Wollschaf

Die verstrickte Dienstagsfrage 8/2013

Irgendwann haben alle einmal das Stricken freiwillig oder durch einen Bildungsplan verordnet gelernt.
Erinnert ihr euch noch, wie das war?
Was machte euch die meisten Probleme?
Wann fing es an, euch richtig zu packen?
Vielen Dank an Michaela (und das Wollschaf) für die heutige Frage!

Ich habe Stricken erst 1985 gelernt, da war ich 19. In der Schule gab es bei uns keinen richtigen Handarbeitsunterricht, der beschränke sich auf Topflappen häkeln in der 3. Klasse (fand ich okay, aber nicht fortführenswert) und das Weben und Färben eines kleinen Lappens in der 5. Klasse (da haben wir auch mal Nudeln selbst gemacht, die waren sowas von igitt…).

1985 aber begann ich eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau in einem Textilgroßhandel. Die Ausbildung war zwar nach drei Monaten schon wieder beendet, weil der Juniorchef Probleme mit meiner großen Klappe hatte (danke Herr Wagner, ohne Sie würde ich heute vermutlich nicht als Steuerberaterin in meiner eigenen Kanzlei sitzen :grin: ), aber sie hat den Grundstein für meine Strickleidenschaft gelegt. Ich war nämlich zuerst in der Handarbeitsabteilung -Bereich Wolle und Strickzubehör- eingesetzt. Und weil man für uns Frischlinge nicht genug zu tun hatte, mussten wir ständig “Inventur” machen. Das bedeutete einfach nur Pakete mit Wolle zu zählen und war eigentlich nichts weiter als eine Beschäftigungstherapie.

Naja, es kam wie es kommen musste, das Lanatoin zeigte Wirkung und ich verspürte den dringenden Wunsch, aus diesen schönen Garnen etwas zu machen. Also habe ich mich im Personalverkauf mit Wolle und Stricknadeln eingedeckt, mir aus der Bücherei ein Grundlagenbuch geholt und los ging’s. Mit diesem Buch habe ich die ersten Schritte gelernt:

So, nun bin ich ja aber Linkshänder (schreibe allerdings mit rechts, da sanft umerzogen). Und in dem Buch war auch ein Kapitel “stricken für Linkshänder”. Ich habe also zuerst überlegt, ob ich so stricken lerne, fand das dann aber unklug, weil ich dachte, dann könne mir ja niemand mit meinem Strickzeug helfen, wenn ich alles spiegelverkehrt mache. Also habe ich die Rechtshändermethode gewählt.
Das war nicht schwer zu verstehen, aber schwierig umzusetzen, weil der blöde Faden immer weggeflutscht ist, wenn ich ihn mit der rechten Nadel durch die Masche holen wollte. Also habe ich ihn irgendwann einfach gepackt, festgehalten und um die rechte Nadel gelegt. Hey, das ging ja viel einfacher als dieses Getüdel über dem linken Zeigefinger! Und so bin ich bis heute bei meiner “Schmeissmethode” geblieben. Wer mal gucken möchte, wie das aussieht, findet hier zwei Filmchen.

Nach einem Nachmittag war die Sache geritzt, ich konnte anschlagen, rechte und linke Maschen stricken und habe daher gleich einen Pullover angeschlagen. Ohne Anleitung, denn ich wollte ja unbedingt dieses tolle hellblaue geflammte Baumwollgarn verstricken und dafür hatte ich keine Anleitung. Also habe ich einfach so viele Maschen angeschlagen bis es mir breit genug erschien und losgestrickt. Erst ein Bündchen, dann weiter in glatt rechts, bis das Teil augenscheinlich lang genug war, abgekettet, Rückenteil fertig.

Tja, nun wusste ich bloß beim Vorderteil gar nicht mehr, wie viele Maschen ich für den Rücken genommen hatte und fand das auch nicht wirklich wichtig. Ich brauchte doch bloß so viele Maschen anzuschlagen, daß es genauso breit wird, oder? Tja, wurde es natürlich nicht, denn daß Anschlagbreite nicht gleich Strickstückbreite ist, habe ich erst dadurch gelernt. Irgendwie passte der Pullover zum Schluß aber trotzdem (damals war ja zum Glück alles überdimensioniert und es kam auf ein paar cm mehr oder weniger nicht so an) und ich habe ihn noch recht lange mit Stolz getragen.

