindest nicht im Knäuel. Verstrickt dagegen… dazu gleich mehr.

Von der Optik her mag ich Alpaka sehr gerne - auch die fair Alpaka ist wunderschön anzuschauen:

Erhältlich ist sie in sechs schönen Naturtönen:

Neu im Programm sind außerdem drei gefärbte Varianten - neben dem abgebildeten Türkis und Dunkelblau gibt es auch noch ein Weinrot:

Da ich großzügigerweise je 300 g in wollweiß und dunkelbraun bekommen habe, habe ich mich gar nicht lange mit irgendwelchen Musterläppchen aufgehalten, sondern gleich eine Jacke angeschlagen. Bei zwei Farben in gleicher Menge boten sich Streifen an (eine Vorschau auf die ganze Jacke zeige ich in ein paar Tagen, bisher ist nur das Rückenteil fertig):

Die fair Alpaka läßt sich sehr gut verstricken. Der Faden ist fest genug verzwirnt, daß man nicht dazwischen stechen kann und sie gleitet wunderbar über die Nadeln. Alpaka ist ein sehr glattes Material, beinahe schon glitschig. Wer locker strickt, ist besser bedient, wenn er das Garn mit Holznadeln verarbeitet. Als Brettstricker habe ich aber auch mit Metallnadeln keine Probleme das Garn zu verarbeiten. Die extrem glatte Faser birgt einen entscheidenden Vorteil: Alpaka pillt überhaupt nicht!

Ich stricke mit 3,5er Nadeln und komme auf 24,5 M x 33 R auf 10 cm, das ist für meinen Geschmack hart an der Obergrenze - da kann man beinahe schon durch die Maschen gucken. Denn obwohl ein 50 g-Knäuel nur 100 m Lauflänge hat, ist das Garn doch relativ dünn. Alpaka hat ein hohes Eigengewicht, bei gleicher Lauflänge ist Alpaka viel dünner als z.B. Merino. Von daher ist die Aussage des Vertreibers “die Wolle des Alpaka ist sehr elastisch und sehr leicht” ziemlicher Blödsinn, Alpaka ist von allen tierischen Fasern, die ich kenne, die schwerste und im Vergleich z.B. zu Schafswolle auch relativ unelastisch.
Empfohlen sind lt. Banderole 3,5 - 4,5 mm Nadeln und eine Maschenprobe vom 20 M x 26 R - das wäre mir persönlich viel zu locker und löcherig.

Das Maschenbild wird schön gleichmäßig, aber hier zeigt sich auch schon der zweite Grund, warum ich Alpaka nicht mag: Beim stricken kommen die Haare raus und verwischen das Maschenbild. Wenn man das Gestrick später wäscht, wird es noch verschwommener. Das kann gewollt sein und sehr schön aussehen, für feine rechts/links-Muster oder Zugmaschenzöpfe ist das aber nichts, da geht das Muster komplett unter.

Hier ist noch ein abschreckendes Beispiel, wie Alpaka feine Muster verschwimmen läßt - das war ein Versuch mit der Loden von Grignasco. Das Foto habe ich vor der Wäsche gemacht, nach der Wäsche war vom Muster so gut wie gar nichts mehr zu sehen. Schade, denn das Garn ist auf dem Knäuel wunderschön. Aber für solche Muster völlig ungeeignet:

Auf der linken Seite sieht man das Haargewusel mit den abstehenden Härchen sehr deutlich - und genau das ist es, was mich piekst. Auch bei diesem Garn. Es ist nicht schlimm und ich merke es auch nur im Gesicht, aber ich merke es halt, da soll mir keiner erzählen, Baby-Alpaka würde überhaupt nicht pieksen. In der Beziehung ist meine Haut im Laufe der Jahre auch deutlich empfindlicher geworden.
Ich kenne aber auch Frauen, die vertragen kein Kaschmir, das für mich wiederum der Inbegriff vom Weichheit ist (und nur noch von Katzenbauchunterwolle übertroffen wird :grin: ). Da empfindet halt jede Haut unterschiedlich.

