Monats-Archive: Juni 2012

Signature Needles im Praxistest

So, die Luxusnadeln sind da. Insgesamt hat mich der Spaß 47,29 Tacken gekostet, denn natürlich musste ich auch noch 7,50 € Einfuhrumsatzsteuer bezahlen *hmpf* Ich glaube, die beim Zoll lesen nur den Namen “Hees” und bekommen gleich blinkende Eurozeichen in den Augen :mrgreen: , denn ich muss IMMER bezahlen, bei mir rutscht kein einziges Päckchen so durch.

Die Verpackung kommt recht unspektakulär daher – irgendwie hatte ich insgeheim wohl erwartet, daß die Nadeln bei dem stolzen Preis wenigstens in einer edlen Teakholzschatulle geliefert werden, aber nix da… Naja, es kommt schließlich auf den Inhalt an.

Schick sehen sie aus, keine Frage. Die Kombination aus silberfarbener Spitze und buntem Schaft ist hübsch, hat allerdings einen lustigen Nebeneffekt: Wenn die Maschen vom Schaft auf die Spitze rutschen, entsteht eine optische Täuschung – man hat den Eindruck, als würde die Nadel nach hinten wegrutschen :shock: Das ist anfangs ein wenig irritierend, man gewöhnt sich aber schnell daran.
Die Nadelstärke ist eingraviert, so daß sie auch nach Jahren noch lesbar sein wird. Wenn man mit den Fingernagel darüber fährt, spürt man die Gravur deutlich, beim Garn drüberschieben stört sie aber überhaupt nicht. Die Nadeln erscheinen mir minimal leichter als die von KnitPro oder Addi und das Metall fühlt sich irgendwie wärmer an.
Das Seil ist so in den Nadeln befestigt, daß es sich darin drehen kann. Welchen Vorteil das bringen könnte, habe ich allerdings noch nicht herausgefunden.

Die Spitze ist superklasse, schön spitz und schlank. Der Übergang von der Spitze zum farbigen Metall ist ebenfalls mit dem Fingernagel spürbar, hat aber keine nachteilige Wirkung beim Stricken. Die Nadeln sind sehr glatt, da flutschen die Maschen wie geschmiert drüber. Ich glaube, daß man mit diesen Nadeln wirklich schneller stricken könnte, wenn es da nicht zwei Mankos gäbe…

Wo es nämlich weniger flutscht -und jetzt kommt der Wermutstropfen- ist an dieser Stelle hier. Dort befindet sich eine sicht- und spürbare Einkerbung, an der das Garn beim Darüberschieben ein klitzekleines bisschen hängenbleibt. Nicht wirklich schlimm, aber doch irgendwie störend. Sehr feine Lacegarne, sehr locker verzwirnte oder gefachte Garne können in der Kerbe aber vermutlich richtig hängenbleiben.
Auch das extrem weiche Seil empfinde ich als Nachteil, da es gerne mal abknickt, wenn man die Maschen auf die Nadel schieben will. Man gewöhnt sich zur Knickvermeidung eine andere Handhabung an, lästig ist es aber trotzdem. Da sind die üblichen Seile vorteilhafter, noch besser das nylonüberzogenen Stahlseil der ChiaGoo, das für mich persönlich das beste Seil zum schnellstricken ist.
Man könnte also sagen: Vorne hui, hinten pfui…

Fazit: Die Nadeln sind gut, aber aufgrund der beiden Mankos bei weitem nicht perfekt. Dafür ist meiner Meinung nach der Preis viel zu hoch. Ich wäre bereit, 10 – 15 € dafür zu zahlen, mit einem besseren Seil vielleicht auch 20 €, mehr aber auf keinen Fall, das sind sie in meinen Augen nicht wert. Versuch macht kluch und so werden das meine ersten und einzigen Signature Nadeln bleiben.

Vogue/Designer Knitting Early Fall 2012

Die Vorschau auf die nächste Vogue aka Designer Knitting ist online.

