Monats-Archive: März 2013

Luxushaare

Im Laufe der vergangenen Jahre bin ich bei Garnen immer wählerischer geworden. Klasse ist mir inzwischen deutlich wichtiger als Masse geworden. Ich kaufe zwar nach wie vor für mein Leben gerne Wolle, aber da mir auch langsam der Platz ausgeht, habe ich mir vorgenommen, meine Sammlung nur noch mit ganz besonderen Garnen zu erweitern, die mir beim Stricken uneingeschränktes Vergnügen versprechen.

Die edlen Fasern von Herrn Pascuali sind mir schon seit längerer Zeit ein Begriff – schließlich hat Frau Wollwelt eine ganze Reihe seiner Garne testgestrickt und in ihrer unnachahmlichen Art mit anschaulichen Fotos darüber berichtet.

Als besonderen Service bietet die Firma Pascuali Musterkarten an und die habe ich mir kürzlich bestellt. Weil ich mich nicht entscheiden konnte, war ich unverschämt und habe ganz viele verschiedene Garne angefordert – und auch bekommen. Ich glaube die hat Herr Pascuali extra für mich gebastelt :grin: :

Wie man sieht, haben es mir vor allem Yak und Kamelhaar angetan, aber es waren auch noch drei ganz besonders seltene Fasern dabei.

Bison kannte ich schon, das ist sehr fein, aber leider auch sehr teuer. Wenn ich gerne Kleinkram stricken würde, würde ich mir das aber sicherlich mal als besonderen Luxus gönnen.

Guanako ist nach Vikunja (das ich schon mal für die Verena getestet habe) das zweitteuerste Garn der Welt – anhand des kurzen Fädchens lässt sich allerdings schwer beurteilen, ob das nun so besonders ist. Ich weiß nur, daß Vikunja zwar schon etwas ganz Edles ist, aber daß ich dafür niemals 300 Dollar (für knapp 30 g!) ausgeben würde. Und Guanako dürfte ähnlich sein.

Nerzgarn hatte ich bisher noch gar nicht in der Hand – keine Angst, das wird ausgekämmt, dafür stirbt kein Tier. Es ist wirklich wahnsinnig fein und weich, fast schon Katzenbauchfellqualität :wink: Bei diesem hier ist der Faden ziemlich ungleichmäßig gesponnen, also eher nichts für mich. Mit 18,59 € für 50g ist es natürlich teuer, aber nicht so extrem teuer, wie ich dachte. Allerdings würde ich vor einem Kauf erstmal genaueres über die Haltung der Tiere erfahren wollen und ob die nicht doch letztendlich als Pelzmäntel enden.

Und weil auf der Pascuali-Website nach Testerinnen mit einem gut besuchten Blog gesucht wird, habe ich mich kurzerhand beworben. Herr Pascuali und ich wurden uns schnell einig und nun habe ich hier ein ganz tolles Garn, das auf seine Verarbeitung wartet:

Das ist die CAYA – 30% Babykamel und 70% Yak – Lauflänge 125 m/50 g. Ein wunderschönes Garn, weich, kuschelig, aber mit Charakter und Substanz. Ich beflausche es schon seit Tagen und warte darauf, daß es mir sagt, was es werden möchte…

DSDSSV – Jutta aka Hinterm Stein

Lang, lang ist’s her – die Serie mit deutschsprachigen Designerportraits ist leider mangels Mitwirkung selbiger sanft eingeschlafen…

Aber vor nicht allzu langer Zeit ist bei Ravelry Frau Hinterm Stein aufgetaucht, deren Designs mir sofort ins Auge gestochen sind, denn sie sind genau meins: Schlicht, zeitlos, aber immer mit dem gewissen Etwas. Sowas Feines will ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten, erst recht nicht, wenn’s auch noch auf deutsch ist.

Also habe ich die liebe Jutta hinterrücks überfallen und sie beschwatzt, sich für ein Portrait zur Verfügung zu stellen.

