Monats-Archive: Mai 2009

Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 4: Pullover mit überschnittenen Ärmeln

Allen Anfängern, die noch nie einen Pullover gestrickt haben, sei gesagt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Oder um es mit Jinx’ Worten zu sagen: „Einen Pullover zu stricken lernt man nur, indem man einen Pullover strickt“. Also redet Euch nicht ein, dass Ihr das nicht könnt, dass Ihr noch nicht so weit seid usw. Ihr könnt rechte und linke Maschen, zunehmen, abnehmen und abketten? Dann könnt Ihr genug, also einfach ran an die Buletten :grin: .

Sehr wichtig finde ich, dass man ein gutes Grundlagenbuch zum Nachschlagen besitzt. Im Internet lässt sich zwar auch unglaublich viel finden, aber ein Buch ersetzt es meiner Meinung nach nicht. Bücher brauchen keinen Strom, funktionieren immer und man kann sie überall mit hinnehmen.

Nun wird die eine oder andere von Euch sagen: „Was soll der ganze Quatsch mit der Rechnerei. Ich mach’s mir einfach und benutze einen Strickrechner“. Strickrechner sind eine feine Sache – wenn sie was taugen. Und wenn man damit umgehen kann. Und wenn der Input stimmt. Eine falsche Zahl und Ihr bekommt unter Umständen keinen gut sitzenden Pullover, sondern ein Leibchen für Quasimodo. Wer also weiß, wie es ohne Strickrechner geht, ist PC-unabhängig und hält ausserdem sein Hirn auf Trab.

In dieser Folge fangen wir mit dem einfachsten Schnitt an: Ein Pullover mit überschnittenen Ärmeln. Da braucht Ihr nur drei Maße aus der ersten Folge: A, B und E also Länge, Breite und Armausschnitt. Letzteren gibt es zwar bei überschnittenen Ärmeln gar nicht, aber das Maß dient genauso zur Bemessung der Ärmelbreite am oberen Ende.
Der Schnitt für einen solchen Pullover sieht so aus:

(klick auf’s Bild macht ihn groß – zum ausdrucken und eintragen Eurer Maße und Maschenzahlen)

Er eignet sich vor allem für geräumige Wolfühlteile, dicke Outdoorpullis, wo man noch was drunter zieht und kastige Jacken. Auch die meisten Männerpullover sind so geschnitten. Desgleichen klassische Arans, Ganseys (die haben meist noch eine Zwickel unter dem Arm) und Fair Isle-Pullover. Wer seine Figur betonen möchte, greift lieber zu einem anderen Schnitt.

In echt könnte er dann so aussehen:

Jetzt geht’s los mit der Rechnerei – schnappt Euch Papier, Bleistift, Radierer und einen Taschenrechner.

Wichtig: Schreibt Euch alle Maschenangaben und Maße, die Ihr errechnet habt, auf und bewahrt sie zusammen mit Eurer MaPro auf. Gerade wenn man mehrere WIPs hat, die womöglich zeitweilig auch noch zu UFOs mutieren, kann man sich die ganzen Daten sonst niemals merken, was eine Reanimation nach gewisser Zeit unmöglich machen kann. Ich habe schon Strickstücke wieder ausgegraben, bei denen ich nicht mal mehr die Nadelstärke wusste. Am besten notiert Ihr auch noch, welches Modell aus welchem Heft/Buch Ihr machen wollt, es soll schon Strickerinnen gegeben haben, die verzweifelt ein Bündchen in den Händen gedreht haben und überlegt haben, was in aller Welt das wohl mal werden sollte :roll:

Angenommen, Ihr wollt den Pulli 52 cm breit und 60 cm lang haben, der Ärmel soll oben 22 cm breit sein (also 44 cm Ärmelumfang). Eure Maschenprobe ergibt 22 M und 31 Reihen auf 10 cm.

