Wollschaf

Die verstrickte Dienstagsfrage 38/2013

Kaufst du Wolle und Garne eher markenbewusst oder greifst du auch zu No-Name-Produkten? Bitte begründen, danke.

Vielen Dank an Michaela und das Wollschaf für die heutige Frage!

Grundsätzlich ist mir Marke oder “No Name” völlig schnuppe – so lange die Qualität stimmt.

Das ist aber nach meinen Erfahrungen gerade bei Handstrickgarnen nicht oder zumindest nur sehr selten der Fall. Was ich da bisher an”NoName”, Discounter- und sonstigen namentlich eher unbekannten Garnen in der Hand bzw. auf den Nadeln hatte, erfüllte meine Anforderungen, die ich an ein Garn habe, im Normalfall jedenfalls nicht. Von daher habe ich von vornherein Vorbehalte gegen solche Garne und würde sie nur kaufen, wenn ich sie vorher anfassen kann.

Ich hatte z.B. mal eine Mischung aus Alpaka und Schurwolle bei A… gekauft, weil ich mich von anderen habe mitreissen lassen. Ihhh, sowas pieksiges und kratziges habe ich selten erlebt. Die halb angefangene Jacke liegt hier immer noch rum, aber ich glaube die werde ich irgendwann in die Tonne kloppen, es macht einfach keinen Spaß, das Garn zu verarbeiten und anziehen werde ich sie wohl auch nie. Sieht zwar hübsch aus, fühlt sich aber furchtbar an.

Im Laufe der Jahre bin ich deutlich anspruchsvoller geworden, viele Garne, die ich früher ohne mit der Wimper zu zucken verstrickt habe, würde ich heute mit Schaudern von mir weisen. Man könnte auch sagen, daß ich ein Garn-Snob bin, was aber weniger auf die Marke, als auf das Material bezogen ist.

Marke muss nicht zwingend auch Qualität bedeuten – auch namhafte Hersteller produzieren durchaus den einen oder anderen Schrott. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß ein namhaftes Garn auch eine anständige Qualität hat, halte ich für deutlich höher. Zwischen “billig” und “preiswert” gibt es eben einen Unterschied. Qualität hat eben einen gewissen Preis. Extrem niedrige Preise kann man in der Regel nur machen, wenn man beim Material oder bei der Verarbeitung Abstriche macht.

Es gibt wie immer im Leben Ausnahmen, gerade bei kleinen Herstellern oder Vertreibern, die keine “großen” Namen haben, aber wunderschöne Garne anbieten.
Hier sei als leuchtendes Beispiel die Firma fairAlpaka genannt, die ihre Garne direkt importiert, keine Kosten für Zwischenhändler und keine große Verwaltung hat (die Inhaber arbeiten personalkostensparend selbst mit), keinen Riesen-Marketingaufwand betreibt und diese Ersparnis direkt an die Kunden weitergibt. Hätte ich das Garn nicht selbst testen dürfen, hätte ich nicht geglaubt, daß reines Baby Alpaka für nur 2,99 €/50 g was taugen kann. Tut es aber tatsächlich.

Beim Stricken ist mir neben der Optik vor allem die Haptik wichtig – schließlich habe ich das Garn mindestens 50 Stunden in den Händen, da muss es sich einfach gut anfühlen. Kunstfasern dürfen gerne einen Teil der Zusammensetzung ausmachen, so lange das Material trotzdem angenehm anzufassen und zu verarbeiten ist. Aber grundsätzlich mag ich reine Naturfasern deutlich lieber.

