Was ist eigentlich geheathert?

„Geheathert“ ist die künstliche Eindeutschung des englischen „heathered“ und Ihr werdet das Wort in keinem Duden finden. Aber es gibt einfach keine gescheite deutsche Entsprechung für diese Art der Farbigkeit. Am ehesten wäre es noch „meliert“, aber meliert wird im deutschen Sprachgebrauch alles Mögliche genannt, z.B. auch sowas:

Daher finde ich meliert als Übersetzung für heathered zu ungenau. Ein richtiger Heather-Farbton sieht auf den ersten Blick ziemlich einfarbig aus, auf den zweiten offenbart sich aber folgendes:


(Wool of the Andes in Farbe „Forest Heather“)

„Heather“-Farbtöne vereinen mehrere, teils sehr unterschiedliche Farben zu einem Gesamteindruck einer Hauptfarbe:


(Cascade 220 in Farbe „Rainier heather“)

Noch einen drauf setzen manche Shetland-Garne, da sind dann richtig viele Einzelfarben miteinander verzwirnt. Der Gesamteindruck ist zunächst wieder eine Hauptfarbe:

Aber wenn man genau hinguckt:

Verstrickt wirken Heather-Töne lebendig und gleichzeitig ein bisschen diffus. Im Gegensatz zu Martine, von der die heutige Wollschaf-Frage stammt, mag ich solche Wischiwaschi-Farben sehr gerne:

Leider gibt es bei deutschen Garnherstellern Heather-Töne bisher überhaupt nicht – jedenfalls habe ich noch nie welche gefunden. Die Cool Wool Merino Melange-Töne und die Yak von Lang Yarns gehen zwar ein bisschen in die Richtung, sind aber noch zu sehr Ton-in-Ton und daher zwar meliert, aber eben nicht geheathert.

33 comments for “Was ist eigentlich geheathert?

  1. 2. August 2011 at 18:59

    Meine Mutter (fast 75) meinte gerade:
    „Was, dafür soll es kein deutsches Wort geben ? Das ist eindeutig gemuschelt, das gab es schon in den 50igern ….bla bla bla“

    Das soll ich hier mal schreiben, natürlich ohne das bla bla, aber sie guckt ja nicht hin (und obwohl das unter Garantie in keinem Duden steht). ;o)

  2. Ruth/Berophar
    2. August 2011 at 19:09

    Die Lang Georgia würde ich auch dazuzählen; bei der Wollemaus kann man sich die gut in Großaufnahme ansehen (im Suchfeld nur nach „Georgia“ suchen).

    Und ich mag diese Farbtöne auch sehr gerne, weil sie so lebendig und gleichzeitig nicht unruhig wirken.

    Liebe Grüße
    Ruth/Berophar

  3. 2. August 2011 at 19:10

    Die Drops Alaska gibt es auch in leicht geheathert, aber das entspricht am ehesten der Cascade220 Mischung, also nicht so sehr unterschiedliche Farbtöne.

    Ich übersetze das meist mit „durchzogen“, wenn mir jemand fragt, finde das aber auch suboptimal zutreffend.

  4. Ruth/Berophar
    2. August 2011 at 19:10

    Du hast „Wollschaf-Frage“ übrigens falsch verlinkt 😉

  5. 2. August 2011 at 19:11

    Ach ja, ich bin auch großer Liebhaber dieser Garne weil sie nicht so blockartig aussehen wie die Solids 😉
    Lebendig aber nicht unruhig und zu bunt.

    LG,
    Daria

  6. 2. August 2011 at 19:45

    Tjaaa, das was du hier als meliert zeigst kenn ich unter der Bezeichnung Mouliné. Okay, auch nicht deutsch aber die korrekte Bezeichnung. 😉
    Und unter meliert versteh ich eben das was du als geheathert bezeichnest. :mrgreen:
    Vielleicht sollt ich mal wieder meine Materialkunde-Ordner aus meiner Lehrzeit hervorkramen. *kopfkratz*

    Danke fürs Erklären. :D:

    Liebe Grüsse
    Alpi

  7. Monika
    2. August 2011 at 20:04

    Ich liebe geheathert,… :mrgreen:
    Das hat was…..tweediges….die Farben sehen nicht so hart aus, und kuscheln gut…

  8. 2. August 2011 at 20:05

    Ich liebe Heather Farben. Holst hat einige schöne Töne, aber von den Starmore Garnen bin ich begeistert. Schade dass sie keine Farbkarten versendet.
    Viele liebe Grüße
    Uschi

