Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 7: Eingesetzte Ärmel

Heute wollen wir uns mit folgendem Schnitt beschftigen:

(klick macht’s gro – zum ausdrucken und eintragen Eurer eigenen Mae)

Er hat mehr Passform als simple berschnittene Schultern (ich wurstel die Begriffe immer durcheinander, wenn ich berschnittene Ärmel schreibe, meine ich eigentlich berschnittene Schultern), ist aber viel einfacher zu berechnen als Armkugeln. Erreicht wird das Ganze einfach dadurch, da man am Beginn des Armausschnitts beidseitig mehrere Maschen auf einmal abkettet.

Tip fr Anfnger, weil ich die Frage in Foren schon so oft gelesen habe: Das Abketten erfolgt jeweils am Reihenanfang, Ihr msst also nicht den Faden abschneiden 😉 . Einfach einmal in der Hinreihe und einmal in der darauf folgenden Rckreihe. Dadurch ist das Ganze zwar um eine Reihe versetzt, das fllt aber berhaupt nicht auf.

Gestrickt sieht das dann so aus:

Die Tiefe des Armausschnitts berechnet Ihr so:
Breite (B) – Schulterbreite (C) : 2 = Tiefe des Armausschnitts
Ein Beispiel: Ich mchte meinen Pullover 52 cm breit haben, die gewnschte Schulterbreite betrgt 39 cm. 52 – 39 = 13. Das geteilt durch 2 ergibt 6,5 cm Tiefe des Armausschnitts. Habe ich nun eine MaPro von beispielsweise 20 M auf 10 cm, rechne ich: 20 : 10 x 6,5 = 13 Maschen sind auf jeder Seite abzuketten.

Man kann den Armausschnitt auch weniger tief machen und hat dann wieder berhngende Schultern, blo nicht so extrem, als wenn man einfach gerade hoch stricken wrde.

Die Ärmelbreite unten und oben wird genauso berechnet wie bei berschnittenen Schultern – siehe hierzu Teil 4.
Allerdings muss der Ärmel bei eingesetzten Ärmeln lnger werden. Rechenfaule stricken einfach wieder drauflos, bis der Ärmel lang genug ist – siehe ebenfalls Teil 4.
Wer rechnen mchte oder mu, weil sich die MaPro nach dem Waschen zu sehr verndert hat, nimmt wieder die Spannweite eines gut passenden Pullovers und zieht davon die Schulterbreite (C) ab. Das Ergebnis, geteilt durch 2 ist die Ärmellnge.
Bei der Berechnung der Zunahmen msst Ihr daran denken, da auf dem letzten Stck = Tiefe des Armausschnitts keine Zunahmen mehr gemacht werden drfen.

Es gibt noch eine etwas elegantere Mglichkeit fr eingesetzte Ärmel, da sieht der Schnitt so aus:

(die Zeichnung ist nicht mastabsgerecht)

Hier wird nur ein Teil der bentigten Maschen abgekettet. Um die Schrge zu erreichen, werden die restlichen Maschen in den folgenden Reihen abgenommen. Faustregel: Ein Drittel der Gesamtmaschenzahl abketten, den Rest abnehmen.
Beispiel: Ich will wie im obigen Beispiel insgesamt 13 M auf jeder Seite „loswerden“. Dann kette ich 4 M beidseitig ab, verbleiben 9 abzunehmende M. Ich nehme also 9 x 1 Masche in jeder 2. Reihe ab (bevorzugt 2 M vom Rand entfernt, am Reihenanfang SSK, am Reihenende 2 M re zus.str.).

