Immer wieder lese ich, daß viele Strickerinnen sehr oft ribbeln müssen. Manche wundern sich dann sogar noch, daß sie viel weniger Sachen fertig kriegen als andere Strickerinnen, weil sie offenbar denken, daß es normal ist, wenn man mindestens ein- bis zwei ribbeln muss. Ich habe sogar schon gehört, daß komplett fertige und bereits zusammengenähte Pullover wieder aufgemacht werden, weil man erst dann festgestellt hat, daß sie nicht passen. Da frage ich mich ernsthaft, ob derjenige seinen Verstand beim letzten Besuch im Wollgeschäft dort liegengelassen hat
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich hasse es, wenn ich ribbeln muss. Das ist Strickzeitverschwendung, tut dem Garn auch nicht so wirklich gut und ich finde es total nervig, eine Reihe von 130 Maschen oder mehr wieder neu aufnehmen zu müssen. Nun kommt das glücklicherweise bei mir sehr selten vor, weil ich weiß, wie man das Ribbelmonster fern hält. Ribbeln ist nämlich nicht der Normalfall, sondern die Ausnahme, weil man gepennt hat oder weniger schlau war, als man dachte…
Hier also sieben Tips, damit Ihr Euch in Zukunft nicht mehr so oft über das Viech ärgern müsst.
1. Oberstes Gebot: Vor dem Stricken Hirn einschalten. Wer ohne Hirnbeteiligung strickt, öffnet dem Ribbelmonster Tür und Tor sperrangelweit. Sofern man nicht gerade Muster wie glatt rechts oder kraus strickt, die jeder einigermaßen versierte Stricker auch noch sturzbetrunken fehlerfrei stricken kann, empfiehlt es sich, nur mit eingeschaltetem Denkapparat zu stricken.
Muster oder Stellen im Strickstück, die eine erhöhte Konzentration erfordern, nur dann stricken, wenn man auch den Kopf frei hat, also weder müde ist noch andauernd abgelenkt wird.
Sofern Ihr nach Anleitung strickt, solltet Ihr diese zumindest immer bis zum Ende eines Teils (Rückenteil, Vorderteil, Ärmel etc.) genau durchlesen. Streicht alle Angaben weg, die nicht für Eure Größe sind, das macht das Ganze gleich viel übersichtlicher. Stellen, an denen “zugleich” oder “gleichzeitig” oder “at the same time” steht, dick rot anstreichen, damit Ihr das auf keinen Fall überseht, wenn es soweit ist.
Zur Konzentrationsentlastung tragen Strichlisten, Reihenzähler, post it-Zettel, Magnettafeln und ähnliche Hilfsmittel bei. Was man sich aufschreibt, kann man außerdem nicht vergessen - eine lehrreiche Erkenntnis, vor allem, wenn man das Strickstück für längere Zeit beseite legt. Sollte man die Nadeln zwischenzeitlich anderweitig verwenden, auch unbedingt die Nadelstärke notieren!
Erst anfangen zu stricken, wenn Ihr die Anleitung ganz genau verstanden habt. Wenn Euch Sachen komisch vorkommen oder Ihr sie nicht versteht, gibt es im Internet jede Menge Hilfe bzw. Leute, die man fragen kann. Für Techniken/Maschenoperationen, die Ihr nicht beherrscht, hilft der Blick in ein gutes Grundlagenwerk (oder meinetwegen auch ein Video bei Youtube). Und dann strickt Ihr bitte das, was da steht und nicht das, vom dem Ihr meint, daß es da stehen müsste! 
2. Holzauge, sei wachsam. Behaltet Euer Gestrick im Auge und kontrolliert regelmäßig (spätestens alle 10 Reihen, im Idealfall ständig), ob alles fehlerfrei aussieht, ob nirgends Maschen gespleißt sind (also nur ein Teil des Fadens erwischt wurde), ob die Maschenzahl noch stimmt (oder z.B. eine Abnahme vergessen wurde), ob das Muster stimmt, ob alle Zöpfe richtig rum sind usw.
3. Maschenproben sind wie rote Ampeln - ziemlich nervig, aber lebenswichtig
Wenn die Maschenprobe nicht stimmt oder falsch gemacht wurde (z.B. zu klein, nicht gewaschen, falsches Muster), fangt Ihr schon unter falschen Voraussetzungen an zu stricken. Daß das Teil dann hinterher nicht passt, ist kein Wunder. Alles über die richtige Maschenprobe findet Ihr in meinem Workshop.