Ich bin auch nicht bereit, aus finanziellen Gründen auf Qualität zu verzichten. Da gehe ich nach dem Motto: “Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not”. Das ist einer der Gründe,  warum ich so einen großen Wollvorrat habe :wink: Auch oder gerade als Selbständiger gibt es durchaus mal Durststrecken, wo das Geld für Wolle einfach nicht da ist. Aber dann zehre ich von meinen Vorräten, die würden mich selbst im Insolvenzfall über die sieben Jahre bringen :grin:

Sollte ich jemals in die unglückliche Lage kommen, nur noch sehr wenig Geld für mein Hobby zur Verfügung zu haben und auch keine Vorräte mehr zu besitzen, würde ich trotzdem lieber auf Klasse als auf Masse setzen. Dann würde ich eben sehr wenig Garn kaufen, dafür aber hochwertiges. Wenn man gezielt nach preiswerten (nicht billig, aber den Preis wert) Garnen oder Sonderangeboten sucht, findet man auch für relativ wenig Geld gute Garne.

Und ich würde zusehen, daß ich von dem wenigen Garn, das ich mir leisten kann, möglichst lange etwas habe, indem ich z.B. sehr aufwendige, zeitraubende Muster stricke. Bevor ich im Jahr zehn schnelle Sachen aus Billigmaterial raushaue, stricke ich lieber nur zwei, aber die dann mit richtig schöner Wolle.

Wenn ich mir nur noch das 500g-Poly-Riesenknäuel vom Grabbeltisch oder diese schrecklichen “Designergarne” leisten könnte, würde ich das Stricken aufgeben, denn dann würde es mir einfach keinen Spaß mehr machen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 26/2013

Was gehört deiner Meinung nach in einen Handarbeitsblog und was geht gar nicht?
Nur handarbeitsbezogene Themen oder auch mal was anderes?
Auch kritische/negative Meinungen über andere Handarbeitstechniken, andere Blogs, Gruppen, Foren, Plattformen etc.?
Über Krankheit, Tod und so was?

Vielen Dank an Isabella und das Wollschaf für die heutige Frage!

Antwort: Alles kann, nichts muss!

Sprich, was jemand in seinem Blog schreibt und wie er ihn führt, bleibt allein ihm überlassen.
Ob mir das dann gefällt, steht auf einem anderen Blatt. Aber mich zwingt ja keiner, einen Blog zu lesen.

Also kann ich nur sagen, was mir persönlich gefallen würde oder was mich persönlich dazu bringen würden, einen Blog nicht (mehr) zu lesen:

  • Wichtig ist mir, daß der Blog in erster Linie strickbezogen ist. Da das Thema Stricken aber sehr weitläufig ist, kann selbst ein reiner Strickblog für mich uninteressant sein, wenn er nämlich z.B. nahezu ausschließlich Tücher oder Socken zeigt. Die stricke ich nicht, also interessieren sie mich auch nur am Rande.
  • Kritik/negative Meinungen – na klar, herzlich gerne, an jedem und zu allem, so offen wie möglich, auch gerne mal bissig, so lange sie nicht ernsthaft beleidigend wird (wobei mein Schlips da sehr kurz ist, da muss man sich schon sehr anstrengen, um mir da draufzutreten :cool: ). Wär’ ja auch komisch, wenn ausgerechnet ich das ablehnen würde :wink: Nur begründet sollte sie jederzeit werden.

Auch wichtig: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Ich liebe es, wenn andere Menschen eine andere Meinung als ich haben und man mit ihnen ausgiebig diskutieren kann. Perfekt ist es, wenn auch mal so richtig die verbalen Fetzen fliegen können, ohne daß es jemand wirklich persönlich nimmt und man sich dann hinterher immer noch gern hat.

  • Zu viele Beiträge, die nichts mit Stricken zu tun haben. Ein bisschen Privates sehr gerne, mich interessiert auch der Mensch hinter dem Blog. Aber wenn es ausufert und jeder zweite Beitrag von anderen Dingen handelt, dann verschwindet dieser Blog aus meinem Feedreader. Ebenso, wenn es häufiger um sehr persönliche Dinge geht – wenn jemand die Weltöffentlichkeit daran teilhaben lassen möchte,  ist das seine Sache, aber mich geht das nichts an und interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht.

Schön finde ich, wenn man auch mal die Person hinter dem Blog zu sehen bekommt, das schafft eine persönlichere Beziehung. Ich habe aber auch Verständnis dafür, wenn sich jemand nicht im Internet zeigen möchte.

