Einfach mal drauflos stricken… Teil 3

Ich habe mich für eine Musterwiederholung in der Schulterpartie entschieden, allerdings mit einem schmaleren roten Streifen. Ob das später wirklich gut aussieht oder ob es eventuell „too much“ ist, werde ich sehen, wenn das erste Vorderteil fertig ist. Notfalls kann ich die paar Zentimeter immer noch ribbeln und neu stricken.

Nun geht es aber erstmal an die Schulterschrägungen und den rückwärtigen Halsausschnitt.

Die Breite des Halsausschnitts mache ich immer nach Gefühl, für eine normal breiten Ausschnitt für mich ungefähr 22 cm (ohne Blende). Das entspricht bei meiner MaPro 61,6 M, abgerundet also 61 und es verbleiben für jede Schulter (109 – 61 = 48 : 2 =) 24 M.

Mein Armausschnitt soll 21 cm hoch werden. Den Halsausschnitt beginne ich am Rückenteil meistens 4 Reihen bevor die gewünschte Armausschnitthöhe erreicht ist (= 2 Reihen vor Beginn der Schulterschrägung), da reicht mir normalerweise ein ganz flacher Ausschnitt. Damit er trotzdem ein bisschen Form bekommt, nehme ich in den folgenden beiden Hinreihen am Halsausschnittrand je 1 M ab, wieder 1 bis 2 M vom Rand entfernt und symmetrisch, d.h. auf der einen Halsseite nach links geneigt, auf der anderen nach rechts.

Das bedeutet für meinen insgesamt 61 M breiten Halsausschnitt, daß ich die mittleren 57 M abkette und die verbleibenden 4 M in den nächsten beiden Hinreihen abnehme. Die Abkettkante sollte stabil sein, also schön fest abketten. Das sieht ordentlicher aus und der Ausschnitt bleibt besser in Form. Aber natürlich nicht so fest, daß sich die Kante zusammenzieht.

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Bei sehr halsnahen Pulloverausschnitten muss der Kopf natürlich noch durchpassen, aber das ist normalerweise erst beim Abketten der Ausschnittblende ein Problem und dafür gibt es den sewn bind-off).

Ãœblicherweise kette ich in einer Hinreihe ab und arbeite dann zuerst die (im Tragen) linke Schulter des Rückenteils.

Die Schulterschrägung teile ich immer in 3 möglichst gleiche „Portionen“ auf (wenn sich die Zahl nicht durch 3 teilen lässt, dann z.B. 7, 7 und 8) und arbeite sie mit verkürzten Reihen. In meinem Fall besteht jede Portion aus 24 : 3 = 8 M.

Für die linke Schulter bedeutet das: In der erste Hinreihe nach dem Halsausschnitt bis 8 M vor Reihenende stricken, wickeln, wenden und die Rückreihe stricken. In der nächsten Hinreihe bis 16 M vor Reihenende stricken, wickeln, wenden, Rückreihe. In der nächsten Hinreihe wieder über alle M arbeiten, dabei die Wicklungen mit den umwickelten M zusammenstricken. Die Abnahmen am Halsausschnitt darf man natürlich nicht vergessen, die werden gleichzeitig gemacht. Hier habe ich sie übrigens nur 1 M von Rand entfernt gemacht, damit das Muster nicht unterbrochen wird.

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Abschließend werden die Maschen stillgelegt – sie werden später zusammen mit den Schultermaschen des Vorderteils abgekettet und man hat eine wunderbar saubere und stabile Schulternaht, viel schöner und flacher als eine zusammengenähte.

Die rechte Schulter wird gegengleich gestrickt. Hier muss natürlich in den Rückreihen verkürzt werden, d.h. ich setze den Faden auf der Rückseite neu an, arbeite zwei Reihen und beginne in der folgenden Rückreihe mit den verkürzten Reihen. Dadurch wird diese Schulteseite natürlich eine Reihe länger als die andere Seite, das macht aber nichts. Erstens fällt die eine Reihe Unterschied gar nicht auf und zweitens ist es ja an den Vorderteilen genau umgekehrt (da ist die linke Schulter eine Reihe höher) und gleich sich somit wieder aus.