Bei dieser Variation mssen wir allerdings dem oberen Teil des Ärmels auch eine Form geben, sonst passt er ja nicht rein. Die „Anhalte-Methode“ fr die Ärmellnge funktioniert hier nur ungenau, weil Ihr eine Lcke lassen msstet, die genauso breit ist, wie der Armausschnitt tief ist. Bei dieser Ärmelform also lieber rechnen. Und zwar so:
Ärmellnge gesamt wie oben = Spannweite – Schulterbreite (C) : 2
Von der Ärmellnge ziehe ich nun die Tiefe des Armausschnitts ab. Das Ergebnis ist die Hhe, in der ich am Ärmel mit der Formgebung anfangen mu. Auf dieser Hhe muss ich auch sptestens die volle obere Ärmelbreite (Hhe Armausschnitt x 2) erreicht haben! Die Formgebung mache dann ich ganz genauso wie an den Krperteilen – in unserem vorgenannten Beispiel also 2 x 4 M abketten und dann 9 x in jeder 2. Reihe 1 M abnehmen.

Was erwartet Euch noch in den nchsten Folgen?
Geplant sind: Taillierung, Armkugeln (endlich 😀 ) und zum Schlu Raglan und Besonderheiten bei Jacken.
Ach ja, um den Halsausschnitt mssen wir uns auch noch Gedanken machen, damit Ihr nicht sagen msst: „Mein Hfthalter Kragen bringt mich um“ (kennt die Werbung noch jemand? :mrgreen: )

Noch irgendwas? Immer her mit Vorschlgen! (und natrlich auch mit Kritik und Korrekturen)

9 comments for “Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 7: Eingesetzte Ärmel

  1. 7. Juni 2009 at 12:21

    Tina, da hast du dir ja wieder viel Mhe gemacht.
    Also so langsam bewundere ich die Designer, die Strickschriften erstellen und dann noch in verschiedenen Gren.
    Es ist ja doch ein enormer Aufand, ber den man sich so gar keine Gedanken macht.
    Und du erklrst alles so schn einfach, dass auch ich das verstehe 😉
    Danke dafr.
    Die geplanten Folgen sind genau meine Vorschlge. Bin einverstanden 🙂

    Einen schnen Sonntag und liebe Gre, Heike

  2. 7. Juni 2009 at 14:12

    hallo tina,

    ja, ja, das liebe Abketten!!! Wenn ich mich so recht dran erinnere, hatte ich dich das damals auch gefragt 😳 😳 😳

    Ich finde das einfach toll, was du machst. Es hilft mir so gut … vorallem da ein neues Strickprojekt vor meiner Tre steht :mrgreen:

    LG Alexia

  3. 7. Juni 2009 at 15:38

    Huhuu Tina,

    ich wre fr eingestrickte Ärmel. Also die Maschen aus dem Strickstck aufnehmen und von oben nach unten stricken.

    Vor diesem Problem steh ich nmlich grade und hab keinen blassen Schimmer davon. Oder hast Du evtl. einen Tipp fr eine Website hierzu?

    LG
    Linda

  4. 7. Juni 2009 at 16:51

    Hallo Linda,

    welche Ärmelform denn? Gerade eingesetzte?
    Da ist es ja einfach, um den Armausschnitt M aufnehmen und von oben nach unten stricken. Wenn man nicht nhen bzw. rundstricken mchte, msste man die Randmaschen vom Ärmel immer mit den Abkettmaschen von Vorder- und Rckenteil zusammenstricken, im Verhltnis 3 M auf 4 Reihen, jede 4. Reihe also nichts verbinden.
    Oder eingesetzte mit Schrgung?
    Da msste es im Prinzip auch umgedreht funktionieren: Oben anfangen mit M aufnehmen und dann statt Abnahmen Zunahmen machen und dabei die Zunahmen aus dem Rand des Vorder- bzw. Rckenteils holen.
    Über eingestrickte Armkugeln habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, das msste aber theoretisch auch funktionieren, dann msste man wohl mit verkrzten bzw. verlngerten Reihen arbeiten. Ob das Sinn macht, ist eine andere Frage.

