Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 10: Raglan

Eine besondere Ärmelform ist der sogenannte Raglan-Ärmel, benannt nach Fitzroy James Henry Somerset, 1. Baron Raglan.
Lord Raglan hatte in der Schlacht von Waterloo einen Arm verloren und war Feldmarschall im Krimkrieg. Bei diesem Feldzug trug er einen Mantel, bei dem die Ärmel nicht an den Schultern angesetzt, sondern schrg an der Kragennaht befestigt waren, was ihm mit nur einem Arm das Anziehen des Mantels erleichterte. (Quelle: Wikipedia)
Ob nun ein Pullover im Raglanschnitt einarmig leichter anzuziehen ist, wei ich nicht und ich wnsche auch keinem meiner Leser die Gelegenheit, das auszuprobieren 😮
Fakt ist, da Raglanschnitte gut sitzen und aussehen.

Die Schnittzeichung fr einen Raglan stellt sich so dar:

In Arbeit sieht es dann so aus (hier ohne Taillierung):

Zu berechnen ist ein Raglan ganz einfach. Ich nehme meine Breite (B) und ziehe davon die gewnschte Breite meines Halsausschnitts ab. Das Ergebnis teile ich durch 2 und erhalte die Breite der Raglanschrgung.
Ein Beispiel: ich mchte meinen Pullover 50 cm breit haben, der Halsausschnitt soll 18 cm breit sein (ohne einen eventuellen Kragen, der den Ausschnitt dann noch kleiner macht). 50 – 18 = 32, geteilt durch 2 = 16 cm. Ich nehme also meine Breiten-Maschenprobe und rechne aus, wieviel Maschen 16 cm sind. Bei einer MaPro von 22 M auf 10 cm wren das beispielsweise 22 : 10 x 16 = 35 M, die ich auf jeder Seite abnehmen msste. 2 Maschen (drfen auch 3 sein) lasse ich aber immer brig, damit ich noch ein Zipfelchen zum Zusammennhen bzw. zum Aufnehmen des Kragen habe, also nehme ich nur 33 M ab.

Beim Raglan wird beidseitig immer nur 1 Masche in jeder Hinreihe abgenommen – ich mache die Abnahme normalerweise 2 Maschen vom Rand entfernt, am Anfang der Reihe SSK, am Ende der Reihe 2 M re zus.str. Das ergibt dann einen schrgen Streifen in glatt rechts. Wer das nicht leiden mag, kann die Abnahmen natrlich auch direkt am Rand machen, das kann bei manchen Mustern sinnvoller und schner sein.

Fr mehr Bewegungsfreiheit werden zu Beginn der Raglanschrgung zunchst beidseitig einige Maschen auf einmal abgekettet, das sollten ungefhr 2,5 -3 cm pro Seite sein. Bei meiner 22er MaPro wren das also 2 x 6 Maschen.

33 minus 6 sind 27 Maschen, die nun in jeder Hinreihe abgenommen werden. Das heit, nach 54 Reihen bin ich fertig.
Habe in beispielsweise eine Hhen MaPro von 34 Reihen auf 10 cm, bedeutet das aber, mein Armausschnitt ist zu diesem Zeitpunkt erst knappe 16 cm hoch. Will ich insgesamt 21 cm (E) haben, kommen die restlichen 5 cm von den Ärmeln.

Die Ärmel rechne ich dann rckwrts aus:
Oben will ich 10 cm brig behalten, das entspricht bei unserer Beispiel-MaPro 22 M. Dazu die 27 beidseitigen Abnahmen, die ich wieder ber 54 Reihen machen mu, damit die Schrgung zusammenpasst. Auerdem kette ich zu Beginn der Raglanschrgung ebenfalls 6 M beidseitig ab. Macht zusammen: 22 + 2 x 27 + 2 x 6 (Punktrechnung geht vor Strichrechnung 😉 ) = 88 Maschen. D.h. der Ärmel hat vor Beginn der Raglanschrgung eine Breite von 88 : 22 x 10 = 40 cm, zusammengenht 20 cm breit – passt perfekt, ein bisschen weniger als die Armausschnitthhe sollte es auch sein. Die Lnge des Ärmels bis dahin ist genauso wie bei Armkugel-Ärmeln, also (D) – siehe Teil 1 dieser Serie.

Einen Raglan kann man brigens auch ganz wunderbar in Runden stricken, hierfr werden das Krperteil und die Ärmel einzeln bis zum Beginn der Raglanschrgung hochgestrickt, dann werden die Maschen fr die Bewegungsfreiheit abgekettet und anschlieend nimmt man alle Teile in der richtigen Reihenfolge auf eine Nadel und strickt in Runden weiter. Die Übergnge von dem Ärmeln zum Vorder- bzw. Rckenteil markieren und beidseitig der Markierungen in jeder 2. Runde je eine M abketten – vor der Markierung 2 M re zus. str., hinter der Markierung SSK.

