Einen Schalkragen stricken

Damit meine Antonia nicht ganz so schmucklos ausfällt, habe ich ihr einen Schalkragen verpasst:

Seltsamerweise gibt es im Netz nicht allzuviel zum Thema Schalkragen – sind die nicht mehr modern? Auf deutsch findet man so gut wie gar nichts, aber auch auf englisch sind die Suchergebnisse nicht wirklich ergiebig. Zumindest eine gut bebildete Anleitung habe ich bei tin can knits gefunden.

Auch in den Grundlagenbüchern, die ich besitze, ist die Ausbeute sehr mager und die Erklärungen, die ich gefunden habe, eher seltsam.

Das Ultimate Knitting Book von Vogue (eigentlich meine Strickbibel) schlägt vor, den Kragen getrennt zu stricken und anzunähen, die Formgebung erfolgt durch Neuanschlagen von Maschen – eine wenig elegante Lösung, finde ich.

Hanna Jaacks bietet immerhin zwei Varianten für Jacken, längs mitgestrickt und quer angestrickt. Anstatt bei letzterer Variante jedoch mit verkürzten Reihen zu arbeiten, beginnt sie mit der Maschenaufnahme erstmal nur im Nacken und nimmt in jeder Reihe mehr Maschen aus dem V-Ausschnitt auf, bis sie letztlich alle Maschen einschließlich der Knopfblenden auf der Nadel hat. Außerdem finde ich ihre Beschreibung recht knapp und so komisch formuliert, daß ich sie bestimmt 5 x lesen musste, bis mir klar war, was sie eigentlich genau meint – aber vielleicht bin ich mittlerweile auch nur durch die Ausführlichkeit englischer Anleitungen verdorben 😉

Katharina Buss äußert sich noch am Ausführlichsten zum Thema, bei ihr gibt es die Varianten längs und quer jeweils für Pullover und für Jacken. Die quer gestrickte Version arbeitet sie jedoch ebenfalls mit einer stufenweisen Maschenaufnahme und die Beschreibung ist mit zwei kurzen Absätzen noch knapper als bei Frau Jaacks gehalten.

Und Steffi schweigt sich zum Thema lieber gleich ganz aus 😉

Ich arbeite meinen Schalkragen fast genauso wie tin can knits das in ihrem Blog beschreibt.

Zunächst werden die Maschen aus den vorderen Kanten und dem Halsausschnitt in einem Rutsch aufgenommen (ich habe das natürlich auf einer Nadel und nur für’s Foto auf drei Nadeln verteilt):

Dann teile ich die Maschen ein. Wir haben zum einen zwei gerade senkrechte Stücke (hier je 70 M), dort entstehen später die Knopfblenden. Dann gibt es die Schrägungen des V-Ausschnitts (je 40 M) und den rückwärtigen Halsteil incl. Schultern (60 M).

Je weniger M ich für den Halspart einteile, desto höher wird der Kragen im Nacken, weil ich dann umso mehr verkürzte Reihen arbeiten muss, bis ich das Ende des V-Ausschnitts erreicht habe.

Man kann auch in der ersten oder zweiten Reihe nach der Maschenaufnahme in Nackenbereich noch Maschen zunehmen, wenn man den Kragen flacher liegend haben möchte. Wenn er ganz flach aufliegen woll, muss man sogar alle 2 bis 3 M je eine M zunehmen. Ich habe es nicht gemacht und er sitzt trotzdem gut, aber ich glaube, mit ein paar Zunahmen wäre der Sitz tatsächlich noch besser, das werde ich also beim nächsten Mal bedenken.

Der Schalkragen wird nun mit verkürzten Reihen gearbeitet. In diesem Fall habe ich jede Reihe um 2 M verlängert, man kann aber auch mehr Maschen nehmen, wenn der Schalkragen schmaler werden soll. Für die Schalkragen, die ich bisher gearbeitet habe, hat sich aber der 2-Maschen-Rhythmus bewährt.

Nach dem Maschen aufnehmen bin ich an der unteren Ecke des linken Vorderteils und beginne mit einer Rückreihe. Ich stricke in unserem Beispiel 170 M bis zum vorderen Rand der rechten Schulter, bis kurz vor die Stelle, wo die V-Ausschnitt-Schrägung anfängt (grüner Strich). Dann wende ich (ich arbeite mit Wickelmaschen) und stricke 60 M in die andere Richtung, bin dann also am blauen Strich.

Wieder wenden und diesmal 2 M über die vorherige Wendestelle hinausstricken, also 62 M arbeiten. Dabei komme ich über die erste umwickelte M und stricke die Wicklung mit der Masche zusammen.  Wenden und in der anderen Richtung ebenfalls 2 M über die vorherige Wendestelle hinausarbeiten, es werden also 64 M gestrickt. Nicht vergessen: Jedes Mal die vorherige Umwicklung mit ihrer M zusammenstricken.

