Monats-Archive: April 2007

To stash or not to stash?

Nahezu jede leidenschaftliche Strickerin besitzt einen Wollvorrat, neudenglisch Stash genannt. Bei der einen ist es ein kleiner Hügel von vielleicht 5kg, viele horten aber die zehnfache Menge und bei manch einer türmen sich wahre Wollgebirge von 200kg und mehr. Einen Stash, der aller Voraussicht nach in der verbleibenden Lebenszeit der Strickerin nicht mehr verarbeitet werden kann, nennt man SABLE (stash acquisition beyond life expectancy).

Die Menge des Stashes ist von mehreren Faktoren abhängig: Der Höhe des
Budgets für Wollkäufe, dem verfügbaren Lagerplatz und der Widerstandskraft gegenüber Versuchungen. Manchmal auch noch von der Toleranz des Lebensgefährten. (letztere ist erfahrungsgemäß größer, sofern dieser selbst einer Sammelleidenschaft verfallen ist).

Die nichtstrickende Umwelt reagiert auf unsere Wollsucht meist mit Unverständnis. Häufig gestellte Fragen sind z.B. "Was willst Du denn mit noch mehr Wolle, Du hast doch schon so viel?" "Wann willst Du das denn alles verstricken?" "Du hast doch schon grüne Wolle" Komischerweise werden diese Fragen nie einem Menschen gestellt, der schon 1500 Bücher besitzt und sich noch fünf dazukauft. Oder einem Briefmarkensammler.

Es soll sogar Strickerinnen ge-ben, die sich wegen ihres Wollvorrates schämen. Die ihre Wolleinkäufe heimlich ins Haus tragen, wenn der Göttergatte nicht da ist. Die die Menge ihres Wollvorrates verleugnen – manchmal sogar vor sich selbst…

Von Zeit zu Zeit unternimmt fast jede Stashbesitzerin verzweifelte Versuche, der wachsenden Wollberge Herr zu werden und sie startet eine Wolldiät. Sie nimmt sich vor, für eine gewisse Zeit keine Wolle zu kaufen oder doch zumindest mehr zu verstricken, als neu hinzugekauft wird. Wie jeder erzwungene Verzicht führt auch die Wolldiät zu Unzufriedenheit und schlechter Laune. Mit heimlichem Neid werden die schamlosen Wolleinkäufe von anderen Strickerinnen beäugt. Und wie bei nahezu jeder Diät ist der Erfolg nur mäßig. Dem tatsächlichen Abbau von einigen Kilogramm folgt nach Ende der Diät beinahe unweigerlich der sogenannte "Jojo-Effekt" und am Ende ist der Wollberg höher als vorher. Letztendlich also sinnlose Selbstkasteiung. Also warum tut sich das jemand an? Ein Stash ist nicht ungesund, er frisst kein Brot, er wird nicht schlecht und schadet niemandem.

Ich bin der Meinung, man kann gar nicht genug Stash haben. So lange ich Geld und Platz habe, werde ich jedes Garn kaufen, das ich haben will. Weil es mir Spaß macht. Weil eine große Auswahl der Kreativität förderlich ist. Weil ich es toll finde, eines Tages einen Karton zu öffnen und ein wunderschönes Garn wiederzuentdecken, dessen Kauf ich längst vergessen hatte. Wenn ich am Wochenende plötzlich unbedingt irgendein Modell anfangen möchte, das ich beim Durchblättern eines Strickbuchs entdeckt habe, habe ich höchstwahrscheinlich  irgendwo passende Wolle gelagert. Ich muß nicht tagelang warten, bis ich Zeit habe, ins Wollgeschäft zu gehen oder bis meine Bestellung geliefert wird. Ein Stash ist wie ein Wollgeschäft direkt bei mir zu Hause. Ich sammle Wolle, weil ich Wolle liebe. Andere sammeln Teddybären, Bierdeckel oder Ü-Ei-Figuren. Wo ist der Unterschied?

Possum Pullover fertig (Nr. 10/2007)

Mit nur 426 g ein absolutes Leichtgewicht, aber unglaublich warm. In Anbetracht der derzeitigen klimatischen Verhältnisse gibt’s daher auch kein Bild “an der Frau” ;-) Er passt aber prima, selbst die Ärmel haben die richtige Länge (was mir nicht immer gelingt…)

Den Kragen habe ich ein bisschen schmaler als im Original gemacht.

Hier an der Schulter kann man erkennen, wie viele feine Härchen abstehen -
das ist wohl der Opossum-Anteil.

Stolz bin ich auf die Raglannaht – ich finde, man sieht gar nicht, daß sie
genäht ist, oder?

Info-Box

Garn: Merino&Fur von Naturally, 30% Opossum/70% Merino, LL 120m, verstrickt mit 4er Nadeln, Verbrauch 426 g
Modell: Cozy V-Neck Pullover aus “Fitted Knits” von Stephanie Japel

Wusstet Ihr schon…?

Ein Gesetz aus dem 16. Jahrhundert untersagt Männern auf der Kanalinsel Jersey zu stricken, weil sie sonst die Ernte vernachlässigen. Das Gesetz gilt noch heute für die Monate August und September.
Und im US-Bundesstaat New Jersey ist es den Männern während der Fischfang-Saison untersagt zu stricken.

Vintage Knits – Sarah Dallas

Schon etwas länger in meiner Strickbibliothek

Passend zum aktuellen Vintage-Trend hat Sarah Dallas 30 sehr hübsche und
tragbare Pullover und Jacken entworfen. Die Modelle finde ich gerade wegen ihrer Schlichtheit sehr schön, sie passen zu allem und sind auch in 10 Jahren noch tragbar.

Bis auf eines werden alle Modelle mit 3er bis 4er Nadeln getrickt.

 

Ein schönes Buch, aus dem ich fast alle Modelle gerne nachstricken würde.
Für knapp 14 € auf jeden Fall seinen Preis wert.