Der dritte Grund, warum ich Alpaka nicht mag, ist meine ganz persönliche Marotte. Ich mag nur festes Gestrick, das muss immer Stand und Substanz haben. Alpaka dagegen hat keinerlei Stand, das ist einfach schlapp. Selbst wenn man es mit 0,5er Nadeln verstricken würde, bekäme man es nicht wirklich fest.
Positiv ausgedrückt könnte man sagen, es hat eine fließende Weichheit - und das schätzen viele Strickende auch an Alpaka, insbesondere an Baby-Alpaka. Negativ ausgedrückt hat Alpaka kein Rückgrat und ist so schlapp wie ein toter Fisch. Kennt Ihr diese Art Menschen, die einem so schlaff die Hand geben? Genau so ist Alpaka :mrgreen:

Was mich übrigens ein bisschen irritiert: Auf der Internetseite der Firma ist mehrfach von “Baby Alpakawolle Drops” die Rede. Hat das jetzt irgendetwas mit dem norwegischen Hersteller DROPS Design zu tun?

Aber abgesehen von meiner persönlichen Alpaka-Antipathie ist die fair Alpaka wirklich ein sehr schönes und qualitativ hochwertiges Garn - wer Alpaka mag, wird die fair Alpaka lieben. Und der Preis von 2,99 € für 50 g ist absolut unschlagbar. Kleiner Wermutstropfen: Man muss pro Farbe immer 300 g abnehmen, es gibt keine Einzelknäuel.

Nachtrag -weil vielleicht nicht jeder alle Kommentare liest- Sven macht Euch ein tolles Angebot: “Ich möchte alle tichiro-Leser herzlich einladen unsere Wolle selber einmal zu testen. Mit diesem Gutschein-Code gebe ich gerne 10% Rabatt auf den gesamten Einkauf. „tichiro10“ (Gültig bis zum 10.03.2013 / nicht mit anderen Rabattaktionen kombinierbar / keine Barauszahlung möglich)”

Gute Nachrichten für alle Yak-Liebhaber: Herr Lang hat mir gerade geschrieben, daß es die Yak mindestens noch bis zur Saison 2013/2014 geben wird (ich hatte nämlich angefragt). Und er freut sich, daß wir die Yak so gerne mögen.
Also vorläufig kein Grund zu Panik-Vorratskäufen :wink:

Diese Farben kommen auf jeden Fall auf meinen Weihnachtswunschzettel:

Wie versprochen heute meine Liebeserklärung an die Yak :grin:

Technische Daten: 50% Yak, 50% Schurwolle (Merino), Lauflänge 130 m/50 g

Die Yak von Lang Yarns gehört eindeutig in die Top Ten meiner allerliebsten Lieblingsgarne. Gut, sie ist mit 7,95 € Normalverkaufspreis ziemlich teuer, das kann man nicht leugnen. Aber Yak ist nun mal eine eher seltene Faser, im Gegensatz zu Schafen stehen Yaks ja nicht an jeder Ecke rum :grin: Mir ist sie den Preis auf jeden Fall wert, das Arbeiten mit einem schönen, hochwertigen Garn macht doch viel mehr Spaß als mit Billigzeugs und wenn man bedenkt, daß man das Strickstück daraus viele Jahre tragen kann, relativieren sich die Kosten wieder, finde ich.

