Noch mehr Leserfragen :-)

Janine fragt:

Hast du dich bei z.B. bei der Verena oder anderen anderen Auftraggebern als freie Designerin beworben oder ist die Verena auf dich zugekommen? Also ist jetzt etwas kompliziert geschrieben- was ich meine ist- wie bist du in den Verteiler gekommen, der dir dann die Themen zu der nächsten Zeitschrift schickt?

Das habe ich hier schon mal geschrieben.

Anke fragt:

Könntest Du bitte, falls Du das hast, von dem Modell unten in der Mitte ein größeres Foto einstellen, bei dem man das Muster besser sieht und ggf. so ähnlich nachstricken kann?

Leider habe ich da auch kein größeres Foto.

Und Ull-Rike fragt ganz viel :grin:

Mich würde nämlich ganz besonders interessieren, wie Du gelernt hast, aus einer Idee im Kopf ein fertiges Strickstück zu fabrizieren.

Bist Du Autodidakt?
Hast Du Lehrgänge, Workshops oder ähnliches besucht?
Hast Du Dein Wissen aus Büchern?

Ja. Ich lerne am besten aus Büchern bzw. lesenderweise im Internet. Und ganz viel habe ich aus dem englischsprachigen “Strickwissens-Pool” gelernt.
Seminare sind nicht mein Ding, da langweile ich mich schnell, weil das Lerntempo der Teilnehmer zu unterschiedlich ist. Ich habe noch nie einen Strickkurs besucht. Zum Thema stricken gibt es heutzutage auch nicht mehr so sehr viel, was ich nicht weiß (oder ich weiß zumindest, wo ich nachgucken kann). Ich wäre vermutlich ein ganz schrecklicher Seminarteilnehmer, weil ich gelegentlich zur Besserwisserei neige :roll:
Ein Nähkurs wäre wegen der Schnittechnik bestimmt noch sehr interessant. Von den Schneiderinnen kann ich noch mächtig viel lernen, das merke ich immer wieder, wenn von denen mal entsprechende Kommentare hier im Blog kommen, wie z.B. zur asymmetrischen Armkugel. Bloß daß ich ja gar keine Lust zum Nähen habe. Hm.
Videos machen mich ganz wuschig, weil das meistens eeeewig dauert, bis die dann mal zur Sache kommen. Da spule ich dann vor, verpasse die eine einzige entscheidende Stelle, muss wieder zurückspulen, das war dann natürlich wieder zu weit, also wieder vor…neee, da gucke ich mir lieber Fotos/Zeichnungen an. Da kann ich dann so lange draufstarren, bis ich verstanden habe, wie es geht. Aber ich bin sehr textorientiert, oftmals verstehe ich eine geschriebene Erklärung besser als die Zeichnung dazu.

Hast Du immer und immer wieder probiert?

Ähm…was muss man denn immer und immer wieder probieren? Wenn ich was machen will, gucke ich wie es geht und dann mache ich das. Wenn ich ribbeln muss, dann fast immer aus Doofheit, weil ich gepennt habe (ich kann sehr gut falsch rum zopfen :mrgreen: dadurch lernt man aber auch, einen Zopf noch 16 Reihen später wieder umzudrehen…) oder nicht richtig gelesen habe.

Wie oft bist Du an der Ausführung gescheitert?

Hm, Du meinst, daß ich irgendwas nicht hinbekommen habe? Nie. Manchmal wird etwas ein bisschen anders, als ich das ursprünglich geplant habe, aber das sehe ich nicht als Scheitern, sondern als kreativen Entstehungsprozess :wink:

Oder bist Du einfach ein Naturtalent, das gar nicht erklären kann, wie es von der Idee zum fertigen Strickstück kommt?

Naja, ich denke schon, daß ich Talent zum Stricken habe. Und ich lerne halt schnell und merke mir das dann meistens auch für den Rest meines Lebens (wenn es mich interessiert). Der Rest ist dann einfach Erfahrung, ich habe ja schon hunderte von Pullovern und Jacken gestrickt, da lernt man mit der Zeit, wie man welche Formen hinbekommt, was geht und was nicht geht usw. Und man kann viele Sachen auch prima bei anderen Modellen abgucken, das Rad muss ja nicht jedes Mal neu erfunden werden :wink: Wenn ich z.B. eine Art Kragen machen will, den ich noch nie gemacht habe und mir nicht so recht vorstellen kann, wie das funktioniert, dann suche ich mir ein Modell, das den gleichen oder einen ähnlichen Kragen hat und gucke, wie hat die Designerin das gelöst.

