Garn der Woche/yarn of the week

Garn der Woche: Frankengarn Lama-Sockenwolle

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Wie versprochen hier nun ein Testbericht zur Lama-Sockenwolle von Frankengarn.

Ich habe mir zum Ausprobieren das Naturgrau bestellt und die Farbe ist sehr schön, ganz leicht meliert und dadurch sehr lebendig:

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Die Lama-Sockenwolle besteht aus 60% Lama und 40% süddeutscher Merino, ist 3-fädig verzwirnt und hat eine Lauflänge von 150m auf 50g. Da aber Lama -genau wie Alpaka- ein deutlich höheres Eigengewicht als z.B. Schafwolle hat, hat das Garn trotz der geringeren Lauflänge nur die Stärke von 4-fach Sockenwolle.

Die Maschenprobenangabe auf der Banderole ist meiner Meinung nach fernab jeglicher Realität. Angegeben sind 24 M und 32 R bei einer Nadelstärke von 2,5 – 3 mm. Das wäre mir schon für Kleidung viel zu locker, aber das ist ja Geschmackssache.

Für Socken allerdings ist es ein Witz. Wenn ich Socken derart locker stricke, kann ich sie nach 5 Minuten Tragezeit locker vom Fuß schütteln. Ernsthaft, ich hab’ solche Socken. Das ist zwar gut, wenn man sehr faul ist, denn dann braucht man sich nicht zu bücken, um die Socken auszuziehen :mrgreen: , sollte aber eigentlich nicht passieren. Außerdem scheuern locker gestrickte Socken auch schneller durch.

Mein Probeläppchen habe ich im unteren Teil mit 3er Nadeln verstrickt und komme auf 29 M/10 cm. Für ein Oberteil ist diese Strickfestigkeit auch völlig okay. Viel lockerer würde ich es aber auch nicht haben wollen. Für Socken finde ich das aber zu locker und labberig. Deswegen habe ich im oberen Teil 2,5er Nadeln benutzt – das ergibt dann 32 M auf 10 cm und eine ideale Maschendichte für Socken.

Verstricken läßt sich das Garn ganz normal – da gibt es weder etwas besonders positives noch etwas negatives zu vermerken.

Das Maschenbild ist durch die Lama-Härchen etwas diffus:

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Veränderungen durch das Waschen gab es übrigens nicht – die MaPro ist gleich geblieben, weicher ist es auch nicht geworden, allenfalls noch einen kleinen Tick haariger.

In der Nahaufnahme zeigt sich dann, warum ich das Garn leider überhaupt nicht mag. Es ist nämlich genauso haarig wie Standard-Alpaka (also kein Baby-Alpaka) und durch die vielen herausstehenden Härchen piekst es mich wie Hölle. Verstrickt ist das Gepiekse noch viel schlimmer als im Knäuel – das könnte ich niemals auf der bloßen Haut tragen, nicht einmal an den unempfindlicheren Unterarmen. Selbst durch den dünnen Stoff meiner Schlafanzughose merke ich das Pieksen noch, d.h. ein Oberteil könnte ich nicht mal mit einem T-Shirt drunter anziehen.

Schade eigentlich, denn wie man an diesem Projekt sieht, ist es rein optisch ein tolles Garn für Oberteile. Aber auch diese Strickerin schreibt, daß das Garn doch reichlich kratzig ist.

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An den Füßen allerdings ist das Garn völlig okay, da merke ich nichts von dem Gepiekse. Für Socken stelle ich mir das Garn auch sehr schön warm vor. Ob Socken daraus genauso haltbar sind wie welche mit Kunstfaseranteil, kann ich allerdings nicht sagen. Vielleicht hat ja jemand von Euch da Erfahrungswerte?

Ich habe noch 35g übrig, falls die jemand zum Testen haben möchte, bitte melden. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst :-D (schon weg)

Tichiros Choice

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Seit über einem halben Jahr haben wir geplant, kalkuliert, verhandelt, getestet, aber nun ist das Ding endlich in trockenen Tüchern: Anfang September 2014 kommt meine erste eigene Garnlinie auf den Markt und ich bin schon soooo aufgeregt!

