Henley-Ausschnitt – so geht’s

Anke fragte kürzlich:

Schon immer suche ich eine Anleitung für einen Auschnitt wie beim Strickmarathonpullover. Ich finde es so toll, daß der gleich mitgestrickt wird. Würdest du so freundlich sein und den Tip im Blog weitergeben?

Mache ich gerne, liebe Anke. Als ich eben die Pullover für Fotos rausgesucht habe, ist mir aufgefallen, daß ich diese Ausschnittform schon richtig oft gestrickt habe, das war mir gar nicht bewusst.

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Bevor Du jetzt einwendest, daß Du sowas doch gar nicht gemeint hast – guck mal was passiert, wenn man den Ausschnitt nicht schließt:

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Das Prinzip ist nämlich das gleiche, der Unterschied kommt nur durch die Länge der Blende, die fehlenden Knöpfe und den Kragen zustande:

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Un so geht’s:

Zunächst strickst Du das Vorderteil (von unten) bis zu der Stelle, wo der Ausschnitt anfangen soll.
Jetzt musst Du Dir überlegen, wie breit die Blende werden soll, d.h. wieviele Maschen Du pro Blendenseite haben möchtest.

Nun nimmst Du die Anzahl der Maschen, die Du auf der Nadel hast, ziehst davon die Anzahl der Blendenmaschen für eine Seite ab. Das Ergebnis teilst Du durch 2. Das ist die Maschenzahl pro Seite ohne Blendenmaschen.

Beispiel: Du hast 99 M und Deine Blende soll pro Seite 5 M breit sein.
99 – 5 = 94. 94 : 2 = 47 M pro Seite + jeweils 5 Blendenmaschen.

Das funktioniert genau, wenn Du
a) eine ungerade Grundmaschenzahl und eine ungerade Maschenzahl für die Blende hast
oder
b) eine gerade Grundmaschenzahl und eine gerade Maschenzahl für die Blende hast

Willst Du gerade und ungerade kombinieren, musst Du in der letzten Reihe vor dem Ausschnitt in der Mitte eine Masche abnehmen (theoretisch kannst Du auch zunehmen, aber eine Abnahme ist in der Regel weniger sichtbar).

In der nun folgenden Hinreihe strickst Du die Anzahl der Maschen, die Du gerade für eine Seite ermittelt hast und legst die restlichen Maschen still. In unserem Beispiel wären das 47 M zu stricken und 52 werden stillgelegt. Nun wirst Du sagen: „Äh, Moment mal, dann ist der Ausschnitt doch gar nicht in der Mitte“. Doch ist er, wart’s ab… 😉

Jetzt wird zuerst die im Tragen linke Seite gearbeitet.
Wenden und die gewünschten Maschenzahl für eine Blendenseite neu aufstricken (in unserem Beispiel hast Du dann 52 M insgesamt). Dieser neu angeschlagene Teil wird später am unteren Ende hinter die andere Seite der Blende genäht.

Nun arbeitest Du die neu aufgestrickten Maschen immer im Blendenmuster und die übrigen Maschen im Grundmuster.

So weit gerade hochstricken, wie Du möchtest, das hängt von der gewünschten Tiefe des Halsaus-schnitts ab. Sobald diese errreicht ist, kettest Du die Blendenmaschen in einer Rückreihe ab und arbeitest den Rest des Halsausschnitts, wie Du möchtest.

Wenn Du mit der linken Seite des Vorderteils fertig bist, nimmst Du die stillgelegten Maschen wieder auf und arbeitest die im Tragen rechte Seite.

Du beginnst mit einer Hinreihe, strickst die ersten x Maschen im Blendenmuster (nicht neu anschlagen) und die restlichen Maschen im Grundmuster. Das wären in unserem Beispiel von den 52 stillgelegten M 5 als Blende und 47 im Grundmuster – guck, nun hast Du auf jeder Seite 47 M im Grundmuster und die Blende ist genau in der Mitte :-D)
Dadurch, daß Du hier für die Blende die bereits vorhandenen Maschen benutzt, hast Du später am unteren Ende der Blende keine sichtbare Naht.

Achtung! Falls Du die Blende zuknöpfen möchtest (was für den Henley-Ausschnitt typisch ist), musst Du auf dieser rechten Seite die Knopflöcher einarbeiten.

Theoretisch kannst Du auch genau umgekehrt vorgehen und die rechte Seite zuerst stricken.
Falls Du aber Knöpfe dranhaben möchtest, würde ich immer die Seite zuerst stricken, an der die Knöpfe angenäht werden sollen, üblicherweise also bei Frauen die linke Seite. Dann weißt Du nämlich später bei der Knopflochblende genau, wieviele Reihen die Blende hat und kannst die Knopflöcher exakt verteilen.

Wichtig: Die Knopfseite ist immer die Seite, die hinter die andere Blende kommt – wenn Du es nämlich umgekehrt machst, guckst Du ziemlich blöd aus der Wäsche, wenn Du den Pullover zum ersten Mal zuknöpfen willst (frag‘ mich mal, woher ich da weiß… :wacko:).

Variation: Mitgestrickter Umschlagkragen

Diese Variante habe ich von Kim Hargreaves gelernt, als ich die Salina gestrickt habe.

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Gearbeitet wird wie zuvor beschrieben, aber anstatt irgendwann die Maschen abzuketten und einen Halsausschnitt zu arbeiten, wird weiter gerade hoch gestrickt und das Blendenmuster in jeder zweiten Reihe um eine M erweitert – so lange, bis das Muster so breit ist wie der gewünschte Halsausschnitt.

Hat das Vorderteil die gewünschte Länge erreicht, werden die Kragenmaschen stillgelegt und die Schultermaschen verbunden.
Die Maschen der rechten Kragenhälfte wieder aufnehmen und abstricken, dann aus dem rückwärtigen Halsausschnitt Maschen aufnehmen und zum Schluß die Maschen der linken Kragenhälfte aufnehmen und abstricken. Nun über alle M im Kragenmuster arbeiten, bis der Kragen die gewünschte Länge erreicht hat.

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Der Nachteil bei Salina: Das Kragenstückchen im Nacken ist zu kurz, das klappt immer wieder nach oben.

Beim Striper Sweater habe ich daher eine verbeserte Version gestrickt. Hier sind im Nacken viel mehr Reihen und damit der Kragen vorne nicht zu überdimensional wird, habe ich die letzten Zentimeter mit verkürzten Reihen gearbeitet:

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So sitzt der Kragen optimal:

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14 comments for “Henley-Ausschnitt – so geht’s

  1. Klara
    22. Mai 2014 at 21:42

    Wow!
    Ich liebe Henley Shirts und Polos über alles. Die letzte Kragenversion ist Super!

  2. Waltraud
    22. Mai 2014 at 22:48

    Pullover mit Knopfleiste habe ich bisher nur für Kinder unter 3 Jahren gestrickt, weil ich die Knopfleiste auf der Schulter nicht mag. Wenn der Wunsch nach Halsfreiheit besteht, stricke ich V-Auschnitt. Aber es ist vielleicht eine Abwechslung eine Vorderknopfleiste in den nächsten Pullover einzustricken und auch einen Kragen. Wenn einem beim Stricken kühl wird, kann man ihn hochklappen.
    Der kleine Strickkurs oben ist wunderbar ausführlich. .Genauso mache ich das auch, irgendwann in einem alten Schachenmayrheftchen entdeckt.

  3. LuzziBlue
    22. Mai 2014 at 23:08

    Das Muster der Jacke ist wunderschön und die Farbe der Wolle…hmm.
    Apropos Knopf-Link – welch herrliche Teile – was ich schon länger mal Fragen wollte: Woher sind eigentlich die Knöpfe für die blaue Jacke Blue Bayou?
    … und man könnte meinen, du befindest dich immer noch im Strickmarathon – Wahnsinn nun ist der auch schon fast fertig!

    • LuzziBlue
      22. Mai 2014 at 23:13

      Sorry, ich wollte diesen Eintrag zu deinem vorherigen Post „Wickerwork“ anfügen – heute ist nicht mein Tag – ich geh jetzt erstmal eine Runde schlafen.
      Gute Nacht alle miteinander.