  • Der Schreibstil der Beiträge sollte eine gewisse sprachliche Qualität aufweisen. Die Texte sollten weder klingen wie der Aufsatz eines durchschnittlichen Viertklässlers noch aus einer pseudointellektuellen Aneinanderreihung von Fremdwörtern bestehen. Der Schreibstil sollte mir den Blogschreiber sympathisch erscheinen lassen. Wenn ich den Eindruck habe, es mit einer humorlosen, verbissenen, wichtigtuerischen, überheblichen oder mimosenhaften Person zu tun zu haben, dann kehre ich dieser Person -wie im echten Leben- möglichst schnell den Rücken zu.

Ich mag Menschen, die Humor haben, Spaß verstehen, auch mal über sich selbst lachen können und sich selbst und das Leben nicht so furchtbar ernst nehmen. Wenn ich das Gefühl habe, daß der Blogschreiber zu diesem Menschenschlag gehört, dann lese ich gerne bei ihm.

  • Absolute k.o.-Kriterien sind mangelhafte Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Ebenso inflationäre Verwendung von Smilies, Blinkieblinkie-Bildchen und Satzzeichen. Zu große, verschnörkelte und/oder quietschbunte Schrift, unübersichtliches Layout und schlechte Fotos schrecken mich ebenfalls sehr schnell ab.

Die verstrickte Dienstagsfrage 25/2013

Ich habe zwei angefangene Teile, die ich nun wieder ribbeln will, da Projekt und Wolle nicht gut zusammenpassen. Sie liegen aber nun schon einige Monate und ich habe natürlich nur einen Teil der Wolle angestrickt. Werde ich Unterschiede in der Wolle sehen, wenn ich nun aus der geribbelten und noch nicht angestrickten Wolle kombiniert etwas Neues mache? Muss ich wirklich die geribbelte Wolle erst wieder glätten? Oder relativiert sich das vielleicht nach dem Waschen des fertigen Stückes?

Vielen Dank an Carina und das Wollschaf für die heutige Frage!

Also ich persönlich kann auch Garne, die 10 Jahre lang verstrickt rumlagen, gleich wieder verstricken, ohne daß sich ein nennenwerter Unterschied im Maschenbild erkennen lässt und wenn doch eine minimale Abweichung erkennbar sein sollte, geht das beim Waschen weg.
Das liegt aber daran, weil ich mit sehr hoher Fadenspannung stricke und der Faden ganz eng an der Nadel anliegt. Der hat gar keine Bewegungsfreiheit, um irgendwelche Fisimatenten in Form von Wellen oder ungleichmäßigen Maschen zu machen.
Ich ribbele das Gestrick einfach mit hoher Fadenspannung zu einem Ball auf, dabei gehen schon mal die gröbsten Wellen weg und der Rest erledigt sich durch’s verstricken und waschen.
Problematisch könnte das auch bei mir mit sehr unelastischen Garnen wie Leinen oder Seide werden (aber die verstricke ich ohnehin nicht gerne) oder bei Lochmustern, weil der Faden da mehr Platz hat, um aus der Reihe zu tanzen.

Der aber der überwiegende Teil der strickenden Menschheit nicht so extrem fest wie ich strickt, würde ich jedem anderen (außer Martine :cool: die strickt noch fester als ich) raten, die geribbelte Wolle vor dem erneuten Verstricken erstmal zu glätten, denn generell sieht man einen Unterschied, je lockerer das Gestrick und je unelastischer das Garn, um so deutlicher.
Wenn man nach “geribbelte Wolle glätten” googelt, bekommt man jede Menge Suchtreffer mit verschiedenen Methoden und Tipps.

Die verstrickte Dienstagsfrage 8/2013

Irgendwann haben alle einmal das Stricken freiwillig oder durch einen Bildungsplan verordnet gelernt.
Erinnert ihr euch noch, wie das war?
Was machte euch die meisten Probleme?
Wann fing es an, euch richtig zu packen?
Vielen Dank an Michaela (und das Wollschaf) für die heutige Frage!