Das Ganze ist ein Gemeinschaftprojekt von FairAlpaka-Sven, Herrn Schoppel und mir – Sven hat die Connections zu peruanischen Tierfarmen und Spinnereien, übernimmt die Einfuhr und den Vertrieb, Herr Schoppel ist für die Qualitätskontrolle zuständig, färbt spezielle Farbverläufe und übernimmt die Knäuelwicklung und Etikettierung und ich bin für Garn-und Farbauswahl, Teststricken, Modelle und Werbung zuständig.

Der ursprünglich angedachte Markenname war “Tichiros Choice”, das fanden wir dann aber doch ein bisschen zu lang und so ist es T-Choice® geworden.
Ich hätte Euch gerne schon die Banderole gezeigt, aber der Grafiker ist krank geworden und deshalb sind die Dinger leider noch nicht fertig. Das “o” soll ein stilisiertes Katzenköpfchen werden :-)
Da meine zweite große Liebe das Lesen ist, werden alle Garne die Namen meiner Lieblingsschriftsteller tragen.

Die beiden Männer mussten mich arg ausbremsen, denn wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir gleich 15 verschiedene Qualitäten in zig Farben auf den Markt gebracht… Darüber gab es einige hitzige Diskussionen und meine Lieblingsidee für ein Kaschmir-Vikunja-Yak-Qiviut-Possum-Garn musste ich schweren Herzens verwerfen *seufz* – aber ich glaube, die 75 € für ein 25g-Knäuel hätte wohl auch niemand bezahlt ;-)

Letzten Endes haben wir uns für den Anfang auf vier verschiedene Garne geeinigt:

1. Wood – eine Mischung aus 60% peruanischer Hochlandwolle, 20% Baumwolle und 20% Baby-Alpaka. Die Hochlandwolle sorgt für die Elastizität, die Baumwolle gibt Stand und macht es strapazierfähig und das Baby-Alpaka liefert den Kuschelfaktor. Die Lauflänge beträgt 120 m und es wird die Wood Solid und die Magic Wood geben – letztere mit langen Ton-in-Ton-Farbverläufen.

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2. Bradley – 40% Merino (von mulesingfreien peruanischen Schafen), 20% Hochland-Lammwolle, 20% Lama und 20% Yak – die Mischung ist sowas von kuschelig, das könnt Ihr Euch nicht vorstellen! Die Bradley wird es in zwei verschiedenen Stärken geben, einmal mit 200 m und einmal mit 125 m und alle Farben sind wundervoll geheathert und wirken dadurch sehr lebendig.

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3. Serno – Tweed muss sein, das ist ja wohl mal klar, oder? ;-) Hier haben wir 40% Merino, 30% Hochland-Lammwolle, 20% Seide und 10% Baby Kamel vereint und herausgekommen ist das schönste Tweedgarn, das ich je verstrickt habe:

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4. Verne – das obligatorische Sockengarn ;-) Aber 08/15-Sockengarn hat ja jeder, also habe ich mir eine ganz besondere Mischung überlegt: 65% Hochlandwolle, 15% Yak, 10% Baby Alpaka und 20% Nylon für die Stabilität. Lauflänge wie üblich 420 m und das Garn ist so schön und flauschig weich, daß Ihr es bestimmt auch für Tücher verwenden wollen werdet.

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Die Preise haben wir nach dem FairAlpaka-Prinzip kalkuliert und da ich zudem auf einen Gewinnanteil verzichte (dafür bekomme ich unbegrenzten Eigenverbrauch *hihi*), können wir die Garne zu wirklich sehr günstigen Preisen anbieten. Und das Beste ist: Von jedem verkauften Knäuel gehen 20 Cent an meine römischen Katzen!

