Monats-Archive: April 2013

DSDSSV – Melanie Berg aka Mairlynd

Melanie kennt Ihr vielleicht schon aus dem letzten Adventskalender, für den sie einige Anleitungen gestiftet hat. Ich freue mich sehr, daß sie nun auch bei der Portrait-Serie mitmacht:

Meine erste Erinnerung an Nadeln und Wolle ist, wie ich als Kind Meter um Meter an Luftmaschenschlangen produzierte. Garn hatten wir immer im Haus, da meine Mutter damals noch viel strickte, und ich verbrachte wirklich viel Zeit damit. Doch irgendwann wurde es mir wohl doch zu langweilig, oder vielleicht wusste ich auch nicht mehr, wohin mit all den Häkelschnüren…

Ein paar Jahre später brachte mir meine Mutter bei, wie man rechte und linke Maschen strickt und so fertigte ich einen Schal für einen Freund an. Aus zwanzig verschiedenen Garnstärken und Qualitäten, und natürlich rollte er sich wie verrückt. Ich muss es dem Empfänger wohl hoch anrechnen, dass er das scheußliche Teil tatsächlich getragen hat…

Wiederentdeckt habe ich das Stricken dann erst kurz nachdem meine erste Tochter zu Welt kam. Wie so viele Frauen – irgendwie scheinen kleine Kinder da einen Instinkt in uns zu wecken und wir wollen etwas mit unseren Händen schaffen, behüten, warm und weich einpacken. Jedenfalls stürzte ich mich mit viel Begeisterung und Liebe in dieses neue Hobby und steckte jede freie Sekunde hinein.

Inzwischen haben wir drei kleine Kinder und dementsprechend gering ist die Anzahl meiner freien Sekunden, aber trotzdem versuche ich so viel Zeit wie möglich fürs Stricken und Designen zu erübrigen.

Ich liebe es, eine Idee zu entwickeln – vom ersten Gedanken, der erst noch eine Weile im Kopf hin- und hergeschoben werden muss, von ersten Zeichnungen oder kleinen Musterstückchen, Garn- und Farbwahl bis schließlich richtig angeschlagen werden darf und ein neues Projekt langsam wächst.

So viele Menschen wollen immer wissen, wo die Inspiration dazu herkommt. Von überall! Ich sehe irgendwo eine tolle Farbkombination, oder die Art, wie eine Decke Falten wirft, oder wie ein Gegenstand einen Schatten auf den Boden wirft, und natürlich betrachte ich aufmerksam die Menschen unterwegs. Manches behalte ich im Gedächtnis, und wenn ich eine Idee besonders toll finde, versuche ich sie schnell zu skizzieren.

Vieles verwerfe ich auch wieder, so wie beispielsweise die Idee, 1200m Alpaka Lace in einen I-Cord zu verwandeln, um daraus dann einen Cowl zu stricken. Den hätte ich dann iCowl genannt. Tja, immerhin der Name hatte was :grin: (Anmerkung der Redaktion: 1200 m Lace zu einem I-Cord verarbeiten? :shock: Nach wie vielen Gläsern Rotwein kommt man denn auf so irrsinnige Ideen? :mrgreen:

Manche Anleitungen schreibe ich erst einmal auf, ehe ich stricke, zumindest im Groben, andere widerum notiere ich während des Strickens und ganz selten stricke ich auch erst einmal komplett fertig und notiere dann erst – aber das birgt natürlich die Gefahr, dass man nachher eben doch nicht mehr so haargenau weiß, was man da gemacht hat…

Ich mag einfache Designs – das liegt vermutlich daran, dass ich abends, wenn die drei Kleinen im Bett sind, nicht mehr viel Konzentration übrig habe für komplizierte Charts und tausend Zahlen. Trotzdem soll es nicht langweilig werden: Ein Strickstück mit dem besonderen Pfiff, einem interessanten Detail oder cleverer Konstruktion, dabei aber leicht nachzustricken – das finde ich klasse.

Ich bin verliebt in Tücher und Handstulpen. Ich mag es, wie man langweilige Outfits damit ein bisschen aufpeppen kann und dass man beides zu (fast) jeder Jahreszeit tragen kann. Und ich liebe es, neue Techniken zu lernen und auszuprobieren. Und seien wir mal ehrlich – man lernt wirklich nie aus, oder? Aber mit Ravelry, wo ich sehr aktiv bin, und vielen anderen tollen Seiten im Internet steht einem ja ein wahrer Wissensschatz zur Verfügung, in dem man sich richtig austoben kann.