Die Yak fühlt sich nicht nur wunderbar weich an, sie sieht auch toll aus. Die Farbpalette umfasst mittlerweile 32 wunderschöne Farben, alles matte, sanfte, leicht melierte Töne:

Wenn man sie fest genug verstrickt, leiert sie auch kein bisschen aus, darüber habe ich nämlich schon mal Klagen gelesen. Klar, der 50% Merino-Anteil gibt nach, wenn man schlabberig strickt. Auf der Banderole sind 18 M auf 10 cm und 4,5 - 5 mm Nadeln angegeben, das finde ich viel zu locker. Ich habe sie für meinen Slinky Ribs mit 3,5er Nadeln und 22,5 M verstrickt und das ist für meinen Geschmack genau richtig - schön dicht, aber trotzdem nicht brettig. Und auch fest verstrickt ist sie noch sehr ergiebig, für Slinky Ribs (50 cm breit, 59 cm lang) habe ich nur 400 g gebraucht:

Für Mareys Bürokuscheljacke (jaja, für meine Mitarbeiter nur das Beste :grin: ) nehme ich wegen der Zöpfe 3,75er Nadeln - wie man sieht, kommen die sehr schön plastisch raus, weil die Garnstruktur auch sehr gleichmäßig ist:

Bei der ersten Wäsche flauscht sie nochmal auf und wird dann so richtig kuschelig, das kommt schon recht nah an Kaschmir ran. Im Wollwaschgang kann sie auch problemlos in die Waschmaschine (aber immer erst ein Probeläppchen waschen, jede WaMa ist anders). Links ungewaschen, rechts gewaschen:

Wenn man den Faden auseinander puhlt, sieht man, daß sie aus 5 Einzelfäden besteht, die fast schon ein bisschen angefilzt wirken. Wenn man mal Maschen zwecks Fehlerkorrektur fallenlassen und wieder hochholen muss, neigt sie zum aufdröseln, das ist ein bisschen nervig, aber so oft hat man das ja in der Regel nicht.

Strickstücke aus der Yak sind leicht, flauschig und angenehm wärmend. Ich sage immer, das ist ein Garn, das einen lieb hat :grin: Wenn ich meinen Slinky Ribs anziehe, fühle ich mich irgendwie geborgen, das Gefühl habe ich sonst nur noch bei meinem uralten Kaschmirpullover. Wenn ein Tag ganz doof zu werden droht, dann ziehe ich immer einen dieser beiden Pullover an und alles ist nur noch halb so schlimm.

Pillen tut sie nur ganz minimal, aber das läßt sich bei keinem Garn, das flauschig ist, ganz vermeiden. Mit den paar kleinen Gnubbelchen kann ich aber gut leben.

Besonders lobend möchte ich noch erwähnen, daß ich bisher keinen einzigen Knoten im Garn hatte. Wenn ich’s mal überdenke, habe ich bei Garnen von Lang Yarns sowieso nur ganz selten Knoten, sehr vorbildlich!

Zum Schluß noch eine große Bitte an die Firma Lang: Bitte lasst das Garn noch viele Jahre auf dem Markt! Ich möchte die Yak noch ganz oft verstricken - Panik-Vorratskäufe gehen aber immer so furchtbar ins Geld und ausserdem habe ich doch eigentlich gar keinen Platz mehr…

Wem die Yak zu dick ist, schaut sich mal die Super Yak von Monika Design an - gleiche Zusammensetzung, aber deutlich dünner.

Nachdem zum letzten Beitrag gleich mehrfach die Frage kam, ob und wie kratzig die Aade Lõng ist, sollter ich sie wohl mal ausführlich vorstellen.

Aade Lõng ist eine Spinnerei aus Estland. Die Garne sind alle aus 100% Wolle. Es gibt sie in zwei verschiedenen Lauflängen: Die 8/1 hat 800 m auf 100 g, die 8/2 (das ist die, die ich habe) ist mit 400 m auf 100 g doppelt so “dick”. Ich verstricke sie mit 3er Nadeln und komme auf 27 M x 40 R in glatt rechts, was ein schön dichtes, aber keineswegs brettiges Gestrick ergibt.

Beide Stärken gibt es sowohl einfarbig (17 Farben + 7 ungefärbte Naturtöne) wie auch als Farbverlaufsgarn in 25 wunderschönen Farbkombinationen.

