Gelungene Präsentation von Handarbeiten

Gerade habe ich diesen Beitrag bei Ingrid gelesen, für sehr lehrreich befunden und mir sogleich das eine oder andere hinter die Ohren geschrieben.

Als Ergänzung fallen mir noch ein paar Dinge ein, die die Präsentation am lebenden Objekt betreffen.

1. Haltung bewahren

Schultern zurück, Brust raus, Bauch rein und Körperspannung halten. Das lässt Euch nicht nur schlanker aussehen, sondern das Strickstück sitzt auch vorteilhafter und ist besser zu erkennen. Ausserdem läßt es die Trägerin selbstbewusster wirken – auch im Alltag durchaus empfehlenswert. Tragt ruhig Schuhe mit Absatz beim Fotografieren, auch wenn man sie auf dem Bild nicht sieht, verbessern sie die Haltung.

2. Posing

Nicht immer einfach nur frontal zur Kamera stehen. Profil, Halbprofil, sitzend, liegend, hockend – probiert mal was aus. Im Zeitalter der Digitalfotografie kosten Fotos nichts und alles, was misslungen ist, kann man gleich wieder löschen. Macht mal Faxen vor dem Spiegel, guckt in welcher Haltung Ihr am besten rüberkommt und findet Eure Schokoladenseite raus. Wohin mit den Armen? Bloß nicht hängen lassen (wirkt lustlos) oder verschränken (wirkt abweisend). Stützt die Hände in der Taille oder auf der Hüfte ab, streckt sie in die Höhe oder macht sonstwas damit. Wer so gar nichts damit anzufangen weiß, kann sich auch z.B. an einer Handtasche festhalten oder einfach das Strickzeug als Requisite nutzen. Guckt Euch einfach mal Modelfotos an, wenn Ihr gar keine Ideen habt, wie Ihr Euch am besten in Szene setzt.

3. Perspektive

Alles, was dichter an der Kamera dran ist, wirkt optisch größer als das, was weiter weg ist. Wenn Ihr Euch also z.B. sitzend fotografiert, sollten die Beine nicht gerade auf die Kamera zugehen. Stellt sie schräg und wendet den Oberkörper der Kamera zu. Die Kamera sollte auch möglichst in leichtem Winkel von unten fotografieren – mit Selbstauslöser und ohne Stativ aber ziemlich schwierig.

4. Styling

Eigentlich klar: Die übrigen Klamotten sollten farblich und vom Stil her zum Strickstück passen. Obwohl gerade ein Stilbruch manchmal sehr interessant wirken kann, aber dafür muss man ein gewisses Talent haben.
Wenn Ihr Euch mit Kopf fotografiert (was ich immer netter finde, wenn ich Fotos angucke), ist Make-up ganz wichtig. Kaum ein Mensch ist von Natur aus so hübsch, daß nicht zumindest ein Hauch von Schminke ihn noch attraktiver machen würde (das gibt jetzt mit Sicherheit Widerspruch der „Natur pur“-Verfechter :mrgreen: ist aber nun mal meine Meinung. Ich gehe nie ungeschminkt aus dem Haus, da würde ich mich unwohl fühlen). Schminkt Euch ruhig ein Eckchen kräftiger, als Ihr es normalerweise bei Tageslicht machen würdet, die Kamera und vor allem ein Blitz schlucken mächtig Farbe.
Genauso wichtig ist das Haarstyling. An Bad Hair Days fotografiert man sich nicht :mrgreen: Macht Euch ruhig mal eine Frisur, die Ihr sonst nicht tragt, steckt Euch eine Blume ins Haar oder setzt einen Hut auf (dann geht’s auch am Bad Hair Day 😉 )
Ach, und eins noch: Tragt einen gut sitzenden BH. Ich habe schon diverse Fotos gesehen, wo die Brüste beinahe auf Ellenbeugenhöhe hängen. Das sieht schlimm aus. Ab einem gewissen Alter (und/oder ab einer gewissen Größe) dienen BHs nicht nur als Büstenhalter, sondern auch als Büstenheber. Egal, wie groß Eure sind oder wie sehr die Schwerkraft an ihnen zerrt, die Dinger heißen Brüste, also gehören sie auf Brusthöhe 😉 Faustregel: Wenn Ihr einen Stift drunter klemmen könnt und der nicht runter fällt, sitzt der BH nicht richtig (das gilt auch für sehr große Balkons, guckt Euch mal entsprechende Wäschefotos an).

