TKGA Master Hand Knitting Program, die 2.

Als ich zum ersten Mal (das muss ca. 2005 gewesen sein) vom Master Hand Knitting Program gelesen habe, hat man darüber außer auf der Website der TKGA so gut wie nichts gefunden. Seitdem schwirrt mir das im Kopf rum und ich habe mir darunter immer was total Interessantes vorgestellt, ähnlich wie ein Fernstudium halt, ein umfangreiches Skript mit viel Lehrstoff und den dazugehörigen Aufgaben.

Nachdem dann aber gestern die ersten kritischen Stimmen kamen, habe ich bei Ravelry genauer nachgeforscht. Die TKGA-Gruppe und vor allem die Projektfotos zu den einzelnen Leveln sind recht aufschlußreich. Außerdem habe ich Astrid, die Level I durchgearbeitet hat, ein bisschen ausgequetscht :wink:

So, wie ich das sehe, ist das Programm kein Lehrwerk. Das heißt, es beinhaltet so gut wie keine Anleitungen, wie diese oder jene Technik gearbeitet wird, keine Zeichnungen, keine Fotos. Es werden lediglich Aufgaben gestellt, die in Level 1 insbesondere aus der Anfertigung von 16 Probeläppchen mit verschiedenen Techniken bestehen. Das sind in in diesem Level relativ simple Dinge wie z.B. Rippen, Perlmuster, symmetrische Zu- und Abnahmen, Umschläge und einfache Zöpfe. Zum Abschluß ist eine einfache Streifenmütze nach Anleitung zu stricken. Dazu kommen ein paar Wissenfragen – eine habe ich bei Ravelry auf einem Foto entziffern können, da geht es darum, ein Garn zu ersetzen und was man dabei beachten muss. Der Seitenumfang des Ganzen ist dabei -zumindest bei Level I- erstaunlich gering, den könnte Chico locker an seinen Krallen abzählen :grin:

Wie nun dieses oder jenes gestrickt wird und die Antworten auf die Wissensfragen muss man sich aus Technikbüchern, Webseiten o.ä. selbst raussuchen. Hat man dann sein Probeläppchen gearbeitet, muss man auf einem Beiblatt ganz genau erklären, wie die Technik gearbeitet wird und in welcher Quelle man das gefunden hat.

Das Programm ist also kein Lehrgang, sondern eine Prüfung. Den Prüfungsstoff muss man sich unter Zuhilfenahme anderer Quellen erarbeiten.

Nun ist das im Prinzip ja nicht verkehrt, so lange klar ist, was man für sein Geld bekommt. Auf der Website wird auch stets davon gesprochen, daß das Programm die Fähigkeiten des Teilnehmers testet. Das habe ich bisher natürlich immer geflissentlich überlesen :shock: Von “mit diesem Programm lernen sie…” steht da nämlich gar nichts.

Dias Programm leistet m.E. folgendes:

  • man lernt durch die Aufgabenstellungen ggf. neue Techniken, die man noch nicht kannte und wendet diese an
  • man lernt eventuell, daß das, was man vielleicht seit 20 Jahren schon so macht, mit einer anderen Methode einfacher, schneller oder schöner geht
  • man lernt, in Strickbüchern nachzuschlagen und andere Wissensquellen anzuzapfen
  • man lernt nach Anleitungen zu arbeiten und diese genau zu befolgen – auf das “genau” wird sehr großen Wert gelegt
  • man lernt, Strickanleitungen korrekt zu formulieren
  • man sieht die eigene Arbeit automatisch mit kritischeren Augen, weil man weiß, daß sie von anderen überprüft wird
  • man bekommt von den “Prüfern” Tips und Anregungen, wo und wie man seine Strickarbeit verbessern kann
  • man lernt, über das Stricken intensiver nachzudenken, als man das vielleicht bisher getan hat: Wie mache ich das, warum mache ich das so und nicht anders, wie erreiche ich diesen Effekt und wie kann ich jenen Effekt vermeiden usw.usw.
  • durch das Anlegen eines Ordners mit den Strickproben und Aufgabenlösungen erstellt man sein ganz persönliches Nachschlagewerk

Kurzum: Das Programm lehrt nicht selbst, aber es bringt einen dazu zu lernen und das macht es sehr gut. Systematisch anhand von praktischen Aufgabenstellungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad zu lernen, ist ja auch ein sinnvolle Vorgehensweise. Zudem sollen die “Prüfer” sehr anspruchsvoll sein, Pfuscherei und ungenaue Formulierungen lassen die nicht durchgehen.

