Monats-Archive: Februar 2008

Definitionen

Auf besonderen Wunsch einer einzelnen Dame, die gerne, aber nicht nur Röcke strickt :wink: hier mal ein paar Definitionen, so wie ich sie verstehe. Korrigiert mich bitte, wenn ich Blödsinn erzähle :shock:

Fangen wir mal mit Ajour und Lace an. Im englischsprachigen Bereich wird der Begriff “lace” für alle “löcherigen” Strickmuster verwendet, obwohl es wörtlich übersetzt eigentlich nur ein Spitzenmuster bedeutet. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff “Ajour” für Lochmuster wie dieses gebraucht:


(aus einer älteren Sabrina)

Der Begriff “Ajour” stammt aus dem Französischen und steht für Web- oder Maschenwaren, die durchbrochen sind.

Ebenfalls “lace” aber eben nicht “Ajour” ist sowas hier, das wäre im deutschen Kunststricken oder Strickspitze:


(aus “Victorian Lace Today”)

Bei mehrfarbigen Mustern verhält es sich ähnlich. Im englischsprachigen Bereich ist “fair isle” mittlerweile alles, was irgendwie mehrfarbig ist, wenn die Fäden auf der Rückseite mitgeführt werden. Die korrekte Bezeichung wäre eigentlich “stranded knitting”.
Der Begriff leitet sich ab von der schottischen Insel Fair Isle, die zu den Shetlandinseln gehört. Ein traditioneller Fair Isle-Pullover wird in Runden gestrickt, wobei pro Runde maximal zwei Farben verwendet werden und die nicht benutzte Farbe auf der Rückseite mitgeführt wird. Arm- und Halsausschnitte werden mit Steeks gestrickt, die später aufgeschnitten werden. Hier ein Beispiel aus “Meg Swansen’s Knitting”:

Der deutsche Begriff “Jacquardmuster” bezeichnet ebenfalls mehrfarbige Muster, bei denen der unbenutzte Faden mitgeführt wird, ist also die deutsche Entsprechung zu “stranded knitting”. Das Jacquardmuster ist nach dem Franzosen Joseph-Marie Jacquard benannt (war übrigens kürzlich eine Frage in einer Quizshow). Dieser konstruierte Anfang des 19. Jahrhunderts eine lochkartengesteuerte Musterwebmaschine. Ein traditionelles Fair Isle-Muster ist also immer ein Jacquardmuster, aber nicht jedes Jacquardmuster ist ein echtes Fair Isle-Muster. Verwendet man aber “fair isle” so, wie es heute oft im englischsprachigen Raum gebraucht wird, ist es nun doch wieder das Gleiche :shock: Verwirrend, gell?
Das ist für mich Jacquard, aber eben kein traditionelles Fair Isle-Muster:


(aus meinem Sammelbuch, keine Ahnung, woher die Anleitung stammt, irgendwas deutsches)

Dann haben wir noch die Norwegermuster, die zu den Jacqardmustern gehören. Typisch dafür sind vor allem die “Norwegersterne”. Norwegermuster bestehen meist nur aus zwei oder drei Farben, hier werden dann auch gerne mal drei Farben in einer Reihe benutzt, was zu einem heillosen Fadenwirrwarr führt, wenn man nicht aufpasst (ich weiß, wovon ich spreche… :???: ).
Besonders schöne Norwegermuster findet man in den Heften von Dale of Norway, die leider in Deutschland nicht erhältlich sind. (ich habe meine von der Yarn Barn)

Echte Norwegerpullover werden ebenfalls in Runden gestrickt, manchmal mit Steeks, oft werden sie aber auch ab Ärmelhöhe geteilt und dann in Hin- und Rückreihen weitergestrickt.

Eine andere Technik als Jacquard/Fair Isle/stranded knitting sind Intarsienmuster, auf englisch “intarsia”. Hier werden die Farbflächen jeweils mit einzelnen Knäulen gestrickt, auf der Rückseite werden die Fäden beim Farbwechsel miteinander verkreuzt. Ein Meister dieser Technik ist Kaffee Fassett, hier ein Beispiel aus seinem Buch “Kaffe’s Classics”:


Herr Fassett strickt dann gerne auch mal mit 40 Farben oder mehr… :eek:

Sally Melville – The Knitting Experience Book 3: Color

Mit Band drei geht es mit Vollgas auf die Autobahn :grin:

Um einiges umfangreicher als die beiden ersten Bände bietet Band 3 über 40 Projekte, vom schlichten Streifenpulli über Intarsien bis zu komplexen Norwegermustern. Einzig die typischen Fair Isle-Muster bleiben aussen vor, das hätte vermutlich den Rahmen gesprengt.

