Leserfragen: Unterschiedliche Maschenproben innerhalb eines Strickstücks

Dann will ich doch gleich mal die Frage von Martine aufgreifen :grin:

Wie berechnet man Ärmelschrägen richtig, wenn das Muster sich innerhalb des Ärmels von unten nach oben ändert und sich sehr unterschiedliche Maschenproben ergeben? DAS Problem hatte ich bei progressiven Musteränderungen schon oft. Ich nehme meistens einfach ein Stück Papier, pause einen Ärmel von einem Pulli ab und lege meine Arbeit immer wieder darauf, um zu sehen, wo ich zunehmen soll :oops: . Das geht mathematisch sicher eleganter und präziser, oder? Tipp für mich?

Du bist echt Spezialistin im knifflige Fragen stellen, oder? :wink:

Meinst Du sowas wie: Unten glatt rechts, über’m Ellenbogen Zopfmuster und und oben kraus?
Gegenfrage: Wie würdest Du das am Körperteil lösen? Doch sicherlich nicht, indem Du alle benötigten Maschen zum Ausgleich der unterschiedlichen Breiten am Rand zunimmst? Und damit ist Deine Frage auch schon fast beantwortet. Du gleichst die Breite innerhalb der Reihe zu Beginn bzw. am Ende des jeweiligen Musters aus. Und die Zunahmen am Rand bleiben in gleichmäßige Abständen wie bei jedem anderen Ärmel auch.
Wenn die Maschenprobe auch in der Höhe sehr unterschiedlich ist (z.B. glatt rechts/kraus rechts) würde ich die Abnahmen im sich in der Höhe zusammenziehenden Teil einfach in etwas größeren Abständen machen (z.B. alle 10 statt alle 6 R).

Das heißt natürlich im Umkehrschluß, daß man theoretisch für jedes Muster eine gewaschene(!) Maschenprobe haben muss, um auszurechen, wieviele Maschen man zum Breitenausgleich braucht. Mit ausreichend Strickerfahrung kann man das aber auch nach Gefühl machen :wink: und notfalls verbleibende kleine Abweichungen durch Spannen ausgleichen.

Eine Fair Isle-Bordüre, die sich ja meistens etwas mehr zusammenzieht als normales glatt rechts-Gestrick gleiche ich aus, indem ich mit der Nadelstärke einen halben Millimeter hochgehe.

Der Trick mit dem Auflegen auf Papier klappt nur bei uns Brettstrickern, weil sich die Muster da nach dem Waschen in der Breite -wenn überhaupt- nur noch minimal verändern. Einem durchschnittlichen etwas-lockerer-Stricker kann es nämlich leicht passieren, daß sich die unterschiedlichen Muster nach dem Waschen auch wieder unterschiedlich entspannen (Zöpfe gehen z.B. mehr auseinander als glatt rechts). Dann wird mit Pech aus der vorher schön gerade hoch gehenden Kante auf einmal eine Schlangenlinie :shock: Das kann man dann aber eventuell (je nach verwendetem Garn) noch retten, wenn man die sich stärker zusammenziehenden Teile so spannt, daß wieder eine gerade Linie entsteht.

Meine Ärmelzunahmen sind übrigens in der Regel nach rd. 25 cm beendet, dann bin ich über dem Ellenbogen und ab da hat der Rest meines Arms sowieso überall den gleichen Umfang (kein Spinat, keine Bizeps :mrgreen: ). Meine Standardzunahme ist daher immer in jeder 6. Reihe beidseitig 1 M, bis die gewünschte Breite erreicht ist.

7 comments for “Leserfragen: Unterschiedliche Maschenproben innerhalb eines Strickstücks

  1. 31. Oktober 2011 am 22:43

    Ja, knifflige Fragen sind wohl mein Fachgebiet :oops: :mrgreen:
    Ich danke Dir SEHR für die aufschlussreiche Antwort!!! Wieder was gelernt, großartig!
    DANKE TINA!!!!
    Liebe Grüße
    Martine

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  2. 31. Oktober 2011 am 23:02

    Alle Achtung Tina. Ich musste die Frage erst dreimal lesen. :shock:

    Ich mach Ärmelnähte nie gerade sondern geschwungen. Das heisst ich teile in zwei bis drei Etappen auf und reduziere zur Armkugel hin die Zwischenreihen. :wink:

    Liebe Grüsse
    Alpi

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  3. 1. November 2011 am 09:17

    komisch…ich habe mir da nie einen kopf gemacht…ich stricke immer drauf los..natürlich nach anleitung…und manchmal wird bisschen geschummelt :grin:
    ich nenne das experimentelles stricken..mache ich beim kochen auch so… :lol:
    ok..manche würden das chaotisch nennen…ich nenne es kreativ..
    hihihi..brettstricker, ich bin eher der luftloch-stricker :smile:

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  4. Mona
    1. November 2011 am 10:17

    Guten Morgen Tina,
    ich stricke äußerst selten nach Anleitung und meine Ärmelzunahmen stricke ich wie Du, “in jeder 6. Reihe beidseitig 1 M, bis die gewünschte Breite erreicht ist”.
    Das klappt immer und passt perfekt in das Armloch :wink:
    Viele Grüße
    Mona

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  5. manuela
    1. November 2011 am 10:39

    Ich hätte beim zu festen Sticken angst, dass das Strickstück beim Tragen oder Waschen verfilzt ….

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  6. 1. November 2011 am 11:39

    Nein, im Gegenteil, Filzen entsteht ja vor allem durch Reibung. Je lockerer das Gestrick, um so leichter können sich die Maschen aneinander reiben.
    Wenn man Filzen will, strickt man ja auch ganz bewusst mit viel dickeren Nadeln, ein festes Gestrick filzt längst nicht so stark wie ein sehr lockeres.

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  7. Petra
    7. November 2011 am 16:47

    Ich nehme erstmal alle Ärmelmaschen aus dem Armloch auf und nehme vom mittleren Drittel dieser Maschen aus die restlichen 2/3 Maschen über verkürzte Reihen nach und nach auf (nach B. Walker, Knitting from the top). Dann stricke ich den Restärmel in Runden und nehme jede 3. Reihe einseitig zu, das gefällt mir besser.

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