Ob Ihr daran Spaß habt und ob Euch die o.g. Punkte das Geld wert sind, müsst Ihr selbst entscheiden.
Ich habe für mich dann doch beschlossen, daß ich das nicht mache. Wahrlich nicht, weil ich mir einbilden würde, schon alles zu wissen (ich glaube das geht gar nicht, kein Mensch kann wirklich alles über’s Stricken wissen), aber ich lese ohnehin schon so viel Strickfachliteratur und lerne dadurch automatisch immer wieder mal etwas dazu. Und es frisst doch eine Menge Zeit (da stricke ich lieber, z.B. Levenwick – winke @ Nicole :wink: ). Ich kenne mich: Ich würde mich voller Begeisterung daran machen, einen schicken Ordner anzulegen und die ersten Läppchen zu stricken. Nach dem dritten oder vierten hätte ich dann erstmal keine Lust mehr, was anderes ist auf einmal viel interessanter und irgendwann verschwindet das Ganze in der Versenkung. Außerdem fände ich es besser, wenn man gleich bei Level II oder III einsteigen könnte. Und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust eine Argyle-Socke zu stricken :mrgreen:

Ich werde mein Gestricksel aber in der nächsten Zeit sicherlich deutlich kritischer betrachten und mich fragen: Würde ich mir das durchgehen lassen, wenn ich ein TGKA-Prüfer wäre?

22 comments for “TKGA Master Hand Knitting Program, die 2.

  1. 30. August 2012 am 17:12

    Gut gesprochen ;).
    LG Petra

      zitieren

  2. 30. August 2012 am 17:17

    vielleicht waere es fuer dich persoenlich schon ebensoviel wert, wenn du gewisse techniken mal anhand von literatur ueberpruefst und versuchst, deine normalerweise benutzen methoden z.b. von abketten, anschlagen usw. durch neue zu ersetzen? dann kannst du selbst beurteilen, was besser ist – und musst nicht endlose probelaeppchen stricken – oder gar argyle socken:)

      zitieren

  3. tricotic
    30. August 2012 am 18:43

    Es sieht aus wie die perfekte Prüfung für die Strickerinnen, die Sample für Garnhersteller oder für Wolladen stricken möchten. Die designer oder Ladenbesitzer können sich auf sie verlassen: Sie werden genau stricken, was geschrieben ist. Und vielleicht können sie ein bisschen mehr Geld verlangen. Für die andere, einfach weiter mit Spass stricken !

      zitieren

  4. 30. August 2012 am 18:47

    Eine weise Entscheidung!

      zitieren

  5. Daniela
    30. August 2012 am 19:14

    Ich bin eh schon ziemlich pingelig, was mein Gestricksel angeht, da brauch ich nicht noch irgendwelche Prüfer. Und wenn ich irgendwas nicht weiß, weiß ich, wo ich nachschauen kann….

      zitieren

  6. Birgit
    30. August 2012 am 19:36

    Hei Tina,
    so etwas würde mir komplett den Spaß am Stricken verderben, ganz sicher! Nee, bloß nicht. Für mich als Hobby- und nur für-Familie-Stricker reichen meine in 35 Jahren gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen voll aus. Und durch immer wieder mal dazugekaufte Strickliteratur kann man sein Wissen recht einfach erweitern und manches Interessantes dazulernen und bei Gefallen anwenden. Und im Strickklübchen lernt man auch immer wieder was Neues und tauscht sich aus, weil eben nicht jeder gleich strickt. Und perfekt stricken muss ich wahrlich nicht. Genauso wenig wie perfekt joggen oder perfekt kochen oder oder oder. Da würde für mich die Entspannung auf der Strecke bleiben. Das hat dann halt sowas von Leistungsdenken in sich, genau das will ich mit meinem Hobby eben nicht. Sondern nur Spaß und Lust daran :-)
    Liebe Grüße
    Birgit

      zitieren

  7. 30. August 2012 am 20:25

    Ich hab mir gestern noch die Bilder angeschaut und mich dabei mit Grausen an den Handarbeitsunterricht zurück erinnert… :-o
    Dafür soviel als Prüfungsgebühr bezahlen?