Für Adele I hatte ich “grey-orange”:

Adele II stricke ich aus “fall”:

Und dann habe ich noch einen Strang “sand” - denn will ich später irgendwie mit den Resten zusammen verarbeiten:

Eigentlich mag ich mehrfarbige Garne nicht sonderlich, in den meisten Fällen schlucken sie jegliches Muster und machen das Strickbild nur unruhig. Bei den Japanern fällt mir das besonders oft auf, die aufwendigsten Muster, aber wozu? Durch das Garn sieht man eh kaum noch was vom Muster, so wie hier zum Beispiel:

Farbverlaufsgarne mit sehr langen Farbverläufen bilden da die Ausnahme, die mag ich. Nicht ständig, aber mal zwischendurch zur Abwechslung. Und die Aade Lõng hat wirklich lange Farbverläufe mit schön sanften Übergängen:

Die Aade Lõng läßt sich sehr gut und schnell verstricken, sie ist relativ fest verzwirnt, so daß man nicht so leicht zwischen den Faden stechen kann und sie dröselt auch beim Zurückstricken nicht auf. Ich mag, wie sie sich beim Stricken anfühlt - noch so richtig echte Wolle, ganz natürlich. Wenn Merino superwash wie ein englischer Garten ist, dann ist die Aade Lõng wie eine völlig wild wachsende Blumenwiese :grin:

Im Tragen ist sie sehr leicht und wärmt angenehm, gerade genug, daß man im geheizten Büro trotzdem keine Hitzewallungen bekommt.

Der Faden ist ein bisschen ungleichmäßig gesponnen, relativ dicke Abschnitte wechseln sich mit dünneren Stellen ab, an denen der Faden stärker verzwirnt ist. Dadurch ist das Maschenbild nicht absolut gleichmäßig, was aber gut zu dem rustikalen Garn passt. Und beim Waschen blühen die dünneren Stellen noch auf:

Pillen tut sie ein ganz kleines bisschen, aber mit den paar Flusen kann man gut leben und sie schnell mal abzupfen. Hier der besonders beanspruchte Bereich unter der Achsel - ich hatte sie bestimmt schon 20 oder 30 mal an, dafür ist das völlig okay:

Und nun kommt das ganz große Manko für alle mit empfindlicher Haut: Sie ist sehr, sehr rustikal - sprich, sie ist kratzig. Und zwar deutlich spürbar. Nun stört mich das nicht sonderlich, weil ich in der Beziehung sehr unempfindlich bin. Zumindest bei Wolle. Die feinen Sichelhärchen von Alpaka dagegen empfinde ich sogar bei Baby Alpaka als unangenehm pieksig.

Die Aade Lõng kann ich aber auch auf nackter Haut tragen, sogar am Hals. Aber man merkt halt schon, daß man keine schmuseweiche Wolle am Leib hat. Auf diesem Foto kann man sehr gut sehen, warum sie kratzt:

Diese krausen, abstehenden Härchen verursachen das rauhe Gefühl (aber gut für die Haut, fördert die Durchblutung und wirkt wie ein Peeling :wink: ):

Angeblich soll sie mit jeder Wäsche weicher werden. Ich habe sie bisher erst einmal gewaschen (bei Wolle reicht ja im Normalfall lüften, so lange man immer ein T-Shirt drunter trägt und sich nicht bekleckert) und sie ist dabei etwas aufgeblüht und “voller” im Griff geworden - aber nicht wirklich weicher.

Zum Vergleich: Links ungewaschen, rechts gewaschen - man sieht, daß die einzelnen Härchen nach der Wäsche noch rauskommen und eine leichte Halo bilden. Bei jeder Wäsche wird diese Halo vermutlich dichter (sie verfilzt sozusagen), was die Oberfläche vielleicht glatter und weniger kratzig macht.

Warum die eine Wolle kratzt, die andere wiederum nicht, hat natürlich viel mit der Feinheit der Faser zu tun und die hängt wiederum vor allem mit der Schafsrasse zusammen, von der die Wolle stammt. Bestes Beispiel ist Merino, die besonders fein ist. Aber auch bei Merino gibt es gewaltige Unterschiede, ich habe sogar schon pieksige Merino in der Hand gehabt.

