Hebemaschen – Teil 1

Hebemaschen sind eine interessante Möglichkeit, um mit wenig Aufwand sehr dekorative Muster zu stricken.

Man kann sie einfarbig oder mehrfarbig arbeiten. Letztere haben oft auch eine sehr ansehnliche Rückseite, eignen sich also z.B. wunderbar für Schals.

Es besteht sogar die Möglichkeit, Jacquard- bzw. Fair Isle-Muster mit Hilfe von Hebemaschen zu stricken – dabei arbeitet man nur mit jeweils einer Farbe pro Reihe, muss aber dafür jede Reihe zweimal oder noch öfter stricken, je nachdem, wieviele Farben in einer Reihe vorkommen. Manche finden diese Technik einfacher, ich persönlich finde sie viel zu zeitraubend.
Elizzza hat das Ganze dann noch auf die Spitze getrieben – für mich keine Alternative (mit den ganzen Umschlägen würde ich total wuschig werden), aber manch einer mag damit besser zurecht kommen.

Was ist denn nun eigentlich eine Hebemasche?

Eine Hebemasche ist nichts anderes als eine Masche, die nicht abgestrickt wird, sondern nur von einer Nadel auf die andere gehoben wird. Auf englisch heißt das „slip stich“.

Das Abheben kann auf zwei Arten erfolgen:

  • Sofern die Anleitung nichts anderes erwähnt, sticht man in die Masche wie zum Linksstricken ein (purlwise) und hebt die Masche von der linken auf die rechte Nadel.

Sl1purlwise

  • Man kann auch wie zum Rechtsstricken einstechen (knitwise), das führt aber dazu, daß die Masche anders herum orientiert auf der rechten Nadel landet und zu einer verschränkten Masche wird, wenn man sie in der Folgereihe normal abstrickt (normal heißt hier die in Westeuropa übliche Art, also nicht eastern oder combined). Diese Art die Masche abzuheben wird in Hebemaschenmustern aber nur sehr selten verwendet.

Sl1knitwise
(Zeichnungen von Vogue Knitting, die sehr gute Technik-Erklärungen auf ihrer Seite haben – alle stammen aus meinem Lieblings-Grundlagenbuch Vogue Knitting the Ultimate Knitting Book)

Hebemaschen ziehen das Gestrick in der Höhe zusammen, ein Muster mit vielen Hebemaschen braucht also für die gleiche Höhe deutlich mehr Reihen und somit auch mehr Garn als z.B. glatt rechts. Dadurch -und durch die Spannfäden- wird das Gestrick außerdem dicker und schwerer.
Gleichzeitig kann man sich diese Tatsache aber zunutze machen, um sehr plastische Muster zu erzielen. Bei meinem Novembermorgen habe ich z.B. ein Hebemaschenmuster gearbeitet:

In der Folgereihe kann eine Hebemasche links oder rechts abgestrickt werden oder sogar erneut abgehoben werden, je nachdem, was das Muster erfordert. Will man eine Hebemasche über mehrere Reihen „transportieren“, sollte man ihr zuvor mehr Faden zugestehen – hierzu mehr in Teil 2.

Den unbenutzten Faden kann man auf der Rückseite oder auch auf der Vorderseite der Arbeit mitführen – das ergibt jeweils unterschiedliche Mustereffekte.

Macht man mit dem unbenutzten Faden gleichzeitig mit dem Abheben einen Umschlag und strickt in der nächsten Reihe die Hebemasche mit dem Umschlag zusammen, erhält man -voilá- ein Patentmuster.

Zum Thema zweifarbige Hebemaschenmuster gibt es von Fiona Goberstein einen Video-Workshop (z.Zt. auf 8 USD heruntergesetzt), den ich persönlich aber zu „amerikanisch“ finde (sprich, eine im Prinzip sehr simple Sache wird in epischer Breite erklärt).

Craftsy bietet ebenfalls einen Kurs namens My First Slip-Stitch Afghan an  – den habe ich nicht gesehen, abr eigentlich sind alle Craftsy-Kurse von hoher Qualität.

Eine sehr umfangreiche Mustersammlung von Hebemaschenmustern in Krausgestrick ist Barbara Walkers Mosaic Knitting, das leider nur noch für relativ viel Geld erhältlich ist. Das Original kam schon 1976 heraus, 1997 wurde es neu aufgelegt.

Eine ganze Menge an Musterbeispielen aus dem Buch findet sich beim Walker Treasury Project.

Mosaicknittingbw

Was man aus Mosaik-Hebemaschenmustern machen kann, zeigen zum Beispiel diese beiden Modelle von Barbara Gregory – die Anleitungen sind kostenlos in der Knitty erschienen (ein Klick auf’s Bild führt Euch zur Anleitung):

hebemaschenmodell1

hebemaschenmodell2

Auch in Pop Knitting gibt es vier Kapitel, die sich Hebemaschenmustern widmen. Etliche davon habe ich bisher in keiner anderen Mustersammlung gesehen.

