Früher war alles besser…

Alsd ich noch jünger war, habe ich mich oft darüber amüsiert, wenn ältere Leute davon geschwärmt haben, daß “früher doch alles besser war”.
Heutzutage gehöre ich selbst zu diesen älteren Leuten und ertappe mich manchmal selbst dabei, wie ich sehnsüchtig an die “alten Zeiten” denke. Meine jungen Mädels im Büro erfreue ich dann mit Geschichten aus einer Zeit, als ein Brötchen noch 12 Pfennig kostete, im Fernsehen nur drei Programme liefen (und ab Mitternacht nur noch das Testbild) und Menschen, die auf der Straße alleine vor sich hin redeten, nicht telefonierten, sondern einfach einen an der Waffel hatten :mrgreen:

Aber war früher wirklich alles besser? Jetzt mal stricktechnisch gesehen?

Einige von Euch haben ja in ihrem Kommentar zum gestrigen Beitrag von den tollen Anleitungen geschwärmt, die früher in der Brigitte drin waren. Aber waren die wirklich so viel besser als die heutigen? Oder ist der Nimbus vielleicht auch ein bisschen durch sentimentale Jugenderinnerungen verklärt? Leider habe ich keine alten Brigitte-Anleitungen, aber dafür jede Menge anderer Hefte aus den 80ern und was ich da sehe, lässt mich doch zweifeln.

Ich selbst bin seit Mitte der 80er auf der damaligen Strickwelle mitgeschwommen und kann mich noch ganz gut an die damalige Mode erinnern. Was man ganz klar sagen kann: Viele Modelle waren damals deutlich anspruchsvoller. Zumindest was Muster und Stricktechniken betraf. Da hatte kein Mensch Angst vor Jacquardmustern mit 5 Farben in einer Reihe oder vor Intarsien mit 7 verschiedenen Garnen und Modelle mit 13 verschiedenen Strickschriften waren für uns ein Klacks. Es hat uns nämlich niemand gesagt, daß sowas schwer ist, also haben wir es einfach gestrickt. Heutzutage machen sich die Strickerinnen in Foren oft gegenseitig ganz kirre, wenn sie schreiben, wie schwer dieses oder jenes doch sei und daß sie sich da noch nicht rantrauen würden. Alles Unsinn, mit einem guten Grundlagenbuch, einem bisschen Konzentration, Sorgfalt, Geduld und Übung sowie einem eingeschaltetem Gehirn ist beim Stricken gar nichts schwer – man muss sich nur trauen und einfach mal machen.

Was allerdings die Schnitte betraf, fällt der Vergleich zwischen früher und heute ganz anders aus. Nicht umsonst schrecken viele Frauen, die in den 80ern noch einen Pullover nach dem anderen gestrickt haben, vor heutigen Modellen zurück. In den 80ern war die Mode überwiegend sackartig: Ein Rechteck als Vorderteil, eins als Rückenteil, und ein Trapez als Ärmel – das konnte jeder stricken, die Maschenprobe war eher unwichtig und wenn das fertige Stück ein paar cm breiter oder schmaler wurde, war das völlig wurscht, es war eh alles überdimensioniert.
In den 80ern habe ich meine Pullover in der Regel 60 cm breit gemacht – heute stricke ich sie zwischen 48 und 52 cm, obwohl ich inzwischen 20 kg mehr wiege als vor 25 Jahren.
Wobei letzteres natürlich ein weiterer Grund ist, warum viele heute keine Pullover mehr stricken mögen: In jungen Jahren haben viele von uns eine wesentlich kleinere Konfektionsgröße getragen, da konnte man die Größen aus dem Zeitschriften übernehmen. Heute brauchen aber die Menschen oft Größen jenseits der 40/42 und die werden vom deutschen Strickanleitungsmarkt kaum bedient.
Aufwendigere und/oder figurbetontere Schnitte bedeuten auch, daß es im Gegensatz zu früher wirklich wichtig ist, die richtigen Maße zu erreichen, damit das fertige Stück passt. D.h. die Maschenprobe muss -zumindest in der Maschenzahl- exakt stimmen und das Modell muss auch in der richtigen Konfektionsgröße verfügbar sein. Und da geht es los: Eine Maschenprobe -womöglich noch mit verschiedenen Nadelstärken- ist den meisten lästig (mir auch). Umrechnen, weil man eine andere MaPro hat oder will oder weil man eine nicht angegebene Größe braucht, ist noch viel lästiger. Da verzichten dann viele lieber, beschränken sich auf Tücher, Socken & Co. und schwärmen von früher :wink:

Und spätestens beim Aussehen der Modelle kann ich der Aussage, daß früher alles besser war, nun wirklich nicht mehr zustimmen. Ich hinke mit meinem Modegeschmack zwar immer ein paar Jahre hinterher, aber die 80er (und erst recht die 70er) habe ich dann doch weit hinter mir gelassen, die meisten Sachen gefallen mir wirklich nicht mehr. Es gibt Ausnahmen, aber in der Regel bin ich froh, daß diese Zeit modemäßig vorbei ist.
Daß die Mode derzeit nun so viel besser ist, kann ich allerdings genauso wenig behaupten. Simplem Grobstrick mit fetten Garnen und Nadeln kann ich rein gar nichts abgewinnen (dem Revival der 80er-Mode natürlich erst recht nicht) – aber die jungen Mädels stehen drauf und seien wir doch mal ehrlich: Die Modelle in der Brigitte sind nicht für anspruchsvolle Hardcore-Stricker wie uns konzipiert, sondern für die breite Masse, deren Strickkenntnisse kaum über Anfängerniveau hinausgeht und die ein oder zweimal im Jahr in der Winterzeit zu den Nadeln greifen. Mona hat das in ihrem Kommentar zum letzten Blogeintrag sehr schön auf den Punkt gebracht.

Was aber heutzutage definitiv viel, viel besser ist als früher: Wir haben eine Auswahl an Garnen, Modellen und Handwerkszeug, die wir uns damals in unseren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können. Vor allem das Internet macht’s möglich. Ich finde dicke Garne doof? Dann bestelle ich mir halt Shetland-Garn oder Lacegarn aus Peru. Ich finde die Anleitungen in deutschen Publikationen trotz aller Vielfalt allesamt grauslig? Macht ja nichts, englische, skadinavische oder gar japanische Anleitungen sind doch nur ein paar Mausklicks entfernt. Und wer die Mode früherer Jahrzente bevorzugt, bekommt alte Zeitschriften und Bücher aus den letzten 80 Jahren bei Ebay – gerade die 70er und 80er-Publikationen werden einem für’n Appel und’n Ei hinterhergeworfen.

Von daher schwärme ich zwar auch gerne mal von früher und nörgele über die heutigen Modelle, aber strickerisch gesehen könnten wir in gar keiner besseren Zeit leben.