    Hier gibt es auch eine Anleitung fr eine Armkugel von oben:
    http://anleitungen.bestrickendes.de/index.php?page=shop.product_details&flypage=shop.flypage&product_id=176&category_id=32&option=com_virtuemart&Itemid=1
    Da die Bilder aber leider fehlen, ist mir nicht so ganz klar, ob die wirklich eingestrickt ist, denn Maschen „aufnehmen“ knnte jetzt bedeuten, Maschen anschlagen oder Maschen aus dem Armausschnitt aufnehmen.

    Wie gesagt: Der Sinn einer gleich eingestrickten Armkugel erschlielich sich mir absolut nicht.

    Liebe Gre
    Tina

  5. Cecily
    7. Juni 2009 at 17:16

    Vielen Dank Tina, mit deinem Lehrgang kapierts auch die Langsamste (hstel).
    Besonders auf den Halsausschnitt bin ich schon gespannt.

  6. buffbeauty
    7. Juni 2009 at 18:18

    Hi, gibt es da nicht einen kleinen Widerspruch in der Bereichnung fr die Tiefe des Armauschnittes??

    ich meine das hier:
    Die Tiefe des Armausschnitts berechnet Ihr so:
    Breite (B) – Schulterbreite (C) : 2 = Tiefe des Armausschnitts
    Ein Beispiel: Ich mchte meinen Pullover 52 cm breit haben, die gewnschte Schulterbreite betrgt 39 cm. 52 – 39 = 13.
    Das geteilt durch 2 ergibt 6,5 cm Tiefe des Armausschnitts.

    meine Anmerkung/ Frage dazu
    im Beispiel wird das Ergebnis der Subtraktion durch 2 dividiert

    in der Formel aber die Schulterbreite durch 2 dividiert

    msste es nicht heissen
    (Breite (B) – Schulterbreite (C) ): 2 = Tiefe des Armausschnitts ???

    analog das 2.Beispiel.

    Danke auf jeden Fall schon mal fr die schnitttechnische Strickmathematik. Sehr interssant, Ich bin bislang doch sehr blauugig an die Sache rangegangen.

  7. 7. Juni 2009 at 18:24

    Oh, jetzt kommen die Mathematiker 😉
    Du hast natrlich vollkommen recht, Punktrechnung geht ja vor Strichrechnung.
    Da ich aber das Ganze so einfach wie mglich halten will, habe ich mal mathemathische Grundstze ausser acht gelassen und das einfach so aufgeschrieben, wie man es auch in den Taschenrechner eingeben wrde.

  8. buffbeauty
    7. Juni 2009 at 18:54

    nun ja, Mathematiker ist jetzt zuviel der Ehre……..war nur 3.Abifach

    ich bin halt ein Zahlenmensch und hab das im
    Kopf gerechnet 🙄 , erschwerend kommt dazu, das ich mit dem Lesen von Dokumenten mein Geld verdiene

    und mit Knittels beschftige ich mich im nchsten Urlaub mal , das braucht auf jeden Fall mehr Zeit
    (hm, auch da ist mir was aufgefallen…………)
    Danke auf jeden Fall fr diesen Ausblick.

  9. Geli
    11. Juni 2009 at 16:08

    Hallo Tina,
    verfolge Deine Serie „Von der Kunst einen passenden Pullover zu stricken“ und bin wirklich begeistert, mit welcher Genauigkeit Du diese Thema angehst. Habe erstmal alles berflogen, werde bei viel Zeit alles genau lesen. Aber eines steht fest: Du kennst Dich gut aus, Dein Fachwissen ist enorm. Danke Dir fr die Mhe/Zeit!
    Frher, als die Pullover aus geraden Teilen bestanden und wie unfrmige Scke an uns hingen (war damals so Mode), war es nicht schwer ein passendes Modell zu stricken.
    Und noch eine Bemerkung, ich kenne noch die Werbung mit ..“Mein Hfthalter bringt mich um“.
    Seit ich Deinen Blog lese, bin ich immer super gut informiert, was so neu ist im www. Danke!
    LG von Geli (socksandmore bei ravelry)

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