Ich habe Stricken erst 1985 gelernt, da war ich 19. In der Schule gab es bei uns keinen richtigen Handarbeitsunterricht, der beschränke sich auf Topflappen häkeln in der 3. Klasse (fand ich okay, aber nicht fortführenswert) und das Weben und Färben eines kleinen Lappens in der 5. Klasse (da haben wir auch mal Nudeln selbst gemacht, die waren sowas von igitt…).

1985 aber begann ich eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau in einem Textilgroßhandel. Die Ausbildung war zwar nach drei Monaten schon wieder beendet, weil der Juniorchef Probleme mit meiner großen Klappe hatte (danke Herr Wagner, ohne Sie würde ich heute vermutlich nicht als Steuerberaterin in meiner eigenen Kanzlei sitzen :grin: ), aber sie hat den Grundstein für meine Strickleidenschaft gelegt. Ich war nämlich zuerst in der Handarbeitsabteilung -Bereich Wolle und Strickzubehör- eingesetzt. Und weil man für uns Frischlinge nicht genug zu tun hatte, mussten wir ständig “Inventur” machen. Das bedeutete einfach nur Pakete mit Wolle zu zählen und war eigentlich nichts weiter als eine Beschäftigungstherapie.

Naja, es kam wie es kommen musste, das Lanatoin zeigte Wirkung und ich verspürte den dringenden Wunsch, aus diesen schönen Garnen etwas zu machen. Also habe ich mich im Personalverkauf mit Wolle und Stricknadeln eingedeckt, mir aus der Bücherei ein Grundlagenbuch geholt und los ging’s. Mit diesem Buch habe ich die ersten Schritte gelernt:

So, nun bin ich ja aber Linkshänder (schreibe allerdings mit rechts, da sanft umerzogen). Und in dem Buch war auch ein Kapitel “stricken für Linkshänder”. Ich habe also zuerst überlegt, ob ich so stricken lerne, fand das dann aber unklug, weil ich dachte, dann könne mir ja niemand mit meinem Strickzeug helfen, wenn ich alles spiegelverkehrt mache. Also habe ich die Rechtshändermethode gewählt.
Das war nicht schwer zu verstehen, aber schwierig umzusetzen, weil der blöde Faden immer weggeflutscht ist, wenn ich ihn mit der rechten Nadel durch die Masche holen wollte. Also habe ich ihn irgendwann einfach gepackt, festgehalten und um die rechte Nadel gelegt. Hey, das ging ja viel einfacher als dieses Getüdel über dem linken Zeigefinger! Und so bin ich bis heute bei meiner “Schmeissmethode” geblieben. Wer mal gucken möchte, wie das aussieht, findet hier zwei Filmchen.

Nach einem Nachmittag war die Sache geritzt, ich konnte anschlagen, rechte und linke Maschen stricken und habe daher gleich einen Pullover angeschlagen. Ohne Anleitung, denn ich wollte ja unbedingt dieses tolle hellblaue geflammte Baumwollgarn verstricken und dafür hatte ich keine Anleitung. Also habe ich einfach so viele Maschen angeschlagen bis es mir breit genug erschien und losgestrickt. Erst ein Bündchen, dann weiter in glatt rechts, bis das Teil augenscheinlich lang genug war, abgekettet, Rückenteil fertig.

Tja, nun wusste ich bloß beim Vorderteil gar nicht mehr, wie viele Maschen ich für den Rücken genommen hatte und fand das auch nicht wirklich wichtig. Ich brauchte doch bloß so viele Maschen anzuschlagen, daß es genauso breit wird, oder? Tja, wurde es natürlich nicht, denn daß Anschlagbreite nicht gleich Strickstückbreite ist, habe ich erst dadurch gelernt. Irgendwie passte der Pullover zum Schluß aber trotzdem (damals war ja zum Glück alles überdimensioniert und es kam auf ein paar cm mehr oder weniger nicht so an) und ich habe ihn noch recht lange mit Stolz getragen.

