Tips für Anfänger: Garn ersetzen und Garnverbrauch

Was tun, wenn das Originalgarn nicht (mehr) erhältlich ist, es Euch zu teuer ist, Ihr eine Allergie gegen eine bestimmte Faser habt oder Eure Wunschfarbe nicht dabei ist?

Grundsätzlich könnt Ihr jedes Garn als Ersatz verwenden, mit dem Ihr auf die gleiche Maschenprobe erzielt, wie in der Anleitung angegeben. Rein theoretisch könnt Ihr also ein dickes Schurwollgarn mit 50m Lauflänge auf 50g durch ein dünnes Baumwollgarn mit 150m Lauflänge ersetzen, wenn Ihr das Ersatzgarn mit so dicken Nadeln verstrickt, daß die gleiche MaPro dabei rauskommt. Dann würde das Teil die gleichen Maße haben wie mit dem Originalgarn. Ihr könnt Euch aber vorstellen, dass das ziemlich grausig aussehen würde, denn dabei würde eine Art Netzhemd rauskommen.

Wichtig ist also, dass die Stärke des Garns in etwa mit dem Originalgarn übereinstimmt. Wobei gleiche Lauflänge keine Garantie für gleiche Garndicke ist, denn ein Baumwollgarn mit 120 m auf 50 g wird dünner sein als ein Schurwollgarn mit der gleichen Lauflänge.

Garne die Ihr vergleichen wollt, leicht zwischen den Fingern spannen, denn beim Verstricken habt Ihr ja auch eine gewisse Fadenspannung. Manche werden dadurch dünner, andere nicht.

Ein Beispiel – auf den ersten Blick könnten man meinen, daß beide Garne ungefähr gleich dick sind.

Das hellblaue hat eine LL von 110m, das rosa 100m:

Nun seht was passiert, wenn ich beide Fäden spanne – das hellblaue wird auf einmal um einiges dünner:

Ursache: Das Material. Das hellblaue ist Angora/Viskose/Nylon, das rosa Baumwolle/Polyacryl. Selbst Garne, die genau die gleiche Zusammensetzung haben, können aufgrund ihrer Zwirnung unterschiedlich dick sein und sich unterschiedlich dehnen.

Ihr solltet beim Material ersetzen also darauf achten, dass Ihr eine möglichst ähnliche Zusammensetzung nehmt, denn da ist die Wahrscheinlichkeit, dass Euer Ersatzgarn gleich dick ist, am größten. Außerdem hat das Material oft auch Einfluß auf dem Sitz des Kleidungsstücks. Wenn das Original z.B. einen fließenden Schnitt hat und aus einer Seiden-/Viskosemischung besteht, müsst Ihr Euch nicht wundern, wenn das gleiche Stück aus Baumwolle gestrickt eher wie ein Brett sitzt.

Auch die Optik spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Ein leichtes Flauschpullöverchen aus Kid Mohair  sieht natürlich gar nicht mehr flauschig aus, wenn es aus einer glänzenden Viskose gestrickt wird und der schöne Zopfmusterpullover aus cremefarbener Schurwolle verliert die Wirkung seiner Muster, wenn er aus einem mehrfarbigen „Designergarn“ gearbeitet wird.

Es kann allerdings einen Grund geben, ein Garn durch ein dickeres (oder auch dünneres) zu ersetzen. Ich bin ein Brettstricker und mag es, wenn das Gestrick schön dicht und fest ist. Die meisten Modelle sind für meinen ganz persönlichen Geschmack viel zu locker gestrickt. Ich würde daher immer ein dickeres Garn als das Originalgarn bevorzugen. Umgekehrt kann es sein, dass Ihr es sehr locker lieber mögt. Dann würdet Ihr eventuell sogar ein etwas dünneres Garn als das Originalgarn wählen.

Die Angaben auf der Banderole zur Nadelstärke und Maschenprobe sind übrigens nur ein grober Anhaltspunkt – viele Garnhersteller neigen dazu, zu dicke Nadelstärken und zu wenig Maschen und Reihen bei der MaPro anzugeben, so dass das Gestrick zwar schön weich, aber auch sehr labberig wird. Bei manchen Garnen kann das nach dem Waschen zu fatalen Ergebnissen führen – gerade Merino geht z.B. arg auseinander, wenn es zu locker verstrickt wird.

Das Gemeine ist, daß viele Modelle in den Strickheften gar nicht gewaschen werden, bevor sie fotografiert werden. Die sehen also frisch gestrickt toll aus, kommen dann aber als Labberlappen aus der Wäsche… 😕

Garnverbrauch

Nehmt Ihr das Originalgarn, solltet Ihr Euch auf die Mengenangaben in der Anleitung verlassen können (Feiglinge wie ich kaufen trotzdem ein Knäuel mehr 😉 Und nicht jeder Designer kalkuliert die MaPro in den Verbrauch ein). Es sei denn, Ihr wollt z.B. das ganze Stück oder auch nur die Ärmel länger machen, dann müsst Ihr entsprechend mehr kaufen.

