Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 5: Muster einteilen/Breite

Beim Muster einteilen müssen wir unterscheiden in
1. Muster in der Breite einteilen und
2. Muster in der Höhe einteilen.

1. Muster in der Breite einteilen

Um das Muster Eures Wunschmodells in der Breite an Eure eigenen Maschenzahlen anzupassen, gibt es zwei Wege: Den Rechenweg und den Weg für Faule :wink:
Zunächst letzterer, denn der ist mit wenigen Worten beschrieben: Angenommen, ich brauche 117 Maschen in der Breite, um auf meine Größe zu kommen. Die Anleitung ist für zwei Größen konzipiert, einmal mit 112 und einmal mit 120 M. Dann nehme ich 120 M und teile mein Muster so ein, wie in der Anleitung für diese 120 M angegeben, die drei zusätzlichen Maschen machen den Kohl nicht fett, wenn mein Pulli später einen Zentimeter breiter wird, stört mich das nicht. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn eine der Größen aus der Anleitung sehr dicht an meine errechnete Maschenzahl rankommt, mehr als 10% meiner Breiten-MaPro sollten es nicht sein, das bedeutet dann eine Toleranz-Abweichung in der Breite von +/- 1 cm. Beispiel: Meine MaPro ist 24 M auf 10 cm. 10% davon sind 2,4. Ich muss also aus der Anleitung eine Maschenzahl nehmen, die nicht mehr als 2 M nach oben oder nach unten von meiner Wunsch-Maschenzahl abweicht.

Wenn aber nun keine der Maschenzahlen aus meiner Anleitung  passt, muß ich rechnen. Jetzt kommen wir zu dem geheimnisvollen Satz “Maschenzahl teilbar durch 8 + 3″. Was bedeutet das? Nun, jedes Muster besteht aus einem Mustersatz, einer bestimmten Anordnung von Maschen, die stets wiederholt werden. Ein Beispiel:

Im Original sieht es dann so aus wie bei diesem Babypullover:

Dieses simple Muster hat einen Mustersatz von 16 Maschen in der Breite und 4 Reihen in der Höhe. Die Anweisung würde dann lauten: “Mustersatz teilbar durch 16 + 6″. Warum?
Würde ich angenommen den Mustersatz einfach 4 x stricken, hätte ich 64 M (teilbar durch 16). Aber dann hätte ich an einem Ende einen Zopf und am anderen Ende eine Leiter, das Muster wäre also nicht mittig. Deswegen + 6, denn ich muss am Ende nochmal einen Zopf haben, damit es symmetrisch ist.

Ich hätte also als verfügbare Maschenzahlen 70, 86, 102, 118 usw. Jeweils zuzüglich 2 Randmaschen.

Was mache ich aber nun, wenn mir 86 M zu schmal und 102 M zu breit sind? Dann muss ich das Muster irgendwo “anknabbern”. Ich könnte z.B. mit den 10 M der “Leiter” anfangen und dann 5 x den Mustersatz stricken (dann ende ich ja wieder mit der Leiter), = 90 M. Hänge ich jetzt am Anfang und am Ende des Strickstücks eine rechte M an, bin ich schon bei 92.
Oder ich fange auf der Mitte der Leiter an(also bei M 12), stricke den Mustersatz 5 x und dann nochmal die ersten 11 M des Mustersatzes. Macht 5 + 80 + 11 = 96 M. Da muss man also ein bisschen rumrechnen.
Allerdings verschiebt sich das Muster dadurch auch; hat das Original in der Mitte einen Zopf, kann es passieren, daß nun in der Mitte eine Leiter ist. Und die 6 Zopfmaschen kann ich nicht “anknabbern”, die müssen erhalten bleiben. Auch Lochmuster lassen sich oft nur schwer mitten drin anfangen, weil es dann mit den Umschlägen und Abnahmen an den Rändern nicht hinkommt.