    Neee, ich handhabe es echt lieber so wie ich auch meinen Beruf gelernt habe: Direkt am Kleidungsstück die Technik anwenden und wenn sie noch so neu ist. Macht mehr Spass und bleibt einem so auch besser haften. ;-)

    Und was leistet du dir jetzt anstelle dafür für eine Wolle? Hast ja nun nicht nur Geld sondern auch Zeit gespart. :mrgreen:

    Liebe Grüsse
    Alpi

      zitieren

  8. 30. August 2012 am 20:28

    *lach* ich glaube ich habe erstmal genug Wolle ;-) Zumindest, bis mir das nächste “muss ich haben”-Garn über den Weg läuft…

      zitieren

  9. Martina aus W.
    30. August 2012 am 20:57

    Irgendwie klingt dieser Stricktest, als ob die sich ein Strickbuch von anderen schreiben lassen. Man muss das Läppchen stricken, die Technik beschreiben. Was liegt näher, als all das einmal in Druck zusammenzufassen. Vielleicht bin ich aber auch zu skeptisch.
    LG Martina

      zitieren

  10. Konni
    30. August 2012 am 20:58

    Zitat: man lernt, Strickanleitungen korrekt zu formulieren.

    Eben ging mir ein lästerlicher Gedanke durch den Sinn: sind die Anleitungen angelsächsischer Designer deshalb so voller Text, weil jede Masche genau beschrieben werden muss, um vor den kritischen Augen irgendwelcher Gildejuroren zu bestehen?

    Ähm, hier war doch irgendwann mal die Rede von einer Strickpolizei ;)

    liebe Grüße

    Konni

    die auf Schnittmusterzeichnungen und Musterdiagramme schwört.

      zitieren

  11. 30. August 2012 am 21:42

    Levenwick ist super – aber gell, du ziehst dazu kein Taschentuch über den Kopf? LGs, Petra

      zitieren

  12. 30. August 2012 am 21:46

    Höchstens an bad hair-days ;-)
    Da ich aber nur Papiertaschentücher habe, würde das auch ziemlich blöd aussehen :-D

      zitieren

  13. Monilisanne
    30. August 2012 am 22:24

    Da stimme ich Euch voll zu, solche Prüfungen braucht man nicht, erinnern wirklich an grausigen Handarbeitsunterricht. Also das Geld sparen und für Wolle ausgeben:-) …würde mir nicht schwer fallen….*ggg*
    Liebe Grüße
    Monilisanne

      zitieren

  14. 31. August 2012 am 11:01

    Super schlussendliche Entscheidung :-)

    Lieber Gruß
    Birgit

      zitieren

  15. Krissi
    31. August 2012 am 11:17

    Ich oute mich! :-D

    Ich MOCHTE meinen Handarbeitsunterricht (leider ging der nur bis zur 6. Klasse), hätte aber gerne auf die Blockflötenfolter in der Grundschule verzichtet.
    Ich wäre auch unendlich dankbar dafür gewesen, wenn ich statt Kunst später weiter Handarbeiten hätte machen dürfen. Da wären mir einige traumatische Erlebnisse, wie z. B. Kafka’s “Verwandlung” als Bleistiftskizze zum Erlernen von Schraffurtechniken, erspart geblieben. Weiß bis heute nicht, welche Techniken da hätten erlernt werden sollen. Da wären mir die Strickproben-Lappen des ersten Levels wesentlich lieber gewesen.

    Und nun zurück zur beliebten Strickpolizei: ich hatte mich zur aktuellen Ausgabe der Interweave Knits ja auch mal für deren Einsatz im Bereich verhunzter links gerichteter Abnahmen stark gemacht. :-)
    Wer sich für für die verschiedenen Abnahmevarianten und deren Aussehen im Gestrick interessiert, findet bei Twist Collective hier:
    http://www.twistcollective.com/collection/index.php/component/content/article/35-features/1093-decoding-decreases
    einen netten Überblick. Es wird u. A. auch die “Zimmermann/Swansen”-Variante von ssk gezeigt (die in deutschen Basiswerken zum Stricken meist durch Abwesenheit glänzt) und unten im Bericht sind alle möglichen Varianten als Übersicht gezeigt.

