Wenn die Reihenzahl nicht stimmt…

Danke an Daniela für die Anregung zu diesem Beitrag :smile:

Ganz viele Strickende haben das Problem, daß sie bei ihrer Maschenprobe zwar auf die geforderte Maschenzahl kommen, aber ihre Reihenzahl von der angegebenen mehr oder weniger stark abweicht. Und wenn man die Reihenzahl passend macht, stimmt die Maschenzahl nicht mehr.

Die Abweichung kommt dadurch zustande, daß jeder Mensch eine etwas andere Strickweise hat. Auch das verwendete Garn kann dazu beitragen. Gleiche Strickfestigkeit in der Breite muss nicht zwingend auch gleiche Strickfestigkeit in der Höhe nach sich ziehen.

Üblicherweise beträgt das Verhältnis zwischen Maschen und Reihen bei glatt rechts irgendetwas zwischen 2 zu 3 und 3 zu 4. D.h. , daß beispielsweise auf 24 M in der Breite zwischen 32 (2 zu 3) und 36 (3 zu 4) Reihen kommen. Je nach Muster kann das Verhältnis aber auch völlig anders sein. Kraus rechts hat z.B. in der Regel ein Verhältnis von 1 zu 2.

Das ist aber alles gar nicht weiter tragisch und kein Grund zur Verzweiflung. Wichtig ist in erster Linie die Maschenprobe in der Breite. Wenn Eure Maschenzahl auf 10 cm stimmt, könnt Ihr die Reihenzahl in den allermeisten Fällen anhand der Zentimeter-Angaben in der Anleitung bzw. im Schnitt anpassen.

Nun kann es natürlich vorkommen, daß in der Anleitung gar keine Zentimeter angegeben werden, sondern da nur steht: “stricke x Reihen”. Dann müsst Ihr diese Reihenangaben anhand der in der Anleitung angegebenen Maschenprobe in Zentimeter umrechnen. Die Formel dafür ist:
Reihenzahl : Original-ReihenMapro x 10 = Zentimeter

Beispiel: Die Abnahmen für die Taillierung sollen lt. Anleitung in jeder 8. Reihe gemacht werden. Die Original-ReihenMapro sind 36 R auf 10 cm. Ihr rechnet also: 8 : 36 x 10 = 2,22 cm. D.h. die Abnahmen macht Ihr alle 2 – 2,5 cm, je nachdem, wie das mit Euren Reihen am besten hinkommt.

Wenn Ihr wollt, könnt Ihr auch gleich die Reihenzahl der Anleitung auf Eure Reihenzahl umrechnen. Die Formel dafür lautet:
Reihenzahl : ReihenMapro der Anleitung x Eure Reihenmapro = Reihenzahl, die Ihr stricken müsst

Tip: Auch wenn es üblich ist, daß man nur in den Hinreihen abnimmt, so spricht doch nichts dagegen, das auch in den Rückreihen zu tun, wenn es dann mit dem Abstand besser hinkommt.

Problematisch wird es nur bei Mustern, die in der Höhe einen langen Rapport haben, z.B. bei aufwendigen Zopfmustern. Wenn man da einfach nach Zentimetern stricken würde, endet man oft mit unvollständigen Mustersätzen. Hierfür gibt es unterschiedliche Lösungen, je nachdem, wie stark die eigene Reihenzahl von der angegebenen abweicht:

1. Man hat mehr Reihen auf 10 cm, als die Anleitung vorgibt

Lösung a) die gleiche Anzahl von Mustersätzen wie vorgegeben stricken, dann wird das Strickstück allerdings kürzer. Um wieviel kürzer, kommt darauf an, wie stark Eure Reihenzahl abweicht.
Rechenweg: Gesamtlänge : Eure Mapro x Original-ReihenMaPro = Eure Gesamtlänge.
Habt Ihr z.B. 35 R statt 30 R und der Pullover ist im Original 60 cm lang, würde Eure Version 60 : 35 x 30 = nur 51,4 cm lang werden.

Das kann man ausgleichen, indem man das Bündchen etwas länger macht und/oder an einer günstigen Stelle mehr Reihen in den Mustersatz einbaut. Man könnte z.B. an einer Stelle des Mustersatzes den Abstand zwischen zwei Verzopfungen von 6 auf 8 Reihen verlängern.