Die anzuschlagende Maschenzahl errechnet Ihr: 52 : 10 x 22 = 114,4 Maschen. Plus 2 Randmaschen (die fallen ja nachher beim Nähen für die Breite weg) ergibt 116 – 117 anzuschlagende Maschen. Wer in Runden stricken möchte, lässt die beiden Randmaschen bei der Berechnung einfach weg.
Die Breitenformel (Mathe-Allergiker laufen jetzt hoffentlich nicht schreiend davon :wink: ) lautet also: Breite geteilt durch 10 mal Maschenzahl der MaPro + 2 Randmaschen.

Die insgesamt zu strickenden Reihen rechnet Ihr genauso: 60 : 10 x 31 = 186 Reihen.
Längenformel: Länge : 10 x Reihenzahl der MaPro

Und die Ärmel? Nun, wieviel Maschen der Ärmel am oberen Ende haben muss, können wir auch nach der Breitenformel ausrechnen: Höhe Armausschnitt (also E) x 2 = Armumfang. In unserem Beispiel 44 cm (für eine geräumige Wohlfühlweite und um was drunter zu ziehen, könnt Ihr 2 – 4 cm dazu addieren).
44 : 10 x 22 = 96,8 + 2 Randmaschen = 99 Maschen am Ende des Ärmels.

Ja, werdet Ihr jetzt sagen, aber wieviel Maschen muss ich denn für den Ärmel anschlagen, wenn ich ihn von unten stricken will bzw. wieviel Maschen muss ich abnehmen, wenn ich den Ärmel von oben stricken will? Ganz einfach: Ihr strickt erst mal ein Stück Rückenteil und legt das dann um Euer Handgelenk, so locker, wie es nachher sitzen soll. Rippenmuster leicht gedehnt anlegen. Und jetzt zählen, wieviel Maschen das Stück um Euer Handgelenk hat.

Man könnte natürlich genauso gut den Umfang seines Handgelenks messen und dann rechnen. Meine Methode hat aber einen entscheidenden Vorteil: Stichwort Bündchen! Strickt Ihr etwas mit Bündchen, hat das eine andere MaPro als der Rest des Pullovers, weil sich das Bündchen im Normalfall zusammenzieht, das soll es ja auch. (Tip am Rande: Gerippte Bündchen immer mit einer halben Nadelstärke kleiner stricken). Berechnet Ihr den Ärmelanschlag nun nach Eurer MaPro des Hauptmusters, kann es leicht passieren, dass das Ärmelbündchen zu eng wird. Natürlich könnte man eine Extra-MaPro für das Bündchenmuster machen, waschen, spannen und messen – aber ganz ehrlich: Habt Ihr dazu Lust? Ich jedenfalls nicht.
Wer einen ¾ oder einen kurzen Ärmel haben möchte, legt entsprechend höher an.
Ausnahme: Wenn Eure MaPro sich nach dem Waschen sehr in der Breite verändert hat, sollte Ihr lieber die MaPro als Berechnungsgrundlage nehmen (Breitenformel) und ein paar Maschen draufschlagen, wenn Ihr ein Bündchen macht (10 – 15 %).

Nun habt Ihr die Anfangs- und die Endmaschenzahl für Eure Ärmel. Die Differenz ergibt die Anzahl der Zunahmen (bzw. wenn Ihr von oben strickt die Abnahmen). Beispiel: Oben 99 M, unten 57 M. Differenz 42 M : 2 = 21 x beidseitig je 1 M zunehmen.

Die Länge des Ärmels rechnen wir gar nicht aus. Könnte man auch, muss man aber gar nicht. Ausnahme: Die MaPro hat sich nach dem Waschen sehr in der Breite und/oder in der Länge verändert. dann müsst Ihr wohl oder übel rechnen, dazu nachher mehr.
Erstmal aber meine Methode für Rechenfaule :wink: :
Ich stricke einfach Rücken- und Vorderteil(e) fertig, schließe schon mal die Schulternähte und die Seitennähte, letztere aber nur bis knapp vor Höhe des späteren Ärmelansatzes. (Faustregel: Höhe minus Armausschnitt (E) minus 5 cm). Jetzt kann ich schon mal anprobieren und sehen, ob mir das Teil soweit von der Länge und Breite passt.
Das Zusammennähen hat außerdem den Vorteil, daß es einen zum Weiterstricken motiviert und man schon mal die halbe Näharbeit erledigt hat. Da ich ein faules Mädchen bin, nehme ich ein langes Fädchen, mit dem ich dann später auch in einem Rutsch die Ärmelnähte schließen kann.
Nun kann ich ganz locker meinen Ärmel stricken und zwischendurch immer mal anprobieren und anhalten, ob er schon lang genug ist.