Nach diesem System geht es munter weiter, jede Reihe wird zwei Maschen über die vorherige Wendestelle hinaus gearbeitet, jede R wird also 2 M länger als die davor.

Nach einger Zeit sieht der Kragen so aus:

Das Ganze mache ich so lange, bis ich am unteren Ende des V-Ausschnitts angelangt bin:

Ab jetzt wird wieder über alle Maschen gearbeitet, dabei entstehen die Knopfblenden (Knopflöcher nicht vergessen!). Wenn die Knopfblenden die gewünschte Breite erreicht haben, alle Maschen abketten, dabei im Bereich des „Schals“ möglichst locker abketten.

Der fertige Schalkragen in der flachen Seitenlage:

Und so sieht er umgeklappt aus:

34 comments for “Einen Schalkragen stricken

  1. 13. August 2013 at 22:22

    Ich habe Ende letzten Jahres einem Cardigan in genau dieser Art einen Schalkragen verpasst, es stand sogar so in der Anleitung (Camille Cardigan aus der Knitscene Winter 2012). Mir war gar nicht bewusst, dass das so ungewöhnlich ist! 😯 Um ehrlich zu sein ist mir zu dem Zeitpunkt auch bewusst geworden, was diese verkürzten Reihen eigentlich machen, denn ich stricke noch nicht so lang.
    Trotzdem danke für die ausführliche Erklärung, wie immer super!

  2. Waltraud
    13. August 2013 at 22:48

    Ein sehr interessanter Kurs. Ich hab bisher die verkürzten Reihen immer erst begonnen, nachdem ich die Tiefe der gesamten Knopfleiste erreicht habe, um dann dem Kragen die gewünschte Breite anzustricken. Folge : häßliche Löcher. Ich glaube bei Paulie ist es ähnlich. Die umgekehrte Methode wie hier beschrieben, werde ich zukünftig probieren, scheint sie mir eine bessere Optik zu garantieren.
    Man sollte ein Anleitungsbuch zu verkürzten Reihen schreiben, das alle Möglichkeiten dieser Methode aufzeigt 😉 .

  3. 13. August 2013 at 23:54

    @ Waltraud: Ja, so habe ich das früher auch gemacht, aber dann bekommt der Kragen so eine komische Kurve am Ãœbergang zur Knopfleiste.

  4. 14. August 2013 at 05:29

    Liebe Tina,

    der sieht echt perfekt aus. Dankeschön für die Anleitung. Ich war da bisher auch unsicher und hatte kein so gutes System – allerdings auch schon lange keinen Schalkragen mehr gestrickt.

    Deine Wickelmaschen sind absolut exakt gearbeitet – leider ist bei mir das Ergebnis lange nicht so sauber. Irgendetwas habe ich da wohl noch nicht begriffen.

    Vielleicht hast Du irgendwann Zeit und Lust? Die Wickelmasche!
    Oder steht es sogar schon irgendwo bei Dir?

    Herzliche Grüße und einen angenehmen Tag (bei uns wirds wieder warm)

    Anupa Gabriele

  5. Gabi T.
    14. August 2013 at 06:49

    Perfekt! absolut perfekt und sehr chic – dieser Kragen! bzw. das gesamte Strickstück – diese Jacke. Tina, sorry, bis auf die Schultern, wenn ich diese kurzen Schultern seh, krieg ich ne Krise – meine Schultern passen da maximal zur Hälfte 😡 rein, smile.

    Wie man einen schönen Kragen arbeitet interessiert mich, seitdem ich anfing zu stricken! Dieser Kragen nennt sich also Schalkragen und sieht einfach genial aus. Was mich jetzt noch interessieren würde – ist der abgestrickt oder „abgenäht“, das sieht so wunderbar sauber – meine Tante Alice würde sagen, akkurat aus?

    Mit verkürzten Reihen bei meinen Kragenlösungen habe ich schon experimentiert – allerdings mit weniger Erfolg – deshalb habe ich bisher nur Bündchen oder ähnliches.

    Mal laut gedacht: Das Prinzip – nur Kragen, also ohne Knopfleiste – ist doch tatsächlich genauso, wie ich meine Halsausschnitte beim RVO arbeite – nur in die andere Richtung! Ich müsste also das gleiche Prinzip 2 anwenden – einmal für den Halsausschnitt zum Body und einmal für den Kragen – wow…

    – werde ich am Wochenende spätestens sofort mal stricken – bei der neuen Jacke, zufällig auch in rot – mit deinem wunderschönen Rautenmuster.

    Im übrigen wende ich die hier vorgestellte Methode der verkürzten Reihen – mit der Haarnadeln an – klappt bei mir mittlerweile super!

    Herzlichen Gruß
    Gabi T.

  6. 14. August 2013 at 07:34

    Tausend Dank für diese wundervolle, leicht verständliche Anleitung! Ich finde Schalkragen ja auch immer super schick und kuschelig, wusste bis jetzt aber noch nicht, wie man sie strickt.
    Und deine Jacke ist mal wieder ein wirklich traumhaftes Stück geworden!

  7. Anette
    14. August 2013 at 07:42

    Genial – herzlichen Dank, Tina.
    LG
    Anette

  8. Katharina
    14. August 2013 at 07:51

    Doch, du liegst voll im Trend mit deinem Schalkragen. Burr von Veronique Avery und Timberline aus der letzten BT Men haben beide Schalkragen, wenn auch etwas anders gestrickt. Ich finde die einfach zeitlos schön.

  9. Karin H.
    14. August 2013 at 08:14

    Mund aufklapp. Staun!

  10. 14. August 2013 at 08:20

    In dieser Art (also ohne den Kragen) lassen sich auch wunderbar nahtlose Ärmel einstricken.
    Hübsches Jäckchen!

    LG chatts

  11. Ina
    14. August 2013 at 08:33

    Liebe Tina,

    danke für diese tolle Anleitung! Ich denke da traue ich mich demnächst auch mal dran!

    Lg Ina

  12. 14. August 2013 at 09:06

    Danke für die interessanten links. Ich stricke Schalkragen und Blenden gerne gleich mit an. Ich lasse links und rechts an den Vorderteilen die Maschen für die Blende gleich mitlaufen. In der gewünschten Höhe des Schalkragens nehme ich dann die Maschen die ich bei einem V-Ausschnitt abnehmen würde mit zur Blende. Gleichzeitig kann man, wenn ein sehr breiter Schalkragen gewünscht ist, auch noch Blendenmaschen zunehmen.

    Ich hoffe, ich habe mich verständlich genug ausgedrückt.

    LG

    Sylvia

  13. 14. August 2013 at 09:06

    Super Strickkurs! Deine Antonia ist wirklich toll geworden und es stimmt du arbeitest wirklich sehr akkurat! LG bjmonitas

  14. Waltraud
    14. August 2013 at 11:30

    Die komische Kurve, nach innen, find ich optisch ganz ansprechend. Bei mir bildetete sich nur bei fast jeder Methode des Wendens kleine Löcher und wenn nicht sah man doch die Wende deutlich am Außenrand.
    Man kann auch Schalkragen wie beim Modell Adrien in der Verena 2013 stricken. Dann hat man das Problem im Rücken 🙄

  15. panalotta
    14. August 2013 at 12:06

    Auch nicht gerade ergiebig behandelt: Wasserfallkragen. Habe bei Ravelry exakt eine Beschreibung gefunden, von der ich aber auch noch nicht ganz überzeugt bin. Zum beispiel geht sie davon aus, dass meine Schulterbreite x2 in etwa meinem Brustumfang entspricht. Was selbst bei geringer Oberweite wirklich nicht der Fall ist. Bin mal gespannt, wie mein Ergebnis aussieht.

  16. Daniela
    14. August 2013 at 12:10

    Vielen Dank, liebe Tina, für diese ausführliche Anleitung !

    Ich habe bisher Schalkrägen so wie Waltraud gestrickt, aber so richtig zufrieden war ich mit dem Ergebnis nicht. Bei der nächsten Jacke mit Schalkragen werde ich deine Methode probieren. Der Kragen wird garantiert schöner !

  17. Rosenherz
    14. August 2013 at 12:58

    Ja, genauso habe ich es auch gemacht vorigen Winter bei meiner Lieblingsjacke. Ich bin wie du bei Katharina Buss fündig geworden und gut zurecht gekommen mit ihren Vorschlägen.
    Schalkragen gefällt mir immer, egal ob modern oder nicht.

  18. 14. August 2013 at 14:45

    Der Kragen sieht klasse aus!! Das einzige, was ich bei Schalkragen nicht so sehr leiden kann, ist, dass die hinten am Hals so „hochkriechen“. Das finde ich „gefühlt“ eng.

    Und für das Problem gibts bei Saint Denis von Veronik Avery eine Lösung: Sie strickt nicht nur verkürzte Reihen, wie Du sie beschreibst, sondern sie nimmt auch noch auf der Schulter Maschen zu, so dass der umgeschlagene Teil an Weite gewinnt (ihre Art zuzunehmen hängt mit der Art zusammen, wie sie das im gesamten Design macht, das muss man natürlich nicht so übernehmen, sondern kann normal jede 2. oder 4. Reihe zunehmen). Man sieht das bei Ravelry auf dem zweiten Bild: http://www.ravelry.com/patterns/library/saint-denis-cardigan. Eins der Projekte, das von Ted, zeigt den Kragen hochgeklappt (unterstes Bild in dessen Projekt).

    Das ist der beste Schalkragen, den ich bisher hatte.

  19. Linda
    14. August 2013 at 15:51

    Thank you so much for your crystal clear explanation of a shawl collar.I really needed that.
    Brilliant!
    And also thanks for all the interesting links you post.

  20. Uschi
    14. August 2013 at 16:07

    ….toll erklärt und der Kragen sieht super aus…in*Custom Knits* von Wendy Bernard gibt es auch noch einen schönen längeren Schalkragen LG Uschi

  21. Rosenherz
    14. August 2013 at 18:35

    Hast du die letzte Reieh im Rippenmuster abgekettet? Oder eine Reihe linker Maschen und abgekettet?

  22. 14. August 2013 at 18:36

    Sehr schön geworden, die Antonia. Ein richtiger Klassiker!
    LG, Petra

  23. 14. August 2013 at 18:42

    Ich habe in einer Hinreihe rechts abgekettet.
    Ich mag das lieber als im Maschenrhythmus, letzteres wird zwar einen Tick elastischer, sieht aber nicht ganz so ordentlich aus, finde ich.

  24. 14. August 2013 at 19:19

    Vielen Dank, werde ich mir abspeichern. Außerdem großes Lob für Deine Jacke. Sehr schön.

  25. Mona NicLeoid
    14. August 2013 at 21:16

    Ich habe mir so eine Art Kragen auch mal zurechtgebastelt, bei mir kam hinzu, dass es sich um einen Pullover handelte und dass der Schalkragen vorn überlappend war. Es hat mit verkürzten Reihen sehr gut funktioniert.

    Da man die Wendestellen sowieso hinterher kaum sieht, braucht man nicht zu genau darauf zu achten, dass sie unsichtbar werden.

  26. Barbara
    14. August 2013 at 21:53

    Die Jacke ist wunderschön geworden, Tina!!!! 😀

    „Hut ab“…ein großes Lob …sieht klasse aus und vermittelt diesen „Wohl-Fühl-Effekt“.

  27. Elke
    17. August 2013 at 17:09

    Liebe Tina,
    wann sehen wir die rote Jacke denn am lebenden Objekt ;>) ???

  28. Dorothee (doireann)
    27. August 2013 at 16:17

    Liebe Tina,
    ich habe eine Dropsjacke gestrickt, die hat ebenfalls einen Schalkragen, der aber an die Vorderteile angestrickt und hinten im Mschenstich zusammengenäht wird.

  29. Römpp Ursula
    11. Januar 2014 at 07:53

    Danke für all die Beschreibungen, ich suche nicht nach dem schmalen Kragen, sondern für einen Pullover, wie rechteckiger Ausschnitt, die seitlichen Teile überlappen 100 %, hat jemand hierfür eine genaue Anleitung – ist ein Kinderpullover aus debbie bliss, striped jumper, auf deutsch bitte!, ich kapier das nicht. Vielleicht erkärt mir das jemand verständlicher. Danke

  30. irene
    28. November 2014 at 17:09

    Herzlichen Dank für die gute Beschreibung. Auch ich konnte als Strick-Anfängerin gut danach arbeiten. Nochmals danke.

  31. Billie
    24. Dezember 2014 at 18:38

    Auch von mir ein GROßES Dankeschön für diese tolle Anleitung!! Einfach SPITZE 🙂
    .
    Als Anfängerin würde mich noch interessieren, was den Unterschied macht, ob man einen Schalkragen mit verkürzten oder verlängerten Reihen strickt?
    Gibt es da Vor- und Nachteile?
    Würde mich über Rückmeldungen sehr freuen!

    Liebe Grüße von Billie
    – die endlich kapiert hat, wie das mit dem Schalkragen geht 😉

  32. Heike
    28. März 2015 at 17:09

    Danke genau das hab ich gesucht. Jetzt kann ich mich mal an meinen Schalkragen wagen.
    Liebe Grüße, Heike

  33. Marianne
    19. Februar 2016 at 01:36

    Wow, das ist mal eine tolle Erklärung. Auch die Kommentare gefallen mir. Hier kommen mal Experten zu Wort. Ich werde den Schalkragen am Pulloverausschnitt ausprobieren. Vielen Dank für die tollen Tipps.

  34. Sylvia Müller
    9. Februar 2017 at 17:37

    1a Erklärung – vielen Dank dafür. Schalkragen sieht einfach elegant aus. Werde ich mir auf jeden Fall merken!

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