(Copyright Foto: Carrie Bostick Hoge)

Es ist gar nicht übertrieben, wenn ich sage, dass Ravelry mein Leben ziemlich verändert hat. Ich habe so viele tolle Strickerinnen kennengelernt, quer verteilt über den ganzen Globus, ich habe so viel Neues gelernt, habe mir ein nebenberufliches Standbein aufgebaut und freue mich jeden Tag, dass ich ein Teil von dieser tollen Community sein darf und so viele schöne Projekte und Ideen sehen kann. Es ist schön, dass ich mit meinen Designs ein bisschen dazu beitragen kann!

Danke, liebe Tina, für diese tolle Serie! Ich möchte unbedingt noch ganz viele weitere Portraits deutscher Strickdesigner lesen, also los – traut Euch! :)

Melanies Website: www.mairlynd.de
Bei Ravelry: www.ravelry.com/designers/melanie-berg
Melanies Gruppe bei Ravelry: www.ravelry.com/groups/designs-by-melanie-berg

Novembermorgen – Fortschrittsfoto

Im Pullunderstadium schon mal ganz nett – die Taillierung sieht im liegen etwas seltsam aus, sitzt aber angezogen genau richtig:

Das Gerolle am unteren Rand sollte sich nach dem Waschen geben…hoffentlich…

Eigentlich wollte ich die Ärmel mal von oben anstricken, aber irgendwie mag ich es nicht, wenn das Hebemaschenmuster auf dem Kopf steht (obwohl das vermutlich keiner außer mir sehen würde). Also doch wieder same procedure as every…ähhh…Pullover :wink:

Die Contiguous-Methode

Ihr wisst ja, daß ich nicht gerne von oben stricke, aber die Contiguous-Methode finde ich trotzdem sehr interessant.

Leider gab es bisher noch keine deutsche Übersetzung der Anleitung – das habe ich (mit einem kleinen Anschubser seitens Gabi) nun geändert :grin: Die australische “Erfinderin” (soweit man beim Stricken überhaupt noch etwas Neues erfinden kann) Susie Myers hat mir freundlicherweise die Erlaubnis dazu gegeben – thank you, Susie!

Die deutsche Version wird in Kürze auch auf der Pattern-Seite bei Ravelry als Download verfügbar sein, alternativ könnt Ihr sie hier herunterladen.

Tja, und während ich diesen Blogbeitag schreibe, entdecke ich gerade, daß Petra längst einen kostenlosen Workshop auf deutsch dazu geschrieben hat – das hätte mir Susie ja auch mal sagen können, dann hätte ich mir die Mühe sparen können…

Was mir an dieser Methode nicht so gut gefällt sind die Löcher, die durch die Zunahmen in jeder Reihe entstehen. Je lockerer das Gestrick, um so löcheriger wird es. Hier ist ein schöner Vergleich der Optik, die bei verschiedenen Zunahmemethoden entsteht. Ich habe daher mal ein bisschen herumexperimentiert und eine Lösung gefunden, die auch die Zunahmen in den Rückreihen vermeidet. Wenn mann nämlich nur in jeder 2. Reihe zunimmt, aber dafür je 2 Maschen links und rechts der Schulternaht, werden die Löcher deutlich kleiner – oberhalb der roten Linie ist meine Variante zu sehen:

Der “Trick”: Man markiert 4 Mittelmaschen anstatt nur 2. Bis zum Marker stricken, linksgerichtet “russisch“zunehmen, 1 M re, rechtsgerichtet “russisch” zunehmen, 4 M re, linksgerichtet “russisch”zunehmen, 1 M re, rechtsgerichtet “russisch” zunehmen. In der Rückreihe einfach linke M stricken.

Die entstehende Formgebung ist trotzdem die gleiche:

Deutsche Anleitungen mit dieser Schulter/Ärmelvariante gibt es bisher nur wenige – bei Ravelry habe ich genau sieben Stück (+ Petras Workshop) gefunden.

Darunter die bekannte Elfe von Astrid Schramm:

Emily von Vera Sanon finde ich auch sehr hübsch:

Auf englisch ist die Auswahl deutlich größer. Fallmasche z.B. entwirft auch viele Contiguous-Designs, schreibt aber seltsamerweise ihre Anleitungen nur auf englisch, obwohl sie in Deutschland lebt.