Wenn ich allerdings die Ärmellänge nicht vorher weiß, muss ich mir was ausdenken, in welchen Abständen ich die Abnahmen mache. Auch da habe ich eine Faustregel (ich liebe Faustregeln :wink: ): Ab Bündchen bis zum Ellenbogen nehme ich in jeder 4. Reihe zu, danach in jeder 6. Reihe (Warnung: ich weiß nicht, ob das bei sehr dicken Garnen auch funktioniert!). Meistens bin ich dann ungefähr auf der Mitte des Oberarms mit dem Zunahmen fertig und stricke den Rest gerade hoch. Wer sehr kräftige Unterarme und dazu schmale Handgelenke hat, sollte nach dem Bündchen schon mal gleichmäßig verteilt 10 – 15% der Anzahl der Bündchenmaschen zunehmen, für alle anderen reicht der Wechsel der Nadelstärke.
Und immer wieder anhalten und gucken, ob es passt und ggf. die Abstände der Zunahmen anpassen. 5 cm aufzuribbeln ist längst nicht so schlimm wie einen ganzen Ärmel wieder aufzumachen. Sofern Eure MaPro nach dem Waschen sehr in die Breite gegangen ist, darf der Ärmel ruhig ein wenig stramm sitzen, das dehnt sich ja dann nach dem Waschen.

Das Gleiche gilt übrigens auch, wenn Ihr mit dem Rückenteil beginnt: Messen, messen, messen! Es kann immer wieder mal passieren, dass sich ein großes Strickstück anders verhält als Eure Maschenprobe. Die erste grobe Messung mache ich 5 cm nach dem Bündchen (so ich denn ein solches habe). Das Bündchen beim Messen soweit auseinanderziehen, dass der Rest des Strickstücks glatt liegt. Wenn ich da schon wesentliche Abweichungen von meinem Zielwert habe, sprich mehr als +/- 5 cm, stimmt was nicht. Dann habe ich entweder einen Rechenfehler gemacht oder ich stricke auf einem großen Stück ganz anders als bei meiner MaPro (was ein ziemliches Problem darstellt, denn dann muss ich viel größere MaPros machen). Letzteres kann ich feststellen, indem ich meine MaPro mit dem großen Teil vergleiche. Die zweite Messung mache ich bei 10 cm und noch mal bei 20 cm. Da sollte dann spätestens die Breite stimmen.
Ausnahmen:

  • Meine MaPro hatte sich nach dem Waschen sehr verändert. Dann kann ich mir das Messen sparen, weil ich ungewaschen und gewaschen nicht vergleichen kann.
  • Rippen. Auch hier muss ich mich auf meine gespannte MaPro verlassen.

So, was mache ich aber nun, wenn meine MaPro sich nach dem Waschen so verändert hat, daß die “Ärmel-Anhalte-Methode” nicht funktioniert? Dann messe ich bei einem gut passenden Pullover die Spannweite, also von Bündchen zu Bündchen. Davon ziehe ich meine Breite (B) ab. Das Ergebnis geteilt durch 2 ist meine Ärmellänge (natürlich nur bei überschnittenen Schultern). Die Anzahl der für den Ärmel zu strickenden Reihen berechne ich wieder nach unserer Längenformel: gewünschte Ärmellänge : 10 x Reihenzahl der MaPro.

