Monats-Archive: September 2012

Filati Magazin + Handstrick

Für alle, die mit den 80ern so rein gar nichts anfangen können, zwischendurch mal ein Hinweis auf die beiden neuen Filati-Hefte von Lana Grossa, da sind ein paar nette Sachen drin:

Die Anleitung für das Titelmodell gibt es auch kostenlos online.

Lobenswert finde ich die neu gestaltete Heftvorschau – da kann man die Modelle jetzt richtig gut erkennen (klick auf’s Cover führt Euch direkt dort hin).

Übrigens gibt es auch in den ganz alten Ausgaben der Filati ziemlich viele schöne Modelle – die sind zwar nicht aus den 80ern, aber trotzdem. In den 80ern gab es aber soweit ich weiß auch schon Modellhefte von Lana Grossa, davon habe ich bloß keins. Herr Gross, wie wäre es denn, wenn Sie die alten Modelle alle online stellen würden? Vielleicht mit Vorschlägen, welche aktuellen Lana Grossa-Garne man dafür nehmen könnte? Ich schlage einen Deal vor: Sie stellen die Hefte online, wir pflegen alle Modelle bei Ravelry ein – neue alte Anleitungen für uns, super Werbung für Sie. Na, wie wär’s? :grin:

80′s revival – Teil 2

Irgendwann habe ich aus Platzmangel angefangen, meine alten Strickhefte auszusortieren und nur noch die Anleitungen aufzuheben, die mir gefallen. Die habe ich dann in mühsamer Schnipselarbeit in Sammelbücher geklebt (was Chico da jagt, weiß ich auch nicht…):

Von innen sehen die dann so aus:

Dummerweise weiß ich dadurch in den meisten Fällen nicht mehr, aus welchem Heft, geschweige denn, aus welchem Monat und Jahr die Sachen stammen.
Vieles ist aus der Nicole, die ich mittlerweile dreimal gekauft habe. Das erste Mal als Abonnentin, die sind Anfang der 90er irgendeinem Ausmiste-Anfall zum Opfer gefallen, genau wie die meisten Sachen, die ich in den 80ern gestrickt habe. Das zweite Mal Anfang diesen Jahrtausends, als ich entdeckt habe, daß es die Nicole für kleines Geld bei Ebay gibt. Da hatte ich eine Phase, wo ich bergeweise alte Strickhefte ersteigert, interessante Anleitungen rausgepflückt und den Rest wieder weggeschmissen habe.

Naja, und letztes Jahr hatte ich dann wieder einen nostalgische Rappel und habe sie nochmal zusammengekauft – so bekloppt kann auch nur ich sein :mrgreen:

Daher heute eine kleine Auswahl aus meinen Sammelalben – am liebsten würde ich Euch noch viel mehr zeigen (aus den 90ern habe ich auch noch so viele schöne Modelle), aber wenn ich’s übertreibe, bekomme ich von den Verlagen womöglich doch noch eins auf den Deckel…

Wie immer: Klick auf’s Bild führt zur PDF-Anleitung.

Bei dieser Jacke aus der Verena bin ich mir nicht sicher, ob die nicht schon aus dem 90ern ist, aber ich finde sie so schön, daß ich sie Euch einfach zeigen muss:

80′s revival – nur für Franziska ;-)

Manchmal gibt es im Leben schon sehr seltsame Zufälle :grin:

Gestern schickt mir Franziska W. eine Mail mit diesem Bild und schreibt dazu: “Du hast in Deinem Blog die guten alten 80er aufleben lassen. Ich habe in der Zwischenzeit leider sehr viele Anleitungen aus der Zeit weggeschmissen und bin schon seit einiger Zeit auf der verzweifelten Suche nach der Anleitung für den beiligenden Pullunder. Ich hatte ihn für meine Mutter aus Baumwollgarn gefertigt, weiss aber nicht einmal, ob er gehäkelt oder gestrickt war. Das Original ist natürlich auch nicht mehr da”

Und ich denke noch “oh je, da muss sie aber schon sehr viel Glück haben, wenn sich jemand ausgerechnet an diesem Pulli erinnert und auch noch die Anleitung hat”.
Abends sitze ich dann auf der Couch, gucke den nächsten Schwung alter Hefte durch, will schon Schluß machen und ins Bett gehen. Naja, ein Heft noch und dann ist Feierabend. Ich schlage es auf und was springt mir da in der “Welt der Frau” vom April 1983 ins Auge?

Verrückt, oder? Also, liebe Franziska, ich wünsche Dir viel Spaß bei Deinem ganz persönlichen 80′s Revival :grin: (Anleitung kommt beim Klick auf’s Bild)

Euer 80er Lieblingsmodell?

