Monats-Archive: Juni 2009

Readers’ Gallery – Helge

Heute habe ich was ganz besonderes für die Readers’ Gallery: Einen bislang unbekannten nordfriesischen Strickkünstler!
Eigentlich ist er zwar gar kein Leser, aber seine Lebensgefährtin Sabine, die ich am Sonntag besucht habe. Und was ihr GöGa dann mal so nebenbei aus seinem Schrank holte, hat mich echt verblüfft:

Helge hat sich das Stricken als Jugendlicher selbst beigebracht. Bei einer Bekannten von Sabine hatte er die Doubleface-Technik das erste Mal gesehen und danach hat es ihn erwischt. Ihm ging ein Pullover im Kopf herum, der dann unbedingt gestrickt werden musste. Heraus kam nach einiger Tüftelei ein Wahnsinnspullover – die sich kreuzenden diagonalen Linien sind zusätzlich auch noch verzopft!
Angefangen am Halsausschnitt, danach Schulterstege gearbeitet, Vorder- und Rückenteil erst getrennt gestrickt und danach unter den Armen verbunden. Die Ärmel sind von oben nach unten in Runden gearbeitet und der Pulli ist daher komplett nahtlos.
Das Ganze ist aus Esslinger Trockenwolle, LL 160m/50g, Verbrauch je ca. 700g pro Farbe (der Mann ist ziemlich groß) und der Pullover hat mittlerweile schon etliche Jahre auf dem Buckel.

Helge entwirft alle seine Pullover selbst – ich habe versucht ihn davon zu überzeugen, doch mal die Anleitungen mitzuschreiben, aber so recht konnte er sich für die Idee leider nicht erwärmen. Schade eigentlich, ich denke damit könnte er richtig Erfolg haben.

Seltsame Gelüste

Geht es Euch auch so, daß Ihr nach dem Essen immer irgendwas Süßes braucht? Und wenn’s nur ein Bonbon oder ein Stückchen Schokolade ist. Der Körper verlangt richtig danach. Das geht uns allen im Büro so.

Warum ist das eigentlich so???

Die verstrickte Dienstagsfrage – Woche 26/2009

Beim Lesen der Blogs fällt auf, dass sich einige Stricker/-innen spezialisiert haben. Manche stricken ein Tuch nach dem anderen, einige überwiegend Socken, etliche beschränken sich auf Accessoires wie Schals, Mützen, Handschuhe, Taschen, Handytäschchen. Es gibt einige wenige, die ausschließlich Bekleidungsstücke wie Pullover, Jacken, Westen etc. nadeln.
Und die Gruppe der Allrounder, die sich in allen genannten Bereichen austoben.
Zu wem gehörst du: zu den Spezialisten, die sich überwiegend bei einem Segment aufhalten oder zu den Allroundern, die
(fast) nichts Strickbares auslassen? Wie begründest du deine Entscheidung?

Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Jo – dann gehöre ich wohl zu den einigen wenigen, die ausschließlich Bekleidungsstücke stricken.

Warum?

  • Socken stricken mag ich nicht (tut auch nicht not, ich kriege ja immer von netten Menschen welche geschenkt :grin: )
  • Tücher trage ich nicht (ich finde sie wunderschön, aber die passen irgendwie nicht zu mir)
  • Schals und Handschuhe benutze ich so gut wie nie (bei 1 Minute Arbeitsweg gehe ich auch bei Minusgraden noch ohne Jacke ins Büro)
  • Mützen hasse ich (zu meiner Jugendzeit wurde man dafür ausgelacht, das prägt. Ausserdem machen sie die Haare platt)
  • einen Taschentick habe ich auch nicht (mehr als eine Handtasche brauche ich nicht)
  • Handytäschchen finde ich albern (meins fliegt lose in der Handtasche rum, ist eh meistens unnütz und nervt nur. Wenn’s zerkratzt, dann zerkratzt es halt)
  • und auf Schnickschnack wie Spülis, Stofftiere u.ä. habe ich auch keine Lust.