Die Strickleidenschaft hatte mich schon damals gepackt und ich habe in jeder Mittagspause gestrickt. Geringschätzig belächelt von den älteren Kolleginnen, die selbst alle stricken konnten und mir immer erzählt haben, daß ich vieeeeel zu fest stricke. Ja, es war fest, noch fester als heute. Und es war dadurch etwas mühsam. Aber es ist auch keine der Trullas (bis auf eine konnte ich die alle nicht leiden, für mich waren das alles zickige alte Schachteln) mal gekommen und hat mir Tips gegeben, was ich vielleicht besser machen könnte (vielleicht lag’s aber auch an mir, ich hab’ mir damals ungern was sagen lassen… :wink: ).

Die nächsten Pullover habe ich dann nach Anleitungen gestrickt, bevorzugt aus der Nicole, die ich abonniert hatte. Wenn ich nicht wusste, wie eine bestimmte Sache ging, habe ich in meinem schlauen Buch nachgeschlagen, die Technik-Tips in der Nicole gelesen oder notfalls improvisiert. Richtige Probleme gab es eigentlich nie, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern.

Da ich mir die Originalgarne selten leisten konnte oder sie nicht bei uns vor Ort erhältlich waren, habe ich schon früh gelernt, Garne zu ersetzen. Dabei hat mir anfangs die Beratung  im Wollgeschäft sehr geholfen. Damals konnte man sich auch noch auf die Nadelstärken auf der Banderole verlassen, heute werden ja fast immer viel zu dicke Nadeln emfohlen (selbst als Brettstricker nehme ich noch kleinere Nadeln als angegeben).
In der Regel habe ich geguckt, welche Nadelstärke in der Anleitung genommen wurde und dann ein Garn ausgesucht, das für die gleiche Nadelstärke gedacht war. Mein Gestrick war dann zwar immer noch fester als in der Anleitung angegeben, aber ich habe einfach eine größere Größe gestrickt, um die gewünschte Größe zu erhalten.
Daß das Material ebenfalls Auswirkungen auf den Sitz und das Aussehen des Strickstücks hat, habe ich damals allerdings noch nicht bedacht. Ich habe in den ersten Jahren häufig mit Baumwolle gestrickt, weil die nicht so teuer war. Diese Baumwollvorliebe habe ich erst vor ca. 10 Jahren langsam aufgegeben. Diesen Pullover habe ich tatsächlich mit einer Baumwoll/Acryl-Mischung (und flach) gestrickt, völig irre!

Ziemlich schnell habe ich auch Jaquard und Intarsien gestrickt. Damals hat uns ja keiner gesagt, daß sowas nicht so ganz einfach ist, also haben wir einfach gemacht. “Das traue ich mir noch nicht zu” gab es in meiner Strickwelt nicht. Ich wollte dieses oder jene Modell haben, also habe ich beim stricken gelernt, wie man das macht. Nur vor aufwendigeren Zopfmustern bin ich lange zurückgeschreckt. Nicht, weil ich es nicht gekonnt hätte, sondern weil mir diese ständige Zopferei samt Strickschrift lesen so wahnsinnig anstrengend erschien. Das hat sich irgendwann gegeben, trotzdem geht mir zuviel Zopferei auch heute noch irgendwann auf den Keks (siehe Cromarty, das hatte schon seinen Grund, daß der zum Ufo wurde).

Das einzige, wo ich mich wirklich viele Jahre nicht rangetraut habe, waren Armkugeln. Durch meine festere MaPro war mir klar, daß die nicht passen würden. Ich wusste aber auch nicht, wie man das passend ausrechnen kann. Bis ich irgendwann unbedingt Martha haben wollte. Die hatte aber Armkugeln *hpf* Meine damalige Freundin hat mir dann so lange gut zugeredet, bis ich es gewagt habe. Und siehe da, sie passten ausgezeichnet in den Armausschnitt!

