Strumpfgesetze und Negergarn

Vorgestern hat Katharina einen ihrer historischen Schätze bei Ravelry gezeigt:

Darin befinden sich auch sehr interessante Strumpfgesetze, die ich so klasse finde, daß ich Katharina gebeten habe, sie mir für Euch einzuscannen. Hat sie auch prompt gemacht - an dieser Stelle nochmal ein ganz herzliches Dankeschön dafür!

Für alle Interessierten habe ich eine PDF-Version zum runterladen daraus gemacht.

Ob ich das bei mir im Büro aufhängen sollte? :wink:

Eine Recherche bei Google hat das hier gefunden - offenbar gab es das Heft in mehreren Auflagen. Ich tippe mal, daß Katharinas Version älter ist, als die beim Link abgebildete.

Bei der Suche bin ich dann noch zufällig hierauf gestossen - das befindet sich wohl auf der Rückseite einer neueren Auflage (klingt schon nach 1930er Jahre…):

Heutzutage natürlich politisch inkorrekt, aber zu Zeiten der Kolonialherrschaft nichts ungewöhnliches - man denke an den Sarotti-Mohr oder Negerküsse (mein 82-jähriger Vater wundert sich immer noch darüber, daß er jetzt nicht mehr “Neger” sagen soll und auch ich esse immer noch Negerkussbrötchen :wink: ).

Wenn man heute solche Sprüche liest, hinterlassen sie aber doch irgendwie einen komischen Geschmack… :

Froherfülle Deine Pflicht: auf einer Verlagsvignette aus den 1920ern stand “Arbeiten und nicht Verzweifeln”. Das find ich für’s Büro noch passender.

“Froherfülle deine Pflicht” hat die Braune Sekte geklaut, dieser Spruch ist älter und ich denke eher preußischen Ursprungs. Ich kann mich als Kind noch an das Negerstopfgarn und die auch Sticktwistbanderolen mit dem Mohrenkopf erinnern.
Tausend Dank an die Pdf-Version. Ein ähnliches System die Maschenbreite auf den Nadeln in ein Verhältnis zu setzen lehrte uns meine Handarbeitslehrerin. Sie war schon uralt und ging auch nach dem Sockenstricken in Rente. Ich vermaß meine Fersen noch lange auf diese Weise. Heute strick ich meist die Bananenferse, weil die Socken einfach besser in Schuhen zu tragen sind.
Das Wadenmessen haben wir für unsere Schulsocken auch nicht mehr gelernt. Das Strümpfestricken (Knierstrümpfe und lange Strümpfe) hatte sich in den 60ern schon erledigt. Vielleicht wurde in Oberbayern, dort werden ja Trachtenkniestrümpfe gebraucht, diese Methode länger gepflegt.

Die Sockengesetze werde ich mir als pdf runterladen. Danke! :smile:

Die Farben der Garnmuster sehen aber noch frisch und leuchtend aus, die würden auch heute gut ankommen - natürlich nicht mehr unter diesem Namen.

LG Andrea

Liebe Martina, vielen Dank für den Beitrag. Als Antiquarin kenne ich ein paar Seiten, auf denen man solche Schätze noch finden kann und habe natürlich gleich gesucht. Es tauchen tatsächlich ein paar Titel auf. Schaut man sich dann die Auflagenhöhen an, ist es schon weniger erstaunlich, daß sich so viele Exemplare erhalten haben. Die farbige Titelzeichnung bei einigen Auflagen soll von Gertrud Caspari sein, einer bedeutenden und gesuchten Kinderbuchillustratorin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Sehr interessante Schätze. Danke für die Strumpfgesetze.pdf. Ist gespeichert;-)

.. ..so viel zum Thema, das betrifft mich nicht!.. diese Sockenstrickerei…

wenn da nur nicht Negerkuss gelesen hätte ….- habe ich doch grad mal ne Extremkur von 2 Packungen Negerküsse hinter mir!!.. hm, stimmt genau, die Kolonialzeit ist lange her …aber immer noch fährt mein Auto völlig ohne mein Zutun, sogar gegen meinen überaus festen Willen - genau dorthin, wo es diese geclonten Errungenschaften der Kolonialzeit gibt - einer sieht aus wie der andere …. - vermutlich weil mein Auto sehr auf den Erhalt meiner Figur bedacht ist.