Tip: Die meisten Wollgeschäfte legen Euch Garne für eine gewisse Zeit (6 – 12 Wochen) zurück oder nehmen nicht angebrochene Knäuel noch eine Zeit lang zurück. Lasst Euch daher ein bis zwei Knäuel zurück legen oder kauft gleich etwas mehr, denn oftmals sind die Mengen knapp kalkuliert und wenn Ihr zuviel Garn für die Maschenprobe(n) verbraucht, kann es am Ende eng werden.

Nehmt Ihr ein anderes als das Originalgarn, könnt Ihr Euch an der Lauflänge orientieren, um die benötigte Menge zu bestimmen. Ihr solltet vom Ersatzgarn mindestens genauso viele Meter haben wie vom Originalgarn benötigt werden.

Ein Beispiel: Vom Originalgarn werden 600g á 100m auf 50 g benötigt. Macht insgesamt 12 x 100 m = 1200 m. Euer Austauschgarn hat 110 m auf 50 g. dann braucht Ihr in etwa 1200 m : 110 m = 11 Knäuel á 50g.

Ersetzt Ihr dünneres durch dickeres Garn, werdet Ihr mehr Meter als vom Originalgarn brauchen, denn die Lauflänge geht ja nicht nur für die gestrickte Fläche drauf, sondern auch für die Dicke des Gestricks. Also lieber ein bis zwei Knäuel mehr kaufen. Umgekehrt werdet Ihr von dünnerem Garn etwas weniger Länge brauchen.

Achtet beim Garnkauf übrigens unbedingt darauf, dass alle Knäuel aus der gleichen Partie (Färbung) stammen, da kann es deutliche Unterschiede geben!

Tip: Wenn Ihr während des Strickens unsicher werdet, ob Euer Garn langt, gilt die Faustregel: Je 1/3 für Rückenteil und Vorderteil(e), das restliche Drittel für die Ärmel (bei langen Ärmeln). Wenn Ihr also nach der Fertigstellung des Vorderteils mehr als ein Drittel Eures gesamten Garn verbraucht habt, lieber noch was nachkaufen.

20 comments for “Tips für Anfänger: Garn ersetzen und Garnverbrauch

  1. 1. November 2010 at 20:49

    DANKE für die Tipps!
    Das ist wirklich hilfreich!!!
    Liebe Grüße, Bettina BeAu*tiful

  2. 1. November 2010 at 20:53

    Mal wieder eine super Zusammenfassung zum Thema. Danke für die immer wieder tollen Artikel in denen Du an alles Wichtige zum jeweiligen Thema denkst.
    *Fleißsternchen und Pralinés rüberreich*

    Liebe Grüße, Inah

  3. Trang
    1. November 2010 at 21:11

    vielen Dank für Dein Tutorial. 😀

  4. 1. November 2010 at 21:19

    Du bist und bleibst eine Strickmeisterin, die ihr Können und Wissen uneigennützig mit allen teilt 🙂 – klasse und danke!

    Liebe Grüße;
    Anja

  5. 1. November 2010 at 21:19

    Ähm? Habe ich das nicht schon einmal gelesen? … Ja klar! In deiner Pulloverstrickanleitung! Sogar die Fotos sind dieselben 😉

    An dieser Stelle ist es vielleicht richtig, mich dafür noch einmal zu bedanken! Ich habe mir das Tutorial genaustens durchgelesen und einen spitzenmäßigen Pullover gestrickt! Und das, obwohl ich erst seit Januar 2010 stricke und es mein erster Pullover war!
    Vielen Dank für deine tollen Anleitungen und das du so offen und bereitwillig dein Wissen mit uns Anfängern teilst 🙂

    Auch für die aufschlussreichen und promten Mails möchte ich mich bedanken! Bei dir verstehe ich immer sofort wie du es meinst 🙂

    Ein ganz großes Lob, vielen Dank und aufrichte Anerkennung an dieser Stelle 🙂

    Liebe Grüße,
    Lena

  6. 1. November 2010 at 21:22

    @ Lena: Hast recht – aber nur ein kleiner Teil, der Rest ist neu geschrieben.

  7. 1. November 2010 at 21:37

    Super deine Tipps! Das Spannen des Fadens vergesse ich nämlich fast immer beim Wollkauf/-vergleich.
    Vielen Dank!

    Manchmal sind sogar unterschiedliche Farben ein und derselben Wollsorte minimal in der Dicke verschieden.

    LG Andrea

  8. 2. November 2010 at 08:52

    Super Artikel! Und das mit dem labberigen Garn nach dem Waschen kann ich nur bestätigen. Ich glaub, ich wasch meine MaPro in Zukunft lieber zwei Mal, denn meine letzte Weste ist nach dem zweiten Waschen ca. 50 % breiter!
    VG
    Tanja

  9. Cecily
    2. November 2010 at 10:11

    Danke wie immer für deine tollen Tipps!