Da ich gerade von einer netten Dame aus der Nachbarschaft einen Riesenstapel Hefte aus den 80ern geschenkt bekommen habe, abschließend mal ein paar exemplarische Modelle aus der Zeit, in der “alles besser war” – wer von Euch würde die heute noch anziehen? Selbst wenn man die Muster auf einen moderneren Schnitt anwenden würde, muss sowas doch nun wirklich nicht mehr sein, oder?

Interessant: Beim Welt der Frau-Strickheft war Ursula Marxer Redakteurin

Natürlich habe ich da ganz bewusst besonders unattraktive Covermodelle rausgesucht :wink: Es gab auch viele Sachen, die mit ein paar Schnittänderungen auch heute noch durchaus tragbar sind. Ich schau’ mal, was ich da für Euch finde und einscannen kann, die meisten Hefte sind von Gruner + Jahr und die sind ja glücklicherweise beim Thema Urheberrecht von alten Strickanleitungen sehr entspannt (das schadet ja nun auch wirklich niemandem mehr, wenn ich die hier kostenlos zur Verfügung stelle).

44 comments for “Früher war alles besser…

  1. 25. September 2012 am 19:47

    Du sprichst mir nicht nur aus dem Herzen sondern auch aus der tiefsten Seele …. ich hab noch einen Pulli, den hat mir Oma vor 30 Jahren gestrickt … er passt noch immer, weil einfach der Schnitt besser war …
    LG Manuela

  2. GABi
    25. September 2012 am 20:18

    Guten Abend, auch ich bin etwas enttäuscht von den Brigitte-Modellen. Aber noch nichtssagender finde ich die aus der letzten Freundin. (Leider kann ich nicht verlinken…). Damit auch ja jede “Sonntagsstrickerin” mit großen Nadeln und kastenförmigen Schnitten (gefühlt: nur Rechtecke) ein Ergebnis erzielt. Außerdem wird es noch als supertrendy “verkauft”. Und: grundsätzlich finde ich die Garne ziemlich teuer. Vielleicht auch eine Promotion für die Garnhersteller…

    Grüße aus der Hauptstadt

  3. Kessrien
    25. September 2012 am 20:19

    Also diese zwei senfgelben Modelle auf der Constanze sehen schon irgendwie gut aus… Und gar nicht sackartig! Die würde ich mir schon stricken.

    Ich finde übrigens auch Grobstrick nicht per se doof. Aber was mich an den Sachen in der Brigitte stört, ist, dass sie alle ohne Taille daherkommen. Das ist viel schlimmer!

  4. 25. September 2012 am 20:30

    Ich habe vor kurzem die Junghans-Club-Hefter meiner Schwiegeroma geerbt…. Die Sachen sind alle recht anspruchsvoll zu stricken (da viele verschiedene Farben kombiniert, und teilweise recht komplizierte Einstrickmuster) – aber die Schnitte sind zum davonlaufen – Kastenpulli halt, mit ueberbreiten Schultern. Ich habe eh schon breite Schultern und einen entsprechenden “Balkon” – in so was seh ich aus wie eine wandelnde Tonne. Da sind die heutigen, figur-betonteren Schnitte deutlich besser. Frau muss allerdings auch deutlich praezieser arbeiten ;-)

  5. Connie
    25. September 2012 am 20:31

    Moin, Tina!

    Meine Strickerinnerungen reichen in die 70er (ich habe 72 Abi gemacht) und wir hatten durchgesetzt, daß wir in der Schule stricken dürfen … wenn ich mir heute vorstelle, 15 Mädels im Leistungskurs Philosophie, Adorno und Frankfurter Schule und dabei das Nadelgeklapper ;=)

    Wir warteten immer auf das Weihnachtsgeschenke-Heft der Brigitte, da waren tolle Pullis drin, aber zu meiner Zeit eben nicht die viereckigen Zelt-Teile, sondern eher schmale, viel zu kurze (für die Nieren!) Pullis…

    und es gab Wolle Roedel und ich konnte mir die Wolle vom Taschengeld oder vom Nachhilfe-Verdienst leisten, heute ist mir die Wolle im Laden oft wirklich zu teuer

    nun denn, jetzt wohne ich bei Wol(l)gast an der Ostsee und dort gibt es ein sehr nettes Wollgeschäft, da tue ich dann was für die heimische Wirtschaft, wenn meine Vorräte von der Hamburger Wollfabrik aufgebraucht sind

    ob es früher besser war? Jedenfalls war Stricken selbstverständlicher und die Garne waren preiswerter …

    Gruss, Connie (nun schon 60)

  6. Sybille aus O.
    25. September 2012 am 20:32

    Nee, da bin ich mal wieder anderer Meinung. Der Titelpulli von der Sandra, den find ich klasse! Und auch die Modelle der Constanze, die in klein den Rand schmücken, scheinen mir nicht uninteressant zu sein (wie ich überhaupt finde, dass die Constanze jedenfalls bis zu den 70er Jahren eine sehr gute Strickzeitschrift war).

    Und dass die Mode nun wieder zu den 80ern zurückgeht (nachdem sie hoffentlich die wirklich grausligen 70er endgültig hinter sich gelassen hat), finde ich auch nicht so schlecht, dann hat´s vielleicht bald wieder ein Ende mit übergewichtigen Wurstpellenträgerinnen…

    Ich für meinen Teil habe sämtliche Moden ignoriert und stricke zumeist den 08/15-Einfachschnitt aus den 80er Jahren. Enge Sachen mag ich nämlich einfach nicht tragen und im Winter müssen außerdem noch etliche Schichten unter, aber auch über den Pullover passen.

    Wobei ich jedoch mit Dir zumindestens zu 150 % übereinstimme, ist dass es eine viel, viel größere Vielfalt gibt. Auch hier, wie so oft gilt: dem Internet sei gedankt.

    Sybille aus O.

  7. 25. September 2012 am 20:33

    Da fällt mir einer meiner Lieblingssprüche von Sir Peter Ustinov ein: “Jetzt ist die gute alte Zeit, nach der wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.”
    In diesem Sinne
    Lieben Gruß aus Graz
    Rain

  8. Sybille aus O.
    25. September 2012 am 20:40

    Hahaha, da bin ich scheint´s die Einzige, die gern und immer Kastenformen strickt und trägt.

    @Connie: Auch wenn ich “erst” 81 Abi gemacht habe, aber gestrickt wurde in der Schule meistens (wenn auch nicht im Unterricht, das war verboten, so doch in den Pausen). Und dann erst später in der Uni sowieso… Na, und heute gibt´s dafür “spannende” berufliche Weiterbildungen;-))

    Einen schönen guten Strickabend wünscht der Blogschreiberin und ihrer geneigten Leserinschaft

    Sybille aus O.