Was ihre fotografische Darstellung betrifft, so ist die Österreicherin leider etwas scheu. Nur auf einigen Modellfotos -hier der Schlankmacher Pulli- läßt sich ein ungefähres Bild der Designerin erahnen:

Jutta erzählt:

“Nähen und Stricken haben mir schon Freude gemacht, seit ich eine Nadel halten konnte. Meine Mutter war in den frühen 60ern Direktrice in einem Haute Couture Salon und hat sehr viel genäht und ich habe diese Leidenschaft früh übernommen. Handarbeitsunterricht in der Schule war schrecklich fad, weil ich viel zu schnell fertig war und weil man so unnütze Dinge herstellen musste wie Tischläufer mit fünf verschiedenen Stichmustern und Topflappen und so Zeugs. Bäh.

Den größten Teil meiner Oberstufen-Schulzeit habe ich mit Stricknadeln in der Hand verbracht (und dann die Mitschriften meiner Kolleginnen kopiert, ich hatte ja keine Hand frei zum Schreiben). Zur Matura hat unser Klassenvorstand einen Pullover bekommen, den ich mit zwei weiteren Strickbesessenen gemeinsam fabriziert habe…und er hat sich tatsächlich gefreut (oder zumindest so getan).

In dieser Zeit habe ich auch das Schnittzeichnen gelernt und begonnen, eigene Kleider zu entwerfen und zu nähen Die Vogue-Schnitte waren mir damals zu teuer und Burda & Co. haben mir nicht so gut gefallen. Ein Kostüm von Jil Sander konnte ich mir natürlich nicht leisten, und auch heute nicht, aber eines Tages werde ich es mir noch gönnen! Also war die einzige Lösung selber machen. Mein Kleid für den Wiener Opernball 1990 habe ich noch heute”.

Einfach nur wow, oder? Und sie passt sogar noch rein :shock:

Eine Zeitlang habe ich für eine Boutique entworfen und genäht, habe mich aber dann beruflich ganz anders entwickelt und mich auf Sachen für mich selbst beschränkt.

Meist habe ich ganz genau im Kopf, was ich will (oder unbedingt brauche :wink: ) und wie das so ist, bekommt man in den Läden nie das, was man gerade sucht und auch bei den Anleitungen war nicht das Richtige dabei. Und weil ich nur ein ganz kleines bisserl stur bin, habe ich eben fast alle meine gestrickten Sachen selbst entworfen.

Ich mag zeitlose Mode ohne Schnickschnack, die man länger als eine Saison tragen kann. Gedeckte Farben (mit immer mehr Ausnahmen, je älter ich werde), natürliche hochwertige Materialien, klare Linien und einen Hauch von Eleganz, ohne übertrieben gestylt zu wirken – eben „smart casual“.

Und passen muss es!
Es gibt nichts Unattraktiveres als schlecht sitzende Kleidung!
Und mit dem richtigen Schnitt kann man auch die Schwimmreifen ganz gut verstecken (oder zumindest den Blick woandershin lenken).

Der größte Teil meines Lebens spielt sich Hinterm Stein ab, das ist ein altes Haus im Mostviertel, mitten im Nirgendwo. Sehr alt, und als wir es bekommen haben sehr renovierungsbedürftig … und das alles mit meinen Strickhänden…

Frei nach dem Motto „Ich kann nicht, gibt’s nicht“ und „was ich nicht kann, kann ich bei youtube lernen“ haben wir alles selbst gemacht, bis hin zu Wasserleitungen verlegen und einen kompletten Dachausbau.

Ich kann einfach nicht untätig sein! Ein Abend vor dem Fernseher ist eindeutig zu unproduktiv! Wenn ich also meine Hände nicht gerade in der Garten-Erde oder in Spachtelmasse, Farbe, Fliesenkleber oder Beton habe, werden alte Möbel restauriert, Papier, Holz, Leinen oder Seide bemalt, Blumen aus dem Garten arrangiert, genäht … und eben (vor dem Fernseher) gestrickt…

Bisher habe ich fast immer für mich selbst gestrickt, manchmal für meine Mutter, die nur näht und nicht stricken mag, und ganz selten für meinen Mann (zu groß!). Aber mein Kasten ist voll mit Selbstgestricktem, das nur noch darauf wartet, auf Papier gebannt zu werden.
Denn durch Ravelry habe eine neue Leidenschaft entdeckt! Nämlich das Schreiben von Anleitungen.