Die Produktion läuft in den nächsten Tagen an und wenn Ihr wollt, könnt Ihr jetzt schon vorbestellen – das ist für uns gut, weil wir dann besser einschätzen können, wie hoch die Nachfrage sein wird, und für Euch gut, weil Ihr die ersten sein werdet, die im September beliefert werden und außerdem bekommt Ihr 10% “Frühstasher-Rabatt” :-D Bezahlen müsst Ihr natürlich erst, wenn Euer Paket reisefertig ist.
Und wer die Garne erstmal nur testen möchte, kann auch 10g-Probestränge bestellen und/oder sich gegen eine kleine Schutzgebühr die Farbkarten schicken lassen – die sollen ab Mai lieferbar sein.

Na, habe ich Euch den Mund wässerig genug gemacht? Dann geht es hier zum brandneuen Shop.
Viel Spaß!

Garn der Woche: Zauberwolle von Schoppel

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Vorab eine kurze Statusmeldung: Eure Genesungswünsche haben offenbar geholfen, denn ich kann schon wieder ganz flott und krückenlos durch die Gegend humpeln. Selbst Treppe rauf und runter ist langsam und konzentriert durchaus machbar, ohne daß es allzusehr wehtut (naja, und die Schmerztabletten tragen auch ihren Teil dazu bei). Von daher war ich heute auch schon wieder arbeiten. Als Selbständiger ist krank zu Hause zu bleiben ja ohnehin ein Luxus, den man sich nur höchst selten erlauben kann.
Und eigentlich ist so ein kleiner Schuß vor den Bug gar nicht mal so verkehrt – danach weiß man es wieder zu schätzen, wenn man im übrigen einen gut funktionierenden Körper hat und höchst selten krank ist. Das nimmt man im Alltag doch als viel zu selbstverständlich hin.

Nun aber wieder zu den wirklich schönen Dingen des Lebens: Wolle :-D

Nachdem die Herbstwind-Jacke so gut geglückt ist, habe ich mich in die Zauberwolle von Schoppel verliebt. Komischerweise mag ich solche Mouline-Garne eigentlich gar nicht, aber bei der Jacke gefällt es mir:

Das Verrückte an der Zauberwolle ist, daß jedes Knäuel anders ausfällt, der komplette Farbverlauf scheint so groß zu sein, daß ein 100g-Knäuel dafür nicht aureicht. Manche Farbkombinationen hatte ich in allen Knäueln, andere wiederum nur in einem einzigen, wie z.B. das Rot unten links:

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Das macht es ein bisschen kniffelig, beim Knäuelwechsel den richtigen Anschluß zu finden, ist aber irgendwie auch eine interessante Herausforderung.

Weil mir das Garn so gut gefällt und ich auch neugierig war, ob das Farbverlaufs-Phänomen bei den anderen Farben ebenfalls vorhanden ist, war ich ein bisschen schoppeln ;-)

Flussbett:

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Leider gibt es bei Ravelry nicht allzuviele Oberteil-Projekte aus der Zauberwolle zu sehen (sowas finde ich ja immer hilfreich, um zu sehen, wie der Farbverlauf verstrickt aussieht), aber diese Weste von Lanarta ist doch der Hammer, oder?

Wer hat die Kokosnuss?:

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Gebrannte Mandeln und Schatten:

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Soweit ich das erkennen kann, sind auch bei diesen Farben die Farbverläufe ganz unterschiedlich, aber die Farben sind viel mehr Ton in Ton als bei Herbstwind. Am wenigsten Unterschiede gibt es bei den gebrannten Mandeln – die will ich in Streifen zusammen mit Schatten verstricken, mal sehen, ob das überhaupt zusammenpasst.

Ich hatte übrigens in keinem der 6 Knäuel einen Knoten (bei meinen Neukäufen habe ich allerdings schon einen entdeckt, der den Farbverlauf aber nicht unterbricht).