Da kam mir der Zufall zu Hilfe, denn die Designerin strickte genauso fest wie ich. Meine MaPro stimmte exakt und daher passte auch alles exakt. Und ich hatte ein Aha-Erlebnis: Wenn die MaPro nicht zur Anleitung kommen will, dann muss die Anleitung eben zur MaPro kommen! Und so habe ich fortan einfach die Armkugeln von Anleitungen mit passender MaPro geklaut.
Irgendwann habe ich dann auch das System hinter der Formgebung und den Zusammenhang zwischen Größe des Armausschnitt und Größe der Armkugel kapiert – seitdem sind Armkugeln kein Problem mehr und wenn ich nicht meine bevorzugten Maschenzahlen von Martha oder Salina nehmen kann (die gehen eigentlich immer bei 3er bzw. 3,5er bis 4er Nadeln), stricke ich sie inzwischen nach Gefühl.

So richtig intensiv ist meine Strickleidenschaft dann geworden, als das Internet ins Spiel kam. Das ging damit los, daß ich entdeckte, daß man Wolle bei Ebay sehr günstig bekommt, dann kam die erste Mailingliste, ich lernte über’s Netz viele andere Strickbegeisterte kennen, entdeckte die Welt der englischsprachigen Anleitungen, begann 2006 zu bloggen und seit 2007 bin ich bei Ravelry Mitglied. Heutzutage kann ich mir ein Leben ohne Wolle und Stricknadeln überhaupt nicht mehr vorstellen!

Die verstrickte Dienstagsfrage 47/2012

Bist Du regelmäßig auf Garn-Schäppchen-Jagd im Internet und wenn ja: Wie oft, und wie viel Zeit wendest Du im Durchschnitt pro “Jagd” auf?

Vielen Dank an Martine und das Wollschaf für die heutige Frage!

Alpi hat das in ihrer Antwort so schön formuliert, das klaue ich mir:  “Ich bin kein Jäger, ich bin Sammler”.
Kerstins Kosten/Nutzen-Rechnung finde ich auch sehr gut – sie hat vollkommen recht damit.

Ich jage also nicht bewusst Schnäppchen, aber wenn sie mir zufällig über den Weg laufen, dann fange ich sie ein. Meistens sind das aber Sonderangebote vor Ort (mein LYS hat z.B. fatalerweise immer mehrere große Angebotsständer vor der Tür).
Im Internet gerate ich ab und zu mal bei der Wollemaus in Versuchung, deswegen lösche ich den Newsletter in der Regel schnell wieder, denn langsam weiß ich nicht mehr, wohin mit dem ganzen Garn. Aus dem gleichen Grund mache ich auch um die Woll-Insel einen großen Bogen – virtuelle Besuche dort haben meist fatale Folgen… :wink: (die King Cole Merino Blend z.B. ist toll)

Allerdings bin ich in den letzten Jahren auch deutlich wählerischer geworden. Denn ich habe festgestellt, daß ich zwar extrem für Sonderangebote anfällig bin, daß ich aber auch zu unüberlegten Spontankäufen neige und mich später frage, warum in aller Welt ich dieses oder jenes Garn überhaupt gekauft habe: Farben, die mir gar nicht stehen, Fasern, die ich gar nicht gerne verstricke oder trage – alles schon vorgekommen. Meine Leser freut’s, denn irgendwann haue ich diese Garne bei irgendwelchen Aktionen wie z.B. dem Adventskalender wieder raus.

Die beiden heftigsten Schnäppchenkaufaktionen hatte ich vor ca. 10 Jahren:
Der allererste Besuch in der Hamburger Wollfabrik bescherte mir knapp 10 kg Lammella, von denen ich immer noch ein paar Farben habe. Die werde ich aber sicherlich noch nach und nach verstricken, das ist wirklich ein hochwertiges und kuscheliges Garn. Und mal ehrlich: 1,50 € für reine Lambswool? Da musste ich doch zuschlagen! Und es ist im Gegensatz zu den meisten anderen Garnen der HWF verzwirnt – mit gefachten Garnen mag ich nicht stricken.