Aber auch die Art, wie das Garn gesponnen ist, hat Einfluß darauf, wie weich ein Wollgarn ist. Das habe ich in diesem Video gelernt:

Daraufhin habe ich die Aade Long natürlich auch gleich auseinander gepuhlt - das Garn besteht aus zwei miteinander verzwirnten Einzelfäden:

Ein Faden auseinander gezupft zeigt, daß die einzelnen Fasern ziemlich wild durcheinander wuseln und das ist auch der Grund, warum sie sich so kratzig anfühlt. Andererseits macht sie das natürlich perfekt zum Steeks stricken, die hakelt so schön, da muss man den Steek vermutlich nicht mal mehr sichern. Und sicherlich filzt sie auch ganz großartig.

Der heimische Wollexperte läßt sich durch das Kratzen jedenfalls nicht stören - er liebt den natürlichen Lanolin-Geruch der Wolle:

Fazit: Ein tolles und sehr natürliches Garn, das noch echtes “Woll”-Feeling hat, aber nur für robuste Hauttypen geeignet ist (oder man trägt halt immer was drunter).

Erhältlich ist die Aade Lõng z.B. bei Lanafina zum sehr günstigen Preis von 5,90 €/100 g für die Artistic 8/2 (8/1 und Uni sind noch etwas billiger).

An dieser Stelle einmal ein herzliches Willkommen an alle neuen Leser, die vermutlich durch das Designerportrait in der aktuellen Verena hierher gefunden haben, denn seitdem die Abo-Hefte draussen sind, ist die Leserzahl im Schnitt um 1000 Leser pro Tag gestiegen. Ich hoffe, es gefällt Euch hier und Ihr habt Spaß :grin:

Heute möchte ich Euch wieder mal ein Garn der Woche vorstellen: Die Zarina bzw. Zarina chiné von Filatura Di Crosa, aus der auch meine Jacke in der Verena gestrickt ist.

Für die Qualitätskontrolle ist hier im Hause Rocco zuständig. Hier liegen ja ständig Pullover und Wollknäuel rum und Rocco sucht sich immer die allerfeinsten und weichsten davon aus.

Hier sehen wir den Experten bei der Arbeit - wie man sieht und hört, macht sie ihm sehr viel Freude :grin:

Auch die Strapazierfähigkeit wird gründlich getestet:

Vom Experten für “schnurr” befunden - also eindeutig verstrickenswert :grin:

Wie alle Garne der Zara-Familie besteht auch die Zarina aus 100% Merino extrafine superwash und ist traumhaft weich. Mit 165 m auf 50 g ist sie auch wunderbar dünn und dementsprechend ergiebig. Ich habe sie mit 3 mm-Nadeln verstrickt und komme auf 29 M/10 cm. Dann wird das Gestrick schön fest, aber trotzdem kein Brett.
Merino sollte man auch eher fest verstricken, denn sie neigt bei lockerem Gestrick dazu, nach dem Waschen noch sehr auseinander zu gehen. Also die Maschenprobe immer unbedingt vor dem Messen waschen, sonst kann es später böse Überraschungen bei der Passform des fertigen Stücks geben! So fest, wie ich sie verstrickt habe, verändert sie sich aber durch die Wäsche nicht mehr.

Sie verstrickt sich sehr gut und flüssig, die Zwirnung ist mittelfest, dröselt aber auch beim Zurückstricken kaum auf. Kleines Manko: Das Knäuel ist sehr locker gewickelt und neigt nach kurzer Zeit dazu teilweise auseinanderzufallen. Da leistet ein Knäuelhalter gute Dienste. Knoten hatte ich so gut wie gar keine drin, ich glaube einer, höchstens zwei bei 13 verarbeiteten Knäulen, das ist vollkommen in Ordnung.