4. Messen, messen und nochmal messen. Selbst bei einer perfekten Maschenprobe kann es passieren, daß Ihr auf einer großen Fläche anders strickt. Von daher solltet Ihr Euer Strickstück alle 10 cm nachmessen (eventuelle Veränderungen der MaPro vor und nach der Wäsche sind zu berücksichtigen) und mit den Maßen in der Schnittzeichnung vergleichen. Und Ihr sollte auch die Maße in der Schnittzeichnung vor dem Stricken mit Euren persönlichen Maßen vergleichen, verlaßt Euch nicht einfach auf die Konfektionsgrößen-Angabe.
Einmal kurz draufgucken und “ach, wird schon passen” denken, ist wie eine schriftliche Einladung auf Büttenpapier für das Ribbelmonster. Und nein, waschen und spannen kann keine Wunder bewirken. Man kann damit unter Umständen zwei oder drei Zentimeter rausholen, aber dadurch wird aus einer Wurstpelle auch keine figurumschmeichelnde Tunika. Außerdem geht in der Länge weg, was Ihr in der Breite herausholt und umgekehrt. Und Liebling kann zwar vielleicht die Kinder schrumpfen, aber in den seltensten Fällen die zeltartig geratene Strickjacke.
5. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auch Designer und Anleitungsschreiber sind nur Menschen und Menschen machen Fehler. Ärgerlich, aber unvermeidlich. Prüft also alles auf Plausibilität und rechnet die einzelnen Abschnitte der Anleitung vorsichtshalber nach. Rechnen geht viel schneller als ribbeln und neu stricken.
Noch eine wichtige Kontrollmaßnahme: Achtet darauf, daß alle Knäuel des geplanten Garns in einer Farbe aus der gleichen Farbpartie stammen. Und zwar am besten sofort beim Kauf bzw. bei der Lieferung, denn Monate später wird ein Umtausch schwierig und die gleiche Partie zu bekommen meist ein Ding der Unmöglichkeit. Mir ist es schon passiert, daß ich einen Pullover immer bei Lampenlicht gestrickt habe und das Malheur erst gesehen habe, als ich ihn fotografiert habe 
6. Fehler korrigieren lernen. Es muss nicht immer gleich ribbeln sein. Bevor Ihr die Nadeln wutentbrannt aus dem Strickzeug zieht, überlegt Euch, ob man den Fehler nicht auch anders korrigieren kann.
Viele Fehler lassen sich beheben, indem man nur die Maschen über der Fehlerstelle fallen läßt und im richtigen Muster wieder hochstrickt. Auf diese Art und Weise kann man sogar Zöpfe umdrehen, die 15 Reihen vorher falschrum verkreuzt wurden. Kleine Farbfehler in Jacquard/Fair Isle-Mustern kann man durch übersticken mit der richtigen Farbe im Maschenstich beheben. Eine vergessene Zu-oder Abnahme (insbesondere bei Ärmeln) kann man oft auch noch bis zu vier Reihen später nachholen. Ein bis zwei fehlende oder überflüssige Maschen kann man meistens noch unauffällig dazu- bzw. wegschummeln.
Je nach Reihenlänge kann man auch zwei oder drei Reihen bis zur Fehlerstelle zurückstricken. Ab vier Reihen dauert zurückstricken allerdings erfahrungsgemäß länger als ribbeln und wieder aufnehmen.
7. Rettungsleinen einziehen. Ein ganz besonders schwierig zu verarztender Patient sind Lochmuster, vor allem Lace-Gestrick. Da ist schon das Zurückstricken eine Geduldsprobe, aufribbeln kann zu einem Ding der Unmöglichkeit werden, weil sich einfach alles in Wohlgefallen auflöst. Da ist es dringend angeraten, spätestens in jeder 20. Reihe (je größer das Gestrick, desto häufiger) eine sogenannte Rettungsleine einzuziehen. Natürlich am besten, wenn man sich sicher ist, daß bis zu dieser Reihe alles stimmt.
Die Rettungsleine (englisch: life line) ist ein möglichst kontrastfarbener Faden, der einmal durch alle Maschen der Reihe gezogen wird. Das kann man mit einer stumpfen Nähnadel machen oder -wesentlich bequemer- mit KnitPro-Schraubnadeln. Die haben ja dieses kleine Loch, durch das man die Rettungsleine einfach durchzieht. Strickt man nun die Reihe ab, zieht man die Rettungsleine automatisch mit durch.
Muss man dann wirklich mal ribbeln, zieht man das Strickstück bis zur Rettungsleine auf. Die Maschen sind in dieser Reihe gesichert und lassen sich ganz problemlos wieder aufnehmen.
Wenn Ihr diese Tips beherzigt, sollte das Ribbelmonster ein nur noch selten gesehener Gast sein, der allenfalls an hohen christlichen Feiertagen mal zu Besuch kommt