  9. 25. September 2012 am 20:49

    Ist es mit der Mode nicht grundsätzlich so, dass alles was wir früher schon mitgemacht für heute einfach durch haben? Was sagen wir wohl über unseren heutigen Geschmack in 20 Jahren? :lol:
    Ob es heute besser ist oder früher besser war, lässt sich das überhaupt sagen?
    Ich sage lieber es war anders. :-D

    Grosse Materialauswahl hatte ich auch früher in meinen (vielen!) Fachgeschäften, auch da gab es von dünn bis megadick alles, aber vor Ort und nicht übers Internet. Dafür hab ich persönliche menschliche Beratung erhalten, heute sitzt man dafür vor der Kiste. Beides hat Vor- und Nachteile.

    Ich finde es letztendlich wunderbar, dass wir heute die freie Wahl haben, da die Modediktate nicht mehr so dominant sind.
    Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, über Stil noch viel weniger. Wem ein Heft nicht gefällt, lässt es liegen, jemand anderm gefällts genau so und kauft’s.

    Es lebe die Vielfalt und die Toleranz dafür. Vielleicht sollten wir uns im Strickdesign dessen auch ein bisschen mehr bewusst sein. ;-)

  10. 25. September 2012 am 21:17

    ne, Sybille, du bist nicht die einzige, ich hasse auch diese taillierten sachen, und das wort “negative ease” ist mir ein graus! wie kann irgendwas negativ sein und zusammengehen mit “ease”?:) ich hab 83 abi gemacht und es war selbstverstaendlich, mit strickzeug in den klassen zu sitzen – ich glaube, wenn ein lehrer einspruch erhoben haette, haett er nix mehr zu lachen gehabt:) und obwohl ich zugebe, dass durch das internet unheimlich viel mehr an garnen, mustern usw. zu haben ist – die alten constance hefte vermisse ich und koennt mich beissen, dass ich meine damals alle weggegeben habe, als ich herzog:(

  11. Birgit
    25. September 2012 am 21:21

    Damals (Abi 86) durften wir nur lehrerabhängig im Unterricht stricken, in Bio-Leistung nur, wenn der Pulli für die Lehrerin sein würde :-)
    Also, diese alten Hefte bzw Modelle darin sind einfach nur ein Graus, schüttel!
    Dieser Rote mit den weißen mutierten Riesennoppen ist ja schon fast karnevalstauglich, uuaaahhh!
    Habe erst vor paar Wochen einen Rundumschlag in meinen alten Strickheften gemacht und 2 große Tüten voll aussortiert und unters befreundete Strickvolk gebracht.
    Ich habe in den 80ern/90ern auch Säcke gestrickt, immer 60 breit (bei damals Größe 38) und die Armauschnitte immer 30 breit und die Ärmel 30 lang. Lustig.
    Aber eben damals schön! Und gerne getragen.
    Aber das will ich niiiieee wieder so haben.
    Figurbetont hat was, auch in Strick, das sieht einfach fraulicher, selbstbewusster aus. Heute (mit Größe 36) würde ich nie wieder Säcke tragen wollen, das untergräbt meine Weiblichkeit, finde ich zumindest.
    Vielleicht ja wieder mit 90 oder so :-) Wer weiß.
    Ich liiiebe die Modelle, die es heute zu schauen gibt in dieser wunderbaren Vielfalt, die uns das Netz seit Jahren bietet. Ohne Netz würde ich immer noch nur bei unserem hiesigen kleinen Wollgeschäft kaufen und schauen, d.h. Lana Grossa und Schachenmayer, Austermann. Hin und wieder kaufe ich etwas dort, wäre schade, wenn es das Lädchen nicht mehr gäbe, aber im Netz sind soooooviele heerrrliche Möglichkeiten…. und auch in Läden in größeren Städten…
    ja, über Mode und Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, Vielfalt hat was und ich glaube, das ist genau das, was es so interessant macht… jeder sucht sich seins heraus und ist glücklich damit, auch wenn es aus 80er oder 90 er ist. Jedem seins. Alles ist erlaubt, was einem Spaß macht und worin man sich wohlfühlt.
    Liebe Grüße
    Birgit

  12. Katharina
    25. September 2012 am 21:24

    Was das lästige Umrechnen von Schnitten angeht, möchte ich gerne auf die herrliche Funktion von Karopapier hinweisen! Man kann es sich selber für die jeweils gewünschte Maschenprobe ausdrucken:
    http://www.tata-tatao.to/knit/matrix/e-index.html
    Nimmt man Pergamentpapier, kann man es bequem über den Schnitt eines gut sitzenden Pullovers legen und die Maschenanzahl bzw. die Abnahmen für den Ausschnitt oder Ärmel einfach abzählen.

    Hier gibt es dazu ein Beispiel: http://theraineysisters.com/?page_id=61

    Zum Thema Oldies: Eigentlich könnte die Brigitte ja mal eine Sammlung ihrer besten Stricksachen herausgeben. War sie es nicht, die den aufkommenden Strickwahn zu Beginn der 80er Jahre maßgeblich befeuerte? Damals in dieser Aufbruchstimmung hatte Stricken noch was Emanzipatorisches und damit meine ich eher die Tat als die Werke ;-)

  13. 25. September 2012 am 21:27

    Du sprichst mir da aus der Seele:) Ich gehöre auch zu den “Alten” die schon in den späten 80igern gestrickt hat und ich habe die irrsten Muster genadelt und das ganz ohne der Hilfe des Internets. Wie du schon sagst, uns hat ja niemand gesagt ” Das ist sauschwer!” Ich hab die Pullis einfach gestrickt;)

    Und ich hab auch nen Berg von alten Heften. Die Schnitte sind naja lustig aber was da oft an tollen Mustern drinnen ist. Einen Schnitt von heute nehmen und alte Muster verwenden. Warum nicht?

    Grauenvolles gibst heute wie damals, man muß sich einfach die Rosinen rauspicken;)

    LG Bettina

  14. Ursula
    25. September 2012 am 21:33

    Ich finde es sehr angenehm und bequem, weite Pullover im Stil der 80er Jahre zu tragen. In Norwegen wurde im August so ein gemütliches Teil in diesem Modeblog vorgestellt: mariaskappel.no . Und jetzt strickt halb Norwegen diesen überdimensionierten Kuschelpullover. Bei ravelry zu sehen unter: skappelgenser . Das Oeriginalgarn ist seit langem ausverkauft und jetzt wird mit allem Möglichen gestrickt. Richtig klasse finde ich das. So gemütliche einfache Teile sind nicht tot zu kriegen. Die haben immer Saison!