Wenn ich mir z. B. eine tolle Jacke mit aufwändigen Mustern und interessanten Schnittdetails im Kopf vorstelle, würde die Umsetzung bei mir schon daran scheitern, dass ich viel zu viele einzelne Musterproben machen müsste, von denen ich dann ja noch lange nicht wüsste, wie sie in einen Schnitt zu bringen sind.

Musterproben? Maschenproben? Igitt *schüttel* :mrgreen: Ich mach’ das nach Gefühl :wink:
Eigentlich fange ich einfach an zu stricken, denn die Maschenzahl weiß ich ja anhand der Nadelstärke (ich hab’ bei 3er Nadeln z.B. immer 28 – 29 M auf 10 cm). Bei Mustern, die eine andere Maschenprobe als glatt rechts haben, weil sie sich z.B. zusammenziehen, mache ich das auch nach Gefühl. Meistens geht es gut, ansonsten merke ich nach ein paar Zentimetern, daß es nicht passen wird und ribbele dann halt (nachdem ich gemessen habe natürlich, damit es beim 2. Versuch hinhaut). Und dann stricke ich halt so, daß es die Form bekommt, die ich haben will. Nun haben meine Sachen aber auch keine besonders ausgefallenen Schnitte, bei denen man ganz viel überlegen und rechnen müsste.

Kannst Du uns dazu Tipps geben, wie man so etwas – vielleicht erstmal an einfacher geschnittenen Stücken, lernt?

Au, das ist schwer, ich weiß ja eben selbst nicht so genau, wie ich das gelernt habe. Also genau genommen habe ich nie lernen gelernt :wink: Ich musste mich auch in der Schule nie hinsetzen und “pauken”, irgendwie ist das, was wichtig war (und ein Haufen unwichtiges Zeug) immer einfach so hängen geblieben.
Als Tip würde ich sagen, ganz viele Sachen stricken. Und versuchen zu verstehen, was man da eigentlich tut und warum. Auf englisch gibt es den schönen Begriff “read your knitting”. Was passiert, wenn ich dieses mache und was geschieht, wenn ich jenes nicht mache.
Beispiel: Wieso sieht es z.B. bei Streifenmustern blöd aus, wenn ich linke Maschen über rechten Maschen in einer anderen Farbe stricke, was passiert da, wie läuft denn der Faden, wie bildet sich eigentlich die Masche? Und wie kann man diesen Effekt absichtlich als Designelement nutzen?
Noch’n Beispiel: Welchen Effekt erreiche ich durch nach links und nach rechts gerichtete Abnahmen? Wie läuft die Maschenlinie? Wann mache ich betonte Abnahmen und wann lieber nicht? Wie baue ich Zu- oder Abnahmen am besten in Rippenmuster ein?
Gucken, was hat die Designerin oder der Designer gemacht, um dieses oder jenes zu erreichen. Also nicht nur stur nachstricken, sondern dabei denken :wink:
Und aus Fehlern lernen: Warum ist etwas nicht so geworden, wie ich das wollte und wie kann ich es beim nächsten Mal anders machen?

Benutzt Du auch den PC für Deine Entwürfe (wenn es z. B. um Farbkompositionen geht)?

Für Farbzusammenstellungen gucke ich mir Farbkarten an. Am besten natürlich “richtige”, das heißt keine Fotos im Internet, sondern Fädchen. Die kann man nebeneinander halten und gucken, ob es zusammenpasst. Auf die Idee, mit einem Grafikprogramm Farben zusammenzustellen bin ich ehrlich gesagt noch gar nicht gekommen. Wenn ich keine Fädchen habe, stelle ich mir im Kopf vor, wie das zusammen aussieht.

Man könnte vielleicht auch Muster aus Musterbüchern einscannen und gucken, wie die zusammen aussehen. Habe ich aber auch noch nie gemacht.

