Einfach mal drauflos stricken… Teil 2

Die 39 cm sind erreicht, nun geht es an die Armausschnitte.

Die Messung hat ergeben, daß die gewünschten 39 cm Schulterbreite 110 M entsprechen. 161 M habe ich, also muss ich natürlich auch eine ungerade Maschenzahl übrig behalten und runde daher auf 109 M ab. Demzufolge sind 52 M abzunehmen, genau wie ich gestern anhand der Maschenprobe errechnet habe.

IMG_3696

Theoretisch dürfte es da ja auch nie eine Abweichung geben, aber es gibt durchaus nicht wenige Strickerinnen, bei denen die Strickfestigkeit von der Tagesform abhängig ist und da kann es immer mal zu unterschiedlichen Maschenproben innerhalb eines Strickstücks kommen. Da muss man dann die Maschenprobe an mehreren Stellen auszählen und einen Durchschnittswert für die Berechnungen zugrunde legen.
Oder man hat ein gute Laune-Projekt, ein schlechte Laune-Projekt, ein „ich bin total müde, will aber noch nicht ins Bett“-Projekt usw. 😉

Bei 52 insgesamt abzunehmenden Maschen ergeben sich 26 pro Seite. Mein Abnahmeschema für den Armausschnitt ist immer gleich, bloß die Maschenzahlen variieren: Zuerst x M abketten, dann x mal in jeder R (also auch in den Rückreihen), x mal in jeder 2. R und x in jeder 4. R je 1 M abnehmen.

Für das erste x, also die Zahl der abzukettenden M, nehme ich normalerweise zwischen 1/3 und 1/2 der Gesamtabnahme, in diesem Fall also 12 M. Das zweite x sollte eine ungerade Maschenzahl sein, damit ich die darauffolgenden Abnahmen in jeder 2. bzw. 4. R in den Hinreihen machen kann (was aber eigentlich nicht zwingend notwendig ist, ist nur Macht der Gewohnheit). Die letzte Abnahmen sind bei mir (fast) immer 3 x in jeder 2. R und 2 x in jeder 4. R, also insgesamt 5. Von 26 M gehen 12 und 5 ab, verbleiben für die Abnahmen in jeder R also 9.

Die Abnahmen arbeite ich immer 2 M vom Rand entfernt, in musterbedingten Ausnahmefällen nur 1 M vom Rand weg. Bei 2 M Abstand werden die Ränder in bisschen schöner, finde ich.

Die Randmaschen sieht man übrigens auf dem Bild nicht, die sind nach hinten weggeklappt:

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Früher habe ich die Abnahmen immer so gemacht, daß die Neigung der Rundung folgt, mittlerweile stricke ich sie aber oft auch entgegengesetzt, weil ich es ganz schön finde, wenn da nicht dieser „Streifen“ entsteht. Das ist aber reine Geschmackssache und kommt oft auch auf das Muster an.

Wenn die Abnahmen der Rundung folgen sollen, wird am Reihenanfang eine nach links geneigte Abnahme gestrickt (SSK bei re M, 2 M li zus.str. bei li M), am Reihenende eine nach rechts geneigte Abnahme (2 M re zus.str. bei re M, SSP bei li M). Will man es gegenläufig haben, macht man es genau umgekehrt.

Dadurch, daß immer nur eine Masche abgenommen wird und diese etwas vom Rand entfernt ist, ergibt sich eine stufenlose Rundung, die sich später sehr gut zusammennähen lässt und aus der sich auch im Fall von z.B. Halsausschnitten sehr leicht und sauber Maschen aufnehmen lassen. In den meisten Anleitungen gibt es leider immer noch stufige Abnahmen, die ersetzte ich grundsätzlich durch meine stufenlosen.