Ich habe die Zauberwolle mit 3er Nadeln verstrickt und komme nach dem Waschen auf eine Maschenprobe von 27 M x 41 R auf 10 cm. Vorher habe ich nicht ausgezählt, aber das dürfte sich nicht großartig verändert haben. Auf der Banderole sind 3er – 3,5er Nadeln und 28 M x 38 R angegeben, das ist also ausnahmsweise mal eine Maschenprobe, die ich nicht viel zu locker finde ;-)

Das Garn kommt in 100g Knäueln daher und hat eine Lauflänge von 250m. Die Stärke würde ich in etwa mit 6-fach Sockenwolle vergleichen. Die Zauberwolle besteht aus 100% Merino und ist angenehm weich, aber nicht ganz so weich wie die üblichen Merino-Qualitäten. Ich vermute mal, daß die Mikron-Zahl etwas höher ist. Au0erdem hat die Zauberwolle auch keine Superwash-Ausrüstung, die ja ein Garn auch etwas glatter und weicher macht.
Die Jacke trage ich sehr gerne, sie wärmt angenehm, ist aber dünn genug, daß man in geheizten Räumen keine Schweissausbrüche bekommt (wobei meine Wohlfühl-Raumtemperatur bei 19 Grad liegt, was manch anderer schon als arktische Kälte empfindet ;-) ).

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Der Verbrauch beträgt lt. Banderole 450g für einen Damenpullover in Gr. 38. Ich denke, das ist realistisch, meine Jacke hst ungefähr Gr. 42/44 (53 cm breit, 56 cm lang) und ich habe 550g verbraucht. Der Preis liegt zwischen 9,40 € und 9,90 € für 100g, so daß man je nach Größe zwischen 50 und 70 € für ein Oberteil kalkulieren muss – das liegt also im üblichen Rahmen.

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Verstricken läßt sie sich sehr gut, sie ist ordentlich verzwirnt, so daß sie beim Zurückstricken nicht aufdröselt und ribbeln nimmt sie einem auch nicht übel. Die gleichmäßige Struktur sorgt für ein sauberes Maschenbild. Filigrane rechts/links- oder Lochmuster kann man sich allerdings sparen, die gehen sowieso im Farbenmeer unter. Sehr interessante Effekte lassen sich mit verkürzten Reihen oder unterschiedlichen Strickrichtungen erzielen (guckt mal hier oder hier). Wer sich bei glatt rechts oder kraus gar zu sehr langweilt, baut Rippen oder Zöpfe ein, das kann auch sehr schön aussehen, wie man an diesem Projekt von Astrid aka ascwin sehen kann:

Fazit: Ich treibe es ja eher selten bunt, aber wenn, dann treibe ich es sehr gerne mit Zauberwolle :-D

Garn der Woche: Zealana Rimu

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Anfang des Jahres habe ich die Jacke Clayton von Julie Hoover gestrickt. Zu meiner Schande war ich immer zu faul, die fertige Jacke zu fotografieren. Bitteschön, hier ist sie nun endlich (die Beulen an den Ärmeln kommen vom notorischen Ärmelhochschieben):

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Als Garn habe ich die Zelana Eco Merino Possum fingering genommen, die ich dereinst beim Ravelry-Treffen in Frechen in meiner Kursleiter-Dankeschön-Tüte gefunden habe:

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Leider wurde dieses Garn inzwischen vom Markt genommen (Tip: Bei Ebay gibt es gerade recht günstig einen kleinen Restbestand und bei Purl City Yarns gibt es auch noch zwei Farben), aber dafür ist jetzt die Rimu im Programm. Der Unterschied zur Eco ist nur, daß die Rimu aus 40% Possum und 60% Merino besteht, während die Eco nur 20% Possum drin hat. Die Rimu wird in 40g Knäueln zu 153 m LL angeboten, während die Eco 192 m auf 50 g hat. Was aber letztlich heißt, daß die Lauflänge identisch ist.

Ansonsten sind beide Garne nahezu identisch, die Rimu ist nur aufgrund des höheren Possum-Anteil noch etwas flauschiger.