Pullover und/oder Strickjacken trage ich dagegen täglich, wenn’s nicht zu warm ist (was in Hamburg selten vorkommt).

Ausserdem finde ich es irgendwie lästig, kurze Reihen zu stricken, 10 Maschen und dann schon wieder wenden nervt mich total. Ich mag lieber große Strickstrecken.

Americano fertig (Nr. 7/2009)

Bereits ausgeführt und sogar väterlicherseits (der bemerkt sonst selten meine Klamotten) für gut befunden:

Die Rippen wandern aber doch immer wieder nach oben, an sich sollte er so sitzen:

Egal – sicherlich nicht mein bestes Werk, aber alltagstauglich.

Die Kragenlösung: 2 Reihen links, 3 Reihen rechts, links abketten. Die obenaufliegende Mittelmasche hätte ich mir schenken sollen, die ist reichlich krüppelig geworden :???:

Info-Box

Garn: Amy von Rico Design, 60% Baumwolle/40% Merino, LL 100m, verstrickt mit 4er Nadeln, Verbrauch 422 g

Modell: Modell 2 aus “Cotone 2” von Lana Grossa

Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 8: Taillierung

Einen besonders gut sitzenden Pullover bekommt man, indem man eine Taillierung einarbeitet. Das gilt nicht nur für die schlanken Elfen unter uns, sondern genauso für kompaktere Frauen. Eine Taille haben wir eigentlich fast alle, egal ob wir nun 50 oder 150 kg wiegen und gerade bei dickeren Frauen wirkt ein leicht tailliertes Oberteil viel hübscher als ein schlabberiger Sack. Ich hab’ das früher auch nie geglaubt, ist aber tatsächlich so. Daß wir dick sind, können wir auch mit zeltartigen Oberteilen nicht verbergen, also warum nicht unsere Kurven betonen? Wer’s nicht glaubt, schaue sich mal die Modelle in Big Girl Knits oder More Big Girl Knits an, da sind viele tailliert, besonders die für Frauen mit viel Bauch.

Um eine Taillierung an der richtige Stelle einzubauen, müssen wir natürlich erstmal wissen, wo unsere Taille überhaupt ist. Hierzu ziehen wir wieder irgendein Oberteil an und markieren daran die schmalste Stelle unseres Oberkörpers, am geschicktesten mit zwei Sicherheitsnadeln. Ausziehen und messen, wie weit die Sicherheitsnadeln von den Schulternähten entfernt sind. Da muss nun auch die schmalste Stelle unseres Pullovers (gilt natürlich auch für Jacken) hin.

Hier ein Beispiel für einen taillierten Schnitt – der Pulli (Blithe von Kim Hargreaves) ist etwa hüftlang, deswegen fangen die Abnahmen für die Taillierung gleich nach dem Bündchen an:

So sieht er dann gestrickt aus:

Wenn ich von unten stricke, nehme ich meine gewüschte Gesamtlänge A und ziehe davon die eben ermittelte Entfernung Schulternaht – Taille ab; auf dieser Höhe muss ich mit allen Taillenabnahmen fertig sein.
Beispiel: Gesamtlänge 60 cm, Entfernung Schulternaht – Taille 40 cm, also muss meine Taillierung in 20 cm Höhe fertig sein.

Wie stark wir die Taillierung machen, hängt davon ab, wie ausgeprägt unsere Taille ist, unser Strickstück soll ja sanft unsere Rundungen umspielen und nicht an der Hüfte schlabberweit und in der Taille gürteleng sitzen (oder umgekehrt). Wir brauchen also das Verhältnis von der umfangreichsten Stelle des Oberkörpers (ausser der Brust natürlich :grin: Die umfangreichste Stelle ist meistens die Hüfte. Bei mir hängt der Schwabbelbauch schwerkraftbedingt genau auf Hüfthöhe, das muß aber nicht immer so sein) zur schmalsten Stelle = Taille.