  10. Martina
    2. November 2010 at 10:32

    Hallo Tina!

    Das ist mal eine gute Zusammenfassung zu diesem Thema. Vielen Dank dafür. Ich werde sie mir wegspeichern und wenn ich wieder um Tipps gebeten werde kann darauf zurückgreifen. Ich hoffe das ist Dir recht.

    Den „Garnverbrauch für die Maschenprobe“ kann ich nur nicht so recht nachvollziehen. Ich stricke die Maschenprobe, zähle sie aus, ribbel alles wieder auf und schlage das Strickstück an. Garnverbrauch ist bei mir daher Null. Hebst du die Maschenproben auf? Wenn ja: wofür? Eine Patchworkdecken-Strickerin bist Du sicher nicht. 😉

    Hast Du schon mal über ein Strickbuch nachgedacht? Würde sich sicher verkaufen wie geschnitten Brot.

    Liebe Grüße

    Martina

  11. Michaela
    2. November 2010 at 15:32

    Liebe Tina,
    vielen Dank für die Hilfe,das sind genau die Tips,die man braucht.KAnnst du etwa Gedanken lesen? 😆
    Ich habe mir nämlich das Yorkshire Tweed FAble Heft von Rowan bestelt,dort gibt es tolle Sachen,nur das Garn gibt es nicht mehr…
    Liebe Grüße
    Michaela

  12. 2. November 2010 at 16:04

    Danke für die Tips. Wobei der direkte Vergleich der Garnstärke nur dann funktioniert, wenn man das Orginalgarn zum vergleichen hat.
    Ich finde es oft nützlich, mir die verwendeten Garne bei ravelry anzuschauen um eine Idee davon zu kriegen wir sich eine Materialänderung auf das Endprodukt auswirkt – und natürlich eine MaPro die meist auch gewaschen wird.

  13. Kay
    2. November 2010 at 17:54

    Guter Beitrag….

    Eine ganz bestimmte Stelle im Text hat mich an eines meiner Projekte erinnert…oder hattest Du gar daher die Inspiration ?

    😆

    Viele Grüsse

  14. Monika21
    2. November 2010 at 19:46

    Hallo Tina,
    auch von mir ein dickes DANKE!!
    Viele Grüße
    Monika

  15. Dani
    2. November 2010 at 19:59

    Hallo Tina,

    danke für deine tollen Tipps.

    Du glaubst gar nicht, wie oft ich mit Garnen und Anleitungen jongliere, da ich oft nicht das Originalgarn habe.

    Aber Maschenproben sind mir ein Greuel !!!

  16. mhs
    3. November 2010 at 11:26

    @Martina

    Die Maschenprobe dient nicht nur zur Ãœberprüfung (bei mir sind es selbst beim Originalgarn und angegebener Nadelstärke entweder zu wenig Maschen oder zu wenig Reihen). Man sollte sie auch WASCHEN, das kann auch so seltsame Verhaltensweisen z. B. von Merinowolle zutage führen (Danke Tina für den Tipp, ich hatte es schon vergessen).
    Und so ein Läppchen kann auch die letzte Rettung sein wenn es am Ende an Garn hapert.
    Dazu noch der Tipp, dass eine MaPro mehr Maschen und mehr Reihen haben sollte als auf der Banderole angegeben, 50% mehr hat sich bewehrt, 100% ist sogar noch besser, wenn man, wie ich „Schnittmuster“ erstellt, auf die ich das Strickteil gerne auflege. Bei der MaPro kann man dann Abnäher etc besser berechnen, sozusagen gleich in natura auszählen.
    LG
    mhs

  17. Martina
    3. November 2010 at 18:10

    @mhs

    Danke für die Erklärung. Eine große Maschenprobe mache ich immer. Es wird oft belächelt, viele meine strickenden Freundinnen machen keine und wundern sich hinterher 😉

    Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, die MaPro zu waschen. Vielleicht mache ich das mal. Interessante Idee!

    LG

    Martina

  18. 7. November 2010 at 23:55

    Danke dir mal wieder für die Tipps und Erklärungen.
    Es macht immer wieder Spaß bei dir zu lesen.

    LG Heike

  19. Kitzspitzfan
    1. Juli 2012 at 20:19

    Danke für diesen Beitrag, sehr hilfreich!
    Kennst du zufällig eine Ãœbersicht über die alternativ einsetzbaren Garne? Wenn man keinen Handarbeitsladen vor Ort hat, kann man schlecht diese Spannprobe machen, um die Garne zu vergleichen.
    Dann muss man Google bemühen mit Angaben zu Material und LL… Vielleicht bist du im Netz schonmal über eine Ãœbersicht gestolpert?
    Danke + Grüße!

  20. 28. Juli 2012 at 05:10

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