Das “extrafine” macht übrigens tatsächlich einen Unterschied, Merino ist bei weitem nicht gleich Merino. Der Unterschied liegt im Mikron-Wert. Je kleiner der ist, desto feiner und weicher ist das Garn. Soweit ich das weiß (Bernd, korrigiere mich bitte, falls das nicht stimmt), beträgt der bei der Zara-Familie 14 19,5 Mikron (danke, Bernd) - wenn ich das richtig in Erinnerung habe, gibt es in Deutschland wohl nur noch ein anderes Garn, das eine derart feine Merino verwendet (und das stammt nicht von dem “grossen” Hersteller - obwohl dessen Merino auch prima ist).
Nun könnte man behaupten, das ist wie bei den Stereoanlagen mit den goldenen Steckern, wo die Musik angeblicher auch viel besser klingt :wink: (ich höre da beim besten Willen keinen Unterschied) und würde den Preisunterschied nicht rechtfertigen. Aber ich habe wirklich schon sehr viele verschiedene Merinogarne verstrickt und es gibt tatsächlich ziemlich große Unterschiede, von nahezu pieksig bis babypopoweich. Letztlich alles eine Frage des eigenen Anspruchs (und des Geldbeutels). Irgendwie ist das wie bei Schokolade: Die billige ist auch süß und macht dick, aber die teurere bringt einfach mehr Genuß :wink:

Die Chiné-Farben sind leicht meliert, gerade so, daß die Farben lebendig wirken, aber nicht so stark meliert, daß sie unruhig werden:

Die Farbpalette ist sehr umfangreich, 50 Uni-Farben plus 18 Chiné-Farben plus 7 Farben Baby print (die mag ich aber nicht leiden).

Die Struktur der Zarina ist sehr gleichmäßig und glatt, dadurch ergibt sich ein klar definiertes, gleichmäßiges Maschenbild und Muster kommen wunderbar zur Geltung:

Auch für Jacquard-Muster ist sie bestens geeignet. Wer allerdings mit Steeks arbeiten und schneiden will, sollte die Maschen vorher gut sichern.

Ich habe die Jacke am Montag den ganzen Tag getragen und auf der Fotoproduktion wurde sie ja auch schon in die Mangel genommen. Bisher ist kein Anzeichen von Pilling erkennbar. Als Beweis der Bereich unter den Achseln, der wird ja normalerweise am meisten beansprucht:

Ich habe sie auch schon zweimal in der Waschmaschine (kalt, Wollwaschgang, mit Schleudern) gewaschen und sie hat alles unbeschadet überstanden.

Das Garn trägt sich wunderbar, es ist kuschelig, leicht und wärmend, aber nicht so warm, daß man in einem geheiztem Büro Schweissausbrüche bekäme. Also ganz prima für drinnen und für die Übergangszeit. Ein Oberteil aus der Zarina ist auch so dünn, daß es optisch nicht noch überflüssiges Körpervolumen hinzufügt :wink: Mein türkischer Gemüsehändler hat mich sogar gefragt, ob ich abgenommen habe :-D

Die große Schwester “Zara” (LL 125 m, davon gibt es sogar insgesamt 76 Farben) habe ich hier noch liegen, mal sehen, was die werden möchte :wink:

Und für Leute, die lieber mit dickeren Nadeln stricken, gibt es die Zara plus mit 75 m Lauflänge.

Bezugsquellen für die Zarina und andere Filatura Di Crosa-Garne findet Ihr hier (links unten).

Ich hab’ ein neues Lieblingsgarn: Die Super Yak von Monika Design:

Ich habe die Yak von Lang Yarns ja schon mit Begeisterung verstrickt (zwei Pullovermengen habe ich mir kürzlich noch zusätzlich auf Halde gelegt, man weiß ja nie, wie lange es die noch gibt :wink: ) und der Slinky Ribs ist einer meiner Lieblingspullover, weil er leicht, warm und so wunderbar kuschelig ist. Die Yak ist außerdem sehr formstabil und pillt nur mini-minimal; mit ein paar Knötchen muss man bei jedem Wollgarn rechnen, aber bei der Yak kann man sie fast an einer Hand abzählen.