    Liebe Grüße

    Ursula

  15. 25. September 2012 am 21:44

    Moin zusammen!
    Ob früher alles besser war, würde ich so nicht behaupten wollen. Es war auf allle Fälle anders. Da wären z. B. die Schnitte.
    Es gab nicht nur kastige, weite “Säcke”. Es gab durchaus auch sehr viele Pullover mit Armkugel. Gerade in der Constanze. Die beiden Zeitschriften, die Du hier abgebildet hast, Tina, enthalten wirklich sehr schöne Modelle, die auch heute noch tragbar sind. Aus dem Winterheft 82/83 habe ich mir z. B. einen Pullover mit einem herzförmigen Lochmuster gestrickt. Zusammen mit einem passenden Strickrock ergab das dann mein Kostüm für das Standesamt. Den Pulli würde ich mir heute ohne weiteres wieder stricken. Allerdings würde ich dann ein anderes Material verwenden und vielleicht auch den Schnitt noch etwas abändern, weil ich nicht mehr die gleiche Figur wie damals habe.
    Auch in der Verena gab es damals ebenfalls Pullis und Jacken, die ein wenig mehr auf Figur gearbeitet waren. Das gleiche gilt für die Zeitschrift Mikado oder auch teilweise die Sandra. Oder nimm die Nicole! Da gab es nicht nur die gerade, weite Form, sondern ganz einfache Schnitte, die perfekt passten und die Figur nachzeichneten, ohne selbige einzuengen.
    Gut, es gab auch Modesünden. Ich meine hier die überdimensionierten Schulterpolster. Die muss ich heute nun nicht mehr haben. Aber trotzdem trage ich ab und an noch Modelle, wo Polster notwendig sind. Hier achte ich aber darauf, dass ich nicht wie ein Rugbyspieler aussehe.
    Überhaupt kann ich sagen, dass ich heute viel lieber in meinen alten Heften wühle, als dass ich mir ein neues kaufe. Ich finde in den jetzigen Zeitschriften einfach nichts passendes für mich.
    Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich mich stur an die Anleitung von damals halte. Ich such mir die Muster raus, hab meinen Grundschnitt, der immer passt, nehme das passende Garn und lege einfach los. Maschenprobe und Taschenrechner gehören dabei genauso zu meiner Grundausstattung wie Strick- und Nähnadeln.

    LG Sabine

  16. Monilisanne
    25. September 2012 am 22:18

    Auch ich stricke schon seit gut 40 Jahren und ich kriege fast zuviel, wenn ich an die Mode aus den 80er Jahren denke. Auch ich habe sackartige Pullis gestrickt, auch mit komplizierten Mustern. Damals hat mir das auch gefallen, heute kann ich es mir nicht mehr vorstellen, liegt vielleicht auch daran, dass ich mittlerweile 2-3 Kleidergrößen kleiner habe.
    Ich finde nicht, dass früher alles besser war – es war halt anders.Durch die Globalisierung und das Internet hat man heute auch viel mehr Möglichkeiten.
    Handwerkszeug, sprich Nadeln und Wolle etc. sind auch besser geworden, und es macht mir heute noch mehr Spaß, als damals zu stricken!
    In diesem Sinne bestrickende Grüße aus Hessen.
    Monilisanne

  17. Mona NicLeoid
    25. September 2012 am 22:26

    Tja, wie man sieht, ist eben doch nur weniges wirklich “zeitlos” – unser Gefühl für Schnitte, Formen, Farben, Muster etc ändert sich fortlaufend, wenn auch nur subtil und ohne dass es uns immer gleich auffällt.
    Die Sachen in den aktuellen Magazinen werden in 10-15 Jahren auch eindeutig diesem Jahrzehnt zuzuordnen sein.

    Ich habe übrigens als Kind/Jugendliche in den 80ern schon die riesigen Schlabberpullis gehasst, die es allerorten gab. Ich war immer klein und dünn für mein Alter und habe oft auf älteren Photos die kurzen knapp sitzenden Pullover meiner Tanten und Cousinen bewundert.

  18. Waltraud
    25. September 2012 am 23:08

    Meine Strickerfahrungen reichen in die 60er. Meine Mutter besaß viele Strickhefte aus den 50er, deren Modelle wir damals doof fanden. Aber sicherlich auch, weil sie wegen der Muster schwierig zu stricken waren. Mein erstes größere Projekt strickte ich im Frühjahr 1967 aus Polyacrylgarn, ein Sommerkleid, natürlich mini. Wer wollte schon ein Kleid bis zum Knie stricken. Es war ein Hängerchen oben bis zum Ärmelende gestreift, ebenso dieÄrmel, die bis zum Ellenbogen reichten. Im Moment habe ich den Eindruck, dass die Modelle heute eine Mischung aus den 50er,60er und den frühen 70er sind, körpernah ,viel Musterung.
    Was heute viel besser ist, ist die größere Auswahl an unterschiedlichsen Garnen in Qualität, Garnstärken, Farbauswahl und Beschaffenheit. Früher in den 50er waren die Garne vorwiegend dünn (LL400 – 250). Dickere Nadelstärken als 4 brauchte man nicht. In den 60er wurden die Garne schon dicker. Dicke Outdoorcardigans mit webartigen Mustern waren modern.
    Das sinkende Niveau in der Brigitte betrifft doch nicht nur die Strickmodelle. Generell steht in den Zeitschriften heute nicht mehr viel drin , aber ihre Anzahl hat sich vermehrt.
    Der Vorteil heute an gute Anleitungen zu kommen sind die Blogs und Ravelry. Neue Stricklehrbücher und diverse Bücher über unterschiedlichste Strickarten erscheinen zahlreicher. Wir erleben zur Zeit eine Strickrenaissance, wobei ich sagen muß, bei uns auf dem Land ist sie noch nicht wirklich angekommen.

  19. Nell
    25. September 2012 am 23:48

    Oh, was für ein schöner Eintrag, Tina! *applaus* Wer könnte das nicht nachvollziehen, der schon in den 80-gern gestrickt hat? :-) Es gab noch kein Internet, kein Ravelry und keine Knitpro-Nadeln (und auf das Seilsystem möchte ich wirklich nicht mehr verzichten). Trotzdem haben wir unverzagt gestrickt, ganze Pullover und das mit viel Spass. Die Modelle waren anders, aber damals eben in. Der Geschmack hat sich geändert und vieles scheint komplizierter geworden zu sein. Es ist in allen Bereichen ein Stück Leichtigkeit verlorengegangen. Ich möchte weder auf Internet verzichten, noch auf die Freiheit, jederzeit jedes beliebige Garn bestellen zu können. Und doch war die Zeit vor 30 Jahren nicht die schlechteste – vielleicht müssen wir nur etwas lockerer werden…

  20. 26. September 2012 am 07:46

    Was ich für mich so beruhigend finde: Das, was ich heute nicht mag, mochte ich “damals” genauso wenig.