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Das Rückenteil ist nun fertig und ich kann das erste Vorderteil anschlagen. Hierzu in Kürze mehr.

9 comments for “Einfach mal drauflos stricken… Teil 3

  1. MelanieP
    28. November 2015 at 17:10

    Hallo Tina,

    danke für den wieder ausführlichen Bericht. Ich kann mir Deinen Pulli schon ganz gut vorstellen. Bin gespannt, wie Du Deine Ärmel strickst. Nimmst Du das rote Garn oder das melierte?

    Einen schönen ersten Advent wünsche ich Dir

    LG MelanieP

  2. Mariola
    28. November 2015 at 17:47

    Liebe Tina,

    auch ich möchte mich herzlich für Deine Beschreibungen bedanken! Es macht richtig Spaß mit Dir zusammen zu stricken. Ich verfolge jeden Schritt von Dir und bin überzeugt, dass meine Jacke mir diesmal passen wird. Bis jetzt habe ich sehr viel von Dir gelernt. Vielen, vielen Dank!

    Liebe Grüße aus dem Taunus
    Mariola

  3. Sissi
    28. November 2015 at 18:03

    Hallo Tina!
    Super interessant Deine Schulter – erst dachte ich, wenn Du die M. stilllegst, dann wirst Du sie später mit dem Maschenstich verbinden; aber später zusammen abketten – heißt das, dass Du den three-needle-bind-off machst? Ich hab‘ das übrigens auch schon mal so ausprobiert, aber nach den verkürzten Reihen keine Reihe mehr darüber gestrickt; nachdem ich nicht wickle sondern mit Umschlag nach hinten ziehe, war das dann irgendwie ein wenig schwierig – örks – wieder was dazu gelernt! DANKE!!!
    glg Sissi

    • Tina Hees
      28. November 2015 at 18:59

      Ja, das wird ein 3-needle-bind-off.

      Den Maschenstich würde ich für Schulternähte nicht empfehlen. Bei einem Oberteil hängt das ganze Gewicht des Strickstücks quasi an den Schulterverbindungen, da müssen die schon stabil sein, damit sich im Laufe der Zeit nichts dehnt oder verzieht.

      Abgesehen davon mag ich auch die Optik einer richtigen Naht, für mich sieht das einfach professioneller aus.

  4. Katrin
    29. November 2015 at 11:08

    Die Optik einer „richtigen“ Naht gefällt mir auch besser! 🙂
    Ich habe bisher die Schulterschrägen immer stufenlos abgekettet und anschließend mit dem Maschenstich, den ich aber so fest anziehe, bis eine stabile Naht entsteht, geschlossen.
    Das Ergebnis sieht schön sauber aus und die Naht ist auch deutlich flacher als eine Naht, die man z. B. mit dem Steppstich schließen würde.
    Vom 3-needle-bind-off hatte ich schon vor Jahren gelesen und seitdem würde ich diese Technik auch gerne anwenden, wenn da bei mir nicht immer mal wieder Schwierigkeiten mit den verkürzten Reihen auftauchen würden. Mal sehen Sie sauber aus – mal nicht … :-/ Teilweise liegt es bestimmt auch am Garn – ich würde sagen, mit Baumwolle ist es schwieriger, weil sie eben nicht so elastisch ist.
    Aber es muß auch noch andere Gründe haben. Ich bevorzuge die verkürzten Reihen mit der Wickelmasche oder auch mit der japanischen Wendemasche ( Eunny Jang).
    Vielleicht muß man darauf achten, bestimmte Maschen fester oder auch lockerer stricken?
    Vielleicht hättest Du einen Tip?!