Wieder gibt es eine Menge gut bebilderter Technik-Erklärungen und Tips. In allen Büchern sind diese verstreut zwischen den Projekten untergebracht, wer etwas Bestimmtes sucht, wird aber dank des Stichwortverzeichnisses schnell fündig.

Erklärt wird unter anderem die Auswahl harmonierender Farben, die Garnführung mit mehreren Farben, Hebemaschen, Jaquard-(Fair Isle-)Muster, Intarsien, Steeks (wie heißen die eigentlich auf deutsch?), besticken im Maschenstich und die Behebung häufig gemachter Fehler.

Antje, das hier hab’ ich extra für Dich rausgesucht :wink: :

Am Ende eines jeden Kapitals finden sich ausserdem kurze Essays zum Thema stricken – interessant und geistreich geschrieben.

Von den drei Bänden das Buch, das mir am besten gefällt und sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen etwas zu bieten hat.

Was in der Reihe jetzt eigentlich noch fehlt, ist ein Band über Zopfmuster und einer über Lace – na, wer weiß, vielleicht kommen die ja noch irgendwann…

Sally Melville – The Knitting Experience Book 2: The Purl Stich

Wie versprochen heute der 2. Band:

Los geht’s natürlich mit der Technik der linken Maschen, auch die andische Strickweise mit der Garnführung um den Nacken wird erklärt. Dann geht’s weiter mit Zusammennähen, Fäden vernähen, Maschen aus einem Strickstück aufnehmen, Zunahmen und Abnahmen, einfachen Socken, I-Cord, Strickschriften lesen, Garnauswahl, Fehlerbehebung u.v.m.

Die Projekte sind komplexer und vielfältiger als in Band 1, aber immer noch leicht zu stricken:

Man könnte sagen, wenn Band 1 die ersten Fahrstunden waren, geht’s in Band 2 auf die Landstrasse und man kann schon mal ein bisschen auf’s Gaspedal drücken :grin:

Sally Melville – The Knitting Experience Book 1: The Knit Stitch

Gerade im englischsprachigen Bereich gibt es ja Grundlagenbücher zu Hauf. Sally Melville hat gleich eine dreibändige Serie geschrieben: Band 1 beschäftigt sich mit rechten Maschen. NUR mit rechten Maschen!

Als ich zum ersten Mal von dem Buch las, dachte ich: “Wie kann man sich über 160 Seiten nur mit rechten Maschen befassen?” Und: “Naja, da werden nur simpelste Anfänger-Projekte drin sein”.

Antwort auf Frage 1: Man kann! Und zwar mit einer Fülle von Informationen und Techniken, die durchaus auch für Fortgeschrittene noch interessant sind. Alles ist mit klaren Fotos der einzelnen Arbeitsschritte illustriert. Verschiedene Maschenanschläge, kontinentale und britische/amerikanische Strickweise, Zunahmen, Abnahmen, verschränkte Maschen, verkürzte Reihen, abketten, Ausarbeitung, Fehlerbehebung – alles drin.

Antwort auf Frage 2: Ja, es sind simple Projekte. Die aber durchaus einen gewissen Reiz haben – seht selbst:

Ein prima Buch besonders für Anfänger, linke Maschen-Hasser und kraus rechts-Liebhaber :grin:

Band 2: “The Purl Stitch” und Band 3: “Color” stelle ich Euch in den nächsten beiden Tagen vor.

Strickgefühle

Es gibt vier Kategorien von Strickstücken:

1. Strickstücke, bei denen man schon beim Stricken das Gefühl hat, das wird nichts, und dann werden sie auch nichts.

2. Strickstücke, bei denen man beim Stricken das Gefühl hat, das wird nichts, aber dann wird es doch was.

3. Strickstücke, bei denen man bei Stricken das Gefühl hat, das wird prima, und dann wird es doch nichts.

4. Strickstücke, bei denen man beim Stricken das Gefühl hat, das wird prima, und dann wird es auch prima.

Kategorie 1 habe ich zum Glück lange nicht mehr gehabt.

Ein Kategorie 2-Projekt war z.B. die Chaosjacke.

Zu Kategorie 3 gehört z.B. der “echte” japanische Rippenpullover

Meistens habe ich aber das Glück, Kategorie 4-Projekte zu stricken. Mal sehen in welche Kategorie die Jacke hier letztendlich fallen wird – 3 oder 4?

“Was denn, Frauchen? Na gut, ich geh’ ja schon…”