Normalerweise würde ich so ein dünnes Garn mit 3er Nadeln verstricken, aber für die Clayton-Jacke habe ich 3,5er Nadeln genommen – was sich als richtige Entscheidung erwiesen hat, denn das Gestrick ist zwar lockerer, als ich es gewohnt bin, aber dafür auch ausserordentlich leicht und flauschig. Ich komme in glatt rechts auf meine üblichen 24 M/10 cm. Hier haben wir einen der extrem seltenen Fälle, wo ich sogar lockerer stricke als die Banderole empfiehlt, da sind nämlich 3er Nadeln und 27 M angegeben.

Schon beim Stricken und erst recht beim Waschen blüht das Garn regelrecht auf und wird deutlich weicher und kuscheliger, als es im Knäuel vermuten lässt. Durch das Aufblühen ist das Gestrick auch dann noch blickdicht, wenn man es relativ locker verstrickt.

Obwohl die Oberfläche in verstricktem Zustand aufflauscht und eine leichte Halo bildet, kommen Muster immer noch gut raus. Hier ein Vergleich – vor dem Waschen:

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Und nach dem Waschen:

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Das Stricken mit dem Garn ist das reinste Vergnügen, es ist anständig verzwirnt (2-fädig), gleitet wie Butter über die Nadel, ist angenehm elastisch und nimmt weder zurückstricken noch ribbeln übel. Und ich hatte keinen einzigen Knoten drin.

Außerdem ist es sehr sparsam im Verbrauch: Für die Clayton-Jacke in Gr. 40 habe ich kaum mehr als 350 g verbraucht. Das relativiert auch den recht hohen Preis von 12,95 € ein bisschen – trotzdem sind fast 120 € für eine Jacke natürlich kein Pappenstiel. Wäre der Preis nicht, würde ich mir das Garn wohl tonnenweise auf Lager legen – man weiß ja auch nie, wie lange es noch auf dem Markt ist…

Aber für den stolzen Preis bekommt man auch ein ganz fantastisches und trotz seiner Weichheit sehr strapazierfähiges Garn, an dem man viele Jahre Freude haben wird. Ich habe die Jacke während ich die Grippe hatte, fast drei Wochen lang mehr oder weniger Tag und Nacht getragen, sogar darin geschlafen (und sie hat nach dieser Zeit nicht mal gemieft – ich hab’ sie aber trotzdem gewaschen :-) ). Gerade wenn man krank ist, braucht man ein Kleidungsstück, das einen lieb hat und irgendwie tröstet, finde ich. Eins, das bei Schüttelfrost wärmt und das man trotzdem kaum spürt, weil es so leicht und weich ist.

Und die Jacke sieht immer noch so gut wie neu aus. Ich finde es völlig faszinierend, daß Possum trotz seiner Flauschigkeit überhaupt nicht pillt oder unter den Armen verfilzt. Da ist nichts außer ein paar Mini-Fusselchen, die man schnell mal abzupfen kann. Ich habe auch noch zwei Pullover aus Possum und die pillen ebenfalls kein bisschen.

Der hier ist aus der Kauri worsted (gibt es auch in fingering) und das ist mein “brr, ist das heute schweinekalt”-Pullover, damit gehe ich auch noch bei minus 5 Grad ohne Jacke ins Büro (zugegeben, der Weg beträgt auch nur 300 m ;-) ):

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Wer sich also zu Weihnachten oder einfach so mal etwas ganz Besonderes gönnen möchte, sollte sein Augenmerk auf Possumgarne richten. Ich habe hier auch noch die Kiwi fingering und die Heron liegen – ebenfalls ganz tolle Garne.

Garn der Woche: Drops Karisma superwash

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Ich habe ja derzeit gleich zwei KALs am Laufen und für den zweiten, bei dem Chiara und ich “Harriet’s Jacket” stricken, verwende ich ein Garn, das schon seit drei Jahren in meinem Vorrat schlummert: Die Karisma superwash von DROPS.

Auch wenn ich die Geschäftspolitik von Drops nicht wirklich gutheißen kann (mag natürlich auch sein, daß die sich in den letzten 3 Jahren verändert hat), so muss ich doch sagen, daß ich die Karisma klasse finde.