Die Strickleidenschaft hatte mich schon damals gepackt und ich habe in jeder Mittagspause gestrickt. Geringschätzig belächelt von den älteren Kolleginnen, die selbst alle stricken konnten und mir immer erzählt haben, daß ich vieeeeel zu fest stricke. Ja, es war fest, noch fester als heute. Und es war dadurch etwas mühsam. Aber es ist auch keine der Trullas (bis auf eine konnte ich die alle nicht leiden, für mich waren das alles zickige alte Schachteln) mal gekommen und hat mir Tips gegeben, was ich vielleicht besser machen könnte (vielleicht lag’s aber auch an mir, ich hab’ mir damals ungern was sagen lassen… :wink: ).

Die nächsten Pullover habe ich dann nach Anleitungen gestrickt, bevorzugt aus der Nicole, die ich abonniert hatte. Wenn ich nicht wusste, wie eine bestimmte Sache ging, habe ich in meinem schlauen Buch nachgeschlagen, die Technik-Tips in der Nicole gelesen oder notfalls improvisiert. Richtige Probleme gab es eigentlich nie, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern.

Da ich mir die Originalgarne selten leisten konnte oder sie nicht bei uns vor Ort erhältlich waren, habe ich schon früh gelernt, Garne zu ersetzen. Dabei hat mir anfangs die Beratung  im Wollgeschäft sehr geholfen. Damals konnte man sich auch noch auf die Nadelstärken auf der Banderole verlassen, heute werden ja fast immer viel zu dicke Nadeln emfohlen (selbst als Brettstricker nehme ich noch kleinere Nadeln als angegeben).
In der Regel habe ich geguckt, welche Nadelstärke in der Anleitung genommen wurde und dann ein Garn ausgesucht, das für die gleiche Nadelstärke gedacht war. Mein Gestrick war dann zwar immer noch fester als in der Anleitung angegeben, aber ich habe einfach eine größere Größe gestrickt, um die gewünschte Größe zu erhalten.
Daß das Material ebenfalls Auswirkungen auf den Sitz und das Aussehen des Strickstücks hat, habe ich damals allerdings noch nicht bedacht. Ich habe in den ersten Jahren häufig mit Baumwolle gestrickt, weil die nicht so teuer war. Diese Baumwollvorliebe habe ich erst vor ca. 10 Jahren langsam aufgegeben. Diesen Pullover habe ich tatsächlich mit einer Baumwoll/Acryl-Mischung (und flach) gestrickt, völig irre!

Ziemlich schnell habe ich auch Jaquard und Intarsien gestrickt. Damals hat uns ja keiner gesagt, daß sowas nicht so ganz einfach ist, also haben wir einfach gemacht. “Das traue ich mir noch nicht zu” gab es in meiner Strickwelt nicht. Ich wollte dieses oder jene Modell haben, also habe ich beim stricken gelernt, wie man das macht. Nur vor aufwendigeren Zopfmustern bin ich lange zurückgeschreckt. Nicht, weil ich es nicht gekonnt hätte, sondern weil mir diese ständige Zopferei samt Strickschrift lesen so wahnsinnig anstrengend erschien. Das hat sich irgendwann gegeben, trotzdem geht mir zuviel Zopferei auch heute noch irgendwann auf den Keks (siehe Cromarty, das hatte schon seinen Grund, daß der zum Ufo wurde).

Das einzige, wo ich mich wirklich viele Jahre nicht rangetraut habe, waren Armkugeln. Durch meine festere MaPro war mir klar, daß die nicht passen würden. Ich wusste aber auch nicht, wie man das passend ausrechnen kann. Bis ich irgendwann unbedingt Martha haben wollte. Die hatte aber Armkugeln *hpf* Meine damalige Freundin hat mir dann so lange gut zugeredet, bis ich es gewagt habe. Und siehe da, sie passten ausgezeichnet in den Armausschnitt!

