Monats-Archive: August 2012

TKGA Master Hand Knitting Program, die 2.

Als ich zum ersten Mal (das muss ca. 2005 gewesen sein) vom Master Hand Knitting Program gelesen habe, hat man darüber außer auf der Website der TKGA so gut wie nichts gefunden. Seitdem schwirrt mir das im Kopf rum und ich habe mir darunter immer was total Interessantes vorgestellt, ähnlich wie ein Fernstudium halt, ein umfangreiches Skript mit viel Lehrstoff und den dazugehörigen Aufgaben.

Nachdem dann aber gestern die ersten kritischen Stimmen kamen, habe ich bei Ravelry genauer nachgeforscht. Die TKGA-Gruppe und vor allem die Projektfotos zu den einzelnen Leveln sind recht aufschlußreich. Außerdem habe ich Astrid, die Level I durchgearbeitet hat, ein bisschen ausgequetscht :wink:

So, wie ich das sehe, ist das Programm kein Lehrwerk. Das heißt, es beinhaltet so gut wie keine Anleitungen, wie diese oder jene Technik gearbeitet wird, keine Zeichnungen, keine Fotos. Es werden lediglich Aufgaben gestellt, die in Level 1 insbesondere aus der Anfertigung von 16 Probeläppchen mit verschiedenen Techniken bestehen. Das sind in in diesem Level relativ simple Dinge wie z.B. Rippen, Perlmuster, symmetrische Zu- und Abnahmen, Umschläge und einfache Zöpfe. Zum Abschluß ist eine einfache Streifenmütze nach Anleitung zu stricken. Dazu kommen ein paar Wissenfragen – eine habe ich bei Ravelry auf einem Foto entziffern können, da geht es darum, ein Garn zu ersetzen und was man dabei beachten muss. Der Seitenumfang des Ganzen ist dabei -zumindest bei Level I- erstaunlich gering, den könnte Chico locker an seinen Krallen abzählen :grin:

Wie nun dieses oder jenes gestrickt wird und die Antworten auf die Wissensfragen muss man sich aus Technikbüchern, Webseiten o.ä. selbst raussuchen. Hat man dann sein Probeläppchen gearbeitet, muss man auf einem Beiblatt ganz genau erklären, wie die Technik gearbeitet wird und in welcher Quelle man das gefunden hat.

Das Programm ist also kein Lehrgang, sondern eine Prüfung. Den Prüfungsstoff muss man sich unter Zuhilfenahme anderer Quellen erarbeiten.

Nun ist das im Prinzip ja nicht verkehrt, so lange klar ist, was man für sein Geld bekommt. Auf der Website wird auch stets davon gesprochen, daß das Programm die Fähigkeiten des Teilnehmers testet. Das habe ich bisher natürlich immer geflissentlich überlesen :shock: Von “mit diesem Programm lernen sie…” steht da nämlich gar nichts.

Dias Programm leistet m.E. folgendes:

  • man lernt durch die Aufgabenstellungen ggf. neue Techniken, die man noch nicht kannte und wendet diese an
  • man lernt eventuell, daß das, was man vielleicht seit 20 Jahren schon so macht, mit einer anderen Methode einfacher, schneller oder schöner geht
  • man lernt, in Strickbüchern nachzuschlagen und andere Wissensquellen anzuzapfen
  • man lernt nach Anleitungen zu arbeiten und diese genau zu befolgen – auf das “genau” wird sehr großen Wert gelegt
  • man lernt, Strickanleitungen korrekt zu formulieren
  • man sieht die eigene Arbeit automatisch mit kritischeren Augen, weil man weiß, daß sie von anderen überprüft wird
  • man bekommt von den “Prüfern” Tips und Anregungen, wo und wie man seine Strickarbeit verbessern kann
  • man lernt, über das Stricken intensiver nachzudenken, als man das vielleicht bisher getan hat: Wie mache ich das, warum mache ich das so und nicht anders, wie erreiche ich diesen Effekt und wie kann ich jenen Effekt vermeiden usw.usw.
  • durch das Anlegen eines Ordners mit den Strickproben und Aufgabenlösungen erstellt man sein ganz persönliches Nachschlagewerk

Kurzum: Das Programm lehrt nicht selbst, aber es bringt einen dazu zu lernen und das macht es sehr gut. Systematisch anhand von praktischen Aufgabenstellungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad zu lernen, ist ja auch ein sinnvolle Vorgehensweise. Zudem sollen die “Prüfer” sehr anspruchsvoll sein, Pfuscherei und ungenaue Formulierungen lassen die nicht durchgehen.