  9. 2. August 2011 at 20:06

    Das bringt einen auf Designideen 🙂

    Gruß

    Renate

  10. Monika21
    2. August 2011 at 20:15

    Hallo Tina,
    danke für die Erklärung – und die Abgrenzung zu meliert! Hast mich aufgeklärt!
    Aber: das, was Du da am Stricken bist, das mit dem Superzopf aus der Knit Picks-Wolle, das ist nicht zufällig die Wolle, die Du am Sonntag bestellt hast, oder??
    Viele Grüße
    Monika

  11. Ursula
    2. August 2011 at 20:17

    Bei Lucca fino und Schetlandgarn von BC gibt es auch verschiedene sehr schöne „gemuschelte“ Farbtöne. Meine Mutter hätte diese Farben genau so genannt (Gruß an Silke!) und im Gegensatz zu mir nicht gemocht. Die waren ihr nicht klar und eindeutig genug. Über Geschmack lässt sich eben nicht streiten. 😉

    Liebe Grüße Ursula

  12. Jana
    2. August 2011 at 20:29

    Die Drops Alpaca m-Töne sind in meinen Augen auch typisch geheathert bzw. „Mauscheltöne“ wie ich es nenne 😉
    Viele Grüße!
    Jana

  13. 2. August 2011 at 20:46

    Ich glaube Linea Hor von Karen Noe ist auch geheathert Es ist ein Leinengemisch in einer wunderbaren Farbpalette.
    Das ist mir noch eingefallen (hab´s auch grad fertig verstrickt).
    Uschi

  14. Mara
    2. August 2011 at 21:19

    Hurra für Heathers!!!!

  15. Martina
    2. August 2011 at 21:32

    Danke für die Erklärung, einfach super, vor allem die anschaulichen Bilder. Ich hab auch nur gefragt was es ist, nicht daß ich es nicht leiden mag. Im Gegenteil, ich finde den Effekt großartig, das Garn „lebt“.
    LG Matina

  16. PiaPessoa
    2. August 2011 at 21:39

    Also ich würde sagen, dein erstes Beispiel für meliert ist meliert – und da sehe ich keinen signifikanten Unterschied zu deien anderen Beispielen von geheathert.
    Das zweite Beispiel hat einen langen Farbverlauf, und das ist dann eindeutig NICHT meliert. Jede Partie einzeln würde aber als meliert durchgehen.

    Und: soclhe Farben sind auch genau mein Beuteschema!

    LG, Pia Pessoa

  17. 2. August 2011 at 21:54

    Das ist ja ein wunderschönes Zopfmuster! Hast du dafür eine Quelle?

  18. 2. August 2011 at 22:19

    Lang Yarns Baby Alpaca hat auch einige schöne Muscheltöne. Ein sehr schönes Wort, das man auch eindeutig zuordnen kann. Das übernehm ich!

  19. zoe
    2. August 2011 at 22:41

    Wie wäre es mit „gemasert“? Ich habe hier ein paar Kilo Naturwolle rumliegen, die sieht im Prinzip genauso aus, nur dass sie halt in Naturtönen ist, also schwarz, weiß, grau – mit kleinen flusen aus den anderen beiden Farben. Das übergefärbt sieht genauso aus wie „geheathert“ – aber gut zu wissen, dass es dafür tatsächlich einen Begriff gibt.

  20. Liane
    3. August 2011 at 01:34

    sowie ich das bis jetzt verstanden hatte, ist das folgendermasse:
    Heather bedeutet Heide, also with das Heidekraut (so wie bei Lueneburg in der Heide). Wenn man dann mal so ueber ein bluehendes Heidefeld schaut, da kann man dann sehen was „heathered“ ist. Ich verstehe darunter das die Wolle einen graulich/lila shimmer hat. Wie Zoe schon sagte, so kleine lila flusen sind mit eingemasert worden beim spinnen der Wolle und daher ergibt es dann diesen „heathered look“

    Liane ( aus Canada, wo es sehr wenig Heidekraut gibt – Ich vermise die Lueneburger Heide).

  21. Martina
    3. August 2011 at 07:42

    Vielen Dank für die anschauliche Erklärung – man lernt einfach nie aus 🙂 Ob Heather oder Heide oder Muschel – ist einfach schön.

  22. 3. August 2011 at 08:29

    Ich finde die Garne wunderschön. Das fertige Strickstück hat für mich eine Art „used look“, es schaut direkt ein bisschen verwaschen aus, irgendwie. Am besten finde ich die Wirkung mit Zopfmustern, wie das graue Strickstück, dass du gezeigt hat. Diese rosa Cascade wär was für mich 😉

  23. 3. August 2011 at 08:37

    Bevor ich den Begriff „geheathert“ kannte, sagte ich immer „tweed“. Das wurde von jedem verstanden und das werde ich auch beibehalten.

