Patentmuster-Tips

Patent geht in die Breite – dagegen ist kein Kraut gewachsen.
Trotzdem gibt es natürlich einige Möglichkeiten, um das Ausgeleiere zumindest in Grenzen zu halten.
Hier meine Erfahrungen:

  • Fest stricken. Sehr fest. Also echt ganz richtig doll fest 😎 Weich und kuschelig wird’s trotzdem.Wer eine 160er Merino mit einer MaPro von 22 M/10 cm strickt, erlebt schon bei glatt rechts nach der Wäsche eine böse Ãœberraschung. Bei Patent ufert das natürlich noch deutlich mehr aus. Also bei Patent runter mit der Nadelstärke – mindestens 1 mm kleiner, als Ihr sonst nehmen würdet. Das gilt natürlich nicht für Brettstricker 😉 Wer bei vorgenannter Merino mit 3er Nadeln auf 28 M kommt, strickt fest genug. Wer aber weniger als 26 M mit der gleichen Nadelstärke hat, ist ein Lockerstricker und nimmt entweder 2er Nadeln oder dickeres Garn.
  • Halbpatent statt Vollpatent. Geht deutlich weniger in die Breite und verbraucht zudem viel weniger Garn. Außerdem seid Ihr schneller damit fertig 😉
  • Das Breitenwachstum einplanen. Maschenprobe machen, messen, waschen und nach dem Trocknen foltern – nämlich diverse Male ordentlich in die Breite zerren. Ein paar Minuten entspannt liegenlassen und wieder messen. Jetzt habt Ihr einen Anhaltspunkt, wie das Gestrick in die Breite geht (und ggf. kürzer wird) und könnt das entsprechend bei Eurem Strickstück einplanen.
  • Dünnes Garn mit einem geringen spezifischen Gewicht/Dichte nehmen (jaja, ihr Physiker, ich weiß, daß das ein Unterschied ist, aber wir stricken nur auf diesem Planeten, also ist es wurscht 😉 ). Patent wird ohnehin schon dicker und schwerer als normales Gestrick, wenn man dann noch eine Baumwolle mit 50 m Lauflänge nimmt, geht man zum einen ziemlich geduckt :mrgreen: und muss sich auch nicht wundern, wenn der schöne Pullover immer mehr zum Sack mutiert. Je mehr Lauflänge ein Garn bei gleicher Garnstärke hat, desto geringer ist seine Dichte. Beispiele für Leichtgewichte: Shetland/Hochland-Garn, Kaschmir, Yak. Faustregel: Je kälter die Gegend ist, in der das Tier gelebt hat, desto fluffiger (und somit weniger dicht) ist seine Wolle (wärmen tun die Luftpolster in den Haaren, nicht die Masse). Pflanzliche Garne dagegen haben in der Regel ein relativ hohes spezifisches Gewicht.
  • Garn mit viel „Memory“, also Elastizität nehmen. Es gibt Garne, die sind so gut wie nicht dehnbar. Leinen und Baumwolle zum Beispiel (bei Baumwolle leiern die Maschen aus, nicht das Garn selbst). Dann gibt es Garne, die lassen sich zwar prima dehnen, aber die bleiben dann irgendwann auch gedehnt (Stichwort ausleiernde Bündchen). Dazu gehören z.B. Viskose und Alpaka. Für Patent brauchen wir ein Garn, daß nach dem Dehnen wieder in seinen Ursprungszustand zurückschnellt. Dazu gehören z.B. alle reinen Schurwollgarne, je naturbelassener, um so besser (für Merino gilt das aber nur, wenn man sie sehr fest verstrickt). Die Superwash-Behandlung nimmt dem Garn einen Teil seiner Elastizität. Aber auch ein Anteil an Kunstfasern kann die Elastizität verbessern. Zumindest, so lange man sie nicht feucht-heißer Luft aussetzt. Dann werden sie total schlapp. Ich hatte mal einen wunderschönen Pullover aus reiner Microfaser (Stop von Lana Grossa, 100% Plastik, aber trotzdem sehr schön). Denn habe ich irgendwann mal leichtsinnigerweise in den Trockner getan. Konnte ich wegschmeissen, der war so schlapp wie ein toter Fisch 😕 (kennt Ihr die Leute, die einem so die Hand geben? *brrr, eklig*)

15 comments for “Patentmuster-Tips

  1. 10. Oktober 2011 at 19:41

    Besser als jedes Nachschlagewerk!!!

    Ich ziehe meinen Hut vor dir 😀

    Hab ganz lieben Dank!!!!!!!!!

  2. Irene
    10. Oktober 2011 at 20:12

    Das Beispiel mit dem lapprigen Händedruck erklärt das Patentmuster
    grandios. Ich mag kein Patent!

    LG Irene

  3. 10. Oktober 2011 at 20:18

    Großartiger Post! Aber noch besser als die Patentmuster-Tips finde ich die Wolltips 🙂 Vielen Dank!

  4. SteuerSteffi
    10. Oktober 2011 at 20:27

    Na, jetzt weiss ich, warum ich damals mit meinem tollen Patent-Pulli aussah wie ein Michelin-Männchen (Richtiges Patent statt Halbpatent, MaPro vorher weder gewaschen noch gefoltert, 100 % Baumwolle). Hab wohl so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann…

    Danke für die Tips, das passiert mir nicht nochmal. Ich werde mir dann die Brioche-Bilder noch mal mit neuer Motivation ansehen!