Ob Ihr daran Spaß habt und ob Euch die o.g. Punkte das Geld wert sind, müsst Ihr selbst entscheiden.
Ich habe für mich dann doch beschlossen, daß ich das nicht mache. Wahrlich nicht, weil ich mir einbilden würde, schon alles zu wissen (ich glaube das geht gar nicht, kein Mensch kann wirklich alles über’s Stricken wissen), aber ich lese ohnehin schon so viel Strickfachliteratur und lerne dadurch automatisch immer wieder mal etwas dazu. Und es frisst doch eine Menge Zeit (da stricke ich lieber, z.B. Levenwick – winke @ Nicole :wink: ). Ich kenne mich: Ich würde mich voller Begeisterung daran machen, einen schicken Ordner anzulegen und die ersten Läppchen zu stricken. Nach dem dritten oder vierten hätte ich dann erstmal keine Lust mehr, was anderes ist auf einmal viel interessanter und irgendwann verschwindet das Ganze in der Versenkung. Außerdem fände ich es besser, wenn man gleich bei Level II oder III einsteigen könnte. Und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust eine Argyle-Socke zu stricken :mrgreen:

Ich werde mein Gestricksel aber in der nächsten Zeit sicherlich deutlich kritischer betrachten und mich fragen: Würde ich mir das durchgehen lassen, wenn ich ein TGKA-Prüfer wäre?

TKGA Master Hand Knitting Program

Eine Sache, mit der ich schon seit etlichen Jahren liebäugele, ist das Master Handknitting Program der “The Knitting Guild Association”.
Das Programm ist sowas ähnliches wie ein Fernstudium der Strickkunst. Es besteht aus drei Leveln, die nacheinander absolviert werden müssen. In jedem Level müssen diverse Strickproben angefertig werden, Fragen beantwortet werden, Projekte gestrickt werden und “Facharbeiten” verfasst werden. Level 3 schließt dann mit einem selbstentworfenen Aran- oder Jacquard-Pullover ab.
Hat man alle Aufgaben eines Levels erledigt, wird das Ganze in die USA geschickt, wo die Arbeiten von einer fachkundigen Jury bewertet werden und man erhält ggf. konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge. Unter Umständen muss man das eine oder andere auch nochmal nacharbeiten.
Das Gute ist, daß es keine Zeitvorgabe gibt. Nur, wenn man die Kursunterlagen länger als ein Jahr hat, muss man (kostenfrei) ein Update herunterladen und Aufgaben, die sich eventuell geändert haben, nochmal neu arbeiten.

Nun könnte man fragen: Was hab’ ich davon außer einem Zertifikat, einer Anstecknadel und der Veröffentlichung meines Namens auf der Website? Nun, zum einen lernt man sicher eine ganze Menge dazu. Beim Durchlesen der Themen würde ich zwar auf den ersten Blick sagen, daß ich das alles schon kann, aber das ist mit Sicherheit ein Irrglaube. Zum zweiten macht es bestimmt total viel Spaß, das Programm durchzuarbeiten. Und zum Dritten ist es natürlich auch interessant zu erfahren, wie eine Fachjury die eigene Strickkunst bewertet und wo man eventuell noch etwas verbessern oder perfektionieren kann.

Daß das Ganze auf englisch ist, schreckt mich nicht sonderlich, obwohl die Facharbeiten sicherlich keine leichte Aufgabe sein werden. Aber der Preis hält mich immer noch davon ab, einfach mal Level 1 zu bestellen (geht auch via Ravelry), denn 90 USD sind ja doch kein Pappenstiel. Und alle drei Level kosten dann immerhin 285 USD. Andererseits habe ich schon mehr Geld für weniger sinnvolle Dinge ausgegeben und eigentlich ist das für einen Kurs auch nicht viel Geld, wenn man bedenkt, daß ein Strickkurs hier in HH an der VHS auch schon 49 € kostet und der ist nur für Anfänger. Ach, ich weiß ich auch nicht, soll ich oder soll ich nicht?

Mir schwirrt ja auch der Gedanke im Hinterkopf rum, ob man sowas ähnliches nicht auch auf deutsch ins Leben rufen könnte…

Hat eine von Euch zufällig das Master Hand Knitting Program absolviert? Falls ja, würden mich ein Erfahrungsbericht brennend interessieren!