    Liebe Grüße
    Katrin

  5. 29. November 2015 at 12:36

    Moin zusammen,
    es ist doch immer wieder spannend zu sehen, wie andere Strickerinnen arbeiten. Tina, wir machen ziemlich viel auf die gleiche Art und Weise. Doch trotz alledem gibt es Unterschiede.
    Warum hast Du die Maschen vom Halsausschnitt abgekettet und dort nicht auch mit verkürzten Reihen gearbeitet? Hängt das mit der Knopfleiste und dem Schalkragen zusammen? Oder hat es einen anderen Grund?
    Ich habe mir z. B. angewöhnt, beim runden Halsausschnit grundsätzlich mit verkürzten Reihen zu arbeiten. Da entstehen weder Stufen noch Löcher, wenn man in der ersten Reihe die Umschläge entweder mit der vorhergehenden oder nachfolgenden Masche zusammenstrickt.
    Die Schulterpartien arbeite ich ebenfalls mit verkürzten Reihen und stricke dann eine Reihe rüber. Auch hier werden die Umschläge entweder mit der vorhergehenden oder nachfolgenden Masche zusammengestrickt. Je nachdem, wie es maschenkonform am besten hinkommt. Die Schulternähte werden dann mit dem three-needle-bind-off geschlossen. Das sieht nicht nur sauber aus, sondern hält auch.

    LG Sabine

    • Tina Hees
      29. November 2015 at 13:14

      Ich mag einfach die Optik lieber, wenn ich die M abkette. Wenn ich die M für den Halsausschnitt nur stillege (für Freunde der neuen Rechtschreibung: stilllege ;-)) und später die Blende anstricke, gehen die M nahtlos ineinander über. Ich finde es aber in den meisten Fällen schöner, wenn sich da ringsum so eine klar abgegrenzte Linie ergibt.
      Und es ist etwas stabiler.

      Ist aber hauptsächlich eine Geschmackssache.

  6. Irene H.
    30. November 2015 at 11:18

    Hallo,

    das ist ja ein Pullover-Workshop in kurz, da kann man wieder viel lernen!

    Zur Schulterschrägung habe ich noch ein Ergänzung: ich habe gemerkt, dass zumindest bei mir steilere Schrägungen besser sitzen. Seit dem verkürze ich normalerweise jede Reihe um 4 M. Wenn man sich gekaufte „fully-fashioned“-Pullover genau anschaut, sieht man, dass auch da oft mit dieser Rate gearbeitet wird (2 M pro Doppelreihe, aber nur auf einer Seite).

    Für geradere Schultern kann man natürlich eine größere Maschenzahl nehmen. Die Arbeit mit einer festen Maschenzahl hat den Vorteil, dass die Schrägung immer etwa gleich ausfällt – bei einer Dreiteilung oder Vierteilung der Maschenzahl wird die Schrägung bei dünner Wolle ganz gering, bei dicker Wolle viel größer.

    Die Höhe der Schrägung muss man natürlich bei der Gesamtlänge berücksichtigen.

    Noch ein Tipp: je nach Muster kann man über die verkürzten Reihen noch eine Reihe drüberstricken, dann geht das Zusammenstricken einfacher.
    (Das Zusammenstricken der Schulternähte mache ich übrigens seit ca. 1980, seit ich es beim Sockenstricken gelernt habe. Dass das auch Three-Needle-Bindoff heißt, habe ich viel später erfahren).

    Liebe Grüße
    Irene

  7. Doris
    30. November 2015 at 15:10

    also eine Schulterschrägung mit verkürzten Reihen, das habe ich noch nie gemacht. Ob ich mir das auch angewöhnen kann? Immerhin stricke ich seit Urzeiten alles immer mit Abketten und später zusammennähen.
    Aber einleuchten tut mir auf jeden Fall, dass später das gemeinsame Abketten vorn und hinten optisch schöner ist und man hat das nicht mehr das lästige Zusammennähen. Toll!!

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