Man kann die Abnahmen dann auch 2 oder 3 Maschen von den Markierungen entfernt machen und dazwischen so neckische Dinge wie Zpfe stricken:

Umgekehrt geht’s natrlich auch – man beginnt am Halssausschnitt, teilt die M fr Vorder- und Rckenteil sowie fr die Ärmel ein und nimmt dann entsprechend zu. Das ist dann der berhmte RVO = Raglan von oben, der sich bei vielen Strickerinnen groer Beliebtheit erfreut (ich stricke lieber von unten, fragt mich nicht warum, wahrscheinlich einfach aus Gewohnheit). Wer sich mit dem RVO nher befassen mchte, gehe auf diese Seite, die widmet sich intensiv dem RVO und hat auch einen Rechner dafr.

7 comments for “Von der Kunst, einen passenden Pullover zu stricken – Teil 10: Raglan

  1. Ina
    5. Juli 2009 at 15:10

    Ach ja der Raglan!
    Ich liebe ihn. Am liebsten stricke ich ihn von oben in Runden. Ich kann dann zwischendurch anprobieren und immer nochmal was ndern und anpassen.
    Gerade habe ich den Ingenue von Wendy Bernards gestrickt (mit nem schnen Mischgarn aus Crazys Wollladen). Am schnsten an dieser Art zu stricken finde ich, dass es da nix mehr zu nhen gibt. Und er sitzt wirklich super!

    Danke fr Deine schnen „Kurse“. Sie rufen immer wieder das eine oder andere in ERinnerung und sind ein richtiges kleines Nachschlagewerk.
    Liebe Gre aus der LÜneburger Heide

  2. Winni
    6. Juli 2009 at 13:34

    DANKE SCHÖN,
    das kommt wie gerufen 😀
    und RVO-Seite ist gespeichert!

    Liebe Gre, Winni

  3. Ruth
    6. Juli 2009 at 20:14

    Wieder mal toll beschrieben, vielen Dank fr die Mhe!

    Eins sollte man beim Raglan vielleicht noch erwhnen: Fr schmale Schultern ist er nur bedingt geeignet, weil er sie noch schmaler wirken lt. Umgekehrt kann der Effekt bei breiten Schultern natrlich durchaus gewnscht sein.

    Liebe Gre

    Ruth/Berophar

  4. Gabi
    28. Februar 2012 at 18:39

    Hallo,
    ganz lieben Dank fr die Mhe und gute Erklrung! Komme bis jetzt zurecht, obwohl ich das erste Mal einen Raglan Pullover stricke. Eine Frage htte ich aber doch noch: muss – oder kann – man bei dieser Art beim Vorderteil keine Maschen fr eine Halsausschnittrundung abnehmen? (Falls ich die Antwort irgendwo bersehen haben sollte, bitte ich um Entschuldigung).

    Liebe Gre,
    Gabi

  5. Gabi
    26. März 2012 at 15:33

    Hallo,
    habe mittlerweile Vorder- und Rckenteil fertig und bin beim ersten Ärmel bei den Abnahmen angekommen. Hierzu habe ich jetzt noch eine Frage: werden die Abnahmen der Ärmel, genau wie bei dem Vorder- u. Rckenteil, so gemacht, dass am Rand beidseits ein ordentlicher Streifen entsteht, also am Anfang der Reihe 2 M. stricken, 3. M. abheben, 4. M. rechts stricken, die abgehobene Masche rberziehen, am Ende der Reihe die 4. und 3.letzten Maschen zusammenstricken, 2 M. rechts stricken? Oder nimmt man bei den Ärmeln ganz einfach bds. 1 Masche ab, ohne dass dieser ordentliche Randstreifen entsteht??

    Liebe Gre und schonmal vielen Dank fr die Hilfe,
    Gabi

  6. Maya
    1. Oktober 2013 at 20:11

    Hallo Tina,
    lese so gerne Deine Tipps und Ratschlge, vergleiche die immer mit meinem Wissen oder Unwissen.
    Auh diesmal bei einem Raglan, ich stricke den immer etwas anders, bei meiner Zeichnung wrden die Ärmelecken die an den Rckenteil stossen etwas hher- wie die die zu dem vorderem Teil kommen.
    So ist das Rckenteil am Ausschnittrand etwas hher als die Vorderteile.
    Kein Problem das auch rund zu stricken. Wenn man von oben strickt stricke ich zuerst das Rckenteil mit ein paar Reihen, dann fange ich die Ärmelmaschen zunhmen und schlage immer am Anfang ein paar Maschen daz,u bis ich die gewnschte Maschenzahl erreicht habe.
    Dann schlage ich die Maschen des Vorderteils dazu und stricke in Runden bis zu den Achseln.
    Den umgekehrt Weg nehme ich wenn ich den Pullover von unten stricke.
    Hoffentlich versteht jeder das was ich gemeint habe.
    Ist garnicht so einfach fachmnisch das auszudrcken!
    Bin der Meinung, diese Strickart sitzt irgendwie besser, vielleicht bilde ich mir das aber nur ein????
    Hre gerne was Du darber denkst?
    LIebe Gre
    Maya

    • Martina aus Essen
      14. August 2016 at 15:57

      DIE Antwort htte mich auch interessiert ! Liebe Tina, verrtst Du sie uns ?
      Ich hab auch von einer Variante mit Verkrzten Reihen gebrt, um den Halsausschnitt hinten etwas hher werden zu lassen.

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