Die Karisma besteht aus 100% Schurwolle mit Superwash-Ausrüstung, hat eine Lauflänge von 105 m und ist mit einem Preis von 2,25 € unschlagbar günstig. Mit insgesamt 35 Farben ist die Farbpalette relativ groß, wobei ich die leicht melierten “Mix”-Farben besonders schön finde.

Ich habe die Farbe Nr. 50, die eigentlich gar nicht in mein übliches Beuteschema passt, aber ich fand die damals (und heute auch noch) sehr hübsch. Ob sie mir auch steht, wird sich zeigen…

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Die Karisma ist allerdings kein Schmusegarn, sondern  fühlt sich eher rustikal an. Wer empfindlich ist, den wird sie kratzen. Mir macht das allerdings nichts aus, ich vertrage sie sogar am Hals.

In den Kommentaren bei Ravelry wird von vielen bemängelt, daß das Garn pillt. Da frage ich mich immer, was die Leute denn erwarten? Das ist eine ganz gewöhnliche Schurwolle, natürlich pillt die ein bisschen. Das sieht man doch schon, wenn man sich den Faden mal genau anguckt – die Härchen, die da rausgucken, lösen sich teilweise bei Reibung und bilden dann Knötchen:

Nahezu jedes Garn aus tierischen Gasern pillt zumindest ein kleines bisschen – am wenigstens noch Merino superwash, da gibt es wirklich nur ein paar winzige Flöckchen ab und an. Sehr gute Erfahrungen habe ich da insbesondere mit der Cool Wool von Lana Grossa und der Zara-Familie von Filatura Di Crosa gemacht. Ach ja, und mit Possum-Garnen, aber die spielen natürlich auch in einer ganz anderen Preisliga.

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Besonders positiv finde ich die Maschenprobenangabe auf der Banderole, die mit 21 M/10 cm auf 3,5 – 4 mm Nadeln erfreulicherweise sehr realistisch ist und im Gegensatz zu den Angaben vieler anderer Hersteller ausnahmsweise mal keinen Labberstrick ergibt.

Ich verstricke sie mit 4er Nadeln und komme ungewaschen auf 22 M/10 cm. Das Garn ist angenehm elastisch und ausgezeichnet verzwirnt, das splittet nicht und dröselt auch beim Ribbeln nicht auf. Dadurch lässt es sich sehr schnell verstricken; ich komme in glatt rechts auf ungefähr 25 m/Stunde.

Das Maschenbild ist sehr gleichmäßig und klar definiert – bestens geeignet für Muster aller Art:

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In vielen Kommentaren wird zudem beklagt, daß das Garn beim Waschen wächst – nun kann ich dazu noch nicht viel sagen, weil ich es noch nicht gewaschen habe. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, daß mein Gestrick -wenn überhaupt- nur minimal wachsen wird, weil ich fest genug stricke. Bei mir verändert sich sowieso in 98% aller Fälle rein gar nichts beim Waschen.

Die meisten Leute, die Größenwachstum eines Gestricks zu beklagen haben, stricken einfach zu locker, da ist es kein Wunder, wenn das Gestrick labbert (außerdem pillt lockeres Gestrick auch mehr). Und außerdem weiß man doch vorher, ob und wieviel ein Gestrick wächst, denn mittlerweile sollte es sich rumgesprochen haben, daß man eine Maschenprobe immer waschen muss, bevor man sie ausmisst.

Fazit: Wer nicht kratzempfindlich ist, bekommt mit der Karisma ein gutes Allroundgarn zu einem äußerst günstigen Preis.

Nachtrag: Martine hat das Garn im vergangenen Jahr ebenfalls rezensiert und kommt zu einer ähnlichen Beurteilung wie ich.