  24. 3. August 2011 at 08:43

    Mir gefallen die „geheatherten“ Garne auch sehr gut. Schade das es auf dem deutschen Wollmarkt noch keine so tollen Garne gibt.

  25. 3. August 2011 at 09:26

    Gestern abend gab es ganz spät einen Bericht über Farben. Sie zeigten dann ein Bild aus einem Museum, wenn Du es von weitem sahst, hatte die Dame eine weiße Bluse an, wenn Du nah heran kammst, waren verschiedene Farben zu sehen. Es war ein irrer Anblick. Die Sendung war sehr gut. Ich werde mir mal mehr solche geheatherten Wollen ansehen.
    Dir nen schönen Tag und grüße Deine Wollnasen von mir
    margit

  26. 3. August 2011 at 10:07

    Danke für die anschauliche Erklärung! Wieder was dazu gelernt. 🙂

    LG Andrea

  27. tricia
    3. August 2011 at 11:13

    > Leider gibt es bei deutschen Garnherstellern Heather-Töne bisher überhaupt nicht – jedenfalls habe ich noch nie welche gefunden.

    Was ist mit Baby Alpaka von Schachenmayr? Auch wenn die Farbbezeichnungen vom Hersteller mit „meliert“ kombiniert werden? 😮

  28. Angelika
    3. August 2011 at 15:41

    Danke für die ausführliche Erklärung!
    Ich liebe diese etwas verwaschen wirkenden Farben auch sehr. Früher gab es von Schewe ein Shetlandgarn in tollen geheatherten Tönen, das ich viel und gerne verstrickt habe.
    Leider existiert die Firma nicht mehr.

  29. Silke
    3. August 2011 at 18:43

    Ich hab es für mich bisher immer durch den Herstellungsprozeß unterschieden:

    – Heather Garne entstehen durch unterschiedlich gefärbte Vliese die zu guter Letzt noch einmal „zusammenkardiert“ und das Gemisch dann versponnen wird. Also ein schwarz gefärbtes Vlies plus ein weißes Vlies zusammen in den Karder gegeben und das Gemisch dann versponnen ergibt ein graues geheathertes Garn.
    Uh, das war jetzt aber Denglisch… 🙄
    – Tweed ist grundsätzlich ein einfarbiges Vlies in das beim Verspinnen andersfarbige Batzen quasi eingestreut werden, das gibt die Tweed“flecken“
    – Meliert sind zwei (oder mehr) einfarbig ausgesponnene Fäden, die für das Garn dann zusammen verzwirnt werden

  30. 4. August 2011 at 13:02

    Mädels, Mädels … Ihr bringt mich ganz schön zum Staunen 😉 . Die Waschmittelindustrie gibt Millionen aus, um Werbespots über Produkte zu drehen, die den Grau- oder Weißschleier angeblich von der Kleidung entfernen sollen, damit die Farben wieder richtig leuchten … und auf Garn wollt Ihr den freiwillig drauf haben 😯 😯 😯 ❓ ❓ ❓ Ich fasse es nicht ❗ Wenn ich Euch so lese … Ich bin wohl die einzige auf dem Planeten, die dieses milchige Zeug nicht mag 😳 😳 😳
    Viele Grüße
    Martine

  31. 4. August 2011 at 16:26

    ahhhhh schon wieder was dazu gelernt.
    Danke für die ausführliche Beschreibung!
    ich hätte es schlicht mit meliert bezeichnet.

    ob man das nun mag oder haben muss, sei mal dahingestellt.

    Für mich war das Wort geheathert irreführend, weil Heather – Heidekraut oder Erika Pflanze oder Mädchennamen bezeichnet.

    Dann kenne ich noch Heathergem, diese unter hohem Druck gepressten Heidekrautstengel, aus denen Schmuck gemacht wird.

    winkeeeeeeeeeeee

  32. 4. August 2011 at 21:33

    “heatheredâ€? — klar gibt es ein deutsches Wort!

    verheddert, auf norddeutsch vertüddelt

    Das war übrigens der Grund, warum wir früher beim Gummitwist bzw. bei der Gummihopse auf die Gusche gefallen sind. 😆

  33. eva
    5. August 2011 at 07:46

    @Silke: nicht ganz richtig. Zwei oder mehr farbige Fäden, die miteinander verzwirnt werden, ergeben einen Mouliné.

    „Meliert“ ist schon das richtige deutsche Wort für Garne, die „geheathert“ sind, nur sind Melangen oft sehr viel einfacher Ton-in-Ton gestaltet.

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