  5. Ina
    10. Oktober 2011 at 20:58

    Vielen Dank für diese hervorragende Recherche.

    Beim Stricken und mit Garnen kann dir echt keiner was vormachen. Danke das du mich regelmäßig an deinen Erkenntnissen teilnehmen lässt.

    Schön das es dich gibt.

  6. Mona
    10. Oktober 2011 at 21:17

    Da kommen Erinnerungen auf….. 😆
    Mit 15 Jahren habe ich mir von meinem Taschengeld eine „billige“ rosa Baumwolle gekauft und einen Pullover mit 3/4 Ärmel im Patentmuster gestrickt.
    Was soll ich sagen, nach ein paar Mal tragen hätte ich zweimal reingepaßt und wenn ich mich recht erinnere, wurde er auch jedesmal ein Stück länger.
    ABER ich habe ihn geliebt und mich dann doch irgendann schweren Herzens davon getrennt….lang lang ist es her. 😉

  7. 10. Oktober 2011 at 22:24

    Hallo Tina
    Danke für die Tipps, das kommt ja wie gerufen 😉 . Die Ärmel meiner Jacke, an der ich gerade stricke, werden nämlich im Patentmuster gestrickt.
    LG Sema

  8. Nene
    10. Oktober 2011 at 23:05

    Wow, das war eine echt geballte Ladung Strick- und Wollwissen! Das war mir eigentlich alles neu. Fantastisch. Danke dir!

  9. 11. Oktober 2011 at 00:36

    also, generell geb ich dir recht, aber viscose und alpaca haben auch kein „memory“, wie baumwolle etc. – es dehnt sich nicht das garn selbst, die fehlende elastizitaet kommt daher, dass die verwendeteten fasern keinen „crimp“, also keine kraeuselung besitzen, wie z.b. auch seide, die auch kein „memory“ hat. aber wenn man aus glatter seide (oder auch viscose:)) einen patentpulli strickt – hm, dann hat man es nicht besser verdient, wenn er ausleiert 😉

  10. gerlinde
    11. Oktober 2011 at 07:51

    Besten Dank, das war eine der besten Aufklaerungs-Aktionen in Sachen stricken seit Anbeginn desselben; zumindest bei mir.

    Beim Vorschlag von ‚foltern‘ bekam ich zwar kurz die Gaensehaut ABER es leuchtet ein. Allerdings war ich froh, dass ich – trotz ‚fast‘ passender Groesse :mrgreen: – kein Muster-Fetzerl bei Dir bin 😀

    Danke noch mal und liebe Gruesse,

    Gerlinde

  11. sabine
    11. Oktober 2011 at 09:14

    Hallo,
    vielen Dank für die Erklärungen.
    Nach dem Beitrag gestern, dachte ich schon ich könnte auch mal wieder patent…
    Mein allererstes Strickwerk war eine rote Patentweste aus Polytier.
    Im zarten Alter von 13 habe ich die gestrickt.
    Mit der Zeit wurde sie immer kürzer, dafür aber länger. Was soll ich sagen –
    ich habe sie mit Stolz getragen, bis meine Mutter sie mir irgendwann entriss.
    Aber in den 80ern waren kastige Kleidungsstücke Mode, ich hätte sie noch länger angezogen.
    Ãœbrigens stricke ich Patent auch mit Umschlag.
    Liebe Grüße
    Sabine

  12. 11. Oktober 2011 at 10:16

    Vielen Dank fuer die ausfuehrlichen Erklaerungen ueber Wolleigenschaften und Patent stricken…. Bisher habe ich Patent nur mit (Socken)wolle gestrickt – und zu Schals verarbeitet. Bei denen ist das egal, ob sie etwas kuerzer und breiter werden. Allerdings war ich davon ausgegangen, dass man Patent mit dickeren Nadeln stricken soll – was erklaert, warum das ganze etwas labbrig wurde. Fuer’s naechste Mal weiss ich’s…

  13. Gitte2
    11. Oktober 2011 at 10:37

    Ich bin begeistert von deiner Art zu erklären: Klar und eindeutig, dennoch suuuper witzig.
    Im Ernst: Hat du ´mal überlegt, dein wirklich fundiertes und vor allem praxisorientiertes Wissen in ein Buch zu packen. Ich melde mich schon einmal als erste Käuferin 😀

  14. gerlinde
    12. Oktober 2011 at 01:35

    … Zweiter Kaufinteressent!

    ABER bitte: DEIN Schreibstil (samt Emoticons!) und KEIN ‚editorial-drueber‘ (womoeglich noch von ‚Anti-Fachperson‘ !)

    Liebe Gruesse,
    Gerlinde

  15. viennaknitter
    25. November 2011 at 20:48

    die patent-muster-erfahrung habe ich auch gerade erst gemacht…
    musste eine fertiggestrickte mütze, die ich gewaschen habe gerade noch einmal auftrennen, weil sie doppelt so groß geworden ist….
    hätte ich doch nur früher deinen artikel gelesen!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte rechnen :-) *

http://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
more...