    Auch ich gehöre zu den Schulstrickerinnen und war ab Mitte der 70iger nie ohne Strickzeug anzutreffen. Die Aufregung um das Public Knitting kann ich deshalb gar nicht nachvollziehen.

    Das Knallenge (‘ease’ als unpassend bei negativ gefiel mir :-) gehört für meinen Geschmack gar nicht zu Stricksachen, egal ob selber gemacht oder gekauft. Weich und fließend trifft eher zu.

    Ich stricke heute kaum noch Oberteile, weil mir fast immer warm ist. Für schnelles An/Aus bzw. für Kuscheliges bevorzuge ich mittlerweile anderes Material, z.B. kleine Jäckchen aus schönem Viskose-T-shirt-Stoff. Die passen auch in meine Handtasche und sind eben für An/Aus eher geeignet.

    Dazu kommt, dass ich neben Beruf, Reisen und Sport keine Zeit, Lust und Muße habe, mich mit eben mit Schnitten und Fertigstellungen auseinanderzusetzen. Heutzutage stehe ich in der Schule auf der anderen Seite und dabei kann ich nun wirklich nicht mehr stricken ;-)

    Danke für deine Artikel, Tina.
    Stricken ist ein so großer Teil meines Lebens, das solche Auseinandersetzungen damit berreichernd sind.
    Tally

  21. Michaela
    26. September 2012 am 07:53

    Da ich aus einem Land komme,wo es in den 80-ern keine schöne Strickwolle gab, (ok,Zeitschriften auch nicht so wirklich),haben wir einfach so drauf losgestrickt.Die Modelle entsprachen natürlich unseren Möglichkeiten und der damaligen Mode.
    Und ich war jung und soo stolz auf meine Werke,die so schön individuell waren.(Man konnte tatsächlich ganz viele Unterhosen aus Baumwolljersey kaufen,sie in schmale Streifen schneiden und verstricken!!! Das ergab dann eine Art Baumwollstrickjacke. :-)
    Jetzt stricke ich ganz anderes ;-) und habe natürlich auch ganz viel Neues kennengelernt.Na ja,Frau entwickelt sich ja weiter,so wie bei allen anderen Sachen auch.
    Was “damals” allerdings wirklich besser war,sind die Charts in den Rowanmagazinen.Ich habe ein paar Ausgaben von “damals” noch bekommen(Ja,Rowan und Tweedgarn hatten wir natürlich auch nicht -wie habe ich es damals ohne geschafft???)
    Und in den alten Ausgaben sind die Charts noch farbig!Richtig klasse zum nacharbeiten und Frau muss nicht diese kleinen Striche und Punkte entziffern,die es dafür heute gibt.
    Es klingt vielleicht seltsam,aber ich empfinde es immer noch als etwas Besonderes,dass ich die vielen tollen Stricktechniken kennenlernen durfte.
    Liebe Grüße!

  22. Karin
    26. September 2012 am 08:52

    Ob früher alles besser war, glaub ich nicht, anders würd ich sagen.
    Auswahl an tollen Wollen usw. gabs vor Ort mehr als heute, das ersetzt das Internet.
    Aber ich mochte die 80 er sehr.
    Ich find teilweise diese Presswurstjäckchen von heute sehr unschick ;-)
    Da sind mir Säcke lieber :-) )

  23. Nadelmaid
    26. September 2012 am 09:18

    Ich habe am WE auch mal wieder in alten Strickheften gestöbert, weil ich hier ein Kilo Wolle liegen habe, aber irgendwie keine passende Anleitung für eine Strickjacke finde, die mir gefällt.
    Ich gebe zu, ich mag die Schnitte der 80er Jahre. Ich fand und finde sie lässig. Ich bin wirklich keine Bohnenstange (eher ein Bündel davon) und ich mag die figurbetonten Schnitte nur bei denen, die sie auch tragen können. Mit Konfektionsgröße 48 bin ich (meiner Meinung nach) weit davon entfernt. Aber…. Mir ist bewusst geworden, was für “Säcke” es in den 80ern gab. Ich werde mir jetzt also was zusammenbasteln aus Alt und Neu, denn: Nicht alles war damals schlecht und nicht alles ist heute gut.
    Ich denke, wir sind aber modetechnisch in einer Zeit angelangt, wo man auch ein bissl individuell sein darf. So wie jeder Mensch halt ist.
    Fazit: Sack muss nicht sein, Wurstpelle mit Knöppen aber auch nicht. ;)
    LG
    Nadelmaid

  24. Heike
    26. September 2012 am 09:28

    Meine ersten Strickversuche in den 70ern fanden sogar ganz ohne Anleitungen statt. Ich kann mich erinnern, ein schönes (oder günstiges Garn) einfach gekauft und mir selbst, mit Omas Unterstützung, überlegt, was man daraus machen könnte. Das geht mir heute teilweise auch noch so.
    Ich erinnere mich, dass meine Schwester und ich uns einmal aus grauer 4-fädiger Sockenwolle den gleichen V-Pulli gestrickt haben. Die waren beide sehr gut gelungen. Das war zu der Zeit Mode: Jeans, Boots, karierte Bluse, grauer Pulli, olivfarbener Bundeswehrparka, Drahtbürste in der linken oberen Parka-Tasche (rechts die Fluppen).

    Damals hielt man sich das Strickstück gelegentlich zum Messen an den Körper, das war alles.
    Den Pullover haben wir eine Saison getragen. Dann mochte ich meinen irgendwie nicht mehr leiden und habe ihn aufgeribbelt, die Wolle gewaschen und wieder neu verstrickt. Die Wolle hat dann Eingang in zahlreiche Stickstücke gefunden, Pullunder, Schals, usw.

    Ich erinnere mich auch an einen rostbraunen Pullover, den ich in einem Winter drei Mal abgeändert habe, weil mir der Kragen nicht gefiel. Der hatte zunächst einen normalen Rollkragen, dann einen normalen Rundhalsausschnitt, der mir auch nicht gefiel, um dann zuletzt einen quergestrickten breiten Rollkragen zu bekommen. Den Pulli habe ich getragen, bis er verschlissen war.

    Dann hatte ich die alten Junghans-Schnitte, auf die man prima die selbst entworfenen Pulloverteile während des Strickens einfach auflegen konnte. Ich hatte damals Gr. 36/38, später 40. Ich habe heutzutage Gr. 44 , aber ein letztens auf dem Flohmarkt gefundener Satz eben dieser Strick-Schnittmuster dürfte heutzutage für mich genau passend sein.