Für mich ist sie wieder mal größtenteils nichts, obwohl einige Modelle ganz nett sind. Sie sind halt bloß nicht mein Stil. Aber manchmal gefällt mir Jahre später dann doch auf einmal etwas. Ich bin halt ein Fashion-Spätzünder :mrgreen:

Diese Langjacke zum Beispiel. Die finde ich eigentlich sehr schön. Wenn ich 20 kg leichter und 20 cm größer wäre, würde ich sowas bestimmt sogar tragen (können):

Der ist nett. Nichts überragendes, aber nett:

Die finde ich toll. Ich würde bloß statt des Rüschengekruschtels ein Garn in Felloptik verwenden. Aber sonst ist sie echt klasse:

Frau Maschenkunst ist auch als Designerin vertreten – Herzlichen Glückwunsch! Daniela und ich haben designmäßig völlig unterschiedliche Geschmäcker, aber wir haben uns trotzdem lieb, gell, Frau Johannsenova? :wink:

Die Jacke hat was. Aber die Hose :shock: Muharrharr…am Bein ist sie ja okay, aber ansonsten erinnert sie mich doch fatal an einen Wollschlüpfer… :

Weste – hübsch. Pullover – eigentlich auch. Braucht man aber einen Giraffenhals für. Hat das Model ja auch. Sieht trotzdem gruselig aus, irgendwie wie eine Fotomontage:

Och nööööö. 80er will ich nicht mehr. O-Ton Michaela: “Sieht aus wie der Fahrradübungsplatz für unsere Grundschüler”. Stimmt :grin: Vermutlich ist der bloß nicht ganz so bunt (obwohl das den Kids bestimmt gut gefallen würde):

Das Heft wird in Kürze in diversen deutschen Online-Shops unter dem Titel “Designer Knitting” (und höchstwahrscheinlich mit anderem Cover) erhältlich sein.

Ersatz für die Brooklyntweed-Garne

Achtung: Dieser Eintrag könnte zu unkontrollierten Garnkäufen führen – lesen auf eigenes Risiko :mrgreen:

Die Garne von Brooklyntweed sind traumhaft schön – aber eben auch sündhaft teuer und schwer zu bekommen. Wer nicht direkt in den USA bestellen will und dann womöglich noch Zoll und Einfuhrumsatzsteuer darauf zahlen muss -von den Versandkosten ganz zu schweigen-, bekommt es zumindest in England bei Loop. Aber umgerechnet knapp 12 bzw. sogar 14 € für ein 50 g-Knäuel sind schon reichlich happig, zumal es sich ja eigentlich nur um gewöhnliche Schurwolle handelt und ich gelesen habe, daß das Garn eher rustikal in der Haptik ist – sprich, es soll relativ kratzig sein.

Ich habe mir daher mal Gedanken um mögliche Ersatzgarne gemacht. Die Kriterien: Die Stärke sollte der des Originalgarn möglichst nahe kommen und die Optik muss ähnlich sein, d.h. leicht geheathert (meliert/gemuschelt) mit einer etwas ungleichmäßigen Oberfläche. Außerdem sollte es wie das Original aus 100% Schurwolle bestehen. Gar nicht so einfach, aber ein paar habe ich gefunden:

Beginnen wir mit Shelter – die Lauflänge beträgt 128 m auf 50 g, empfohlene Nadelstärke 4,5 – 5,5 mm, das entsprich 20 – 17 M auf 10 cm (okay, ich würde es deutlich fester verstricken, aber das ist eine andere Geschichte…)

Da fallen mir als erstes die Heather-Farben der Cascade 220 ein. Sie besteht aus 100% peruanischer Hochlandwolle. Die Lauflänge beträgt zwar nur 100 m/50 g, aber die Nadelstärkenangabe 4,5 – 5 mm passt und die MaPro von 16 – 20 M auch (ich stricke die mit 22 M). Die Oberfläche ist allerdings etwas gleichmäßiger als die der Shelter. Dafür ist die Farbauswahl sehr groß und der Preis von 7,50 € für 100 g wirklich günstig.

Wer so wie ich sehr festes Gestrick bevorzugt, kann als Ersatz die Shetland Aran von Jamieson & Smith in Betracht ziehen. Die hat 90 m auf 50 g ist ist damit für meinen Geschmack sehr gut für 5 – 5,5 mm geeignet. Leider sind die Fotos auf der Website ziemlich grottig:

Doppelt genommen könnte man auch die Shetlandsuld von BC Garn nehmen, 450 m auf 100 g entsprechen doppelt genommen 112,5 m auf 50 g. Passt gut, wenn man es lieber etwas fester mag. Und die Farben sind sehr schön, die habe ich auf der Messe schon live gesehen.