Da kam mir der Zufall zu Hilfe, denn die Designerin strickte genauso fest wie ich. Meine MaPro stimmte exakt und daher passte auch alles exakt. Und ich hatte ein Aha-Erlebnis: Wenn die MaPro nicht zur Anleitung kommen will, dann muss die Anleitung eben zur MaPro kommen! Und so habe ich fortan einfach die Armkugeln von Anleitungen mit passender MaPro geklaut.
Irgendwann habe ich dann auch das System hinter der Formgebung und den Zusammenhang zwischen Größe des Armausschnitt und Größe der Armkugel kapiert – seitdem sind Armkugeln kein Problem mehr und wenn ich nicht meine bevorzugten Maschenzahlen von Martha oder Salina nehmen kann (die gehen eigentlich immer bei 3er bzw. 3,5er bis 4er Nadeln), stricke ich sie inzwischen nach Gefühl.

So richtig intensiv ist meine Strickleidenschaft dann geworden, als das Internet ins Spiel kam. Das ging damit los, daß ich entdeckte, daß man Wolle bei Ebay sehr günstig bekommt, dann kam die erste Mailingliste, ich lernte über’s Netz viele andere Strickbegeisterte kennen, entdeckte die Welt der englischsprachigen Anleitungen, begann 2006 zu bloggen und seit 2007 bin ich bei Ravelry Mitglied. Heutzutage kann ich mir ein Leben ohne Wolle und Stricknadeln überhaupt nicht mehr vorstellen!

Die verstrickte Dienstagsfrage 47/2012

Bist Du regelmäßig auf Garn-Schäppchen-Jagd im Internet und wenn ja: Wie oft, und wie viel Zeit wendest Du im Durchschnitt pro “Jagd” auf?

Vielen Dank an Martine und das Wollschaf für die heutige Frage!

Alpi hat das in ihrer Antwort so schön formuliert, das klaue ich mir:  “Ich bin kein Jäger, ich bin Sammler”.
Kerstins Kosten/Nutzen-Rechnung finde ich auch sehr gut – sie hat vollkommen recht damit.

Ich jage also nicht bewusst Schnäppchen, aber wenn sie mir zufällig über den Weg laufen, dann fange ich sie ein. Meistens sind das aber Sonderangebote vor Ort (mein LYS hat z.B. fatalerweise immer mehrere große Angebotsständer vor der Tür).
Im Internet gerate ich ab und zu mal bei der Wollemaus in Versuchung, deswegen lösche ich den Newsletter in der Regel schnell wieder, denn langsam weiß ich nicht mehr, wohin mit dem ganzen Garn. Aus dem gleichen Grund mache ich auch um die Woll-Insel einen großen Bogen – virtuelle Besuche dort haben meist fatale Folgen… :wink: (die King Cole Merino Blend z.B. ist toll)

Allerdings bin ich in den letzten Jahren auch deutlich wählerischer geworden. Denn ich habe festgestellt, daß ich zwar extrem für Sonderangebote anfällig bin, daß ich aber auch zu unüberlegten Spontankäufen neige und mich später frage, warum in aller Welt ich dieses oder jenes Garn überhaupt gekauft habe: Farben, die mir gar nicht stehen, Fasern, die ich gar nicht gerne verstricke oder trage – alles schon vorgekommen. Meine Leser freut’s, denn irgendwann haue ich diese Garne bei irgendwelchen Aktionen wie z.B. dem Adventskalender wieder raus.

Die beiden heftigsten Schnäppchenkaufaktionen hatte ich vor ca. 10 Jahren:
Der allererste Besuch in der Hamburger Wollfabrik bescherte mir knapp 10 kg Lammella, von denen ich immer noch ein paar Farben habe. Die werde ich aber sicherlich noch nach und nach verstricken, das ist wirklich ein hochwertiges und kuscheliges Garn. Und mal ehrlich: 1,50 € für reine Lambswool? Da musste ich doch zuschlagen! Und es ist im Gegensatz zu den meisten anderen Garnen der HWF verzwirnt – mit gefachten Garnen mag ich nicht stricken.

Auch von der zweiten Schnäppchenjagd habe ich noch einen gut abgelagerten Restbestand:

Damals hat bei mir um die Ecke ein Wollgeschäft zugemacht und es gab täglich mehr Nachlass. Ich war glaube ich dreimal da und habe jedes Mal vier oder sechs Tüten voll nach Hause geschleppt.