    LG und einen schönen Tag!

      zitieren

  16. Krissi
    31. August 2012 am 11:19

    Nachsatz:

    Vielleicht sollte man den Leuten von der Interweave Knits empfehlen, die TKGA Kurse zu machen?! Da könnten Millionen von Leserinnen den Fortschritt gleich in der nächsten Zeitschrift sehen. *prust*

      zitieren

  17. Chaluda
    31. August 2012 am 13:52

    Meinen Handarbeitsunterricht mochte ich nicht besonders (Kunst mochte ich übrigens auch nicht besonders, da war ich auch eher untalentiert) lag entweder daran weil ich nicht besonders gut war oder an den Handarbeiten.
    Knüpfen-bäh-, sticken -naja- wurde beides nie fertig!!! Häkeln fand ich ok, beim nähen habe ich erst jetzt bei einer Schneiderin gelernt, was ich vor 25 Jahren falsch gemacht habe!!! Das hat mir nämlich damals keiner gesagt!!
    Inzwischen besuche ich gerne Nähkurse, gehe zu Stricktreffs und lerne gerne dazu. Mein Strickobjekt lasse ich von den Strickern in meinem Umkreis beurteilen, meine Fachfrau habe ich auch. Stricken habe ich nicht in der Schule gelernt!
    Tina, Deine Entscheidung war gut!
    wollige Grüße aus Köln

      zitieren

  18. Nell
    31. August 2012 am 16:40

    Das ist doch eine gute und positive Einstellung! *thumbs up*

      zitieren

  19. 31. August 2012 am 18:40

    Tina, deine Entscheidung ist gut.
    Du hast das gar nicht nötig, dich von einer fremden Prüfungskomission *begroßschnauzen* zu lassen.
    Wie lange strickst du schon? Bisher bist du ohne (TKKG hätte ich fast geschrieben) TKGA ausgekommen.
    Es bleibt ja nicht bei der Gebühr für den Kurs, du musst ne Mappe anlegen und das Garn für die Probeläppchen fällt auch nicht vom Himmel.
    Rechne die Zeit, die du fürs stricken, Ausarbeiten und Beschreiben benötigst. X Stunden * … Euro – das läppert sich.
    Und was macht man in 5 Jahren mit den Probeläppchen? Patchworkdecke, eine private Ausstellung: Das habe ich alles schon gestrickt oder Mottenfutter?
    Und ein Zertifikat an die Wand hängen? Haben wir das wirklich nötig?
    Nach meiner Meinung ist das was für Leute mit Komplexen.
    Das sind die Gedanken, die mir bei dem Thema einfallen.

    winkeeeeeeeeeeeeeeeeeee
    Annette

      zitieren

  20. Ruth/Berophar
    31. August 2012 am 19:28

    Neee, also wenn man von denen kein Schulungsmaterial bekommt, würde ich das auch lassen. Tipps und Tricks im Internet raussuchen machst Du doch eh, da braucht man keinen für, der das noch kontrolliert.

    Das wäre ja so, als würdest Du freiwillig nochmal zur Führerscheinprüfung gehen.

    Und wenn Du wen zum Anschauen und Kritisieren brauchst, gibt es ja gerade hier in HH mehr als genug Stricktreffs, das machen wir dann gerne ;-P
    Nen Button kannste auch haben, kriegen wir alles hin ;-)

    Liebe Grüße
    Ruth/Berophar

      zitieren

  21. Jubi
    31. August 2012 am 20:34

    Ich faß mich kurz: weise Entscheidung!!!

    Schönen Strickabend wünscht
    Jubi

      zitieren

  22. 1. September 2012 am 12:42

    einfach mal das Geld sparen. Wenn einem das eigene gestrickte doch gefällt, warum dann von einem anderen kritisch bewerten lassen?!

      zitieren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

http://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
mehr...