Stricksucht – die unbekannte Volkskrankheit

Vielfach wird in den Medien über die zunehmende Anzahl von Suchterkrankungen in Deutschland berichtet. Ob Alkohol-, Spiel- oder Internetsucht – die Betroffenen leiden meist sehr unter ihrer Abhängigkeit und stoßen zudem auf Unverständnis und Ablehnung in der Gesellschaft. Daher verheimlichen sie ihre Sucht und wollen sich diese oftmals selbst nicht eingestehen.

Ãœber eine mittlerweile weit verbreitete Form der Abhängigkeit ist jedoch bisher sehr wenig bekannt: Die Stricksucht, auch Wollomanie genannt. In erster Linie befällt sie Frauen, doch es wurden auch schon Fälle von betroffenen Männern berichtet.Frau W. aus E. - ein hoffnungsloser Fall

Der Ãœbergang vom bloßen Hobby zur Besessenheit ist hierbei fließend, daher ist eine Stricksucht nur schwer zu diagnostizieren. Symptomatisch ist vor allem der ständige und kaum zu bezähmende Drang, rund um die Uhr und in jeder Lebenslage zu stricken. Ob beim Zahnarzt, im Stau oder sogar im Kino – der Betroffene hängt ständig an der Nadel. Verwehrt man ihm das Stricken, wird der Wollomaniker nervös und gereizt, neigt sogar zu hysterischen Anfällen. Leidtragende sind vor allem Angehörigen und Freunde, denn sie müssen nicht nur das ständige Nadelgeklapper ertragen, sondern werden auch noch gezwungen, die gestrickten Produkte zu (er)tragen. Eine weitere Folge der Stricksucht ist das maßlose Horten von Wolle und Strickbüchern, was in machen Fällen katastrophale finanzielle Folgen hat.

Bisher hat es noch keine detaillierten Studien über die Verbreitung dieser Erkrankung gegeben. Eine Befragung ergab jedoch, dass 25% aller deutschen Frauen über 14 Jahre mindestens einmal im Monat stricken. Es ist anzunehmen, daß bei den meisten davon ein latentes Suchtpontetial vorhanden ist. Die tatsächliche Rate derjenigen, bei denen die Krankheit schon zum Ausbruch gekommen ist, kann nur geschätzt werden, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.  

als Seminar getarnte StrickorgieEs kann jedoch als erwiesen angesehen werden, dass eine beträchtliche Anzahl der Betrof-fenen Zugang zum Internet hat und diesen dazu nutzt, Kontakt mit anderen Stricksüchtigen herzustellen. Foren, Mailinglisten sowie die immer weiter verbreiteten Online-Tagebücher, Weblogs oder kurz Blogs genannt, dienen dem Erfahrungsaustausch, treiben die Stricksüchtigen aber gleichzeitig immer weiter in ihre Abhängigkeit. Suchtstoffe wie Wolle oder Strickanleitungen werden durch das Internet noch leichter zugänglich gemacht, ja die Wollomaniker ermuntern sich gegenseitig sogar noch ihrer Sucht zu frönen und geben sich Tips für neue Dealer. In vielen Fällen verabreden sie sich sogar zum gemeinsamen stricken. Durch die ständige Reizüberflutung wird der Betroffene immer weiter in die Abhängigkeit getrieben, die Chance diesem Teufelskreis zu entkommen ist gleich null.

Erstaunlicherweise empfinden die Erkrankten ihre Sucht jedoch durchweg als positiv – alle von uns Befragten gaben an, die Stricksucht als Bereicherung ihres Lebens zu sehen. Eine therapeutische Behandlung lehnten sie vehement ab.

Es steht zu befürchten, dass die Krankheit sich immer weiter ausbreiten wird. Zu einen versucht der Stricksüchtige alle Personen in seinem Umkreis zu infizieren. Zu anderen können die Grundlagen für eine spätere Stricksucht schon durch das bloße Berühren von Wolle oder das Ansehen eines gelungenen Strickstücks gelegt werden.

Da die Heilungchancen minimal sind und Präventionsmaßnahmen unmöglich, sind die Folgen für Volkswirtschaft und Gesellschaft unabsehbar…

15 comments for “Stricksucht – die unbekannte Volkskrankheit

  1. Anke
    3. Mai 2007 at 22:37

    *KICHER*

    Ich oute mich jetzt auch mal als *Wollaholic*!!!!
    Und ich gelobe keine Besserung,und möchte auch nicht therapiert werden.
    Es gibt doch nicht Schöneres,als durch Wollgeschäfte zu schweben und Garne zu beschmusen.
    Es verschafft ein Glücksgefühl,wenn man den *Stash* mit hochwertigen Garnen erweitern kann.
    Strickbücher sammeln ist wohl eine Folgeerscheinung der *Wollsucht*.
    Ich bin zum Glück in der angenehmen Situation,dass mein näheres Umfeld ( Gemahlsgatte,3Kinder und Hund) sich nicht durch meine Woll- und Stricksucht beeinträchtigt fühlt.
    Ich strick weiter bis meine Hände die Nadeln nicht mehr halten können.
    Diese Sucht ist nicht heilbar! Zum Glück! ;O)

    Liebe Grüße,Anke

  2. Loretta
    4. Mai 2007 at 01:34

    Sehr schoener und beruhigender Bericht – man ist nich allein. Ich habe einen sehr grossen Stasch, aber das ist ja (1) schoene Insulierung fuer mein Haus, sicherlich habe ich weniger Energieverbrauch dadurch was ja gut fuer die Globale Waermung ist und (2) in letzter Zeit hat es schon so viele diverse Tierkrankheiten gegeben da weiss man ja nicht ob es zu einer Schafseuche kommen koennte wo es dann keine Wolle zu kaufen gebe. Es ist schon besser sicher zu sein. Loretta

  3. 4. Mai 2007 at 07:21

    oO – ich hab die erste Strickmailinigliste gegründet – muss ich nun mit Stafverfolgung wegen „Süchtigmachens“ rechnen *grübel*.

    Glücklich süchtige Wollomaniergrüsse

    dein Eheweib *mit gut isoliertem Haus*

  4. 4. Mai 2007 at 14:23

    Tina – der Beitrag ist genial. Den solltest Du bei … ach nee, was deutsches wie Knitty jibbet ja gar nicht.

    Hallo – ich heiße Katja und ich bin Stricksüchtig. *setztsich*. Und sehr froh darüber!!!!

    Immer noch schmunzelnde Grüße
    Katja

  5. 6. Mai 2007 at 23:08

    Sehr geehrte Frau Prof. Wollstashtina!
    Da muss ja wohl mal fein differenziert werden! Hier werden auf unverantwortliche Weise Knitmania und Stasheritis miteinander verquiekt!

    Stricksucht (Knitmania) liegt vor, wenn die Betroffene (der Anteil männlicher Strickabhängiger ist vernachlässigbar gering) ihr Strickzeug jederzeit und ohen ersichtlichen Grund gegen wehrlose Personen zückt, so beobachtet in Wartezimmern von Ärzten, Straßenbahnen und Fußballstadien. Der Krankheitsverlauf ist zumeist unagressiv und kommunikativ. Begründung für die Hortung von Garnen ist hier oft: „Es könnte sein, dass ich genau dieses Garn mal für ein besonderes Projekt brauche.“

    Stasheritis ist hingegen, wie die Endung -itis vermuten lässt, mit starken Agressionen verbunden. Beispiel “ Nein, dein blöder eigenhändig geangelter Fisch hat in unserer Tiefkühltruhe keinen Platz! Ich muss darin meine Wollvorräte gegen Motten schützen!“

    „Itis“ geht auch oft mit starkem Juckreiz einher und zwingt die Betroffene, dauernd neue Garnvorräte anzulegen. Häufige Ausrede: „Es hat mich halt mal gejuckt! Die Grmpflwf hatte einen Sonderverkauf…!“

    Wissenschaftliche Grüße
    Frau D.R. Wollich

  6. Angelika Dobler
    7. Mai 2007 at 18:02

    Ich glaube Frau D.R. Wollich hat 100% recht.
    Strickmania und Stashsucht sind zwei verschiedene Krankheiten.
    Ich stricke jeden Tag und opfere Schlaf, wenn mein normaler Tag keine Strickzeit hatte, habe aber eine Stash die in einen grossen Samsonite Koffer unters Bett passt.
    Ich habe eine Freundin, die ein ganzes Zimmer voll Wolle hat ( und nach letzter Zaehlung ueber 2000 Knaeuel Sockenwolle hat…und das ist nur der Anfang…miSchals und Socken strickt. Sie warted seit ueber 30 Jahren darauf, dass sie mal Lust hat was anderes zu stricken und hat die Wolle fuer dieses Leben und die naechsten zwei oder drei.
    Ich wohne und arbeite in einem armen Land und glaube das eine “ exaggerated “ ( wiss das Deutsch Wort nicht ) Stash ist typisch ( zusammen mit einem Fernseher in jeden Raum, zuviel Kleider, Schuhe etc ) fuer eine Gesellschaft die so viel hat, dass sie nur gluecklich sein kann, wenn sie noch mehr erstehen kann.
    Als Deutsche, die lange in den USA und dann in Japan ( fuer mich die groessten Konsumergesellschaften) gewohnt hat, war es eine grosse Umstellung nach Mexico zu kommen……und ich sehe die Konsumerkultur ja mit anderen Augen an…..

    Angelika/D.

  7. 8. Mai 2007 at 13:02

    Hallo, meine Name ist Angela uns ich bin stricksüchtig… 🙂

    sehr schöner Beitrag!!!
    Viele Grüße
    Angela

  8. 9. Mai 2007 at 22:30

    Jaaa, die Stricksucht ist schon eine gefährliche Sache *Ironie an*

    Durch das Tragen von warmen Pullovern und Socken stellen sich schwere Ertragseinbussen bei den Erdölkonzernen ein, da die Heizungen niedriger gestellt werden können. Die beruhigende Wirkung des Strickens und der Kuschelfaktor der Garne treibt Pharmakonzerne in den Ruin, da weniger Antidepressiva und Beruhigungsmittel an die Frau gebracht werden können. Gleichermassen fühlt sich die Bekleidungsindustrie geschädigt, da weniger Kleidungsstücke gekauft werden. Und man denke nur an das Gefährdungspotential beim Hantieren mit spitzen Nadeln!!!

    *Ironie aus*

  9. Anonymous
    11. Mai 2007 at 20:21

    Hi Tina!

    Der Beitrag ist einfach klasse!

    Und ich bestätige hiermit, daß Strickentzug auf längere Zeit wirklich aggressiv macht. Mein Mann redet z. B. schon seit einer Woche nicht mehr mit mir, weil ich mich Ihm gegenüber wohl zu aggressiv geäußert habe… *grrrrr*
    Also: Strickzeug auspacken!

    Lieben Gruß
    Annette

  10. Birgit Körber
    15. März 2012 at 21:38

    Sehr schöner Beitrag !!

    Ich besitze eine Umhängetasche
    auf der steht gestickt….

    wollsüchtig und untherapierbar …hihi.

    Wollige Grüße
    Birgit

  11. 22. August 2014 at 09:35

    Amüsiert habe ich diesen wirklich gut geschriebenen Artikel gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich ein Dealer bin und zur Wollomanie tendiere.

    Ãœbrigens wird in den USA schon teilweise Stricken als Therapie verordnet.

    Also, liebe Wollsüchtige, lasst Euch nicht beirren, strickt weiter und erfreut Euch an den eigenen Produkten.

    Wollige Grüße
    Rosemarie

  12. 27. Oktober 2014 at 22:36

    Hallo Tina,

    mir ist heute mein gesamtes Strickzeug zu Boden und ich bin danach vom Hocker gefallen. Leg doch mal Deine Puzzleteilchen für eine Weile aus der Hand und komm mal mit … ich habe mich nämlich zu outen gewagt.

    Den Link zu meinem Flughafenchaos habe ich eingefügt, wo es in Deinem Kommentarformular vorgesehen ist.

    Anschließend magst Du entscheiden, welches Deine wahre Sucht ist. Leg die Puzzles doch mal wieder beiseite und versorge uns wieder regelmäßig mit „Stoff“. Pullis und Jacken kannst Du wenigstens anziehen, Puzzles nicht. 😉

    Oder lass es vielleicht lieber doch. Ich hab‘ ja noch … (Stoff genug).

    Schmachtende Grüße,
    Ulrike in (Eigen-)Therapie

  13. Doris
    23. Januar 2015 at 13:49

    Ich fühle mich so was von verstanden!!! Kann nur bei jedem Satz sagen – ja, das kenn ich doch von irgendwoher :-)))))))))

  14. Micha
    27. August 2015 at 07:54

    Liebe Wollsüchtige, ich suche schon sehr lange eine Wollsüchtige Frau, welche sich und mich von Kopf bis Fuß schick einstrickt, jeden Tag in handgestrickter Kleidung verbringt und sogar gestrickte Catsuits super toll findet. Werde ich hier glücklich?

    LG Micha

  15. Tina Hees
    27. August 2015 at 13:25

    Ich muss dich leider enttäuschen, hier wirst Du nicht glücklich werden.
    Hier treiben sich nur ganz normale Stricksüchtige herum, die mit Deinen speziellen Bedürfnissen und Wünschen nichts am Hut haben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte rechnen :-) *

http://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
more...