Lösung b) einen Mustersatz mehr stricken. Dann wird das Strickstück länger. Um wieviel länger, kann man auch wieder ausrechnen.
Beispiel: Der Original-Pullover ist 65 cm lang, nämlich 5 cm Bündchen und 4 Mustersätze á 15 cm, jeder Mustersatz hat 46 Reihen, macht insgesamt 184 R für das Muster. Die Original-Reihen-MaPro ist also 46 : 15 x 10 = 30,66 gerundet 30,5 R. Ihr habt 36 R auf 10 cm.
Strickt Ihr jetzt 5 Mustersätze, sind das 5 x 46 = 230 R. 230 : 36 x 10 = 63,88 cm + 5 cm Bündchen = 68,88 cm Gesamtlänge. Also knapp 4 cm Unterschied.

Ist Euch das zuviel, könnt Ihr das Bündchen etwas kürzer machen und/oder an einer günstige Stelle Reihen im Mustersatz weglassen, z.B. den Abstand zwischen zwei Verzopfungen verringern.

2. Man hat weniger Reihen auf 10 cm, als die Anleitung vorgibt

Lösung a)  die gleiche Anzahl von Mustersätzen wie vorgegeben stricken, dann wird das Strickstück allerdings länger. Der Rechenweg ist der Gleiche wie unter 1 a) beschrieben.

Ausgleichen könnt Ihr das, indem Ihr das Bündchen kürzer macht und/oder Reihen im Mustersatz weglasst.

Lösung b) einen Mustersatz weniger stricken. Dann wird das Strickstück kürzer. Gerechnet wird wie bei 1 b) und der Ausgleich erfolgt über das Bündchen oder über zusätzliche Reihen im Mustersatz.

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20 comments for “Wenn die Reihenzahl nicht stimmt…

  1. Juliane
    5. August 2013 am 07:16

    Danke, Tina, das ist für mich eine große Hilfe!
    Liebe Grüße, Juliane

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  2. Linda
    5. August 2013 am 09:33

    Thank you so much Tina.This is really educational.
    Those are things I need and want to learn to adjust my knitting.
    How I wish I could learn and remember all those math formulas by head.

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  3. 5. August 2013 am 13:37

    ich habe noch einen Lösungsvorschlag: wenn man ausgerechnet hat, wie viele Reihen man mehr/weniger braucht, kann man nach dem Bündchen auch mit der x-ten Reihe vom Mustersatz anfangen, falls man mit einem vollständigen Mustersatz abschließen will/muss
    LG Gila

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  4. 5. August 2013 am 13:47

    Vielen Dank, das ist ein sehr aufschlussreicher Artikel. Ich denke, dieses Problem kennen alle Stricker(innen).

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  5. Ingrid
    5. August 2013 am 17:14

    Vielen Dank……………bei Dir klingt immer alles so logisch und so einfach :???:
    Lieben Gruß Ingrid

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  6. Waltraud
    5. August 2013 am 18:36

    Das ist das Schöne beim Stricken, man muss immer sein Gehirn einschalten. Geradewegs der Anleitung folgen, geht oft nicht.
    Bei mir stimmt die Reihenzahl nie und wegen meiner “vollschlanken” Figur :wink: errechne ich meist zuerst meine Anleitung “schön” :lol: oder ich stricke nur nach dem Foto ganz ohne Anleitung. Für Strickanfänger ist das Umrechnen auf die eigenen Strickverhältnisse sehr gut erklärt. Ich werde mir die Beschreibung herunterladen, um z.B. meiner Nachbarin, die sich manchmal mit der Anpassung von Strickanleitungen schwer tut, schneller helfen zu können. Sie kann dann selbst nachlesen, was sie beachten muss. Großen Dank für diese Hilfe.

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  7. 5. August 2013 am 19:24

    Ich bin mal gaaanz ehrlich :oops: :oops:
    Ich mache mir beim Stricken da gar keine sooo großen Gedanken , erst wenn ich merke , das irgendwas nicht so ist , wie es sein sollte , dann fange ich an zu grübeln .
    Zu spät , ich weiß … :oops:
    Aaaaber Tina , du hast es super erklärt !! Ich sollte mir einen extra Hefter mit Lesezeichen machen ! Denn wenn ich ein Problem habe , dann denke ich garantiert nicht mehr daran , wo ich die Lösung gelesen haben könnte !?
    liebe grüße dajana

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  8. Gscheithaferl
    5. August 2013 am 21:34

    Ich bin in einer Klosterschule aufgewachsenund habe mit 6 Jahren Topflappln gehäkelt, mit 7 Jahren einen Rock für meine Puppe stricken müssen, in der vierten Klasse Socken formvollendet, irgendwie erinnert mich dein Blogeintrag an meine Schwester Hermengilde, die war auch perfekt. Aber ich stricke, nähe und häkle immer noch gern, aber ohne die Gscheithafelrn, die der Welt erklären, wie die Strick-Welt funktioniert.
    Nix für unguat!

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  9. 5. August 2013 am 21:53

    Naja, aber wie soll man beim Stricken etwas lernen und/oder ein Problem lösen können, wenn niemand erklärt, wie dieses oder jenes funktioniert?
    Nicht jeder ist in der Lage, für jedes Problem selbständig eine Lösung zu finden, sonst wären sämtliche Grundlagenbücher, Youtube-Videos u.ä. völlig überflüssig.

    Und gerade die Sache mit der abweichenden Reihen-Maschenprobe ist mir als Frage schon sehr häufig in Foren über den Weg gelaufen.

    Es bleibt ja jedem selbst überlassen, ob er die von mir aufgezeigten Lösungsmöglichkeiten anwendet oder einfach Pi mal Daumen nach Gefühl strickt.

    Komisch, daß immer irgendjemand auf die Barrikaden geht, sobald es um’s Rechnen und Formeln geht :roll:

    P.S. War irgendwie klar, daß Du eine falsche Mailadresse angibst.

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  10. Waltraud
    5. August 2013 am 22:26

    Es geht ja nicht jeder in eine Klosterschule und lernt häkeln und stricken in der Grundschulzeit. Mein Strickerleben begann schon ein Jahr vor Schulbeginn und im 5. Schuljahr strickten wir unseren ersten Pullover im Handarbeitsuntericht, das liegt fast 60 Jahre zurück. Meine älteste Tochter lernte noch häkeln und stricken ( aber keine Socken) und Knöpfe annähen, bei ihrer 10 Jahre jüngere Schwester, die erst in den 90er die Schulbank drückte, war der Handarbeitsunterricht bereits aus dem Lehrplan gestrichen. Deshalb find ich es sehr begrüßenswert, dass man auf vielen Blogs oder bei Ravelry Strickfertigkeiten und Tipps erfährt.
    Für ungeübte Stricker ist es ein großes Problem, wenn sie mit ihren Reihen nicht hinkommen und der mühsam gestrickte Pulli zu kurz oder zu lang ausfällt. Das genaue Berechnen und Ausgleichen dieser Differenzen ist ein sehr wesentliche Grundlage beim Stricken nach Anleitungen.
    Ich selbst kann auch nach Foto stricken und stricke auch nach eigenen Ideen, aber ich kann nicht voraussetzen, dass es jedem so leicht von der Nadel fällt. Auch wir haben mit Topflappen angefangen ( bei mir waren sie schon gestrickt :lol: )

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  11. Inge
    5. August 2013 am 23:19

    Jetzt leg ich mal ein Geständnis ab, ich bin Mathe Fan
    Deine Rechnerei ist für mich also total logisch, über sowas hab ich noch nie nach gedacht, ist ja logisch :wink: aber Du hast es schön erklärt und nicht jeder mag Mathe. Waltraud hats auch schon schön geschrieben.

    In einem Punkt gibts aber dicken Widerspruch. Einen Mustersatz einfach um ein paar Reihen verlängern und wenn es nur zwei sind…. neee, sieht man doch soooofort und schaut ewig drauf. Da macht es sicher viel weniger aus, ob der Pullover nun ein oder zwei cm kürzer oder länger wird.

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  12. 5. August 2013 am 23:23

    Nein, ich meinte natürlich nicht nur einen Mustersatz, das muss man natürlich dann bei allen machen, sonst fällt es ja auf.

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  13. 6. August 2013 am 00:54

    Hey,ich hab leider keine Klosterschule besucht,und mit Mathe auch nichts am Hut,und deshalb freue ich mich riesig über deine Tips,im Namen vieler daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanke,und bitte weitere Tips

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  14. Mane
    6. August 2013 am 10:47

    Hi Tina,
    oh mei, vergiss die Gscheithaferl, ich lese immer gerne mit, manches weiß ich schon, manches find ich superspannend und neu – und wenn ich meine Tage habe, verzichte ich halt mal aufs Kommentieren :mrgreen:
    Nur einen Hinweis hab ich noch – der ist wahrscheinlich redundant, aber der Vollständigkeit halber sei’s erwähnt: Wenn man quer strickt, kann die Reihenzahl genauso wichtig sein wie die Maschenzahl. Dann muss man halt entweder in die Mitte hin Reihen hinzufügen oder abziehen, oder man setzt oben und unten zusätzliche Maschensätze an oder nimmt sie raus. Auf jeden Fall geht’s da gar nicht ohne Mathe.
    Ach ja, und natürlich kann jede stricken wie sie mag – ich bin nur betrübt, dass auf diese Weise das Bild der gemeinen Strickerin immer noch so sehr von der Säcke strickenden Öko-Alternativen geprägt ist (die ich auch mal war, aber das war in den Achtzigern).
    Liebe Grüße!

      zitieren

  15. Susanne
    6. August 2013 am 11:46

    @Gscheithaferl – Bist Du schon mal auf die Idee gekommen, einen Beitrag, der Dich persönlich nicht sooooo dolle interessiert, einfach zu überlesen? Wenn Du das für Dich nicht unbedingt brauchst, dann ist es doch immerhin denkbar, dass Andere dafür dankbar sind – die vor Deinem geposteten Beiträge wären in dieser Hinsicht vielleicht wertvolle Hinweise gewesen.
    Sehr wohl für “unguat”!

    @Tina – danke für die Mühe die Du Dir hier gibst, ich lese Deine Beiträge ausnahmlos furchtbar gerne, auch wenn ich nicht alles beherzige und/oder nachmache.

    @Alle anderen: Ja ich weiß, das ist die Aufregung nicht wert, aber dieses anonyme Anpampen mit dieser “Hab-ich-alles-sowieso-schon-gewusst”-Attitüde geht mir heute besonders auf’s Gemüt, wird wohl an der Hitze liegen!

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  16. Monilisanne
    6. August 2013 am 12:20

    Es gibt halt immer Menschen, die an allem herumschnüffeln müssen und denen man es nicht recht machen kann. :roll: Muss man ignorieren.
    Ich freue mich auch immer über die guten Tipps, Liebe Tina und habe auch schon einiges dazu gelernt. Und ich bin auch schon ein alter Hase beim Stricken! :lol:

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  17. Monilisanne
    6. August 2013 am 12:23

    Upps, ich meinte herumnörgeln, nicht schnüffeln. Blöder Computer…. :mrgreen:

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  18. Gabi
    6. August 2013 am 13:55

    Liebe Tina,

    von deinen Beiträgen habe ich schon viel gelernt und freue mich über jeden Tipp, jeden Hinweis, jede Hilfestellung. Auch der aktuelle Beitrag ist für mich interessant und hilfreich, vielen Dank an Dich…und ein ganz, ganz dickes Dankeschön an dieser Stelle für die viele Arbeit und Mühe, die du dir hier immer machst und die Leser deines Blogs erfreust und…unangemessene anonyme Kommentare sind ja eigentlich immer
    …selbstkommentierend. :mrgreen:

    Liebe Grüsse,
    Gabi

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  19. kahigeik
    6. August 2013 am 19:03

    Tja, da arbeitet sich wohl jemand an seiner Privat-Schul-Vergangenheit ab….

    Was ist so schlecht daran, ein Hobby zu perfektionieren?

    Meine Güte, das ist ja der Unterschied zur Schule: hier kann ich was lernen, muss es aber nicht. Tichiro gibt Tipps. Ich kann lesen und mir denken “Ihr habtse ja nich mehr, ich mach das ganz anderes.” Na und? die Tipps sind trotzdem wertvoll – für den, der sie braucht. Deswegen nörgeln ist armselig. Wenn jemand Tipps gibt, gratis und kostenfrei, das ist doch prima!

    Ich kauf ja auch nicht Schläger (und das passende Outfit), dresche auf dem Hof auf Bälle ein und behaupte, das seiTennis? Da freue ich mich auch über ne Trainerstunde.

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  20. chi
    6. August 2013 am 20:53

    Ich hatte auch Handarbeitsunterricht bei einer Ordensschwester und dazu ein sehr kritisches Exemplar. Mir hat der Unterricht viel gebracht – auch wenn ich damals wahrscheinlich oftmals nicht so glücklich war, wenn ich auftrennen oder ribbeln musste.
    Was ich hier im Blog lese hat aber mit einen solchen Unterricht nicht viel zu tun. Vielmehr sehe ich hier Anregungen und Hinweise die ich beachten kann oder eben auch nicht.

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