5. Ausstrahlung

Am wichtigsten überhaupt und gleichzeitig am schwierigsten. Was immer gut ankommt, ist ein strahlendes Lächeln. Nicht ganz einfach, wenn man gerade den Bauch mit aller Kraft einzieht, ich weiß ðŸ˜Ž . Kann man aber üben. Ihr müsst beim Fotografieren gute Laune haben, dann strahlt Ihr die auch aus. Hört dabei Eure Lieblingsmusik oder esst vorher ein Stück Schokolade 😉 Stellt Euch vor, da stehen Eure Leser und Ihr zeigt ihnen „guckt mal, was ich schönes gestrickt habe“ und alle loben Euch. Oder der Mann/die Frau Eurer Träume hat Euch gerade eine Liebenserklärung gemacht. Irgendeine Phantasie, die Eure Augen zum Strahlen bringt 😀 .
Ihr könnt natürlich auch geheimnisvoll, verführerisch oder melancholisch gucken. Probiert einfach aus, mit welcher Mimik Ihr Euch am hübschesten findet.

6. Umgebung und Hintergrund

Ich fotografiere mich fast immer zu Hause mit Selbstauslöser (draussen komme ich mir damit albern vor 🙄 ). Da gehen nur bestimmte Stellen in der Wohnung, ich muss die Kamera ja irgendwo positionieren können. Ein schlichter weißer Hintergrund wäre natürlich am besten, gibt es hier aber nicht in ausreicher Größe (selbst der Flur hängt voller Strickbücher). Aber der Kratzbaum oder das Bücherregal sind allemal besser als eine geblümte Tapete, die Schrankwand in Eiche rustikal oder gar das Bügelbrett samt Wäschekorb im Hintergrund.
Idealerweise lasst Ihr Euch draussen bei Tageslicht fotografieren. Grüne Vegetation als Hintergrund ist immer schön. Und draussen kann man auch viele interessante „Requisiten“ benutzen, setzt Euch mal auf’s Fahrrad, balanciert auf dem Kantstein oder lehnt Euch lässig an ein schönes Brückengeländer.

7. Selbstauslöser oder fotografieren lassen?

Beides hat Vor- und Nachteile. Lässt man sich fotografieren, hat man viel mehr Möglichkeiten. Aber es erfordert auch einen geduldigen Fotografen, der möglichst mit der Kamera umzugehen weiß und nicht nach dem fünften Foto schon quengelt, ob das nicht langsam genug sei. Und Ihr müsst genug Vertrauen zu ihm haben, damit Ihr Euch beim Posing nicht albern vorkommt. Eine Freundin ist da meistens wesentlich besser geeignet als der Ehemann oder gar das Kind. Vorteil ist, daß Euch das Lachen einfacher fällt, wenn Euch jemand gegenüber steht.
Beim Selbstauslöser seid Ihr eingeschränkt, vor allem, wenn Ihr kein Stativ habt. Immerhin habt Ihr nur ein paar Sekunden Zeit, um die Klamotten zurecht zu zuppeln, Haltung anzunehmen und den richtigen Gesichtsausdruck aufzusetzen. Dafür könnt Ihr viel mehr ausprobieren, ohne daß Euch jemand auslacht oder genervt ist. Ihr könnt so viele Fotos machen, wie Ihr wollt und dann die schönsten aussuchen. Ich mache meistens 20 bis 30 Bilder und zum Schluß bleiben vier oder fünf gute übrig.

14 comments for “Gelungene Präsentation von Handarbeiten

  1. 17. November 2010 at 21:46

    Hallo,

    danke für die Tipps.
    Das mit dem BH werde ich beim nächsten Fotoshooting berücksichtigen 😉 ? !

    Gruß der René

    dem jetzt über nacht hoffentlig keine Brüste wachsen werden 😉

  2. 17. November 2010 at 21:49

    Zu Punkt 7. habe ich vor kurzem auch so meine Gedanken gemacht, mein Freund ist Amateurfotograf, aber hat höchstens ein oder zweimal bei meinen Handarbeitsfotos auf den Auslöser gedrückt. Ich mach das eh lieber selbst, denn hin und wieder kommt ja auch mehrmals in der Woche vor, das mag ich kaum jemandem zumuten. Stativ und Selbstauslöser benutze ich auch, aber meistens knips ich einfach an mir lang, mit der Zeit hab ich da ganz gute Ãœbung, aber trotzdem braucht es manchmal deutlich mehr als 20 oder 30 Bilder. Aber am Ende zählt das Ergebnis und das ist es mir wert 😉
    LG