Ebenfalls eine riesige Farbpalette mit wunderschönen Heather-Tönen bietet die Supersoft von Holst Garn. Wobei Supersoft sehr subjektiv ist, es ist nämlich ebenfalls 100% Shetlandgarn, das ich nicht wirklich als kuschelig bezeichnen würde. Es trägt sich aber sehr angenehm, wenn man nicht gerade superempfindlich ist. Das Holst Garn hat eine Lauflänge von 288 m/50 g, das müsste man also doppelt nehmen und hätte dann 144 m, also ein bisschen dünner als die Shelter. Wer sein Gestrick gerne extrem locker mag, kann das aber durchaus nehmen. Oder man rechnet halt um. Oder nimmt es dreifach, dann hat man ein Gestrick nach meinem Geschmack :wink: Einfach genommen könnte sie für Lockergestrick-Liebhaber evtl. auch als Ersatz für die Loft taugen.

Kommen wir nun zum zweiten Garn, der Loft. Gleiche Qualität wie die Shelter, aber viel dünner: 251 m/ 50 g. Empfohlene Nadelstärke ist hier 2 – 3,5 mm bei 32 – 24 M/10 cm (28 M halte ich persönlich für das absolute Minimum, es sei denn, man mag Netzhemden :wink: )

Dem Holst-Garn nicht unähnlich (aber seit einiger Zeit nicht mehr identisch) ist die Highland Wool von Isager aus 100% peruanischer Hochlandwolle. Mit 275 m auf 50 g ist sie noch ein Fitzelchen dünner als die Loft, müsste sich dennoch als Ersatz eignen, da sie nach dem Waschen noch aufblüht. Doppelt genommen kommen wir auf 138 m, das würde dann wieder für die Shelter passen.

Ein sehr guter Ersatz für die Loft dürfte die 2 ply Jumper Weight von Jamieson & Smith sein. Die Farbpalette dieses Shetlandgarns ist einfach umwerfend und die Lauflänge passt mit 236 m auf 50 g auch ziemlich gut.

Mit 210 m/50 g ist ist die Spindrift von Jamieson’s of Shetland etwas dicker, aber damit auch besser für Freunde des gestrickten Brettes geeignet :wink: Die gibt es übrigens auch als DK mit 150 m/ 50 g.

  

Abschließend – weil’s einfach so schön zum Thema geheatherte Garne passt- möchte ich Euch noch die Starmore-Garne ans Herz legen. Die taugen zwar von den Lauflängen/Maschenproben nicht als Ersatz, aber sie sind einfach nur wunderwunderwunderschön, sie verstricken sich großartig, tragen sich toll (wenn man nicht gerade arg kratzempfindlich ist) und sie pillen so gut wie gar nicht. Und die Farben sind absolut grandios. Geheimtip: Bei Virtual Yarns gibt es sogar noch Exemplare von “A collector’s item“.

Bei den Starmore-Maschenprobenangaben sieht man auch mal wieder sehr schön, wie unterschiedlich die Geschmäcker bei der Strickfestigkeit sind. Die Shelter hat 128 m/50 g und ist mit 17 – 20M angegeben. Die Hebridean 3-ply hat nur 100 m auf 50 g, dürfte also eine ganze Ecke dicker sein, angegeben sind aber 21 – 23 M. Frau Starmore und ich sind uns da sehr einig, wie fest wir unsere Strickstücke mögen :wink:

Habt Ihr vielleicht noch weitere Ersatz-Tips?

Wool People volume 3

Die neueste Designkollektion aus dem Hause Brooklyntweed ist in meinen Augen die schönste von allen bisherigen. Da gefällt mir so gut wie alles, wobei natürlich das besabbernswert schöne, aber leider höllisch teure Garn einen großen Teil dazu beiträgt. Außerdem hat der Mann einfach das perfekte Händchen für gelungene Fotopräsentationen.