IMG_3698

Nun geht es weiter gerade hoch und währenddessen überlege ich mir, ob ich die Musterung des unteren Teils und ggf. den dunkelroten Streifen in der Schulterpartie nochmal wiederhole

9 comments for “Einfach mal drauflos stricken… Teil 2

  1. Doris
    26. November 2015 at 14:26

    wieder etwas dazu gelernt.
    Ich habe bisher immer anfänglich 3/4/5 Maschen-je nach Garndicke- abgenommen und dann nochmals in den Folgereihen jeweils 2, das vielleicht 2-3 mal und erst später folgten dann 1 Masche. Und immer gleich vom Rand weg. Deine Art gefällt mir sehr gut.
    Daran versuche ich beim nächsten Pulli,Jacke zu denken.
    Danke

    Gruß Doris

  2. heide0271888y
    26. November 2015 at 14:33

    Hallo, Martina,

    das sieht schon echt stark aus. Super.

    Grüße an die Küste, Heide.

  3. Susl
    26. November 2015 at 14:50

    danke für deine erklärung. wieder was gelernt.

    bin schon gespannt, wie es weitergeht.

  4. Sissi
    26. November 2015 at 15:52

    Hallo Tina!
    Das ist für mich der interessanteste Teil, weil meine größte Schwachstelle; aber auch ich habe in der Zwischenzeit schon dazu gelernt und schon ein paar „ordentliche“ 😀 Armausschnitte hinbekommen; auch dank Deiner Hilfe!!! Vielen Dank an dieser Stelle!!!
    glg Sissi

  5. Andrea
    26. November 2015 at 17:35

    Hallo Tina,

    schön wieder von Dir zu hören.
    Auch ich bin von Deiner Methode ganz begeistert. Werde ich demnächst gleich mal ausprobiern.
    Das sieht so schön sauber gearbeitet aus.
    LG Andrea

  6. Gaby
    26. November 2015 at 18:15

    Super, auch alte Hasen wie ich lernen immer noch dazu. Danke. Und schön, dass Du wieder öfter hier bist.

    LG Gaby

  7. yara
    27. November 2015 at 11:18

    Liebe Tina,

    ich verstehe nicht ganz, wie Du im ersten Schritt auf 12 M, die abzunehmen sind, kommst. 1/3 von 26 M sind gerundet 9 M, 1/2 sind 13 M. Warum nimmst Du dann 12 M? Hängt das mit den folgenden Abnahmen zusammen?

    Liebe Grüße
    yara

  8. Renate
    27. November 2015 at 18:26

    Hallo Tina,
    ich will ja nicht meckern, aber ehe das jemand so nacharbeitet, wäre eine Klarstellung bzw Präzisierung nützlich:
    „am Reihenende eine nach rechts geneigte Abnahme (2 M re zus.str. bei re M, SSP bei li M)“
    Das Gegenstück zu K2TOG wäre hier nicht SSP sondern P2TOG… Das Gegenstück zu SSK ist SSP. Das verwirrt mich jetzt etwas, oder habe ich Dich nur missverstanden? Bestimmt!
    Ich gebe zu, ich stricke meistens nur Tücher, allerdings, wenn man da mit „True Lace“ arbeitet, muss oberhalb eines SSK an der selben Stelle der Folgereihe ein SSP folgen, sonst sieht’s verhauen aus…

    LG

    Renate

    • Tina Hees
      28. November 2015 at 12:48

      Das ist ein kleines Missverständnis Deinerseits.

      Was Du meinst, ist daß ein SSK auf der Rückseite einem SSP entspricht (und K2TOG gehört zu P2TOG), das sind wir uns völlig einig.

      Ich habe die Abnahmen aber nach ihrer Neigung sortiert und nach Reihenanfang und Reihenende. Somit gilt das immer, egal welches Muster man strickt.

      Wenn Du bei einem Tuch an einer Stelle einen SSK (nach links geneigt) strickst, musst Du darüber auf der Rückseite einen SSP stricken, der ist aber nach rechts geneigt, damit er auf der Vorderseite nach links geneigt ist und somit in die gleiche Richtung wie der SSK läuft.

      Beim Pullover genauso: Wenn ich am Reihenanfang einen SSK habe, muss ich auf der Rückseite am Reihenende (über dem SSK) einen SSP stricken.
      Und wenn ich am Reihenende K2tog habe, stricke ich am Reihenanfang auf der Rückseite P2tog.

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