Wenn ich auf diese Weise weiß, wieviel Reihen mein Ärmel haben muss, kann ich den Abstand der Zunahmen natürlich auch wunderbar ausrechnen. Ich ziehe von der Anzahl der Ärmelreihen 10 Reihen ab (auf den letzten Reihen will ich nicht mehr zunehmen) und teile den Rest durch die Anzahl der benötigte Zunahmen. In unserem Beispiel waren das 21. Habe ich für den Ärmel nun eine Gesamtreihenzahl von 120 ermittelt, rechne ich: 120 – 10 = 110. Das geteilt durch 21 ergibt 5,23. Also nehme in 10 x in jeder 4. Reihe (40 Reihen) und 11 x in jeder 6. Reihe (66 Reihen) zu. Die erste Zunahme mache ich daher in Reihe 5 (ggf. nach dem Bündchen), die letzte Zunahme in Reihe 111 (5 + 40 + 66). Habe ich nach dem Bündchen schon mehrere Maschen auf einmal zugenommen, verringere ich die Anzahl der restlichen Zunahmen entsprechend.

Habt Ihr bis hierhin durchgehalten? Fein, denn jetzt geht es ans Muster einteilen. Hierzu kommen wir in der nächsten Folge. Und wer schon immer gerätselt hat, was Anweisungen wie “Maschenzahl teilbar durch 8 + 3″ zu bedeuten haben, dem wird dann ein :idea: aufgehen :wink:

Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 3: Grenzen dieses Mini-Lehrgangs

Bevor wir nun richtig loslegen, eine Warnung! Die liebe Aud hat mich darauf hingewiesen, dass es bei besonderen Körpermaßen auch besondere Probleme geben kann, da funktioniert meine Methode unter Umständen nicht mehr.

Wenn man z.B. sehr, sehr viel Brust oder Bauch oder beides hat, muss man eventuell das Vorderteil etwas länger stricken als das Rückenteil, weil der Weg über die Rundungen ja länger ist, als den Rücken gerade runter. Im Extremfall könnte es sein, dass Ihr hinten popobedeckend und vorne bauchfrei endet :eek: Man kann sich damit behelfen, das Vorderteil etwas breiter zu machen als das Rückenteil (mache ich z.B. inzwischen bei Jacken, damit die Knöpfe nicht spannen), das funktioniert aber auch nur in Grenzen.
Tip: Wer einigermaßen Englisch kann, besorge sich das „Big Girl Knits“, da wird ganz genau auf die speziellenBedürfnissen sehr umfangreicher Frauen eingegangen – viel besser, als ich das je könnte. Wenn ich mir die Schnitte dort angucke, sind aber Vorder- und Rückenteil auch gleich lang und gleich breit – hm, Aud, kannst Du Dir das erklären?

Was dieser Kurs also nicht kann: Euch das Maßschneidern beizubringen. Das kann ich nämlich auch nicht. Ich kann einen Pullover länger oder breiter machen, die Schulterbreite und die Ärmellänge anpassen. Eine leichte Taillierung reinbringen und eine Armkugel machen. Und das Ganze bei einer völlig abweichenden Maschenprobe und so, daß das Muster dann noch passt.
Was ich nicht kann und Euch somit auch nicht beibringen kann, sind figurtechnische Sonderfälle. Also z.B. Eine Oberweite á la Dolly Dollar mit knabenhaften Hüften oder umgekehrt.

Deswegen solltet Ihr auch an einem gut passenden Pullover oder T-Shirt messen. Wer aber mit Pullovern aus dem Laden immer Probleme hat, weil sie aufgrund seiner besonderen Figur nie sitzen (von zu lang/zu kurz und der Ärmellänge einmal abgesehen), dem kann ich leider nicht helfen, das übersteigt bei weitem meine Fähigkeiten.

Das ist auch der Grund, warum ich anfangs so wenig Maße abverlangt habe. Für einen Standardpulli langen die. Ein gekaufter Pulli oder ein Shirt ist um die Brust rum auch nicht weiter als an den Hüften, passt aber im Normalfall trotzdem, deswegen brauchen wir die Brustweite nicht. Und auf Taillierungen kommen ich später noch zurück. Im nächsten Teil fangen wir erstmal mit einem ganz einfach Pullover mit überschnittenen Ärmeln an.

Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 2: Die Maschenprobe

Vorab ein Geständnis: Ich habe in meinem Leben noch nie eine richtige Maschenprobe gemacht! Früher habe ich einfach die nächstgrößere Größe genommen, weil ich wusste, daß ich viel fester stricke als der Durchschnitt. Irgendwann hatte ich dann Erfahrungswerte, welche Nadelstärke zu welcher Garnstärke passt und wieviel Maschen ich bei welcher Nadelstärke in etwa anschlagen muss, damit es mir passt. Da ich nur 3 – 4,5 mm Nadeln verwende, ist das auch nicht so schwer zu merken. Meine Maschenprobe ist ca. 54 cm breit und 5 cm hoch – sprich ich fange einfach an zu stricken und merke dann sehr schnell, ob es zu breit oder zu schmal wird. Notfalls muss ich’s halt wieder aufmachen, aber das ist zum Glück eher selten.

Da ich es Euch aber richtig beibringen will und einige von Euch auch noch nicht über entsprechende Erfahrungswerte verfügen: Eine Maschenprobe ist unerlässlich!

Die Minimumgröße für eine MaPro ist 15 x 15 cm, sonst kann man nicht vernünftig messen. Eine Fitzelmaschenprobe ist unbrauchbar, weil viele Strickerinnen auf einem kleinen Stück lockerer oder fester stricken als bei einem großen Strickteil. Bei Maschenproben in glatt rechts (oder glatt links) werden die ersten und letzten fünf Reihen sowie die ersten und letzten vier Maschen jeder Reihe kraus gestrickt (also entweder nur linke oder nur rechte Maschen), damit vermeidet Ihr, daß sich Eure Maschenprobe aufrollt.

Investiert die paar Euro für einen Zählrahmen, mit einem Maßband wird es leicht ungenau. Und ganz wichtig: Maschenprobe waschen und trocknen lassen, viele Garne und Muster machen beim Waschen erstaunliche Veränderungen durch. Hilfreich ist es daher, die MaPro vor dem Waschen und nach dem Waschen auszuzählen, damit man später weiß, wie sie sich verändert hat. Rippenmuster (hierzu nachher mehr) und Lochmuster müssen auf jeden Fall während des Trocknungsvorgangs gespannt werden.

Der Normalfall und Lehrmeinung ist ja nun, dass man eine oder mehrere MaPros macht und versucht, die in der Anleitung angegebenen Daten zu erreichen. Wer die MaPro in der Breite hinbekommt, erreicht sie aber noch lange nicht in der Höhe, oftmals ist das ein Ding der Unmöglichkeit.
Ich sage daher: Pfeif’ auf die Anleitung! Ich nehme das Garn, das mir gefällt und verstricke es mit einer Nadelstärke, mit der ich die gewünschte Strickfestigkeit erreiche. Wobei ich immer dafür plädiere, fest zu stricken, denn das hat meiner Meinung nach nur Vorteile:
1. Das Strickstück leiert nicht so leicht aus.
2. Das Maschenbild ist gleichmäßiger.
3. Das „Untendrunter“ (T-Shirt, BH) scheint nicht durch.

Allerdings sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass ein wesentlich dickeres oder dünneres Garn auch die Optik des Strickstücks beeinflusst. Ein Pulli, der im Original aus einem dicken Tweedgarn gestrickt wird, sieht natürlich in einem feinen einfarbigen Merinogarn ganz anders aus.

Die Maschenprobe sollte nach Möglichkeit im gleichen Muster wie der gewünschte Pullover gestrickt werden. Hat man mehrere Muster, müsste man eigentlich für jedes Muster eine MaPro machen. Das macht aber kein Mensch :wink: Also nimmt man das Muster, das den größten Teil des Pullovers einnimmt.