- ich weigere mich, diese Leckerein anders zu nennen!

allen einen schönen Sonntag
Gabi

Strumpfgesetze sind witzig, betreffen mich aber auch nicht (bin keine Sockenstrickerin). ;-)

Ich habe auch schon bei älteren Handarbeitsbüchern geschluckt, wenn da etwa die Rede war von der bösen ausländischen Baumwolle, die die deutsche Volkswirtschaft unterwandert, weshalb man lieber gute deutsche Wolle nehmen soll. :-(

Den Ursprung von “Froh erfülle deine Pflicht” muß ich mal genauer recherchieren, den kannte aber schon meine Oma als Kind (deutlich vor der NS-Zeit). Sie zitierte ihn immer mit der Fortsetzung “Sage nie “Das kann ich nicht.”

Und die Nascherei kannte ich früher als Mohrenkopf, was heutzutage auch ungewohnt klingt, aber wohl noch verwendet wird, ebenso wie der Begriff Mohr in anderen Kontexten. Spontan fällt mir da z.B. Shakespeares Othello ein, “der Mohr von Venedig” (und nicht etwas “der Farbige” oder noch besser “der Schwarzafrikaner” von Venedig). ;)

Cheers,
Amanda

Moin,
Also die einfache Spitze stricke ich genauso wie in der Anleitung, hat mir meine Oma ( geb.1907) so beigebracht und ich komme nicht davon los. :-)
Alte Regeln sind nicht unbedingt immer veraltet. LG Anke

Danke für das pdf - da freut sich die Historikerin wieder. :-D
Das mit den Begrifflichkeiten ist immer so’ne Sache - im gegenwärtigen Sprachgebrauch sollte man auf jeden Fall achtsam sein (wenn ich auch nicht pedantisch bin - für mich wird es irgendwie auch immer der Negerkuss bleiben…). Aber ich halte überhaupt nichts davon, in historischen/ literarischen Texten herumzudoktern und sie nachträglich zu “bereinigen”. Diese Wandlungen im Sprachgebrauch sind Teil von Geschichte und geben Denkanstöße. Wir können uns die Vergangenheit nunmal nicht machen, wie sie uns gefällt, und ich finde es gar nicht schlecht, wenn man durch solche Dinge ab und an dazu gebracht wird, sich ein paar Gedanken zu machen. Da wird Geschichte dann mal ein bisschen im Alltag gegenwärtig, und das finde ich sozusagen von Berufs wegen grundsätzlich gut. ;-)

Also so als Sockenstrickerin sage ich: sehr interessant, aber: auf Seite 16 werden die Fersenkäppchen erklärt, auf Seite 17 dann wird für den Zwickel abgenommen. Und wo und nach welchem Gesetz werden die Maschen zugenommen um von der Ferse wieder in die Runde zu kommen? Da fehlt mir doch ein entscheidender Anleitungsschritt!
Werde mir gleich mal das pdf angucken, ob das einfach woanders steht…

LG, Pia Pessoa

Ich esse ja auch noch Mohrenköpfe und keine SchokoSchaumküsse….
Ich habe lange in Südafrika gelebt - für mich haben daher auch die Begriffe “Schwarzer” und “Farbiger” einen schlechten Beigeschmack.

Die Sockengesetze finde ich toll - und meine Stinos stricke ich nach selbst entwickelten Gesetzen, werde vorgestellten also auf jeden Fall mal ausprobieren. Und meine Tante (Jahrgang 23) mal fragen, ob sie die kennt.

@Waltraud - was ist eine Bananenferse???

LG
Connie

In meiner Jugend (lang ists her) war einer der Höhepunte jeder Geburtstags-Party ein Negerkuss-Wettessen…mit auf dem Rücken gefesselten Händen.
Heute muss es ja politisch korrekt Schoko-Schaumküsse heissen, nicht mehr Mohrenköpfe oder Negerküsse. Wobei ich ja verstehen kann, dass man keine Mohren köpfen soll, aber Neger zu küssen ist doch was Nettes und Multikulturell-Völkerverständigendes! Keine Ahnung, warum das jetzt verboten sein soll…

ich muss zugeben, dass ich die dinger auch noch mohrenkoepfe nenne… wobei das wort heute wohl wirklich nur noch beim sarottimohr benutzt wird, oder? allerdings - hiessen die broetchen mit dem ding drin fortunabroetchen:) duesseldorf eben… was ich besonders uebel bei den farbmustern fand, ist der spruch mit der farbechtheit:( der ist wohl zu allen zeiten ziemlich unpassend! ich muss allerdings auch zugeben, dass ich es ziemlich irritierend finde, wenn dauernd neue bezeichnungen politisch korrekt sein sollen, wie z.b. in den usa bei den frueheren indianern, die dann natives hiessen, oder ureinwohner oder first peoples oder …. wer soll da noch hinterherkommen? andererseits verstehe ich natuerlich, dass kein volk gerne mit einem schimpfwort tituliert wird. wobei wir ja auch nicht weiss sind…..??

Im PDF ist kommt mehrmals der Begriff “auf der verwendten Seite” oder auch “verwendt abnehmen” vor.

Ich nehme an, das ist das, was wir heute linke Seite nennen - oder beim verwendt abnehmen ist das links zusammenstricken.

Bei uns in Österreich heißen die Negerküsse “Schwedenbomben”.

@Bettina: Wir sind keine Weißen, wir sind Langnasen. :))

@Rosenherz: Und wie gehen die Schweden und ihre Verbündeten mit dieser political incorrectness um? ;)

Ist eine Bananenferse nicht eigentlich eine Bumerangferse (von wegen der Form)?

Amanda

ich liebe Negerkussbrötchen:-)

Ich hab vor Jahren bei der Altpapiersammlung ein ähnliches Buch gefunden. Die Fersenanleitungen dort ist die beste, die ich je gelesen habe. Und es sind lauter alte Muster drin. Super!

“Ja mei”, kann ich da nur sagen. Die Zeiten sind halt anders jetzt, und dann kann man doch auch Schokokuss sagen, oder? Wo man doch eigentlich weiß, dass es anders eben nicht mehr geht.
Vielleicht ist ja ‘Schwedenbomben’ die Lösung - das finde ich super! Das ist fast so gut wie ‘German measles’ oder ‘Spanische Grippe’.

Die Werbesprüche (vor allem auf der Farbkarte) sind der Hammer. Da gruselt’s einen nun wirklich!

Danke auch für die pdf - werde die Regeln unbedingt demnächst ausprobieren (so viel Kopfrechnerei), aber nur mit genügend Zuckerzufuhr - wobei wir wieder bei den Schwedenbomben wären…

@ Margareta
Nein, Schwedenbomben sind nicht die idealste Lösung, die Firma ist vom Konkurs bedroht. Aber in Wien haben die Leute nach den ersten Konkursmeldungen sofort angefangen, Massenkäufe zu machen. Da war die Hölle los wegen der Schwedenbomben, die Regale leergekauft, der Fabriksverkauf gestürmt. Aber es ist sehr nett in der Gegend der Farbik, dort riecht es nämlich so gut nach dem süßen Duft der Schwedenbomben, wenn man aus der Straßenbahn steigt.

@ Amanda
In Schweden nennen sie die Dinger “Österreichbomben”.
Das nenne ich ausgleichende Gerechtigkeit ;-)

… so wie bei uns die Wiener Würstchen ja “Frankfurter Würstchen” oder einfach nur “Frankfurter” heißen

@ Amanda - ok, aber ein kompliment ist das auch nicht grad, oder?:) ich muss aufhoeren, diese kommentare zu lesen - weil ich so langsam richtig appetit auf diese schaumteile kriege - wie sie dann auch immer genannt werden:)

Negerküsse-Negerküsse-Negerküsse……………….
Ich liebe sie und nenne sie auch nur so! Ein Packung hält bei mir nicht lange, aber länger als eine Packung Tofifee…………. ;-)
Mich regt es auch ein bißchen auf, dass alle Kinderbücher jetzt politisch korrekt korrigiert werden, obwohl sich manche einfach nicht korrigieren lassen. (z.B.: Jim Knopf)
Aber so ein Bockmist wie Regenbogenfisch ist erlaubt (”ich spiele nur mit Dir, wenn Du mir eine Deiner Glitzerschuppen abgibst!”)
Diese politische Korrektheit geht mir manchmal auf den Wecker.
(Mir sind Herkunft, Hautfarbe, Religion, Liebesleben meiner Mitmenschen völlig wurscht, der Charakter zählt)
pdf ist gespeichert, vielen Dank dafür!
wollige Grüße aus Köln

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