Designerportrait: Heike Burkert

Heute möchte ich Euch die Designerin Heike Burkert vorstellen, die sich auf Socken spezialisiert hat. Allerdings keine gewöhnliche Fußbekleidung, sondern Socken der ganz besonderen Art. Hier z.B. das Modell “rose garden” zu dem Heike schreibt: “Englische Rosen, ihre Farben und Formen finde ich faszinierend. Durch geheime Gärten zu streifen und verschlungene Wege zu entdecken – hier ist noch viel in Arbeit”.

Heike ist 46 Jahre alt, hat zwei erwachsene Kinder, lebt in Rostock und strickt seit ihrem 13. Lebensjahr. Sie schreibt: “Ich weiß gar nicht, wie es sich anfühlt, nicht zu stricken. Wenn ich das ein paar Tage mal nicht tun kann, fehlt mir was. Ohne Strickzeug fahre ich nirgendwo hin. Am Stricken fasziniert mich vieles: die Wolle (ich bin ein totaler Schaf-Fan!), das Gestrick, das entsteht, die Bewegung der Hände, das Zusammenfinden von Fäden, Mustern und Farben, das Entwickeln von Ideen und das Gefühl, etwas selbst getan zu haben, nur mit den Händen, ohne Technik und Maschinen. Für mich ist Stricken Tiefenentspannung. Andere alte Handarbeitstechniken finde ich auch spannend: ich kann auch klöppeln und spinnen. Aber stricken tue ich am liebsten”.

Heike strickt eigentlich alles, aber ihre große Liebe gilt den Socken. Das Sockenstricken hat sie als Kind von ihrer Oma gelernt: “Als ich sie bat, es mir beizubringen, konnte sie das überhaupt nicht verstehen: Sie war mit drei kleinen Kindern während des Krieges aus Ostpreußen geflüchtet und hatte schwierige Zeiten durchgestanden – Socken zu stricken war für sie immer nur eine freudlose Notwendigkeit gewesen. Mich hat es von Anfang an begeistert. Ich finde, für jemanden ein Paar Socken zu stricken, ist etwas sehr persönliches. Socken umschmeicheln und wärmen Füße und Seele wie eine zweite Haut. Sie sind schnell gestrickt und bieten viele technische Möglichkeiten.
Am Sockenstricken mag ich auch, dass vorwiegend dünnes Garn verwendet wird. Ich bin ein großer Freund von dünnen Fäden und Gestricken, die fein sind, aber trotzdem wärmen. Ich kann gar nicht verstehen, warum der deutsche Markt vorrangig diese riesig dicken Garne herstellt – wer sieht z.B. mit Pullovern aus solcher Wolle schon wirklich gut aus? Mich stört es gar nicht, ein feines Sockengarn mit Nadelstärke 2 – 2,5 zu verstricken”.

Heike nennt ihre kleine Manufaktur für handgestrickte Designersocken “Speaking Socks“: “Irgendwann brauchte das Kind einen Namen und so entstand „speaking socks“. Auf einer Ausstellung hat mich mal ein recht mürrischer älterer Herr gefragt, warum denn immer alles so verenglischt sein muss. Aber ich weiß nicht, ob sich ein Label mit dem Namen „sprechende Socken“ so gut machen würde. Den englischen Begriff fand ich eingehender und passen und sicher auch für diejenigen erfassbar, die im englischen nicht so sehr gut sind”.