Kim Hargreaves “Spirit”

Hui – bis jetzt 90 Kommentare und gestern ein neuer Besucherrekord mit 9.997 Besuchern – das Thema nähen oder nicht nähen stößt offensichtlich auf großes Interesse. Vielen Dank für Eure interessanten Diskussionsbeiträge! Von Bauchgefühl her würde ich sagen, die Vorlieben sind relativ gleichmäßig verteilt: Ein Drittel bervorzugt Nähte, ein Drittel nahtlos und das restliche Drittel macht es mal so und mal so.
Ich habe mir jetzt vorgenommen, bei meinem aktuellen Pullover probehalber die Armkugeln von oben gleich anzustricken – mal gucken, wie das wird und ob mir das Spaß macht. Ich werde sie aber trotzdem flach stricken :wink:

Nun aber wieder zu einer Designerin, die vorwiegend Modelle mit Nähten herausbringt – Kim Hargreaves’ neues Buch “Spirit” ist gerade online gegangen:

Die Modelle sind schön wie immer – aber leider sehen sie auch aus wie immer :? Irgendwie habe ich das Gefühl, sie nimmt bei vielen Sachen einfach ihre alten Modelle und verändert -wenn überhaupt- nur Kleinigkeiten. So hübsch wie die Sachen auch sind – das ist langweilig und dafür brauche ich das Buch auch nicht zu kaufen, ich habe ja fast alle älteren Bücher von ihr.

Kleines Beispiel gefällig? “Bright” aus dem neuen Buch Spirit (ich musste es überzogen scharf machen, damit man es erkennt):

… und “Wisdom” aus Cherished – die Modelle sind bis auf die andersfarbig abgesetzen Tascheninnenseiten und Ärmelkanten identisch:

Aber hübsch sind die Sachen im neuen Buch dennoch:

Wer mit Kim Hargreaves-Büchern also noch nicht so gut ausgestattet ist, findet in Spirit zahlreiche hübsche Modelle, die auch in vielen Jahren noch tragbar sein werden. Alle enthaltenen Designs könnt Ihr hier angucken. Zur Direktbestellung in GB bitte hier entlang.

Wer es lieber auf deutsch haben möchte, muss noch ein Weilchen warten – ihre neuen Bücher kommen nach ein paar Monaten dann auch mit deutscher Übersetzung in den Handel.

k.o.-Kriterium Nähte?

In den letzten Jahren kommen immer häufiger Anleitungen auf dem Markt, die nahtlos und bevorzugt von oben gestrickt werden (Stichworte: RVO, contiguous shoulder u.ä.). Ich habe sogar den -allerdings rein subjektiven- Eindruck, daß diese Anleitungen deutlich beliebter sind und häufiger nachgearbeitet werden als solche, die in Einzelteilen gestrickt und zusammengenäht werden.

Ich selbst bevorzuge dagegen flaches Gestrick mit Nähten:

  • Ich mag nicht gerne rundstricken, erst recht keine kleinen Umfänge wie Ärmel (ich bin wesentlich schneller, wenn ich flach stricke).
  • Ich finde ein Strickstück von unten viel einfacher zu berechnen, unter anderem weil ich da in der Regel keine Maschenprobe zu machen brauche (ich weiß aus Erfahrung, wieviele Maschen ich bei welcher Nadelstärke für meine Größe brauche).
  • Ich überlege mir den Halsausschnitt und den Kragen oft erst später.
  • Ich finde, daß Abnahmen meistens schöner und ordentlicher aussehen als Zunahmen, vor allem bei einem Raglan.
  • Ich messe lieber, als alle naslang anzuprobieren.
  • Ich mag Nähte (ich bilde mir ein, daß sie für einen besseren Sitz sorgen) und habe auch keine Abneigung gegen das Zusammennähen.

Ich würde sogar soweit gehen, und ein nahtlos von oben gestricktes Teil in ein von unten gestricktes mit Nähten umzubauen. Mit dieser Vorliebe scheine ich aber offenbar immer mehr allein auf weiter Flur zu stehen.

Daher würde mich mal interessieren, welche Konstruktion Ihr bevorzugt. Von oben, von unten, mit Nähten, ohne Nähte?
Oder ist es Euch egal und Ihr strickt, wie es gerade daher kommt?
Ist womöglich für die Nahtlos-Bevorzuger ein Modell, das in Einzelteilen daher kommt, sogar inakzeptabel und Ihr würdet so eine Anleitung nicht kaufen?
Oder baut Ihr Euch die Anleitung einfach um?

Seht in der der nahtlosen (von oben-)Konstruktion noch andere Vorteile außer der Nahtfreiheit und der Möglichkeit, zwischendurch anzuprobieren?

Verena Sommer 2013

Ab morgen ist sie im Handel – und da auf der Website immer noch keine Vorschau ist, muss ich wohl mal wieder ran :wink: Abonnenten finden aber auf der Club-Seite schon das komplette Heft samt Anleitungen.

Nachdem ich ja unlängst so über die Modelle in deutschen Strickzeitschriften genörgelt habe, ist dieses Heft -vor allem für eine Sommerausgabe- erstaunlich gut gelungen, finde ich. Gut, die meisten Modelle würde ich weder stricken noch anziehen, das liegt aber an meinem persönlichen Geschmack und Stil, nicht an den Modellen selbst. Denn da sind wirklich nette Sachen dabei. Das Coverensemble (“Sofia” von Elisabeth Plauert) finde ich sehr gut gewählt – schönes Design, schöne Farben, rundum sommerlich.