Alles Designs sind im sogenannten “Lookbook” zu sehen – Klick auf’s Bild:

Die Designs im Überblick kann man hier sehen – und kaufen…

Meine Favoriten sind Reine:

Themis:

Breckon:

Boardwalk:

Die Anleitungen für die Oberteile kosten 6.50 USD, bezahlen kann man mit Paypal oder Kreditkarte und kann sie dann gleich als PDF runterladen. Reine ist dann schon mal meine :wink:

Knit, runter, purl, drauflassen…

…purl, runter, knit, drauflassen – na, was mache ich wohl gerade? :wink:

Richtig, Maschenstich! Der ist irgendwie meine Achillesferse, ich muss jedes Mal wieder nachgucken, wie das geht, ich kann mir das einfach nicht merken und komme mir dabei vor, als wäre ich innnerhalb von Sekunden auf einmal total verblödet (auch wenn ich es letztlich immer hinbekommen habe). Beim ersten Mal habe ich glaube ich für 30 Maschen zwei Stunden gebraucht und geflucht wie ein Pferdekutscher (fluchen die eigentlich wirklich so schlimm?). Gestern abend ist aber endlich der Knoten geplatzt (zumindest für diesmal…) – bisher habe ich immer versucht zu verstehen, was ich da eigentlich tue, gestern habe ich einfach mal das Gehirn abgeschaltet und stumpfsinnig gemacht, was da steht. Voilá, auf einmal flutschte es:

(das wird übrigens ein mitgestrickter Kragen, den muss man ja logischerweise hinten in der Mitte irgendwie zusammenfügen)

Die beste Erklärung für den Maschenstich (auf englisch “grafting” oder “kitchener stitch”) ist für mich dieser Artikel in der Knitty, das verstehe selbst ich :wink: Für alle, die des Englischen nicht so mächtig sind, hier die Erklärungen zu den Bildern auf deutsch:

Vorbereitung:
Die zu verbindenden Strickteile mit den linken Seiten aufeinanderlegen.
In die erste Masche auf der vorderen Nadel wie zum links stricken einstechen und den Faden durchziehen, die Masche bleibt auf der Nadel.
In die erste Masche auf der hinteren Nadel wie zum rechts stricken einstechen, Faden durchziehen, die Masche bleibt auf der Nadel.

Nun kommt der eigentliche Maschenstich, die vier Schritte werden bis zum Ende stets wiederholt:
1. in die erste M auf der vorderen Nadel wie zum rechts stricken einstechen und dabei die M von der Nadel runterziehen (knit, runter).
2. in die nächste M auf der vorderen Nadel wie zum links stricken einstechen, M bleibt auf der Nadel (purl, drauflassen).
3. in die erste M auf der hinteren Nadel wie zum links stricken einstechen und dabei die M von der Nadel runterziehen (purl, runter).
4. in die nächste M auf der hinteren Nadel wie zum rechts stricken einstechen, M bleibt auf der Nadel (knit, drauflassen).

Alle 5 – 10 M den Faden der soeben genähten M Maschenglied für Maschenglied von rechts nach links nachziehen, so daß diese die gleiche Größe haben wie das restliche Gestrick.

Das Ganze funktioniert übrigens leicht abgewandelt auch für Rippenmuster, hier wird das schön gezeigt und erklärt.

Wie ist Euer Verhältnis zum Maschenstich? Gruselige Gehirnverknotungstechnik oder im Schlaf beherrschter Pillepalle-Kram?

Neues aus Nippon

Ich habe mal wieder ein paar neue kostenlose Japaner für Euch gefunden – klick auf’s Bild für PDF:

Theoretisch soll es die Anleitungen auch auf englisch geben, praktisch haben die dort wohl im Moment Probleme mit ihrem Server, im Moment kommt jedenfalls nur eine leere Seite, wenn man auf den “pattern club” klickt.

Die folgenden Hefte sind komplett online (da ist auch ein bissel für die Häkler drin) – ist zwar etwas umständlich, aber für geschenkt kann man ja nicht meckern :wink: Auf der jeweiligen Seite nach unten scrollen, da sind die einzelnen Seiten abgebildet. Die anklicken, dann geht ein neues Fenster auf. Dort klickt man auf das Bild vom Modell und kommt so zur Anleitungsseite. Den Link zum Anleitungs-PDF findet Ihr dann neben dem kleineren Modellbild: