Afrika – Reisebericht Teil 1

Afrika – ein lange gehegter Traum sollte endlich in Erfüllung gehen. Für den sanften Einstieg hatte ich mir eine Tour durch den Nordosten Südafrikas ausgesucht. Schwimmen mit Delphinen und Wanderungen mit den Big Five (Löwe, Leopard, Nashorn, Büffel, Elefant), etwas abseits der üblichen Touristenpfade und in einer kleinen Gruppe – das klang gut.

Afrika – das bedeutet für mich in erster Linie Tiere. Und davon habe ich reichlich zu sehen bekommen. Zwar nicht die riesigen Herden, wie sie in der Serengeti vorkommen, und auch nicht alle der Big Five, aber Zebras, Giraffen, Nashörner und Antilopen gab es massenweise.

Die ersten drei meiner Reisegefährten lernte  ich schon auf dem Frankfurter Flughafen kennen. Ein supernettes älteres Ehepaar, das schon ganz Afrika bereist hatte samt der 76-jährigen Schwiegermama, die uns auf der Reise mit ihrer Fitness schwer beeindruckt hat. In Johannesburg angekommen, trafen wir auf den Rest der Truppe: Unseren Reiseleiter Jens (40), der 1990/91 mit einem Freund mit dem Rad von Frankfurt ans Kap der Guten Hoffnung gefahren war und dort hängen geblieben ist, ein Pärchen in den Dreißigern und eine ebenfalls allein reisende 37-jährige Badenerin. Beim Geld umtauschen lernten wir sogleich die wichtigste Tugend, die man für eine Afrika-Reise braucht: Geduld! In Afrika dauert alles ein bisschen länger, Stress macht sich keiner und Zeitdruck scheint ein Fremdwort zu sein. Gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie auch sehr angenehm. Neben dem Wetter sicher auch ein Grund, warum die Menschen dort alle ausgesprochen gut gelaunt scheinen. Alle sind freundlich und lächeln viel, ich habe nur ganz selten mal ein schlecht gelauntes oder genervtes Gesicht gesehen.
Die erste Enttäuschung kam allerdings beim Verlassen des Flughafengebäudes: Wo war die Sonne und das vielgerühmte "andere Licht"? Es war bedeckt und nicht sonderlich warm! Leider hatten wird dieses Wetter fast den ganzen Urlaub über, auch öfter mal Regen. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit, wie uns die Einheimischen bestätigten. Naja, so bestand wenigstens kaum Sonnenbrandgefahr :???:

Unsere erste Station war die Loskop Dam Game Reserve. Ein Reiseziel, das man sich meiner Meinung nach auch sparen kann. Ein großer Stausee, landschaftlich nicht sonderlich reizvoll und die Tiere am Ufer kann man vom Boot aus nur schlecht sehen ("Ist das da hinten nun ein Zebra oder ein Gnu? Gib mal das Fernglas…").

Die Burschen sehen zwar schnucklig aus, sind aber die gefährlichsten Tiere Afrikas!

Bootsanleger gibt es übrigens nicht, der Landrover wird einfach ins Wasser gefahren.

Interessant war die Wanderung mit Ranger Colin, der uns viel über Pflanzen, Spurenlesen (Leopard!) und die Hinterlassenschaften der Tiere beibrachte. Ich habe mir noch nie so interessiert so viel Scheisse angeguckt :mrgreen:

Am nächsten Tag besichtigten wir ein Ndebele-Museumsdorf, das vor allem wegen der farbenprächtigen Bemalung der Häuser interessant war. Hier sind die Strickmuster direkt auf die Wände gemalt.

Weiter ging es dann zur Ithala Game Reserve. Dort hat es mir sehr gut gefallen, die Landschaft ist wunderschön, es gibt viele Tiere zu sehen und das Camp dort ist klasse, jeder hatte sein eigenes kleines Häuschen mit allem Komfort.

Früh morgens (6 Uhr!) stand wieder eine Wanderung mit Ranger (samt Gewehr!) auf dem Programm und wir kamen bis auf ca. 150m an eine Nashornfamilie heran, was bei zwei der anwesenden Damen ein leichtes Unwohlsein hervorrief :mrgreen: Da es sich aber um friedliebende Breitmaulnashörner handelte, war die Gefahr nicht besonders groß (Spitzmaulnashörner sind viel aggressiver).
Sollte man jemals einen schlecht gelaunten Nashorn zu nahe kommen, nützt rennen nicht viel, die Viecher sind viel schneller als wir. Da hilft nur eins: Hüpfen, mit den Armen winken und schreien, dann hält einen das Rhino mit Chance für gefährlich und trollt sich.

An diesem Tag machen wir auch noch eine Dämmerungs/Nachtsafari, aber trotz stundenlangem angestrengten Starren ins Gebüsch (übrigens die Hauptbeschäftigung bei jeder Safari) haben wir weder einen Leoparden noch andere Raubkatzen sichten können. Der Trick, überhaupt ein Tier bei Nacht zu entdecken ist, daß man mit einem Scheinwerfer herumleuchtet und auf Funkelaugen achtet.

Ein bisschen unheimlich war dann die Nacht – seltsame Geräusche, Fauchen, Schreie und Getrappel rissen mich um halb zwei aus dem Schlaf. Ich wäre ja gerne rausgegangen, um zu gucken, was sich da rumtreibt, aber das habe ich mich nicht getraut :shock:

Einer der nächtliche Ruhestörer (ein Klippschliefer):

Am nächsten Morgen machten wir uns auf in Richtung Mozambique. Hinter der Grenze wurde es abenteuerlich, denn asphaltierte Strassen gab es nicht mehr, nur eine holperige Sandpiste. Unsere Fahrerin Natalie meisterte die Strecke aber ganz cool und in atemberaubender Geschwindigkeit. Die Unterkunft dort war recht enttäuschend. Laut Reisebeschreibung direkt am Strand, in Wirklichkeit aber 5 Min. Fussweg entfernt.

Die Zimmer lagen alle nebeneinander, nur von dünnen Reisigwänden getrennt. Wenn an einem Ende jemand geniest hat, hat am anderen Ende jemand "Gesundheit" gerufen, so hellhörig war es. Die Ausstattung war spartanisch: Bett, Moskitonetz (in dem man sich andauernd mit den Füßen vetüdelt), Kommode, Hocker, mehr nicht. Gemeinschaftsklos und – duschen. Naja, für zwei Nächte ging’s.

Die erste Nacht war grauenvoll, es war sehr windig und dementsprechend laut und irgendwie haben die mistigen Mücken einen Weg unter das Moskitonetz gefunden und mich zerfleischt. Ich hab’ mich die ganze Nacht lang nur gekratzt und war sehr froh, daß ich meine Malaria-Tabletten genommen hatte.

Hochgradig genervt und übernächtigt trabte die Gruppe dann in aller Frühe los, denn heute stand eines der Highlights auf dem Programm: Schwimmen mit Delphinen. Nun hatten wir uns alle ein richtiges großes Boot vorgestellt, mit den wir rausfahren würden. Nix da – das war ein Riesen-Schlauchboot, das erstmal vom Strand ins Wasser geschoben werden musste und im das man sich dann mühsam hineinhieven musste.

Nach der ersten Brandungswelle waren wir alle (in voller Montur) klatschnass. Die Fahrt entschädigte aber für alles, es macht irre Spaß mit hoher Geschwindigkeit über die Wellen zu brettern. Und dann war da auf einmal eine Fontäne zu sehen – Wal, da bläst er! Ein neugieriger Buckelwal, der in aller Seelenruhe das Boot umrundete und uns wohl genauso interessant fand wie wir ihn. Fotos habe ich leider keine, bei dem Wellengang wäre ich wahrscheinlich samt Kamera ins Wasser geplatscht. Zur Krönung kamen dann auch noch die Delphine, nur drei, aber immerhin. War schon toll, diese wunderbaren Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Ins Wasser gegangen bin ich allerdings nicht, Schnorcheln ist nicht so mein Ding und es hätte sich auch nicht gelohnt, denn die waren fast genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen waren.

Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung. Zum Baden war es zu bedeckt, also haben wir einen Strandspaziergang unternommen, was ziemlich langweilig gewesen wäre, wenn uns nicht drei Hunde begleitet hätten, mit denen man rumtoben konnte. Am Nachmittag bin ich dann zum ersten Mal Quad gefahren, was einen Höllenspaß gemacht hat. Die Lenkung auf den Sandpisten ist reichlich gewöhnungsbedürftig und erfordert Kraft, aber wenn man den Bogen raus hat, ist es supertoll, vor allem, wenn man damit über die Dünen hoch und runter brettert. Genau das Richtige für einen Speed-Junkie wie mich :grin:

Fortsetzung folgt…

 

8 comments for “Afrika – Reisebericht Teil 1

  1. 8. November 2007 am 14:58

    Traumhaft.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen Deines Reiseberichtes :-)
    Diese bemalten Häuser sind faszinierend, ich habe bei arte mal einen Bericht über Frauen gesehen, die diese Häuser so toll bemalen und mir auch schon überlegt, so was als Strickmuster umzusetzen.
    LG Heidi

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  2. 8. November 2007 am 14:59

    Hallo Tina,

    schon das Du wieder sicher gelandet bist! Der Bericht ist sehr interessant und tolle Fotos hast Du gemacht. Ich dachte, in Afrika wäre es immer heiß – klarer Fall von keine Ahnung….

    Dass kuriere erstmal den jetlag und kuschel mit den Jungs

    Bis dahin
    Heike

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  3. Eva
    8. November 2007 am 15:04

    Welcome back, Tina! Das liest sich ja bisher ganz toll – bin schon sehr auf die Fortsetzungen gespannt!
    LG Eva :grin:

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  4. 8. November 2007 am 19:48

    oooh,mehr,mehr,mehr……..

    Gruß Andrea

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  5. 9. November 2007 am 00:12

    Hallo Tina!

    “Och nöööö… kein Reisebericht!” war mein erster Gedanke als ich heute auf Deine Seite kam. Trotzdem fing ich an, zu lesen… und konnte nicht mehr aufhören! Total spannend und interessant hast du Deine Reiseerlebnisse geschildert und ich bin nun wie die Vorkommentatorinnen schon sehr gespannt auf die Fortsetzung!

    Liebe Grüße
    Knittaxa

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  6. 9. November 2007 am 09:12

    Sehr schöne Fotos!

    Lieben Gruß, Anna

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  7. 9. November 2007 am 10:24

    boah was für ein toller bericht und wieviel mühe du dir damit gegeben hast, vielen lieben dank!!!
    lg, caroline

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  8. 9. November 2007 am 11:37

    Hallo Tina,

    ich freu mich schon auf die Fortsetzung! Boah – und ich wäre für so ne Reise viel zu feige… :wink:

    LG ~ Mandala

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