“Die Idee, mehr als nur Wolle oder ein einfaches Muster für eine Socke zu verwenden, kam mir, als meine Tochter auf ein Internat weit weg von zu Hause ging – natürlich sollte sie wärmende Seelensocken mitbekommen. Die Socken sollten ihr Symbol sein für Wohlfühlen und Umsorgtsein und Heimat in der Ferne. Also „schrieb“ ich den Namen unserer Stadt auf die Strümpfe und strickte Bilder, die mir dazu einfielen.
So entwickelte sich der „Kunstraum Socke“. Ich fand mehr und mehr Spaß daran, den freien Platz auf den Socken für meine künstlerischen Ideen zu verwenden (denn schließlich ist die Zeit der Bilderpullover Gott sei dank lange vorbei). Inzwischen bringe ich alles auf Strümpfe, was mich bewegt, inspiriert und interessiert: Bilder, die ich sehe, Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, Menschen, die mir begegnen oder fremde Orte. Andere Menschen sehen vielleicht nur ein Bild – ich sehe Socken.
Das Umsetzen der Bilder ist stricktechnisch manchmal gar nicht so einfach. Meist stricke ich die Flächen in der Intarsientechnik ein, die sich in der Runde zwar nicht wirklich technisch schwierig strickt, aber einen Perfektionisten wie mich vom Strickbild her immer noch nicht so ganz befriedigt. Da kniffle ich noch an einer Verbesserung. Leider kann man sich nur mit wenigen darüber austauschen, weil nach meiner Erfahrung vor allem in Deutschland die Technik des Intarsienstrickens in der Runde relativ wenig bekannt ist – jedenfalls findet man entsprechende Hinweise in der Literatur vorwiegend auf dem englischen und amerikanischen Markt. Wenn sich vielleicht auf diesem Weg jemand findet, der mit mir darüber fachsimpeln kann, wäre das toll!”

“Meist verwende ich Sockengarn von Regia/Coats, denn es bietet zumindest auf dem unkompliziert erreichbaren Markt die größte Farbpalette. Natürlich verwende ich auch die anderen bekannten Sockengarne der üblichen Hersteller. Aber es ist gar nicht so einfach, passende Farben für meine Vorstellungen zu finden. Oft fehlen vor allem Zwischentöne und Farbnuancen. Es gibt ohne Frage tausende von Multicolor-Versionen, die auch für einfache Socken wunderbar sind. Aber ich brauche die Farben eben meist einzeln – so schnipple und wickle ich mir auch aus den Colorgarnen einzelne Farbtöne heraus. Wichtig ist immer hochwertige Sockengarnqualität, also die Mischung von (bester) Schurwolle (75 %) und Polyamid (25 %). Das Polyamid ist zwar keine natürliche Faser, aber wichtig. Nimmt man eine Mischung ohne Polyamid, scheuert das Garn aufgrund der Beanspruchung sehr schnell durch – und wer möchte das schon bei einem teuren Unikat bzw. wer möchte schon den freudlosen Sockenstrickerwiederherstellungszustand meiner Oma… Inzwischen gibt es ja auch wunderschöne Mischungen mit Seide und Kaschmir; aus Australien bekam ich mal eine reine Kaschmir/Polyamid-Mischung – himmlisch für die Füße”.

Alle Socken von Heike sind Unikate, d.h. in der Regel fertigt die Designerin sie nur einmal an. Konkrete Aufträge werden meist so an sie herangetragen, dass ihr jemand vom Anlass oder der Person oder deren Themen erzählt und fragt, ob sie nicht „irgendwas“ dazu machen könne. Hier zum Beispiel ein Auftrag zum Geburtstag einer Gartenliebhaberin:

Diese Socken gehören zur Farbrausch”-Serie – die Idee hierzu kam durch das handgefärbte australische Merinogarn namens “bloody mary”. So entstanden die blutigen Herzgedanken:

“Meine Designs habe ich schon mehrfach ausgestellt, u.a. in der Rostocker Kunstnacht. Ich habe auch schon an Messen teilgenommen. Dabei ist es mir aber wichtig, gut auszuwählen, denn ich begreife meine Socken schon als Kunsthandwerk und nicht nur als bloße Handarbeit. Ich habe gemeinsam mit Sabine Bucko am letzten Strickfestival auf Fanø in Dänemark teilgenommen und dort auch Christel Seyfarth und Vivian Hoxbrø kennengelernt. Die dänische Fachzeitschrift „gavstrik“ hat in Auswertung des Festivals über mich und meine Socken berichtet. Ich leite hier in Rostock einen Kurs zum Sockenstricken an der Volkshochschule, der sehr gut angenommen wird; biete aber auch private Wochenendkurse an”.

“Ich möchte gern noch mehr veröffentlichen – meine Entwurfsliste ist riesenlang und eigentlich bräuchte ich Hände, die mir beim Stricken helfen. Ich habe Ideen für ein Buchprojekt und für Anleitungen und würde sehr gern auch noch mehr mit interessierten Stricker/Innen direkt in Workshops o.ä. arbeiten, denn das macht mir immer ganz besonders viel Spaß”.

Wer mit Heike Kontakt aufnehmen, kann dies über das Kontaktformular auf ihrer Seite tun.

21 comments for “Designerportrait: Heike Burkert

  1. Mona
    18. Juni 2011 am 14:51

    Ich bin sprachlos *das kommt sehr selten vor* ich habe noch nie so tolle und künstlerisch wertvolle Socken gesehen. Das sind ja richtige Kunstwerke und m.E. viel zu schade, sie zu tragen.
    Das Modele “Rose garden” und “bloody mary? sind meine absoluten Favoriten.
    Ich wünsche der Designerin noch ganz viele kreative Ideen und alle Zeit der Welt zum stricken.
    LG Mona

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  2. 18. Juni 2011 am 15:09

    superschoene socken – sehr inspirierend! und mal was ganz anderes….

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  3. 18. Juni 2011 am 16:03

    Das sind ohne Frage Kunstwerke auf Socken! :shock:
    Besonders gut gefällt mir “Landlust” ;auch wegen der harmonischen Farben die so gut zu den weichen Linien passen. Ich bin begeistert!
    Der “Geheime Garten” muss eine Geduldsarbeit gewesen sein…
    Wie schön, dass beide Socken erst gemeinsam das Ganze bilden, der eine als Ergänzung des anderen.
    Nun will ich rausfinden, was “Intarsientechnik” überhaubt ist- weiß ich doch, das da noch so vieles ist das ich nicht weiß. ;-)

    Toll, Tina was man bei dir entdecken kann.

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  4. Eva
    18. Juni 2011 am 16:03

    Wow – ich bin auch sprachlos!! Ich muss gestehen – ich kannte Heike Burkert nicht. Unheimlich schöne Designs mit so viel Tiefe. Sie hat recht, wenn sie schreibt, dass sie ihre Socken als Kunsthandwerk sieht.

    Vielen Dank für die Vorstellung dieser fantastischen Künstlerin!

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  5. Bea
    18. Juni 2011 am 16:18

    Wunderschön. Vor allem die englische Rosensocke ist total klasse.

    Bewundernde Grüße
    Bea

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  6. 18. Juni 2011 am 16:48

    wunder,wunderschöne Socken! Ich bin absolut begeistert! Bis heute habe ich noch nichts von dieser Designerin gewußt- und das finde ich richtig schade. Danke Tina fürs Vorstellen und ich bin mir sicher, ab heute werden wir noch viel von ihr hören bzw lesen!

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  7. Silke
    18. Juni 2011 am 17:18

    Wirklich sehr schöne Unikate. Ich stricke auch gerne Socken und Kniestrümpfe, trage sie auch fast immer, weils bei mir auf Arbeit immer recht kalt ist und ich sonst dauernd kalte Füße habe. Dünne Garne mag ich auch viel lieber als die Dicken. Wir sind hier ja nicht in Sibirien.
    Jedenfals sind ihre Socken wunderschön!!!!

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  8. 18. Juni 2011 am 17:40

    Hallo Heike …
    toll, dass du dich über Tina vorstellen lässt :-) – deine Socken sind wunderbar und die Idee, Ereignisse, Gefühle o.ä. auf ihnen darzustellen, finde ich sehr schön!
    Für dein weiteres Wirken wünsche ich dir ganz viel Erfolg und weiterhin viele schöne und umsetzbare Ideen!
    Ich bin so gar kein Intarsienstricker, aber vielleicht findet sich jetzt jemand über den Blog von Tina, mit dem du dann mal einen regen Austausch führen kannst – ich drücke die Daumen!