Aber auch wenn ich nicht gezielt nach Schnäppchen jage, gehe ich bei Wolle doch nach dem Motto: “Sparst Du in der Zeit, so hast Du in der Not”. Sollte ich jemals in die unglückliche Lage geraten, mir keine Wolle mehr leisten zu können, habe ich immer noch genug Reserven, um mich über die nächsten sieben Jahre zu retten (und Wollvorräte sind für Insolvenzverwalter glücklicherweise völlig uninteressant :wink:Martine, dieses Argument zur Stashbildung ist doch wirklich unwiderlegbar, oder? :mrgreen: )

Von daher musste das hier beim letzten Mylys-Besuch auch unbedingt mit – man weiß ja nie, was die Zukunft bringt… :

Die verstrickte Dienstagsfrage 41/2012

Ich lese immer wieder von Restedecken, Monstersocken und ähnlichem. Manche Strickerinnen schaffen es anscheinend, auch den letzten Meter Garn noch irgendwie sinnvoll zu verwerten. Wie weit gehst Du da? Welche Mengen verarbeitest Du noch zu irgendetwas? Ab wann (wieviel Gramm, wieviel Meter) ist ein Rest für Dich nicht mehr verwendbar, und Du wirfst ihn ohne Reue weg?

Vielen Dank an Kerstin und das Wollschaf für die heutige Frage!

Schöne Frage :grin:

Da ich kein Kleinteilestricker bin, ist für mich ein Rest alles, was keinen Pullover mehr ergibt und von dem ich auch keine weiteren Farben zum Kombinieren habe. D.h. auch 350 g können für mich schon ein Rest sein :wink:

Ich war noch nie ein sparsamer Mensch und würde im Leben nicht auf die Idee kommen, irgendwelche Restfitzelchen zu irgendetwas zu verarbeiten, nur um nichts zu verschwenden. Alles, wovon ich noch mindestens ein halbes Knäuel habe, hebe ich auf und verschenke es von Zeit zu Zeit an Menschen, die daran Freude haben. Kleinere Mengen behalte ich manchmal, um Material zum Rumexperimentieren zu haben, ansonsten schmeisse ich sie gnadenlos weg. Ein oder zwei Meter von jedem Garn bewahre ich allerdings auf, falls mal was geflickt werden muss.

Die verstrickte Dienstagsfrage 34/2012

Was schätzt ihr: Wie viele Kilogramm Garn habt ihr in eurem
Strickleben schon verarbeitet? Und wie viele Kilometer?

Vielen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Na, Frau R., Sie können aber auch schwierige Fragen stellen :shock:

Mal überlegen: Ich stricke seit 1985, also seit 27 Jahren. Dazwischen habe ich ungefähr 7 Jahre Strickpause gemacht (da waren Computer interessanter). Verbleiben 20 Jahre. In den vergangenen Jahren habe ich jährlich zwischen 12 und 14 kg verstrickt, aber früher nicht ganz so viel. Also sagen wir mal im Schnitt vielleicht 9 kg pro Jahr. Macht 180 kg in 20 Jahren.
180 kg sind 3600 Knäuel. Durchschnittlich vielleicht 130 m pro Knäuel. Sind 468.000 m, also 468 km. Klingt gar nicht so viel. Das ist ungefähr die Strecke von Hamburg nach Amsterdam.
Das dürften dann zwischen 250 und 300 Pullover und Jacken gewesen sein. Hm, komisch, wo sind die eigentlich alle abgeblieben? Oder waren es doch nicht so viele Kilo?

Jetzt gehe ich mal gucken, was die anderen verstrickt haben.

Die verstrickte Dienstagsfrage 27/2012

Gerne streife ich nach getaner Strickarbeit (oder aufgeschobener Zusammen-Näharbeit) durch’s Netz und schaue, was andere Stricker und Strickerinnen so anstellen. Das macht riesigen Spaß und ich habe schon viel gelernt. Andererseits bin ich manchmal ziemlich ratlos über die Debatten im Netz, weil in Kommentaren und Blogeinträgen ziemlich scharf geschossen wird. Letztens traf ich eine Internet-Strickerin im echten Leben und dabei fiel das Wort der „Strick-Polizei“. Ich habe lange überlegt und tue es noch, aber gibt es das Phänomen tatsächlich? Hängt das mit dem vermaledeiten Handarbeitsunterricht zusammen, der auf den einzigen, richtigen Strickweg führen sollte? Oder haben wir einfach (noch) nicht gelernt, wie wir miteinander konstruktiv im anonymen Internet umgehen sollten?

Vielen Dank an „Praagelmam“ (und das Wollschaf) für die heutige Frage!