Es ist schon faszinierend, wie unterschiedlich die Geschmäcker hinsichtlich der 80er Jahre-Strickmode sind. Wenn ich hier Modelle aus meiner “Erbschaft” zeige, ist die Auswahl zwangsläufig von meinen Geschmack geprägt, der sich natürlich in vielen Fällen nicht mit Eurem deckt.

Daher heute ein Aufruf an alle, die noch Fotos oder Anleitungen aus den 80ern haben: Zeigt mir Eure 80er Jahre-Lieblingsmodelle! Welche Sachen mögt Ihr immer noch leiden, wo würdet Ihr ggf. Änderungen vornehmen, wenn Ihr das Stück heute stricken würdet?

Unter allen, die mir bis Sonntag, den 30.9.2012 um Mitternacht ein oder mehrere Bilder (aus einem Heft oder eigene Fotos)  von ihren 80er-Lieblingsmodellen schicken, verlose ich 10 Pakete mit je 10 Strickheften aus den 80ern. Sofern die Fotos von Euch sind, erklärt Ihr Euch damit einverstanden, daß ich sie hier im Blog zeige (sagt Bescheid, falls ich das Gesicht unkenntlich machen soll).
Die Bilder bitte an Martina(punkt)Hees(at)hanse(punkt)net mailen – mit Angabe der gewünschten Namensnennung (Vorname + abgekürzter Nachname oder lieber Pseudonym) und ggf. Blog/Website. Bitte auch dazu schreiben -sofern Ihr es noch wisst- aus welchem Heft (Name/Monat/Jahr) die Anleitung stammt. Und natürlich wäre es großartig, wenn es zu dem einen oder anderen Modell vielleicht sogar noch eine kleine Geschichte gäbe.

Alle eingesandten Bilder werden ich dann nächste Woche in einem 80er Jahre-Leserlieblinge-Special zeigen.

Einer meiner absoluten 80er-Lieblinge ist dieser Blumenpullover – den habe ich damals aus einem Alpakagarn gestrickt. Irgendwann habe ich es geschafft ihn unentfernbar zu verfärben und dann in die Tonne getreten. Der ist auch schuld daran, daß ich danach eine Stickphase hatte – das Aufsticken der Motive im Maschenstich hat mir damals so viel Spaß gemacht, daß ich mir massenhaft Stickpackungen zugelegt habe. Bis ich irgendwann festgestellt habe, daß mir sticken zwar Spaß macht, daß ich aber mit den Ergebnissen gar nichts anfangen kann – ich bin kein Freund von Stickbildern an der Wand oder bestickten Tischdecken.
Den Blumenpulli würde ich aber zu gerne nochmal stricken und zwar ganz genau so, da passt der geräumige Schnitt, finde ich (Klick auf’s Bild für die Anleitung):

Ursprünglich war der Pulli glaube ich in einer Constanze, ich habe ihn aus diesem Buch – ein “Geheimtip”, das gibt es für ganz kleines Geld und da sind wirklich viele schöne Modelle aus den 80ern drin, vor allem aus der Nicole und der Constanze.

80′s revival – Teil 1

Ich hab’ mal überlegt, warum mir aus den 80ern eigentlich nur die unförmigen Kastenpullis im Gedächtnis geblieben sind, wo es doch -wie Sabine ja immer wieder betont – durchaus auch viele figurnahere Modelle mit Armkugeln gab. Erst bei Chaludas Kommentar ist mir die Erleuchtung gekommen: Ich habe 1985 (mit 19) stricken gelernt und ab 1985 war die Blütezeit der Riesenpullis. Die erste Hälfte der 80er ist also stricktechnisch spurlos an mir vorüber gegangen. In den Jahren davor habe ich mich außerdem hauptsächlich in der Rock’n'Roller-Szene rumgetrieben, da befand ich mich quasi in den 50er Jahren.
Außerdem war für mich damals die “Nicole” die einzig wahre Strickzeitschrift für modebewusste Großstadtmädels, Publikationen wie “Ingrid”, “Constanze” oder “Welt der Frau” waren allein schon vom Namen her total uncool und nur was für alte Frauen – d.h. für Strickerinnen jenseits der 30 :mrgreen:

Heute bin ich selbst eine von diesen alten Trutschen :wink: und finde viele Modelle immer noch genauso spießig und altbacken wie vor 25 Jahren. Und doch hat sich mein Geschmack gewandelt, manche Sachen sehe ich jetzt mit ganz anderen Augen. Außerdem habe ich nun -im Gegensatz zu früher, wo ich fast immer 1 zu 1 nachgestrickt habe- die Phantasie, mir ein Modell nach meinem Geschmack abgewandelt vorzustellen und die Fähigkeiten, diese Abwandlungen auch umzusetzen.