  3. 17. November 2010 at 22:28

    Eine sehr schöne Ergänzung zum technischen Teil von Ingrid 🙂

    Nur 30 Fotos?! Ich komme immer drüber. 100 sind von einem guten Projekt mit Person schon notwendig 😳 Aber zum Glück habe ich genau den richtigen Partner (viel Geduld, Kameraliebhaber und Bearbeitungskünstler ;))

    Ich finde es übrigens immer sehr schade, wenn die Fotos nicht toll aussehen. Mir fällt es immer schwer nur das Modell zu sehen. An manchen Tagen schaffe ich es, an anderen nicht 😛

    Werde mir weiterhin gut um meine Fotos kümmern und finde es toll, dass jemand mal ausspricht auf was man dabei achten sollte 🙂

  4. buffbeauty
    18. November 2010 at 08:52

    zum Thema gut/ richtig sitzender BH : wer das noch weiter lesen möchte, kann es

    hier
    http://www.die-aufruehrer.de/forum/viewtopic.php?f=25&t=3854

    oder hier (Achtung, sehr lang)
    http://beautyjunkies.inbeauty.de/forum/showthread.php?t=76879&highlight=bra-fitting

    tun. Gibt interessante Infos, sowie weitere links, z.B. Grössenrechner,

    ist ja nicht so wirklich einfach einen gut sitzenden BH zu finden, selbst wenn man denkt seine Grössen zu wissen, fertigt die Industrie ja manchesmal nach nicht wirklich nachvollziehbaren Prinzipien.

  5. 18. November 2010 at 09:30

    Morning nach Hamburg! Ich finde es nett, wie locker du mit meinem blogbeitrag umgehst und was für interessante Aspekte du noch hinzufügst! Genauso war das eigentlich gedacht: Ein paar bisher unbekannte Dinge rauspicken und ausprobieren. Manche Damen sehen das aber durchaus anders, wie man an den zahlreichen Kommentaren lesen kann. Ich sollte meinen Hang zum Perfektionismus doch mal wieder kritisch überprüfen!

  6. Kupferdaechle
    18. November 2010 at 10:31

    nochmal Thema BH:

    oder gleich zu http://www.busenfreundinnen.net surfen und sich dort schlau lesen 🙂

    Ich war auch SEHR erstaunt, als ich meine neue BH-Größe hatte, aber es lohnt sich wirklich (auch wenn die meisten wieder auf’s Ausland ausweichen müssen 😕 )

  7. Mona
    18. November 2010 at 11:32

    Ein einfaches Stativ kostet 20-30 €. Lohnt sich auf jeden Fall 🙂

  8. Karin
    18. November 2010 at 12:27

    Ich denke ein schönes Bild mit etwas Hintergrundwissen erstellt, schaue ich mir schon lieber an. Danke für die sehr schöne Ausarbeitung.

    Allerdings hab ich es nicht so mit „gestellten“ Bildern von Personen.
    Sicher gut ins rechte Licht gerückt, aber lieber ungezwungen.
    Gestellt sind diese dann zwar auch, aber eben lockerer.Mir gefallen z.B. unwahrscheinlich gut Bilder so aus der Bewegung, viel besser als Standbilder. Ich werd glaub ich keine hohen Schuhe anziehen für ein ravelry Bild oder mich extra schminken. Ich denke,dass wichtigste ist, dass dies zum Typ passen muss, einfach stimmig, an mir würde das künstlich aussehen. 😛

    Trotzdem gefallen mir Deine Bilder, sie passen eben zu Dir 😉

  9. 18. November 2010 at 13:59

    Ich habe einen extra Vorhang, denn den Hintergrund finde ich wichtig.
    Wenn fotografiert werden soll, schnell Vorhang bügeln und aufhängen. Falls ganze Menschen fotografiert werden sollen, ansonsten….

    sehe ich das viel entspannter:
    Foto vom Pulli: Kopf weg, Beine weg, ….scharf stellen auf Pulli…fertisch… :mrgreen:
    Lg
    Monika

  10. 18. November 2010 at 14:22

    Also bei Deinem Beitrag zu dem Thema musste ich doch sehr lachen. Alles klar, ich werde beim nächsten Wäschekauf einen Bleistift mitnehmen. 😉
    Viele Grüße
    Elke