  4. 23. Mai 2014 at 07:23

    …..muss ich jetzt unbedingt auch einmal testen…ich tendiere eindeutig zur Version Umschlagkragen..

    LG
    Gabriele

  5. Löwi
    23. Mai 2014 at 07:50

    Liebe Tina,
    ich mag Henleys auch total gerne und mein letzter Pulli hat nach den Anregungen aus der Interweave Winter auch einen verpasst bekommen. und diesmal hat es gut geklappt. Früher hatte ich da manchmal Probleme, hauptsächlich weil meine Ausschnitthöhe nicht stimmte und der Kragen zu kurz und klein ausgesehen hat. Aber dieser Tipp von dir und Kim H. ist genial. Das werde ich demnächst ausprobieren. Einfach und Genial.

    Ich habe noch eine ganz andere Frage. Ich wollte ein org. Rowan Subscription bestellen aber ich komme auf der Seite mit dem Warenkorb nicht weiter. Es werden auch keine Zahlungsmodalitäten abgefragt. Irgendwas mach ich da falsch. Bei Interweave war das ganz einfach – und auch die Kommunikation über email klappt da prima. Vielleicht hast du /Ihr einen Tipp für mich. Denn ein Abo spart ja richtig Geld im Vergleich zum hiesigen Handel. Hatte auch jetzt zwei Interweave Taschenbücher für zusammen 10€ plus 6€ Versandkosten aus Amiland kommen lassen. Dauert ein paar Tage, aber hier kosten die Bücher noch mehr als doppelt soviel.

    Liebe Grüße und frohes Stricken
    P.S.
    macht bestimmt Freude mal alle Strickteile rauszuholen und anzugucken. Eine Augenweide deine Pulllis :-))

  6. Linda
    23. Mai 2014 at 08:57

    Danke für den hervorragenden Artikel. Wunderbar klar, übersichtlich und schön zusammengefasst!

  7. 23. Mai 2014 at 14:15

    Genial! Vielen Dank für die Anleitung, liebe Tina :-)))
    (eigentlich könnte doch mal jemand auf die Idee kommen, deine sämtlichen Blog-Beiträge zu einem Buch zusammenzufassen – man findet dann einfacher was man grad braucht – – als geniales unterhaltsames Nachschlagewerk ^^)
    LG Marita

  8. 23. Mai 2014 at 15:19

    Danke für die tolle Anleitung für diese schöne Kragenvarianten. LG bjmonitas

  9. Antje
    23. Mai 2014 at 17:10

    Danke für die klare Anleitung – das eignet sich auch wunderbar für eine Jacke!!! LG aus Oberfranken in den hohen Norden….

  10. Monika HH
    24. Mai 2014 at 10:48

    Moin moin Tina,

    vielen Dank für deine ausführliche Anleitung!
    Als besonders hilfreich empfinde ich es immer, wenn du andere und auch weniger gelungene Beispiele mit anführst. Dies spornt mich an, eingefahrene Wege zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren – oder zu gucken, was schlägt denn Tina dazu vor http://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif

    Liebe Grüße an alle

  11. Beate
    24. Mai 2014 at 12:53

    Danke Tina für die super Anleitung! 😃
    Habe mich bisher noch nicht an einen solche Ausschnitt rangetraut, obwohl mir das so gut gefällt. Ich werde es demnächst ausprobieren.
    Grüße aus dem Allgäu
    Beate

  12. Monika21
    26. Mai 2014 at 10:02

    Liebe Tina,
    auch von mir ein herzliches „Dankeschön“ für Deine toll geschriebene Anleitung!
    Viele Grüße
    Monika

  13. Chaluda
    26. Mai 2014 at 10:54

    Vielen Dank für die Anleitung, prima für Männerpullover (für mich finde ich solche Kragen nicht so schön…………) oder Kinderpullover :-))
    Aber ich muß mal bei Deinen Projekten schauen, da sind ein paar wunderschöne Projekte bei 🙂
    wollige Grüße aus Köln

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