Neuerdings verwende ich fast nur noch dünne Garne, da mir sonst zu warm wird (in letzter Zeit immer öfter…), und dicke Wolle auch schlecht für die Figur ist … ein Zentimeter Kleidung ist einfach ein Zentimeter mehr Umfang…
Da aber dann das Stricken mit Nadeln Nr. 3 ewig dauert, bin ich dazu übergegangen, dünne Wolle mit dickeren Nadeln zu kombinieren. Bisher sind daraus ein paar sehr ansehnliche Stücke entstanden (z. B.: Motten im Haus? -siehe Foto- und zwei weitere Anleitungen in Arbeit) und ich denke, ich werde diesen Weg noch eine Weile beschreiten, bis ich eine neue Abzweigung in eine interessante Richtung finde.

Meine Freundinnen haben schon oft gemeint, ich sollte die Strickstücke verkaufen, aber erstens sind sie mit Hundehaaren kontaminiert und zweitens habe ich nicht immer gleich viel Zeit (eigentlich nur im Winter) und auch wenig Lust, einen Shop zu führen, Bestellungen zu verschicken oder Aufträge auszuführen.

Nun habe ich vor ein paar Monaten Ravelry entdeckt und das hat mein Leben verändert :grin:
Was für eine Vielfalt!
Da ich gerade Zeit hatte, dachte ich, das probier‘ ich einfach mal aus … und siehe da: meine Designs scheinen doch erstaunlich gut anzukommen.

Favorit der “Redaktion” ist der Sea-breeze Cardigan:

Ich habe noch so viele Ideen im Kopf!
Dafür bräuchte ich wohl zwei Leben (oder jemanden, der die Tabellen für mich ausrechnet und die Anleitungen schreibt… dies ist ein Aufruf :wink: !)

So ganz ohne Erfahrung brauche ich noch wahnwitzig viel Zeit für das Schreiben einer Anleitung … ungefähr genauso lang wie für das Stricken eines ganzen Pullovers mit 3er Nadeln, manchmal sogar noch länger … lese gefühlte 737 Mal Korrektur … obwohl ich liebe Helferinnen bei Ravelry gefunden habe, die meine Patterns gegenlesen oder auch probestricken … finde jedes Mal noch einen Fehler … verzweifle … rechne mir aus, dass ich etwa 30 Cent pro Stunde „verdiene“ … verzweifle noch mehr … will alles hinschmeißen … und dann geschieht ein Wunder … kauft doch tatsächlich jemand eine Anleitung von mir … Hurra! Hurra! … neue Motivation! ….

Hier kann man ein wenig erahnen, wieviel Arbeit in so einer Anleitung steckt:

Die Anleitungen für alle Designs von Hinterm Stein sind via Ravelry erhältlich (funktioniert auch problemlos für Nicht-Mitglieder) – ich bin gespannt auf die schönen Sachen, die da noch folgen werden!

Lebenszeichen…

Ich hab’ so die Schnauze voll davon krank zu sein. Das nervt :evil:
Es wird zwar ganz langsam besser, aber das dauert genauso lange, wie der blöde Schnee zum verschwinden braucht.
Ich fühle mich immer noch total schlapp und laufe allenfalls auf 30% der Normalleistung. Ich will das nicht mehr, ich will mich wieder normal fühlen!