Garn der Woche: Aslantrends “King Baby Llama & Mulberry Silk”

Im Video hatte ich es ja schon gezeigt, hier aber noch mal ausführlich und mit erkennbaren Bildern :wink:

Dieses Garn hat mir Britta von Schmeichelgarne zum Testen zur Verfügung gestellt:

Das Mischgarn aus 70% Baby Lama und 30% Maulbeerseide von Aslantrends kommt in 100 g-Strängen daher und hat eine Lauflänge von 200 m pro Strang. Pro Strang kostet es 18,90 €.
Die Farbpalette besteht aus 20 Farben, meine Farbe nennt sich “Olive”, das trifft es ganz gut. Man könnte auch moosgrün dazu sagen.

Lamawolle hat ähnlich wie Alpaka ein relativ hohes Eigengewicht, daher auch die für diese Garnstärke verhältnismäßig niedrige Lauflänge. Im Gegensatz zu Alpaka habe ich bei dem Lamagarn aber den Eindruck, daß es einen Tick weniger schlapp ist. Ansonsten sind sich beide Materialien sehr ähnlich, logisch, die Viecher sind ja auch eng verwandt.

Das Garn ist vierfädig und mittelstark verzwirnt. Ab und an habe ich es beim Stricken mal geschafft, den Faden nicht ganz zu erwischen und eine Minischlaufe zu produzieren, die ist mir dann beim Abstricken der Masche zum Glück immer gleich aufgefallen. Ansonsten strickt sich das Garn sehr gut und flüssig, es ist allerdings sehr glatt und auf Metallnadeln ein wenig rutschig. Holz wäre hierfür vermutlich die bessere Wahl.

Die Maulbeerseide gibt dem Garn einen schönen sanften Schimmer:

“Worsted Weight” und 20 M auf 10 cm mit 4 – 5 mm Nadeln halte ich für einen Witz, ich habe das Garn mit 3,5 mm und rd. 25 M verstrickt und das ist ganz sicher kein Brett geworden, sondern nach dem Waschen ein geschmeidiges Gestrick, das aber noch genug Griff und Substanz hat.
Angegeben ist übrigens Handwäsche, ich hab’s aber wie immer gnadenlos in die Waschmaschine (kalt, Wollwaschgang mit Wollschleudern) geschmissen und es ist unbeschadet wieder herausgekommen.

Den Strang habe ich so komplett ausgenutzt wie möglich und zum Ende hin bin ich alle paar Runden zur Waage gelaufen – vom Anschlagfaden sind noch 14 cm  übrig und nach dem Abketten nur noch dieser Fitzel, den konnte ich gerade eben noch vernähen (erst die Nähnadel durch die Maschen stechen, dann einfädeln und durchziehen, sonst funktioniert das mit so einem kurzem Stück nicht):

Wie ich schon erzählt habe, ist das Muster, das ich für den Cowl genommen habe, aus Alice Starmore’s The Celtic Collection, das Modell heißt Aberlady und ist eigentlich ein Pullover:

Aber für den Cowl fand ich es auch ganz prima geeignet. Aus den 100 g habe ich 60 cm Umfang und 18 cm Höhe rausbekommen:

Ungewaschen ist das Muster fast schon dreidimensional:

Gewaschen dann logischerweise nicht mehr, aber das Muster kommt immer noch gut heraus. Ich finde, bei Lama verschwimmt das Maschenbild weniger als bei Alpaka, mag aber auch an dem Seidenanteil liegen:

Vielen Dank übrigens für Euer zahlreiches Lob zu meinen ersten TV-Versuchen. Anja hat sich schon bereit erklärt, meine Kamerafrau zu werden *freu*, so daß die nächste Folge (ich denke, ich werde das ungefähr einmal monatlich machen) hoffentlich eine bessere Bildqualität haben und auch ein bisschen professioneller ausfallen wird. Über kurz oder lang werde ich mir dann wohl auch mal einen richtigen Camcorder zulegen.

Garn der Woche: Pascuali “Caya”

Nun hae ich endlich mal das schöne Yak/Kamelhaargarn, das Herr Pascuali mir vor ein paar Wochen freundlicherweise zum Testen überlassen hat, verstrickt. Was daraus geworden ist, sehr Ihr weiter unten. Aber zunächst einmal ein paar Worte zum Garn.