Schwierig wird es bei Mustern, die sich extrem zusammenziehen, vor allem bei Rippenmustern. Je fester man strickt, desto mehr ziehen sie sich zusammen.
Bei Rippen und ähnlichen Mustern würde ich so vorgehen: Maschenprobe im Rippenmuster stricken, dabei 40 – 60 Maschen anschlagen, je kleiner die Nadelstärke, umso mehr Maschen.
MaPro waschen und in gewaschenem Zustand soweit dehnen, wie es Euch gefällt, wie es also später aussehen soll. Das ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Wenn Ihr Rippen dehnt, wird die Höhe kleiner. Klar, was in die Breite weggeht, geht in der Höhe verloren. So feststecken und trocknen lassen, dann die Nadeln rausziehen.
Jetzt wird’s spannend: Manche Garne haben wenig „Memory“ (Gedächtnis), bleiben also genauso gedehnt, wie sie festgesteckt wurden. Andere Garne schnurren wieder ordentlich zusammen, sobald die Nadeln raus sind. Die Maschenprobe unter Euer T-Shirt oder in den Hosenbund stecken und eine halbe Stunde dort lassen, denn durch Bewegung und Körperwärme kann sich nochmal einiges ändern. Wieder ans Tageslicht befördern – jetzt sollte die MaPro ihren endgültigen Zustand erreicht haben und Ihr könnt messen.
Mögt Ihr den Pulli körpernah und figurbetont, messt Ihr im gewünschten Dehnungszustand der Rippen. Sollen vorhandenen Fettpolster locker umspielt werden, in ungedehntem Zustand messen. Sollte Euch der ungedehnte Zustand nicht gefallen, weil sich die Rippen immer noch sehr zusammenziehen, dann müsst Ihr wohl oder übel entweder auf dieses Modell verzichten oder ein Garn mit weniger Memory wählen. Ihr könnt auch noch einen zweiten Versuch starten, nochmal waschen und die MaPro brutal überdehnen. Das ist allerdings ein Glücksspiel und tut dem Garn auch nicht wirklich gut.

Garne mit viel Memory sind vor allem reine Schurwollgarne.
Wenig bis gar kein Memory haben Baumwolle, Seide und Viskosen (z.B. auch Bambus), deswegen neigen diese Garne auch zum Ausleiern.

Arans und andere Strickstücke mit vielen verschiedenen Zopfmustern sind ein Kapitel für sich, darauf komme ich später zurück, weil’s da echt kompliziert werden kann.

Tip: Sammelt Eure Maschenprobenläppchen in einem Ringbuch o.ä. Dazu ein 20cm-Fädchen vom Garn aufheben oder genug Endfaden hängen lassen. Notieren, welches Garn das ist, die Zusammensetzung und Lauflänge. Oder die Banderole dazupacken. Schreibt auf, welche Nadelstärke Ihr verwendet habt und auch welche Nadeln (Marke, Material), denn mit unterschiedlichen Nadeln erzielt man manchmal auch unterschiedliche MaPros. Und vermerken, wieviel Maschen und Reihen das auf 10 cm sind (und wieviel es vor dem Waschen waren). Wenn Ihr nämlich das gleiche Garn später nochmal verstrickt, spart Ihr Euch eine erneute MaPro, sofern das Muster ähnlich ist.
Und Ihr könnt nachschauen, welche Garnstärke Euch mit welcher Nadelstärke vom Strickbild her gefällt, erspart Euch damit also ggf. viel Rumprobiererei. Gleiche Lauflänge bedeutet aber nicht automatisch gleiche Garnstärke! Deswegen das Fädchen aufheben – Garne die Ihr vergleichen wollt, leicht zwischen den Fingern spannen, denn beim Verstricken habt Ihr ja auch eine gewisse Fadenspannung. Manche werden dadurch dünner, andere nicht.
Ein Beispiel – auf den ersten Blick könnten man meinen, daß beide Garne ungefähr gleich dick sind. Das hellblaue hat eine LL von 110m, das rosa 100m:

Nun seht was passiert, wenn ich beide Fäden spanne – das hellblaue wird auf einmal um einiges dünner. Ursache: Das Material. Das hellblaue ist Angora/Viskose/Nylon, das rosa Baumwolle/Polyacryl. Selbst Garne, die genau die gleiche Zusammensetzung haben, können sich aufgrund anderer Zwirnung unterschiedlich dehnen.