(Praagelmam ist friesisch und lässt sich mit „Strickmama“ übersetzen).

Klar – das Phänomen “Strickpolizei” gibt es tatsächlich. Ab und zu ist sie mir auch schon über mal den Weg gelaufen. Und regelmäßige Tichiro-Leser wissen, daß ich selbst auch gerne mal scharf schiesse, wenn mir irgendetwas nicht gefällt :wink: Ich kann aber auch das Echo vertragen. Und ich schreibe nichts, was ich nicht auch jemanden persönlich ins Gesicht sagen würde.

Mit dem Handarbeitsunterricht hat das meiner Meinung nach überhaupt nichts zu tun. Das ist einfach eine Eigenart der Menschen, viele lästern und kritisieren halt gerne – was ich auch gar nicht schlimm finde, so lange es nicht unter die Gürtellinie geht. Und im anonymen Internet ist das natürlich deutlich einfacher als im echten Leben. Viele Menschen haben ja noch nicht mal im echten Leben gelernt, konstruktiv miteinander umzugehen, warum sollte es da im Internet besser sein. Wobei in der Strickwelt noch relativ zahm und rücksichtsvoll miteinander umgegangen wird (vor allem, wenn man bedenkt, das da überwiegend Frauen aufeinander treffen), in anderen Themenbereichen geht es noch viel härter zu. Die schmeissen sich teilweise virtuelle Steine an den Kopf, wir werfen wenigstens nur mit Wollknäulen :mrgreen:

Andererseits denke ich, daß solche Zanks und Zickereien meistens viel zu ernst genommen werden, einige fühlen sich sehr schnell (und meist zu Unrecht) persönlich angegriffen und nehmen sich das Geschriebene viel zu sehr zu Herzen. Beispiel: Ich schreibe “ich finde das Strick-Ding total blöd und völlig überflüssig”. Strickerin A hat sich das Strick-Ding vor zwei Wochen gekauft und arbeitet ganz begeistert damit. Sie denkt “ich liebe das Strick-Ding. Tina findet das blöd. Also findet sie mich blöd”. Und schon ist sie sauer. Was für’n Quatsch! Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun! Vielleicht würde ich Strickerin A als Mensch total klasse finden, wenn ich sie kennenlernen würde. Ich mache doch Sympathie oder Antipathie nicht alleine davon abhängig, ob ich etwas blöd finde, was der andere gut findet. Und doch scheinen viele so zu denken.

Mit ein wenig mehr Gelassenheit (und Selbstbewusstsein) auf allen Seiten würden die meisten Themen gar nicht erst so hochkochen (allein schon, wenn ich an die ganzen Wollmeisen-Diskussionen denke *kopfschüttel*). Ich finde diese Zickereien einfach nur amüsant – die meisten bekomme ich ja leider gar nicht mit (wenn Ihr Links habt, immer her damit :grin: ). Klar, manchmal ärgere ich mich auch, aber das ist genauso schnell wieder vergessen, wirklich berühren tut mich das nicht. Denn seien wir doch mal ehrlich: Es geht doch um nichts wirklich wichtiges. Nur um’s stricken.

Die verstrickte Dienstagsfrage 23/2012

Am Samstag 09. Juni ist Welttag des Öffentlichen Strickens. Ich finde es eine tolle Idee, rauszugehen und sich zum Stricken und Häkeln zu bekennen. Leider finde ich nur Aktionen, die Mützchen und Decken produzieren, sodass meiner Meinung nach der Wert der Hand-Arbeit hinten ansteht gegenüber der Not, die gelindert werden soll. Oder es sind Aktionen von Woll-Läden, die Kundschaft suchen und einen Werbegag platzieren. Was tut Ihr an diesem Tag, was bedeutet er Euch? Und wie organisiert Ihr Euch dafür?

Vielen Dank an mo-hair (und das Wollschaf) für die heutige Frage!

Ich bin des WWKIPD ein wenig überdrüssig geworden. In den Anfangsjahren war es ja noch eine witzige Idee und da haben wir hier in Hamburg auch regelmäßig ein besonderes Treffen organisiert, mittlerweile ist mir das viel zu sehr kommerzialisiert worden. Ich kann ja verstehen, daß die Strickbranche auf diesen praktischen Werbezug aufspringt, gleichzeitig hat er dadurch aber seinen Flair verloren.