Wenn ich ein bestimmtes Element, z.B. den Zopf in der Mitte haben will, male ich mir Zahlen auf ein Blatt Papier (ich habe auch schon diverse Fernsehzeitungen an den Rändern mit Zahlen bekritzelt :mrgreen: ) – das ist besonders praktikabel, wenn ich ein Muster habe, das aus mehreren Elementen besteht, wie z.B. dieses hier:


(aus “Knitting Pattern Book 250“, erhältlich z.B. bei Yesasia. Klick auf’s Bild macht es groß)

Dieses Muster besteht (von rechts nach links) aus folgenden Elementen: Perlmusterrippe (PM) 3 M, Schlangenlinie (SL) 10 M, PM, Zickzack zuerst nach rechts (ZR) 19 M, PM, SL, PM und Zickzack zuerst nach links (ZL), 19 M. Insgesamt ein Mustersatz über 70 Maschen! (in der Strickschrift fehlen ganz links 2 M re).
Jetzt will ich in der Mitte die Schlangenlinie, flankiert von den beiden Zickzacks haben. Meine Kritzelei sieht dann so aus:

Sind mir 129 M zuviel, nehme ich rechts und links die 3 PM-Maschen weg, dann habe ich 123. Will ich mehr M haben, ergänze ich das Muster rechts und links folgerichtig durch SLs, d.h. meine nächstmögliche Maschenzahl wäre 149.

Je breiter also die Elemente eines Mustersatzes sind, umso weniger Möglichkeiten hat man für die Gesamtmaschenzahl. Da hilft es dann manchmal nur, ein dickeres oder dünneres Garn zu wählen.

Zum Muster einteilen in der Höhe und dem Erhalt der Proportionen bei einer komplett abweichenden MaPro (Beispiel: Meine Kiwi-Jacke, im Original 6er Nadeln, ich habe sie mit 3ern gestrickt) kommen wir dann in der nächsten Folge, sonst wird es zu lang (und ausserdem will ich jetzt stricken :wink: )

9 comments for “Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 5: Muster einteilen/Breite

  1. Birgit
    29. Mai 2009 am 17:13

    Hei Tina,
    ja, das könnte glatt mein Kritzelzettel sein :smile: Genau so sieht meine Mustereinteilung für ein neues Projekt aus!! Ich orientier mich an der Mitte und schreib die Zahlen für die einzelnen Muster jeweils daneben! Und ich dachte ich immer, nur ich mach es so!
    Viele Grüße
    Birgit

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  2. 29. Mai 2009 am 17:59

    Hallo Tina,
    Ich mach’s im Grunde genauso, muss mir allerdings das komplette Muster über die Gesamtmaschenanzahl in Excel aufmalen (warum auch immer :roll: …). Der Babypulli ist süß, hast Du den gemacht?
    LG Julia

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  3. Ruth
    29. Mai 2009 am 18:20

    Hallo Tina,

    auf die Idee mit dem Anknabbern bin ich so noch gar nicht gekommen; ich habe in solchen Fällen einfach einen Mustersatz weggelassen und die fehlenden Maschen an den Seiten durch rechte Maschen ersetzt.

    Unglaublich, wieviel Mühe Du Dir mit Deinem Kurs machst – tausend Dank dafür!

    Liebe Grüße

    Ruth

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  4. 29. Mai 2009 am 18:45

    Hallo Julia,

    ja, den habe ich damals für unser erstes Bürobaby gemacht.
    Das ist das verkleinerte Muster vom Filey Ropes and Steps aus dem “Pullover für Wind und Wetter”-Buch.

    Liebe Grüße
    Tina

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  5. Petra
    29. Mai 2009 am 20:20

    Toll, toll, toll – welche Arbeit du dir machst. Und obwohl ich schon stricken konnte und das Lesen und Schreiben noch zu lernen hatte, finde ich es total interessant.
    lg
    petra

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  6. 29. Mai 2009 am 21:30

    Jaaaaa… das kam mir doch gleich so bekannt vor *an die Stirn patsch*
    Ist echt total süß (und eine gute Farbwahl, falls man nicht weiß, was es wird :mrgreen: )
    LG Julia

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  7. 30. Mai 2009 am 00:10

    Wieder ein toller Vortrag!

    LG Heike

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  8. 30. Mai 2009 am 09:31

    Also ich muss sagen…ich stricke seit guten 30 Jahren….aber ich lerne bei Dir noch immer dazu!!!!
    Man ist ja manchmal so blind….und übersieht die diversen Möglichkeiten!!!
    Herzlichen Dank für Deine Mühe….die ist ja gewaltig!!

    Sag …hast Du vielleicht schon mal überlegt , darüber ein Buch heraus zu bringen….ich denke das wär ein Bestseller unter den Strickerinnen :!:

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  9. Cecily
    28. Juni 2009 am 09:40

    Ich liebäugele mit der ultra-bezopften Strickjacke “Vivian” aus der ersten Twist Collective, finde das Garn aber zu dick – werde mal versuchen, mit Hilfe deiner tollen Anleitung das Muster umzurechnen!

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