Ansonsten gibt es in vielen Mustersammlungen auch eine Abteilung mit Hebemaschenmustern – sowohl einfarbigen als auch mehrfarbigen.

In Teil 2 dieser Miniserie werden wir uns mit den einfarbigen Mustern beschäftigen und in Teil 3 folgen dann die mehrfarbigen. Ihr werdet staunen, was man mit Hebemaschen alles machen kann – da gibt es weit mehr als nur abgewandelte Jacquardmuster.

20 comments for “Hebemaschen – Teil 1

  1. Sybille
    28. Dezember 2014 at 08:34

    Guten Morgen,

    Hebemaschen liebe ich, man kann damit auf einfache Weise so tolle Effekte erzielen. Das Buch von Barbara Walker steht schon lange auf meiner Wunschliste, dafür habe ich das Buch von Roxana Bartlett, Slip-Stitch Knitting. Viele interessante Hebemaschen-Muster findet man auch in diversen Mustersammlungen.

    Schön, dass du das Thema behandelst.
    Was macht eigentlich deine Puzzle-Leidenschaft?

    LG Sybille

  2. Selene69
    28. Dezember 2014 at 10:07

    Liebe Tina,

    du erinnerst mich an mein Hebemaschenprojekt, dass derzeit unbeachtet in der Ecke liegt, weil die Weihnachtsprojekte Vorrang hatten.

    Einen schönen Sonntag
    Nina

  3. 28. Dezember 2014 at 10:18

    Toll, die ‚alte‘ Tina mit Tricks und Tipps ist zurück! 😉
    Ich liebe auch Hebemaschen, weil man damit sehr einfach schöne Struktur- und Farbmuster stricken kann.

    Ich bin gespannt auf die Auslosungen der letzten Adventkalendertürchen.

    Liebe Grüße aus dem weiß angehauchten Rheinland
    Andrea

  4. 28. Dezember 2014 at 10:25

    Hu!
    das ist ja zauberhaft! Ich freue mich schon wahnsinnig auf die anderen Teile, denn Hebemaschenmuster finde ich so unendlich schön und Mosaic knitting ebenfalls. Ich habe es zwar noch nie probiert, werde das aber als Projekt für 2015 anstreben. Vielleicht erstmal mit einem Cowl oder so, da kann man so fein selbst gesponnene Fasern in Szene setzen.

    Oh, ich freue mich auf die weiteren Teile! *hibbel*

  5. Annelies
    28. Dezember 2014 at 11:07

    Hallo,

    gerade habe ich mir die Seite von Elizzza angesehen. Zuerst fand ich ihre Idee ja noch ganz logisch, aber nachher – ich kann Tina nur zustimmen, mit den ganzen Umschlägen wirkt es verwirrend.
    Hebemaschen stricke ich sehr gerne. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass meine Oma Kinderpullis aus Restwolle immer mit Hebemaschen gestrickt hat, damit keine „langweiligen“ Streifen entstehen.

    Somit freue ich mich, wenn so schöne Muster, wie von Barbara Gregory gezeigt werden, denn das hat ja mit Verwertung von Restwolle nichts zu tun.

    Wie schön, endlich wieder Tipps zu bekommen!

    LG
    Annelies

  6. 28. Dezember 2014 at 11:58

    Liebe Tina, vielen Dank für Deine Techniktipps. Die sind sehr hilfreich, ich freue mich jedes Mal darüber. Grüße, Carola

  7. Brigitte
    28. Dezember 2014 at 12:16

    Schön wieder von dir Tipps und Tricks zu bekommen.

    Du hast mich mit dem Muster gleich auf die Idee gebracht endlich mir einen Pullover nach deinem Workshop und mit dem Hebemuster zu Stricken.( das wäre mein erster selbst berechneter Pulli).

    Liebe Grüße aus dem kalten Berlin
    Brigittehttp://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif

  8. 28. Dezember 2014 at 12:54

    Moin, ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzungen… LG bjmonitas

  9. 28. Dezember 2014 at 13:19

    Schönes Thema! Ich liebe Hebemaschen, damit kann man so viele tolle Muster machen. Und ich bin auch sehr begeistert von Elizza’s Hebamaschen-Fair-Isle-Methode, danach habe ich schon eine Jacke gestrickt, das klappt bei mir viel besser als das Gewurschtel mit zwei Fäden gleichzeitig.

  10. Kirsten
    28. Dezember 2014 at 14:37

    Toll, die „alte“ Tina ist wieder da! Hoffe, Du hattest ein schönes Fest mit Deinen Fellnasen!
    Der rote Pullover ist klasse. In der Art werde ich einen Pulli für meine Tochter stricken; sie liebt blau und grün – da geht doch was!
    Ich setze in einen Brooklyntweed-Beitrag nochmal eine Frage rein!