Die Caya besteht aus 70% Yak und 30% Kamelhaar. Sie kommt in 50g-Strängen daher, die jeweils eine Lauflänge von ca. 125 m haben. Der Preis liegt bei 9,89 € pro Strang, was für diese Zusammensetzung völlig angemessen ist. Es gibt nur diese eine Farbe, ich denke mal, das ist der Naturton der Fasern, ein sehr hübsches helles Beige:

In der Nahaufnahme sieht das Garn haarig aus, das piekst aber überhaupt nicht, sondern ist herrlich schmuseweich:

Nun stellte sich natürlich als erstes die Frage: Was mache ich daraus? Ich hatte 200 g, das reicht nicht für ein Oberteil. Mütze trage ich nicht, Handschuhe sind mir zu fummelig, Tücher trage ich nicht. Also habe ich zuerst an einen Schal gedacht.

Der erste Versuch mit einem Muster aus einem meiner japanischen Musterbücher:

Das Muster sah hübsch aus, die Caya geht auch gut für Lochmuster, aber die Rückseite hat mir überhaupt nicht gefallen und die sieht man bei einem Schal nun mal zwangsläufig. Außerdem war mir gerade überhaupt nicht danach, 1,80 m Lochmuster zu stricken.

Also habe ich geribbelt, rumprobiert (nach dem dritten Mal ribbeln löst sich der Faden übrigens auf) und mich letztendlich für einen Cowl nach eigenem Entwurf entschieden.

Das Garn strickt sich sehr gut, es gleitet angenehm und schnell über die Nadeln und ist zwar nicht allzu fest, aber dennoch ausreichend verzwirnt. Der Faden ist schön gleichmäßig, hat jedoch ab und zu mal etwas ungleichmäßige Stellen, wo die Verzwirnung lockerer ist.

Das Maschenbild vor dem Waschen:

Und nach dem Waschen – viel gleichmäßiger, aber das Gestrick fühlt sich seltsamerweise auch deutlich dünner an als vorher. Ungewaschen hat es mir ehrlich gesagt besser gefallen, da hatte es mehr Griff. Ansonsten ist es aber herrlich weich, kuschelig und warm. Mein Bauchgefühl und die Halo, die sich auf dem Gestrick bildet, sagt mir aber, daß es vermutlich etwas pillen wird. Das ist aber nun mal der Preis, den man für Kuscheligkeit so gut wie immer zahlen muss, wichtig ist nur, daß sich das Pilling in erträglichen Grenzen hält.

Mit 3,5er Nadeln komme ich auf 22 M/10 cm in glatt rechts nach dem Waschen. Das ist für meine persönliche Strickfestigkeitsvorliebe hart an der Grenze – die beiden Stränge, die ich noch übrig habe, werde ich auf jeden Fall mit 3er Nadeln stricken.

Ja, und das isser nun, der Cowl – vor dem Waschen schrumpelig:

Nach dem Waschen fein und glatt:

Ich habe das Ding “Drunken Rib Cowl” getauft, weil die Rippen Schlagenlinien fahren :grin:

Die schönen handgearbeiteten Holzknöpfe hat mir mal eine liebe Mandantin aus Patagonien mitgebracht:

Um den Hals rum fühlt er sich toll an, schön warm und so leicht, daß man ihn kaum bemerkt:

Auf der Website wird behauptet, daß das Garn nicht flust, dem muss ich leider widersprechen. Ich hatte für die Fotos ein schwarzes Shirt an, das hinterher mit lauter Mini-Fusseln übersät war. Hier kann man das so ein bisschen erkennen:

Fazit: Ein wunderbares Garn in einer edlen Zusammensetzung – das würde ich gerne nochmal für ein “richtiges” Kleidungsstück nehmen.

Und wer den Cowl leiden mag und gerne nachstricken würde – bitteschön, hier habt Ihr die Anleitung :grin: Zum Ravelry-Download hier entlang.