Bei der Durchsicht meiner “Erbschaft” erwies sich daher ausgerechnet die Welt der Frau aus den frühen 80ern als sehr ergiebig – da kann ich Euch in den nächsten Wochen noch häufiger beglücken :grin:

Aus “Welt der Frau” 7/1980 – Modell “Karla” (tja, Namen für Strickmodelle sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts :wink: ):

Ebenfalls aus “Welt der Frau” 7/1980 – Modell “Cornelia”:

Und das Twinset “Teresa”:

Einen Monat später – Modell “Brenda”:

Und last but not least zwei typisch überdimensionierte Zopfpullover aus der Sandra 8/87:

Ein Klick auf’s Bild bringt Euch jeweils zur Anleitung (PDF).

Fortsetzung folgt…

Früher war alles besser…

Alsd ich noch jünger war, habe ich mich oft darüber amüsiert, wenn ältere Leute davon geschwärmt haben, daß “früher doch alles besser war”.
Heutzutage gehöre ich selbst zu diesen älteren Leuten und ertappe mich manchmal selbst dabei, wie ich sehnsüchtig an die “alten Zeiten” denke. Meine jungen Mädels im Büro erfreue ich dann mit Geschichten aus einer Zeit, als ein Brötchen noch 12 Pfennig kostete, im Fernsehen nur drei Programme liefen (und ab Mitternacht nur noch das Testbild) und Menschen, die auf der Straße alleine vor sich hin redeten, nicht telefonierten, sondern einfach einen an der Waffel hatten :mrgreen:

Aber war früher wirklich alles besser? Jetzt mal stricktechnisch gesehen?

Einige von Euch haben ja in ihrem Kommentar zum gestrigen Beitrag von den tollen Anleitungen geschwärmt, die früher in der Brigitte drin waren. Aber waren die wirklich so viel besser als die heutigen? Oder ist der Nimbus vielleicht auch ein bisschen durch sentimentale Jugenderinnerungen verklärt? Leider habe ich keine alten Brigitte-Anleitungen, aber dafür jede Menge anderer Hefte aus den 80ern und was ich da sehe, lässt mich doch zweifeln.

Ich selbst bin seit Mitte der 80er auf der damaligen Strickwelle mitgeschwommen und kann mich noch ganz gut an die damalige Mode erinnern. Was man ganz klar sagen kann: Viele Modelle waren damals deutlich anspruchsvoller. Zumindest was Muster und Stricktechniken betraf. Da hatte kein Mensch Angst vor Jacquardmustern mit 5 Farben in einer Reihe oder vor Intarsien mit 7 verschiedenen Garnen und Modelle mit 13 verschiedenen Strickschriften waren für uns ein Klacks. Es hat uns nämlich niemand gesagt, daß sowas schwer ist, also haben wir es einfach gestrickt. Heutzutage machen sich die Strickerinnen in Foren oft gegenseitig ganz kirre, wenn sie schreiben, wie schwer dieses oder jenes doch sei und daß sie sich da noch nicht rantrauen würden. Alles Unsinn, mit einem guten Grundlagenbuch, einem bisschen Konzentration, Sorgfalt, Geduld und Übung sowie einem eingeschaltetem Gehirn ist beim Stricken gar nichts schwer – man muss sich nur trauen und einfach mal machen.

Was allerdings die Schnitte betraf, fällt der Vergleich zwischen früher und heute ganz anders aus. Nicht umsonst schrecken viele Frauen, die in den 80ern noch einen Pullover nach dem anderen gestrickt haben, vor heutigen Modellen zurück. In den 80ern war die Mode überwiegend sackartig: Ein Rechteck als Vorderteil, eins als Rückenteil, und ein Trapez als Ärmel – das konnte jeder stricken, die Maschenprobe war eher unwichtig und wenn das fertige Stück ein paar cm breiter oder schmaler wurde, war das völlig wurscht, es war eh alles überdimensioniert.
In den 80ern habe ich meine Pullover in der Regel 60 cm breit gemacht – heute stricke ich sie zwischen 48 und 52 cm, obwohl ich inzwischen 20 kg mehr wiege als vor 25 Jahren.
Wobei letzteres natürlich ein weiterer Grund ist, warum viele heute keine Pullover mehr stricken mögen: In jungen Jahren haben viele von uns eine wesentlich kleinere Konfektionsgröße getragen, da konnte man die Größen aus dem Zeitschriften übernehmen. Heute brauchen aber die Menschen oft Größen jenseits der 40/42 und die werden vom deutschen Strickanleitungsmarkt kaum bedient.
Aufwendigere und/oder figurbetontere Schnitte bedeuten auch, daß es im Gegensatz zu früher wirklich wichtig ist, die richtigen Maße zu erreichen, damit das fertige Stück passt. D.h. die Maschenprobe muss -zumindest in der Maschenzahl- exakt stimmen und das Modell muss auch in der richtigen Konfektionsgröße verfügbar sein. Und da geht es los: Eine Maschenprobe -womöglich noch mit verschiedenen Nadelstärken- ist den meisten lästig (mir auch). Umrechnen, weil man eine andere MaPro hat oder will oder weil man eine nicht angegebene Größe braucht, ist noch viel lästiger. Da verzichten dann viele lieber, beschränken sich auf Tücher, Socken & Co. und schwärmen von früher :wink:

Und spätestens beim Aussehen der Modelle kann ich der Aussage, daß früher alles besser war, nun wirklich nicht mehr zustimmen. Ich hinke mit meinem Modegeschmack zwar immer ein paar Jahre hinterher, aber die 80er (und erst recht die 70er) habe ich dann doch weit hinter mir gelassen, die meisten Sachen gefallen mir wirklich nicht mehr. Es gibt Ausnahmen, aber in der Regel bin ich froh, daß diese Zeit modemäßig vorbei ist.
Daß die Mode derzeit nun so viel besser ist, kann ich allerdings genauso wenig behaupten. Simplem Grobstrick mit fetten Garnen und Nadeln kann ich rein gar nichts abgewinnen (dem Revival der 80er-Mode natürlich erst recht nicht) – aber die jungen Mädels stehen drauf und seien wir doch mal ehrlich: Die Modelle in der Brigitte sind nicht für anspruchsvolle Hardcore-Stricker wie uns konzipiert, sondern für die breite Masse, deren Strickkenntnisse kaum über Anfängerniveau hinausgeht und die ein oder zweimal im Jahr in der Winterzeit zu den Nadeln greifen. Mona hat das in ihrem Kommentar zum letzten Blogeintrag sehr schön auf den Punkt gebracht.

Was aber heutzutage definitiv viel, viel besser ist als früher: Wir haben eine Auswahl an Garnen, Modellen und Handwerkszeug, die wir uns damals in unseren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können. Vor allem das Internet macht’s möglich. Ich finde dicke Garne doof? Dann bestelle ich mir halt Shetland-Garn oder Lacegarn aus Peru. Ich finde die Anleitungen in deutschen Publikationen trotz aller Vielfalt allesamt grauslig? Macht ja nichts, englische, skadinavische oder gar japanische Anleitungen sind doch nur ein paar Mausklicks entfernt. Und wer die Mode früherer Jahrzente bevorzugt, bekommt alte Zeitschriften und Bücher aus den letzten 80 Jahren bei Ebay – gerade die 70er und 80er-Publikationen werden einem für’n Appel und’n Ei hinterhergeworfen.

Von daher schwärme ich zwar auch gerne mal von früher und nörgele über die heutigen Modelle, aber strickerisch gesehen könnten wir in gar keiner besseren Zeit leben.

Da ich gerade von einer netten Dame aus der Nachbarschaft einen Riesenstapel Hefte aus den 80ern geschenkt bekommen habe, abschließend mal ein paar exemplarische Modelle aus der Zeit, in der “alles besser war” – wer von Euch würde die heute noch anziehen? Selbst wenn man die Muster auf einen moderneren Schnitt anwenden würde, muss sowas doch nun wirklich nicht mehr sein, oder?

Interessant: Beim Welt der Frau-Strickheft war Ursula Marxer Redakteurin

Natürlich habe ich da ganz bewusst besonders unattraktive Covermodelle rausgesucht :wink: Es gab auch viele Sachen, die mit ein paar Schnittänderungen auch heute noch durchaus tragbar sind. Ich schau’ mal, was ich da für Euch finde und einscannen kann, die meisten Hefte sind von Gruner + Jahr und die sind ja glücklicherweise beim Thema Urheberrecht von alten Strickanleitungen sehr entspannt (das schadet ja nun auch wirklich niemandem mehr, wenn ich die hier kostenlos zur Verfügung stelle).

Alle Jahre wieder…

…Strickanleitungen in der Brigitte:

Diese Jacke finde ich sogar ganz hübsch:

Der Rest…nun ja…. *räusper*

Als Beilage gibt es wohl noch Anleitungen der Initiative Handarbeit, die kann man hier runterladen.

Am lustigsten finde ich aber die “Stricksprechstunde” im Brigitte-Forum, wo innerhalb kürzester Zeit völlige Anarchie ausgebrochen ist :mrgreen: – arme Frau Schwarberg :sad: