Strickmusterbänder

Wer hier schon etwas länger mitliest, kennt ihn vermutlich schon, denn er befand sich in einem Nachlass, den ich von Christine M. aus der Schweiz geschickt bekommen habe und die Sachen habe ich hier schon mal gezeigt. Aber er passt so schön zu Martines neuem Buch und ist außerdem so hübsch und interessant, daß ich ihn Euch nochmal ausführlich zeigen möchte.

Ich weiß immer noch nicht, ob Trudy Hess eine Lehrerin oder eine Schülerin war, aber auf jeden Fall konnte sie sehr hübsch und sauber stricken.

Der Streifen ist 51 cm lang und 6,5 cm breit (25 M + 2 Randmaschen), zeigt 11 unterschiedliche Muster (30 - 40 R hoch) und besteht höchstwahrscheinlich aus einem Baumwollgarn:

Die Maschen sind winzig - die durchschnittliche Maschenprobe beträgt 43 M auf 10 cm! Das Gestrick ist sehr fest, da hätte selbst ich Probleme, das derart fest hinzubekommen. Ich schätze mal, da wurden 1,5 mm Nadeln verwendet- wenn nicht sogar noch dünner:

Dagegen wirkt mein Gestrick mit 3 mm-Nadeln und 28 M/10 cm fast wie Grobstrick :grin:

Strickmusterbänder waren früher ein probates Mittel, um zum einen neue Muster zu lehren und zu üben, aber auch um sie sich zu merken - sozusagen ein gestricktes Musterbuch.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz waren sie sehr verbreitet und Fotos davon sind in nahezu jedem Buch über traditionelle Strickmuster zu finden (ein Klick mit der rechten Maustaste auf’s Bild - Grafik anzeigen bringt Euch zu einer größeren Version).

Hier ein Auszug aus Bäuerliches Stricken Band 1 von Lisl Fanderl:

Eine Abbildung aus Alte Strickkunst von Irmgard Gierl:

Und hier ein Beispiel aus “Millionen von Stichen hab’ ich wohl gemacht…” Teil II - Stricken mit und ohne Perlen:

Aber auch im englischsprachigen Raum waren sie üblich, wie man in Mary Thomas’s Book of Knitting Patterns sehen kann:

Bei Monika/Witchym habe ich auch noch einen schönen Beitrag zum Thema gefunden.

Gibt es unter Euch jemanden, der in der Schule noch solche Musterstreifen gestrickt hat? Oder dessen Mutter oder Großmutter sich daran erinnern kann?

Mona NicLeoid

Meine Oma in Schottland hatte auch so was, wir haben anhand dessen oft die Zopfmuster für meine Pullover ausgesucht, die ich als Kind gestrickt habe.

Ach, das ist ja spannend!

Ja genau sehr spannend. Ich kannte Musterbänder bisher noch gar nicht. Das gezeigte ist wirklich top gestrickt! Ich wäre froh ich könnte so stricken. LG bjmonitas

Meine Oma hat das vielleicht mal gemacht - die konnte uach wunderbare Randmaschen sricken, bin noch nicht dahinter gekommen, wie sie das gemacht hat. Leider kann ich sie nicht mehr fragen…
Meine Mama hat keine gestrickt, Ihr beiden könntet Euch aber die Hand geben, was Brett stricken betrifft.
Und ich hab das demnächst vor. Ich möchte von den Adventskalenderschals von Kristen erstmal Musterbänder stricken, weil ich eventuell nicht alle haben will.

Liebe Grüße, Ruthy

Liebe Tina
Ich hatte diese Schätze von meiner Schwiegertochter erhalten. Sie hat sie wiederum aus dem Nachlass ihrer Großmutter. Ich glaube nicht, dass sie Lehrerin war. Die Großmutter ist vor einigen Jahren gestorben.
Wenn du möchtest, kann ich versuchen, mehr dazu zu erfahren. Ich weiß schon, dass das Ganze gut bei dir aufgehoben ist.
Lieben Gruss
christineM

Die sind sehr schön…ich kenne so was nicht, allerdings hat meine Oma wundervolle Tischdecken in Handarbeit bestickt und mit Spitze versehen. Ihre Worte waren immer “Früher gabs keinen Fernseher, da haben wir eben gestichelt”. Ich selber hab in der Schul nur Socken und Handschuhe gestrickt, aber immerhin, wir haben es gelernt, das Stricken. Wunderschöne Randmaschen wären auch mal ein Thema..irgendwie ist das nicht mein favorite…
Liebe Grüße
Gudrun

Mein Oma hat Vorhänge in dieser Art gemacht. Sie nannte es netzen.

Das ist ja mal wieder sehr spannend. Leider ist meine strickende Oma sehr früh verstorben und ich hatte da noch nichts mit Handarbeit am Hut. Ich habe jetzt ihre alten Strickbücher bei mir, aber Musterbänder habe ich bisher noch nie gesehen. Finde sie aber sehr interessant. Sowas haptisches ist doch was anderes, als es nur in einem Buch zu sehen.
Danke für das ganze Wissen hier in deinem Blog!
LG Michaela

Mona NicLeoid

Früher war so was übrigens für alle möglichen Handarbeitstechniken üblich, das hat sich über Jahrhunderte so entwickelt, denn es war billiger und effektiver, die Sachen so weiterzugeben als auf Papier.

Hatte eine klassische “alte Jungfer” als Handarbeitslehrerin und sie ließ uns Musterstreifen (allerdings lange nicht so hübsche wie die hier vorgestellten) häkeln und auch stricken.

Ich wunder mich bis heute, dass trotz dieser Lehrerin Stricken meine Sucht geworden ist.

LG
Sabine

Zu den Musterbändern fallen mir spontan die Adventskalender-Schals von Kristin Benecken bei Ravelry ein:
http://www.ravelry.com/groups/advent-calendar-scarf-2012
Wer da jedes Jahr mitstrickt, hat nach einer Weile auch eine nette Mustersammlung (jeweils 24 pro Schal - und ganz ohne Kalorien :-) ).
LG, Petra

Ich besitze leider nur noch mein Häkelmustertäschen. Den Streifen haben wir zu einem Täschen zusammengehäkelt. Ich kann mich auch noch gut erinnern, dass wir einen Musterstreifen stricken mußten. Allerdings wurde er nicht so lang und es wurde ein Waschhandschuh daraus. Es wurden auch nur Muter aus rechten und linken Maschen gestrickt, keine Zöpfe und kein Lochmuster, also Strickmustertuch light. Das Material war Schwalbe von Melchior wie bei dem Häkeltäschen.
Meine Oma strickte mir Kniestrümpfe mit Lochmuster oder mit Zopfmuster oder mit beidem aus dünner weißer Baumwolle mit Nadelstärke 1 1/2. Ich besitze leider keine mehr, hat man sie doch in den kargen 50ern restlos auifgetragen. Mit dem Garn des Beines wurden die Löcher in anderen Strümpfen oder in der Unterwäsche gestopft. Heute ist diese Sparsamkeit überhaupt nicht mehr vorstellbar. Sicherlich wurde das Garn vieler dieser Mustertücher zweckentfremdet zum Stopfen benutzt.
Zur Schwälmer Tracht werden noch ähnlich weiße Strümpfe mit diversen Lochmustern getragen. Diesen Fundus an Mustern hätte ich gern. Wahrscheinlich stirbt er mit den Trachtenträgern aus.

@ Waltraud
Auch in Österreich werden zur Tracht die weißen Strümpfe aus gezwirntem Garn getragen; wer auf eine tradtionelle Trageweise Wert legt.

Diese Strümpfe werden - wie du erwähnt hast - mit Nadelstärke 1,5 mm gestrickt, mit wunderschönen Ajourmuster. Allerdings ist das Selberstricken von solchen Damenstrümpfen wohl im Aussterben begriffen. Nur im steirischen Ennstal hat sich eine regionale Gruppe gebildet, die sich alle zwei Wochen zum Strümpfestricken im Schloss Trautenfels trifft.

Wahnsinn. Was für eine Arbeit.
Ich habe in der Schule weder Stricken noch häkeln gelernt. Wir haben nur mal ein Jahr lang genäht. Und gestickt.

LiebGruß
Claudia

Mir ist es ein Rätsel , wie man soooo viele Maschen auf so wenig cm bekommen kann ???
Ansonsten , sehr interessant !!
liebe grüße dajana

Ich hab meine Kinnlade erst wieder einsammeln müssen, als ich in dem älteren von dir verlinkten Beitrag das Foto des Musterstreifens mit Streichholz drauf gesehen hab… omg ist das wiiiiiiinzig.
Wie dünn waren damals denn die Stricknadeln und aus welchem Material? Bei 2mm wirds ja schon sehr dünn finde auch für Metallnadeln, weil ich sehr fest stricke und manche Nadel schon deswegen verbogen habe…

Danke fürs zeigen, der helle Wahnsinn, da ist das was ich so stricke ja absolutes Kindergartenniveau.

Das waren Metallnadeln aus Stahl.
Ich habe schon so dünne gesehen (die dünnsten waren 0,7 mm), da kann ich mir gut vorstellen, daß man die leicht verbiegen kann.

Ich kann mich erinnern, dass bei uns so dünne verbogene Nadeln rumlagen. Meine Mutter hat sie schon nicht mehr benutzt. Stricken mit dicken Nadeln schmerzt in den Händen, stricken mit sehr dünnen schmerzt an den Fingerkuppen. Ich hab es in meiner Jugend ausprobiert. Es ist wirklich kein Vergnügen und ich bewundere die Stricker dieser Trachtenstrümpfe sehr

wir haben in der grundschule (geb.jahr 64) auch einen (kurzen) streifen gemacht, allerdings nicht mit so feinem garn. ich meine, es war naturweisse sockenwolle… laengst verschuett, das teil, wobei es mir auch garnichts mehr nuetzen wuerde, weil wir nicht aufgeschrieben haben, welches muster wie gemacht wurde. und es waren natuerlich nicht so tolle lacemuster! von der MIL habe ich babjaeckchen geerbt, die ihre grossmutter fuer ihr 1. kind gestrickt hatte. superfein, vermutlich auch mit solchen “fahrradspeichen” gestrickt. dumm nur, dass ihr offensichtlich keiner gesagt hat, dass das kind nicht mit puppengroesse zur welt kommen wuerde, die waren naemlich viel zu klein und wurden nie getragen:) deswegen sind sie auch noch supergut erhalten - sollte hier jemand ein strickmuseum planen, bitte melden! fuer ein museum wuerde ich sie hergeben…. bei der lehrerin gehts mir allerdings wie Sabine - bei dem drachen kann ich froh sein, nicht voellig verstoert alles textile weggeschoben zu haben:)

Hi Tina;
solche Musterstreifen finde ich wunderbar! Vor allen Dingen, dass es sowas tatsächlich auch in natura noch gibt! Den würde ich mir Freitag gern ansehen :). Von meiner Oma väterlicherseits, die leider so früh verstorben ist, dass ich sie nicht mehr kennenlernen konnte, weiß ich, dass sie nach dem Krieg u.a. gewebt hat, aber auch gestrickt - und zwar aus älteren aufgeribbelten Sachen sowas wie Socken und so, was dann gegen Naturalien wie z.B. Butter getauscht wurde.
Als mein Vater mir das mal erzählt hat, wurde ich sehr nachdenklich ob des Überflusses, in dem wir eben doch irgendwie leben, selbst wenn man nicht so viel Geld hat.
Die Handarbeit zu der Zeit war damals nun teils lebensnotwendig und geschah sicher weniger aus Freude ansich daran, aber ich bin mir sicher, dass meine Oma sowie mein verstorbener Onkel, der viel gestrickt hat, sich drüber freuen würden, dass ich heute leidenschaftlich gern handarbeite. Und ich mag das Gefühl, es in den Genen zu haben ;-).

Meine Oma mütterlicherseits hat nach meiner Erinnerung nicht gehandarbeitet, aber meine Mutter hat es früher auch getan und ich erinnere mich, dass sie sich damals gefreut hat, dass ich als junges Mädchen auch schon gestrickt habe.

Liebe Grüße;
Anja

Im Unterschied zu den anderen finde ich das gar nicht sooo winzig. Ja, es ist recht fein, aber geht noch gut.

Mein nächstes Projekt ist ein Seidenbeutelchen nach einem mittelalterlichen Vorbild - da kommen 8 Maschen auf einen cm.
Mit dem Seidengarn, das ich mir dazu vorbereitet habe, komme ich mit 1,5 mm-Nadeln auf diese Maschenprobe.

Für die Dichte des Musterstreifens müssten Nadeln mit 2mm oder höchstens 1,75 mm ausreichen.

Ich finde diese Musterstreifen auch beeindruckend…
Meine Schwiegeroma (Jahrgang 1917/8?) war auf der Hauswirtschaftsschule, meine SchwiegerMama kann sich aber nicht an solche Musterstreifen erinnern. Allerdings ist auf der Flucht vieles verloren gegangen.

Werde auch mal meine Tante (Jahrgang 1927) befragen…

Martine (vom Strickloft) hat ja auch kürzlich einen Musterstreifen nachgestrickt und auf ihrem Blog vorgestellt.

Die Musterstreifen müssen in der Schweiz teilweise noch recht lange gemacht worden sein - in der Ausstellung des Appenzeller Museum zum Stricken (vor 1-2 Jahren) waren solche zu sehen die nicht allzu alt waren (60er Jahre?). Vielleicht eher in ländlichen Gebieten? Auch welche, die nicht so perfekt waren! Zwar auch mit winzigen Nadeln und Baumwollgarn sehr eng gestrickt, aber ganz und gar nicht eben und korrekt - das war herzig :) Die Mädels mussten sie schon in der 1.-3. Klasse arbeiten…
Dort in der Ausstellung waren auch Strümpfe von einer 10jährigen in feiner Wolle gestrickt - so was ebenes und fehlerloses habe ich noch gar nie gesehen :o

Übrigens konnte ich neulich einen Satz Stahlnadeln günstig aus den USA bestellen mit 5 paar Nadeln: 2mm, 1.75mm, 1.5mm, 1.25mm und 1mm aus Stahl (gerade mit Knopf am Ende, ca. 15 cm lang). Nur weil ich von der Dünne fasziniert war! Ich glaube, sie wären eigentlich zum Puppenkleiderstricken gedacht (mach ich aber nicht!). Aber ich probiere sie mal aus, einfach aus jux…

Stimmt, wir haben sowas in der Schule auch gestrickt. Tatsächlich mach ich das sogar immer noch. Wenn mir mal gar kein neues Projekt einfallen will oder ich grad mal wieder ein Strickbuch durchblättere, muss ich natürlich all die Muster ausprobieren. Größtenteils fotografiere ich die Muster zusammen mit der Strickschrift und trenne sie wieder auf. Aber wie ich feststellen durfte, hab ich eine ganze Menge davon tatsächlich aufbewahrt. Erstaunlich, welche Muster ich so alles “kann”… Da sind auch einige von der Frau Fanderl dabei!

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