So – nun habt Ihr also eine Maschenprobe in Eurem Garn und mit Eurer Nadelstärke – mit ganz viel Glück entspricht sie genau der in der Anleitung, dann könntet Ihr jetzt einfach drauflos stricken. Sehr viel wahrscheinlicher ist aber, daß Ihr ganz andere Maschen- und/oder Reihenzahlen auf 10 cm habt. Wie Ihr das nun in Einklang mit Eurem Wunschmodell bringt, erzähle ich Euch in den nächsten Folgen.

Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 1

Wer hat es nicht schon erlebt? Man investiert viele kostbare Stunden und wertvolles Garn in einen Pullover oder eine Jacke, nur um nach dem Zusammennähen festzustellen, dass das verflixte Ding nicht passt. Zu eng, zu weit, zu kurz, zu lang, die Armkugeln sitzen irgendwo auf dem Bizeps, die Ärmel erfordern die Armlänge eines Orang-Utans usw.
Und Anfänger schrecken diese möglichen Passform-Katastrophen womöglich so ab, daß sie sich gar nicht erst an einen Pullover rantrauen.

Aber was muss man tun, damit ein Pullover oder eine Jacke wirklich gut passt, wie kriegt man das hin?
Ich habe in den letzten 24 Jahren bestimmt schon 150 Pullover und Jacken gestrickt und all’ diese Katastrophen am eigenen Leib erlebt. Aber ich habe auch daraus gelernt und es passiert mir mittlerweile nur noch sehr selten, daß etwas nicht passt. Das, was ich gelernt habe, würde ich gerne mit Euch teilen. Gleichzeitig werdet Ihr lernen, auch mit einem völlig anderen Garn und einer total abweichenden Maschenprobe nahezu jedes Modell nachzustricken.

Da das Ganze ein wenig umfangreicher werden wird, werde ich eine kleine Serie daraus machen. Zum Schluß wird es dann ein PDF zum Ausdrucken und Aufbewahren geben.
Wir beginnen mit dem Wichtigsten überhaupt: Eurem Körper. Wer seinen Körper und seine Maße nicht kennt, wird allenfalls durch Zufall etwas Passendes produzieren.
Eure erste Aufgabe ist es also zu messen. Am einfachsten geht das, wenn Ihr einen Pullover habt, der Euch so richtig gut passt. Idealerweise hat der auch noch Armkugeln. Ein gut sitzendes T-Shirt tut es aber genauso.

Wichtig sind die folgenden Maße – tragt sie in diese Tabelle ein:


 

meine Maße:

A. Länge – von der Schulternaht bis zur unteren Kante

 

B. Breite – wenn Ihr was Tailliertes zum Messen nehmt, dann die breiteste Stelle messen

 

C. Schulterbreite – wer nichts Passendes mit Armkugeln hat, lässt entweder jemanden bei sich messen oder zieht ein altes T-Shirt an, malt eine Markierung genau da, wo die Schulterknochen enden und misst dann den Abstand zwischen den Markierungen. Hier ist exaktes Messen besonders wichtig, denn zu breite Schultern ergeben besch…eiden sitzende Armkugeln.

 

D. Armlänge Unterseite – wer was mit Armkugel hat, hat es leicht und misst von der Achselhöhlennaht bis zum Ende des Ärmels. Wer nichts mit passenden Armkugeln hat, lässt den Arm locker hängen und misst von der Achselhöhle bis zum Ansatz des Handgelenks. Achtung: Den Arm nicht strecken, sonst müsst Ihr später auch mit ausgestreckten Armen rumlaufen, damit die Ärmel passen :mrgreen: .

 

E. Armausschnitt – habt Ihr was gut Passendendes mit Armausschnitt, dann die Höhe messen. Wenn nicht, messt die Oberarmbreite eines gut passenden Ärmels (gut passend = locker anliegend, nicht einengend, aber auch nicht schlabberweit) an der breitesten Stelle.

 

Wer sein Gewicht irgendwann mal stark noch oben oder unten verändert, muss die Maße anpassen, C und D bleiben jedoch immer gleich.