    Liebe Grüße;
    Anja

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  9. Marion
    18. Juni 2011 am 18:04

    Also socken zu stricken ist nicht so meins, da halte ich es wie heikes großmutter, würde sie nur ause der notwendigkeit machen, trage auch keine und wenn nur unifarbene sneakersöckchen.

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  10. 18. Juni 2011 am 18:30

    WOW! Sind das schöne Socken. Individuell, gestrickte Malereien über 2 Socken… was es alles gibt – Wahnsinn!

    Danke liebe Tina (auch für deine Mail)

    Liebe Wochenendgrüße – Sunsy

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  11. barbara
    18. Juni 2011 am 18:35

    Danke für’s vorstellen.
    Einfach eine tolle Arbeit!

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  12. Caroline
    18. Juni 2011 am 19:23

    Superschön, wirklich, ich bin ganz begeistert, dass man überhaupt auf solche Ideen kommt! Es wirkt wie Malerei und gehört eher in ein Museum als an die Füße… hoffentlich gibt es wenigstens von allen Socken auch Photos, damit sie die Zeit überdauern! Danke für’s Vorstellen!
    Caroline

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  13. 18. Juni 2011 am 19:52

    …das sind wahrlich Kunstwerke und ich bewundere jeden der Socken strickt und dann solche Meisterwerke! Heike, ganz dickes Kompliment für deine Idee auf Socken oder für “speaking socks” *daumennachoben

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  14. 18. Juni 2011 am 21:17

    da kann man nur sagen, Hut ab, vor den tollen Socken. Das sind wahre
    Kunstwerke,
    Gruss Christa

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  15. smarty
    18. Juni 2011 am 22:07

    Wow!

    Liebe Heike, ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen:
    Das ist wahre, richtige Kunst, die Du da mit Nadel und Faden fertigst!

    Alles Gute für Dein weiteres Wirken,

    smarty :smile:

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  16. 18. Juni 2011 am 22:32

    Tina, Dir erst mal vielen Dank, was Du da für uns machst. Und von Heike habe ich noch nie gehört, obwohl ich dachte, viele Sockendesignerinnen zu kennen. Mir fehlen richtig die Worte, was die Strickerin da zaubert. Einfach wuuuuuuuuuuuuuunderschön, toll, super…..
    Schönen Sonntag noch und lieben Gruß
    margit

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  17. Bolline
    18. Juni 2011 am 22:54

    Danke für’s Vorstellen liebe Tina!
    Das sind Sockenträume . . .
    Rostock wartet, die muss ich mir irgendwann in natura ansehen!

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  18. 18. Juni 2011 am 23:18

    Ganz wundervoll – so schöne Einzelstücke, so viel Phantasie und so viel Geduld in der Umsetzung – toll!

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  19. 19. Juni 2011 am 21:49

    Wow, ich bin einfach nur platt :shock:
    Das sind wunderschöne Werke :) Sind die nicht schon zu Schade zum tragen? :)

    LG

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  20. kelli
    21. Juni 2011 am 11:11

    Spät aber doch, mein Kommentar.

    Wieder einmal ein tolles Porträt.
    Ich bewundere es, wenn mit vielen Farben gestrickt wird.
    Besonders toll finde ich, dass die Socken “einander ergänzen”

    LG
    kelli

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  21. evelyne
    28. Juni 2011 am 07:48

    Wow, eine freundin hat mich auf diesen beitrag aufmerksam gemacht. ich bin sprachlos, dass es in meiner Heimatstadt jemanden gibt, der solch wundervolle Dinge entstehen lässt.Ich bin handarbeitlich eigentlich begabt,aber ans Socken stricken habe ich mich noch nicht getraut. Werde mich mal umhören, wann es die Kurse an der Volkshochschule gibt und, wenn es zeitlich klappt, einen besuchen.
    Toll, weiter so. Ich werde jetzt genauer schauen, vielleicht habe ich die Möglichkeit, deine tollen Kunstwerke in natura zu bewundern

    LG Evelyne

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