Definitionen

Auf besonderen Wunsch einer einzelnen Dame, die gerne, aber nicht nur Röcke strickt 😉 hier mal ein paar Definitionen, so wie ich sie verstehe. Korrigiert mich bitte, wenn ich Blödsinn erzähle 😯

Fangen wir mal mit Ajour und Lace an. Im englischsprachigen Bereich wird der Begriff „lace“ für alle „löcherigen“ Strickmuster verwendet, obwohl es wörtlich übersetzt eigentlich nur ein Spitzenmuster bedeutet. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff „Ajour“ für Lochmuster wie dieses gebraucht:


(aus einer älteren Sabrina)

Der Begriff „Ajour“ stammt aus dem Französischen und steht für Web- oder Maschenwaren, die durchbrochen sind.

Ebenfalls „lace“ aber eben nicht „Ajour“ ist sowas hier, das wäre im deutschen Kunststricken oder Strickspitze:


(aus „Victorian Lace Today“)

Bei mehrfarbigen Mustern verhält es sich ähnlich. Im englischsprachigen Bereich ist „fair isle“ mittlerweile alles, was irgendwie mehrfarbig ist, wenn die Fäden auf der Rückseite mitgeführt werden. Die korrekte Bezeichung wäre eigentlich „stranded knitting“.
Der Begriff leitet sich ab von der schottischen Insel Fair Isle, die zu den Shetlandinseln gehört. Ein traditioneller Fair Isle-Pullover wird in Runden gestrickt, wobei pro Runde maximal zwei Farben verwendet werden und die nicht benutzte Farbe auf der Rückseite mitgeführt wird. Arm- und Halsausschnitte werden mit Steeks gestrickt, die später aufgeschnitten werden. Hier ein Beispiel aus „Meg Swansen’s Knitting“:

Der deutsche Begriff „Jacquardmuster“ bezeichnet ebenfalls mehrfarbige Muster, bei denen der unbenutzte Faden mitgeführt wird, ist also die deutsche Entsprechung zu „stranded knitting“. Das Jacquardmuster ist nach dem Franzosen Joseph-Marie Jacquard benannt (war übrigens kürzlich eine Frage in einer Quizshow). Dieser konstruierte Anfang des 19. Jahrhunderts eine lochkartengesteuerte Musterwebmaschine. Ein traditionelles Fair Isle-Muster ist also immer ein Jacquardmuster, aber nicht jedes Jacquardmuster ist ein echtes Fair Isle-Muster. Verwendet man aber „fair isle“ so, wie es heute oft im englischsprachigen Raum gebraucht wird, ist es nun doch wieder das Gleiche 😯 Verwirrend, gell?
Das ist für mich Jacquard, aber eben kein traditionelles Fair Isle-Muster:


(aus meinem Sammelbuch, keine Ahnung, woher die Anleitung stammt, irgendwas deutsches)

Dann haben wir noch die Norwegermuster, die zu den Jacqardmustern gehören. Typisch dafür sind vor allem die „Norwegersterne“. Norwegermuster bestehen meist nur aus zwei oder drei Farben, hier werden dann auch gerne mal drei Farben in einer Reihe benutzt, was zu einem heillosen Fadenwirrwarr führt, wenn man nicht aufpasst (ich weiß, wovon ich spreche… 😕 ).
Besonders schöne Norwegermuster findet man in den Heften von Dale of Norway, die leider in Deutschland nicht erhältlich sind. (ich habe meine von der Yarn Barn)

Echte Norwegerpullover werden ebenfalls in Runden gestrickt, manchmal mit Steeks, oft werden sie aber auch ab Ärmelhöhe geteilt und dann in Hin- und Rückreihen weitergestrickt.

Eine andere Technik als Jacquard/Fair Isle/stranded knitting sind Intarsienmuster, auf englisch „intarsia“. Hier werden die Farbflächen jeweils mit einzelnen Knäulen gestrickt, auf der Rückseite werden die Fäden beim Farbwechsel miteinander verkreuzt. Ein Meister dieser Technik ist Kaffee Fassett, hier ein Beispiel aus seinem Buch „Kaffe’s Classics“:


Herr Fassett strickt dann gerne auch mal mit 40 Farben oder mehr… 😮

10 comments for “Definitionen

  1. 20. Februar 2008 at 21:59

    Wow, sehr lehrreich, danke!!! (übrigens in meiner Muttersprache ist es ähnlich wie in Deutsch, allerdings „ajour“ wird für alle „Löcher“ benutzt 😎 ).

    PS ich habe Antwort zu den Tweed-Garnen von Knoll Yarns bekommen, leider werden sie nur an gewerbliche abnehmer verkauft 😕 . Schade …

  2. 20. Februar 2008 at 22:39

    … das ist ja klasse – danke schön 🙂 !

    LG; Anja

  3. 21. Februar 2008 at 11:37

    Hallo Tina,

    herzlichen Dank für Deine lehrreichen Ausführungen! 🙂

    Ich bin beruhigt, dass sich mein Wischiwaschiwissen als richtig bestätigt hat…

    Ãœbrigens – Deine Buchvorstellungen sind genial! Auch hierfür ein herzliches Dankeschön!

    LG ~ Mandala

    PS: Woran strickst Du eigentlich aktuell?

  4. 21. Februar 2008 at 17:05

    WOW, danke Tina!

  5. 21. Februar 2008 at 19:07

    Ganz großes Danke Tina,
    ob’s ich immerSotzenrein benutze kann ich dir nicht versprechen – aber sortierter bin ich jetzt schon…

    lG aus dem SW

    antje

  6. 22. Februar 2008 at 09:52

    danke, kann ich gerade gut gebrauchen. Ich bin immer noch beim Pullover für meinen Mann und höchst unzufrieden, ich war von Montag bis heute krank und konnte keine Nadel in die Hand nehmen. Ich habe aber geträumt, daß ich den Pullover für meinen Mann einfach auftrennen soll. Ein grund ist auch der miese Abschluß beim Abketten, na mal sehen, ob ich ihn noch retten kann. Erst mal schönen Dank, gruß margit

  7. Lizzy
    23. Februar 2008 at 23:20

    Die Jacquardpullis (Dame und Mädchen) sind aus SANDRA (Juni 1991). Es gab sogar zwei passende Puppenpullis dazu…

    Liebe Grüße
    Lizzy

  8. 23. Mai 2010 at 12:11

    Und was ist der Unterschied zwischen Zopfmuster und Aran??? 😳

    Grüße! Und Kompliment- tolle Seite! Ich schaue öfter vorbei!

  9. 23. September 2013 at 10:09

    Vielen Dank fuer deine sehr lehrreichen Ausfuehrungen – wieder was gelernt.

    Kannst du mir verraten, aus welcher Sabrina der rosa Ajour-Muster Pulli stammt?

    Gruss
    Connie

  10. Renate S.
    28. Dezember 2013 at 00:13

    Noch eine Ergänzung: Beim Stricken bezeichnet man mit dem Begriff „Lace“ nur das echte Lochmuster, also mit Musterung in allen Reihen/ Runden. Was die meisten Strickerinnen machen, ist „Lace-knitting“, also jede zweite Reihe/ Runde rechts gestrickt. Da allerdings auch die meisten Muttersprachler diese Feinheiten nicht beherrschen und wir alle ja eigentlich nur Spaß am Stricken haben wollen, wird das zum Glück nicht überbewertet…
    LG Renate S.

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