Baby Kimono

Das Mandanten-Enkelinnen-Jäckchen ist fertig:

Weil ich kraus rechts nicht sonderlich gerne stricke, habe ich die “großen” Flächen durch glatt rechts ersetzt, das sieht auch ein bisschen interessanter aus, finde ich. Die Ärmel sind von oben angestrickt, aber in Reihen, nicht in Runden (kleine Umfänge rundstricken mag ich nämlich auch nicht) und dann zusammengenäht. Ansonsten wäre sie komplett nahtlos.

Ansonsten habe ich mich aber ziemlich genau an die Anleitung gehalten, die wirklich sehr einfach und leicht nachzuarbeiten ist. Die kann ich auch Strickanfängern empfehlen und sie ist auch bestens geeignet für Strickende, die sich zum ersten Mal mit einer englischen Anleitung befassen wollen.

Info-Box

Garn: Filatura Di Crosa “Zarina Chine” (100% Merino superwash), LL 165 m/50 g, Verbrauch 125 g, verstrickt mit 3er Nadeln, ca. Gr.62

Modell: Garter Stitch Baby Kimono, kostenlose Anleitung (englisch) von Joji Locatelli

Merkwürdige Stricknadeln

Viereckige Stricknadeln sind ja mittlerweile ein alter Hut. Neulich aber las ich bei Ravelry etwas von dreieckigen Nadeln. Leider hat die Schreiberin auch auf Nachfrage keine weiteren Infos dazu geliefert, also habe ich mich selbst auf die Suche begeben. Gefunden habe ich diese Seite, da sind die Bilder aber ziemlich schlecht. Angeblich soll es davon auch Nadelspiele geben, die habe ich aber nirgends entdecken können. Vielleicht habt Ihr ja eine Ahnung, wo es die gibt?

Lage Rede, kurzer Sinn: Bei der Suche bin ich auch noch auf einen Etsy-Shop gestossen. Da gibt es nicht nur dreieckige Stabstricknadeln…:

…sondern auch diese absolut seltsamen flachen Stricknadeln:

Verrückt, oder? Angeblich sollen die wohl handgelenkschonend und angenehm für Strickende mit Arthritis oder Carpaltunnel-Syndrom sein. Das vermag ich nun nicht zu beurteilen, aber ich finde diese Nadeln schon echt seltsam und kann mir nicht vorstellen, daß die ein schönes Gestrick ergeben. Und was in aller Welt fängt man mit flachen Nadeln an, die 2 1/2″, also über 6 cm breit sind? Da kann ich auch gleich mit Zaunlatten stricken :mrgreen:

Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, daß ein Stricknadelhersteller die Idee aufgreift. Schließlich müssen ja immer wieder neuen Nadeln unter’s Strickvolk gebracht werden, denn die dummen Dinger halten ja leider ewig, wenn man sich nicht gerade draufsetzt oder die Katze sie zwischen die Zähne bekommt. Sowas ist schlecht für den Umsatz, also muss man sich ständig was Neues einfallen lassen ;-)

Ich hätte da sonst noch ein paar innovative Vorschläge:

  • sechseckige oder rautenförmige (Namensvorschlag: Salmics :wink: ) Stricknadeln
  • teflonbeschichtete Stricknadeln – wo Bratkartoffeln nicht pappen, können Maschen perfekt gleiten
  • Teleskop-Stricknadeln zum platzsparenden Verstauen oder für Flugreisen (werden nicht als Stricknadeln erkannt und daher nicht konfisziert)
  • “glow in the dark”-Stricknadeln. Beleuchtete gibt es ja schon, aber die haben den Nachteil, daß sie Batterien brauchen.
  • Kunststoffstricknadeln mit Namensaufdruck (gegen Aufpreis personalisierbar), “lustigen” Sprüchen oder Warnhinweisen: “Achtung, stricken kann süchtig machen” oder “Vorsicht – spitz!”. Denkbar wäre bei dickeren Nadeln auch eingegossene Deko wie Blümchen oder Fische.
  • “esoterische” Stricknadeln mit magischen Symbolen, heilkräftigen Kristallen und/oder von einem Medium mit einer besonderen Aura besprochen
  • essbare Stricknadeln als Gag für das nächste Stricktreffen

Fällt Euch noch mehr ein?