Und ich muss gestehen, ich bin kein Charity-Stricker. Von daher würde ich nie zu einer entsprechenden Aktion eines Wollgeschäftes gehen, wo ich mich womöglich “genötigt” sehen würde, Decken und Mützchen zu stricken. Will ich nicht, mach’ ich nicht. Ich spende lieber Geld, weil ich das in vielen Fällen sowieso für sinnvoller halte und stricke stattdessen was für mich.

Abgesehen davon bekenne ich mich ohnehin ständig dazu, daß ich leidenschaftlich gerne stricke, dazu brauche ich keinen speziellen Tag. Daß es Leuten peinlich ist, in der Öffentlichkeit zu stricken, wie ich es schon das eine oder andere Mal gelesen haben, kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin deswegen noch nie komisch angeguckt worden (oder habe es zumindest nicht bemerkt…) und doofe Sprüche gab es auch noch nie (außer “ein rechts, ein links, ein fallenlassen” :mrgreen: ) Wenn mich einer deswegen anspricht, dann weil er sich dafür interessiert oder es einfach gut findet. Vielleicht liegt es an der Großstadt, hier sieht man ständig seltsame Leute seltsame Dinge tun, da ist stricken nichts sonderlich Bemerkenswertes :wink:

Die verstrickte Dienstagsfrage 19/2012

Für viele ein leidiges Thema: die richtige Wollmenge abschätzen. Bleibt bei dir immer zu viel übrig oder ist das Garn in den letzten Reihen zu Ende? Wie “ermittelst” du deinen Bedarf? Vertraust du auf die Anleitung, sofern vorhanden? Hast du Faustregeln? Berichte doch mal!

Danke an das Wollschaf für die heutige Archiv-Frage.

Also im Normalfall habe ich immer ein oder zwei Knäuel übrig. Ich bin Feigling, d.h. ich kaufe lieber zuviel als zu wenig. Da ich nur sehr selten Garn für ein bestimmtes Projekt kaufe, nehme ich in der Regel 500 – 750 g (für momentan Gr. 40). Bei hoher Lauflänge (ab ca. 160 m/50 g) 500 g, bei mittlerer Lauflänge (ca. 120 – 150 m) 600 – 650 g, bei dickeren Garnen vorsichtshalber lieber 700 – 750 g. Das reicht dann eigentlich immer, außer bei sehr garnfressenden Mustern wie Zopfmuster oder Patent.

Die Anleitung oder die Verbrauchsangaben auf der Banderole nehme ich höchstens als groben Anhaltspunkt, da ich in der Regel viel fester stricke als angegeben und somit auch mehr Garn brauche.

Sofern man aber die gleiche Maschenprobe erreicht wie in der Anleitung angegeben, kann man den Angaben in der Anleitung erfahrungsgemäß fast immer vertrauen. Ich würde trotzdem ein Knäuel mehr kaufen, ich bin halt ein Schisser :wink: Ausserdem weiß man ja nie, ob die MaPro im Verbrauch berücksichtigt wurde oder nicht. Lieber ein bisschen mehr Geld ausgeben als später verzweifelt nach einem Garn jagen, das schon vor zwei Jahren vom Markt genommen wurde und sich im schlimmsten fall mit einer Notlösung behelfen müssen.

Falls man das Originalgarn durch ein anderes ersetzen möchte, kann man den Verbrauch ganz leicht ausrechnen – Voraussetzung: Man erreicht die gleiche Maschenprobe. Der Rechenweg:
Anzahl der Knäuel des Originalgarns x Lauflänge pro Knäuel = benötigte Lauflänge gesamt.
Gesamtlauflänge : Lauflänge Ersatzgarn = benötige Anzahl Knäuel Ersatzgarn.

Beispiel: Vom Originalgarn ist als Verbrauch 600 g angegeben (also 12 Knäuel), die Knäuel haben 50 g und eine Lauflänge von 130 m. Das Ersatzgarn gibt es als 100 g-Stränge mit je 240 m Lauflänge. dann rechnet man: 12 x 130 m = 1560 m, die insgesamt benötigt werden. 1560 m : 240 m = 6,5 also braucht man 7 Stränge á 100 g (mit einem halben Strang Risiko-Reserve).

Beim Pfoten voten haben wir wieder ein bisschen aufgeholt, noch 868 Stimmen bis Platz 5…