Auch von der zweiten Schnäppchenjagd habe ich noch einen gut abgelagerten Restbestand:

Damals hat bei mir um die Ecke ein Wollgeschäft zugemacht und es gab täglich mehr Nachlass. Ich war glaube ich dreimal da und habe jedes Mal vier oder sechs Tüten voll nach Hause geschleppt.

Aber auch wenn ich nicht gezielt nach Schnäppchen jage, gehe ich bei Wolle doch nach dem Motto: “Sparst Du in der Zeit, so hast Du in der Not”. Sollte ich jemals in die unglückliche Lage geraten, mir keine Wolle mehr leisten zu können, habe ich immer noch genug Reserven, um mich über die nächsten sieben Jahre zu retten (und Wollvorräte sind für Insolvenzverwalter glücklicherweise völlig uninteressant :wink:Martine, dieses Argument zur Stashbildung ist doch wirklich unwiderlegbar, oder? :mrgreen: )

Von daher musste das hier beim letzten Mylys-Besuch auch unbedingt mit – man weiß ja nie, was die Zukunft bringt… :

Die verstrickte Dienstagsfrage 41/2012

Ich lese immer wieder von Restedecken, Monstersocken und ähnlichem. Manche Strickerinnen schaffen es anscheinend, auch den letzten Meter Garn noch irgendwie sinnvoll zu verwerten. Wie weit gehst Du da? Welche Mengen verarbeitest Du noch zu irgendetwas? Ab wann (wieviel Gramm, wieviel Meter) ist ein Rest für Dich nicht mehr verwendbar, und Du wirfst ihn ohne Reue weg?

Vielen Dank an Kerstin und das Wollschaf für die heutige Frage!

Schöne Frage :grin:

Da ich kein Kleinteilestricker bin, ist für mich ein Rest alles, was keinen Pullover mehr ergibt und von dem ich auch keine weiteren Farben zum Kombinieren habe. D.h. auch 350 g können für mich schon ein Rest sein :wink:

Ich war noch nie ein sparsamer Mensch und würde im Leben nicht auf die Idee kommen, irgendwelche Restfitzelchen zu irgendetwas zu verarbeiten, nur um nichts zu verschwenden. Alles, wovon ich noch mindestens ein halbes Knäuel habe, hebe ich auf und verschenke es von Zeit zu Zeit an Menschen, die daran Freude haben. Kleinere Mengen behalte ich manchmal, um Material zum Rumexperimentieren zu haben, ansonsten schmeisse ich sie gnadenlos weg. Ein oder zwei Meter von jedem Garn bewahre ich allerdings auf, falls mal was geflickt werden muss.

Die verstrickte Dienstagsfrage 34/2012

Was schätzt ihr: Wie viele Kilogramm Garn habt ihr in eurem
Strickleben schon verarbeitet? Und wie viele Kilometer?

Vielen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Na, Frau R., Sie können aber auch schwierige Fragen stellen :shock:

Mal überlegen: Ich stricke seit 1985, also seit 27 Jahren. Dazwischen habe ich ungefähr 7 Jahre Strickpause gemacht (da waren Computer interessanter). Verbleiben 20 Jahre. In den vergangenen Jahren habe ich jährlich zwischen 12 und 14 kg verstrickt, aber früher nicht ganz so viel. Also sagen wir mal im Schnitt vielleicht 9 kg pro Jahr. Macht 180 kg in 20 Jahren.
180 kg sind 3600 Knäuel. Durchschnittlich vielleicht 130 m pro Knäuel. Sind 468.000 m, also 468 km. Klingt gar nicht so viel. Das ist ungefähr die Strecke von Hamburg nach Amsterdam.
Das dürften dann zwischen 250 und 300 Pullover und Jacken gewesen sein. Hm, komisch, wo sind die eigentlich alle abgeblieben? Oder waren es doch nicht so viele Kilo?

Jetzt gehe ich mal gucken, was die anderen verstrickt haben.