Den PC benutze ich nur, um die Anleitung und die Strickschrift zu schreiben. Und neuerdings auch, um die Schnittzeichnung zu machen, mit der Hand gemalt sieht das doch ziemlich amateurhaft aus.
Vor einiger Zeit habe ich mir mal den Strickrechner zugelegt, in der irrigen Hoffnung, daß ich mir die Umrechnerei in andere Größen damit erleichtern kann. Aber der kann keine stufenlosen Rundungen. Also müsste ich die Berechnungen des Programms doch wieder abändern, dann kann ich es auch gleich zu Fuß machen.

16 comments for “Noch mehr Leserfragen :-)

  1. 14. Februar 2012 am 19:24

    Ist interessant dir zu zuhören wenn du aus dem Strickkästchen plauderst, danke. :-D Beim Tun lernen find ich ja immer noch den schönsten Weg.

    Zum Thema Schnitttechnik: Nähkurse kannst dir echt sparen, da wirst du diebezüglich eh kaum etwas lernen. Es gibt aber mittlerweile gute Bücher die auch für Nichtnähprofis verständlich sind. Wenn du dir da also noch mehr Wissen aneignen möchtest wär das vielleicht eine Variante. Wobei Strick und Stoff zwei Paar Schuhe sind. ;-)

    Oder hier fragen. Das find ich nämlich auch immer spannend zu lesen wie andere Textiler dies gelernt haben.

    Hihi, mit den Videos gehts mir gleich. Da krieg ich die Krise noch bevor ich das Wesentliche gefunden habe. *augenroll*

    Danke fürs Erzählen und Erklären :-D

    Liebe Grüsse
    Alpi

      zitieren

  2. 14. Februar 2012 am 19:53

    Bezüglich den Nähkursen kann ich dir sagen (auch wenn ich noch nie in einem war) daß dort das Nähen gelehrt wird, also “wie kriege ich die ganzen Stoffteile zusammen”. Bezüglich Schnitten lernt man da so ziemlich nichts. Da rate ich zu einem Buch über Schnittkonstruktionen. Neben einer ausführlichen Maßtabelle sind (zumindest in meien) auch Angaben dabei wieviel “Luft” es braucht. Insgesamt erlaubt das dann auch das Gradieren beliebiger Größen.

      zitieren

  3. 14. Februar 2012 am 23:06

    Irgendwie könnte der Text von mir stammen :lol:

    Learning by doing! ist beim Stricken mein Motto.

    Videos mag ich nicht und Seminare könnte ich selber geben (sagen zumindest die Frauen aus meinem Nadeltreff).

    Zum Thema Ribbeln, habe ich vor 2 Tagen – aus gegebenem Anlass bei meinem Vintage-Pulli – einen 2-Reiher(Zeiler) gedichtet :mrgreen: :

    Wer lesen kann – und es auch tut,
    erspart sich manche Ribbelwut.

    Ist bei mir auch nur Doofheit.

    26-29 M bei 3 mm! Uih, dann stricke ich ja fester als Du!!! :shock: Ich komme meist auf 29-32 M, aber ich stricke mittlerweile immer eine MaPro!

    In der Schule musste ich auch nicht lernen. Meine Lehrer meinten immer, das fliegt mir nur so zu. Hab eben alles aufgesaugt, wie ein Schwamm :lol: Nur für die Berufsschule habe ich wirklich mal Paragraphen gepaukt, die warf ich immer munter durcheinander (brachte eine neue Ordnung in den Schönfelder ;) ).

    Würdest Du noch verraten, wie Du Deine Schnittmuster erstellst? Büüüttttee *dackelblick* (Halt, nein, *großekatzenkulleraugenblick* :mrgreen: ) Ich sitze da immer mit Lineal und Bleistift und flehe meinen Scanner an, dass er auch ja alles erkennt.

    Den Strickrechner verwende ich auch kaum noch, da das alle mit sehr viel positiv ease ausfällt. Zumindest bei den Sachen, die ich danach strickte.

      zitieren

  4. Mona NicLeoid
    15. Februar 2012 am 09:10

    Hmm, manche Leute zerbrechen sich aber schon arg den Kopf, oder?