    Später habe ich gerne die Brigitte-Strickanleitungen genutzt, aber eher nur als Anregung. Dann kam die Nicole (hat meine Mutter leider zwischendurch entsorgt), später Verena. Davon habe ich ganze Jahrgänge, in denen ich noch heute gerne blättere.

    Aber seit dem letzten Heft ist für mich Schluss mit der Verena. Die Anleitungen gefallen mir immer weniger. In letzter Zeit gehe ich dazu über, mir über Ravelry oder sonstige Seiten Anleitungen zu suchen. Es gibt so viele Anleitungen im Netz. Wenn ich heutzutage ein Heft kaufen, muss mir ein Modell schon zu 100 Prozent gefallen, sonst lasse ich es sein.

    Es gab früher wie heute Modelle, die mir sehr gut gefallen, sie müssen nur aus dünnerem Garn zu stricken sein, das steht meiner Meinung nach eher den Mädels mit Gr. 36/38. Aber das muss auch jede für sich selbst entscheiden. In meinem “Alter” brauche ich aus, na sagen wir mal “wechseljahrestechnisch bedingten Gründe” auch keine dicken Wollsachen mehr. Ich kann zurzeit sogar auf lange Ärmel sehr gut verzichten, was mir stricktechnisch sehr zugute kommt.

    LG
    Heike

  25. Mediwiz
    26. September 2012 am 09:28

    Diese Kastenformen findet man im Moment doch überall, da wundert es mich nicht, dass auch die Brigitte-Modelle so ausfallen. Mir gefällts auch nicht, aber was solls. Grobstrick mag ich ab und an schon, zumal ich so eine Frostbeule bin, daß mir auch im Winter in der Wohnung die Pullis kaum dick genug sein können. Und daß gerade Gelegenheitsstricker dann auch schnell zu einem Ergebnis kommen, ist doch nicht so schlecht. Vielleicht findet der eine oder andere Geschmack daran und traut sich später auch an anderes. Wenn ich mir so ansehe, was ich als Kind in den 80ern so anhatte (bin Jahrgang 79)…gruselig. Ich musste allerdings oft die Kleidung meiner 8 Jahre älteren Schwester auftragen, das sah man mitunter sehr deutlich ;-) Den einen oder anderen Pulli bekam ich aber von meiner Mutter oder meiner Tante auf den Leib gestrickt, die hatten dann meist auch so eine Form. Ich selber habe in meiner Jugend nur Schals gestrickt, und mit den Oberteilen erst vor etwa 10 Jahren während des Studiums angefangen. Da war der letzte Stricktrend längst vorbei, es gab ein kleines Lana Grossa Geschäft am Ort und das wars. Mittlerweile hat sich mein Horizont naturgemäß deutlich erweitert, das ist toll. Ich ertappe mich schon dabei, daß ich letztens ein paar selbstgestrickte Pullis aussortiert und weggeben habe, weil sie mir jetzt 10 Jahre später nicht mehr gefallen. Wer weiß wie das in 10 Jahren aussieht? Vermutlich mag ich einiges Garn was solange in meinem Stash überlebt hat, dann auch nicht mehr sehen falls ich die Farbe ganz scheußlich finde????

  26. Heike
    26. September 2012 am 09:30

    Sorry, das

    …sie müssen nur aus dünnerem Garn zu stricken sein, das steht meiner Meinung …

    Das sollte heißen “das dicke Garn”….

  27. 26. September 2012 am 09:37

    Dieser Post hat mir sehr gut gefallen!
    Wir haben auf jeden Fall schöneres Material, denke ich (ich blicke in meine gerade angekommene Schachtel MadelineTosh und denke an das alte Acrylgarn!). Ich schätze auch bessere Werkzeuge – Addi und Signature Nadeln im Vergleich zu den bunten Plastiknadeln, die ich damals hatte.
    Meine Freundin und ich waren in England (vgl. Abi ’83) die einzigen jungen Strickerinnen, die wir kannten. Sonst war das was für Mutti-Typen oder Grossmutter und man hat sich sehr über uns amüsiert – die Muster, die wir dort hatten waren dann entsprechend entweder alte Klassiker (Zopfmuster) oder rüschelige Spitzenmuster. Wir waren froh, dass wir in den deutschen Heften modernere Sachen gefunden haben – auch mit dickeren Garnen. Meine Freundin strickte dann auch mal Herrenpullis, weil der Kastenform unisex war ;)
    Später in den 80ern haben wir beide sehr viele Kindersachen gestrickt, meist sehr bunt. Da war es schon wichtiger, dass es nicht kratzte und bequem war, aber auch pflegeleicht und die Vielfalt war ziemlich gross. Ich liebte die Verena (auch wegen der Handarbeitsteile hinten!).
    Übrigens staunten wir, dass man in Deutschland in der Schule/öffentlich strickte!! Sowas war für uns eh undenkbar und wie gesagt, junge Frauen strickten erst gar nicht!! Wow, ist für mich immer noch “mind-boggling”!!
    Heute stricke ich gerne mit schönen, auch teureren Garne – es stimmt, die günstig-guten Quellen sind versiegt. Oft finde ich die Garne nur über USA oder Skandinavien (ja, Shetland auch, natürlich), ausser ich will glatten Merino, den gibt’s auch bei uns überall. Die Strickwelle ist hier in der Schweiz nicht so wirklich angekommen – auch mit bald 50 werde ich oft komisch angeguckt :o und meine 28 j. Tochter erst recht, “das gibt es doch nicht…” hört sie oft. (und meine Jüngste lernt Schneiderin – wird auch komisch angegafft!)
    Bei den Mustern… ich habe schon ewig kein deutsches Muster mehr gestrickt. Für dicke Garne und Pullis/Accessoires bin ich selbst zu füllig, da mag ich viel lieber mit 3.5mm stricken, höchstens mal mit 5mm, grösser gar nicht. Pullis und Jacken mit Taille, schön passend gestrickt, sehen nun mal besser aus und passen auch besser zu dünneren Garne. Hin und wieder eine andere Konstruktion ist auch interessant, oder eine exotische Form (eher bei den Skandis). Die Brigitte/Freundin Muster gucke ich mir gar nicht mehr an.
    Ich möchte nicht mehr in die 80er, strickend oder anders – und die Modelle find ich entsetzlich!! Aber 2 alte Pullis habe ich noch – einen mit Schneeflockenmuster über die Schultern im Norwegerstil und der andere im Islandstil mit Rundpasse…
    (PS eine Ausnahme fällt mir ein – ich mochte die Trachtenmode und habe dort auch taillierte Zopfmuster-Jäckchen mit Puffärmel gestrickt!)