Aber immerhin – ein Gutes hat das Ganze :wink: :

Rauchfrei-Ticker by X-PRESSIVE.COM

Piep ;-)

Nur kurz zu Eurer Beruhigung :wink: Ich lebe noch. Aber ich glaube, so lange so krank war ich noch nie, außer vielleicht, als ich mit 16 die Masern hatte. Das kenne ich gar nicht, daß mich etwas so aus den Latschen haut. Aber ich hatte ja auch noch nie eine echte Grippe. Daß es eine ist, darauf hat mich Anja erst am Dienstag abend gebracht. Bis dahin hab’ ich mich nur gewundert, warum ich nur Fieber und ein bisschen Husten habe, es mir aber total dreckig geht…

Heute ging es eigentlich schon wieder so einigermaßen, ich hab’ sogar ein paar Reihen gestrickt und überlegt, daß ich heute abend endlich mal wieder bloggen könnte. Und vorhin hatte ich dann schon wieder so eine blöde Fieber-Attacke. Lästig :evil: Hab’ ich nicht gebucht, will ich nicht und diesen dämlichen, völlig sinnlosen Reizhusten schon mal gar nicht (und ich bin schon brav und hab’ seit Mittwoch abend nicht mehr geraucht – das ist für meine Verhältnisse eine echte Glanzleistung).

Aber seid mal lieber froh, daß Euch Blogeinträge in den letzten Tagen erspart gebleiben sind – wenn ich krank bin, bin ich extrem schlecht gelaunt und grantig… :wink:

krank :-(

Seit zwei Tagen liege ich mit Fieber im Bett und mag nicht mal stricken. Doof, das :sad:
Und dabei wollte ich doch übermorgen nach Köln zur H + H. Im Moment habe ich arge Zweifel, ob das was wird…
Drückt mir die Daumen für eine Blitzgenesung!

Irrungen und Wirrungen des Urheberrechts

Zum Thema Urheberrecht/Copyright bestehen in der Strickwelt nach wie vor große Unsicherheiten und ich bekomme immer wieder mal Fragen gestellt: “Darf ich dieses oder jenes und wenn ja, warum nicht?”

Mittlerweile habe ich mich sehr viel damit beschäftigt und möchte mal ein bisschen Klarheit in die Sache bringen. Vorab sei gesagt, daß ich keine Rechtsanwältin bin und der nachfolgende Text keine verbindliche Rechtsauskunft darstellt.

Erstmal zur Begriffsbestimmung:

Urheberrecht – geregelt im “Gesetz über Urheberrecht und sonstige Schutzrechte” = UrhG Das Urheberrecht schützt Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst. Das Urheberrecht entsteht automatisch mit der Schöpfung eines Werkes, es muss nicht eingetragen werden. Das Urheberrecht kann werder übertragen noch verkauft werden, es verbleibt lebenslang beim Urheber.

Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Ist ein solcher nicht genannt (das trifft z.B. auf fast alle alten Strickhefte zu), erlischt das Recht 70 Jahre nach der Erstveröffentlichung. Danach ist das Werk frei von Rechten und wir dürften damit machen, was wir wollen. Z.B. dürften wir zur Zeit alle alten deutschen Strickhefte, die vor März 1943 erschienen sind, bedenkenlos veröffentlichen, wenn kein Designer, Fotograf o.ä. angegeben ist.

Copyright - ein z.B. in den USA gebräuchlicher Begriff für einen der Sache nach ähnlichen Schutz, aber mit teilweise anderen Regelungen. In den USA kann man z.B. das Copyright verkaufen.

Nachfolgend reden wir hier ausschließlich vom deutschen Urheberrecht, den Begriff “Copyright” gibt es im deutschen Recht nicht! Und der Text stellt auch nur die Rechtslage in Deutschland dar – allerdings dürfte sie in anderen Ländern ähnlich sein.

Wenn wir von Strickdesign reden, ist natürlich immer die Frage:
Was ist da eigentlich geschützt?

1. Strickanleitungen

Ganz klar: Der Text einer Anleitung, die Fotos, die Strickschrift und die Schnittzeichnung sind urheberrechtlich geschützt (§ 2 Abs. 1 UrhG). Man darf eine Anleitung oder Teile der Anleitung nur für eigene Zwecke kopieren (auf Papier oder in elektronischer Form). Man darf sie nicht an andere weitergeben. Und man darf sie nirgends veröffentlichen, z.B. im eigenen Blog.
Das gilt unabhängig davon, ob eine Anleitung kostenpflichtig oder kostenlos ist!
Und es gilt auch für Übersetzungen – eine Übersetzung ist eine Bearbeitung und die bedarf in jedem Fall der Zustimmung des Urhebers, sofern man sie nicht ausschließlich für sich selbst anfertigt.

