Hach, das hat Spaß gemacht gestern
An einem Samstag geht es in so einer Redaktion natürlich herrlich ruhig zu, ist ja kaum einer da und das Telefon klingelt auch nicht. Zuerst durfte ich schon mal einen kleinen Blick auf die Modelle für das Frühjahrs-Heft werfen und war beinahe schon enttäuscht, daß der übliche Gruselschocker nicht dabei war
Alles hat mir natürlich nicht gefallen, aber ich fand die Sachen durchweg ansprechend und tragbar.
Für “mein” Modell durfte ich das Foto aussuchen, das nachher ins Heft kommen soll. Das ist vielleicht schwierig, denn es waren Dutzende und ich glaube, wenn ich noch länger geguckt hätte, hätte ich mich noch 22 x umentschieden
Auf dem einen Foto kommt der Pullover gut zur Geltung, aber das Model guckt gerade doof, auf dem anderen lacht das Model wieder nett, aber der Pulli schlägt in der Taille Falten und auf dem dritten sehen Model und Pulli gut aus, aber ein Accessoire verdeckt einen wichtigen Teil. Wenn ich auf die Weise alle Fotos für’s Heft aussuchen müsste, würde das wahrscheinlich Wochen dauern…
Fotos habe ich im Eifer des Gefechts gar nicht gemacht
Aber letztendlich sind das ganz normale Büroräume, hell und freundlich. So wie bei mir im Büro liegen überall Wolle und Strickhefte rum
, in der Verena-Redaktion gibt es bloß mehr und größere Monitore.
Dann ging’s an die eigentliche “Arbeit”, die Auswahl der Modelle für die Sommer-Ausgabe. Für die Chefredakteurin ist es natürlich Arbeit, für mich war’s ein reines Vergnügen 
Die Sachen sind ja noch nicht fertig gestrickt, sondern es werden erstmal nur Entwürfe eingereicht. Lustig fand ich, daß einige Designerinnen genau solche Nieten wie ich im Zeichnen sind, da braucht man teilweise sehr viel Phantasie, um sich das fertige Stück vorstellen zu können. Sehr hilfreich sind dabei die gestrickten Musterproben, die aber auch nicht in jedem Fall dabei sind. Die Chefredakteurin hat darin natürlich Übung (und mehr Vorstellungskraft als ich), aber ich hatte bei manchen Stücken arge Schwierigkeiten.
Und ich kann mir vorstellen, daß manche Sachen eine echte Überraschung (manchmal vielleicht auch negativ) sind, wenn sie dann fertig gestrickt ankommen, weil man sich das ganz anders vorgestellt hat. Aber dann muß man sie nehmen, ob sie man sie nun schön findet oder nicht - so kommen wahrscheinlich die Gruselschocker zustande
Letztendlich hatten wir sechs Themen, zu denen jeweils 11 bis 12 Modelle ausgewählt werden. Geholfen hat uns die Redaktions-Azubine, die als zusätzlich vermittelten Ausbildungsinhalt nun “stricken” in ihr Berichtsheft eintragen kann, denn sie hat gestern eifrig ihre ersten rechten Maschen geübt
Bein einigen Sachen waren wir drei uns sofort einig, daß die toll sind und unbedingt ins Heft müssen. Bei anderen Modellen habe ich mal wieder festgestellt, daß ich modisch überhaupt nicht mehr up-to-date bin, denn ich mag keine Tuniken und schon gar keine Puffärmel, aber beides soll wohl wieder “in” sein…
Dadurch, daß die Designernamen seit der aktuellen Verena neben den Modellen stehen, waren mir viele Namen auch schon geläufig, eine kenne ich sogar persönlich *winke mal ganz beiläufig gen Süden* - letzteres macht die Auswahl nicht einfacher, denn wenn man die Person mag (was ich tue), hat man größere Hemmungen, etwas von ihr rauszuschmeissen…
Zuerst wird eine Vorauswahl getroffen, die “geht gar nicht” oder “passen nicht zum Thema”-Sachen werden aussortiert und der Rest landet auf 6 Themen-Häuflein. Manches wird auch kurzerhand einem anderen Thema zugeordnet, weil’s da viel besser reinpasst. Dafür haben wir schon ein paar Stunden gebraucht, denn wir hatten viel Auswahl und haben oftmals überlegen müssen, wie das fertige Teil wohl aussehen wird, ob es den Lesern auch gefällt und nachgestrickt würde, ob das in dem geplanten Garn nicht zu warm wird usw.
Was ich nicht wusste ist, daß man die Designerinnen auch um Änderungen bitten kann, beispielsweise hat uns bei dem einen Entwurf nur der obere Teil gefallen und den unteren haben wir einfach abgeändert. Auch können teilweise die Garne oder Farben noch ausgetauscht werden.
Und man muss auch darauf achten, daß von jeder Garnfirma etwas dabei ist, nicht, daß das ganze Heft nachher nur aus Modellen von ein oder zwei Herstellern besteht.
Wenn die Vorauswahl getroffen wird, geht es ans Eingemachte. Da haben wir gestern nur noch die Plus Größen-Strecke geschafft, deren Thema diesmal auf meinem Mist gewachsen ist. 16 Modelle haben wir vorab ausgewählt, 11 sind es nachher endgültig geworden. Mir gefallen sie alle - klar, ich durfte sie ja auch aussuchen, die Chefredakteurin hat mir dabei mehr oder weniger freie Hand gelassen. Also wenn Ihr die Sachen dann doof findet, ist es meine Schuld
Die Garne habe ich teilweise noch ausgetauscht, viele fand ich einfach zu dick für Sommersachen oder sie waren nicht so gut zu verarbeiten. Alle Garne und Farben sind nun nach meinem Geschmack, schön dünn (bei manchen habe ich sogar noch die Nadelstärke vorgeschlagen, die auf den Banderolen sind ja oft utopisch) und Fusselkram, Glitzerzeug oder Bändchengarne sind nicht dabei
Ich bin schon hochgradig gespannt, wie die Sachen nachher in echt aussehen werden. Schade, daß es bis zum Sommer-Heft noch soooo lange hin ist…
Vielen Dank nochmal nach Suderburg, daß ich dabei sein durfte - jederzeit gerne wieder, es war sehr lehrreich und hat vor allem total viel Spaß gemacht!