Musterbücher + Strickwettbewerb

Die deutsche Version von drei Musterbüchern aus der Vogue Knitting Stitchionary-Serie ist zur Zeit bei Weltbild zum sehr günstigen Preis von je 9,99 € erhältlich. Wer also noch nicht genug Musterbücher hat, sollte zuschlagen:

Ebenfalls empfehlenswert und zum Schnäppchenpreis:

Außerdem veranstaltet Weltbild einen Fotowettbewerb unter dem Motto  “Schick in Strick“. Zu gewinnen gibt es Strickzubehör wie z.B. Addi Click-Nadeln. Die Galerie mit den bisher eingereichten Fotos sieht noch sehr mager aus und besonders dolle finde ich die Sachen ehrlich gesagt auch nicht. Das könnt Ihr wesentlich besser! Also ladet mal ordentlich Fotos hoch, damit die bei Weltbild was zu tun haben und sehen, wie gut wir wirklich stricken können :wink:

Vielen Dank an Martina-Wolltraum, die mich auf die Bücher und den Wettbewerb aufmerksam gemacht hat!

RESTlos glücklich – Bettina Zander + Uta Schubert

180 Seiten, Softcover, Format 24 x 21 cm, Preis 21 €.
Special features :wink: : Lesebändchen und großer Kunststoff-Zählrahmen für die Maschenprobe

Ein neues Strickbuch, auf deutsch und dann noch aus Hamburger Produktion? Cool!

Und ich finde, den beiden Autorinnen ist ihr erstes Buch wirklich sehr gut gelungen. Man merkt auf jeder Seite, daß die beiden leidenschaftliche Strickerinnen sind und richtig viel Spaß beim Schreiben und Gestalten des Buches hatten. Ich mag vor allem den Schreibstil sehr. Klare Sätze, kein Geschwafel und immer mit einer Prise Humor. Mein Lieblingszitat: “Ich fühl’ mich so angeschlagen, sagte die Masche” :grin: Der Leser wird geduzt, das ist mir sehr sympathisch. Oft hat man das Gefühl, daß Bettina oder Uta einem direkt gegenüber sitzen und erzählen oder zeigen, wie dieses oder jenes gestrickt wird. Das Foto ist übrigens bei Mylys entstanden:

Eigentlich brauche ich zum Inhalt gar nicht mehr viel zu sagen, denn die Website zum Buch ist sehr ausführlich, auch eine Leseprobe gibt es.
Kurz gesagt geht es darum, was man alles aus Wollresten fabrizieren kann. Es ist zum einen eine Sammlung von -wenn ich richtig gezählt habe- 47 unterschiedlichsten Projektideen. Dabei werden zwar keine fertigen Anleitungen geliefert, aber die Autorinnen geben ausreichend Erläuterungen zu den einzelnen Stücken (incl. Strickschriften für die Muster), so daß diese mit ein wenig Strickerfahrung problemlos nachgearbeitet werden können. Außerdem machen sie einen kleinen Abstecher in die Welt der Weber, denn auch Weben eignet sich ausgezeichnet zur Restverwertung.

Viele Stücke wurden von echten Hamburgern gemodelt:

Einige davon sogar von niemand geringerem als unserer Heidi Kabel:

Und ich wette, wenn sie noch leben würde, hätte sie ihre Freude daran:

Zusätzlich bietet “RESTlos glücklich” viele Informationen rund um das Thema stricken und Wollreste, angefangen bei Restevermeidungsstrategien, über Materialkunde, die Identifizierung von unbekannten Garnen (klasse Idee: Die Abbildung der Kokelproben) einschließlich Lauflängenbestimmung, die Berechnung des voraussichtlichen Garnverbrauchs bis hin zu zu diversen Techniken wie dem Russian Join oder Zopfen ohne Hilfsnadel. Abgerundet wird das Ganze durch eine Übersetzungsliste englisch – deutsch und eine Linkliste (ui, ich bin auch drin – dankeschön!)

RESTlos glücklich ist ab Montag in vielen Wollgeschäften erhältlich, ein Händlerverzeichnis findet Ihr hier. Da das Buch eine ISBN hat, sollte es auch jede Buchhandlung problemlos beschaffen können. Oder Ihr bestellt direkt bei Bettina und Uta.
Das Buch hat am diesem Wochenende auf der Kreativ Hamburg sein Öffentlichkeitsdebüt und kann dort auch schon zum Messe-Sonderpreis von 20 € erworben werden.

Herbsthefte – der letzte Batzen

Alle neuen Strickpublikationen vorzustellen ist mittlerweile fast ein Ding der Unmöglichkeit, dann wäre ich mit nichts anderem mehr beschäftigt…

Aber hier sind noch ein paar interessante Vorschauen – ein Klick auf’s Bild bringt Euch jeweils dorthin:


(das bekommt Ihr bei der Wollbox – mit deutscher Übersetzung)

Bleibt nur noch zu sagen: “Cast on, baby!”! :grin: (danke an Andrea B. für den Link)