    Ich habe nun bei weitem noch nicht so langjährige Erfahrung mit dem Entwerfen eigener Stricksachen (als Kind habe ich das meiner Oma überlassen, bzw. sie hat das ganz energisch in die Hand genommen ;) ) – aber ich sehe es fast genau so wie Tina, ich finde es nicht besonders kompliziert, kann man sich alles mit ein bisschen Lesen und Herumforschen erarbeiten.

    Für mich ist das auch eigentlich der logische Weg, ich stricke ja, weil ich Klamotten haben will, die ich toll finde, und wenn es keine Anleitungen für das gibt, was mir vorschwebt, muss ich es nach eigenem Entwurf stricken.

      zitieren

  5. 15. Februar 2012 am 12:27

    Danke für Deine “Geschichte”, finde ich gut,
    lieben Gruß
    margit

      zitieren

  6. 15. Februar 2012 am 15:24

    Danke Tina.
    jetzt hab ich auch ne Frage, das Wort kam oben vor:
    positive ease
    gibbet sowas auch euf deutsch? ich komme mit dem Begriff nicht klar.
    Danke!

    winkeeeeeeeeeeeeee
    Annette

      zitieren

  7. 15. Februar 2012 am 15:43

    positive ease …vlt. figurumspielend? *G*

      zitieren

  8. 15. Februar 2012 am 15:54

    positive ease = Bequemlichkeitszugabe.
    Habe ich auch von den Schneiderinnen gelernt :-)

      zitieren

  9. HORST
    15. Februar 2012 am 16:05

    “positive ease”

    neudeutsch?
    oder
    pseudoenglisches Imponiergehabe?

    Was soll die K…. eigentlich?

    fragt….
    DER Horst

      zitieren

  10. 15. Februar 2012 am 16:10

    Das ist kein Imponiergehabe, sondern manchmal fällt einem der englische Begriff einfach schneller ein.
    Auch beim Stricken hält die Anglisierung eben ihren Einzug.

      zitieren

  11. 15. Februar 2012 am 18:18

    Erklär mal den SSK… :lol: Mir ist da wirklich nur der englische Begriff eingefallen.

      zitieren

  12. 15. Februar 2012 am 18:24

    *lach* den jibbet auf deutsch in der Form ja auch gar nicht.
    Man könnte ihn ja “AVA” abgehobene verschränkte Abnahme nennen ;-)

      zitieren

  13. Tante Ju
    15. Februar 2012 am 18:26

    Also da muss ich doch mir mal Luft machen.

    Eine Kommentarfunktion ist zum kommentieren da, nicht zum Pöbeln. Und – vielleicht geht es anderen hier auch so – den Kommentar von Horst, den finde ich sowas von gepöbelt. Kann ja sein, das mit der K… Kurve, Kanone, Katze oder Kamelle gemeint ist. Aber zusammen mit “pseudoenglischem Imponiergehabe” mag ich daran nicht glauben.

    Ich fände es besser, wenn solche Kommentare hier die Ausnahme bleiben.

      zitieren

  14. 15. Februar 2012 am 18:31

    Naja, das ist halt unser HORST aus’m Ruhrpott – keiner weiß, wer’s ist, aber er/sie stänkert eben gerne mal ein bisschen. Ich nehme das sowieso nicht ernst :wink:

      zitieren

  15. 15. Februar 2012 am 20:25

    sorry wollte ich nicht lostreten! mir ist das mit dem positive ease auch auf ner andern Seite aufgefallen, da gibts auch negative ease und ease ohne was dazu. Und ich habe ncihts dazu gefunden, was auf die Bedeutung hinweist. Drum hatte ich nachgefragt.

    winkeeeeeeeee
    Annette

      zitieren

  16. Fussel
    20. Februar 2012 am 18:26

    *grins* Deine Erklärungen klingen ungefähr so wie das was ein Bildhauer (weiß nicht mehr wer) geantwortet hat als man ihn fragte, wie er seine Statuen schafft: “Das ist ganz einfach. Man haut einfach alles weg, was nicht zur Statue gehört.”.

      zitieren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


zwei + = 5

http://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
mehr...