    Liebe Grüße und eine gute Zeit zwischen den Jahren,

    Kirsten

  11. Sissi
    28. Dezember 2014 at 14:43

    Hallo Tina!
    Vielen Dank für diese ausführlichen Erläuterungen – das von Elizza kenne ich und finde es ganz spannend, weil damit für so „Feststricker“ wie mich, das Ganze dann doch nicht so „bretthart“ wird. Die Mustervariationen, die man mit Hebemaschen erreichen kann, gefallen mir unheimlich gut.
    glg Sissi

  12. Waltraud
    28. Dezember 2014 at 15:34

    Stricksachen mit Hebemaschen sind immer etwas weicher, deshalb gut für Cowls und immer etwas dicker, praktisch für Jacken. Ich kenne die Hebemaschen von den Pullundern meines älteren Bruders und meinen Strickkleidchen, die meine Großmutter gestrickte hatte. Wahrscheinlich sind dazu auch Restknäuel verarbeitet worden. Einen Nachteil hatten die Kindersachen mit Hebemaschen, man zog sich leicht Fäden, wenn wir durch Wald und Feld streiften.
    Bisher habe ich Hebemaschen nur zu ganz einfachen Mustern genutzt und war immer faziniert von den Mustern in „pop knitting“ Momentan scheinen wieder alle auf dem Hebemaschentripp zu sein und ich werde mich auch tiefer in die Materie einarbeiten, weil mir die Technik und die damit erzielte Wirkung gut gefällt.

  13. Anke
    28. Dezember 2014 at 16:12

    Wie schön, hier wieder neue Tipps zu lesen. Vielen Dank, Liebe Tina!
    Hebemaschen habe ich bisher nur bei Socken und Cowls gestrickt. Sieht so aus, als ob ich das doch auch mal bei einer Jacke ausprobieren sollte…
    Liebe Grüße
    Anke

  14. LuzziBlue
    28. Dezember 2014 at 17:27

    Danke.
    Ich freu mich schon auf die Fortsetzung, da ich noch viel Wolle einer Sorte in vielen verschiedenen Farben habe.

  15. Ute
    28. Dezember 2014 at 18:11

    Ich kannte Hebemaschenmuster bisher nicht. Aber Dein Novembermorgen sieht klasse aus. Ich freue mich schon auf den 2. Teil.

    Liebe Grüße

  16. Pauli
    28. Dezember 2014 at 18:29

    Liebe Tina,
    na, da hast Du ja was ausgelöst. Als ich Deinen Beitrag las, fiel mir ein, dass seit über einem Jahr ganz unten in meinem Strickkorb noch eine Strickjacke mit Hebemaschenmuster schlummert. Eigentlich so gut wie fertig, es mussten nur noch die Ärmel eingesetzt und die Seitennähte geschlossen und die Blende gestrickt werden.
    Wie der Zufall es wollte, hatte ich heute jede Menge Zeit für mich. Inzwischen sind alle Nähte geschlossen und die Blende ist in Arbeit. Ich freue mich, dass ich bald meine schöne Jacke mit Hebemaschenmuster trage kann. Den Strickkorb wird die jedenfalls nicht mehr von innen sehen.
    😉

    Liebe Grüße und vielen Dank für den Anstoss
    Pauli

  17. Rosenherz
    28. Dezember 2014 at 22:49

    Im Herbst habe ich bei dem Mosaik-Kurs des Austrian Yarn Clubs teilgenommen. Da habe ich mich in diese Strickmedthode richtiggehend verliebt!

  18. 28. Dezember 2014 at 23:32

    Ein schöner Artikel, ich mag Hebemaschenmuster.
    LG
    Ingrid

  19. Birgit / Taissa
    29. Dezember 2014 at 13:35

    Das ist ja witzig, ich habe mir nämlich gerade vor ein paar Tagen vorgenommen, als erstes Oberteil im neuen Jahr den Louvre von HintermStein (ich kann hier glaube ich nicht verlinken, oder?) zu stricken. Der hat ein Hebemaschenmuster vorn und ist dadurch auf der Vorderseite gewollt kürzer als hinten.

    Ich bin schon sehr auf die Fortsetzungen des Mini-Kurses gespannt; mehrfarbige Hebemaschenmuster kenne ich noch gar nicht. http://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/bf-knittingsmiley.gif

  20. manati
    29. Dezember 2014 at 18:09

    Das Trauma meiner Kindheit: Pullover mit Hebemaschen – das einzige Muster, das meine Mutter stricken konnte (oder wollte?). Ich habe es gehaßt. Das hat jedenfalls nichts mehr mit den vielfältigen Möglichkeiten zu tun, die es in der Welt der Hebemaschen gibt. Mit Begeisterung habe ich die „Arietta“ Jacke gestrickt – ähnlich stranded knitting, aber nicht so dick, da immer nur ein Faden benutzt wird. Besser gefällt mir allerdings das „echte“ stranded knitting – für mein Empfinden sauberer gearbeitet, die Muster können graziler herausgearbeitet werden.
    [Schön, daß Du wieder da bist, aber ich glaube, Du solltest noch einen Weg finden zwischen nix und wieder ganz viel *gg*]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte rechnen :-) *

http://tichiro.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
more...