Eine Ausnahme bildet die sogenannte Privatkopie – das ist aber kein Freibrief für hemmungsloses Scannen! Eine Privatkopie darf nur im engsten Kreis weitergegeben werden, nicht an flüchtige Bekannte. D.h. ich darf für meine liebe Freundin oder für meine Mutter durchaus eine Anleitung kopieren, nicht aber für die Frau, die ich nur aus einem Internet-Forum kenne oder für meine Supermarkt-Verkäuferin, mit der ich gelegentlich mal einen Schnack halte und die neulich meinen neuen Pullover so schön fand.

Was man auch darf: Einen kurzen Abschnitt einer Anleitung zitieren (mit Quellenangabe), weil man sie z.B. nicht versteht und in einem Forum um Hilfe bittet.

Völliger Blödsinn dagegen ist die Annahme, daß man bei einem Foto, das man selbst von seinem Strickstück gemacht hat und das nach einer Anleitung entstanden ist, die Quelle, sprich das Modell und den Designer angeben muss. Dazu gibt es keine rechtliche Verpflichtung! Natürlich macht man das gerne als Service für andere, weil die das Stück eventuell auch nachstricken möchten, aber man muss es nicht.

Auf ein Foto, das man selbst gemacht hat, hat man auch selbst das Urheberrecht, egal was darauf abgebildet ist.
Ausnahme: Man darf natürlich keine Anleitung oder Fotos fotografieren, dann wäre es ja wieder eine unerlaubte Kopie.
Zweite Ausnahme: Wenn ich Personen fotografiere, müssen die mit einer Veröffentlichung des Fotos einverstanden sein -> Recht am eigenen Bild
Ausnahme von der Ausnahme: Fotos von Personen z.B. bei Stricktreffen oder Messen, die ich nicht direkt fotografiert habe, sondern die zufällig mit auf dem Bild sind. Hier brauche ich keine Zustimmung der abgebildeten Personen.

2. Strickdesigns

Was dagegen nicht urheberrechtlich geschützt ist -und das wird viele erstaunen- ist das Design eines Strickstückes! Sehr gut beschrieben kann man das hier unter Punkt 1 nachlesen.

Höchst lächerlich finde ich übrigens, daß ein Shop, der Farbverlaufsgarne aus mehreren Einzelfäden zusammenspult, auf die Zusammenstellung der Farben einen urheberrechtlichen Schutz beansprucht – das ist natürlich hanebüchener Blödsinn, denn die “Schaffenshöhe” dürfte hier wohl kaum hoch genug sein, damit die Zusammenstellung als schützenswerte Kunst durchgeht :grin:

Mode-/Strickdesign kann man allerdings als sogenanntes eingetragenes Geschmacksmuster schützen – man kann ein spezielles Design national oder international eintragen lassen, was natürlich mit Kosten verbunden ist, die aber gar nicht so furchtbar hoch sind. Damit ist das Design dann 5 Jahre, mit kostenpflichtigen Verlängerungen bis zu 25 Jahre vor Nachahmungen geschätzt.
Allerdings wird das kaum ein Strickdesigner machen, weil es sich in der Regel nicht lohnt. Und bei der Eintragung wird nicht geprüft, ob die Voraussetzungen für ein schützenswertes Design, nämlich „Eigenart“ und „Neuheit“ überhaupt erfüllt sind. Es kann also passieren, daß man einen Nachahmer verklagt und das Gericht dann feststellt, daß das Design ohne nichts Besonderes ist und damit gar keinen Schutz genießt.

Einen weiteren Schutz bietet das Gemeinschaftsgeschmacksmuster nach EU-Recht, das automatisch entsteht und keiner Eintragung bedarf. Ich zitiere: “Das Gemeinschaftsgeschmacksmuster schützt die eigene Modeschöpfung aber nur dann vor der Nachahmung, wenn das Produkt die Voraussetzungen der „Eigenart“ und „Neuheit“ erfüllt. Eigenart hat die Modeschöpfung, wenn eine modeinformierte Person sie als etwas bisher nicht dagewesenes wahrnimmt („Aha-Effekt“). Das Modeprodukt gilt als neu ab dem Zeitpunkt, zu dem es erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde – ab diesem Zeitpunkt läuft die dreijährige Schutzfrist”.

Im Klartext: Die Stino-Socke, der glatt rechts-RVO oder die Jacke mit schlichtem Zopfrippenmuster dürften kaum Gemeinschaftsgeschmacksmusterschutz genießen. Bei vielen anderen Strickmodellen ist es zumindest zweifelhaft, ob wirklich die Voraussetzungen “Eigenart” und vor allem “Neuheit” erfüllt sind, denn es gibt ja beim Stricken kaum noch ein Design, was nicht so oder so ähnlich schon mal dagewesen ist.
Und der Schutz gilt auch nur drei Jahre ab Erstveröffentlichung, danach kann man hemmungslos abkupfern. Anständig wäre das natürlich nicht, aber rechtlich nicht zu beanstanden.
Vorsicht: Die Frist beginnt ab dem Zeitpunkt, wo ich das Design zum ersten Mal der Öffentlichkeit zeige. Sprich: Wenn ich heute ein neues Modell zeige, die Anleitung aber z.B. aus Zeitmangel erst einen Monat später veröffentliche, beginnt die Schutzfrist bereits ab dem Tag, an dem ich das Modell gezeigt habe, ich verliere in diesem Beispiel also einen Monat.

Ein letzter Schutz kann sich schließlich noch nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ergeben. Dieses Gesetz sieht geringere Anforderungen an die „Eigenart“ der Modeschöpfung vor, dafür setzt es aber voraus, dass das Modell bereits einen hohen Bekanntheitsgrad bei den Endkunden hat. Das dürfte z.B. auf den Hitchhiker zutreffen :grin: Der Schutz nach dem UWG gilt allerdings auch nur für eine Saison, was 6 – 12 Monate bedeutet. Danach stehen den Nachahmern Tür und Tor offen…

In dem Zusammenhang auch interessant: Angenommen, ich habe einen Pullover nach einer Anleitung aus dem Jahr 2005 gestrickt und zeige den in einem Forum. Das Modell ist toll und natürlich wird gefragt, woher man die Anleitung bekommt. Leider ist das Heft aber schon lange vergriffen. Natürlich darf ich die Anleitung dann nicht kopieren und weitergeben.
Aber wenn ich sie in meinen eigenen Worten aufschreibe, selbst eine Strickschrift und einen Schnitt zeichne, Fotos von meinem eigenen Strickstück dazu mache und das Ganze dann veröffentliche, kann mir theoretisch keiner was. Allerdings sollte sich die Neuversion der Anleitung deutlich vom Original unterscheiden.
Ob man sich die Mühe allerdings wirklich machen will, muss jeder für sich entscheiden. Ich würde immer erstmal beim Verlag anfragen, die sind oft sehr entgegenkommend und schicken eine Kopie der Anleitung. Und oft bekommt man ja das Heft oder Buch auch noch bei Ebay, wenn man ein wenig Geduld bei der Jagd hat.

3. Wann ist ein Design überhaupt ein eigenes Design?

Wo hört das Abkupfern auf, ab wann ist es eine eigene Schöpfung?

Ich denke, fast alle Designer lassen sich in der einen oder anderen Weise von Modellen anderer Designer inspirieren, oft geschieht das auch unbewußt. Es geht die ungeschriebene Regel um, daß 30% der designgebenden Elemente unterschiedlich sein müssen. Das halte ich zum einen für ein Gerücht und zum zweiten dürften diese 30% auch in vielen Fällen schwer zu bestimmen sein. Im Zweifelsfall würde ein Richter entscheiden – und meines Wissens gibt es dafür bisher keinen Präzedenzfall, zumindest nicht im Handstrickbereich.

Hier würde ich mich einfach auf meinen gesunden Menschenverstand verlassen und auf mein Gewissen hören. Wenn mein Modell objektiv betrachtet genug Eigenart aufweist, um sich klar von einem anderen Modell zu unterscheiden und ich zudem mit gutem Gewissen behaupten kann, daß ich die Idee selbst hatte und allenfalls das eine oder andere hübsche Element von einem anderen Design übernommen habe, dann ist das mein Design.

Dann gibt es da noch den schönen Begriff der unabhängigen Parallelschöpfung. Sprich, wenn zwei Designer unabhängig voneinander auf die gleiche Idee gekommen sind, kann keiner dem anderen etwas. Der Nachweis, daß einer vom anderen geklaut hat, dürfte bei Strickdesigns in vielen Fällen nur schwer zu erbringen sein.

Es gibt übrigens auch keinen Schutz für Strickmuster, wie man sie in Musterbüchern findet. Schließlich sind diese Mustersammlungen genau dafür zusammengestellt worden, daß man sie in eigenen Modellen verwendet. Foto, Text und Strickschrift sind natürlich urheberrechtlich geschützt (man darf z.B. nicht einfach die Strickschrift scannen und sie in der eigenen Anleitung verwenden), nicht aber das Muster selbst.
Abgesehen davon dürften fast alle Strickmuster schon seit Jahrzenten, wenn nicht gar seit Jahrhunderten bekannt und verwendet worden sein, so daß eine Urheberschaft ohnehin nie feststellbar wäre.

4. Gewerbliches Nacharbeiten

Abschließend noch ein paar Worte zum dem berühmten Satz “gewerbliches Nacharbeiten nicht gestattet“, der unter fast jeder Anleitung steht. Welche rechtliche Grundlage hat dieses Verbot?

Anleitungen werden zum Zwecke des Nacharbeitens erstellt. Rechtlich ausgedrückt: Der Rechteinhaber erteilt mir mit dem Verkauf der Anleitung (oder der kostenlosen Zurverfügungstellung) das Recht, sein Design zu vervielfältigen, indem ich es nachstricke. Dafür kann er Bedingungen stellen. Allerdings nur im Rahmen und während des Geltungszeitraums der vorgenannten Schutzrechte, nämlich entweder als eingetragenes Geschmacksmuster (max. 25 Jahre, dann müsste es aber bei der Anleitung vermerkt sein, daß es eingetragen ist) oder als Gemeinschaftsgeschmacks-muster (3 Jahre) oder nach dem UWG (6 – 12 Monate).

D.h. spätestens drei Jahre nach der Erstveröffentlichung darf ich gewerblich nacharbeiten, soviel ich will, wenn es kein eingetragenes Geschmacksmuster ist.
Daß man damit im Bereich Handstricken ohnehin auf keinen grünen Zweig kommt, weil Arbeitsaufwand und erzielbarer Verkaufspreis in keinem annehmbaren Verhältnis stehen, steht auf einem anderen Blatt.

Sehr vorsichtig sollte man allerdings immer bei der Verwendung von Elementen einer Marke sein (z.B. Logo des Lieblings-Fußballvereins, Comicfigur). Eingetragene Marken genießen einen hohen Schutz und es kann ein teurer Spaß werden, Strickstücke zu verkaufen, die Markenrechte verletzen (siehe die Geschichte mit der Wolfspfote).

Knitter’s Magazine Spring 2013

Gestern schon bei mir im Briefkasten:

Das Top finde ich ganz hübsch, würde es allerdings mit Ärmeln machen:

Das Titelmodell gefällt mir auch gut – auch hier würde ich Ärmel dran machen, denn meine schwabbeligen Oberarme muss ich wirklich nicht mehr öffentlich zeigen :wink:

Hat auch was – das Muster gibt es übrigens als Schal-Version “Red Zebra” zum kostenlosen Download (Registrierung erforderlich):

Hier ist die Vorschau ungeschickt, weil man den schönen Pullover kaum erkennen kann:

Der sieht nämlich so aus – mir gefällt er gut und er ist bestimmt sehr abwechslungsreich zu stricken:

Die komplette Vorschau könnt Ihr hier angucken.

In Deutschland demnächst erhältlich bei Martina oder als digitale Version bei Zinio.