  11. Birgit
    18. November 2010 at 17:11

    Hei Tina,
    aaaalso, ich lese gerne Blogs und erfreu mich auch gern an schönen gelungenen Bildern der selbstgemachten Dinge, aber schön oder gelungen heißt bei mir nicht perfekt, oder auch gestellt! Ich mags nicht so sehr in der aufgesetzten Weise, das wirkt manches Mal ein wenig unecht! Das finde ich übrigens auch bei sogenannten Modells! Nicht jeder hat das Talent, sich ungezwungen vor der Kamera zu bewegen. Ich mags lieber natürlicher, was nicht heißen soll, dass es nachlässig aussehen soll.Oder dass man sich nicht stylen sollte. Vielleicht gibts ja irgendwas dazwischen.
    Und Fantasie bei den Aufnahmen finde ich auch von Vorteil, also nicht immer am gleichen Ort, sondern wie Du erwähntes,t Brückengeländer o.ä.
    Aber ich hab gut Reden. Denn als ich den Artikel las, habe ich spontan gedacht, o man, das ist wohl mit ein Grund, warum ich noch immer keinen Blog führe. Denn wenn ich alles umsetzen wollte, um es in der beschriebenen Art und Weise sozusagen perfekt auszuführen (und wie jemand schrieb, evt. sogar an die 100 Bilder pro Projekt bräuchte), dann würden wohl einige meiner anderen Hobbys zwischendurch brach liegen, von Arbeit und Haushalt mal ganz zu schweigen. Und es würde irgendwann vielleicht in Stress ausarten bzw. mich unter Druck setzen und ich würde vielleicht zu schnell den Spaß verlieren, den es ja auch machen soll.
    Aber natürlich sollte ein selbstgemachtes Projekt, so wie Ingrid es ja ausgeführt hat, in einer vorteilhaften Weise präsentiert werden, damit es nicht untergeht. Ich denke, dass da jeder so seinen Stil hat, und das macht es ja hier im Bloggerland auch so interessant, finde ich!
    Und es ist sicher auch Charaktersache und eine Sache von Selbstbewusstsein, ob und wie sich jemand im Netz präsentiert!
    Und richtig hässliche oder total misslungene Bilder habe ich eigentlich noch nie gesehen, jedenfalls nicht in den Blogs, die ich regelmäßig lese!
    Ich hoffe, dass diejenigen, die sich nicht ganz so viele Gedanken bei der Umsetzung ihrer Bilder machen, diese trotzdem weiter einstellen, denn ich sehe gern selbstgemachte Projekte an! Es inspiriert mich!
    Und das ist das Wichtigste!
    Viele Grüße von
    Birgit

  12. 18. November 2010 at 18:08

    Ich hatte den Bericht von Ingrid auch gelesen und fand ihn sehr lehrreich für mich. Ihre Hinweise haben mich sehr angesprochen.
    Doch Deine Ausführungen sind für mich doch recht viel. So würde ich mich im blog oder internet nicht ablichten, wenn unkenntlich. Und ich kann auch nicht verstehen, daß manche ihre ganze Familiengeschichte dem Netz preisgeben, ihre Kinder zeigen und und und…….Aber ansonsten möchte ich gern bessere Fotos reinstellen. Doch selbs,t wenn manches Bild nicht so ist, es kommt auf die Liebe zum Hobby an und auf die schönen Dinge, die da entstehen. Das achte ich sehr.
    Na ja, Du bist ja bekannt wie eine „gescheckte katze“ oder „bunter hund“ und da mach mal nur schöne Bilder von Dir und den Deinen Tigern.
    Liebe Grüße
    margit

  13. 18. November 2010 at 20:02

    Vielen Dank Tina (und auch Ingrid) für die Tips und den Gedankenanstoß.

    Eigentlich hätte ich auf die Sache mit den Pumps zum Beispiel selber kommen können – habe ich doch auch schon festgestellt, daß ich mich damit besser halte… Und noch mal eben ein bißchen das Make-up auffrischen (tröste Dich, auch ich gehe ungeschminkt nicht aus dem Haus, genauer gesagt lege ich auch was auf, wenn ich am Wochenende den ganzen Tag zu Hause bin – ich habe gelernt, daß ein bißchen mehr als das Minimalprogramm doch besser ist) ist auch nicht so schlimm und schnell gemacht.

    Liebe Grüße
    Bianca
    die eh dringend mal wieder ein paar neue BHs kaufen wollte

  14. Geli/socksandmore
    19. November 2010 at 17:17

    Na, da hast Du mal wieder klare Worte geschrieben!
    Du hast ja in gaaanz vielem recht!
    Aber, da gibt es immer wieder „Hürden“, die es dem einen oder anderen schwer machen richtig gute Fotos zu bekommen.
    Eine meiner Schwestern ist ja Fotografin, aber die hat besseres zutun als meine Teile zu fotografieren…
    Ich gebe mir nun in Zukunft ganz besonders viel Mühe meine fertigen Teile in ravelry zu präsentieren, versprochen!!!

    LG
    Geli

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