Erste Thema im Heft ist “Summer Darks – Farben wie reife Somerfrüchte”.

Das Top “Adamina” von Claireline Cheveaux finde ich interessant:

Das Kleid “Marzia” von Wilma Sinsel ist bezaubernd, oder?

Weiter geht es mit “Alles Top! – Die Everyday-Sommerfavoriten”.

“Tamara” ist ein hübsches schlichtes Shirt von Evelyn Hase – aber wahrscheinlich mit der Anweisung ans Model: “halt mal den Arm unten vor dem Rand, damit man nicht so sieht, daß der umklappt”:

Das Top “Jacintha” von Ursula und Melanie Marxer ist im Heft mal wieder schrecklich klein abgebildet – nicht mein Stil, aber nett:

Noch ein Marxer-Modell – “Beldina” hat was, das mag ich leiden:

Carolin Schwarberg (oder ihre Strickerin) präsentiert am Shirt “Garda” einen sehr schön sauber ausgearbeiteten Armausschnitt:

Als nächstes folgt “Showtime – Pastells mit Glamour”.

Bei der Jacke “Mila” könnte ich mir vorstellen, daß die viel nachgearbeitet wird. Schade bloß, daß sie nur in Gr. 38/40 berechnet ist, gerade dieses Modell eignet sich bestimmt auch sehr gut für üppigere Figuren:

Mein Lieblingsmodell “Cara” – die Jacke finde ich wunderschön, auch die Farbkombination. Nur die Blende würde ich nicht überzipfeln lassen, sondern bündig mit dem Rest abschließen:

Zipfel ziehen sich sowieso durch das ganze Heft – bei diesem Modell “Brittany” aus dem Hause Monika Design könnte man sie auch prima weglassen und hat dann eine ganz schlichte Jacke für alle Gelegenheiten:

Das Designerportrait ist in dieser Ausgabe von Daniela Johannsenova, vielen besser bekannt als Frau Maschenkunst. Ihre Exklusivmodelle gefallen mir auch sehr gut – der grüne Pullover ist mein zweites Lieblingsmodell in diesem Heft und das einzige, das ich komplett unverändert nachstricken würde:

Es folgt “Auffallen garantiert! – …denn Chic liegt im Detail”.

Schon wieder Zipfel :grin: (und schon wieder Marxer) Modell “Adèle”:

Das halte ich nun aber für komplette Platzverschwendung: Zu jedem Modell dieser Strecke gibt es eine Seite mit Detailfotos. Aber immer nur zwei, die anderen beiden Fotos zeigen die Landschaft, Schuhe, Accessoires… Was soll das? Da hätte man doch lieber noch zwei weitere Fotos des Strickstücks zeigen können, schließlich ist das eine Strickzeitschrift, da will ich möglichst viel vom Modell sehen. Die Schuhe sind mir genauso schietegal wie Blumen oder Steine am Strand. Die Fotos sind zwar passend und stimmungsvoll kombiniert, aber meiner Meinung nach völlig überflüssig.

“Nesrine” – Rowan’sche Rosen von Marie Wallin:

Wie meine Oma immer sagte: “Auch ein Rücken kann entzücken” :wink: Das Kleid “Samia” ist von Anna Maria Busch:

Das letzte Erwachsenen-Thema ist “Desert Rose – Edle Wüstensandfarben im neuen Look”

Da haben wir es wieder – eine ganze Seite Platz und der Pullover ist kaum erkennbar, weil er winzig klein abgebildet ist. Warum???

Erst ein Scan mit hoher Auflösung bringt das interessante Muster von “Nyah” zum Vorschein (Design Lisa Richardson):

In der Wüste ist es frühmorgens a….kalt – da braucht man auch mal was Warmes zum anziehen (“Jalia” von Wilma Sinsel):

Die Kindersachen sind für mich in der Regel uninteressant – aber die Jacke “Lenette” von Evelyn Hase finde ich ausgesprochen süß, die könnte ich mir auch in groß vorstellen (sogar mit den Blümchen):

Fazit: Ein gelungenes Sommer-Heft  – viel besser als die Frühjahrsausgabe, meiner Meinung nach.

Von mir ist diesmal übrigens nichts drin (außer der Kolumne natürlich, die ist Pflicht), die Modelle für Frühling und Sommer müssen zur gleichen Zeit gearbeitet werden, und mehr als ein Modell zu stricken, würde in unglaublichen Streß ausarten. Außerdem will ich dieses Jahr mehr Modelle auf eigene Faust veröffentlichen, ich habe so viele Ideen auf Lager, die ich endlich mal umsetzen möchte.