Da war ich natürlich gleich dabei, als Frau Schulz anfragte, ob ich für sie ein Messe-Modell aus ihrem Yak-Garn entwerfen könne (es wird eine Jacke, mehr wird noch nicht verraten). Beide Garne haben die gleiche Zusammensetzung, nämlich 50% Merino und 50% Yak, wobei das Garn von Monika Design deutlich dünner ist. Das Lang-Garn hat 130 m auf 50 g, die Super Yak 115 m auf 25 g. Ersteres habe ich mit 3,5er Nadeln und 24 M/10 cm verstrickt, für die Super Yak nehme ich 3er Nadeln und komme vor dem Waschen auf 30, nach dem Waschen auf 29,5 Maschen. Die auf der Banderole angegebenen 24 M sind Quatsch, dann bekommt man Schlabbergestrick. 27 - 28 M halte ich für das Minimum, damit man ein dichtes, aber nicht brettiges Gestrick bekommt. Frau Schulz will die Angaben auch bei der nächsten Produktionsserie ändern.

Verstrickt ist sie federleicht und dabei flauschig und wärmend. Beim Waschen blüht sie einen Tick auf und wird noch weicher (ja, ich habe doch tatsächlich eine Maschenprobe gemacht :grin: ):

Preislich ist die die Super Yak etwas teurer, das Lang-Garn liegt bei 7,95 € für 50 g, die Super Yak kostet bei Wolle Willich 4,50 € für 25 g, also gut einen Euro mehr. Dafür wird man aber auch etwas weniger brauchen, weil die Lauflänge ja höher ist, also gleicht sich das wieder aus.

Wenn ich richtig gezählt habe, gibt es das Garn in sage und schreibe 75 Farben (obwohl ich auf den Farbkarten “nur” 62 sehe). Elisabeth von Wolle Willich hat nicht alle auf Lager, kann Euch aber auf Wunsch alle Farben besorgen (und wenn Ihr nett seid, nehmt Ihr immer 250 g-Pakete, damit sie nicht so viele Einzelknäuel übrig behält, ist ja alles gebundenes Kapital).

Das Garn der “Solids” ist ganz, ganz leicht meliert/geheathert/gemuschelt:

Zu jedem Solid-Farbton gibt es auch eine melierte Version:

Was mich an der Super Yak besonders begeistert, ist zum einen die Haptik. Es fühlt sich beim Verstricken total schön an, ganz weich und sehr natürlich. Da ist jede einzelne Masche eine wahre Freude. Es ist sehr gut verzwirnt, so daß es sich auch beim Zurückstricken nicht aufdröselt, folglich kann man auch nicht zwischen den Faden pieken und unschöne Schlaufen produzieren (die man natürlich grundsätzlich erst 50 Reihen später sieht…)

Es scheint noch sehr viel Lanolin zu enthalten (dazu eine gehörige Dosis Lanatoin :mrgreen: ), denn es fühlt sich irgendwie geschmeidig an, fast ein bisschen wie eingecremt (aber nicht fettig). Und es riecht unglaublich gut! Normalerweise habe ich einen schlechten Geruchssinn, aber bei diesem Garn ist mir zum ersten Mal der Geruch aufgefallen. Der ist schwer zu beschreiben, es riecht irgendwie “neu” und ganz natürlich. Einfach toll, ich muss immer wieder die Nase ins Knäuel stecken :grin:

Der heimische Wollexperte teilt meine Meinung - normalerweise trampelt Rocco ja nur auf Wolle rum, aber in ganz besonderen Fällen geht es mit ihm durch und dann wird die Wolle beschmust, angeleckt und besabbert:

Bis sie dann letztlich so aussieht - aber ein Knäuel opfere ich gerne, wenn es meinen Lieblingspanther glücklich macht:

Fazit: Sowohl die Yak als auch die Super Yak kann ich uneingeschränkt empfehlen - klar, billig sind beide Garne nicht, aber im wahrsten Sinne des Wortes preiswert.

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