Für Interessierte meine Maße – ich habe Größe 42/44, bin 1,56m groß und wiege 75 kg :oops: :
A = 58 – 60 cm (gnädig bauchbedeckend)
B =  53 – 54 cm
C =  39 – 40 cm
D = 44 – 45 cm
E = 21 cm

Das sind alle Daten, die Ihr für ein gut sitzendes Oberteil braucht.
Morgen beschäftigen wir uns dann mit dem Thema Maschenprobe.

Edelwolle zu gewinnen

Bei Nicole gibt es für den 1000. Kommentator einen Strang wunderschöner Luxuswolle und dazu noch eine Überraschung. Was es genau gibt, wird aber noch nicht verraten :wink: Ihr müsst nur einen Link zu einem Bild Eurer selbstgestrickten Socken posten. Zum mitmachen bitte hier entlang.

Du Store Alpakka

Ein paar nette kostenlose Anleitungen hat der norwegische Garnhersteller “Du Store Alpakka” auf seiner Website – kleiner Wermutstropfen: Die sind natürlich auch auf norwegisch. Aber ich finde, wenn man das laut liest, kann man eine Menge verstehen.

Wie wär’s z.B. hiermit:

Oder schon mal für den Winter vorstricken?

Als Hausanzug finde ich das hier auch ziemlich gemütlich und kuschelig – das wäre glatt was für die Pyjama-Party beim Ravelry-Treffen im September :grin:

Sie bringen auch eine eigene Strickheftserie namens “Maskerader” sowie diverse Sonderhefte raus, in denen teilweise echt nette Sachen drin sind. Zu jedem Heft kann man alle Modellfotos als PDF runterladen – da habt Ihr was zum Stöbern :grin:
Hier bekommt man sogar ein komplettes Winter-Strickheft kostenlos.

Knitting in the old way – Priscilla Gibson-Roberts

Lange kein Buch mehr vorgestellt – da sollten sich Eure Buchkauf-Taschengeldkonten ja inzwischen erholt haben :wink:
Mangels nennenswerter Neuerscheinungen bin ich in meine Bibliothek abgetaucht und habe das hier zutage befördert:

Vorab: Wer ein Buch mit genauen Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Hochglanzfotos der Modelle sucht, ist mit diesem Buch falsch bedient.

Wer sich aber für traditionelle Strickkunst aus allen Teilen der Welt einschließlich der verwendeten Techniken und Muster interessiert, englisch einigermaßen beherrscht und das nötige Know-How zum Selbstentwerfen solcher Modelle erwerben möchte, wird an diesem Buch viel Freude haben.

Das Inhaltsverzeichnis spricht für sich:

Sehr interessant sind die 15 verschiedenen Schnittformen – von simplen überschnittenen Ärmeln über Sattelschultern bis zum Armkugeln. Alles dargestellt in einem Prozentsystem, das auf jedes Garn und jede Nadelstärke anwendbar ist. Hinzu kommen die “style alternatives”: Umwandlung in eine Jacke und verschiedene Kragenformen.

Insgesamt gibt es 62 verschiedene Modelle (hauptsächlich Pullover) mit zusätzlichen Alternativen. Hier braucht man allerdings etwas Vorstellungskraft, denn alle Designs sind nur rudimentär gezeichnet. Größen, Maschenangaben etc. findet man nicht, nur allgemeine Angaben zur Konstruktion und Strickschriften für die Muster. Das Ganze sollte auch eher als Anregung für eigene Entwürfe und nicht als genaue Anleitung zum Nacharbeiten verstanden werden.

Die erste Ausgabe des Buches von 1995 hatte übrigens noch einen Fototeil, die Neuauflage aus dem Jahr 2004 verzichtet darauf, ist dafür aber wesentlich umfangreicher.

Fazit: für rd. 20 € bekommt man 312 Seiten vollgepackt mit Wissen und vielen Anregungen. Wer sich mit der Thematik beschäftigen möchte, sollte zugreifen.

Erhältlich im gut sortierten deutschen Buchhandel.