  28. 26. September 2012 am 09:42

    Zufall – nachdem ich diesen Blogeintrag gelesen und kommentiert habe, ging ich zu Cornflower und fand diesen Blogeintrag…!! (auf englisch)

    http://www.cornflower.typepad.com

    :)

  29. Fait
    26. September 2012 am 10:58

    Ich muss gerade sehr breit schmunzeln. Denn ich habe das Gefühl immer wenn man solche Fallbeispiele (“sowas grausliges”) macht ist jemand dabei dem es gefällt. *g*
    Diesmal bin ich es und das vorletzte Cover hat mich gepackt. Dieses gelbe Kleid oder Longshirt. Eiei das würd ich doch glatt heute noch stricken :) Und der Mantel ist auch nicht übel vielleicht mit 2- statt 8-farbiger Wolle *g*
    Also falls du die Anleitung für dieses Long-shirt-kleid was auch immer einscannen könntest wäre ich dir sehr dankbar :)

  30. Karin
    26. September 2012 am 11:06

    Geht mir wie Dir, das gelbe Kleid finde ich traumhaft, wenn auch in ner anderen Farbe.
    Karin

  31. Annette
    26. September 2012 am 12:24

    Ich würde am Liebsten Katze und Hund stricken.

    Annette

  32. 26. September 2012 am 12:35

    Ha, das ist ja lustig! Ich habe nämlich auch gerade dieses Wochenende 2 Waschkörbe voll alter Strickhefte geerbt und gesichtet. Beim Anblick der Titelmodelle dachte ich noch “na da fliegt das meiste eh gleich ins Altpapier”, aber beim Durchblättern waren dann soviel tolle Ideen und schöne Muster drin, dass ich die meisten Hefte nun leider doch behalten musste. Gut, die grossen geometrischen Muster und die Fledermausärmel finde ich heute grässlich (in den 80ern fand ich die aber super), aber die ganzen Zopfmuster und Einstrickmuster sind der Knaller, die kann man in modernen Pullis locker noch verwenden.

    Und ja, ich habe auch den Eindruck, dass diese Anleitungen “schwieriger” sind, als die heutigen und die Beschreibungen waren auch knapper bemessen, weil einfach vieles als bekannt vorausgesetzt wurde.
    Aber irgendwie ging es dann ja doch, auch wenn man die Technik nicht googeln konnte. Hab ich halt Mama gefragt, oder Oma oder irgendwelche Nachbarinnen.

    Ich hab mir eigentlich nie Gedanken darüber gemacht, ob ein Pulli “zu schwierig” sein könnte. Wenn ich ihn haben wollte, hat die Gier immer alles überwogen, das ist auch heute noch so :-D.

    Weggeworfen habe nun letztendlich nur die “Diana Superpulli”-Hefte, da waren nur Angorapullis mit applizierten Seidenblumen und viel Goldstickerei drin – uääääh! Diesen Stil fand ich damals schon sch….

  33. 26. September 2012 am 14:39

    Moin zusammen!
    Ich habe mir jetzt gerade mal die Constanze vom Herbst/Winter 82/83 rausgesucht.
    Der Pulli mit dem herzförmigen Lochmuster ist auf Seite 56 abgebildet und hat die Modellnummer 137. Er ist direkt neben dem goldenen Modell, was auf dem Titelbild in klein abgebildet ist (zweites von oben). Sämtliche Pullis auf der Seite 56 (alles Lochmustermodelle) haben einen Schnitt mit Armkugel. Auch die Modelle, die auf den Seiten davor abgebildet sind, haben einen solchen Schnitt. Ich würde mir jeden dieser Pullis auch heute noch stricken. Das Garn wäre zwar ein anderes, aber das spielt in dem Fall ja keine große Geige. Wozu haben wir heute die fast unbegrenzte Auswahl an Garnen? Doch nicht nur zum Angucken, oder?
    Das Kleid auf dem Titelbild ist Modell Nr. 11. Auch dieser Schnitt hat eine Armkugel. Es werden aber für den Armausschnitt beidseitig mehrere Maschen auf einmal abgekettet, bevor dann mit der Passe weitergemacht wird. Das Kleid ist übrigens auf Seite 9 einmal solo abgebildet. Da kann man sehen, wie es dann nachher sitzt.
    Die Katzen, die Ihr auf dem Titelbild ganz unten seht, sind leider nicht nachzuarbeiten. Die wurden genommen, weil zum Fototermin keine Kinder da waren. Die waren alle im Urlaub.
    Also, Ihr könnt sagen, was Ihr wollt. Aber die Modelle sind heute immer noch tragbar. Ihr dürft Euch auch nicht so vom Drumherum beeinflussen lassen. Die Pullover sind auf den Bildern nur ein Teil vom Ganzen. Das ganze Drumherum wie Röcke, Hosen, Schuhe und auch Accessoires spiegeln das Modeverständnis von damals wider. Vieles davon muss man heute nicht mehr unbedingt haben. Aber heute haben wir ja insgesamt mehr Auswahl. Da können wir uns das richtige rauspicken und top aussehen.

    LG Sabine

  34. 26. September 2012 am 15:42

    Ich stricke auch heutzutage meine Pullover noch äußerst leger, weil mein äußerst größer gewordener Hintern auch noch dazu reinpassen muß ;).

    Zu “Alles Unsinn, mit einem guten Grundlagenbuch, einem bisschen Konzentration, Sorgfalt, Geduld und Übung sowie einem eingeschaltetem Gehirn ist beim Stricken gar nichts schwer” muß ich sagen, daß bei mir mit dem älter werden Sorgfalt und Übung noch da sind, aber Geduld und Konzentration werden oft auf eine Harte Probe gestellt. Ich habe früher für meine Kinder Babykleidung gestrickt, bei der ich mich heute frage, wie ich das hingekriegt habe. Früher habe ich Hasen, Katzen, Palmen und Kamele eingestrickt, heute arbeite ich lieber mit den wundervollen Garnen und den leuchtenden Farben und Mustern im Garn selbst.
    Vor allem macht es aber noch genauso viel Spaß wie früher, auch wenn ich wegen einiger gesundheitlicher Malessen Tage habe, an denn ich nur wenig und einfach Dinge stricken kann.
    LG Petra

  35. Chaluda
    26. September 2012 am 15:51

    Heute ist alles wieder gut- :-)
    ok, ich dachte schon, ich wäre die Einzige der einige Oberteile gefallen.
    ;-)
    Aber ich habe festgestellt, dass sich auch die Mode in den 80ern sehr gewandelt hat. Anfang der 80er war die Mode noch Figurnah, ab 1984 ist sie dann in die Weite explodiert. (Pullis, Hosen, Schulterpolster, etc.)
    Achtet doch mal auf das Erscheinungsdatum der Strickzeitschriften.
    8-) Der Pulli von “WElt der Frau- Strickheft”, gefällt mir ausgesprochen gut! Stellt ihn Euch mit einem glatten Garn (KEIN Boucle), ohne diese weiße Noppen, stattdessen weiße Tupfen im Muster (dezentes Jaquardmuster) und eine sanftere Farbe vor.
    Dann ist das doch ein Traum oder?
    Auch das gelbe Constanzeoberteil (von 1982) vom Titelbild gefällt mir.
    Mir gefällt die Mode Anfang der achtziger, zumindest was ich momentan so davon noch in Erinnerung habe (Jahrgang 1969). Allerdings habe ich keine Ahnung, wo mich das noch hin führt, nachher gefällt mir dieser schrille Pulli von der Sandra wieder. 8-)
    Liebe Tina, vielen Dank für´s zeigen, bei Deinem Beitrag kann ich Dir nur zustimmen. Ohne Internet hätte ich mein Strickwissen NICHT erweitert, die Wollauswahl ist riesig, aber ich will auch nicht den persönlichen Kontakt zu den beratenden, Wollfühlenden ( ;-) )Wollläden verlieren.
    Mit gestern habe ich nun wieder einige Wunschprojekte mehr, vielen Dank für´s zeigen von gestern und heute!
    wollige Grüße aus Köln

  36. Inah
    26. September 2012 am 17:16

    Früher war mehr Lametta? Oder Erinnerung vergoldet?

    Okay, das ist durchaus möglich.

    Aber ich meine mich zu erinnern, dass bspw die Brigitte/Constanze früher eben handarbeitslastiger war. (Constanze war doch eine reine Handarbeitszeitung oder liege ich da falsch?) Jedenfalls musste nich einmal im jahr das Thema stricken hopplahopp in einem Rutsch erledigt werden, sondern es war immer wieder (auch) was Interessantes zusehen.
    Und, das Titelbild der Constanze finde ich gar nicht so furchtbar. Die Weste ist doch ganz niedlich, und die Jacke trug man da halt so.

    Okay, Monsteranleitungen gab es schon immer. Aber irgendwie habe ich diese hefte (und sogar die Monstanleitungen) durchdachter in Erinnerung. (und da sind wir wieder bei Erinnerung vergoldet oder bei “früher war mehr lametta :-?)

    Ach egal,- ich hab die Brigitte jedenfalls kurz in der Hand gehabt und dann liegenlassen. Das B.W Interview interessiert mich nicht, und die Strickanleitungen eben auch nicht.

    Liebe Grüße,- Inah

  37. smarty
    26. September 2012 am 17:20

    Um Himmels Willen!!!

    Da hast Du ja echt so richtige “Hardcore-Böööööööööörner” rausgesucht!
    Wie grauselig!

    Das 1. Sandra-Heft, mit dem bunten Karo-Pullover drauf hab ich auch noch daheim… *schüttel*

    Liebe Grüße, smarty ;-)

  38. arielle
    26. September 2012 am 17:38

    Angeregt von all den Fragen und Kommentaren habe ich meine Strickheftesammlung rausgekramt, Brigitte 21/1979 ist das älteste, das ich habe, damit ging’s wohl los. Ich war 15 und habe mich ohne Nachzudenken an alles gewagt.

    Bis 83/84 waren das legere, aber figurschmeichelnde Modelle, dann sind Säcke dabei, aber immer wieder auch sehr schlanke Sachen. !989 bricht meine Sammlung ab. Ich trauere jeder Anleitung nach, die ich nicht mehr habe. Immer wieder spukt mir ein marineblauer Mohairpullover im Kopf herum mit großen bunten Kreisen, Intarsiatechnik, nur wusste ich das damals nicht. Ich hatte ihn mit Wolle-Rödel-Zeug nachgestrickt, lange hat das Teil nicht gehalten.

    Die Wolle war teilweise sündhaft teuer, Mohair (Bergere du France), Angora, das Material für einen Baumwollpulli 1980 kostete 100 Mark (Anni Blatt)! – was ich mir damals niemals hätte leisten können.

    Die Sachen, die mir damals gefielen, finde ich heute noch toll und würde sie tragen, vielleicht einen Ticken knapper. Grüße!

  39. CindyW.
    26. September 2012 am 19:02

    Ich gehöre zu den bestrickten Kindern der 80er Jahre *grins*, die Mode damals war – im Rückblick betrachtet – grausam. Meine Mutter und meine Oma haben fleissig die Nadeln klappern lassen, meine Schwester und ich mussten auch in Kleidern, Pullis mit Struwwelpeter o.ä. und weissen kratigen Strickjäckchen zum selbergenähten Kleid herumlaufen.
    Aber, ich frag mich oft, was wir/unsere Kinder in 30 Jahren zu den Strickmodellen von heute sagen? Finden wir/die die genauso grausam wie wir die Sachen der 80er heute finden?

    LG,
    Cindy

  40. Cecily
    27. September 2012 am 12:08

    Schön analysiert, danke! :-)

  41. Stiena
    27. September 2012 am 15:52

    Hallo,
    ich habe einen Ordner mit Anleitungen (Sandra etc.) aus den 80er Jahren einer “Freundin” vor langer Zeit geliehen(!) und nie zurück erhalten. Sie mochte die Werke nicht leiden und hat daher die Anleitungen vernichtet- noch heute grummel- Aber: in meiner Erinnerung waren das ganz, ganz tolle Pullover , Schals etc. Oh wie toll die doch waren und wie schrecklich, dass ich den Ordner nie wieder bekommen habe….
    Wenn ich mir die Modelle jetzt so ansehe- ähm so schlimm finde ich es jetzt nicht mehr, dass der Ordner weg ist. Klar, die Anleitungen als Ergänzung zu den heutigen Werken wären schon schön- (im Gegensatz zu der Mode) aber mehr auch nicht.

  42. 28. September 2012 am 16:44

    Ich glaube es gab noch das Heft Mikado…oder so, da waren auch schöne Strickanleitungen drin, oder war das dann anfang der 90iger?!
    Liebe Grüße Anke

  43. Anne
    29. September 2012 am 23:22

    Ich war diese Woche bei Tobias Mann, der sang “Früher war heute noch besser.” Ich finde, das bringt es auf den Punkt. ;)

  44. 1. Oktober 2012 am 12:51

    @ strickrubin:
    Anke, die Zeitschrift Mikado gab es auch schon in den 80igern. Ein paar Exemplare habe ich davon auch noch in meinem Archiv. Aus der Zeitschrift habe ich sehr gern Modelle nachgearbeitet. Ich ärgere mich noch heute darüber, dass ich einen Großteil wegen eines Wasserschadens verloren habe. Oh Mann, was hab ich geflucht damals!!! Da war echt nichts mehr zu machen.
    Heute würde ich bei vielen Modellen aus dieser Zeit die Schnitte ändern und nur die Muster verwenden.

    LG Sabine

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