Beispiel: Eure dickste Stelle hat einen Umfang von 120 cm. Die Taille hat einen Umfang von 100 cm. Das bedeutet, die schmalste Stelle Eures Pullovers sollte maximal 5/6 oder 83,33% Eurer Breite B haben. Weniger nicht, sonst sitzt das Teil an der Taille enger als unten (es sei denn, das Modell ist absichtlich so geschnitten). Mehr (also z.B. 90%) ist okay, dann wird es halt nicht ganz so figurbetont. Blithe hat in der Taille sogar 95% der Gesamtbreite, ist also nur ganz sanft tailliert.

Habe ich nun für B beispielsweise eine Maschenzahl von 110 Maschen errechnet, sind 5/6 davon rd. 92 Maschen. Ich muss also auf jeder Seite 9 x 1 Maschen abnehmen, bis ich auf meiner Taillenhöhe bin.

In welcher Höhe ich mit den Abnahmen anfange, hängt davon ab, wie lang mein Pulli werden soll. Bei einen pobedeckenden Pullover muss ich später damit anfangen als bei etwas Hüftlangem, die Abnahmen für die Taillierung sollten nach der dicksten Stelle Eures Oberkörpers beginnen. Ihr müsst also noch wissen, wie weit die umfangreichste Stelle Eures Körpers von Eurer Taille entfernt ist. Nicht auf den Millimeter genau, aber ungefähr. Mit Daumen und Zeigefinger den ungefähren Abstand bemessen, langt völlig.
Soll also z.B. der Pulli 70 cm lang sein, die Taille ist 45 cm von der Schulternaht entfernt und der Abstand zur umfangreichsten Stelle ist ungefähr 15 cm, muss ich in 10 cm Höhe (70-45-15) mit den Abnahmen anfangen.

In welchen Abständen ich die Abnahmen mache,  kann ich anhand meiner Höhen-Maschenprobe ausrechnen. Habe ich z.B. eine MaPro von 29 Maschen in der Höhe und der Abstand von der umfangreichsten Stelle bis zur Taille beträgt 15 cm, sind das 29 : 10 x 15 = 43,5, also 43-44 Reihen, die für die Abnahmen zur Verfügung stehen.
Will ich wie beim oben genannten Beispiel insgesamt 9 x 1 M abnehmen, teile ich 43 durch 8 (9 minus 1, denn die erste Abnahme mache ich ja gleich zu Anfang und muss dann nur noch 8 x abnehmen). Sind 5,  Rest 3. Also mache ich in der 3. Reihe (gerechnet ab der Höhe, wo ich mit den Abnahmen anfangen muss, im vorgenannten Beispiel also 10 cm) die erste Abnahme und dann 8 x in jeder 5. Reihe. Will ich nur in Hinreihen abnehmen, nehme ich einfach abwechselnd in jeder 4. und 6. Reihe zu.

So, nun müssen wir die abgenommen Maschen aber auch wieder zunehmen. Damit unser Pullover nicht die Form einer Sanduhr bekommt (das sieht allenfalls an Frauen mit einer Wespentaille gut aus :wink: ), sondern eine sanfte Rundung an den Seiten hat, werden nach der letzten Abnahme 4 – 6 cm gerade hoch gestrickt – je schmaler die Taille im Verhältnis zur Hüfte ist, umso weniger cm. Erst dann werden genausoviele Maschen wieder zugenommen, wie wir abgenommen haben.
Frauen, deren Brustumfang um einiges größer ist als der Hüftumfang, dürfen auch mehr M zunehmen, als sie abgenommen haben, müssen das dann aber bei der Tiefe des Armausschnitts berücksichtigen. Umgekehrt können Frauen mit viel Bauch/breiten Hüften und wenig Oberweite auch weniger M zunehmen.
Der Abstand der Zunahmen kann wieder nach der Höhen-Mapro ausgerechnet werden und richtet sich danach, wieviel cm jetzt noch bis zum Beginn des Armausschnitts zu stricken sind, 3 – 4 cm vor dem Armausschnitt sollten alle Zunahmen erledigt sein.